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Zum neuesten Stand der Diskussion über die Übersetzung der Wandlungsworte

Von P. Franz Prosinger

In den letzten Wochen und Monaten (2007) wurde die neue, bzw. alte Übersetzung der Worte über den Kelch „für alle" oder „für viele" eifrig diskutiert. Die Zeitschrift „Christ in Gegenwart" hat es zum "Besonderen Thema" mit vielen Beiträgen von Exegeten, Dogmatikern und Liturgiewissenschaftlern erkoren. Im allgemeinen drehen sich die Argumente im Kreis und es gibt wenig Neues. Vergleiche dazu in der März-Nummer der Zeitschrift „Theologisches" den Artikel "Zum aktuellen Stand der Diskussion 'für viele / für alle'".

Das Deutsche Liturgische Institut in Freiburg und Trier sieht die Frage als von der Tradition der Kirche im Sinn des „für alle" entschieden Da ist zunächst der letzte Grün-Donnerstagsbrief von Johannes Paul II. aus dem Jahr 2005. Tatsächlich war es damals eine bittere Überraschung, im Brief des Papstes das „pro multis" als typisch semitische Ausdrucksweise erklärt zu bekommen, mit der typischen Formulierung von Joachim Jeremias (in seinem Artikel „polloi" im ThWNT VI, 536-545) „die große Schar", die zugleich „die Gesamtheit der Menschheit" mit einschließt... Nun erstreckt sich die päpstliche Unfehlbarkeit sicher nicht auf die Beurteilung von angeblichen Semitismen und der Hinweis auf die universale Heilsabsicht des Herrn in Joh 6,51 und 1Joh 2,2 ist ja unbestritten – wenn auch diese Stellen außerhalb der konkreten Darreichung des Kelches zur Kommunion in seinem Blut stehen. – Wer hat den Gründonnerstags-Brief verfaßt (Johannes Paul II war schon monatelang schwer krank)? Hat er die Zustimmung der Glaubenskongregation erhalten? Immerhin hat Kardinal Ratzinger am 23. Juli 2004 an Pater Michael Wildfeuer, der sich an ihn in dieser Frage gewandt hatte, geschrieben: „Vielleicht wissen Sie nicht, daß P. Prosinger von der Petrusbruderschaft bei dem weltberühmten Exegeten des Bibel-Institutes, P. Vanhoye S.J., eine Lizentiatsarbeit über diese Frage geschrieben und klar bewiesen hat, daß die Übersetzung `für viele´ heißen muß, was von den gestrengen Prüfern des Bibel-Instituts auch angenommen worden ist". Sodann will das Liturgische Institut – und mit ihm die Liturgiker der Bonner Theologischen Fakultät Klemens Richter und Albert Gerhards (siehe die Website von "Wir sind Kirche") - eine authentische Interpretation des "pro multis" im Einschub der Gründonnerstagsliturgie im alten Römischen Meßbuch sehen: „Am Abend, bevor er für unser Heil und das Heil aller Menschen (qui, prídie quam pro nostra omniúmque salúte paterétur,) das Leiden auf sich nahm – das ist heute –…". Dazu ist zu sagen, daß sich das "für unser und aller Menschen Heil" auf die Hingabe des Herrn am Kreuz, also am folgenden Tag bezieht. Nun könnte es ja sein, daß die Charakterisierung des Blutes im Kontext der Darreichung des Kelches an die Jünger als „vergossen werdend für viele" (Partizip Präsens Passiv) darauf hinweist – paraphrasierend gesprochen: das ich – nebenbei gesagt – am Kreuz für alle Menschen vergießen werde. Näherliegend ist allerdings der Bezug im unmittelbaren Kontext der Darreichung des Kelches und der Aufforderung zum Trinken: für euch, bzw. für viele. Pater Gerhard Hermes hat schon 1971 im FELS geschrieben: „könnte der Herr durchaus auch an die sakramentale Ausgießung des 'Kelches' (!) Seines Blutes in der Kirche gedacht haben, deren nicht einmal alle Auserwählten teilhaftig werden" (Pro multis – für viele, FELS, 3/1971; S. 67). Im Nov. 1970 schrieb Prof. Dr. Rudolf Pfeil im FELS: "Aber es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen der Intention des Kreuzesopfers auf die Erlösung der ganzen Welt hin und der faktischen Zuwendung der Erlösung auf die Teilnehmer an der im Meßopfer geschehenen repraesentatio dieses Opfers". Und Prälat Erwin Hesse aus Wien bemerkte im FELS 6 (1985), S. 187 ganz richtig, daß es für Joachim Jeremias innerhalb der protestantischen Soteriologie als bloßem Zusprechen der Erlösung konsequent war, wenn beim letzten Abendmahl im Gefolge der Mähler Jesu mit den Sündern denselben die Sühnekraft seines Todes durch den deutenden Hinweis auf sein Kreuzesopfer „für alle" zugesprochen wird. Offensichtlich hat man früher trotz des selbstverständlichen Zusatzes im Kanon der Gründonnerstagliturgie – niemand zweifelt am allgemeinen Heilswillen des Herrn in seinem Opfer am Kreuz – keine Veranlassung gesehen, das „für viele" als alle inkludierend zu deuten (siehe dazu das wertvolle Geleitwort von Prof. Manfred Hauke in dem nun veröffentlichten Buch). Offensichtlich verstand auch die römische Kirche das Ausgießen des Blutes im Hinblick auf die sakramentale Kommunion „für euch und für viele", so wie es in der byzantinischen Liturgie heißt: „Das allheilige und kostbare Blut des Herrn und Gottes, unseres Erlösers, wird dir N. (wird mir, dem Priester N.) gereicht zur Vergebung der Sünden und zum ewigen Leben."

Auch eine eingehende Analyse des Markustextes zeigt folgendes Ergebnis: „Die Bedeutung des Todes Jesu wird hier nicht erhellt und gegeben als eine sprachliche oder motivliche `Deutung´, die nur ausgesprochen oder mündlich postuliert wäre, sondern sie geschieht gewissermaßen als Einsetzung der eucharistischen Gedächtnisfeier; oder anders: Jesus `erklärt´ hier nicht seinen Tod, sondern er gibt daran Anteil (Mk 14,22-24)" – dies ist in einer breit angelegten Monographie (668 Seiten!) Die Deutung des Todes Jesu im Markusevangelium von A. Weihs (Würzburg 2003) auf S. 156 zu lesen. Das heißt: hier wird nicht gedeutet und erklärt, sondern sakramental kommuniziert. A. Weihs sieht ebenfalls die naheliegende Beziehung zu Mk 10,38 und 14,36: den Kelch des Leidens, den der Herr am Ölberg im Gehorsam aus der Hand seines himmlischen Vaters annimmt, sollen auch die Jünger trinken, die an seiner Herrlichkeit im himmlischen Reich teilhaben wollen – dieser hohe Anspruch entspricht aber nicht dem Geschmack aller Menschen!

Dagegen wurde von Michael Theobald, dem Ordinarius für Neues Testament in Tübingen, ein wirklicher Einwand vorgetragen („Pro multis" – Ist Jesus nicht „für alle"gestorben?, in Orientierung 71/2007, S. 21-24): wer in dem „für viele" die spezielle Bezeugung der Wirkweise im Horizont der Eucharistie erkennen will, übersieht, daß die „sühnechristologische Formel 'für viele' in eucharistischem und nicht-eucharistischem Kontext unterschiedslos" gebraucht wird (S. 23). Tatsächlich steht die Aussage, daß der Menschensohn sein Leben hingibt als Lösepreis für viele (Mk 10,45), nicht ausdrücklich in eucharistischem Kontext – wohl aber in der Nähe zu 10,38f! –, und mit großer Wahrscheinlichkeit geht die Formulierung auf Is 53,12c zurück, daß der Gottesknecht „die Sünden vieler auf sich genommen" hat, wobei es sich nicht um einen kultischen Ritus, sondern eine existentielle Auseinandersetzung handelt. Ich bin auf diesen Einwand in meiner Lizentiatsarbeit (im Buch vermutlich auf S. 64) bereits eingegangen: „Während außerhalb der konkreten Teilgabe beide Aspekte angesprochen werden können – einerseits Joh 6,51 und 1Tim 2,6, andererseits Mk 10,45 -, so ist die Applikation "für viele" in Mk 14,24 im tatsächlichen Vollzug der Kommunion im Opfer Christi gut verständlich. Außerdem ist Mk 14,24 ein "Spitzensatz", in dem Formulierungen von anderswoher nicht einfach nur übernommen werden". Das heißt: Formulierungen aus dem Alten Testament werden nicht unbedingt als in ihrem dortigen Kontext vorgeprägt übernommen (vgl. das Zeichen des Jonas!), sondern in den neuen Horizont des Neuen einbezogen und neu geprägt.

Nun sieht M. Theobald (a.a.O.) aber den in Mk 10,45 angegebenen Horizont von der „Metaphorik vom Lösegeld, das Jesus bezahlt" geprägt, und es sei „abstrus, hier der Formel unterstellen zu wollen, sie bezeuge die `nicht-mechanische Art und Weise der Erlösung´". Nun: gerade weil es sich nur um eine Metaphorik handelt, ist der Schluß nicht zwingend. Das Ziel des Erlösungswerkes, die Wiederherstellung der Gottesfreundschaft in dem Garten, da der HERR zum Hauch des Tages hin- und herging (Gen 3,8), wird nicht durch die Bezahlung eines Lösepreises zur Befreiung aus einer äußerlichen Sklavenschaft erreicht. Das Vorbild, die Befreiung des Gottesvolkes aus der Sklaverei in Ägypten, ist eben nur ein vorläufiges Bild, das nach dem 9. Kapitel des Hebräerbriefes aufgehoben und vollendet ist im Opfer Christi, der gerade nicht nur irgend etwas bezahlt oder geopfert hat, sondern „sich selbst im ewigen Geist unbefleckt Gott darbrachte, um unser Gewissen zu reinigen von toten Werken, um dem lebendigen Gott zu dienen" (9,14). Das geschieht wohl sola gratia (Theobald sieht eine Gefahr, die solagratia- Lehre aufzulösen), aber nicht als „gratia extra nos", nicht über die Köpfe und die Verantwortung der zu Erlösenden hinweg. Die Forderung nach einer „Mitwirkung (!)" des Menschen versah Theobald empört mit einem Ausrufezeichen. Differenzierter sieht es die Synode von Quiercy: „Deus omnipotens 'omnes homines' sine exceptione 'vult salvos fieri' (1Tim 2,5), licet non omnes salventur. Quod autem quidam salvantur, salvantis est donum: quod autem quidem pereunt, pereuntium est meritum" (Kap. 3; DS 623). Auch unsere Mitwirkung ist ein Geschenk der Gnade, aber wer nicht will, verdankt seinen Untergang sich selbst. Der hl. Paulus wird nicht müde, diese Mit-Wirkung als Frucht des Mit-Seins mit Christus, als ein Mit-Ihm-Gestorben-Sein, Mit-Ihm-Begraben- Sein und Mit-Ihm-Auferstanden-Sein zu bezeichnen. Auch die Metaphorik des Schuldscheins, den Christus mitten ans Kreuz geheftet hat (Kol 2,14), meint nicht etwa, daß Christus selbst der Schuldschein geworden wäre, den er dann vernichtet hätte – dahinter stünde ein allzu anthropomorphes Gottesbild -, sondern uns hat er mit sich ans Kreuz geheftet durch eine nicht von Menschenhand gemachte Beschneidung, durch das Mit-Begrabensein mit Ihm in der Taufe und das Mit-Auferstandensein durch (ein Leben aus dem) Glauben aus der Wirkkraft Gottes: auf Grund dieses neuen Lebens mit Christus sind uns die Sünden vergeben und der Schuldbrief ist zerrissen (Kol 2,11-13; vgl. dazu meinen Beitrag „Was heißt Glauben?"). Gerade weil wir so tief in sein Wirken hineingenommen werden, ist auch die Identifikation und Intimität so ganz über jeden Zweifel erhaben. Wer meint, daß Christus uns nur als Sündenbock durch Stellvertretung als Platztausch etwas erspart und abgenommen hat (so Martin Luther, Karl Barth, Hans Urs von Balthasar etc.), scheint den Menschen von der Last seiner Verantwortung zu befreien, beraubt ihn aber des eigentlichen Geheimnisses unseres Lebens, nämlich der wirklichen Gottesfreundschaft.

Das „für viele" ist ermutigend, da niemand ausgeschlossen ist, enthält aber auch die heilsame Beunruhigung, daß wir nicht automatisch eingeschlossen sind. Der in Jer 31,31- 34 und Ez 11,19 angekündigte Neue Bund als die Gabe eines neuen Herzens will den je Einzelnen bis ins Innerste seiner Existenz auffordern und einfordern. Die das 20. Jahrhundert beherrschenden theologischen Schulen von Balthasar und Rahner gehen an diesem zentralen Gedanken der Hl. Schrift vorbei (siehe meinen Artikel in Theologisches, März 2007). Eine interpretierende Wiedergabe des „pro multis" mit „für alle" fördert – ob gewollt oder ungewollt – diese unbiblischen und letztlich unmenschlichen Theorien. Auf Anweisung des Papstes schrieb Kardinal Arinze am 17. November 2006 an alle Bischöfe: „ Die Bischofskonferenzen derjenigen Länder, bei denen die Formel "für alle" oder eine ähnliche Formel in Gebrauch war, werden daher gebeten, den Gläubigen in den nächsten ein bis zwei Jahren eine geeignete Katechese anzubieten, damit sie auf die Einführung einer präzisen landessprachlichen Übersetzung der Formel des pro multis (z.B. "for many", "per molti", "für viele" bzw. "für die Vielen") vorbereitet werden." Das nun im Verlag Franz Schmitt, Siegburg (ISBN 3-87710-282-4 ISSN 0943-478 X) erschienene Buch „DAS BLUT DES BUNDES – VERGOSSEN FÜR VIELE? Zur Übersetzung und Interpretation des hyper pollôn in Mk 14,24. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Manfred Hauke, Lugano" sollte die Argumente für diese geeignete Katechese geben.


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