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Kontinuität oder Bruch?

Die praktische Durchführung der Liturgiereform und die sakrale Architektur von Dominikus Böhm

Von P. Franz Prosinger

Der Architekt Dominikus Böhm (1880 – 1955) schuf in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Reihe sakraler Bauten, die nicht mehr dem Historismus verpflichtet waren und insofern als moderne Architektur zu bezeichnen sind, andererseits aber den nachkonziliaren Reformern zu konservativ waren. Er selbst nannte seinen Kirchen „Meßopferkirchen“. Der Denkschrift zur Einweihung der Kirche in Dettingen (1. Juli 1923) ist ein Zitat von J. van Acken vorangestellt: „Bedarf die Kirche für den in der Mitte der Gläubigen gegenwärtigen Herrn einer Wohnung, so muß dies eine Opferstätte sein, eine Wohnung, deren Hauptort der Altar ist.“ Die aus der damaligen liturgischen Bewegung stammende Christozentrik richtet den Blick auf den Hochaltar. Das Licht im Kirchenschiff ist gedämpft, fällt aus den Seitenschiffen schräg nach vorn in den Altarraum weisend, über dem sich der Himmel öffnet. „Das ganze Raumsehnen findet seine Erfüllung in der Opferstätte“, so heißt es in der erwähnten Denkschrift. Die über dem Hochaltar im Fluchtpunkt der Konzentration, in der hoch erhobenen und langgestreckten Apsis – wie etwa in St. Johann in Neu-Ulm -, eröffnete Lichtquelle erinnert an das Wort per crucem ad lucem (durch das Kreuz zum Licht). Der Altarraum ist nicht so sehr eine Bühne für den Himmel auf Erden, sondern der Ort der Transzendenz, eine Schwelle des Überschreitens aus dem Dunkel irdischer Pilgerschaft hinein in das Überirdische – und zwar durch das Opfer. So steht der Altar ganz am Ende dieses Weges, an der Stirnwand, wo durch das einfallende Licht hell erleuchtet das Ziel vor Augen gestellt wird. Dazu in der Denkschrift: „Auf die Anordnung von Fenstern in den Seitenschiffen wurde bewußt verzichtet, um die Gemeinde durch die vollkommene Geschlossenheit des Raumes zur Abkehr von der Außenwelt und zur Sammlung und Andacht zu führen.“

In Dettingen weist ein augenfälliger Kreuzweg in seiner zwölften Station über dem Hochaltar „auch gedanklich in Beziehung mit dem alltäglich sich erneuernden Kreuzesopfer“. „Der Altar ist als geistiger Mittelpunkt des Raumes durch reiches Gold besonders hervorgehoben“. Die christozentrische Kirchenbaukunst Dominikus Böhms will „durch die Macht des Raumes die Gemeinde in die Mitfeier des hl. Opfers“ einstimmen. Im Unterschied zur Klosterkirche kommen die Menschen aus der Welt und müssen die notwendige Sammlung allererst gewinnen. Zusammen mit Martin Weber veröffentlichte Dominikus Böhm seine Gedanken in dem Buch Der Bau und seine innere Ausgestaltung: „Vom christozentrischen Raumgedanken ausgehend war unser Streben darauf gerichtet, eine energische Steigerung der räumlichen Wirkung mit der bestimmten und ausdrücklichen Richtung nach dem Hochaltar zu schaffen. Die Stützenreihung im Inneren, das gedämpfte Licht im Schiff gegenüber der strahlenden Chorbeleuchtung, die Steigerung der farbigen Wirkung nach dem Hochaltar zu waren alles Mittel, dieses Ziel zu erreichen. Durch die Stützenreihung wird das Leichte, Schwebende des Raumes, das zunächst den Beschauer gefangen nimmt, weitergeführt nach dem Altar und dort in kreisende Bewegung in horizontaler Richtung aufgelöst. Das ganze Raumsehnen findet seine Erfüllung in der Opferstätte“. (Bd 9).

Vor allem in Neu-Ulm gelingt Böhm die für ihn typische Konzentration wahrer Lichtmassen auf den Altar. Es fällt indirekt von den Seiten und vor allem von oben ein.
Dagegen erhob sich Widerstand. Holger Brülls schreibt in dem Buch Sehnsucht des Raumes, hrsg. von Michael Pfeifer, Regensburg 1998, auf S. 21 aus nachkonziliarer Sicht: Böhm baute „seine Kirchen als Fluchtburg für Weltflüchtige“. Vor allem wurde die Konzentration auf den Hochaltar in der Liturgiereform der 70-er Jahre „korrigiert“.
Rudolf Voderholzer versucht gegenüber der offenkundigen Konfrontation zwischen dem vorgezogenen Volksaltar und dem entrückten Hochaltar als Blickfang und Fluchtpunkt ins Transzendente eine scheinbar überlegene Synthese: „daß die Alternative Opfercharakter oder Mahlcharakter letztlich zu kurz greift“ (S. 88); und: „in einer bewußt offen gehaltenen Form war die ‘Einsetzung der Eucharistie’ von innen her bereit ..., im Licht der Ostererfahrung als ein Dankopfermahl Jesu aufgegriffen zu werden“ (a.a.O. S. 90). Als Antwort auf Luther habe das Konzil von Trient einseitig, „in einer gewissen Isolation einzelne Themen stark in den Vordergrund gestellt, so vor allem die Lehre vom Opfercharakter der Messe“ (S.87) – aber keine umfassende Eucharistietheologie entwickelt. „Dieses Verständnis der Messe als Meßopfer (vom Konzil von Trient) ist nicht falsch oder heute ungültig, es ist nur einseitig.“ (S.86) „Nur nebenbei sei darauf hingewiesen, daß hinsichtlich des Opfercharakters der Messe im ökumenischen Gespräch die Mißverständnisse mittlerweile überwunden zu sein scheinen.“ (S. 88)

Dagegen zeigte gerade die „Gemeinsame Erklärung über die Rechtfertigungslehre“ durch ihr Zustandekommen bzw. Nicht- Zustandekommen mit und ohne Zusatzerklärung der Glaubenskongregation, daß die Unterschiede nach wie vor höchst virulent sind und sich unsere Vorfahren nicht während 450 Jahren nur wegen Mißverständnissen so unerbittlich attackiert haben. Zudem war während der vergangenen vierzig Jahren – auch von seiten katholischer Exegeten - die historisch-kritische Hinterfragung der Einsetzung der Eucharistie, die Voderholzer in Anführungszeichen setzt, bestimmt von einer unhinterfragten Übereinstimmung, den überlieferten Bericht als nachträgliche Kultätiologie abzuqualifizieren und den ursprünglichen Sitz im Leben in das Versöhnungsmahl mit Zöllnern und Sündern zu verlagern.

Wie auch immer Voderholzer verbal „das Opfermotiv in den größeren Zusammenhang der Messe als Eucharistiefeier reintegrierte“ (S.86: im Wandel des Eucharistieverständnis in der katholischen Kirche im Verlauf des 20. Jahrhunderts), die „Meßopferkirchen“ Dominikus Böhms wurden zerstört. Dieses harte Wort verwendet ein unverdächtiger Zeuge, Domherr Lenssen, Bau- und Kunstreferent der Diözese Würzburg, zur Kirche in Dettingen: „Die momentane liturgische Lösung“ – Abriß der Kommunionbank und ein vorgesetzter „Volksaltar“ – „(hat) die anfänglich Altargestalt in ihrer Gesamtkonzeption zerstört“ (S. 173).

Noch gravierender ist der Bruch in der Kirche St. Johann in Neu-Ulm, in der die ursprünglich auf den Hochaltar konzentrierten Lichtfluten nun auf die leere Stirnwand fallen und ein Zelebrationsaltar in die Richtung des dunkel gehaltenen Kirchenschiffs vorgezogen wurde. Da kann auch keine künstliche Beleuchtung die durchbrochene Lichtführung der Architektur überblenden. Die „Wegkirche“, die über den irdischen Kirchenraum hinausführen will – hier liegt der Grund für die von Voderholzer vermißte österliche Dimension –, entspricht zwar, wie H. Muck (S. 168) zugibt, der Konzeption des Zweiten Vatikanischen Konzils von der pilgernden Kirche, läßt aber das „Verständnis für die räumliche Ausgestaltung der eucharistischen Tischgemeinschaft“ (S. 164) vermissen. Man sei zwar unterwegs, aber es gebe für das Gottesvolk „Stationen seines Feierns“ (S. 168). Dies geschehe im Kreis der Feiernden, ein „Gegenbild zum gebauten Vermittlungsmodell mit räumlicher Darstellung der Ordnung liturgischen Betens durch Christus zum Vater“ (ebd.), noch dazu mit dem angeblichen „Traditionsbruch..., das Leidenskruzifix mit dem Altar zu verbinden“ (S. 166). Nach H. Muck leben wir in einer „Zeit zunehmenden Rückfalls in Schaufrömmigkeit, versuchter Retabel-Repliken und einer neuerlichen Reduktion gemeinschaftlichen Eucharistiefeierns auf beschauliche Meßandachten“ (S. 168 – das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ wird diese Furcht Mucks wohl bestätigen!). Gegenüber der Konzeption Böhms werden dagegen in Kreisen der neueren Liturgischen Bewegung die „Formen des Gebauten auf der ganz anderen Handlungsebene des Zusammenseins und des Miteinanders als Gestalten der Versammlung verstanden, in denen man die berührenden Erfahrungen mitbetender und mitfeiernder Gemeinde machen konnte“ (S.170).

Tatsächlich befinden wir uns da auf einer „ganz anderen Handlungsebene“ und dafür wurden die Kirchen Böhms nicht konzipiert. Domherr Lenssen sucht nach einer Lösung für Dettingen: „Schwierig wird es hingegen in tradierten Sakralräumen, die von einem andersgearteten liturgischen Verständnis ausgehen... Sowohl die Wegkirchenkonzeption als auch die Lichtführung, die Überhöhung des Altarortes... (ist) einzig vom Opfergedanken der Eucharistiefeier bestimmt...“ (S. 172). Zwar wolle man nicht mehr – wie in den 70er Jahren – den profanen Mehrzweckraum, aber im heiligen Raum werden „über ein alleiniges Hintreten vor Gott hinaus die Wünsche nach dem Erlebnis von Gemeinschaft in der versammelten Gemeinde, also nach intensiven, Halt gebenden zwischenmenschlichen Beziehungen eingeschlossen“ (S. 171f).

„Zeitgenössische(m) Gemeinde- und Liturgieverständnis entspricht... nicht eine Gegenwelt..., sondern im lebendigen Miteinander von historischem Raum und darin gefeierter neuer Liturgie ein heilsames Angebot, eine heilvolle Antwort auf die Fragen unserer Zeit.“ (S. 176)

Dazu müßte dieses „lebendige Miteinander“ allerdings ehrlich sein. Nach Lenssen sollte man die zerstörte anfängliche Altargestalt wiederherstellen: „Alle baulichen und ausstattungsmäßigen Zutaten der letzten Jahre sind zu entfernen. Der Altarraum, möglichst einschließlich der ursprünglichen Kommunionbank, ist wieder in den Anfangszustand zurückzuversetzen...“; „...unter Wiedererlangung des ursprünglichen Altarraumes als Ausdruck der ihn bestimmenden Theologie erhält der Tabernakel auf dem Apostelaltar seinen Ort zurück. Die Rückführung steht für die von Böhm verwirklichte Christozentrik des Raumes. Die Wegkirche selbst und der Pilgerweg der versammelten Gemeinde in ihr finden wieder ihr Ziel.“ (S. 173) So weit so gut! Aber jetzt „klaffen Raum und gottesdienstliche Feier auseinander.“ Lenssen will sich nicht auf eine museale Maßnahme beschränken – die Raumgestalt der zwanziger Jahre wird inzwischen immerhin anerkannt als eine Station modernen Kirchenbaus -, sondern die unterste Stufe zur Kommunionbank zungenartig in das Mittelschiff hinein verlängern als Bezirk einer neu für die gottesdienstliche Feier zu schaffenden liturgischen Ausstattung mit Altar, Ambo und Sedilien, „um den Circumstantes-Charakter zu erreichen, den eine sich um den Altar scharende Gemeinde erfährt“ (S.173). Lenssen sieht den Weg einer so gearteten Lösung als Kompromiß zwischen historischem Raum und neuem Liturgieverständnis als sicherlich beschwerlich – ehrlich wäre es zuzugeben, daß er unmöglich ist! Ein „heilsames Angebot, eine heilvolle Antwort auf die Fragen unserer Zeit“ kann nicht durch faule Kompromisse gegeben werden. Die Wegkirche, der Pilgerweg durch Christus zum Vater, per crucem ad lucem, über den in das von oben einfallende Licht getauchten Altar in die andere Welt wäre durch eine „Station zum Feiern“ im Kirchenschiff durchbrochen. Wozu dient der vorläufige Altar im gedämpften Licht des Kirchenschiffes? Was soll da gefeiert werden?

In der neueren Exegese kristallisiert sich folgende Alternative heraus: Christus hat für uns genuggetan in einem soteriologischen Platztausch, er hat uns abgenommen, was uns erspart bleibt, und wir feiern nun unser Erlöst-Sein – oder Christus ist in einer Existenzstellvertretung an die Stelle unserer dem Tod verfallenen Existenz getreten, ist uns durch seinen freiwilligen Opfertod vorausgegangen, hat den Tod in ein Tor zum Leben verwandelt und gibt uns die Kraft, zusammen mit ihm auf diesem Weg der Erlösung zu folgen (vgl. Deutungen des Todes Jesu im Neuen Testament, hrsg. Jörg Frey / Jens Schröter, WUNT 181, Tübingen 2005). Bei den alten Protestanten ist die zweite Möglichkeit ausgeschlossen, da der Mensch ihnen zufolge auf Grund der Erbsünde zu keinem Mitwirken mehr fähig sei und jedes menschliche Hinzutun eine Anmaßung: „Und ist also die Meß im Grund nichts anderes denn eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi und eine vermaledeite Abgötterei“ (Heidelberger Katechismus, Frage 80). Dagegen wären sie durchaus bereit, in einem „erneuerten Liturgieverständnis“ das einmalige Opfer Christi in einer Dankfeier („Dankopfer“) gegenwärtig werden zu lassen. Aber kann man ehrlicherweise mit Voderholzer das „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ auf die Danksagung Jesu beschränken und die „Deuteworte“ auf eine bloße Symbolhandlung reduzieren? Weiß der Münchener Dogmatiker nicht um die bitteren Spaltungen zwischen Lutheranern und Reformierten wegen der Frage, „das ist mein Leib“ oder „das bedeutet mein Leib“, und zwischen Katholiken und Protestanten wegen des Opfercharakters der Messe? Wenn man freilich nur noch vom „Feiern der Eucharistie“ spricht und von „Deuteworten“, so kann man zwar schreiben: „Nur nebenbei sei darauf hingewiesen, daß hinsichtlich des Opfercharakters der Messe im ökumenischen Gespräch die Mißverständnisse mittlerweile überwunden zu sein scheinen“ (S. 88) – aber nur auf Kosten einer ehrlichen Auseinandersetzung.

Durch das Motu Proprio „Summorum Pontificum“ vom 7. Juli 2007 bietet sich eine ehrlichere Lösung an: Man beläßt das Kunstwerk der Meßopferkirche von Dominikus Böhm, und zwar nicht als museales Zeugnis eines vergangenen Meßopferverständnisses, sondern für die Zelebration der außerordentlichen römischen Liturgie, für die der Architekt den Sakralbau geschaffen hat. Das Anliegen Papst Benedikts XVI., daß hinter dem einen römischen Ritus in seinen beiden Formen nur eine Meßopfertheologie stehen dürfe, darf weder architektonisch noch theologisch in faulen Kompromißformeln gesucht werden, die weder kirchenintern noch vor außenstehenden Beobachtern überzeugen können. Auch mit dem Meßbuch Pauls VI. könnte man am Hochaltar einer Meßopferkirche Dominikus Böhms zelebrieren, aber nicht als Station des Feierns eines berührenden und bewegenden Miteinanders der Gemeinde. Folgende Fragen wären zu beantworten: Brauchen wir nach wie vor das Eingehen in die je neue Opferhandlung der Kirche, der das Opfer Christi als ihr besonderes Testament dazu anvertraut worden ist? Sind die Worte der Einsetzung über Brot und Wein als dem geopferten Leib und dem vergossenen Blut im Rahmen des Pascha ein historischer und glaubwürdiger Bericht (so wie es R. Pesch gegenüber dem allgemeinen Konsens der 70er Jahre, also der Zeit der Liturgiereformen, nachgewiesen hat)? Sind die Worte des Hebräerbriefes „Wir aber haben einen Altar“ (13,10) mit den Protestanten in übertragenem und spirituellem Sinn zu verstehen, oder mit S. Lyonnet in wörtlichem Sinn (von einem rein geistigen Altar sollten ja alle essen, auch die, die dem Zelte dienen!)? Nur eine ehrliche Antwort auf diese Fragen kann ein einheitliches Meßopferverständnis zurückgewinnen. (Solange dies nicht in den wesentlichen Punkten gelingt, kann man von den Gemeinschaften des außerordentlichen römischen Ritus nicht verlangen, die grundsätzlich bejahte Möglichkeit einer legitimen, würdigen und gültigen Zelebration nach dem ordentlichen Ritus praktisch als Zeichen der „Einheit“ unter Beweis zu stellen. Da müßte doch zuerst die theologisch verstandene Einheit im neuen Ritus zurückgewonnen werden, die dann auch mit dem alten Ritus übereinstimmen würde.)

Zunächst sollten wir offen zugeben, daß de facto weitgehend ein Bruch im Verständnis der Eucharistie stattgefunden hat. Die sakrale Architektur von Dominikus Böhm und ihr Schicksal nach dem Konzil macht dies deutlich. Es ist schlimm genug, wenn Kitsch in den heiligen Raum eindringt, wo nur echte Kunst den tieferen Sinn des alttestamentlichen Bilderverbotes wahren kann (vgl. R. Guardini, Das religiöse Bild und der unsichtbare Gott; in Das Wesen des Kunstwerks, Kevelaer, 2005). Aber wenn echte Kunst, die gerade in die Transzendenz Gottes hineinweist, auf profane, innerweltliche Dimensionen zurückgenommen und so zerstört wird, so ist dies ein Greuel an heiliger Stätte. Schon als die Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen nach dem Krieg im Jahr 1955/56 wieder aufgebaut wurde, war der Sohn des Architekten, Gottfried Böhm, enttäuscht über das mangelnde Verständnis der ursprünglichen Konzeption. Was würde er heute sagen, da der Hochaltar entfernt, eine Altarinsel in das dunkle Kirchenschiff gestellt wurde, und die vierzehn Stufen zur lichterfüllten Apsis buchstäblich ins Leere gehen?!

In St. Johann in Neu-Ulm stellte ich mir – unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich – vor, es würde ein Architekturstudent aus Übersee nicht nur wie ich einige Autostunden, sondern viele Flugstunden auf sich nehmen, um eine Kirche von Dominikus Böhm an Ort und Stelle zu studieren (übrigens fand ich keine Internetseite, weder der entsprechenden Pfarrei, noch von archinform.net, mit einem Photo des ursprünglichen oder des heutigen Zustandes): Was müßte so ein Student, dem die innerkirchliche Revolution und die mangelnde Sensibilität des Denkmalschutzes der 70er Jahre unbekannt sind, über die Zerstörung sakraler Kunst im angeblich so aufgeklärten ausgehenden 20. Jahrhundert denken? Nur durch eine ehrliche innerkirchliche Ökumene kann die verlorene Glaubwürdigkeit wiedergewonnen werden.


Zu Voderholzers eucharistischer Ekklesiologie

Kardinal Ratzinger: Wir müssen die Dimension des Heiligen in der Liturgie zurückgewinnen.

Martin Mosebach und Robert Spaemann über die Liturgie

P. Sven Conrad: Kontinuität und Versöhnung


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