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Die zentrale Bedeutung der Liturgie in Lumen fidei

Von P. Franz Prosinger

Im dritten Kapitel, in Nr. 40 der neuen Enzyklika Lumen fidei erklärt der Papst, daß die Glaubensvermittlung nicht nur in der Weitergabe eines bloß lehrmäßigen Inhalts, einer Idee besteht, wozu ein Buch oder die Wiederholung einer mündlichen Botschaft genügte. Vielmehr leuchtet das Licht des Glaubens auf in der Begegnung mit dem lebendigen Gott, dem geöffneten Ohr für das sich offenbarende Wort, dem Ergriffensein des ganzen Menschen, in seinem Herzen, seinem Verstand, seinem Willen und seinem Gefühlsleben. Daraus geht die Antwort des Glaubens hervor. Um in diese Begegnung einzutreten, eröffnet uns die Kirche einen Raum und einen Rahmen, in welchem das Heilswerk aktualisiert wird: es ist die Feier der Liturgie, welche die Aktualisierung des Heilswerkes in den Sakramenten wie ein schützender Schleier umgibt und wie ein entsprechendes Kleid zur Entfaltung bringt.

Neben der Vermittlung der Glaubenslehre als Vor- und Nachbereitung im Unterrichtsraum der Katechese, und nach der anfänglichen Glaubensvermittlung im Gespräch und Gebet der christlichen Familie, ist der eigentliche Ort der Begegnung der Raum der Kirche im Rahmen der liturgischen Feier, worin der einzelne Gläubige eintritt in den Bund zwischen der bräutlichen Kirche und ihrem göttlichen Bräutigam, wo sich die irdische mit der himmlischen Liturgie verbindet und so das Licht des Glaubens aufleuchten und jenes Feuer zünden kann, welches der Herr auf diese unsere Erde zu werfen gekommen ist (Lk 12, 49). Diese Begegnung ereignet sich in einer ganz bestimmten Atmosphäre, in einem Geist, der sich einer Beschreibung zwar nicht entzieht, aber doch nicht rein intellektuell erfaßt werden kann; ein Geist, der nur in der jeweiligen Begegnung erlebt werden kann, und doch nicht nur ein subjektives Gefühl ist; ein Ergriffen-Sein und Sich-Anvertrauen, das in der liebenden Hingabe die überzeitliche Wahrheit der geliebten Person aufleuchten läßt. Dieses Erkennen und Kennen der geliebten Person geht einher mit der Umwandlung in eine neue Existenz.

Eindrucksvoll zeigt uns das zweite Kapitel der Enzyklika Lumen fidei diese untrennbare Einheit von Glaube, Liebe und Wahrheit. In diese Einheit einzutreten, in die Begegnung mit dem lebendigen Gott, ist das Erlernen einer eigenen Sprache: der Sprache des Glaubens. „Die Kirche ist eine Mutter, die uns lehrt, die Sprache des Glaubens zu sprechen“ (Nr. 38). Natürlich geht es hier nicht um eine formalisierte Zeichensprache zur Übermittlung technischer Daten, um eine nur informative, sondern um eine performative Sprache, Ansprache, Austausch, personale Kommunikation und Kommunion, und zwar nicht nur als vorläufige Verständigung unter seinesgleichen, sondern als die so subtile Begegnung des Geschöpfes mit seinem Schöpfer.

Die Bedeutung der Liturgie als Raum und Rahmen dieser Begegnung, des Glaubens als Offenbarung Gottes und als Antwort der Kirche, als Sprachereignis sui generis, kann nicht deutlicher hervorgehoben werden, als in eben diesem Zusammenhang. Hier zeigt sich auch, daß eine Liturgie, die diesen Namen verdient, von einem ganz bestimmten Geist beseelt und geprägt sein muß. Und in eben diesem Zusammenhang muß dann auch das Eindringen eines anderen Geistes bzw. Ungeistes in die Liturgie der Kirche beurteilt werden. Hier geht es nicht nur um Geschmacksfragen und ästhetisches Empfinden, sondern um Erbe und Auftrag, Wahrheit und Treue, echte und lebendige Liebe. Es geht weder um die bloße Bewahrung exklusiver und extravaganter Formen als ästhetischer Aufführung, noch darf der hochzeitliche Raum der Kirche degradiert werden durch eine Sprache bloßer Mitmenschlichkeit. Die Enzyklika spricht von einem „Spiel“ als besonderem Mittel, um den ganzen Menschen zu ergreifen und für diese lebendige Beziehung in der Gemeinschaft mit Gott und darin auch den anderen Menschen zu öffnen (Nr. 40). Auf dem Spiel steht der Glaube und er darf nicht einer willkürlichen Spielerei ausgeliefert werden.

Die Zerstörung geschieht nicht nur durch außerordentliche Fälle liturgischen Mißbrauchs. Schon eine profane Begrüßung und eine lockere Bemerkung zu Beginn der liturgischen Feier verhindert die Eröffnung jenes Raumes, welcher der Begegnung mit dem lebendigen Gott reserviert ist. Wenn auch liturgische Elemente folgen, Verkündigung des Gotteswortes, Gebete und Gesänge: für die Atmosphäre, in welcher uns die Kirche als Mutter lehrt, die Sprache des Glaubens zu sprechen, gilt in besonderer Weise: bonum ex integro, malum ex quocumque defectu. „Kleine“, störende, dem heiligen Geschehen unangemessene Dinge, Worte oder Gesten, werfen in den Raum vordergründiger Zwischenmenschlichkeit zurück.

Die Enzyklika Lumen fidei erklärt die Einführung in den Raum der Begegnung mit dem lebendigen Gott in Nr. 41-43 zunächst anhand der Taufliturgie. Der heilige Ambrosius lehrt die Katechumenen zu Beginn seiner Schrift De mysteriis, wie in dieser liturgischen Feier jede Geste und jedes Wort erfüllt ist von geheimnisvoller Bedeutung. Er warnt davor, im Leviten, Priester und Bischof nur die menschliche Gestalt zu sehen, da sie doch Engel bzw. Boten Gottes sind. Dagegen ein Kontrast, eine Erinnerung aus der römischen Studienzeit: beim Besuch einer alt-ehrwürdigen Kirche im Zentrum Roms findet sich eine Taufgesellschaft vor, die auf den Priester wartet, teils sitzend, teils stehend, das Gespräch ist verhalten, ein letzter Rest an Respekt im Gotteshaus. Als der Priester endlich kommt, fordert er die Leute auf, sich hier doch wie zuhause zu fühlen und miteinander zu sprechen, schließlich sei das Haus Gottes ja unser Haus (man beachte die Wahrheit und ihre Pervertierung!). Die Taufliturgie erfolgt nach den vorgegebenen Texten, die Priester in südlichen Ländern sind meist nicht so ideologisiert und auch nicht interessiert genug, um hier kreativ bzw. eigenmächtig zu handeln. Aber Zwischenbemerkungen und Gesten, Blickkontakte und Schmunzeln lassen nichts von dem großen, gewaltigen Geschehen erahnen, daß hier ein Menschenkind in geheimnisvoller Weise, in sakramentaler Symbolhandlung durch die schöpferischen Worte des Herrn hineingetaucht wird in das Leben der heiligsten Dreieinigkeit, als Gotteskind neu geboren und in die Gnadenwirklichkeit der Kirche eingeführt wird. Eltern und Paten waren sich kaum bewußt, welche verantwortungsvolle Mitwirkung ihnen dabei aufgetragen ist. – Auch heute will die Kirche jene Mutter sein, die uns lehrt, die Sprache des Glaubens zu sprechen, aber das kann sie nur, wenn die Liturgie der Sakramente in dem diesen entsprechenden Geist zelebriert wird.

Noch ein Beispiel von der Grenze zwischen der Verbindung des Göttlichen und Menschlichen und dem Abrutschen ins Allzumenschliche: die kirchliche Hochzeitsfeier als Spendung des Ehesakramentes im Rahmen der heiligen Messe. Als Hochzeitskirchen sind in Rom besonders beliebt und teuer bezahlt die Kirchen mit Parkmöglichkeit und photogenem Hintergrund, also etwa am Forum Romanum oder auf dem Aventin. Hierzu eine Erinnerung an einen Besuch in der Kirche Santa Sabina: wie so oft stößt man auf eine Hochzeitsfeier, eine herausgeputzte Gesellschaft mit den üblichen Geschmacklosigkeiten. Das Brautpaar zieht ein, die Orgel spielt den Brautmarsch, das Publikum klatscht dem Brautpaar zu, und dieses wird vom Priester vor dem Volksaltar empfangen mit den Worten: „Liebe Laura, lieber Fabrizio, diese Kirche gehört heute nun ganz euch“. Die beiden mögen sich dabei gedacht haben, daß sie dafür auch ganz schön viel bezahlt haben – so manche zahlen noch die Schulden ihrer Märchenhochzeit ab, wenn sie schon längst getrennt sind. – Dabei sollte gerade hier, in diesem Raum und Rahmen altrömisch sakraler Architektur das große Geheimnis, die Verbindung von Mann und Frau im Sakrament der Ehe „im Hinblick auf Christus und die Kirche“ (Eph 5, 32), verbunden mit der Darbringung des heiligen Opfers am Altar sich in dem entsprechenden Geist vollziehen, so daß die Teilnehmenden am Ende sagen können: „Ja, wahrhaftig, hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und die Pforte des Himmels“ (Gen 28, 17; Introitus der Kirchweihmesse).

Der weit verbreitete Ungeist in den liturgischen Feiern verhindert den Zugang zur „sakramentalen Struktur des Glaubens“ (Lumen fidei, Nr. 40). Vermutlich ist es nur noch eine Minderheit, die in unserer Zeit von der Wirklichkeit der Sakramente als von Gott gewirktes opus operatum überzeugt ist, nicht „nur so“ als ein äußeres Zeichen subjektiver Gläubigkeit. In dieses Vakuum trifft die Feststellung in der Enzyklika Lumen fidei: „Die Wiederbelebung des Glaubens führt über die Wiederbelebung eines neuen sakramentalen Sinns des Lebens des Menschen und der christlichen Existenz“ (Nr. 40). Und: „Der Glaube benötigt in der Tat einen Bereich, in dem er bezeugt und mitgeteilt werden kann und der dem entsprechend und angemessen ist, was mitgeteilt wird“ (ebd.). Wie der Text dann weiter ausführt, ist dieser Bereich der Raum und Rahmen der Liturgie, in der aufleuchtet „das neue Licht, das aus der Begegnung mit dem lebendigen Gott kommt“ (ebd.). Der Ruf nach einer Reform der Reform der Liturgie, durch welche jener Geist der Liturgie wieder zur Geltung kommt, in welchem uns die Kirche als Mutter lehrt, die Sprache des Glaubens zu sprechen, ist keine Frage ästhetischer Selbstgenügsamkeit, sondern zentral für die Weitergabe des Glaubens.

Autoren

Conrad Sven
Deneke B.
Mosebach M.
Muschalek G.
Postl Uwe
Prosinger F.
Ramm Martin
Ratzinger J.
Recktenwald E.
Spaemann R.
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Wildfeuer M.


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