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Karfreitagsfürbitte: Verleugnung des Glaubens?

Von P. Engelbert Recktenwald

Dass Christus für alle gestorben ist, wird gerade von jenen Theologen betont, die die Übersetzung der Wandlungsworte “pro multis” mit “für alle” verteidigen. Dass zu diesen “allen” auch die Juden gehören, ist unbestritten. Im Gegenteil: Auf Seiten gewisser moderner Theologen besteht eher die Tendenz, die Sendung Jesu auf die Juden zu beschränken. Die Heidenmission sei erst später, vor allem bei Paulus, dazugekommen.

Demgegenüber hat die Kirche in ihrer Lehre immer daran festgehalten, dass Jesus als der gottmenschliche Erlöser für alle Menschen sein Leben hingegeben hat und niemanden aus seiner Liebe ausschließt. Er will, dass alle gerettet werden. Diese Weite seiner Liebe macht sich die Kirche zu eigen, und zwar besonders gerade an jenem Tag, an dem sie des Erlösungstodes Jesu gedenkt, am Karfreitag. Deshalb betet sie am Karfreitag für alle Menschen, und zwar in den großen Fürbitten, die sich an die Passion - den Vortrag der Leidensgeschichte unseres Herrn nach dem Johannesevangelium - anschließen. In diesen neun Fürbitten wird für folgende Menschen und Menschengruppen gebetet: für die Kirche, den Papst, für alle Gläubigen (von den Bischöfen bis zu den Witwen), für die Staatenlenker, für die Katechumenen, für die Notleidenden (von den Kranken bis zu den auf See Fahrenden), für die Häretiker und Schismatiker, für die Juden, für die Ungläubigen (Heiden).

Auf diesem Hintergrund ist schon die Frage beantwortet, warum die Kirche am Karfreitag “ausgerechnet für die Juden” bete. Diese Kritik, die in den letzten Monaten vereinzelt geäußert wurde, beruht offensichtlich auf Unkenntnis. Die Kirche betet am Karfreitag für alle Menschen, weil Christus für alle Menschen gestorben ist. Sie macht ihr Herz so weit wie Christus es getan hat, und schließt niemanden aus ihrem Gebet aus. Die Frage ist also nicht, warum die Kirche "ausgerechnet für die Juden" betet, sondern warum sie "ausgerechnet die Juden" aus ihrem Gebet für alle Menschen ausschließen soll.

Dieses Gebet ist eine Folge der Liebe. “Niemand hat eine größere Liebe als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde”, sagt Jesus beim Letzten Abendmahl (Joh 15,3). So hat Jesus seinen Tod verstanden, und so versteht die Kirche den Tod Jesu. Die Wahrheit zu erkennen, bedeutet, diese Liebe zu erkennen. Dafür wird am Karfreitag in der “außerordentlichen” Form der Liturgie gebetet. Dieses Gebet mit den Untaten Hitlers zu assoziieren, bedeutet die denkbar größte Verkennung jener Liebe und ihre Pervertierung ins Gegenteil. Der Potsdamer Rabbiner Walter Homolka, Direktor des Berliner Abraham Geiger Kollegs zur Rabbinerausbildung, hatte am 20. März 2008 in einem Spiegel-Interview zur Karfreitagsbitte zustimmend die Worte des Vorsitzenden der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, Rabbiner Henry Brandt, wiedergegeben, der sich 2006 gegenüber Kardinal Kasper geäußert habe, “jeder Anflug der Möglichkeit einer Judenmission durch die Kirche sei quasi ein feindlicher Akt, eine Fortsetzung der Untaten Hitlers den Juden gegenüber auf anderer Ebene.”

Wohltuend von solchen maßlosen Äußerungen unterscheidet sich die Stellungnahme von Rabbi Jacob Neusner, Professor für Geschichte und Theologie des Judentums in New York, der geschrieben hat: “Israel betet für die Nichtjuden, also sollten die anderen Monotheisten - einschließlich der katholischen Kirche - gleiche Rechte haben, ohne dass jemand sich dadurch verletzt fühlte. Jedes andere Verhalten gegenüber den Nichtjuden würde diesen den Zugang zu dem einen Gott verwehren, den Israel aus der Torah kennt. Das katholische Karfreitagsgebet bringt dieselbe großherzige Geisteshaltung zum Ausdruck, die für das Gebet des Judentums charakteristisch ist” (Tagespost vom 23. Februar 2008).

Schwerer als die Äußerungen Homolkas wiegen Stellungnahmen katholischer Theologen, von denen man nicht nur Verständnis, sondern doch wohl auch Identifizierung mit der katholischen Lehre erwarten darf. Am 20. März 2008 strahlten die ARD-Tagesthemen ein Interview mit Hanspeter Heinz aus, dem Vorsitzenden des Gesprächskreises “Juden und Christen” beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Auf die Frage, was “aus seiner Sicht als Katholik” an der Karfreitagsbitte anstößig sei, antwortete er: “Dass die Juden eingeladen werden, an Jesus Christus als Erlöser zu glauben. Der Glaube an Jesus Christus ist für sie eine Bedrohung.” Es würden schlimme Erinnerungen wach. Vom Papst erwarte er, “dass er sich entschuldigt dafür, dass er sechs Wochen geschwiegen hat nach dieser schweren Verletzung.” Kein Wort kam aus seinem Mund, um die katholische Lehre von der universalen Erlöserschaft Jesu Christi plausibel zu machen, obwohl er von der Moderatorin Susanne Holst ausdrücklich gefragt wurde, was sich der Papst bei der Neufassung der Karfreitagsbitte gedacht habe.

Camille Perl, Sekretär der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, meinte im Juli 2007 in einem Interview mit Radio Vatikan, die Kirche würde “ihre Aufgabe verleugnen, wenn sie nie mehr für die Bekehrung der Juden beten würde”, denn sie sei gemäß der Apostelgeschichte zuerst zu den Juden und dann zu den Heiden gesandt.

Die Kirche kann ihren Glauben nicht verleugnen. Katholische Theologen können es offensichtlich. Hanspeter Heinz war von 1983 bis 2005 Professor für Pastoraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg.

Dieser Beitrag erschien in der Juni-Ausgabe 2008 des PUR-Magazins.


Mussinghoffs Verdrehung der Tatsachen

Er habe "nie verstanden, warum Papst Benedikt diese Fürbitte in den alten Ritus wieder eingefügt hat", sagte Bischof Heinrich Mussinghoff von Aachen der KNA: "Das war mit Verlaub gesagt und bei allem Respekt keine gute Sache." Mit Mussinghoffs Formulierung wird der wahre Sachverhalt auf den Kopf gestellt.

Ich beziehe mich auf einen KNA-Beitrag von Gottfried Bohl vom 22. Juni 2015, der Musshinghoffs Worte als Zitat bringt. Es geht um die Fürbitte für die Juden in der Karfreitagsliturgie nach den liturgischen Büchern von 1962, die Papst Benedikt XVI. wieder erlaubt hatte. In begrenztem Maße war diese Liturgie schon von Papst Johannes Paul II. mit dem Indult Quattuor abhinc annos vom 3. Oktober 1984 wieder eingeführt worden. Damals gab es keine Proteste gegen die Wiederzulassung der Fürbitte für die Juden, die Formulierungen enthält, die heute von einigen als antijudaistisch empfunden werden, etwa die Bitte, den “Schleier von ihren Herzen” zu nehmen, damit sie Jesus Christus erkennen - obwohl diese Formulierung dem Neuen Testament entnommen ist (2 Kor 3). Von einem “Götzendienst” der Juden ist allerdings entgegen dem Bericht von Bohl in der Fürbitte nicht die Rede.

Es gab also keine Proteste, als Papst Johannes Paul II. diese Fürbitte wieder erlaubte. Protest gab es erst, als Papst Benedikt XVI. die als anstößig empfundenen Formulierungen entfernte, die Fürbitte also, in den Augen der Kritiker, “verbesserte”. Nun wurde ihm vorgeworfen, nicht weit genug zu gehen. Er hätte die Fürbitte, wie sie in den liturgischen Büchern seit der Liturgiereform von 1970 steht, einführen sollen.

Bischof Mussinghoff dagegen stellt es so dar, als ob Papst Benedikt mit der jetzt kritisierten Fürbitte die “gute”, jetzt geforderte Fürbitte ersetzt hätte.


Judenmission?

Die Evangelien nach Matthäus, Lukas und Johannes, die Apostelgeschichte und Paulus kennen auch nach Ostern noch eine lebendige Judenmission. Es besteht daher kein Grund, aus exegetischen Gründen nach dem Zeugnis des Neuen Testaments darauf zu verzichten. Dazu hat niemand das Recht!

Der Exeget Prof. Dr. Klaus Berger in seiner Studie Judenmission: Was das Neue Testament sagt, erschienen in der Tagespost vom 9. Februar 2008.


Vom einzigen Heil in Jesus Christus

Immer wieder, auch anlässlich der neuformulierten Karfreitagsfürbitte für den "alten Usus", taucht in diesem Zusammenhang die Frage der "Judenmission" auf. Manche neueren theologischen Versuche meinen, von christlicher Seite solle gänzlich auf jede Mission gegenüber den Juden verzichtet werden. Manche gehen noch weiter und meinen, der nie gekündigte Bund Gottes mit seinem Volk mache es gar nicht notwendig, den Juden den Eintritt in den Neuen Bund in Jesus Christus anzubieten. Der "Alte Bund" sei der Heilsweg für die Juden, der "Neue Bund" sei der für die Heiden bestimmte Heilsweg. Diese Theorie der "Zwei Heilswege" wird aber zu Recht als mit dem katholischen Glauben vom einzigen Heil in Jesus Christus unvereinbar gesehen (so etwa Kardinal Avery Dulles im Jahr 2002 in der Zeitschrift "America").

Kardinal Christoph Schönborn in The Tablet vom 29. März 2008, deutsch unter dem Titel Der Weg der Juden zum Heil.


Nur noch Heidenkirche?

Das Bekenntnis zu Jesus Christus war für sie [die zur Kirche konvertierte Jüdin Edith Stein] (ebenso wie später für den nachmaligen Erzbischof von Paris, Kardinal Lustiger) die Erfüllung der jüdischen Bestimmung.
Alles falsch - erklärt uns nun, einige Jahre nach Kardinal Lehmann, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in einer Broschüre, die den Titel trägt: „Nein zur Judenmission - Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“. Kardinal Lehmann wollte die beiden genannten großen Gestalten christlicher Juden noch als Ausnahmen gelten lassen, während der normale Heilsweg der Juden (im Unterschied zu dem aller übrigen Menschen) nicht über Jesus gehe. Das ZdK geht den Weg konsequent zu Ende. Es gibt also danach nicht mehr, wie es die Apostel und mit ihnen die ganze christliche Tradition sahen, das eine Bundesvolk Israel, das sich in Christus nun für alle Völker öffnet und zur „Kirche aus Juden und Heiden“ wird.
Die Kirche braucht angeblich die Juden nicht mehr. Sie ist zur Heidenkirche geworden und soll nun nichts anderes mehr sein wollen. Verschwinden muss nicht nur „Judenmission“, was immer das heißen mag, die Christen müssen auch aufhören, den Juden im Gebet das Beste zu erbitten, was jeder Christ seinem Nächsten erbitten kann: die Erkenntnis Jesu als seines Erlösers.

Aus: Robert Spaemann, Gott ist kein Bigamist, erschienen in der FAZ vom 20. April 2009.


Für die Juden muss ein Platz reserviert bleiben!

Der Papst hat das Gebet der alten Liturgie für die Juden am Karfreitag durch einen neuen Text ersetzt, der die eschatologische Dimension der Erwählung Israels herausstellt und im Übrigen jeden Anschein einer polemischen oder überheblichen Kritik an den Juden vermeidet. Man hat diesen Text in der Öffentlichkeit sehr polemisch aufgegriffen und verrissen. Dabei hat man ihn unfairerweise mit der Karfreitagsfürbitte des Novus Ordo und nicht mit der der alten Messe verglichen. Und was man an ihm auszusetzen findet, ist, dass im Unterschied zu der Karfreitagsbitte des Novus Ordo von einer zu erbittenden Erkenntnis Jesu als des Christus durch die Juden die Rede ist. Gerade im Verzicht auf diese Bitte aber liegt das große Defizit der Karfreitagsbitte in der neuen Liturgie. In ihr wird der Name Jesus überhaupt nicht erwähnt. Hinter diesem Text steht eine häretische Sicht, die sich inzwischen sehr ausgebreitet hat, nämlich die Meinung, die Juden hätten ihren Sonderweg zu Gott und bedürften der Erlösung durch Jesus Christus nicht. Diese Meinung ist angesichts der Texte des Neuen Testamentes natürlich absurd. Das Volk Israel ist der primäre Adressat der Verkündigung Jesu, und der Apostel Paulus schreibt, er möchte gebannt und von Christus getrennt sein, wenn er dadurch einige seiner jüdischen Brüder retten könnte. Statt in allen Kirchen beim sonntäglichen Gottesdienst die vorderste Bank ostentativ freizuhalten für den älteren Bruder, falls er dann schließlich doch zur Feier der Rückkehr des verlorenen Sohnes kommt, will man die Juden überhaupt nicht mehr dabei haben. Aber ein Christentum, das für die Juden keinen Platz reserviert hat, wäre kein Christentum mehr. Dass es den nichtchristlichen Juden nicht gefällt, dass Christen für sie und ihre Erleuchtung beten, ist natürlich, kann aber für uns kein Grund sein, auf dieses Gebet zu verzichten. Das hat der angesehene Rabbi Neusner in New York sehr deutlich gesagt. Er findet in dem neuen Karfreitagsgebet überhaupt nichts Anstößiges. Wir Juden, so schrieb er, beten schließlich auch für die Bekehrung der Christen.
Aus all dem ergibt sich, dass es sich dringend nahe legt, die von Benedikt XVI. formulierte Karfreitagsbitte für die Juden auch in die neue Liturgie aufzunehmen. Die bisherige Fassung ist weit anstößiger als die der alten Liturgie. Und es wäre ein schönes Zeichen, wenn die beiden Feiern der römischen Liturgie gerade an diesem Punkt, der das Zentrum des christlichen Glaubens betrifft, den gleichen Text hätten. Eine Kirche, die zur bloßen Heidenkirche geworden und nicht mehr die Kirche aus Juden und Heiden ist, ist nicht die katholische Kirche.

Aus: Robert Spaemann, Gedanken eines Laien zur Reform der Reform, in: Internationale Katholische Zeitschrift Communio, Januar/Februar 2009, S. 85. In diesem Beitrag zählt Spaemann zwölf Punkte auf, die eine Reform zu beachten hätte, von der Gebetsrichtung des Priesters bis hin zur Verwendung des Lateins. Im fünften Punkt beschäftigt er sich mit der Karfreitagsfürbitte für die Juden. Diesen Punkt haben wir hier wiedergegeben.


Keine Vereinnahmung

Ich wehre mich dagegen, Mission an sich als kolonialistisch zu interpretieren, denn jeder Mensch hat eine Mission, hat Anliegen, von denen er überzeugt ist und die er weitergeben will. Wenn diese Weitergabe freiheitlich geschieht und der andere sie freiheitlich entgegennimmt, dann ist dies Mission. Nur physische oder psychische Gewaltanwendung macht sie kolonialistisch. Wenn ich als Christ für alle Menschen, auch für die Juden, bete, will ich doch niemanden vereinnahmen. Ich übergebe die Erfüllung meiner Bitte vielmehr Gott.

Bischof Kurt Koch von Basel in einem Interview mit Chefredakteur Yves Kugelmann in der jüdischen Zeitschrift tachles, Ausgabe 19 vom 8. Mai 2009. Bischof Koch ist Mitglied im Stiftungsrat der Jerusalem Foundation Switzerland.


Mit Ausnahme der Juden

Der evangelische Pfarrer Jürgen Blunck, Vorsitzender des Instituts für Gemeindeaufbau und Weltmission Deutschland, erinnert in einem Beitrag für IdeaSpektrum (Nr. 49 vom 7. Dezember 2011) an den Irrtum des hl. Petrus, dass das Evangelium nur den Juden gelte. Und wenn die Heiden es annehmen wollten, müssten sie zuerst Juden werden. Von diesem Irrtum wurde er erst bekehrt, als Gott ihn zum heidnischen Hauptmann Kornelius sandte, um diesem das Evangelium zu verkünden. Dann fährt Blunck fort: “Die Situation heute ist umgekehrt: Viele Kirchenführer verkündigen das Evangelium den Nichtjuden - aber nicht den Juden. Sie kennen den Missionsbefehl - aber verstehen ihn als ‘Machet zu Jüngern alle Völker mit Ausnahme der Juden ...’”.


Keine zwei parallele Heilswege

7. „Kraft ihrer göttlichen Sendung (muß) die Kirche“, die das „allgemeine Hilfsmittel des Heils“ ist, und in der allein sich „die ganze Fülle der Heilsmittel“ findet (Unitatis Redintegratio, 3), „ihrem Wesen nach Jesus Christus der Welt verkünden“ (Richtlinien und Hinweise, I.). In der Tat glauben wir, daß wir gerade durch Ihn zum Vater gelangen (vgl. Joh 14,6) und daß „das ewige Leben darin besteht, daß sie dich kennen, dich, den einzigen wahren Gott, und seinen Gesandten, Jesus Christus“ (Joh 17,3). Jesus bekräftigt (Joh 10,16), daß „es nur eine Herde, nur einen Hirten geben wird“. Kirche und Judentum können also nicht als zwei parallele Heilswege dargestellt werden, und die Kirche muß Christus als Erlöser vor allen Menschen bezeugen, und dies im „konsequent durchgehaltenen Respekt gegenüber der religiösen Freiheit des anderen, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil lehrt (in der Erklärung Dignitatis Humanae)“ (Richtlinien und Hinweise, I.).
8. Daß es dringend und wichtig ist, unsere Gläubigen genau, objektiv und in strengem Streben nach Richtigkeit über das Judentum zu unterrichten, ergibt sich auch aus der Gefahr eines Antisemitismus, der stets daran ist, unter verschiedenen Gesichtern wieder zu erscheinen. Es geht nicht nur darum, in unseren Gläubigen die Reste von Antisemitismus, die man noch hie und da findet, auszurotten, sondern viel eher darum, mit allen erzieherischen Mitteln in ihnen eine richtige Kenntnis des völlig einzigartigen „Bandes“ (vgl. Nostra Aetate, 4) zu erwecken, das uns als Kirche an die Juden und das Judentum bindet. So würde man unsere Gläubigen lehren, sie zu schätzen und zu lieben – sie, die von Gott erwählt worden sind, das Kommen Christi vorzubereiten, und die alles bewahrt haben, was im Laufe dieser Vorbereitung fortlaufend offenbart und gegeben worden ist – obwohl es für sie schwierig ist, in ihm ihren Messias zu erkennen.

Aus dem Schreiben "Hinweise für eine richtige Darstellung von Juden und Judentum in der Predigt und in der Katechese der katholischen Kirche", welches die Vatikanische Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum im Sekretariat für die Einheit der Christen (Präsident: Johannes Kardinal Willebrands) am 24. Juni 1985, also unter Papst Johannes Paul II., veröffentlichte.
Das Schreiben zeigt, dass die Bezeugung Christi als des Erlösers aller Menschen einschließlich der Juden sich durchaus mit der Verurteilung jeglichen Antisemitismus' verträgt. Keine andere Linie verfolgt Papst Benedikt XVI. mit seiner Approbation der Karfreitagsbitte für die Juden in der außerordentlichen Form der Liturgie. Es ist also intellektuell unredlich, Papst Johannes Paul II. gegen Benedikt XVI. auszuspielen und diesem ein geändertes Verhältnis zum Judentum zu unterstellen.


Jesu Missionsauftrag

Karsten Huhn: Die EKD plant, per Beschluss sich deutlich von der Judenmission zu distanzieren, da Israel bleibend erwählt sei. Kann sich die EKD dabei auf Paulus berufen?
Eckhard J. Schnabel: Nein. Schließlich hat Paulus selbst unter Juden missioniert – wie auch Jesus und die Apostel. Wer die Mission unter Juden aufgibt, gibt den Missionsauftrag Jesu auf.

Prof. Eckhard J. Schnabel, evangelischer Theologiedozent in South Hamilton, Massachusetts, und Verfasser eines 1806 Seiten starken Werkes über Urchristliche Mission, im Interview Wie hat Paulus das bloß gemeint? mit Karsten Huhn, in IdeaSpektrum vom 2. März 2016, S. 18.


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