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"Voller Pracht wird die Nacht..."
Gedanken zum kirchlichen Nachtgebet

Von P. Bernward Deneke

„Eine ruhige Nacht und ein vollkommenes Ende gewähre uns der allmächtige Herr." Das Completorium, das liturgische Nachtgebet der Kirche, das mit dieser eindrücklichen Segensbitte des Priesters über die Versammelten anhebt, steht zwar von seinem Rang her unter den Laudes und der Vesper, den großen Horen des Offiziums; doch erfreut es sich seit jeher besonderer Wertschätzung unter Klerikern wie Laien.
Der Grund dafür dürfte nicht allein in den erlesenen Texten zu suchen sein. Auch wer die lateinischen Worte nicht verstehen oder anhand eines Buches mitverfolgen kann, wird durch die eigentümliche Atmosphäre der Komplet angerührt werden, sofern er sich - den zentrifugalen Kräften unserer Zeit zum Trotz - eine gewisse Innerlichkeit bewahrt hat.
Die tiefe Verneigung der Beter zum Confiteor, der Psalmengesang in seiner heilig-nüchternen Monotonie, die edlen Melodien von Hymnus und Responsorium, vor allem aber die abschließende Marienantiphon, zu der sämtliche Lichter bis auf jenes vor dem Bildnis der heiligen Gottesmutter gelöscht werden, - alles das bewegt den schauenden und hörenden Menschen und spricht ihn in der Tiefe seines Herzens an. Und wovon spricht es? Von einem doppelten Hinübergang: von dem unmittelbar bevorstehenden Hinübergang in den Schlaf der Nacht und von jenem letzten in die Nacht des Todes.

Nach seiner nächsten Bedeutung geleitet das Completorium den Beter also aus der wachen Welt des Tages mit ihren vielfältigen Verrichtungen und Eindrücken in die dunkle Welt der Nacht, den unbewußten Zustand des Schlafes. Die Liturgie des Tages sinkt hier nach einem letzten verklärten Singen mit vollkommener Gelöstheit in das Schweigen zurück, dem sie entstammt, und bildet so eine Entsprechung zur Natur, die mit der Dämmerung nach und nach in die nächtliche Ruhe eingeht.
Damit gibt uns die Kirche einen unaufdringlichen, doch auch deutlichen Hinweis darauf, wie nach der göttlichen Schöpfungs- und Erlösungsordnung normalerweise Abend und Nacht zu gestalten wären: Nicht unruhige und beunruhigende Tätigkeiten oder Unterhaltungen, schon gar nicht lärmende Veranstaltungen sind hier angemessen; vielmehr sollten wir uns bemühen, alles dem in Natur und Liturgie vorgegebenen Diminuendo, dem Leiser- und Innerlicherwerden, anzugleichen.

Zeigen uns nicht auch die Künstler - ein Novalis etwa in seinen „Hymnen an die Nacht" oder ein Frédéric Chopin in seinen wundervollen Nocturnes -, welche Tiefen die Abend- und Nachtstunden für das menschliche Gemüt bereithalten? Und was erfahren wir erst von der Nacht-Mystik der Heiligen und ihrem nächtlichen Beten! Die Vergnügungssüchtigen ebenso wie die Arbeitswütigen, die sich ohne echte Notwendigkeit oder höhere Sendung bis in die späten Stunden abrackern, verbauen sich jedenfalls den Weg zu diesen Einsichten und berauben sich damit unschätzbarer Kostbarkeiten.
Was die äußere Gestalt der Komplet durch Ritus und Klang ausdrückt, sagen im Wort die Texte aus. Sie lassen den Menschen sich bittend an den allmächtigen Vater wenden, Er möge die Schlafstätte heimsuchen und ihr schützende Engel beigesellen, damit Seine Kinder vor dem Verwirrspiel dämonischer Mächte und dem Abfall in die Sünde bewahrt bleiben. Das Ende des liturgischen Nachtgebetes führt den Gläubigen zu seiner himmlischen Mutter und damit in ein Heiligtum gnadenvoller Geborgenheit.
Nicht erst durch die medizinischen und tiefenpsychologischen Forschungen der Gegenwart weiß man um die große Bedeutung, die dem Schlaf im menschlichen Leben zukommt, und um den wechselseitigen Zusammenhang zwischen manchen leiblichen und seelischen Störungen einerseits und mangelndem oder schlechtem Schlaf andererseits. Solche Erkenntnisse haben ohne Zweifel ihren Nutzen. Ob sie jedoch für sich allein viel zur Besserung beitragen können, ist mehr als fraglich.
Unsere Vorfahren im Glauben, insbesondere die alten Mönche, haben sich mit theoretischen Erkenntnissen nicht zufriedengegeben, sondern darüber hinaus aus ihren reichen Erfahrungen und sicherlich auch unter dem erleuchtenden Einfluß des Heiligen Geistes eine Praxis entwickelt, die zu gesundem Schlaf in Einheit mit dem Rhythmus der Natur und im Frieden mit Gott führt. Sie kennenzulernen, ist für den einzelnen Menschen von größerem Wert als die exakteste Analyse der körperlichen und psychischen Vorgänge beim Schlafen und Träumen. Die Weisheit der Alten aber hat ihren Niederschlag im letzten Teil des heiligen Offiziums, im Completorium, gefunden.
So sieht man leicht ein, daß der lebendige Mitvollzug dieses Nachtgebetes für den Menschen eine wahre Wohltat darstellt. Wer sich im Geiste der Komplet, also im stillen, gesammelten Verweilen vor dem Herrn, zur Nachtruhe begibt, auf den strömt ganz gewiß göttlicher Segen aus und schenkt ihm seelischen Frieden sowie Schutz vor den Belästigungen des Feindes. Ein solcher Mensch wird leichter zum „Schlaf des Gerechten", zu einem tiefen und erfüllten Ruhen des Leibes und der Seele nämlich, finden, als derjenige, der sich ohne Vorbereitung in geistiger Zerstreutheit und Angespanntheit seiner Müdigkeit überläßt.

Aber nicht allein von der Vorbereitung auf den Schlaf spricht die Komplet. Das Responsorium In manus tuas gibt einen unübersehbaren Fingerzeig auf die schon erwähnte zweite Bedeutungsebene; denn die Psalmworte, die hier in einer zu Herzen gehenden Melodie gesungenen werden, sind ja die, unter denen der Erlöser am Kreuz Seine Seele sterbend dem Vater übereignete: „In Deine Hände, Herr, empfehle ich meinen Geist." (Ps 30,6 / Lk 23,46)
Die Beziehung zwischen Schlaf und Tod ist der Menschheit wohl schon immer bekannt. Man kann den Schlaf mit Recht als „Vorboten des Todes" bezeichnen, weist doch der Verlust des klaren Bewußtseins und der Selbstkontrolle, mit dem unser Hineingleiten in den Schlaf verbunden ist, beträchtliche Ähnlichkeiten mit dem Augenblick des Sterbens auf, in dem sich die ausgehauchte Geistseele vom Leib trennt. In beiden Fällen überschreitet der Mensch eine Schwelle und begibt sich in undurchschaubares, geheimnisvolles Dunkel. Und wenn Homer den Schlaf einmal den „Allüberwältiger" nennt, so trifft dieser Name mit noch größerer Berechtigung auf den Tod zu, der seit dem Sündenfall als ein universales Gesetz sein Recht von jedem irdischen Lebewesen einfordert.
Aber auch in einem weiteren Punkt offenbart sich die Beziehung von Schlaf und Tod: Letzterer kommt oft unerwartet und trifft den Menschen gleichsam im Schlaf an - wie jenen Habgierigen, an den im Evangelium die Worte ergehen: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir fordern; was du nun aufgespeichert hast, für wen wird es sein?" (Lk 12,20)
In diesem Sinne schreibt der spanische Franziskaner Francisco de Osuna (vermutlich 1492-1542) in seinem „Abecedarium", einem Buch über das beschauliche Leben, das die heilige Theresia von Avila sehr beglückte, der fromme Mensch müsse „sich fürs Schlafen ebenso vorbereiten wie der unfromme fürs Sterben. Denn wir werden gerichtet, so wie der Schlaf uns findet. Darum sollen wir in den Schlaf gehen wie ins Gericht." (Francisco de Osuna, ABC des kontemplativen Betens, hg. von Erika Lorenz, Freiburg im Breisgau 31994)

Die Kirche war sich der einzigartigen Bedeutung der Todesstunde stets bewußt und hat deshalb den Ordo commendationis animae, eine Sammlung von Gebeten zur Begleitung Sterbender bis zum Moment des Todes, in ihr Rituale eingefügt. Doch zur persönlichen Vorbereitung, mehr noch: Einübung des Sterbens bietet sich uns vor allem die Komplet an. Wer es sich nun als Beter des Breviers oder anderer Gebete zur heiligen Gewohnheit macht, die letzte Zeit seines Tages jeweils in innerer Übereinstimmung mit diesem Nachtgebet zu leben, der wird zugleich mit der ars dormiendi, der Kunst des Schlafens, auch die ars moriendi, die Kunst des Sterbens, erlernen, denn er übt sich darin, seine Seele nach der Bitte um Reinigung von Schuld bewußt in die Hände des Vaters zu legen und im Schutz der allerseligsten Jungfrau seine Ruhe zu finden.
Und wenn einem Gläubigen selbst nach innigstem Nachtgebet die Gnade eines tiefen und erquickenden Schlafes dennoch vorenthalten wird, dann soll er sich in seinem Wachen daran erinnern, daß auch manche sterbenskranken Personen, die sich auf ihren Heimgang bestens vorbereitet haben, Tage, Wochen, Monate, sogar Jahre auf den erlösenden Augenblick warten müssen. Beiden wird der gütige Gott zu ihrer Zeit „eine ruhige Nacht und ein vollkommenes Ende gewähren". Und - nach dem Wort des Angelus Silesius - „voller Pracht wird die Nacht, weil Dein Glanz sie angelacht."


Weitere Beiträge von Bernward Deneke


Ich muß einmal sterben

Vom hl. Alfons Maria von Liguori

Es ist eine für das ewige Heil überaus nützliche Übung, oft bei sich zu sprechen: "Ich muß einmal sterben." Die Kirche gibt jedes Jahr am Aschermittwoch den Gläubigen diese Erinnerung: Memento homo, quia pulvis es et in pulverem reverteris: "Gedenke, o Mensch, daß du Staub bist und wieder zu Staub werden wirst." Aber diese Wahrheit vom Tode wird uns noch gar oft unter dem Jahre ins Gedächtnis gerufen, bald von den Gottesäckern, an denen wir vorbeigehen, bald von Grabsteinen, die wir in Kirchen erblicken, bald von den Gestorbenen, die beerdigt werden.

Die kostbarsten Geräte der Einsiedler in ihren Höhlen waren ein Kreuz und ein Totenkopf; das Kreuz sollte sie erinnern an die Liebe, die Jesus Christus zu uns getragen; der Totenkopf an den Tag ihres Todes. So harrten sie in der Buße aus bis zum Ende ihrer Tage, und so starben sie arm, aber in ihrer Wüste zufriedener als die Monarchen in ihren Palästen.

Finis venit, venit finis (Ez 7, 2): "Das Ende kommt, es kommt das Ende." Hier auf Erden lebt der eine längere, der andere kürzere Zeit; aber für jeden kommt sicher früher oder später das Ende; und bei diesem Ende wird uns in der Todesstunde nichts trösten als der Gedanke, Jesus Christus geliebt und Ihm zu Liebe mit Geduld die Mühsale dieses Lebens ertragen zu haben. Nein, in jenem Augenblick vermögen weder die erworbenen Reichtümer, noch die empfangenen Ehren, noch die genossenen Freuden Trost zu gewähren. Alle Herrlichkeiten der Welt lassen die Sterbenden ohne Trost, ja peinigen sie; und je mehr sie sich mit solchen umgeben haben, desto schärfer wird die Pein werden. Schwester Margaretha von der heiligen Anna, eine unbeschuhte Karmelitin, Tochter des Kaisers Rudolph II., pflegte zu sagen: "Was nützen Königreiche in der Todesstunde?"

Ach, wie viele Weltmenschen gibt es, die mitten im eifrigen Jagen nach Gewinn, Macht und Amt die Ankündigung des Todes vernehmen müssen: "Bestelle dein Haus; denn du wirst sterben und nicht leben" (Is 38, 1). "Herr N., es ist Zeit, an ein Testament zu denken; denn es steht nicht gut mit Ihnen." O Gott, welche Pein wird der empfinden, welcher daran ist, jenen Rechtshandel zu gewinnen, von jenem Palast oder Grundstück Besitz zu ergreifen, wenn er von dem Priester, der gekommen ist, ihm die Seele auszusegnen, die Worte vernimmt: Proficiscere, anima christiana, de hoc mundo. Ziehe weg aus dieser Welt und gehe hin vor den Richterstuhl Jesu Christi! "Aber jetzt finde ich mich nicht gut vorbereitet." Was hilft dies? Jetzt mußt du gehen.

O mein Gott, gib mir Licht, gib mir Kraft, mein noch übriges Leben deinem Dienste und deiner Liebe zu weihen. Müßte ich jetzt sterben, ich würde nicht zufrieden sterben, ich würde unruhig sterben. Warum warte ich denn? Soll mich der Tod zu einer Zeit treffen, wo mein ewiges Heil in großer Gefahr schwebt? Herr, wenn ich früher ein Tor war, so will ich es künftig nicht mehr sein. Jetzt gebe ich mich Dir ganz, nimm mich an und hilf mir mit deiner Gnade!

Kurz, für jeden kommt das Ende und mit dem Ende jener Augenblick, der über den Eintritt in eine glückselige oder unglückselige Ewigkeit entscheidet: O momentum, a quo pendet aeternitas: "O Augenblick, von dem die Ewigkeit abhängt!" O dächten doch alle an diesen großen Augenblick und an die Rechenschaft, die sie in jenem Augenblick dem Richter über ihr ganzes Leben abzulegen haben! "O wären sie weise und verständig und erkennten ihr Ende" (Dt 32, 29). Gewiß, sie wären nicht bedacht, Geld aufzuhäufen und groß zu werden in diesem vergänglichen Leben; sondern ihr Streben würde sein, zur Heiligkeit zu gelangen und groß zu werden in jenem Leben, das kein Ende nimmt.

Wenn wir also Glauben haben und überzeugt sind, daß Tod, Gericht und Ewigkeit auf uns warten, so laßt uns auch Sorge tragen, in den uns noch übrigen Tagen für Gott allein zu leben. Bemühen wir uns darum, als Pilger auf Erden zu leben, eingedenk, daß wir sie bald verlassen müssen. Verlieren wir nie in unserem Leben den Tod aus unseren Augen und richten wir in den Geschäften des gegenwärtigen Lebens unsere Handlungsweise so ein, wie wir es in der Todesstunde tun würden. Entweder verlassen die irdischen Dinge uns, oder wir müssen sie verlassen. Hören wir Jesus Christus, der uns zuruft: "Sammelt euch Schätze im Himmel, wo sie weder Rost noch Motten verzehren" (Mt 6, 20). Verachten wir die Schätze der Erde: sie können uns nicht befriedigen und vergehen bald; erwerben wir uns die Schätze des Himmels: sie machen uns selig und vergehen niemals!

Aus dem Buch "Elemente einer Spiritualität der Liebe"


Gebete um einen guten Tod

Hl. Alfons: Verachtung der Welt


Das Zitat

Dreiviertel der Christen arbeiten nur dafür, um ihren Körper, der bald in der Erde verfaulen wird, zufriedenzustellen, während sie an ihre arme Seele, der eine ewige Seligkeit oder Unglückseligkeit bevorsteht, nicht denken. Sie leben sinn- und gedankenlos dahin! Ich zittere um sie!
Hl. Pfarrer von Ars

Autoren

Conrad Sven
Deneke B.
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Postl Uwe
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