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Mutig durchs Labyrinth

Über Chestertons Autobiographie berichtet Vilmos Csernohorszky

Sie wollen London kennenlernen und buchen den gelehrtesten und prominentesten Reiseführer, der zu haben ist. Er holt Sie am Flughafen ab. Naja, er sieht schon gelehrt aus mit seiner Brille, den wirren Haaren und dem Walroßschnauzer, aber etwas schlampig und unsauber wirkt er, mit seinem zerdrückten Schlapphut und dem schwarzen Cape. Er schiebt Sie durch eine komische Schleuse, und als Sie auf der anderen Seite wieder herauskommen, merken Sie, das muß eine Art Zeittunnel gewesen sein. Sie sind in London, ja, da ist der Turm des Big Ben, da steht das neugotische Parlament, aber Sie merken, es ist das London der Vergangenheit. Und Ihr Führer hakt sich gemütlich bei Ihnen ein und geht mit Ihnen … nein, nicht ins Britische Museum, um die Entstehung der Hieroglyphen zu erklären, sondern wandert durch ein Labyrinth aus Namen, Familien und Tagesereignissen, die er gemütlich plaudernd kommentiert. Vor allem bringt er sie in Pubs, von denen er gar nicht genug bekommt.

Ungefähr so mag sich der Leser vorkommen, der sich auf Chestertons Autobiographie gefreut hat. Der große katholische Apologet beendete dieses Buch kurz vor seinem Tod im Jahr 1936. Er berichtet über sein interessantes Leben. Aufschlußreich sind seine Bemerkungen über den Geist des viktorianischen Zeitalters, das er in seinen Widersprüchen aufzeigt. Die Menschen hatten noch einen gesunden Menschenverstand und waren trotz ihrer berüchtigten Heuchelei immer noch um einiges ehrlicher als die nachfolgenden Generationen, die auf sie herabschauten. Aber schon damals begann der Niedergang des öffentlichen Lebens, das immer tiefer im Materialismus versank: Politik, Religion, Presse, Architektur und Wirtschaft verfingen sich heillos in den Schlingen derjenigen Kreise, die über das große Geld verfügen. Die Londoner Boheme und die Journalistenpubs starben zu Chestertons großem Bedauern allmählich aus, und die Welt wurde sachlich und langweilig.

Der allgemeinen Begeisterung für den Burenkrieg haben sich nur wenige unabhängige Geister entzogen, und unser Autor gehörte zu ihnen. Er meinte, die Bauern in Südafrika hätten mehr Anrecht auf das Land als britische Industrielle und Spekulanten. Den Ersten Weltkrieg hingegen unterstützte Chesterton als einen notwendigen Abwehrkampf gegen eine befürchtete Vormachtstellung Preußens im Falle eines deutschen Sieges.

Chestertons Vater war Immobilienmakler gewesen, jemand, der nüchtern rechnen mußte. Aber er war noch ein Mann des viktorianischen Zeitalters. Vor allem zu Hause, in den eigenen vier Wänden. Ein Mann mit Phantasie, der Dutzende von Hobbies ausprobiert und seinen beiden Söhnen ein ganzes Puppentheater gebaut hat. Chesterton war davon und von der Erinnerung daran ein Leben lang fasziniert. Er wurde ein Mann mit Phantasie und ein selbstständiger Denker, immer ein entschiedener Nonkonformist, der sich nicht vom Zeitgeist mitreißen ließ. Nach langer Suche und dem Vorbild seines jüngeren Bruders Cecil folgend konvertierte er spät, aber mit einer kompromißlosen Haltung zur katholischen Kirche. Zuvor jedoch spielten die jungen Brüder mit dem Spiritismus, der neuen Religion der Zeit. Chesterton spielte damit, glaubte aber nicht daran. Dem Journalismus galt seine große Leidenschaft und den öffentlichen Debatten (Podiumsdiskussionen würde man heute dazu sagen), für die er ganz England bereiste. Bernard Shaw und Chesterton duellierten sich immer wieder mit gewandter Zunge und brillantem Geist. Shaw war der Mann der „Zukunft“, ein Sozialist der fabianischen Richtung (benannt nach der britischen Fabian-Gesellschaft), welche die Eugenik, die „freie Liebe“ und den totalitären Wohlfahrtsstaat propagierte, während Chesterton die Schönheit und die Tugenden des alten Englands beschwor, das – wie er ahnte und wusste – für immer verschwunden war. Er meinte, sein großer Gegenspieler Shaw habe zwar in allen Punkten und Bereichen die unsympathischsten Ansichten vertreten, sei aber als Mensch ganz anders gewesen. Das ist typisch für Chestertons praktizierte Nächstenliebe, die auf jeder Seite dieses Buches durchschimmert.

Viele andere Namen tauchen auf, Namen, die damals jedem geläufig waren. Ebenso die wichtigen Tagesereignisse, die uns nichts mehr sagen. Vielleicht ist das eine Schwäche dieses Buches. Aber Chesterton wollte immer auf den Punkt kommen (im Gegensatz zu den Skeptikern, die er als Leute schildert, die nie auf den Punkt kommen). Er wollte Gerechtigkeit schaffen und die Wahrheit jener Ereignisse herausstellen, auch wenn wir so viele Jahre danach nicht mehr viel mit ihnen anfangen können. Aber einen Priester möchte ich nicht unerwähnt lassen. Es war ein Landpfarrer, den eine Gruppe von jungen Männern, deren Gespräch Chesterton zufällig erlauschte, für völlig weltfremd hielt. Chesterton, der ihn gut kannte, mußte darüber schmunzeln, denn Father John O'Connor, dieser einfache und bescheidene Geistliche, wußte mehr über die Sünde und das Verbrechen, als sich diese Jungen in ihrer einfältigen Schulweisheit vorstellen konnten. Und genau dieser Priester diente Chesterton als Vorbild für das innere Wesensbild des berühmten Detektivpriesters Father Brown. Und schließlich ging er ihm selbst in die „Falle“, als er sich von ihm im Jahre 1922 in die Kirche aufnehmen ließ. Was für eine Schlüssel- und Symbolfigur im Leben eines großen Schriftstellers und Apologeten! Im August 2013 wurde bekanntgegeben, dass Chestertons Seligsprechungsprozeß vorbereitet wird.

G.K. Chesterton, Autobiographie, Bonn 2002


Carl Christian Bry über Chesterton

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