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Das Heil kommt von den Juden

Ein bekehrter Jude bezeugt Jesus als Messias

Von Christof Gaspari

Jetzt lese ich es zum zweiten Mal - mit Freude und Gewinn -, das Buch von Roy H. Schoeman Das Heil kommt von den Juden. Der Autor ist ein auf wunderbare Weise zum katholischen Glauben bekehrter Jude. Das verleihe ihm eine einmalige Position, die wahre Bedeutung des Judentums zu untersuchen, erklärt er. Denn um “die Heilsgeschichte zu verstehen, muß man nämlich Christ sein..." Und als Jude sei er von früh an vertraut mit dem Bewußtsein der besonderen Berufung seines Volkes.

Diese besondere Rolle in der Heilsgeschichte bestehe darin, “sich erstens Gott ganz hinzugeben, bis hin zu einem einzigartigen, engen Bund zwischen ihm und Gott; zweitens durch seine Ergebenheit und Tugend Segen zu bringen, bis hin zum abschließenden Segen des Erlösers für die gesamte Menschheit; und drittens die prophetische Vorwegnahme der späteren Heilsgeschichte durch seine eigene Geschichte." Vor allem aber sollten die Juden das Volk sein, in dem “Gott als Mensch erscheint".

Letztlich hätten die Juden ihre Aufgabe erfüllt, meint Schoeman. Die Masse habe zwar “Kreuzige ihn" gerufen, aber “ein treuer Rest" habe den Messias erkannt. So habe sich zu Zeiten Jesu das fortgesetzt, was schon die ganze Heilsgeschichte gekennzeichnet habe: “Gott hat immer durch solche kleinen ,treuen Überbleibsel' gehandelt." Auch wenn die große Mehrheit der Juden Jesus nicht als Messias erkannt hat, so habe Gott den Segen, den er den Nachkommen Abrahams (“Abrahams Samen") verheißen hatte, nicht zurückgezogen.

Wichtig, den Christen in Erinnerung zu rufen: “Bei ihrer Gründung war die Kirche gänzlich jüdisch." Tatsächlich: Maria, die Apostel, die Jünger, die Frauen - sie alle waren Juden. Selbst zu Pfingsten waren “nur Juden und jüdische Proselyten (...) bei dieser Geburt der Kirche anwesend." Eine Kette von Wundern war notwendig, um der jungen Kirche bewußt zu machen, daß auch die Heiden berufen waren.

Besonders gefallen hat mir das Kapitel über “Die messianische Idee im Judentum", eine lesenswerte Darstellung der Prophezeiungen im Alten Testament, die sich auf den Messias beziehen: Wann mit Seinem Auftreten zu rechnen sein würde; wo und durch wen Er geboren werden sollte; welchen Auftrag Er haben würde; wie sich Sein Leiden und Sein Tod darstellen sollte... In ähnlicher Weise muß Jesus den Emmaus-Jüngern den Sinn der Schrift erschlossen haben.

Zwei Kapitel widmen sich dem Thema Holocaust und Weltanschauung des Nationalsozialismus. Schoeman zeigt, daß die mörderische Judenverfolgung durch Hitler-Deutschland ihre Wurzeln nicht im Christentum, sondern in der neuheidnischen Weltanschauung der “Nazi-Religion" hatte - eine Darstellung über fast 100 Seiten, die meinem Geschmack nach zu ausführlich geraten ist.

Interessant hingegen das Kapitel über “Antisemitismus nach dem Holocaust", in dem das Spannungsfeld zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn thematisiert wird: Zur Sprache kommt auch die Rolle des Islam in dieser Konfrontation. Bedenkenswert die Feststellung: “Von allen großen Religionen der Welt entstand nur der Islam, nachdem sich Gott der Menschheit durch Seine Inkarnation in Jesus Christus vollständig offenbart hatte. (...) Nur die Offenbarungen des Islam kamen nach Christus, in Kenntnis des Christentums und ihm doch widersprechend. Also muß man sich fragen, was der Ursprung dieser Offenbarung war - war sie menschlichen oder übernatürlichen Ursprungs? Wenn sie übernatürlich war - kam sie von Gott oder von gefallenen Geistern? Einem Christen fällt angesichts der Widersprüche dieser Offenbarung zum Christentum die Vorstellung schwer, daß ihr Ursprung Gott sei."

Sehr berührend das Kapitel “Die Rückkehr der Juden" mit Zeugnissen von Juden, die zum Teil auf wunderbare Weise zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben: Alphonse Ratisbonne, Rabbi Zolli, Charlie Rich (siehe S. 23), Kardinal Lustiger, Edith Stein...

Bemerkenswert, daß viele von ihnen den Eintritt in die katholische Kirche nicht als Bekehrung ansahen, sondern “als ein Ans-Ziel-Kommen zur endgültigen Fülle des Judentums und ihrer Identität als Juden". Und die meisten von ihnen seien “von einem Feuer erfüllt (gewesen), ihre Freude darüber, den Messias gefunden zu haben, ihren Mitjuden mitzuteilen."

Seit Jahrzehnten komme es zu einer Welle jüdischer Bekehrungen wie zu keiner anderen Zeit, berichtet Schoeman abschließend. Zahllose Juden nehmen Jesus als Messias an (1989 wurde ihre Zahl weltweit auf 350.000 geschätzt) und finden sich in Messianischen Synagogen zusammen.

Wie gesagt: Ein lesenswertes Buch, das einer heute in manchen katholischen Kreisen vertretenen Ansicht, Juden bedürften nicht der Verkündigung der Frohbotschaft, entschieden und zurecht entgegentritt.

Roy H. Schoeman, Das Heil kommt von den Juden. Gottes Plan für sein Volk. Sankt Ulrich-Verlag, Augsburg 2007, 326 Seiten, 19,90 Euro.

Der Beitrag ist der Zeitschrift Vision 2000 entnommen, Nr. 3/2007.


Alphons Maria Ratisbonne

Am 6. Mai 1884 starb in En Kerem bei Jerusalem Alphons Maria Ratisbonne. Am 1. Mai 1814 in Straßburg geboren, wandelte er sich durch eine Erscheinung der Muttergottes am 20. Januar 1842 schlagartig von einem freigeistigen Juden in einen gläubigen Katholiken. Elf Tage später wurde er getauft. In einem Brief an seinen Bruder Theodor schrieb er kurz danach, dass die allerseligste Jungfrau Maria ihm zu verstehen gegeben habe, die Gnade der Bekehrung, die er hatte erfahren dürfen, sei auch für das jüdische Volk bestimmt. Er wurde Priester und widmete sein weiteres Leben ganz dem Bemühen, seine jüdischen Brüder und Schwestern zur Erkenntnis des Messias und des Gottessohnes Jesus Christus zu führen.


Die Sionsschwestern in Jerusalem

Vor 150 Jahren, am 20. Januar 1862, war der Bau der ersten Niederlassung der Sionsschwestern in Jerusalem fertiggestellt und konnte Alphons Maria Ratisbonne ihnen das Kloster mitsamt Waisenhaus für die von ihnen betreuten Waisenkindern übergeben. Auf den Tag zwanzig Jahre zuvor war dem Juden Alphons Ratisbonne in Rom die Muttergottes erschienen und hatte ihm schlagartig die Bekehrung zum katholischen Glauben geschenkt. Er wurde daraufhin Priester und kam 1855 ins Heilige Land. Die Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau von Sion war 1843 von seinem Bruder Theodor Ratisbonne gegründet worden. Den von Gott gewollten Ort für ihre Niederlassung erkannte Alphons in den Ruinen bei der einstigen Burg Antonia beim sogenannten Ecce-Homo-Bogen, worüber er bekannte: “Ja, das war der Ort, der für das Werk bestimmt war, das in Jerusalem zu gründen ich mich berufen gefühlt hatte. Ich kniete an dieser Stätte nieder und gelobte dem mit Dornen gekrönten Heiland, keine Ruhe mehr kennen zu wollen, bis das Werk vollendet sei” (Ferdinand Holböck, “Wir haben den Messias gefunden!”, Stein am Rhein 1987, S. 48).


Päpstliche Solidarität mit den verfolgten Juden

“Die Gräuel, die den Juden im zwanzigsten Jahrhundert auf so schreckliche und unentschuldbare Weise angetan wurden, nahmen die Päpste für das Volk des Alten Bundes ein, bewirkten ihre Solidarität und ein konkretes Agieren. 1938 erklärte Pius XI. (1922 - 1939) vor Pilgern aus Belgien: ‘Geistlich sind wir alle Semiten’; der Papst hatte schon zuvor demonstrativ seine Haltung zum Antisemitismus dargelegt und in die von ihm wiederbegründete Päpstliche Akademie der Wissenschaften jüdische Gelehrte als Vollmitglieder berufen. Auf die helfende und schützende Hand Pius’ XII. (1939 - 1958) verwies Johannes Paul II. bei seinem Besuch in der römischen Synagoge, ‘als sich in den dunklen Jahren der Rassenverfolgung die Pforten unserer Ordenshäuser, unserer Kirchen, des Römischen Seminars, Gebäude des Heiligen Stuhles und des Vatikanstaates selbst weit geöffnet haben, um so vielen von ihren Verfolgern gehetzten Juden in Rom Zuflucht und Rettung zu bieten’.”

Aus: Ulrich Nersinger, “Geistlich sind wir alle Semiten”. Die Päpste und die jüdische Gemeinde Roms, in: Tagespost vom 16. Mai 2009.


Antisemitismus als Kind der Aufklärung

In seinem Buch Gotteswahl (München 1992; französisch La choix de Dieu, Paris 1987) geht Jean-Marie Lustiger auf die Wurzeln des Antisemitismus ein und macht nicht etwa das Christentum, sondern die Aufklärung für den Antisemitismus eines Hitlers verantwortlich: “Ich glaube, dass der Antisemitismus Hitlers aus dem Antisemitismus der Aufklärung hervorgegangen ist. Ich weiß nicht, ob die Historiker in ihren Untersuchungen schon bis zu diesem Punkt vorgedrungen sind” (S. 86). Als Beispiel nennt er Voltaire, der ein ausgemachter Antisemit gewesen sei. Dieser Antisemitismus bedeute “eine Intoleranz gegenüber dem Judentum in seiner Substanz, in seiner Kraft der Offenbarung.” “Die Verneinung der göttlichen Auserwählbarkeit, den Hass auf eine nicht rational verstehbare und folglich unannehmbare singuläre religiöse Existenz. Man darf diesen Antisemitismus eines Voltaire und Diderot nicht einfach unter den Tisch fallen lassen, denn immerhin hat diese Strömung in Deutschland des 18. Jahrhunderts das Bild des ‘häßlichen Juden’ maßgeblich beeinflußt” (S. 87). Was das Christentum angehe, so habe es zwar “tiefgreifende Konflikte” gegeben, aber an sich könne es nicht antijudaistisch sein. Der Faschismus bedeute “eine Ablehnung des Christentums und ein Wiederaufleben des Heidentums”. “Dasselbe gilt für den offiziellen sowjetischen Antisemitismus. Alle diese Formen gehen auf das Konto ein und desselben Rationalismus” (S. 88).

Jean-Marie Lustiger (1926 - 2007) war Jude. Seine Mutter wurde 1943 im Konzentrationslager Ausschwitz umgebracht. Er konvertierte und wurde 1979 Bischof.

In dem fast 500 Seiten umfassenden Interviewbuch Gotteswahl geht Lustiger auf die verschiedensten Themen ein. Das Kapitel Christlicher Antijudaismus und atheistischer Antisemitismus umfaßt acht Seiten. In ihm zeigt Lustiger, “dass gerade das moderne, rationale und atheistische Denken antisemitisch ist. Viel antisemitischer als das christliche Denken. Der moderne Antisemitismus ist deshalb so radikal, weil er ein Antitheismus ist” (S. 88).


Zum Thema:

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