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Emmaus einst und heute

Eine Ostermontagspredigt von P. Bernhard Gerstle

Wer von uns könnte nicht mit den beiden Emmausjüngern mitfühlen? Traurig, verzagt, müde und erschöpft waren sie auf dem Heimweg. Das, was sich in Jerusalem zugetragen hatte, ist zu viel für sie gewesen. Derjenige, auf den sie ihre ganze Hoffnung gesetzt hatten, war grausam getötet worden, ein Opfer von Hass und Intrige.

Ihr Glaube an Gott ist nun ins Wanken geraten. Sie haben den Halt verloren. Vertrauen auf die Hohenpriester und Schriftgelehrten konnten sie keines mehr haben, aber auch das, was Jesus von Nazareth gelehrt hat, woran sie mit Begeisterung geglaubt und worauf sie ihre ganze Hoffnung gesetzt haben, sagt ihnen jetzt, da er nicht mehr lebt, so gut wie nichts mehr.

Sie waren durch die Geschehnisse irgendwie traumatisiert. Heute würde man sagen, sie hätten dringend einer psychotherapeutischen Behandlung bedurft, um das Ganze verarbeiten zu können.

In dieser trost- und hoffnungslosen Stimmung begegnet den beiden Emmausjüngern der Fremde. Zunächst gehen seine Worte wie leer an ihnen vorbei, doch in seiner Stimme liegt etwas Geheimnisvolles, Großes, das sie in den Bann zieht.

"Brannte nicht das Herz in uns, als er auf dem Wege mit uns redete und die Schriften auslegte?" werden sie später sagen. So können sie den Fremden nicht weiterziehen lassen. Deshalb erfolgt die Einladung: "Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich schon geneigt!" Den weiteren Verlauf kennen wir.

Vielleicht gab es in unserem Leben auch schon ähnliche Emmaussituationen. Tage oder Wochen oder gar Monate, in denen es knüppeldick über uns herein gebrochen ist: eine schwere menschliche Enttäuschung, Verlust eines geliebten Menschen, große Sorgen um ein Kind, Zustände innerer Trostlosigkeit und Gottverlassenheit, äußere und innere Not und damit verbunden Ratlosigkeit, das Gefühl, in ein großes Loch gefallen zu sein, aus dem man nicht mehr heraus kommt.

Wie oft begegnen wir Menschen, die nicht mehr weiter wissen und am Rande der Verzweiflung stehen, und vielleicht wurde uns durch eigenes Erleben schon einmal so eine Erfahrung zuteil.

So ähnlich ging es jedenfalls den beiden Emmausjüngern und so war ja auch die Stimmung bei den Aposteln und den vielen anderen Jüngern, die ihre ganze Hoffnung auf Jesus gesetzt hatten.

In solchen Prüfungen und Grenzsituationen fallen oft wichtige Entscheidungen: Es kommt entweder zum Zusammenbruch oder zum geistigen Durchbruch!

Die Emmausgeschichte lehrt uns, dass Resignation oder gar Verzweiflung die schlechteste aller Lösungen ist. Wenn wir nicht mehr weiter wissen, weil alles um uns herum dunkel ist, dann müssen wir aushalten, abwarten, beten, vertrauen - bis neues Licht das Dunkel erhellt.

Wenn man nicht versteht, dann sollte man nicht den Schluss ziehen, dass alles, woran man bisher geglaubt hat, falsch gewesen ist. Wenn man jetzt nicht versteht, dann vielleicht später.

Wie viele sind wohl in den letzten vierzig Jahren in ihrem Glauben unsicher geworden. So haben sich viele in den nachkonziliaren Wirren gefragt: “War das nun alles falsch, was uns in der Kindheit über den katholischen Glauben gelehrt worden ist? Haben wir in unserer Frömmigkeit übertrieben und Manches zu ernst genommen? Sind jene nicht in eine Sackgasse gelaufen, die am alten Glauben und an der alten Liturgie fest gehalten haben? Hat das nicht auch zu unheilvollen Spaltungen geführt? Haben jene vielleicht doch recht, die sich angepasst haben und den leichteren Weg gegangen sind, nicht nur in den Fragen der kirchlichen Disziplin, sondern auch in Fragen der Sexualmoral? Warum sich selbst das Leben schwer machen, wenn es auch anders möglich?”

Wer kennt nicht diese Gedanken und wer war noch nicht versucht, darauf einzugehen und den mühsamen Kampf um das Gute und Wahre aufzugeben?

Heute haben sich viele dieser quälenden Fragen gelöst, beginnt sich der Wind in der Kirche zu drehen und dringen schon die ersten Sonnenstrahlen durch. Spätestens seit zwanzig Jahren erleben wir einen schmerzvollen, aber notwendigen Klärungsprozess in unserer Kirche. Extremes und Unversöhnliches kann freilich keinen Beitrag leisten zur innerkirchlichen Erneuerung. Aber da, wo Wahrheit und Liebe zusammen kommen, wo man auch bereit ist, in Geduld zu leiden und auf Lösungen zu warten, da kann die Gnade und Vorsehung Gottes wirken.

Spätestens mit Papst Benedikt spüren wir, dass es der Herr ist, der seine Kirche lenkt und vieles, was in eine Schieflage geraten ist, wieder zurecht rückt.

Aber vor diesem neuen Frühling in der Kirche musste der Kreuzweg sein, und er ist ja noch lange nicht zu Ende, auch wenn er nun schon ein wenig verklärt ist durch die Tröstungen, die uns in den letzten Jahren zuteil geworden sind.

Eine Legende aus dem Leben des heiligen Martin von Tours erzählt, er habe eines Nachts eine Erscheinung gehabt in Gestalt eines majestätischen Königs. Martin fragt ihn: „Wer bist du?“ Darauf antwortet sein Gegenüber: „Ich bin dein Heiland Jesus Christus.“ Martin erwidert: „Wo hast du dann deine Wunden?“ Er antwortet: „Ich komme jetzt nicht als Verwundeter, nicht vom Kreuz, sondern vom Himmel her in meiner Herrlichkeit!“ Darauf der hl. Martinus mit aller Entschiedenheit: „Geh mir aus den Augen, du bist der Teufel. Den Heiland, der ohne Wunden ist, den mag ich nicht sehen; den erkenne ich nicht, der das Zeichen seines Leidens nicht hat.“

Ostern hebt die Wunden Christi nicht auf. Sie sind dem Herrn für immer eingeprägt und gehören zu ihm, auch nach der Auferstehung! Sie sind jetzt zum Siegeszeichen geworden. Und auch wir werden eines Tages verstehen, dass alle Leiden, die wir aus Liebe zu Gott und in der Nachfolge Christi angenommen und geduldig getragen haben, als verklärte Wunden in der Ewigkeit strahlen und unsere Himmelsglorie umso größer und herrlicher machen.

„Mußte nicht Christus dies alles leiden und so in Seine Herrlichkeit eingehen?“ sprach Jesus zu den Emmausjüngern. Diese Worte gelten auch uns. Immer wieder müssen wir uns daran erinnern: „Muß es nicht sein, dass wir dies und jenes zu leiden und zu ertragen haben?“

Rennen wir vor dem Leiden nicht davon! Nehmen wir es an, wenn wir spüren, Gott hat es so gefügt. Es hat dann einen tiefen Sinn. Oft geht uns der Wert geduldig getragenen Kreuzes erst viel später auf.

Lernen wir von Karfreitag und Ostern auch für unser persönliches Leben! Haben wir keine Angst mehr vor dem Kreuz, von dem Verwundet- und Verletztwerden! Wenn wir wahrhaft lieben, sind wir dazu immer bereit.

Christus ist auferstanden, aber mit verklärten Wunden und so werden auch wir eines Tages auferstehen, mit all den Wunden, die uns das Leben geschlagen hat. Wunden, die nicht einfach nur verheilt sind, sondern Wunden, die uns geläutert und reif gemacht haben für den Himmel.


Das brennende Herz

Von Eduard Kamenicky

Wie aus flimmernder Ferne, die das Eigentliche in ungreifbare Weite verbannt, blickt der Christ dieser Tage zurück auf eine Welt, die ihm Heimat war, in eine Zeit, die er allen Fährnissen zum Trotz die seine nannte, auf eine zur Unwirklichkeit entrückte Größe von strahlender Kraft und Schönheit, die Kirche hieß. Sie funkelt ihn heute an wie vom Goldgrund mittelalterlicher Tafeln, wie gebrochen im Spektrum kostbaren, alten Kristalls, ein Vineta des Herzens fast, über das längst die alles verschlingenden, alles überspülenden Fluten der Zeit ihre trüben Schaumkronen wälzen.

Und doch bleibt im Gedanken an diese versunkene Welt eine Wirklichkeit klar und fest, die allen Versuchen der Auflösung und Umdeutung standhält. Da war nicht nur etwas außer uns, das uns beeindruckte. Da prägte nicht allein ein Geist unser Leben, seine Art und sein Klima, dem wir uns einfach nicht zu entziehen vermochten. Da gab es einen tiefinneren Einklang mit dieser das Dasein formenden Macht, die Erfahrung, das persönliche Wissen darum, daß dies alles so und nicht anders richtig war. Es ist, als wäre der Herr selbst eine Strecke Weges mit uns durch das Leben gegangen und hätten wir, ohne uns dieser Gnade ganz bewußt zu werden, zutiefst empfunden, in seiner Gesellschaft zu sein, als hätte uns seine unerfaßte Nähe wunderbar gestärkt und getröstet.

Brannte nicht das Herz in uns, als Er uns so unterwegs das Auge des Geistes öffnete und den Sinn der Wahrheit erschloß? Mochte das nun bei einem ländlichen Bittgang sein voll Glaube und Einfalt, bei staubmutiger Wallfahrt, Landstraßen entlang, oder bei stillem Wandeln durch die dämmernden Hallen der Überlieferung, in deren erquickender Kühle uns das Denken der Väter aufging, das Beten der Heiligen, die Einheit christlichen Hoffens. In allem berührte uns, vielfach aufleuchtend, derselbe Sinn, durch alles hin erfuhren wir der einen Wahrheit herrliches Walten. Es gab Fragen, aber sie fanden eine Antwort, es waren Probleme da, gewiß, aber auch ihrer Lösung ausgewogener Bereich. Wir waren unterwegs, doch dieser Weg selber war Ziel, trug alle Verheißung und des Zugesagten Übereignung in sich. Dieses Ganze voll Glanz und Bedeutung, das uns umschloß, bestand und galt und war nicht in Abrede zu stellen.

Dann aber hat alles, nicht mehr zu sehen und zu sagen: wie, eine seltsame Wendung genommen. Konturen, so scharf wie für die Ewigkeit gezeichnet, begannen zu zittern und zu verschwimmen, Bild um Bild verschleierte sich, Zusammenhänge wurden gelockert und waren bald kaum mehr zu ahnen, fremder Schatten fiel ein.

Das Gehen in dieser fröstelnden Landschaft auseinanderrückender Elemente verlor mehr und mehr seine innere Sicherheit. Hügel wankten, doch ohne zu jauchzen, Berge gerieten ins Gleiten, doch sie bedeckten uns nicht, Talgründe schlossen sich, aber es zeigte sich kein ebener Weg. Mit einem Mal sahen wir uns in ratlosem Unbehagen in eine andere Welt versetzt, die weniger Kosmos als gärendes Chaos war. In sein Dunkel hinein trugen wir, müd und verstört, unsern Glauben.

Aber da widerfuhr uns das Merkwürdige: je fremder die Gestalt der Kirche im Taumel der Auflösung wurde, desto inniger wurde unsere Sehnsucht nach ihr. Je mehr sich die Züge ihres Antlitzes ins Nicht-Wiederzuerkennende verschoben, desto glühender wurde das Verlangen nach ihm. Und wo immer wir jetzt an einen ihrer alten Schätze rühren, mag er noch so verstümmelt und verunstaltet sein, brennt unser Herz. Es ist kein Schmerz um Verlorenes bloß, kein Weh nur über das, was uns entrissen ist. Es ist jenes alte, gleiche, unvergeßliche Brennen des Herzens, das wir so oft gefühlt haben und das uns jedesmal wie ein mit dem Feuer ewiger Freude eingepreßtes Siegel der Wahrheit unter das Stammeln unseres Bekenntnisses war: Amen. Alleluja. So ist es.

lm Augenblick dieses Wiedererkennens wendet sich unsere Seele von der schmerzlichen Betrachtung des Gewesenen ab und tapfer dem Künftigen zu. O ja, was unser ganzes Glück und Leben ausmacht, es ist mehr als Geschichte. Und ist es uns heute auch nicht Besitz und Erlebnis in jener frohen, fast himmlischen Heiterkeit von einst, so ist es doch stärker und wahrer als alles, was in dieser Zeit über uns zu kommen vermag. Es harrt unser in einer Zukunft von unaufhebbarem Wert, die sich nicht hindern noch ändern läßt. In ihr werden wir alles wiederfinden und wiederbesitzen, was uns verloren scheint, und Undenkliches darüber hinaus.

Es kommt der Abend des Friedens, da wir mit dem Herrn wieder unter Dach treten werden, wo der Schmerz der Trennung abfällt von uns, wo dann die Fülle des Erlebens, die alles begreifende und gewährende Gemeinschaft mit Jesus unser Teil ist unter der Ampel von Emmaus. Noch ist uns das Hinauswandern in trostlose Weite beschieden, die Last der Traurigkeit, das Herumrätseln daran, wie das alles geschehen konnte. Und das brennende Herz. Es verrät, daß wir nicht allein sind. Daß der Herr mit uns ist, auch jetzt. Daß Er an unserer Seite geht, sachte sein Licht werfend, Strahl um Strahl, in alle Verwirrung. Aber unsere Augen sind gehalten und wir erkennen Ihn nicht.

Dieser Artikel erschien 1970 in der Zeitschrift Entscheidung.

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