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Effetha.
Die Heilung des Taubstummen in Mk 7, 31-37

Von P. Franz Prosinger

"Wahrlich, wahrlich ich sage euch: es kommt die Stunde – und sie ist jetzt -, da werden die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören, und als Hörende werden sie leben" (Joh 5,25). Hier ist nicht von der Auferstehung der Leiber aus den Gräbern die Rede, wie ausdrücklich in Vers 28, sondern von der Leben spendenden Kraft des göttlichen Wortes für diejenigen, die es aufnehmen: "Wahrlich, wahrlich ich sage euch: wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht; vielmehr ist er aus dem Tod ins Leben hinübergeschritten" (Vers 24). Auch der hl. Paulus schreibt von einer Energie des Wortes Gottes in denjenigen, die glauben: "Das Wort des Gehörs – die Predigt – habt ihr von Gott her angenommen nicht als ein Wort von Menschen, sondern so wie es der Wahrheit entspricht, als das Wort Gottes, das in euch, den Glaubenden, auch wirksam ist (energeitai)" (1Thes 2,13).

Der Glaube an die schöpferische Macht des göttlichen Wortes durchzieht die ganze Schrift. Aus dem Nichts ruft Gott die Dinge ins Dasein, durch sein Wort offenbart er sein Wesen ("Er sprach 'es werde Licht' und es ward Licht", Gen 1,3), und in dieser Mitteilung läßt er an seinem eigenen Leben teilhaben – dazu hat Gott den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen (Gen 1, 26 f). Freilich gilt es, dieses Leben in freiwilliger Verantwortung, in gläubigem Gehorsam anzunehmen. Seitdem die Menschen auf die Stimme der lügnerischen Schlange gehört haben und sich die Frucht des Baumes selbst aneignen wollten, ohne auf die Stimme Gottes zu hören, wurden sie taub und stumm. – In den Dörfern der Anden bin ich öfter auf so arme taubstumme Geschöpfe gestoßen, die auch geistig zurückgeblieben sind. Aber auch der Europäer, der komplizierteste Geräte zu bedienen weiß, ist geistig zurückgeblieben, wenn ihm das innerste Organ des Menschen verschüttet ist, durch das er die Stimme Gottes, Sein göttliches Wort, zu vernehmen, zu verstehen und zu beantworten vermag.

Die Augen des Menschen sind eingebettet zwischen Ohren, Nase und Mund, weil wir nicht nur taubstumm glotzen sollen, sondern in allem fragen und hören und spüren sollen, was uns Gott durch die sichtbare Welt mitteilen will – seine ewige Macht und sein göttliches Wesen (Röm 1, 20). Wer sich nur vom äußeren Anschein blenden läßt wie Eva, dem gehen die Augen auch nur zum Schein auf und er wird sich am Ende vor der Stimme Gottes fürchten und verstecken (Gen 3, 6-10).

Das ist die Situation, die Jesus im Gebiet der Heiden, von Tyros, Sidon und mitten in der Dekapolis vorgefunden hat. Den auch äußerlich Taubstummen heilt er nicht, wie gebeten, durch bloße Handauflegung, sondern nimmt ihn zuerst für sich auf die Seite. Die Absonderung von der Menge ermöglicht eine besondere Zuwendung (ein wichtiger Hinweis für unsere Sakramentenpastoral). Zuerst legt der Herr seine Finger in die Ohren des Tauben. Der hl. Gregor der Große verweist auf das Kommen des Reiches durch den Finger Gottes, beziehungsweise den Heiligen Geist (Mt 12, 28; Lk 11, 20), so daß er diese Geste des Herrn als das Hineinlegen der sieben Gaben des Geistes deutet: Weisheit und Verstand, Rat und Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Furcht des Herrn. Das ist das "Gehör des Glaubens", von dem der hl. Paulus schreibt (Röm 10, 7; Gal 3, 2). – Sodann berührt der Herr die Zunge des Stummen mit seinem eigenen Speichel. Bei Isaias lesen wir: "Ich werde meine Worte in deinen Mund legen und im Schatten meiner Hand habe ich dich geborgen, um auszuspannen den Himmel und zu gründen die Erde und um zu sprechen zu Sion: mein Volk bist du" (51, 16). Im Werk der Erlösung, im neuen Bund mit seinem Volk bildet Gott eine neue Schöpfung. Denn die in Adam verfluchte Welt (Gen 3, 17) ist nicht die Welt, die gut und sehr gut hervorgeht aus dem Mund Gottes. "Er küßte mich mit dem Kuß seines Mundes", so beginnt das Hohelied und eröffnet mit dieser sonderbaren Betonung die textgerechte geistige Deutung. "Unter seinem Schatten zu sitzen begehre ich und seine Frucht ist in meinem Gaumen süß" (2, 3). Zu Ezechiel sprach Gott: "'Menschensohn, nähre deinen Leib und erfülle dein Inneres mit dieser Buchrolle, die ich dir reiche'. Ich aß sie, und sie ward in meinem Munde süß wie Honig" (3, 3).

Dann blickte der Herr zum Himmel auf und seufzte: ein Hinweis auf seine Passion. Um uns Taubstummen die Ohren zu öffnen, mußte er – obwohl er der Sohn Gottes war – den Gehorsam lernen und unter lautem Rufen und Tränen Bitten und Flehrufe dem hinopfern, der ihn vom Tod erretten konnte, damit alle, die an seinem Gehorsam teilnehmen, dieselbe Vollendung erlangten (vgl. Heb 5, 7-10). Schon bei seinem Eintritt in diese Welt sprach der Herr: "Brand- und Schlachtopfer (von Tieren) hast du nicht gewollt, aber einen (Opfer-) Leib hast du mir bereitet... siehe ich komme, o Gott, deinen Willen zu erfüllen" (Heb 10, 6 f). Im hier zitierten Psalm heißt es ursprünglich: "Ohren hast du mir gegraben" (40,7). Der Sinn ist derselbe: der Leib als Opfergabe ist Gehorsam, der auch wehtut. Jenes verschüttete, sensible, innere Organ kann nicht ohne Schmerz freigelegt werden.

"Effetha", das heißt: "Tu dich auf!". Dieses Wort hat Christus auch zu uns gesprochen im Ritus der Taufe, nachdem der Priester Ohren und Nase mit dem Speichel seines Mundes berührt hat. "Zu Gottes lieblichem Wohlgeruch! Im Namen dessen, der deine Sinne nun geöffnet hat, frage ich dich: 'Widersagst du dem Satan?'". Dreimal mußten wir uns lossagen von dem, in dessen Gewalt wir uns befanden durch den Ungehorsam der Stammeltern, bevor wir dreimal eingetaucht werden konnten in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, um wieder teilzunehmen am Austausch der göttlichen Liebe in Wort und Antwort, Hören und Sprechen.

Das geistliche Leben, das sich uns in der Taufe eröffnet hat, gilt es nun freilich täglich zu öffnen als eine Schatztruhe, aus der der Hausvater täglich Altes und Neues hervorholt (Mt 13, 52). Wie viele Christen fallen zurück in den Stumpfsinn des Taubstummen! Alles ist Gnade, aber ohne unser Mitwirken bleibt sie leer (1 Kor 15, 10). Geistliches Leben bedeutet zu hören, zu horchen, gut zu horchen, was der Herr uns sagen will in allen Geschöpfen und Ereignissen, im Wort der Schrift und im Sakrament. "Mit welchem Wort habe ich euch die Heilsbotschaft verkündet – wenn ihr es noch innehabt? Es sei denn, ihr wäret unbedacht glaubend geworden!" (alternative Übersetzung von 1 Kor 15, 2).

Ein besonderer Ort für das "Wort des Gehörs" ist die hl. Messe. Da reinigen wir uns vom Staub der Welt, stimmen ein in den Lobgesang der Engel, hören das Wort der Schrift; vor allem aber bringen wir Leib und Leben zum Opfer dar in Einheit mit dem Opfer Christi und gehen ein in die Kommunion, die als wahre Kommunikation das Ohr öffnet und das Band der Zunge löst, so daß wir recht reden. Hier ist das "jetzt", von dem der Herr sagt: "Da werden die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören, und als Hörende werden sie leben" (Joh 5,25).


Predigt vom 4. Sonntag nach Ostern

Von P. Engelbert Recktenwald


"Kaufet los die Zeit, denn die Tage sind böse!"
Gedanken zum 20. Sonntag nach Pfingsten, Epheserbrief 5,15-21

Von P. Franz Prosinger

Den „kairos" sollen wir herauslösen aus dem Strom der Vergänglichkeit. Gemeint ist „der wohlgefällige Augenblick, der Tag des Heiles", das „jetzt", das es zu ergreifen gilt, damit wir die Gnade Gottes nicht vergebens empfangen (2 Kor 6,1 f). Der faustische Mensch, der sich von Mephistopheles den Augenblick bereiten lassen will, von dem er sagen kann: „verweile doch, du bist so schön", wird immer umhergetrieben sein, da er festhalten will, was er nicht in der Hand hat; zerrissen, da zwischen dem „nicht mehr" und dem „noch nicht" kein Augenblick herausspringt. Die Wirklichkeit ist nicht im Strom der Zeit, sondern in der Gnade aus Gottes ewiger Vorsehung.

Daß die menschliche Voraussicht eitler Wahn ist, ist die ent-täuschende Erkenntnis des Qohelet (Ecclesiastes / Prediger), der in der Gestalt des Königs Salomon mit Hilfe aller Wissenschaft und allen Reichtums dieser Welt sein Glück schmieden wollte. Am Ende – aber nicht als bittere Resignation, sondern als weise Selbst-Ergebung – erkennt er, daß wir nur den jeweiligen Augenblick dankbar annehmen können, in dem uns Gott inmitten all der Plage und Not eine Freude gewährt. Dabei erwähnt der Qohelet Dinge, die demjenigen, der dem großen Glück nachjagt, Kleinigkeiten und Selbstverständlichkeiten zu sein scheinen und auf die zu achten er verlernt hat. Dieses „carpe diem"–Motiv kann man auch bei Epikuräern finden, aber der Qohelet eröffnet dabei eine theologische Perspektive des Gnadenempfangs, der ins Neue Testament hineinführt. Freilich kennt er noch nicht das Kreuz Christi, das auch das Unangenehme und Widerwärtige zu verwandeln vermag, so daß der hl. Paulus im Zusammenhang der wahren Weisheit, des Auskaufens der Zeit, sagen kann: „Immer und für alle(s) saget Dank dem Gott und Vater, im Namen unseres Herrn Jesus Christus" (Eph 5,20). Alles ist Gnade!

Dem bekannten Motto „time is money" können wir entgegensetzen: Zeit ist Gnade. In beiden Fällen gilt: Die Zeit ist nicht automatisch Geld, sondern nur eine Gelegenheit zu investieren – und sie ist auch nicht automatisch Gnade, sondern nur eine Gelegenheit, diese zu empfangen. Der grundlegende Unterschied besteht darin, daß im einen Fall der Mensch meint zu investieren und einem stummen Götzen nachjagt, während im anderen Fall der lebendige Gott investiert und der Mensch empfängt (vgl. Jak 1,14 f.21). Diese beiden Verben finden sich im Weisheitsspruch Salomons: „Die Sünder verfolgt das Böse, die Gerechten stillt das Gute" (Spr 13,21). Es gibt Dinge, die nie „genug!" sagen und den Menschen in eine Rastlosigkeit versklaven (vgl. Spr 30,15 f). Dann wird er fortgerissen vom Strom der Zeit und verliert sich in ihm. Mag er dabei hohen Idealen nachjagen – aber nicht aus göttlicher Sendung – oder egoistischen Interessen, Ehr- und Habsucht, oder einfach dem Vergnügen als Unterhaltung und Zerstreuung: Es ist eine tote Zeit und es sind böse Tage. Die meisten Menschen leben nicht wirklich, weil sie dem nachhängen, was nicht mehr ist, oder dem nachjagen, was noch nicht ist. Dazwischen bleibt buchstäblich nichts als der bittere Geschmack der Enttäuschung.

Aus diesen bösen Tagen, dem Strom der Vergänglichkeit und Ungerechtigkeit, sollen wir den Gott wohlgefälligen Augenblick „herauskaufen". Das ist nicht der eigentliche Fachausdruck für „erlösen", den Loskauf aus der Sklaverei. Aber es soll wohl daran erinnern und zugleich den Merkantilismus ad absurdum führen. Denn „was kann der Mensch als Lösepreis zahlen für seine Seele?" (Mt 16, 26). Der Lösepreis, die einzige menschliche Investition, kann nur der Verzicht auf sich selbst sein als Hingabe seiner selbst in der einzig Gott wohlgefälligen Selbsthingabe Christi (Eph 5,1 f). „Leide dich und laß dich", sagt Tauler, aber nicht als bloße Resignation, sondern in der Nachfolge Christi. Wer sich an sein eigenes Leben klammert, der will etwas festhalten, was er nicht in der Hand hat – und er wird es verlieren. „Wer von euch kann mit all seinem Sorgen sein Leben auch nur um eine einzige Spanne verlängern?" (Mt 6,27). Wer aber sein Leben hingibt, das heißt es in Gottes Hand übergibt, aus der allein Leben quillt, der wird es finden.

Eine letzte Gefahr muß noch erwähnt werden: All diese Wahrheiten können uns dennoch unerlöst lassen, wenn sie uns nur schöngeistig unterhalten. Auch geistreiche und selbstgefällige Gedanken, die Kultur des Feuilletonismus, befreien uns nicht aus dem Strom der Vergänglichkeit dieser bösen Zeit, sondern einzig das Kreuz Christi. Deshalb sollten wir präzisieren: Die Hand, aus der das Leben quillt, ließ sich ans Kreuz nageln, und erst da eröffnet sich uns das Leben ohne Illusion, das „jetzt" der wahren Zeit, des Augenblicks der Gnade, des heilvollen Tages (2 Kor 6, 2). Erst so können wir sagen: „In deiner Hand sind meine Zeiten" (Ps 31,16) und dann auch: „Meine Seele ist immer in meiner Hand" (Ps 119,109).


Zwei weitere Predigten von P. Franz Prosinger:
Über die Freundschaft / Das Unkraut im Acker

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