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Freiheit und Unterwerfung

Von Jacques Philippe

Es bleibt eine unausgesprochene Frage von großer Bedeutung bestehen, welche alles durchzieht, was wir in diesem Buch gesagt haben: wie läßt sich die Freiheit des Menschen mit seiner Unterwerfung unter Gott in Einklang bringen? Wir haben häufig von der Notwendigkeit gesprochen, uns dem WillenGottes gegenüber gefügig zu zeigen und uns durch den Heiligen Geist führen zu lassen. Man könnte einwenden, daß der Mensch dann nichts anderes mehr wäre als eine Marionette in den Händen Gottes. Wo ist seine Verantwortung und seine Freiheit?

Diese Furcht ist unbegründet; sie ist sogar die gefährlichste Versuchung, durch die der Teufel versucht, den Menschen von Gott zu entfernen. Es muß aber im Gegenteil mit Nachdruck betont werden, daß der Mensch umso freier ist, je mehr er sich Gott unterwirft. Man kann sogar sagen, daß das einzige Mittel für den Menschen, seine Freiheit zu erlangen darin besteht, Gott gehorsam zu sein. Das ist schwierig zu verstehen, und es bleibt immer in etwa ein Geheimnis, aber wir wollen durch eine Reihe von Hinweisen zu erklären versuchen, warum es so ist.

1. Die Gefügigkeit gegenüber Gott macht aus dem Menschen keine Marionette. Sich durch die Gebote Gottes und die Einsprechungen des Heiligen Geistes leiten zu lassen, bedeutet nicht, sich automatisch, gleichsam “auf Knopfdruck” zu bewegen und selbst nichts mehr zu tun zu haben: Es ist hier vielmehr Raum für ein breites Spektrum von Freiheit, Verantwortung, Initiative usw.; aber dieses Spiel meiner Freiheit ist nicht chaotisch und nicht meinen oberflächlichen Antrieben unterworfen, es wird vielmehr von Gott so geleitet, wie es das Beste für mich ist. So kommt es zu einer Mitarbeit mit der göttlichen Gnade, zu einer Mitarbeit, die all meine menschlichen Fähigkeiten des Willens, des Verstandes, des Nachdenkens usw. nicht aufhebt, sondern sich ihrer bedient.

2. Gott ist unser Schöpfer, er ist es, der uns in jedem Augenblick als freie Wesen im Dasein erhält. Er ist die Ursache unserer Freiheit, und diese Freiheit bricht umso stärker hervor, je mehr wir uns in der Abhängigkeit von Gott befinden. Von einem Menschen abzuhängen, das kann eine Begrenzung sein, von Gott abzuhängen aber ist keine Begrenzung, denn es gibt keine Grenzen in Gott, welcher das unendlich Gute ist. Nur eine einzige Sache "verbietet" er uns, nämlich das, was uns daran hindert, frei zu sein und uns als Personen zu verwirklichen, die fähig sind, frei zu lieben und geliebt zu werden, und dabei ihr Glück zu finden in der Liebe. Die einzige Begrenzung, die Gott uns auferlegt, ist unsere Daseinsweise als Geschöpfe: Wir können nicht, ohne uns selbst unglücklich zu machen, aus unserem Leben etwas anderes machen als das, wozu wir geschaffen sind, nämlich die Liebe zu empfangen und zu geben.

3.Was ist es aber um die Freiheit? Nicht darin besteht sie, daß ich ungehemmt all meinen Launen folgen kann, sondern darin, das Beste, das Schönste und das Tiefste meiner selbst sich frei entfalten zu lassen, ohne von oberflächlicheren Dingen wie z.B. von Ängsten, egoistischen Anhänglichkeiten, Unaufrichtigkeit usw. erstickt zu werden. Wenn ich mich Gott unterwerfe, wird gerade diese Unterwerfung mich von der ganzen äußeren Schmutzschicht befreien, damit mein wahres Ich in Erscheinung treten kann.

Wenn ich mich dem Willen Gottes unterwerfe, wird dies ohne Zweifel in gewissen Bereichen meines Ichs auf Widerstand stoßen. Es ist jedoch gerade dieser negative Teil, der mich begrenzt und den ich nach und nach überwinden muß. Der Wille Gotte steht aber niemals in Widerspruch zu dem, was sich Gutes in mir findet: das Verlangen nach Wahrheit, Leben und Glück, nach der Fülle der Liebe usw. Die Unterwerfung unter Gott reinigt mein Inneres, erstickt aber niemals das, was das Beste in mir ist: nämlich die positiven Bestrebungen, von denen ich angetrieben werde; sie erweckt sie vielmehr, stärkt sie, leitet sie in die gute Richtung und befreit sie von den Hindernissen, die sich der Verwirklichung entgegenstellen.

4. Dies alles wird durch die Erfahrung bestätigt: Wer mit dem Herrn seinen Weg beschreitet und sich von ihm leiten läßt, wird ein immer stärkeres Bewußtsein der Freiheit erfahren, sein Herz fühlt sich nicht eingeengt, nicht erstickt, im Gegenteil, es weitet sich und vermag immer freier zu "atmen". Gott ist die unendliche Liebe, es gibt nichts Enges und Verkümmertes in ihm, sondern alles ist weit und frei. Die mit Gott vereinte Seele fühlt sich leicht und frei, sie spürt, daß sie nichts zu befürchten hat, daß sie von nichts unterdrückt wird, sondern daß ihr im Gegenteil alles unterworfen ist, weil alles ihr zum Guten dient, die angenehmen wie auch die unangenehmen Vorkommnisse, das Gute wie auch das Böse. Sie spürt, daß alles ihr gehört, da sie ein Kind Gottes ist, daß nichts sie begrenzen kann, da Gott ihr angehört. Durch nichts wird sie beherrscht, sie tut vielmehr immer das, was sie will, denn das, was sie will, ist die Liebe und zu lieben, das steht immer in ihrer Macht. Nichts vermag sie zu trennen von Gott, den sie liebt, sie weiß, daß sie auch dann glücklich wäre, wenn sie im Gefängnis schmachtete; denn keine Macht der Welt vermag ihr Gott zu entreißen.

5. Die wahre Lösung des Problems ist nicht philosophisch, sondern existentiell. Auf philosophischer Ebene könnten wir immer einen Widerspruch ausfindig machen zwischen unserer Freiheit und dem Willen Gottes. Alles hängt letzten Endes davon ab, wie wir selbst zu Gott stehen! Der Gegensatz zwischen unserer Freiheit und dem Willen Gottes löst sich vollkommen auf, wenn unsere Beziehung zu Gott eine Beziehung der Liebe wird, und eine andere Lösung gibt es nicht.

Diejenigen, die sich lieben, vereinigen ungezwungen und frei ihren beiderseitigen Willen, sie hängen voneinander ab, und je stärker ihre Gebundenheit und Abhängigkeit ist, um so glücklicher und freier sind sie. Der Heranwachsende fühlt sich unzufrieden, weil er von seinem Vater abhängt, denn diese Abhängigkeit empfindet er als etwas Bedrückendes, er würde lieber selbständig sein und von niemandem abhängen.

Das kleine Kind aber (und zu dem wir, dem Evangelium entsprechend, wieder werden sollen) leidet nicht darunter, in allen Dingen von seinen Eltern abzuhängen, im Gegenteil, denn dieses Band der Abhängigkeit ist gleichzeitig der Ort des Austausches der Liebe: denn da es alles von seinen Eltern erhält, ist es letzten Endes ihre Liebe, die es empfängt und entgegennimmt und auf die es antwortet, indem es auch liebt, und seine Ausdrucksform der Liebe ist die Freude des Empfangens und die Freude, das, was es empfängt, als Liebe zurückzugeben.

6. Dies besagt, daß die (scheinbaren) Widersprüche zwischen dem Willen Gottes und unserer Freiheit ihre Lösung finden, indem wir den Heiligen Geist um die Gnade bitten, Gott noch mehr zu lieben, und so löst das Problem sich ganz von selbst. Gott zu lieben, ist das Anspruchsvollste was es gibt (denn es erfordert eine vollständige Hingabe: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus allen deinen Kräften), gleichzeitig aber auch das, was den wenigsten Zwang ausübt: Gott zu lieben, ist nämlich kein Zwang, denn seine Herrlichkeit und Schönheit sind so groß, daß es ein unendliches Glück ist, ihn zu lieben, Gott ist das unendlich Gute, ihn zu lieben verengt das Herz nicht, sondern läßt es unendlich weit werden.

Wenn man sich aber von diesem Weg der Liebe entfernt, wenn die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen nichts weiter ist als eine Beziehung vom Schöpfer zum Geschöpf, vom Herrn zum Knecht usw., dann wird das Problem nicht zu lösen sein. Die Liebe allein ist es, die den Widerspruch aufheben kann, der zwischen den zwei Freiheiten besteht, und nur die Liebe ermöglicht es den beiden Freiheiten, sich frei zu vereinen.

Lieben, das heißt, frei seine Freiheit zu verlieren, aber dieser Verlust ist ein Gewinn, denn er gibt mir den anderen, und er gibt mich dem anderen. Gott lieben, das bedeutet, sich zu verlieren, um Gott zu finden und zu besitzen und letzten Endes sich selbst in IHM wiederzufinden. "Wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es gewinnen" (Mt. 10, 39).

Der Text ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags dem Buch von Jacques Philipp, In der Schule des Heiligen Geistes entnommen, Hauteville: Parvis-Verlag 1996. Es handelt sich um den dritten Anhang, S. 118-125.


Peter Lippert, Freiheit und Gnade

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