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Was droben ist

Von Eduard Kamenicky

Eine Wirklichkeit, die echte Fülle in sich schließt, kann von uns hier nie im Zugleich erfaßt oder auch nur überblickt werden. Gleichwie bei einem zu Großen, das immer aufs neue fassungswilligen Händen entquillt, taucht etwas vom Ganzen solcher Fülle stets unter den Horizont aktuellen Begreifens, in das Dunkel augenblicklicher Vergessenheit, und entschwindet dem Lichtkreis verstehender Berücksichtigung. Es ist dies aber nicht nur eine Folge gewaltiger Dimension, wo es sich um derartige Fülle handelt, sondern auch die Konsequenz des Auseinandertretens von innerem Reichtum in die Spannung des scheinbar Gegensätzlichen, ja Paradoxen, wo immer die mächtige Einheit eines von uns nicht zu Bewältigenden seine notwendige Auffächerung ins Viele und Einzelne erfährt. Unvermeidlich stoßen hierbei einander Aussagen, Aspekte und Imperative, was nicht nur eine wechselnde Wahl des Betrachtungsstandortes zuläßt, sondern auch die Gefahr definitiver Auswahl mit sich bringt in der Entscheidung für das Eine und der Vernachlässigung des Anderen unter dem Einfluß von Geschmack, von Müdigkeit oder dem, was man Zeitgeist nennt.

So verhält es sich mit der göttlichen Wahrheit im Schoß der Schrift, deren Schatz wir uns nie in seinem ganzen Reichtum präsent halten können, so mit der Fülle des christlichen Lebens, das sich vor uns durch die Geschichte hin entfaltet, aber auch in der Tiefe eben dieser Geschichte entzieht, so mit dem Geheimnis der Kirche und der zuletzt ungreifbaren Totalität seiner Spiegelung und immer neuen Manifestation im Glaubensbewußtsein der Menschen. Es kann daher nicht wundernehmen, wenn im Leben des einzelnen Christen eine eigenartige Sukzession in der Widmung seiner Aufmerksamkeit nun für diese, dann für jene 'Seite' der Glaubenswirklichkeit begegnet, die zuweilen wie das staunende Eilen eines überreich beschenkten Kindes von Herrlichkeit zu Herrlichkeit anmuten mag, und wenn selbst ganze Epochen der Geschichte von solch wechselnden Vorlieben und insgesamt von einem unsteten Hin- und Herschwanken zwischen disparaten Möglichkeiten der Lebensgestaltung gekennzeichnet sind.

Es ist aber durchaus merkwürdig, daß sich der Mensch - als Einzelner und als Gemeinschaft - nicht selten auf Gesichtspunkte und auf Haltungen zu versteifen scheint, die seine augenblickliche Lage nicht empfiehlt und vielleicht sogar schwierig macht; daß er also, anders gewandt, gerne jene besonderen Chancen außer Acht läßt, die seine je aktuelle Situation ihm bietet. Es gibt - um etwas hier Wesentliches beispielhaft anzuführen - einen legitimen Anspruch des Christen auf mögliche Ausformung seiner Existenzschau in dieser Welt und an dieser Welt; und es gibt, was nicht weniger zweifelsfrei feststeht, das Recht des Christen auf die radikale Orientierung seines Lebens nach den künftigen, ihm verheißenen Gütern als den entscheidenden und bleibenden (und zwar in der auf das Absolute als solches verweisenden typischen Ausschließlichkeit), das Recht also auf die Dominanz des kommenden Reiches, das er hier bloß ersehnt und erwartet, mithin auf eine Lebensform, die vom gläubig bejahten Primat der jenseitigen Welt bestimmt ist. Warum aber neigen wir zu solcher Akzentsetzung gerade dann, wenn sich uns die Möglichkeit christlicher Weltdurchdringung eröffnet? Warum beharren wir gar so trotzig auf einem Sein und Wirken 'in Welt', wenn die gegenwärtige Stunde anderes nahelegt?

Wir beklagen heute den uns so schmerzlichen Auszug der Kirche aus der von ihr geprägten Welt und deren Preisgabe in jener umfassenden und im Augenblick wohl kaum zu wendenden Demontage unserer Kultur, die wir erleben. Wir neigen dazu, dies als totale Katastrophe anzusehen, ganz so, als ob wir hier eine bleibende Stätte hätten! Wir sprechen vom negativen Scheitelpunkt eines Wellentales, in dem wir angelangt sind, und steigern unsere eigene Ohnmacht im Insistieren auf einer Einwurzelung der Kirche in der Welt, die zur Zeit weder im Geist des zwölften, noch in dem des siebzehnten Jahrhunderts gelingen kann. Wir diagnostizieren den Absturz in eine Talsohle des Geschichtsverlaufs, vergessen aber anscheinend dabei, daß ein solches Hinabgleiten in die Tiefe immer wieder auch Chance ist als Rückkehr in die Brunnenstube des Geistes, als Abstieg in den Schacht des Dunkels, das unserem Blick erst wieder die Sterne hoch über unseren Häuptern sichtbar macht!

Daß die Schwärmer des Weltdienstes die Welt nicht verchristlichen werden mit ihren Phrasen von Neuheit und Fortschritt, wissen wir. Lassen wir sie. Es lohnt sich nicht, mit ihren Bemühungen in Konkurrenz zu treten. Ganz anderes tut not; das nämlich, worauf alle, auch wir selbst, im Zeitsturm vergessen haben: nach dem Jenseitigen Ausschau zu halten. Ist nicht der Himmel dieser historischen Nokturn von einzigartiger Klarheit, samtschwarz und tief, doch von der kristallenen Deutlichkeit und frostfeinen Schärfe einer Polarnacht, ganz angetan dazu, uns einzuladen und aufzurufen, im Schweigen aufs neue zu sehen und zu suchen, was droben ist? Könnten wir den Zusammenbruch unserer alten und doch provisorischen Behausung nichf im Glauben als ein Angebot der Vorsehung verstehen, endlich wieder ganz frei zu werden für Gott? Schenkt uns der Herr in der Auflösung so vieler Gefüge heute nicht eine unverhoffte Vakanz, die uns, entbunden von ehrwürdigen, doch irdischen Fesseln, die Freiheit gibt, mit unseren Herzen dort vor Anker zu gehen, wo die wahren Freuden sind?

Im Niedergang der Antike halfen der Kirche weder Kunst noch Macht, selbst die berstenden Säulen von Kultur und Moral waren ihr keine Stütze. Was blieb? Der Glaube. Das Gebet. Und deren Hort: die Zelle. Sie wurde zur Keim-Zelle einer christlichen Welt. - Wenn uns klar geworden ist, daß die Kirche auch heute nicht den Manager braucht, sondern den homo religiosus, dann wissen wir wohl, was wir zu tun haben.

Sucht, was droben ist (Kol 3,1)

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