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Betrachtungen über das Gebet

Vom seligen Charles de Foucauld

Die Betrachtungen stammen aus der Zeit, als Charles de Foucauld (1858 - 1916) als Trappist im Kloster von Akbès in Kleinasien lebte (1890 - 1897).

„Du sollst den Herrn, Deinen Gott anbeten“.

Du bist es, der uns dies befiehlt, mein Herr und mein Gott; es ist das erste Wort aus Deinem Mund über das Gebet, das wir im Evangelium finden; es ist zugleich das Wichtigste, lehrt uns die tiefste Grundhaltung unserer Gebete:

Anbeten, sich vor Dir niederwerfen, wie ein Nichts, ja wie Staub, der allein dazu gut ist, um sich Dir zu Füßen zu werfen, um vor Dir da zu sein. Aber dieser Staub muss denken, er muss lieben – er muss Staub sein, der Dich bewundert, Dich verehrt, Dich innig liebt, dessen ganzes Dasein sich allein in der Liebe zu Dir und Deiner Ehre gründet...

Sieh, mein Herr und mein Gott, mein erstes Werk für Dich, mein Meister, mein Schöpfer und mein Heiland, Du mein vielgeliebter Gott!...

Ich schreibe diese kleinen Betrachtungen um mich selbst zu heiligen und meinen Nächsten. Und diese zweifache Heiligung will ich allein aus dem Grund, weil es das Allergrößte ist, was ich für Dich tun kann. Mein Gott, habe also die Güte, dieses kleine Werk zu segnen, dieses süße Werk, begonnen allein um Dich zu verherrlichen und um Dein heiligstes Herz zu trösten.

Heiliges Herz Jesu, Dir weihe ich dieses mein Werk, lass Du Deine Gnaden dadurch ausströmen, auf dass Dein Wille geschehe. Unsere Liebe Frau von der immerwährenden Hilfe, gewähre mir in diesen, wie auch in all meinen anderen Gedanken, meinen Worten und Werken, Deine treue und mächtige Hilfe und die Gnade, Dich unaufhörlich darum zu bitten.

Meine heilige Mutter Magdalena, heiliger Joseph, heiliger Johannes der Täufer, heiliger Petrus und Paulus, mein heiliger Schutzengel, Ihr heiligen Frauen, bittet für mich, dass dieses Werk unserem Herrn gefallen möge...

I. Betrachtung

Mt 5,44: „Ich aber sage Euch: liebet Eure Feinde...“

Das Gebet für unsere Verfolger und unsere Feinde. Nehmen wir uns die Verwirklichung dieses Gebotes mit der Kraft unserer ganzen Liebe zu Herzen. Und, um sicher zu gehen, dass wir es nicht vergessen, sollten wir es uns zum festen Vorsatz machen, dieses oder jenes Gebet für unsere Verfolger und Feinde täglich zu verrichten. Wenn unser Vielgeliebter selbst uns ein Gebot gibt, ist es nicht das Mindeste, dass wir es mit hörendem Herzen aufnehmen und uns mit allem Eifer, aller Liebe und der größtmöglichen Vollkommenheit darum bemühen, es zu erfüllen?

II. Betrachtung

Mt 6,6: „Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

Unser Herr gibt uns an dieser Stelle das Gebot, auch das einsame, persönliche Gebet zu suchen: uns in unser Zimmer zu begeben und dort in der Einsamkeit zu beten, zu unserem Vater, der das Verborgene sieht. Lasst uns also, neben dem Gebet vor dem Allerheiligsten, neben dem gemeinschaftlichen Gebet, wo unser Herr unter den Versammelten zugegen ist, jeden Tag auch das persönliche, allein verrichtete Gebet lieben und praktizieren, dieses Gebet, wo uns ja niemand sieht, außer unser himmlischer Vater, wo wir wirklich absolut allein sind mit Ihm, wo niemand weiß, dass wir zu Ihm beten; von Herz zu Herz, in vertrauter Zweisamkeit, wo wir unserem Vater, auf seinen Knien, unser Herz ausschütten können, weit weg von allen Zuschauern...

III. Betrachtung

Mt 7,8: „Wer bittet, dem wird gegeben, wer sucht, der wird finden“

Wie sehr müssen wir uns um die Verherrlichung Gottes bemühen und um sie bitten, um unsere Heiligung und die unseres Nächsten, bis wir uns sicher sind, sie zu empfangen!... Denn, in der Tat, ist es nicht einleuchtend, dass Der, welcher uns so sehr geliebt hat, dass Er für uns alles erleiden wollte, uns nicht auch so sehr liebt, dass Er unsere Bitten erhört?...

Welche Verantwortung uns das auferlegt! Wenn wir nicht genügend beten, dann sind wir verantwortlich, für all das nicht getane Gute, das wir hätten durch beharrliches Gebet erreichen können. Welch’ erschütternde Verantwortung! Aber auch, welche Güte und Zuneigung unseres Herrn, der sozusagen, in gewisser Weise mit uns Seine Macht teilt, indem Er unseren Gebeten einen solchen Wert verleiht!

IV. Betrachtung

Mt 9,22: „Dein Glaube hat Dich geheilt, meine Tochter...“

Es steht uns klar vor Augen – was unser Herr bei unseren Gebeten über alles andere fordert, ist Glauben zu haben. Er verlangt ihn in fast jedem Kapitel...Warum?
1. weil es das ist, was uns am meisten fehlt;
2. weil, wenn er uns fehlt, unser Gebet nicht nur Gott nicht wohlgefällig, sondern beleidigend ist.
Ach, wie sehr es uns an Glauben fehlt, ich sehe es ja nirgendwo so deutlich, wie in meiner eigenen traurigen Erfahrung! Es sind meistens diese beiden Gründe, die es mir schwer machen: einmal, weil ich zu sehr auf mich selbst schaue und zu wenig auf Gott; ich richte meine Augen auf meine Unwürdigkeit und Fehler anstatt sie auf Seine Güte, Seine Liebe, Sein geöffnetes Herz für mich zu richten. Dann, weil ich meine Bitten zu menschlich sehe; ich habe immer noch die Schwierigkeiten im Hinterkopf, die die Gnaden behindern, um die ich bitte, ihre Unmöglichkeit, von den Menschen angenommen zu werden, die ganzen Hindernisse, die sich auftun – anstatt die Allmacht Gottes vor Augen zu haben, für die alles so einfach ist!...
Denken wir also unaufhörlich daran, wie sehr Gott uns liebt, mit einer Liebe, die Ihn solches Leiden hatte erdulden lassen – für jeden einzelnen von uns – die es Ihm so süß, so angenehm, so selbstverständlich macht, uns die größten Gnaden zu schenken (und je größer, schöner die Gnaden, desto lieber will Er sie uns schenken – das ist das Gesetz der Liebe). Vergessen wir auch nicht die unendliche Leichtigkeit, mit der Er all das vollbringen kann, was uns am allerschwierigsten, am unmöglichsten erscheint.

V. Betrachtung

Mt 14,23: „Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.“

Unser Herr betet allein, er betet während der Nacht. Dies ist Seine Gewohnheit... viele Male wiederholt uns das Evangelium: „Er zog sich bei Nacht in die Einsamkeit zurück, um dort zu beten“ ... Lieben wir also, pflegen wir nach Seinem Beispiel das nächtliche, einsame Gebet... Während die ganze Welt schlummert und träumt, lasst uns unsere Herzen zum Gebet zu unserem Schöpfer erheben... Wenn es schon so angenehm, schön ist, in vertrauter Zweisamkeit, in der Stille, mit jenen zu sein, die man liebt, wieviel schöner ist es dann, diese Stunden in der innigen Zwiesprache mit Gott zu verbringen!... Stunden unvergleichlichen Glücks, gesegnete Stunden, die dem heiligen Antonius die Nächte viel zu kurz erscheinen ließen... Stunden, wo, während alles schweigt, alles schläft, ich in der Gegenwart meines Gottes harre, mein Herz in Seine Liebe versenkend, Ihm sagend, dass ich Ihn liebe, und seine Antwort hörend, dass ich Ihn niemals lieben werde, so groß meine Liebe auch sei, wie Er mich liebt...

Stunden, erfüllt mit solcher Glückseligkeit darüber, dass mein Gott mir Sein Herz zuneigt und ich mit Ihm und bei Ihm verweilen kann... O mein Herr und mein Gott, lass mich den Wert dieser Stunden fühlen, wie ich es sollte! Führe mich zum wahren „delectare in Domino“... Mach, dass ich, nach Deinem Vorbild, nichts für wertvoller erachte, keine wahre Ruhe finde, keine süßeren und erfüllteren Stunden kenne, als diese nächtlichen, einsamen Stunden des Gebetes!

Lehre mich, diese Stunden zu suchen, wo ich, während alles schläft, allein vor Dein Angesicht trete, wo niemand mein Glück kennt oder mit mir teilt, in denen ich mich an der Gegenwart meines Gottes während der Nacht erfreue. O mein Gott, wenn nur das Glück dieser einsamen Nachtwachen immer mehr, jede meiner Nächte erfüllen könnte, wie glücklich wäre ich!

Wie viele Heilige durften von diesem Glück kosten: ich weiß gut, dass ich es nicht verdiene, doch ich verdiene ja gar kein Wohlwollen, und Du hast mir so viel davon gegeben, und so weiß ich so gut, dass Du mich liebst! Mein Gott, wenn es, wie ich glaube, Dein Wille ist, schenke mir diese Gnade, ich bitte Dich darum, durch alle Gnaden, die Du mir bereits geschenkt hast und Durch Dein Herz! Amen...

Unsere Liebe Frau von der Immerwährenden Hilfe! Ich habe Dich noch niemals vergeblich angerufen, gewähre mir diese Wohltat und halte Deine Hände über mich, dass ich nicht einschlafe, wie es mir – ich Armer! - so oft passiert, wenn ich zu Füßen unseres Herrn knie und Er mich einlädt, zu Ihm zu beten, mit Ihm zu sprechen, eine Stunde von Herz zu Herz redend bei Ihm zu verweilen!

VI. Betrachtung

Mt 17,19: „Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.“

Alles ist uns möglich durch das Gebet. Wenn wir etwas nicht erhalten, dann ist es, weil wir entweder zu wenig Glauben haben oder weil wir zu wenig gebetet haben, oder weil es für uns schlecht ist – dass unsere Bitte nicht dem Willen Gottes für uns entspricht, oder, weil Gott uns etwas Besseres gibt als das, worum wir bitten... Aber niemals erhalten wir etwas nicht, worum wir bitten, weil es zu schwer und kompliziert ist: nichts ist unmöglich für Gott! Zögern wir nicht, Gott selbst um die verrücktesten Dinge zu bitten, wie zum Beispiel um die Bekehrung der größten Sünder, ja ganzer Völker: bitten wir darum umso inniger, je schwerer es ist, mit dem festen Glauben, dass Gott uns unendlich liebt...; aber bitten wir mit Glauben, mit Beharrlichkeit und Treue, mit Liebe, mit einem guten Willen... und seien wir sicher, dass, wenn wir so bitten und dabei genügend Ausdauer haben, wir erhört werden und die erbetene Gnade erhalten; und wenn nicht, dann eine bessere.

Bitten wir unseren Herrn kühn um die scheinbar unmöglichsten Dinge, wenn sie nur zu Seiner Ehre sind, und seien wir sicher, dass Sein Herz sie uns gewährt, umso mehr, wenn sie menschlich gesehen unmöglich sind, denn jemandem, den Er liebt, etwas Unmögliches zu geben, ist seinem Herzen eine Wonne – und liebt Er uns denn nicht sehr?

VII. Betrachtung

Mt 17,20: „Diese Art von Dämonen aber lässt sich nicht austreiben außer durch Gebet und Fasten.“

Nicht allein durch Gebete und auffälliges Fasten, sondern durch ein Leben des Gebetes und des Fastens... Wenn wir also den Versuchungen des Bösen widerstehen wollen, so muss unser Leben ein Leben des Gebetes und des Fastens sein: dies sind die beiden Waffen, die unser Herr uns an die Hand gibt... Damit unser Leben aber ein Leben des Gebetes sei, braucht es zwei Dinge: zunächst, dass wir uns täglich genügend Zeit vorbehalten, die wir einzig und allein dem Gebet widmen; dann, dass wir in der Zeit, in der wir mit anderen Dingen beschäftigt sind, immer mit Gott vereint bleiben, indem wir an Seine Gegenwart denken und zwischendurch immer wieder unser Herz und unseren Blick zu Ihm erheben...

VIII. Betrachtung

Mt 18, 14: „So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht.“

Unser Herr ist gekommen, um zu suchen, was verloren ist... Er lässt viele Schafe auf der Weide zurück, um das eine Verlorene zu suchen.

Machen wir es wie Er, und da unsere Gebete ja eine Macht besitzen, dass wir sicher erhalten, um was wir bitten, suchen wir also durch und mit unseren Gebeten die Sünder. Tun wir durch das Gebet das Werk, für welches unser Göttlicher Bräutigam auf die Erde gekommen ist....

Wenn wir nicht zu einem apostolischen Leben berufen sind, wie sehr müssen wir dann beten für die Bekehrung der Sünder, da das Gebet ja fast das einzige machtvolle Mittel ist, und das bedeutet, dass wir es gut nutzen sollen, um unserem Bräutigam bei Seiner Arbeit zu helfen, Seine Kinder zu retten, diejenigen aus Todesgefahren zu reißen, die Er zutiefst liebt. Und die Er uns durch Sein Gebot zu lieben befohlen hat, wie Er selbst sie liebt...! Und wenn wir aber zum Apostolat berufen sind, so ist unser Apostolat niemals fruchtbarer, als wenn wir für die beten, die wir bekehren wollen, denn unser Herr gibt nur demjenigen, der bittet, und öffnet nur demjenigen, der klopft... Damit Gott uns die richtigen Worte in den Mund legt, gute Regungen in unsere Herzen, den guten Willen in die Seelen derer, die Er zu uns schickt, braucht es die Gnade Gottes – und um diese zu erhalten, muss man um sie bitten! Das Wesentliche unseres Lebens sei also viel zu beten, besonders für die Bekehrung der Sünder, weil unser Herr ja besonders um sie ringt, leidet und betet...

Beten wir jeden Tag aus ganzer Seele für das Heil und die Heiligung dieser verlorenen, aber dennoch vom Herrn geliebten Kinder, auf dass sie nicht verloren gehen, sondern glücklich seien; beten wir jeden Tag für sie, lange und aus ganzem Herzen, damit das Herz unseres Herrn getröstet werde durch ihre Bekehrung und erfreut durch ihr Heil...

IX. Betrachtung

Mt 21,13: „Mein Haus ist ein Haus des Gebetes; ihr habt daraus eine Räuberhöhle gemacht“

Diese Worte weisen uns darauf hin, welche absolute Ehrfurcht wir für Kirche und Kapelle haben sollen; mit welcher Sammlung, mit welcher Ehrfurcht müssen wir hier verweilen; und wenn diese Sammlung schon damals vorgeschrieben war, wieviel mehr muss es jetzt sein, da unser Herr selbst im Tabernakel zugegen ist...

Das Wort unseres Herrn sagt uns auch noch etwas anderes, was unsere Seele betrifft: auch unsere Seele ist ein Haus des Gebetes; das Gebet muss ohne Unterbrechung aus ihr in den Himmel emporsteigen, wie Weihrauch, und mit wie viel Glauben! Die Zerstreuungen, die weltlichen Gedanken, die Gedanken, die nicht zur Ehre Gottes gereichen, selbst die schlechten Gedanken, nehmen sie ein, erfüllen sie mit Lärm, Verwirrung und Sorgen, und machen aus ihr eine Räuberhöhle!... Strengen wir uns also an, mit all unserer Kraft, dass unsere Seele nur vom Gedanken an Gott erfüllt sei, und von dem, was Er uns aufträgt für Ihn zu tun. Und selbst dann, wenn wir tun, was Er uns befiehlt, halten wir unaufhörlich unseren Blick auf Ihn gerichtet, ohne das Herz jemals von Ihm loszulösen, und die Augen so wenig wie möglich; richten wir unsere Augen nur so viel auf unsere Beschäftigung, wie nötig: auf dass Gott der König unserer Gedanken sei, der Herr unserer Gedanken, auf dass Sein Gedanke uns nicht verlässt, und auf dass alles, was wir sagen, tun, denken, für Ihn sei, von Seiner Liebe geleitet sei. Erinnern wir uns an den Ausdruck „dame des pensées“ und dass unsere Seele immer ein Haus des Gebetes sei, niemals eine Räuberhöhle. Auf dass kein Feind darin Einlass finde, dass keine weltliche Sache darin eintrete, auch nicht vorübergehend. Dass sie sich ohne Unterlass mit ihrem Viel-Geliebten beschäftigt...
Wenn man liebt, wendet man den Blick nie von seinem Geliebten ab.

X. Betrachtung

Mt 21,16: „...und die Kinder... riefen im Tempel: Hosanna dem Sohne Davids“

Unser Herr freut sich über die Kinder, die rufen „Hosanna dem Sohne Davids“. Er freut sich darüber, Er will also, dass wir Ihn loben. Es reicht Ihm nicht, dass wir Ihm danken, dass wir Ihn um Verzeihung bitten, dass wir Ihn um Gnaden anrufen; diese drei Wörter „Dank, Vergebung, Bitte“, die so unerlässlich sind und unser Herz und unsere Gesinnung ganz erfüllen müssen, reichen nicht aus, um so zu beten, wie wir es Ihm schuldig sind: wir müssen Ihn darüber hinaus loben. Loben, das bedeutet, seine Anbetung zum Ausdruck zu bringen und gleichzeitig seine Liebe, denn die Liebe ist immer untrennbar verbunden mit der Anbetung.

Also, Gott zu loben bedeutet, sich Ihm zu Füßen zu werfen in Anbetung und Liebe, Ihm immer wieder zu sagen, dass Er unendlich schön, unendlich liebenswert – unendlich geliebt ist. Dass Seine Schönheit und unsere Anbetung und Liebe für Ihn ohne Maß sind. Es heißt, Ihm ohne Ende zu sagen, Ihm zu sagen, ohne wirklich die passenden, würdigen Wörter dafür zu finden, dass Er schön ist und dass wir Ihn lieben.

Wie sehr geht das Lob zur Liebe gehört, wie sehr es ein unaufgebbarer Bestandteil dessen ist, was wir Gott schulden, ist leicht zu sehen. Aber es gibt einen zweiten Grund, weshalb Gott unser Lobpreis gebührt: Die Tatsache, dass Er uns erlaubt Ihn so zu verehren, ist von Seiner Seite ein unendlicher Gefallen uns gegenüber: jemandem erlauben uns zu sagen, in allen möglichen Formen auszudrücken, dass er uns liebt – ist das nicht der größte Gefallen, den wir jemandem tun können? Heißt dies etwa nicht, Ihm zu sagen, dass wir froh sind über seine Liebe, dass sie uns wertvoll ist, heißt das fast nicht, Ihm zu sagen, dass wir Ihn ebenfalls lieben?

Gott erlaubt uns, dass wir bei Ihm verweilen und ohne Pause mit Worten der Anbetung und Liebe zu Ihm sprechen: welche Gnade! Welche Güte! Welch ein Glück! Aber, welche Undankbarkeit, wenn wir so eine Gunst geringschätzen. Und es wäre eine Geringschätzung, wenn wir sie nicht nutzten.

Und Gott erlaubt uns nicht nur dieses höchste Glück, er verlangt es sogar: Er wünscht sich von uns, dass wir Ihn anbeten und Ihn lieben, und wir antworten nicht auf eine so liebevolle und bevorzugende Einladung? Welche Undankbarkeit! Welche Unwürdigkeit! Welche Anmaßung! Mein Herr und mein Gott, lehre mich, meine einzige Freude allein in Deinem Lob zu finden, das heißt darin, Dir ununterbrochen zu wiederholen, dass Du unendlich vollkommen bist und dass ich Dich unendlich liebe! „Delectare in Domino et dabit tibi petitiones tuas!“, hast Du gesagt. Lehre mich, mich allein in Dir zu freuen, im Anschauen Deiner unendlichen Schönheit und dem liebenden und verehrenden Beten, Dir zu Füßen, zu Deinem Lob! Heilige Magdalena, erflehe mir die Gnade, unseren Meister wahrhaft zu preisen, unseren gemeinsamen Meister, so, wie Er es möchte, dass ich es tue!

Aus dem Französischen übersetzt von Bettina Duda.


Der sel. Charles de Foucauld über den Glauben

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