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Gedanken zum Jahr des Glaubens

Von P. Bernhard Gerstle

Wird das vom Heiligen Vater ausgerufene Jahr des Glaubens die erhofften Früchte bringen? Eine essentiell wichtige Frucht bestünde darin, dass der katholische Glaube als Ganzes wieder vorbehaltlos von möglichst vielen Katholiken angenommen wird. So sehr wir uns über jeden Einzelnen freuen, der zur katholischen Kirche findet, so groß wäre auch die Freude über jeden einzelnen “innerkirchlichen Konvertiten”. Denn kaum etwas hat der Kirche so geschadet, wie die schleichende Protestantisierung innerhalb der Kirche in den letzten Jahrzehnten. In diesem Sinne äußerte sich Kardinal Ratzinger in einem Interview mit Guido Horst in der Tagespost Oktober 2003: “Die innere Spaltung der Kirche ist eines der drängenden Probleme unserer Zeit. Wir sind mit Ökumenismus beschäftigt und vergessen dabei, dass sich die Kirche in ihrem Inneren gespalten hat und dass das bis in die Familien und Gemeinden hinein reicht.”

Von den in den letzten Monaten und Jahren übergetretenen Anglikanern hört man, wie groß ihre Freude darüber ist, der katholischen Kirche unter der Leitung des Papstes angehören zu dürfen. Bei der Ende November 2012 stattgefundenen Liturgischen Tagung in Herzogenrath sagte der ehemalige anglikanische Bischof Keith Newton sinngemäß, dass sie das Gefühl haben, “daheim” angekommen zu sein.

Diese Haltung der Dankbarkeit und Freude steht im scharfen Kontrast zu der Dauerkritik und Nörgelei an Papst und Kirche, mit der sich als fortschrittlich verstehende Katholiken seit Jahren hervor tun. Diese Nörgelei und Kritiksucht liegt nicht nur in der Regel inhaltlich daneben, sie ist leider ebenso dazu angetan, anderen die Freude am Glauben zu vermiesen und gute Ansätze und Impulse zur Neuevangelisierung zu lähmen oder gar im Keimzu ersticken. Wo sie sich bis zum Ruf nach einer “neuen Kirche” steigert, wäre es meiner Meinung nach durchaus angebracht, von höherer Stelle auf den Ausgang hinzuweisen, der jedem offen steht, dem die von Christus gestiftete Kirche nicht (mehr) passt. Ein ehrlicher Abschied ist immer noch besser als eine Fortsetzung der Rebellion gegen Papst und kirchliche Lehre.

Auch Jesus war nicht bereit an der Wahrheit Abstriche zu machen, nur um seine Anhänger nicht zu vergraulen. Als ihn nach der eucharistischen Rede von Kapharnaum viele seiner Jünger verließen, fragte er seine Apostel: “Wollt auch ihr gehen?” (Joh 6,68) Kardinal Newman sagte einmal: “Der Katholik muss zum Christ werden.” Katholik ist man ab der Taufe, Christ aber wird man durch eine ganz persönliche, bewusste Bejahung des Glaubens. Dies geht einher mit einer entsprechenden persönlichen Gottesbeziehung.

Der Glaube besteht in der Annahme aller Glaubenswahrheiten. Aber das ist nur die eine, sachliche Komponente des Glaubens. Noch bedeutender ist die zweite personale Ebene: die Beziehung zu Gott. Erst wenn diese Ebene stimmt, können wir von einem “lebendigen Glauben” sprechen, der mit den beiden anderen göttlichen Tugenden der Hoffnung und Liebe verbunden ist.

Wir können das Verb credere (glauben) in zwei Worte zerlegen: in cor (Herz) und dare (geben). Glaube heißt folglich, Gott sein Herz zu schenken, sich Ihm ganz anzuvertrauen. Wenn dieser personale Akt des Glaubens nie bewusst vollzogen wurde oder die Beziehung zu Gott gestört ist, weil wir vielleicht in unserem Glaubensleben lau geworden oder in Sünde verstrickt sind, dann tut sich das nicht selten in Kritik an der Kirche kund, während das eigentliche Problem bei einem selbst liegt.

Hier kann nicht eine Lösung “von außen”, sondern nur eine Bekehrung von innen her Heilung bringen. Bei etlichen Wortführern der Rebellion gegen Papst und Kirche drängt sich der Eindruck auf, dass es nicht die Liebe zur Kirche ist, die sie zur Kritik treibt, nicht die ehrliche Sorge um ihre Heiligkeit, sondern der tief im eigenen Herzen wahrgenommene, aber vielfach verdrängte Widerspruch zwischen Glaube und Leben. Deshalb geht es ja auch meistens um die allseits bekannten Dauerthemen wie die Sexualmoral der Kirche, den Zölibat usw.

Die Kirchenoberen schenken meines Erachtens diesen innerkirchlichen Kritikern zu viel Beachtung. So weckt auch der von den deutschen Bischöfen angestoßene Dialogprozess viele falsche Hoffnungen, die zwangsläufig nicht erfüllt werden können und dann nur zu weiterer Frustration führt. Mit Worten und gutem Zureden kommen wir hier kaum weiter.

Viel fruchtbarer wäre hingegen der “Dialog mit Gott”, das gemeinsame Gebet um den Heiligen Geist. Gleichzeitig würde man sich wünschen, dass glaubenstreue Katholiken bei Bischöfen und Priestern mehr Beachtung und Wertschätzung erfahren. Sie werden mancherorts sogar zur “lästigen Randgruppe” degradiert. Ich rede hier natürlich nicht von unerleuchteten Fanatikern und Leuten mit sektiererischen Anwandlungen. Wo hört man z.B. Worte der Anerkennung und Hochachtung für getrennt oder geschieden lebende Eheleute, die aus Liebe zu Gott und um des gegebenen Treueversprechens willen bewusst auf eine neue Partnerschaft und sexuelle Beziehungen verzichten? Wo erfahren junge Leute von kirchlicher Seite Hilfe und Ermutigung, den gewiss nicht leichten Weg der geschlechtlichen Enthaltsamkeit vor der Ehe zu gehen?

Kardinal Newman hat einmal das schöne Wort gesagt: “Ich glaube, weil ich liebe”. Wer die Kirche liebt, deren innerstes Geheimnis Christus selbst ist, der kann nicht seinen Frust auf sie abwälzen, weil ihm das eine oder andere nicht passt. Es ist wie bei zwei Menschen, die sich lieben. Sie beschäftigen sich nicht mit den gegenseitigen Schwächen und Fehlern, sondern ihr Blick gilt der Schönheit des anderen, die sie auf je eigene Weise fasziniert.

So wissen auch wir um beklagenswerte Mängel in der Kirche aufgrund ihrer menschlichen Verfasstheit. Aber das darf uns nicht daran hindern, diese Kirche zu lieben und ihr zu vertrauen, weil sie göttlicher Stiftung und Christus ihr innerstes Geheimnis ist.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Die innere Reform der Kirche, ihre Erneuerung im Heiligen Geist, muss unser tiefster Wunsch sein. Wer wahrhaft liebt, der leidet unter ihren Mängeln, unter dem Versagen der kirchlichen Hierarchie und ihrer Glieder. Vor allem aber müssen wir uns dabei selbst hinterfragen und bei uns beginnen, wenn es um die Reform der Kirche geht. Als Mutter Teresa einmal von einem Journalisten gefragt wurde, was sich angesichts der vielen Krisen in der Kirche ändern muss, gab sie die beste aller möglichen Antworten: “Ich und Sie!”

Das “Leiden mit der Kirche” angesichts menschlichen Versagens ist von völlig anderer Qualität als das oben beschriebene selbstgerechte “Leiden an der Kirche”. Weil Christus der Kirche die Zusage gegeben hat, dass die Pforten der Hölle sie nie überwältigen werden (vgl. Mt. 16,17-19) und Er selbst die Kirche nie verlassen wird, hat sie unser Urvertrauen und unsere Treue verdient. Es ist eine Gnade, dieser Kirche anzugehören. Diese Gnade können wir nur bewahren, wenn wir für das Geschenk immer wieder danken. Das vom Heiligen Vater ausgerufene Glaubensjahr ist eine gute Gelegenheit, sich dessen wieder mehr bewusst zu werden.


Eduard Kamenicky: Die Welt und das Heilige

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