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Abba, lieber Vater!

Von Robert Mäder

Gott, der den Menschen gemacht, versteht ihn auch am besten. Er setzte in den Mittelpunkt seines Wesens das Herz. Das Herz spielt eine größere Rolle als der Kopf. Deswegen richtet sich das Hauptgebot des Christentums nicht an den Kopf, sondern an das Herz. Es heißt nicht: Du sollst den Herrn deinen Gott verstehen, sondern: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben. Das Zentralgebot richtet sich an das Zentralorgan. Der Mensch ist vor allem das, was er liebt, wie es auch geschrieben steht: Gott ist die Liebe.

Zwar ist der Vater aller guten Werke immer ein guter Gedanke, aber auf der anderen Seite ist die Mutter, die das Werk in die Welt setzt, immer das Herz. Herzkultur geht über Kopfkultur, Liebe über Verstand, Wollen über Denken. Dieses ist unentbehrlich, aber jenes entscheidet. Nun ist zwischen Liebe und Liebe ein Unterschied. Die Liebe hat Grade wie jedes Thermometer. Die Temperatur ist höher, je näher man dem Herzen steht und nimmt ab mit dem Masse der Entfernung. Eltern, Gatten, Geschwister liebt man ganz anders als Fremde. Am Herd ist's wärmer als auf der Straße. Das ist natürlich.

Auf diesem Gesetz baut die Religion auf. Sie versetzt den Menschen, bevor sie ihm das große Gebot gibt, in die Familiengemeinschaft mit Gott. Das Wesen des Christentums besteht darin, dass es uns der göttlichen Natur teilhaftig macht. «Denen, die an ihn glauben, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.» Wir werden, soweit es bei einem Geschöpf der Fall sein kann, vergöttlicht. Das Weitere versteht sich dann von selbst. Wenn wir durch die Gnade Kinder Gottes geworden, ist Gott unser Vater.

Und nun verstehen wir auch, welcher Art unser Verhältnis zu Gott sein muss. Es ist nicht nur die gewöhnliche Form der Liebe. Unsere Liebe muss einen besonderen Grad und Charakter besitzen. Sie muss familiär, kindlich sein. Unter den sieben Gaben des Heiligen Geistes, welche die Vervollkommnung unseres Tugendlebens zur Aufgabe haben, gibt es eine, welche die Heilige Schrift als Pietas bezeichnet. Wir besitzen leider in der deutschen Sprache keinen Ausdruck, welcher den Sinn dieses Wortes Pietas deutlich wiedergibt. Wir sagen Frömmigkeit, aber wir dürfen darunter nicht bloß Eifer und Andacht im Gebete verstehen. Besser ist der Ausdruck Gottseligkeit.

Die Gabe der Pietas oder Gottseligkeit besteht in einer herzlichen Zuneigung zu Gott und zu der göttlichen Familie. Sie unterscheidet sich von der sogenannten Religionsübung. Die Religionsübung wendet sich an Gott als den höchsten Herrn und Schöpfer aller Dinge. Sie ist ernster. Die Pietät aber, die Gabe der Frömmigkeit, wendet sich an Gott als Vater. Sie ist inniger. Das große Gebot der Gottesverehrung oder Religionsübung ist das erste Gebot des Zweitafelgesetzes: Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben. Das große Gebot der Pietät aber ist das Hauptgebot: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben. Beide Gebote gehören zum Wesen des Christentums. Wir dürfen die unendliche Majestät des ewigen Königs im Gebetsverkehr nicht vergessen, aber auch die unendliche Liebenswürdigkeit des Vaters nicht.

Wir können vielen sonst eifrigen Christen unserer Tage den Vorwurf nicht ersparen, dass sie die Gaben des Heiligen Geistes, ohne welche ein vollkommenes, christliches Leben nach dem Urteil aller erfahrenen Asketen und Mystiker undenkbar ist, oft kaum dem Namen nach wissen. Darum haben sie auch von der Gottseligkeit im Sinne der Theologie, vom familiären Gottesverkehr, kein richtiges Verständnis. Sie kennen den Herrgott, aber sie vergessen den Vater. Man muss das eine tun, aber das andere nicht unterlassen.

Familiarität ist die Eigenart der aus Gott geborenen Brüder Jesu. Alle großen Christen waren vor Gott große Kinder. Sie redeten mit dem Vater die Sprache der Familie, die Sprache der Herzlichkeit, kunstlos, wahr und einfach, wie es unter Kindern Brauch ist, aber aus der Tiefe der Seele. Man macht vielleicht gegen diesen familiären Gottesverkehr geltend, dass es weichlich, süßlich, unmännlich sei. Darauf ist folgendes zu erwidern: Die echte Hingabe an Gott den Vater ist nichts Weichliches, sondern Starkes. Sie macht opferbereit bis zur vollständigen Verzichtleistung auf eigenen Vorteil und eigenen Willen. Weichlich, opferscheu, feig und lau, nachgiebig in der Versuchung sind jene, die nicht lieben.

Was die inneren Tröstungen, die Süßigkeiten anbetrifft, die Gott seinen Kindern hie und da austeilt, so sind das Dinge, die jeder Vater von Zeit zu Zeit seinen Lieblingen zukommen lässt, um anzulocken, zu trösten und Mut zu machen. Man soll darüber nicht spotten. Wenn man das harte Brot der Leiden und der Opfer gegessen mit dem bitteren Salz der Tränen der Trübsal, dann sind die Tränen der Freude im Verkehr mit dem Vater einem wohl zu gönnen.

Was den Vorwurf betrifft, dass Familiarität nicht zu Männlichkeit passe, so steht er in offenbarem Gegensatz zum Evangelium, das verlangt, dass wir wie die Kindlein werden, wenn wir ins Himmelreich eingehen wollen. Übrigens beweist die Erfahrung, dass die Herren der Schöpfung sehr unmännlich, sentimental sein können, sentimental bis zum Wegwerfen ihrer Menschenwürde. So sentimental, rein gefühlsmäßig, sind die Frommen nie. Die Modernen haben deswegen kein Recht, den Frommen unmännliche Süßigkeit in der Andacht vorzuwerfen.

Auch der früher oft erhobene Vorwurf französischer Frömmigkeit ist ungerechtfertigt. Die wahre, herzliche Familiarität im Verkehr des Menschen mit Gott ist nicht nur französisch. Sie ist auch deutsch. Sie ist katholisch. Sie gehört zu den sieben Gaben des Heiligen Geistes und findet sich bei allen Völkern und zu allen Zeiten der Kirchengeschichte. Sagen wir es heraus: Unsere Frömmigkeit ist im allgemeinen eher zu trocken, zu nüchtern, zu verstandesmäßig, zu ledern, zu unnahbar, dann wieder zu unnatürlich, zu gekünstelt, zu gemacht. Sie vergisst so gern die Grundwahrheit unseres Glaubens: Gott unser Vater!

Darum die Forderung: Mehr Familiarität! Mehr Kindlichkeit! Mehr herzliche Liebe zum Vater in unserem Gebetsverkehr! Es ist unaussprechlich rührend, zu sehen, mit welcher Verehrung, Hingabe und Zartheit Jesus immer vom Vater redet. Man fühlt es aus dem Evangelium heraus, welche Freude es ihm macht, sagen zu können: Mein Vater! Der Vater ist ihm alles.

Die Kirche ist bei Jesus in die Schule gegangen. Fast sämtliche Gebete der Kirche richten sich an den Vater. Alles im Heiligen Geist! Alles durch Jesus! Aber auch alles dem Vater! Wenn wir den katholischen Gebetsgeist besitzen, werden wir auch den ausgesprochenen Familiengeist der Kindschaft haben, in welchem wir rufen: Abba, Vater! (Röm. 8, 15). Wir werden wie Kinder an den Vater denken und wie Kinder mit dem Vater reden, herzlich und innig. Das Alter spielt hier keine Rolle. Alt oder jung, vor dem Vater bleibt man immer Kind. Soll's also auch immer sein und wollen.

Die Geheime Offenbarung spricht von solchen, die den Namen des Vaters an der Stirne tragen (14,1). Wir haben ungezählte Male beim Kreuzzeichen unsere Stirne im Namen des Vaters gezeichnet. Das darf keine leere Zeremonie bleiben. Wir wollen damit unsere ganze Gedankenwelt, alles, was hinter unserer Stirne lebt, dem Vater weihen. Wir wollen mehr, als wir es bisher getan, bewusst uns der kindlichen Familiarität und der familiären Kindlichkeit im Gebetsverkehr befleißen. Unser Lieblingswort, das Lieblingswort Jesu: Abba, Vater!

Der höchste Ausdruck der kindlichen Gottseligkeit ist die katholische Liturgie. Die katholische Liturgie ist ernst und heiter zugleich. Sie hat nichts Finsteres und Trockenes. Alles atmet im Gegenteil Lieblichkeit und herzliches Vertrauen. Die katholische Liturgie singt. Sie singt immer. Sie singt immer, weil sie immer glaubt und hofft und liebt. Sie singt immer, weil sie singen muss, und sie muss singen, weil sie voll des Heiligen Geistes ist, der da ruft mit unaussprechlichen Seufzern (Röm. 8, 26). Die katholische Liturgie ist gottselig.

Aus: Robert Mäder, Der Heilige Geist. Der dämonische Geist, Goldach 1969, S. 26-30.


Eduard Kamenicky: Hebe den Stein auf. Mut zur Begegnung mit Gott

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