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Theodor Haeckers "Vergil, Vater des Abendlandes"

1931 erschien das Werk Theodor Haeckers Vergil, Vater des Abendlandes. Es folgten bald Übersetzungen ins Englische, Französische und Italienische. Hermann Hesse urteilte über das Buch: "Seines großen Gegenstandes würdig, ist dieser Essay eines der wenigen Zeugnisse heutigen deutschen Geistes, die ich ernst nehmen kann." Theodor Haecker sieht in Vergil (70 - 19. vor Chr.), dem Dichter der Bucolica, der Georgica und vor allem der Aeneis, eine "anima naturaliter christiana" und eine Vorbereitung auf das Christentum. "Er hat wenige Jahre vor der Fülle der Zeit das vorgesehene Maß des Heidentums bis an den Rand gefüllt, ohne daß auch nur ein Tropfen tantalischen Giftes aufschäumend diesen köstlichsten Kelch überflutet hätte, er hat einen Augenblick vor der Fülle der Zeit das Maß des Guten im antiken Heidentum, wie andere das Maß seines Bösen, vollgemacht, an der Schwelle der Fülle der Zeit, nach der es auch der Kreatur, dem Menschen, gegeben wurde, maßlos sein zu können, ohne das Maß der Kreatur zu verletzen, ohne in die Hybris zu fallen, maßlos in einer einzigen Richtung: in der Liebe zu Gott. Dieses ist das übernatürliche Mehr, welches die höchste Idee und Realität der Antike, den Helden, dessen letztes Seinsmotiv die eigene geheimnisvolle gloria ist (erreicht, sei es im Leben oder im Tod, durch zwei Dinge: das Fatum und die heroische Tat kraft der Freiheit des Willens), scheidet von der höchsten Idee und Realität nach der Fülle der Zeit, d.h. nach der Inkarnation: dem Heiligen, dessen letztes Motiv die gloria Dei ist (erreicht, sei es im Leben oder im Tode, durch zwei Dinge: die Gnade, die hinwiederum voraussetzt die Vorsehung, das größere und lichtvollere Wort für Fatum, und die Liebe ohne Maß zu Gott, die hinwiederum auch voraussetzt eine kontinuierliche heroische Gesinnung und Tat durch die Kraft des Mysteriums der Freiheit)." (Vergil, Vater des Abendlandes, Erstes Kapitel: Ecce Poeta!).

Theodor Haecker (1879 - 1945), ein Denker, Essayist, Satiriker und Kulturkritiker von gewaltiger Sprachkraft, fand durch die Beschäftigung zuerst mit Soren Kierkegaard seinen Weg, dann mit John Henry Newman (1801 - 1890), durch den er 1921 den Weg in die katholische Kirche fand. Beide übersetzte er (von Newman den "Grammar of Assent", 1921, und "Die Entwicklung der christlichen Lehre und der Begriff der Entwicklung", 1922, beide mit einem Nachwort), außerdem übersetzte er Francis Thompson (1859 - 1907), Hilaire Belloc (den Freund Chestertons) und die Bucolica, die Hirtengedichte Vergils. Er schrieb in der von Ludwig von Ficker gegründeten Zeitschrift "Der Brenner" und in Carl Muths "Hochland". Als unerbittlicher Gegner des Nationalsozialismus hatte er in München engen Kontakt zu den Geschwistern Scholl von der "Weißen Rose" und unterstützte sie. Geistesverwandte sah er in Gabriel Marcel und Carl Hilty. Nach Gisbert Kranz (im "Lexikon der christlichen Weltliteratur") hat er die "religiöse Wendung von Autoren wie Ferdinand Ebner, Sigismund von Radecki und Richard Seewald herbeigeführt".

In seiner Studie "Theodor Haecker. Gestalt und Werk" (Nürnberg 1959) zählt Eugen Blessing das Vergilbuch zusammen mit "Schöpfer und Schöpfung" und "Was ist der Mensch?" zu den drei Hauptwerken Haeckers, wobei der "Vergil" das "tiefste, schönste und vollkommenste unter ihnen" sei, und "das große Vermächtnis Haeckers an sein Volk und das Abendland. Es gibt keine wesentliche These Haeckers, die hier nicht ausgesagt wäre, Leib geworden in der Weise des Bildes, nicht des kahlen Gedankens, so wie es eben die erklärte Weise Haeckers war. Kein gemachtes, sondern ein visionäres Buch, das wir im vollen Sinne eine Dichtung nennen müssen, im Bilde verdichtete Schau nicht zuende sagbaren Erkennens: philosophische Dichtung."


Die Angst, durchschaut zu werden

Ein Update zu Theodor Haecker

Der Maler, Schriftsteller und Illustrator Richard Seewald (1889 - 1976) beschreibt in seinen Lebenserinnerungen "Die Zeit befiehlts, wir sind ihr untertan", Freiburg 1977, seine Begegnungen mit Theodor Haecker. Sie fielen in seiner Münchener Zeit ab 1911. Schon damals gab es bei Haecker jene regelmäßigen Lese- und Diskussionsabenden, die einen nicht zu unterschätzenden Teil des Münchener Geisteslebens ausmachten. Gegen Ende seines Lebens gehörten die Mitglieder der Weißen Rose dazu, denen Haecker das geistige Rüstzeug gab zum intellektuellen Widerstand gegen das Naziregime.

Für Seewald wurde Haecker "zu einem Lehrer nach der Weise des Sokrates. Er war zehn Jahre älter als ich. Habe ich ein Verdienst bei dieser Begegnung, aus der Freundschaft wurde, so nur dies, daß ich sofort, ein Zweiundzwanzigjähriger, in ihm, dem damals völlig unbekannten, den bedeutenden Mann erkannte. Es sammelte sich um ihn bald ein anfangs zufällig zusammengesetzter Kreis. An jedem Samstag, später jeden Dienstag trafen wir uns abwechselnd in der Wohnung der Freunde oder in meinem Atelier." (S. 116 f). Damals gehörten zu diesem Kreis unter anderem Ferdinand Schreiber, der laut Seewald als erster die Bedeutung Haeckers erkannt hatte, Ludwig Heinrich, "ein großer Altphilologe und unbestechlicher Denker", Hans Rupé, Übersetzer der Ilias, Ludwig von Ficker, der Herausgeber des "Brenner", der oft aus Innsbruck zu Besuch kam, und Erik Peterson. "Hochachtung, Bewunderung, gemischt mit ein wenig Angst waren die Gefühle, die Haecker den meisten einflößte. Bewunderung für die unbestechliche Geradheit seines Urteils und seine Sprachkunst, Angst, durchschaut zu werden von diesen klaren blauen Augen, die eine ungewöhnliche Kraft ausstrahlten (...) Manch einen, der mit Ethik und Religion liebäugelte, habe ich nicht wiederkommen sehen. Sie fühlten sich nicht wohl unter diesen Augen, die ständig zu fragen schienen: ist es dir auch wirklich ernst mit dem, was du sagst? Entspricht dein Leben deinen Worten? - Hausenstein und Max Picard kamen nie wieder" (S. 119).

Haecker brachte Seewald Kierkegaard und John Henry Newman nahe. Zu dieser Zeit war Haecker noch nicht konvertiert. Dieser Schritt folgte 1921. Seewald selber wurde später, nachdem er nach Köln umgezogen war, in Ascona von dem aus Unterägeri, Kanton Zug, stammenden Benediktinerpater Leonhard Hugener (1874 - 1938) in die Kirche aufgenommen und beklagte gegen Ende seines Lebens den theologischen und kulturellen Niedergang in der katholischen Kirche.


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