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Unsere Heimat ist im Himmel

Von Uwe Christian Lay

Unsere Heimat

“Unsere Heimat ist im Himmel.” Wir kennen dieses große Pauluswort aus dem Philipperbrief, 3,20. Aber begreifen wir es auch? Es ist von zentraler Bedeutung für die Gesamtarchitektur des Christentumes, insofern das Christentum als Erlösungsreligion Jesus Christus als den einzigen Weg zur Rückkehr in die verlorene Heimat bekennt. Die Erzählung vom Verlust der Heimat, des Paradieses und Gottes Gnade, die uns Menschen in Jesus Christus vermittels seiner Kirche den Weg zurück weist, bilden das Zentrum christlicher Religiösität.

Unsere vergessene Heimat

Aber wie nun, wenn wir Christen so verweltlicht sind, es sei hier en passant an die Rede des hl. Vaters über die Notwendigkeit einer Entweltlichung der Kirche erinnert, daß uns der Himmel zur Fremde geworden ist und die Treue zur Erde (Nietzsche) stattdessen unser Lebenselixier? Den Himmel überlassen wir den Spatzen, dichtete einst Heinrich Heine. Karl Marx’ Kritik der Jenseitshoffnung als opiatische Vertröstung angesichts des Weltelends zeitigte Wirkung, so sehr, daß heuer selbst in der Kirche kaum noch vom jenseitigen Leben die Rede ist- ja es sich gar der Eindruck aufdrängt, daß die Vorstellung vom immer wieder Wiedergeborenwerden auf Erden, der sogenannten Reinkarnation, mehr Zustimmung erhält als die, ewig im Himmel zu leben. Nicht nur in Bayern populariserte die Erzählung vom Münchner im Himmel, dem das Hofbräuhaus lieber war als die Himmelsexistenz, die Abneigung gegen die Hoffnung auf ein ewiges Leben im Himmel: das wahre Leben, wenn es denn eines gibt, ist auf Erden, sonst nirgends. Wenn aber das Ziel der christlichen Lehre das Aufzeigen des Weges zur verlorenen Heimat ist, was wird dann aus dieser Erlösungsreligion, wenn selbst ihre Anhänger lieber daheim auf Erden bleiben wollen als daß sie sich sehnten nach der ewigen Heimat?

Für Heimatvertriebene, verbannte Kinder Evas, wie es so treffend im „Salve Regina“ heißt, existiert auch die Versuchung, in der Fremde sich eine neue Heimat zu suchen und dabei die alte zu vergessen. Das ist die größte Gefahr der Verweltlichung und Verbürgerlichung des Christentumes. Diese Gefahr ist nichts Neues unter der Sonne. Schon im babylonischen Exil stieß die Rede von der Hoffnung auf eine Wiederkehr nach der verlorenen Heimat Jerusalem auch auf Ablehnung: man bleibe lieber da und wolle das beste daraus machen. Heimat ist da, wo ich Feunde habe, da, wo ich mich gut fühle, oder zeitgemäßer, wo ich einen Job finde, das sind all die Parolen entwurzelter Existenzen, die heimatlos neue Ersatzheimaten suchen, aber doch heimatlos bleiben.

Ernst Blochs bekannter Ausspruch, Heimat sei da, wo noch niemand war, kommt so der christlichen Vorstellung schon näher, insofern so der utopische Charakter der jenseitigen Heimat betont wird. Aber es bleibt völlig unklar, wieso diese Blochsche Utopie gelingenden und erlösten Lebens als Heimat bezeichnet werden kann, wenn sie doch gar nicht der Ursprung des Menschlichen ist. Denn der Begriff der Heimat ist unlösbar mit dem des Ursprunges, des Daherkommens verbunden.

Das verlorene Paradies

Versuchen wir eine historisch-kritische Rekonstruktion der Genese der Vorstellung von der verlorenen Heimat. Ausgangspunkt war das babylonische Exil mit der theologischen Frage: wie konnte dies dem Volk Israel widerfahren, das doch das Volk Gottes war und ist? Das sog. deuteronomistische Geschichtswerk gab darauf die Antwort, daß Gott mit Israel einen Bund geschlossen habe, daß er der Gott dieses Volkes sein wolle und ihm eine Heimat schenken und mit diesem Volk sein werde, wenn es seinerseits den Bund mit seinem Gott halten werde. Bräche das Volk den Bund mit Gott, dann würde Gott sein Volk verstoßen und so würde es dann auch seine Heimat verlieren und exiliert werden. Und im Exil selbst könne dann Gott auch kein rechter Gottesdienst mehr erbracht werden, weil dafür Gott allein Jerusalem erwählt habe. Aber wenn Israel umkehre, dann kehrte auch Gott zu seinem Volke um und führte es zurück in die verlorene Heimat. So das deuteronimistische Geschichtswerk als Antwort auf die Frage des Exils: Warum sind wir hier und worauf dürfen wir hoffen? Der sogenannte Jahwist radikalisiert dies: Aus der verlorenen Jerusalemer Heimat und dem Bundesbruch wird das verlorene Paradies in Folge des adamitischen Sündenfalles und das babylonische Exil wird zum iridischen Exil. Das Erdendasein als solches und nicht bloß das babylonische Leben ist eine Exilsexistenz. Daß wir Menschen nicht in der besten aller denkbaren Welten leben (Leibniz), sondern einer, die durch Müh und Plag, Sterbenmüssen und Leid qualifiziert ist, das ist nicht dem Schöpfergott zuzuschreiben, sondern dem menschlichen Sündenfall, wie das babylonische Exil dem Bundesbruch durch das Volk. Die Sündenfallgeschichte setzte so aus sich heraus die Frage: Wie können wir wieder heimkehren? Und darauf antwortete Jesus: Ich bin der Weg, der einzige in die verlorene Heimat.

Umformung des Christentumes?

Nur, wie sollen wir Heutigen diese Antwort verstehen, wenn uns diese Frage abhanden gekommen ist? Pragmatiker einer Neuevangelisation werden im Geiste des protestantischen Theologen Paul Tillich respondieren: wenn die Menschen diese Frage nicht mehr stellen, dann müssen wir auf das heutige Fragen der Menschen hören und die christliche Botschaft auf dies Fragen hin neu konzipieren. Das Christentum müsse dann den sich im Exil neu Beheimateten zeigen, daß es für sein Erdenleben etwas Sinnvolles sei: Nicht mehr Erlösung, sondern seine Nützlichkeit für das Leben auf Erden könnte so die Wahrheit eines zeitgemäßen Christentumes sein. Damit die Erde unsere Heimat sein kann, bräuchten wir die christliche Religion. Das meint dann, damit das Leben besser, kommoder und angenehmer werde, dafür sei die christliche Religion nützlich und das sei denn auch die Wahrheit dieser Religion: ihre Nützlichkeit für das Erdenleben. Das ist dann die Verbürgerlichung der christlichen Religion, die ihre gewichtigste Aufgabe in ihrem Beitrag zur Humanisierung der Welt sieht. Die radikalste Konzeption war die der marxistisch fundierten katholischen Befreiungstheologie und der feministischen Theologie, eine gemäßigtere präsentiert etwa das Konzilsdokument Gaudium et spes.

Eine mißlungene Religionsstunde

Eine mißratende Religionsunterrichtsstunde mag dieses Problem veranschaulichen. Unterrichtsgegenstand war das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Die Ausgangsfrage lautete: Was muß ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Die Geschichte des barmherzigen Samariters ist nun Jesu Antwort auf diese Frage. Was geschieht aber, wenn diese Frage schon von den Schülern nicht mehr verstanden wird? Ewiges Leben, was soll das denn?, war die desinteressierte Reaktion der Klasse. Der Lehrer lenkte schnell, vielleicht zu schnell ein: Es ginge um den Sinn des Leben, was mache sinnvolles Leben aus? Jetzt erschien die Geschichte in einem verständlichen Licht. Die Samaritererzählung besage: helfe, damit dir auch geholfen werde. So verstanden die Schüler nun diese Jesuserzählung. In einem Gottesdienst brachten die Schüler dann das von ihnen erarbeitete Ergebnis der Beschäftigung mit dieser Erzählung im Rahmen einer Freizeit ein in Gestalt eines Anspieles. Ein Verkehrsunfall sei geschehen, mehrere Personen fuhren achtlos vorbei, bis der dritte dann per Handtelephon Hilfe herbeirief. Die Moral von der Geschichte: Es ist sinnvoll anderen zu helfen, damit, wenn man selbst in Not sei, man auch auf eine Hilfe hoffen dürfe. Der dezente Hinweis auf das Handtelephon als Hilfe zur praktizierten Nächstenliebe war in der Vorweihnachtszeit in Hinsicht auf die zuhörenden Eltern dann ein Beleg dafür, daß Schüler auch aus für sie völlig Uninterssantem etwas Nutzbringendes herausholen können. Auch Jesus wäre für Handys. Diese Umformung zeigt exemplarisch, wie sehr Grundtexte des Christentumes umgewertet werden müssen, wenn Paulus' Erkenntnis, unsere Heimat sei der Himmel, völlig unverständlich geworden ist. Die christliche Ethik mit ihrem Zentrum in der Frage des Weges zurück in die verlorene Heimat transformiert sich zu einem seichten Utilitarismus. Aus der Frage: was ist unser Weg zur Heimat, in das ewige Leben?, wird die: wie kann ich mein Leben auf Erden kommoder gestalten und inwieweit ist die Tradition der Vorstellung der Nächstenliebe dazu sinnvoll?

Mögliche Umformungen?

Was aber tun, wenn den exilierten Kindern Evas die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat abhanden gekommen ist? Was tun, wenn die Exilierten nicht mehr trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen nach Erlösung seufzen, wie es im Salve Regina heißt, sondern stattdessen humanistisch optimistisch versuchen, dies Tal der Tränen in eine gute schöne Welt zu verwandeln oder pessimistisch resigniert das Erdenleben, so wie es nun mal ist, hinnehmen, um zu versuchen das Beste daraus für sich zu machen?

In der vulgären Kirchengeschichtsbetrachtung stellt man sich eine der ersten Umformungen des Urchristentumes so vor: anfänglich wäre das Urchristentum ganz erfüllt gewesen von der Erwartung des baldigsten Eintrittes des Reiches Gottes und somit des Endes dieses Äons. Man saß auf gepackten Koffern, umzugsfertig mit einem Minimum an Gepäck, an christlichen Organisationsformen. Aber das Reich Gottes kam nicht - man fing an, von einer Parusieverzögerung zu sprechen, und gründete dann die Kirche, statt weiter auf den Einbruch des Reiches Gottes zu warten. Die Reichgottes-Hoffnung transformierte sich dann in die des Hoffens auf das Eingehen in das ewige Leben nach dem Tode. Postmortal beginnt nun für uns Christen das ewige Leben und nicht mehr erst nach dem Ende der Welt. Diese Transformation bewahrte dabei aber die zentrale Ausrichtung auf das wahre Leben jenseits des Erdendaseins. Theologie war noch Heimatkunde für Exilierte. Weltfremdheit zeichnete die Christen aus, weil sie ihren Ursprung und ihre Heimat jenseits dieser Welt wußten. Anbei: es ist erstaunlich, daß einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartsphilosophen, P. Sloterdijk dem Thema „Weltfremdheit“ ein ganzes Buch widmete, auf das hier leider nicht eingegangen werden kann (Sloterdijk Peter, Weltfremdheit,1993). Nur diese kurze Anmerkung: Der Philosoph erachtet den Begriff der Weltfremdheit für einen spezifischen der Gnosis und übersieht dabei, daß diese Vorstellung so auch vom Urchristentum geteilt worden ist, und daß die Differenz in der Frage des Wies der Erlösung aus der fremden Welt, nicht in dem Daß der Erlösungsbedürftigkeit bestand. Die vehemente Kritik an Bultmanns exegetisch keinesfalls abwegigen These, daß das Johannesevangelium das Christusereignis in der Sprache des gnostischen Erlösermaythos aussage, begründet sich wohl auch in der Antipathie eines verweltlichten Christentumes, das nicht mehr an die ursprüngliche Radikalität der Weltfremdheit des Urchristentumes erinnert werden möchte.

Die Entweltlichung der Kirche als unsere Aufgabe

Der Hl. Vater sprach jüngst von der Notwendigkeit einer Entweltlichung der Kirche. Wir könnten das auch so sagen: daß sie zurückfinden müßte zum Wissen um ihre Heimat, um so wieder weltfremd werden zu können. Ansätze dafür könnte es schon geben. Da wäre das Verblassen aller Utopien einer humanisierten Welt, sodaß dem Menschen die Fremde zur Heimat werden könnte, und die enttäuschende Wahrheit, daß auch das egozentrische Konzept, Hauptsache mir geht’s gut, nicht realisierbar ist, weil nun mal kein Mensch eine Insel für sich ist, sodaß das Leid der Anderen Rückwirkungen auf das eigene Wohlergehen zeitigt. Schon der jahwistische Erzähler der Sündenfallerzählung verweist ja auf das unübersehbare Leid des Erdendaseins, um aufzuzeigen, daß diese unsere Welt nicht unsere Heimat sein könne. Zu prüfen wäre, ob nicht eine grundlegende philosophische Reflexion des Menschen als Subjekt, als transzendentales Ich, ausgehend von Kant und Fichte auch einen Beitrag zur Erhellung der Weltfremdheit des Menschen leisten könnte Es sei hier en passant an die recht kryptische aber doch bedenkenswerte Fußnote M. Blanchots im Kontext seiner Auseinandersetzung mit der Kritik Nietzsches an der metaphysischen Vorstellung vom Ich erinnert: „In diesem Sinne ist da, wo es ein „Ich“, die Identität eines Ichs gibt, Gott nicht tot“ (Blanchot, Maurice, Der Atheismus und die Schrift - Der Humanismus und der Schrei, in: Blanchot, M, Das Unzerstörbare, 1991, S. 249 f.).

Der katholischen Lehre vom Menschen, daß die Seele nicht sich der innerweltlichen Zeugung verdankt, sondern von Gott unmittelbar geschaffen dem Embryo eingegeben wird, könnte eine philosophische Reflexion über das transzendentale Ich als nicht aus der Welt ableitbare Größe korrespondieren. Aber wie auch immer: ohne die Erkenntnis der Weltfremdheit des Menschen, daß unsere Heimat nicht die Erde, sondern der Himmel ist, ist das Christentum entkernt und wird substanzlos.

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