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Wir nehmen das Leben zu ernst

Von P. Engelbert Recktenwald

In ihrem Tagebuch berichtet die hl. Faustine an einer Stelle über das Ringen Gottes um die Rettung der Seelen in den letzten Augenblicken ihres Lebens. In letzter Sekunde gelangt manchmal die Barmherzigkeit Gottes noch zum Sünder, in sonderbarer und geheimnisvoller Weise. Nach außen scheint alles verloren, kein Zeichen der Reue ist erkennbar, aber angestrahlt von einer besonderen Gnade wendet sich die Seele Gott zu und wird gerettet. Aber, so fährt die sel. Faustine fort, es gibt Seelen, die selbst diese Gnade zurückweisen und verdammt werden. Sie machen die Anstrengungen Gottes zunichte...

Wir können heute sehen, wie innerhalb und außerhalb der Kirche gigantische Anstrengungen gemacht werden, um die Menschen von dem einen Wesentlichen abzulenken: von der Entscheidung über ihr ewiges Schicksal. Alles mögliche Andere schiebt sich in den Vordergrund, aber von der Hölle zu sprechen gilt als lieblos. Dabei ist es gerade die Liebe, die das ewige Seelenheil des Nächsten im Auge hat und ihm deshalb die Augen über die ewigen Konsequenzen seines jetzigen Lebens öffnen will. Die Exerzitien, die der hl. Ignatius von Loyola uns geschenkt hat, zielen z.B. ganz auf diesen Punkt ab. Nichts wird abgeschwächt oder verharmlost, sondern der Mensch wird knallhart mit dem unendlichen Gewicht seiner Verantwortung konfrontiert. Das kann eine sehr unbequeme Sache sein, ja sogar belastend. Aber wenn man da einmal hindurchgegangen ist und im Angesicht der Ewigkeit eine das ganze Leben fortan prägende Entscheidung getroffen hat, macht man eine entgegengesetzte Erfahrung: Es lebt sich viel leichter und gelassener. Denn was sind jene Dinge, denen wir aus unserer Froschperspektive heraus oft so große Bedeutung beimessen, im Vergleich zur Ewigkeit? Viele Sünden haben ihren Grund in dem Umstand, daß wir gewisse Dinge zu wichtig nehmen und deshalb ihren Verlust nicht ertragen können. So werden sie uns zu Fallstricken und rauben uns den Frieden. Eine Beleidigung, die wir erfahren müssen, ein Unrecht, ein Mißgeschick, ein Mißerfolg ‒ wie regen sie uns manchmal auf! Die Heiligen hatten dafür nur ein Lächeln übrig. Sie klebten nicht an den Dingen dieser Welt, nach denen sich viele Menschen die Beine ausreißen, als ob sie der Himmel selber wären: Karriere, Reichtum, Prestige... In der Ewigkeitsperspektive lebend, bewahrten sie sich ihre Freiheit. Nicht einmal den Tod fürchteten sie. Wie leicht wird doch das Leben, wenn wir die Dinge so leicht nehmen, wie sie in Wirklichkeit sind.

Wir nehmen das Leben zu ernst, weil wir vergessen, wie kurz es ist. Gleichzeitig nehmen wir das Leben zu wenig ernst, weil wir vergessen, daß es über die ganze Ewigkeit entscheidet. Diesen scheinbaren Widerspruch können wir auflösen, wenn wir an den Vergleich mit einem Theaterstück denken. Wenn in dem Stück ein guter Freund von uns stirbt, wäre es lächerlich, sich über seinen Tod zu grämen: Er ist ja nur im Stück gestorben, nicht in Wirklichkeit. Wenn die Aufführung zu Ende ist, werden wir ihn wiedersehen. In diesem Sinne sollen wir das Theaterstück nicht ernst, d.h. nicht als Wirklichkeit nehmen. Aber unsere Rolle sollen wir ernst nehmen. Davon, ob wir unsere Rolle gut spielen, hängt unsere Zukunft ab. In diesem Sinne sollen wir unser Leben ernst nehmen: Unsere ganze Ewigkeit hängt davon ab, wie wir leben, ob gut oder schlecht, ob edel oder gemein. Welche Rolle aber wir zu spielen haben, hängt nicht von uns ab, und was an Situationen in dem Stück auf uns zukommt, wissen wir nicht. Wir sind nicht der Regisseur und wir kennen nicht das Drehbuch. Wir kennen aber die Regeln, um unsere Rolle gut zu spielen. Jene, die die Regeln außerachtlassen, um etwas zu erreichen, was im Drehbuch gar nicht vorgesehen ist, sind die Sünder, die die Gebote übertreten, um etwas zu erlangen, was nicht dem Willen Gottes entspricht. Sie nehmen die Dinge, die Teil des Stückes sind, wichtiger als ihre Rolle, die Teil der Wirklichkeit ist.

Diese Erkenntnis bedeutet nun nicht das Startsignal für die willenlose Haltung eines phlegmatischen “Es ist ja eh alles einerlei...” Nein, wir müssen handeln, unser Leben gestalten, die Welt verändern! Gerade darin besteht ja unsere Rolle, und um ihre inhaltliche Seite genauer zu erfassen, müssen wir uns nur umschauen, wohin uns der liebe Gott gestellt hat. Ein Staatsmann hat andere Aufgaben als ein Bettler, ein Familienvater andere als ein Schüler... Aber all dies wird keinen Einfluß haben auf den Richterspruch, dem wir uns nach unserem Leben werden unterwerfen müssen. Wir werden nur danach gerichtet werden, ob wir unseren Part gut gespielt haben. Ob es aufwärts oder abwärts geht im Stück unseres Lebens, ob uns Leiden trifft oder Glück, Not oder Erfolg: all dies fällt beim Gericht nicht ins Gewicht. Es wird von uns abfallen wie Lumpen, die uns nichts angehen. Was bleibt, ist die Würde, mit der wir unsere Rolle gespielt haben. Das aber ist die Liebe. Alles wird einmal vergehen, nur die Liebe bleibt. Sie ist das Einzige, was uns vor Gott würdig macht. Sie macht alles leicht, weil sie unsere Seele stark macht in den Wechselfällen des Lebens. Das hatte schon jene kleine Heilige erfaßt, deren Auftritt nur elf Jahre dauerte, die kleine Anna von Guigné, die sagte: “Nichts ist schwer, wenn man Gott lieb hat.”


Engelbert Recktenwald: Über Toleranz

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