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Römische Impressionen

Von Gertrud von le Fort

Das kirchliche Rom trat anfangs für mich nur als ein Kapitel des großen Welträtsels in Erscheinung. Es bedeutete wohl ein Stück meiner jugendlichen Schwärmerei, daß ich die katholische Welt immer wieder bei den Nonnen von Santa Maria Reparatrice suchte – es war keine eigentlich religiöse, es war eine romantische Reaktion. Ihr Kloster lag nicht weit von unserer Pension entfernt – ich schlüpfte damals jeden Tag um die Abendstunde zu den „Blauen Nonnen“, die tief verschleiert in ihrer immer über und über mit Blumen geschmückten Kapelle knieten, mit ihren langen blauen Schleppen ein geheimnisvolles Bild für mich darstellend und mich mit ihrem wundervollen Gesang bezaubernd. Nie sah ich einem dieser verschleierten Wesen ins Gesicht, aber eines Tages faßte ich Mut und ließ mich an der Pforte melden. Ich wurde freundlich empfangen. Die blaue Nonne, die mich begrüßte, hieß Marie de Mailys, sie war gütig und außerdem eine große Dame – anscheinend waren alle diese blauen Nonnen aus vornehmem Geschlecht – die Römer nannten sie „Les Coquettes de notre bon Dieu“. Beim Abschied schenkte mir Marie de Mailys eine kleine Muttergottesmedaille, die ich noch heute treulich bewahre.

Meiner Schwärmerei für das alte Heilige Reich bot sich in Rom nur wenig noch Anschaubares. In der gewaltigen Peterskirche, die mir erst viel später während der erschütternden Zeremonien der Karwoche zum unvergeßlichen Erlebnis wurde, zeigte man mir nur eine alte Porphyrplatte, auf welcher der Kaiser oder seine Paladine während der Krönungsmesse gekniet hatten. Dagegen machte mir der berühmte Kardinal Rampolla einen außerordentlichen Eindruck. Meiner geschichtlichen Bindung an das alte Reich gemäß stellte ich mir bei seinem Anblick vor, so müßten die großen mittelalterlichen Päpste ausgesehen haben, von denen unsere Kaiser gekrönt worden waren und mit denen sie gekämpft hatten. Ich liebte es, ihn bei feierlichen Handlungen zu sehen, besonders in seiner Titularkirche Santa Cecilia, deren Krypta er in ein wahres Schmuckstück verwandelt hatte. Als ich einige Jahre später vernahm, man habe ihn zum Papst gewählt, doch sei diese Wahl durch das österreichische Veto vereitelt worden, kannte mein Bedauern keine Grenzen, denn ich war überzeugt, dieser Papst hätte Geschichte gemacht.

Indessen sollte ich einige Jahre später auch von dem an seiner Statt gewählten Papst Pius X. einen tiefen, wenn auch ganz andersartigen Eindruck gewinnen. Ein uns bekanntes Mitglied der deutschen Gesandtschaft in Rom, Herr von Kardorff, hatte uns zu einem feierlichen Consistorium Eintrittskarten verschafft. Meine Mutter und wir zwei Schwestern hatten Plätze in einer Loge des vatikanischen Saales, in dem sich ein Schauspiel begab, das mich an die großen Hofcouren daheim erinnerte. Auch hier stand ein – diesmal päpstlicher – Hofbeamter neben dem Thronsessel und warf mit einem Stab die langen Schleppen der zur Cour angetretenen Kardinäle herum, wenn sie dem Papst ihre Devotion bezeigt hatten. Aber das eigentlich tief Einprägsame dieser Cour war der Heilige Vater selbst – ein Antlitz, das man niemals vergessen konnte, von Güte, Milde und einer transzendenten Unweltlichkeit erfüllt, wie ich noch nie ein Menschenantlitz sah. Es ist nur unvergeßlich geblieben als das Antlitz eines Heiligen. Auch meine doch sehr protestantisch bestimmte Mutter hatte den gleichen Eindruck, und wie sie sich nie scheute, sich auch dort offen zu bekennen, wo sie sich nicht beheimatet wußte, kaufte sie damals in Rom ein Bildnis des Papstes, das bis zu ihrem Ende ihr Zimmer schmückte. Während des Ersten Weltkrieges wiederholte sie immer wieder: „Wie tief wird dieser fromme gütige Papst leiden, wenn sich seine christlichen Völker derart zerfleischen.“ –

Der Mangel an Eindrücken, die das alte Heilige Reich betrafen, lenkte meine Sehnsucht unwillkürlich nach Monza, wo ich auf der Rückreise die eiserne Krone, die so viele unserer Kaiser getragen hatten, zu besuchen dachte. Sie wurde in einem Altarschrein verwahrt, dessen Öffnung man durch ein beträchtliches Entgelt erkaufen mußte, was ich natürlich ohne Besinnen tat. Darauf erschien ein Priester, welcher einige Gebete verrichtete, dann winkte er mir, die Stufen des Altars emporzusteigen, und ich durfte die kostbare Krone aus nächster Nähe betrachten. Sie stellt einen sehr schlichten Reif dar, in den, wie man glaubt, ein Nagel vom Kreuz Christi eingegossen sei. Ich durfte die Krone und das unvergeßliche Wunder ihrer Geschichte in die Hand nehmen, während der freundliche und sehr gut unterrichtete Priester mir die Namen der deutschen Könige nannte, welche mit diesem Heiligtum gekrönt worden waren. Hier, nicht in Rom, so erschien es mir damals, lag der Glanz und die Berufung des Heiligen Reiches.

Aus: Gertrud von le Fort, Hälfte des Lebens. Erinnerungen.
Vor 90 Jahren, im März 1926, konvertierte Gertrud von le Fort zur katholischen Kirche. Aus diesem Anlass bringen wir diesen Ausschnitt aus ihren autobiographischen Aufzeichnungen Hälfte des Lebens, die jetzt wieder im Petra Kehl Verlag veröffentlicht wurden.


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