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Beschämend und theologisch indiskutabel

Über einen Versuch, Mosebach zu diskreditieren

Von Michael Karger

In den Stimmen der Zeit (8/2012 Verlag Herder Freiburg) geht die Literaturwissenschaftlerin Claudia Stockinger in rabiater Weise gegen den Schriftsteller und Träger des Büchner-Preises Martin Mosebach vor. Der Frankfurter Romancier und Essayist ist der einzige Gegenstand. ihres „Nachrufs“ auf den „Feuilletonkatholizismus“. Darunter versteht die Göttinger Germanistin „die paradoxe Faszination sowohl für eine hinterwäldlerisch anmutende, muffig verstaubte Antimoderne“ sowie für „elitäre Praktiken“ und das „Interesse an überkommenen Formen, die für wahrer, heiliger, schöner gehalten werden als die im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils reformierte Liturgie“. Der Verfasserin geht es nicht um Mosebachs Beitrag zur deutschen Gegenwartsliteratur, sondern um ideologischen Kirchenkampf. Mangels theo1ogischr, aber auch germanistischer Kompetenz hat sie sich dabei allerdings schwer verhoben. Sie unterstellt Mosebach, dass er in seiner Aufsatzsammlung „Häresie der Forrnlosigkeit“ (2002) die Liturgie der Kirche unter dem Gesichtspunkt ihrer Schönheit verteidigt und sich zugleich gegen den Vorwurf des Ästhetizismus zur Wehr setzt. Wobei es sich doch nach Ansicht von Stockinger beim Thema Liturgie so verhält, „dass theologisch gesehen, die Liturgie Instrument des Gottesdienstes ist, für sich selbst aber nichts gilt“. Zur Stützung dieser merkwürdigen These wird nun der heilige Benedikt herangezogen: “Nichts soll dem Gottesdienst vorgezogen werden, heißt es in der Regel des heiligen Benedikt, auch nicht die Liturgie.” Würde diese rein spiritualistische Interpretation der Benediktsregel tatsächlich gelten, müsste man sich fragen, warum überhaupt noch jemand in der Morgenfrühe zum Stundengebet erscheint, wenn man doch den Gottesdienst auch vollziehen kann, ohne am Gottesdienst teilzunehmen Mit dieser dialektischen Argumentation macht die Verfasserin jede liturgische Handlung zum Ästhetizismus beziehungsweise überflüssig.

Aber es kommt noch besser: Mosebachs Eintreten fur die Opfertheologie, wie sie in den liturgischen Texten der römischen Liturgie zum Ausdruck kommt, gerät unter Häresieverdacht: „Es gehört zur Tragik von Mosebachs Bekenntnis, das sich für die Rechtgläubigkeit der eigenen als einer allgemeinen (das heißt katholischen) Position einsetzt, dass die damit eigenmächtig vollzogene Wendung gegen die gültige katholische Lehre selbst die Gefahr der Häresie birgt.“ Begründung der Literaturprofessorin: „In diesem Verständnis der Liturgie zeichnet das Opfer (und nicht die Liebe Gottes, die eines Opfers nicht bedarf) für die Erlösung des Menschen verantwortlich, sublimiert in der Kunst.“ Nun entspricht allerdings die obige Leugnung der Heilsnotwendigkeit des Kreuzesopfers, in der die Liebe Gottes ihren, höchsten Ausdruck gefunden hat, keineswegs der Lehre der Kirche. Wie nicht anders zu erwarten, wird der Autor der „Häresie der Formlosigkeit” wegen erwiesenem Fundamentalismus anschließend abgeurteilt. Die Urteilsbegründung lautet: „Er nimmt eine per definitionem als fundamentalistisch zu bezeichnende Haltung ein und wendet sich damit zugleich gegen die katholische Kirche selbst, der er als der ‘offiziellen‘ Kirche vorwirft, in den 60er Jahren, einen ‘Angriff’gegen die Göttliche Liturgie gestartet zu haben.“

Die Glaubenswächterin sollte allerdings nicht versäumen, auch gleich den Papst zu verurteilen. Hat doch Benedikt XVI. in seinen Erinnerungen zum fast vollständigen Verbot des alten Missale anlässlich der Veröffentlichung des Missales Pauls VI geschrieben: „Das nun erlassene Verbot des Missale, das alle Jahrhunderte hindurch seit den Sakramentaren der alten Kirche kontinuierlich gewachsen war, hat einen Bruch in die Liturgiegeschichte getagen, dessen Folgen nur tragisch sein konnten.“

Im übrigen scheint die „offizielle Kirche“ Frau Stockingers militante Ausgrenzung des Schriftstellers Mosebach aus der Kirche nicht zu folgen. Mosebach war auf persönliche Einladung von Kardinal Marx der Festredner beim diesjährigen Aschermittwoch der Künstler in München. Frau Stockinger holt nochmals aus und sagt: „Die antitkirchliche Haltung dieses ästhetischen Katholizismus ... bestätigt sich auch in Mosebachs Bekenntnis ‘Animist‘ zu sein, also die Beseelung der anorganischen und organischen Natur anzunehmen.“ Damit habe sich Mosebach als Vertreter der modischen „Patchwork-Religion“ entlarvt, der “problemlos Elemente des vorvatikanischen Katholizismus mit bevorzugt magischen Elementen von Naturreligionen kombiniert“ sowie sich durch eine „elitäre Kultpraxis“ verdächtig macht. Eigentlich geht es dabei um Folgendes: Mosebach er weitert das Glaubensbekenntnis um den Satz: „Ich glaube daran, dass mir die Eindrücke meiner Augen und Ohren treffende Nachrichten über die Wirklichkeit geben.“

Dieses Bekenntnis ist darum so wichtig, weil die heutige Neurowissenschaft und die Evolutionsbiologie dabei ist, uns unsere menschliche Wirklichkeitserfahrung wegzuerklären. Darum nennt sich Mosebach einen „Animisten“: „.... höre ich das Lied der Amsel am Abend, das bekanntlich gar kein Lied, sondern eine die Evolution begünstigende Geräuschentfaltung ist, und den fernen Klang der Kirchenglocke, bei der eine Maschine den Klöppel auf ein Stück Bronze haut, als eine mir bestimmte, wenn auch unentschlüsselbare Nachricht.“

Daraus folgert Mosebach: “Ich stehe auf der tiefsten Stufe der Menschheitsgeschichte. Ich bin Animist.“ Von einer Professorin für Neuere deutsche Literatur darf man wohl kein Vorwissen in Erkenntnistheorie erwarten, wohl aber die Kenntnisse der Ästhetik, Naturphilosophie und Geschichtsphilosophie der Romantik Ist das Gedicht „Schläft ein Lied in allen Dingen,/ Die da träumen fort und fort,/ Und die Welt hebt an zu singen,/ Triffst du nur das Zauberwort“ Animismus? War der katholische Dichter Eichendorff ein Animist? Dann sind Dante, Calderon, Shakespeare, Goethe, Tieck und Novalis auch Animisten!

Mosebach befindet sich also mit seinem „Animismus“ in bester abendländischer Gesellschaft. Wie sich die Mittelaltersehnsucht der Romantiker nicht auf eine reale Geschichtsepoche bezog, sondern auf die Wiedergewinnung all dessen, was mit der anbrechenden Moderne verloren zu gehen drohte, so ist das Anliegen Martin Mosebachs, die Kirche auf schwerwiegende Verluste aufmerksam zu machen, die seiner Meinung nach ihr Wesen und damit. ihre Sendung in der Welt gefährden. Darum wäre es für die Kirche verhängnisvoll, Mosebach nicht anzuhören. Abschließend unterstellt die Verfasserin Mosebach noch, dass er eigentlich keine Überzeugung hat, an der er unbedingt festzuhalten gewillt ist, sondern dass es ihm „eigentlich“ nur um seinen „Standortvorteil“ gehe, um „auf dem Markt der Möglichkeiten eine Aufmerksamkeit sichernde Position zu besetzen.“ Der beschämende und theologisch indiskutable Versuch, Mosebach zu diskreditieren, entspricht nicht den argumentativen Mindestanforderungen, die man von einer theologischen Zeitschrift des Jesuitenordens erwarten darf.

Diese Rezension erschien zuerst in der Tagespost vom 2. August 2012. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung. Die beiden Überschriften stammen von mir (PER).

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