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Peter Bürgers verräterische Papstkritik

Von P. Engelbert Recktenwald

Der römisch-katholische Theologe Peter Bürger, engagiertes Mitglied von Pax Christi (2011 war er Referent auf der Freiburger Diözesanversammlung), schreibt in seiner “Würdigung” des Pontifikats Benedikts XVI. auf Telepolis (Joseph Ratzinger schenkt der Kirche eine neue Freiheit) unter anderem:

“Joseph Ratzinger ist in seiner Theologie, deren vermeintliche Genialität von überspannten Geistern immer wieder bis ins Unermessliche gerühmt worden ist, ganz auf das ‘griechische Dogma’ der staatskirchlich gelenkten Konzilien ab dem 4. Jahrhundert fixiert. Hier wiederum folgt er in der Auslegung nur einer ganz bestimmten neuplatonischen bzw. augustinischen Richtung, der zufolge Himmel und Erde bzw. Gott und Mensch miteinander kaum in ein wirkliches Gespräch eintreten können. Ein Problembewusstsein, wie es sich aus dem aktuellen Forschungsstand zu Hellenismus und ‘Hellenisierung’ ergibt, ist beim Papst nicht zu erkennen.”

Es ist aufschlussreich, zu sehen, was herauskommt, wenn modernistische Theologen jene Themen in den Blick nehmen, die den eigentlichen Kern der heutigen Glaubenskrise markieren. Das sind nicht die ausgereizten Fragen, ob Priester heiraten oder Frauen predigen dürfen, sondern wer Jesus Christus ist. Die ersten Konzilien von Nizäa bis Chalkedon haben diese Frage in einem gewaltigen geistigen Ringen um die Auslegung der Offenbarung beantwortet. In den großen Dogmen über die wahre Menschheit und Gottheit Jesu als des Fleisch gewordenen Logos haben sie den Grund freigelegt, auf dem der christliche Glaube nicht nur der katholischen Kirche, sondern auch noch der der Orthodoxen und der Reformatoren ruht. Erst im liberalen Protestantismus eines Baur, Harnack oder Bultmann wurde dieser Grund infragegestellt, indem die christologischen Dogmen als Produkt der Hellenisierung des Christentums interpretiert wurden, also seiner Verfremdung durch griechisches Denken.

Ratzinger hat sich als Theologe sein Leben lang mit dieser These auseinandergesetzt, so etwa schon 1967 in Heilsgeschichte, Metaphysik und Eschatologie (wiederabgedruckt in seiner Theologischen Prinzipienlehre). Dass er die zu ihrer Zeit gängige Hellenisierungsthese nicht einfach unkritisch übernommen hat, ist kein Zeichen mangelnden Problembewußtseins, sondern seiner Fähigkeit zu selbständiger Reflexion unabhängig von modischen Trends. Wenn Bürgers Vorwurf aber darauf zielen sollte, dass Papst Benedikt XVI. kein Problem mit der Gottheit Jesu habe, dann ist dies ein ehrender Vorwurf, der schlagartig die wahre Dimension der heutigen Glaubenskrise beleuchtet: Es geht nicht um Randthemen, sondern um die Mitte unseres Glaubens: Wer ist Jesus Christus? Ist er der Sohn Gottes, der Mensch wurde, um uns zu erlösen, oder der Bürgersche “Lebensliebhaber”, der die Menschen lehrte, durch die gemeinschaftliche “Annahme ihrer Bedürftigkeit” “ihre Schönheit” zu “entfalten”, der aber keineswegs leiblich auferstanden sei?

Der Verlust der transzendenten Dimension des Glaubens erklärt dann auch die Verständnislosigkeit gegenüber der Kirche und ihren Aufgaben. Aus dem Schutz des Glaubens gegen seine Reduzierung auf den Klassenkampf (Verurteilung der Befreiungstheologie) wird dann eine Parteinahme für die Mächtigen und Reichen. So reiht sich Unterstellung an Unterstellung. Das Papsttum nennt er ein fetischartiges Sakralinstitut, die kirchliche Lehre über das Priestertum “lateinische Amtspriester-Ideologie”, den Weltkatechismus ein Dokument fundamentalistischer Engführung. Bürgers Vorwürfe dokumentieren nicht etwa eine kritische Auseinandersetzung mit der Theologie Papst Benedikts, sondern nur das eigene Unverständnis für die Essentials des katholischen Glaubens.

Natürlich fehlt auch nicht der Vorwurf der Machtausübung über andere Menschen. Dagegen hatten 2010 anläßlich der Bilanzierung der ersten fünf Pontifikatsjahre Benedikts die Professoren Otto Kallscheuer und Karl Gabriel dem Papst Führungsschwäche vorgeworfen. Er habe nie ein Machtwort gesprochen. Diese Vorwürfe erscheinen nur solange einander widersprechend, wie man nicht durchschaut, dass man dem Papst vorwirft, dass er tut, was er, und unterlässt, was seine Kritiker für richtig halten. Im ersten Fall wirft man ihm Macht, im zweiten Ohnmacht vor.

Der Papst ist katholisch. Das ist es, woran sich die radikalsten seiner Kritiker stoßen. Hoffentlich wird sich daran nie etwas ändern.


Markus Reder: Aufbruch zum Wesentlichen. Über das Pontifkat Benedikts XVI.

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