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Aufbruch zum Wesentlichen

Ein Rückblick auf das Pontifikat Benedikts XVI.

Mit dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. endet eine Ära, die weit vor dessen eigenes Pontifikat zurückreicht. Nicht zuletzt deshalb bedeutet diese Stunde eine gewaltige Zäsur für die katholische Kirche. Gemeinsam mit dem seligen Johannes Paul II. hat der deutsche Pontifex einen Weg bereitet, auf dem die Kirche sicheren Fußes in die Zukunft gehen kann.

Von Markus Reder

Ausgerechnet Aschermittwoch. Kann das ein Zufall sein? War das die heimliche Regie des Papstes? Oder hat hier der Himmel die Hand im Spiel? Was für ein Zeichen: Am Tag, da die Kirche die österlichen Bußzeit beginnt, feiert Papst Benedikt XVI. seine letzte große öffentliche Eucharistie im Petersdom. Am 28. Februar wird er zurücktreten. Er wird sich zunächst nach Castel Gandolfo zurückziehen, ehe er in einem Kloster im Vatikan ein Leben des Gebetes führen möchte.

Noch immer ist es unvorstellbar, seine vertraute Stimme, seinen gütigen Blick, die Klarheit und Weisheit seiner Worte plötzlich nicht mehr hören zu können. Der Schock, der die katholische Welt am Montag mit der Rücktrittsankündigung Benedikts XVI. durchfuhr, er sitzt noch immer tief. Nur mühsam gelingt es zu verarbeiten, was da völlig unerwartet geschehen ist. Das geht einfachen Gläubigen nicht anders als den Kardinälen, die nun in Kürze zusammentreten werden, um aus ihren Reihen einen neuen Pontifex zu wählen.

Ausgerechnet Aschermittwoch: Es wird eine besondere Fastenzeit werden in diesem von Papst Benedikt ausgerufenen „Jahr des Glaubens“. Eine Fastenzeit, wie sie die Kirche so noch nicht erlebt hat. Eine Zeit der Buße und Erneuerung, die auf Ostern vorbereitet. Auf ein Osterfest, das nach dem Amtsverzicht Benedikts mit einem neuen Papst begangen wird.

Spiegelt sich in dieser so besonderen Fastenzeit des Jahres 2013 nicht zeichenhaft das große Pontifikat des Heiligen Vaters? War seine gesamte Amtszeit nicht wie ein immer neu ertönender gewaltiger Ruf nach Erneuerung, Vertiefung, Verinnerlichung, nach einem Aufbruch der Kirche hin zum Wesentlichen? Hin zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn, den allein es zu verkündigen gilt, weil nur er die eine heilende und befreiende Antwort auf die Nöte und Leiden der Menschen in dieser aus den Fugen geratenen Welt ist.

Ausgerechnet Aschermittwoch: In dieser besonderen Fastenzeit 2013 sind Dimensionen berührt, die menschliches Begreifen und Verstehen-wollen weit übersteigen. Wir sind nicht nur staunend Zeugen eines einzigartigen Momentes der Kirchengeschichte. Für Gläubige, die den lebendigen Gott in seiner Kirche wirksam wissen, ereignet sich hier „auf offener Bühne“ ein Stück Heilsgeschichte. Noch sitzt der Schock über die Rücktrittsankündigung tief, aber da ist auch ein Gefühl für die Größe und Dramatik dieser Stunde der Kirche.

Mit dem Rückzug Benedikts endet nicht nur die achtjährige Amtszeit des deutschen Pontifex. Das „Doppelpontifikat“ Wojtyla- Ratzinger findet seinen Abschluss. Darin besteht die eigentliche Zäsur für die Kirche. Seit 1981 hat Joseph Ratzinger zunächst als Präfekt der Glaubenskongregation und enger Berater des seligen Papst Johannes Pauls II. die Geschicke der Weltkirche maßgeblich mitbestimmt, ehe er 2005 selbst auf den Stuhl Petri gewählt wurde. Was jetzt zu Ende geht, das ist kein Pontifikat des Übergangs. Dafür sind acht Jahre eine viel zu lange Zeit. Aber um das ganze Ausmaß dieser historischen Zäsur zu erfassen, muss man weit über diese acht Jahre Benedikts im Petrusdienst zurückblicken. Eben bis zu den Anfängen der Tätigkeit von Kardinal Ratzinger an der Seite des polnischen Papstes in Rom.

Für viele fühlt es sich an, als sei ihnen mit dem Rücktritt des „Santo Padre“ Benedetto der geistliche Vater abhanden gekommen. Ein Vater, an dem man sich stets orientieren konnte, weil er ebenso klug wie fromm war, weil er lebte, was er verkündete, weil er sich nicht beugte, wenn seine Kritiker auf ihn eindroschen, weil man an ihm sehen konnte, dass Demut nicht klein, sondern in Wahrheit groß macht.

Es wird eine Zeit dauern, bis sich die Traurigkeit darüber, dass dieser große Papst nun aus freien Stücken den Fischerring abgibt, in Dankbarkeit wandelt. Aber Dankbarkeit ist die richtige Reaktion. Danken wir Gott für diesen Papst, der das Steuer des Schiffes Kirche in stürmischen Zeiten sicher auf dem Kurs des Evangeliums hielt.

„Professor Papst“ war ein überragender Lehrer des Glaubens, verständlich in der Sprache, klar im Bekenntnis, bestechend in seiner Logik, grenzenlos in den Weiten seines Geistes. Nichts braucht die Kirche in dieser Zeit dringender als die Festigung und Erneuerung des Glaubens, der in weiten Teilen einstmals christlicher Kernländer sich verflüchtigt hat. Die große Bedeutung des Pontifikates von Papstes Benedikt gerade im Blick auf die Erneuerung des Glaubens und der Theologie wird sich erst aus der Distanz von Jahren, vielleicht Jahrzehnten zeigen. Doch schon jetzt ist erkennbar, welchen ungeheuren Schatz der Heilige Vater der Kirche in die Hände legt: Seine Enzykliken, die Jesus-Bücher, die zahllosen Ansprachen, Predigten und Verlautbarungen, ein theologisches Gesamtwerk, dessen Wert kaum zu ermessen ist. Da fällt reicher Samen in das Erdreich der Kirche. Wie groß die Frucht am Ende wird, hängt davon ab, wie sehr man den Samen pflegt.

Hier wird man in der Rückschau gerade auch im deutschen Sprachraum einräumen müssen, dass viele – auch in der Kirche – den Sämann Benedikt alleingelassen haben. Mehr noch: Sie haben das Erdreich betoniert, statt gelockert und Gift gespritzt, statt geistlichen Dünger zu geben. Auch das gehört zur Geschichte der Ratzinger-Ära.

Fest steht freilich: Die Deutungshoheit über dieses Pontifikat haben nicht die ergrauten Zwerge und peinlichen Dummschwätzer, die nun in Talkshows über einen Geistesgiganten „zu Gericht sitzen“. Die Bedeutung der Amtsjahre des Ratzinger-Papstes wird die Geschichte zeigen. Doch schon heute lässt sich erkennen: Mit den Pontifikaten von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ist ein fester Grund gelegt, auf dem die Kirche sicheren Fußes in die Zukunft pilgern kann.

Wer die Schriften Joseph Ratzingers liest, dem begegnet einer der größten Intellektuellen unserer Zeit: rationaler als der Rationalismus, aufgeklärter als die Aufklärung, vertraut mit der Geistesgeschichte Europas, ein Geistlicher, der die Denker unserer Zeit zu Ende zu denken weiß, dem die Großen des Mittelalters und der Antike ebenso vertraut sind wie die Gestalten der Bibel. Ein Theologe, der die Gottsuche der Religionen wie der Philosophen kennt, und dem es ein Herzensanliegen ist, mit der christlichen Antwort auf die ewige Suche des Menschen nach Gott alte und neue Wege zum Sinn zu erschließen.

Unter Benedikt XVI. ist ein neues Bewusstsein dafür gewachsen, dass Ökumene nicht nur den Dialog mit dem Protestantismus meint, sondern in besonderer Weise die Orthodoxie einschließt. Papst Benedikt hat den Dialog mit dem Judentum vertieft und Neues gegenüber dem Islam gewagt. Dem entsetzlichen Skandal des sexuellen Missbrauchs in der Kirche ist er mit jener absoluten Null-Toleranz-Linie begegnet, die schon sein Wirken als Präfekt der Glaubenskongregation gekennzeichnet hat. Als Papst der Vernunft wird er in die Geschichte eingehen, als einer, der Glaube und Vernunft zu versöhnen suchte, um die „Diktatur des Relativismus“ zu brechen. Wegweisend warnte er vor den Pathologien der Vernunft und der Religion.

Der Blick auf Gott – theologisch formuliert: seine Christozentrik – ist der eigentliche Schlüssel zum Verständnis Ratzingers. Deshalb zerbersten an diesem Felsen Petri Kategorien wie „konservativ“ und „progressiv“. Es ging diesem Papst nie darum, zeitgemäß oder opportun zu handeln, sondern dem Evangelium gemäß, weil er weiß, dass es Gott ist, der den Menschen zu seiner wirklichen Freiheit befreit. Hierin liegt seine Berufung und Sendung, wie auch seine Stärke und Glaubwürdigkeit. Der Papst ist nicht Diplomat, Politiker oder Schauspieler, auch nicht „Integrationsfigur“ oder Massentherapeut, sondern „Vicarius Christi“.

Der katholischen Kirche in Deutschland hat er mit seiner Freiburger Konzerthausrede eine „Magna Charta“ der Erneuerung hinterlassen. Sich frei machen von allem, was den Blick auf Christus verstellt, um frei zu sein für die Sorgen und Nöte der Menschen in dieser Welt: Das meint der Papst mit Entweltlichung. Christus verkünden in der „totalen Redlichkeit“ des Evangeliums: Dieses Beispiel hat Papst Benedikt gegeben in Wort und Tat. In beispielhafter Demut und überragender intellektueller Brillanz. Welch ein Segen für die Kirche, welch ein Segen für die Welt.

Der Artikel erschien unter dem Titel Gott sei Dank für diesen Papst am 14. Februar 2013 in der Tagespost. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.


Stimmen zur Persönlichkeit und zum Pontifikat Papst Benedikts XVI.

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