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Die Titus Oates-Verschwörung (Fortsetzung)

Von Joseph Spillmann

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9. Kapitel: Die Hinrichtung der fünf Jesuiten

Acht Tage waren seit dem Bluturteil über die fünf Jesuiten verflossen. Die dem Tod durch Henkershand Geweihten verbrachten diese kurze Zeit in ernster Vorbereitung auf den Hintritt vor Gott; solche, denen es vergönnt war, die Verurteilten in ihren Kerkern in der Newgate zu sehen, redeten mit Bewunderung von ihrer Freudigkeit und Seelengröße. Doch lag es den Verurteilten fern, ihr Leben auch um der Gerechtigkeit und des Glaubens willen einfach und blindlings hinzuwerfen; sie glaubten sich verpflichtet, das himmelschreiende Verbrechen der Vollstreckung dieser neuen Justizmorde vom König abzuwenden, solange sie es nur mit gutem Gewissen konnten, und richteten daher ein gemeinschaftliches Bittgesuch an Karl II., in welchem sie ihn unter Beteuerung ihrer Unschuld baten, das Todesurteil doch wenigstens in ewige Verbannung umzuwandeln.

“In Anbetracht, dass das schreckliche Todesurteil wegen beabsichtigter Ermordung Ihrer geheiligten Majestät über uns gefällt ist,” heißt es in dieser Bittschrift, “halten wir es für unsere Pflicht, solange wir noch in dieser Welt leben, einmütig und von Herzen zu erklären, dass wir, wenn ein so abscheulicher Plan auch nur im mindesten jemals unsere Herzen, Gedanken, Worte oder Taten befleckte, auf ewig jeder Gnade entraten wollen, welche unser gebenedeiter Erlöser durch sein Leiden und Sterben für uns verdiente. … Zur Beteuerung dieser Wahrheit bitten wir den allmächtigen Gott, er möge bei dem Ende, das uns so nahe bevorsteht, seine Barmherzigkeit nur in dem Maße uns bezeigen, als diese unsere Worte, die Worte von Sterbenden, wahrhaft sind. Und bei dieser Erklärung verzichten wir alle in der Gegenwart des lebendigen Gottes, Ew. geheiligten Majestät und der ganzen Welt, und verabscheuen und sagen uns feierlich los und ledig von jeder Erlaubnis oder Dispens, die Unwahrheit sagen zu dürfen, wie man uns dessen beschuldigen will, oder wie man behauptet, wir hätten einen solchen Dispens, oder er würde uns noch gegeben, entweder vom Papst oder vom römischen Stuhl oder von was immer für einer Gerichtsbarkeit.”

So beteuerten die fünf Blutzeugen Karl II. ihre Unschuld und protestierten gegen die lächerliche Behauptung, sie dürften mit päpstlichem Dispens auch im Tode noch lügen. Der König war von ihrer Schuldlosigkeit völlig überzeugt, hatte aber Shaftesbury und dessen Partei gegenüber nicht den Mut, das Bittgesuch der ungerecht Verurteilten zu gewähren. Ihr Tod sollte wiederum seine politischen Schwierigkeiten ebnen. Der anglikanische Bischof Burnet sagt in der “Geschichte seiner eigenen Zeit” mit dürren Worten: “Der König sah die Notwendigkeit, ein anderes Parlament zu berufen; deshalb wurde mit der Verfolgung des Komplottes noch fortgefahren.” Derselbe in diesem Punkte höchst unverdächtige Zeuge schreibt über die fünf verurteilten Jesuiten: “Ein sehr eifriger Protestant, der sie im Gefängnis oft besuchte, erzählte mir, dieselben hätten sich mit großem Anstand benommen und durchaus den Eindruck nicht nur von Unschuld, sondern auch von Frömmigkeit auf ihn gemacht.”

Am Vorabend der Hinrichtung begab sich Shaftesbury nach der Newgate und versuchte die beiden jüngsten Patres, Green und Turner, nochmals zu einem Meineid. Er habe für sie volle Begnadigung vom König erhalten, sagte er, unter der Bedingung, dass sie die Verschwörung eingestehen wollten. P. Green gab in seinem und seines Gefährten Namen die Antwort: niemals sei ihnen das Leben des Leibes um das Leben der Seele käuflich, und beide erklärten feierlich, auch nicht das Geringste vom Bestand einer solchen Verschwörung zu wissen. Wütend zog sich der Versucher zurück. Wiederum hatte er sich in seiner Annahme verrechnet, es würde sich unter den vielen Gefangenen schon ein Schwächling finden, dem die Todesangst eine bis jetzt umsonst gesuchte Bestätigung des Komplottes erpressen werde.

Doch der Tag des letzten Streites brach für die fünf Blutzeugen endlich an. Es war Freitag, der 20./30. Juni 1679. Dem Urteil gemäß wurden sie auf Schleifen gebunden; auf der ersten lagen P. Provinzial Whitebread und P. Rektor von London Harcourt, auf der zweiten die PP. Green und Turner, auf einer dritten endlich P. Fenwick. So wurden sie von der Newgate in der City durch das heutige Westende, damals noch meist Garten und Wiesenland, die fast endlose Oxfordstreet hinaus nach Tyburn geschleift. Der Galgen von Tyburn stand etwa hundert Schritte von der Stelle, wo heute der “Marble Arch” des Hyde Park prunkhaft sich erhebt. Wenn London wieder katholisch wird, so muss es an dieser Stelle, die von dem Blut von Hunderten seiner Märtyrer gerötet wurde, seinen heldenmütigen Söhnen eine Kirche bauen. – Die Straßen von der Newgate bis nach Tyburn waren an jenem Junimorgen von einer großen Menge erfüllt, und namentlich um den Galgen her drängte und wogte ein unabsehbares Menschenmeer. Eine Abteilung Soldaten umgab die Schleifen, und voraus zog eine Schar Trommler und Pfeifer, den Todeszug wie zum Hohne mit lustigen Weisen begleitend. Wenn Shaftesbury und seine Partei meinte, der Aufzug werde den Glauben an die Verschwörung im Volke neu bekräftigen, so hatte er sich auch hierin verrechnet. Bei der Gerichtsverhandlung hatten rasende Fanatiker den Saal mit Hohn- und Wutgeschrei erfüllt: hier aber, wo das Volk die Verurteilten so voll Ergebung, Ruhe und heiliger Freude sah, verstummte bald das vereinzelte Pfeifen und Lästern, das die Opfer anfangs begrüßt hatte. Augenzeugen erzählten, es habe sich eine unheimliche Ruhe und das Gefühl von dem himmelschreienden Unrecht, das hier verübt werde, über die Menge gelagert, und der Zug nach Tyburn sei einem Leichenzuge ähnlicher gewesen als der Ausführung von Verbrechern, deren Tat der Gegenstand des öffentlichen Abscheues hätte sein müssen. Man bemitleidete sogar laut ihr unverdientes Schicksal, so dass der ehrwürdige P. Green mild lächelnd die guten Leute tröstete: “Es kommt wenig darauf an, ob wir so oder so sterben, wenn wir nur in den Himmel kommen.” P. Keynes S.J., welcher der Hinrichtung verkleidet beiwohnte, erzählt u. a. von der Frau eines protestantischen Predigers, welche beim Anblick der Verurteilten in einen Strom von Tränen ausbrach und sofort nach Hause eilend sagte: “Ich werde mich nie bereden können, dass diese Männer, die ich so ruhig und bescheiden mit meinen Augen sah, des Hochverrates schuldig seien.”

Endlich war Tyburn erreicht. Die fünf Patres bestiegen mutig den Henkerkarren und schickten sich an, der Sitte gemäß zu der unabsehbaren Volksmenge zu sprechen. Der Untersheriff wollte ihnen diese Gunst nicht gewähren; da erhob sich aber ein so furchtbarer Tumult, dass er gezwungen dem Volke willfahrte. So richteten sie der Reihe nach ihre letzten Worte an die lautlos horchende Menge. Die Reden der Sterbenden machten einen ungeheuren Eindruck: Alle erklärten feierlichst ihre Unschuld, verziehen ihren Feinden, beteten für ihre Mörder, für den König und das ganze irregeleitete England. Um den Glauben an die Verschwörung, der in der öffentlichen Meinung bereits zu schwanken begann, wiederum zu stärken, beschloss Shaftesbury, die Reden der Verurteilten selbst zu veröffentlichen, und so wurden sie unmittelbar nach der Hinrichtung in London gedruckt; eine Vorrede, welche sich in die Worte zusammenfallen lässt: “Seht, so lügen sterbende Jesuiten!” sollte sie für den protestantischen Leser in das rechte Licht stellen. So verdanken wir dem Feind den Wortlaut dieser letzten Reden unserer Blutzeugen.

Wir müssen uns mit einigen wenigen Stellen aus den uns erhaltenen und von den Feinden selbst als authentisch beglaubigten Reden der Sterbenden begnügen. Zunächst sprach P. Provinzial Whitebread. Mir großer Ruhe und in schlichter Rede beteuerte er seine Unschuld und betete für seine Feinde; namentlich gedachte er des Königs und forderte alle Katholiken zum Gehorsam gegen denselben auf:
“Ich bitte Gott, Seine Majestät zu segnen”, flehte er, “sowohl hienieden als in Ewigkeit und seine Gnade auszugießen über unser Heimatland. Das war mein tägliches Gebet für ihn und das die ganze Schuld, deren ich mich gegen ihn in meinen Absichten oder Gedanken schuldig weiß. Und ich erkläre feierlich mit diesem meinem letzten Atemzug, dass ich niemals lernte oder lehrte oder glaubte oder dass irgend einer als Katholik glauben kann, es sei unter was immer für Umständen oder Vorwänden erlaubt, den Tod Sr. Majestät zu planen oder auszuführen oder sonst wie seine Person zu verletzen. Nein, im Gegenteile! Alle sind verpflichtet, ihm zu gehorchen, ihn zu verteidigen und seine geheiligte Person mit dem Aufgebot aller ihrer Kräfte zu beschützen. Und im Angesicht dessen, der die innersten Falten meines Herzens durchforscht und so wahr ich sein heiliges Antlitz zu schauen hoffe, erkläre ich ferner ohne alle Zweideutigkeit oder geistigen Vorbehalt oder eine andere Deutung meiner Worte: das ist die wahre und aufrichtige Gesinnung meiner Seele. Sonst habe ich über meine Verurteilung und meinen Tod nichts mehr zu sagen. Es erübrigt mir nur noch, meine Seele in die Hände meines gnadenreichen Erlösers zu empfehlen, durch dessen Verdienste und Leiden ich allein Rettung hoffe.”

P. Harcourt, der greise Rektor von London, betonte namentlich, wie falsch die immer wiederholte Behauptung sei, als lehrten die Jesuiten, der Zweck heilige die Mittel:
“Ich verabscheue und verwerfe von ganzem Herzen die verabscheuungswürdige, falsche Lehre, die man uns aufbürdet, als könnten wir Ermächtigung zu Meineid oder zu irgend einer andern Sünde erhalten, welche unserem Ziele nützlich wäre; ein solcher Satz läuft ja schnurstracks der Lehre des hl. Paulus entgegen, der da sagt: ‘Non sunt facienda mala, ut eveniant bona’, man darf nicht Böses tun, damit Gutes daraus entstehe.
[Es gibt moderne Moraltheologen, die diese Lehre nicht mehr verabscheuen] Und deshalb halten wir den Totschlag oder Mord in allen Fällen für unerlaubt, namentlich aber die Ermordung unseres rechtmäßigen, jetzt herrschenden Königs, dessen Person und zeitliche Herrschaft wir bereit sind mit Gut und Blut gegen jeden Feind ohne alle Ausnahme zu verteidigen.”

Ebenso entschieden wie seine Mitbrüder beteuerte der ehrwürdige P. Fenwick seine Unschuld. “Vor Gott und der ganzen Welt erkläre ich”, sagte er unter anderem, “und rufe Gott zum Zeugen, dass ich die Wahrheit rede und dass ich so unschuldig wie das Kind im Mutterschoße an all dem bin, was man mir zur Last legte (bezüglich einer Verschwörung gegen das Leben des Königs und der Landung einer feindlichen Macht), und dass ich nichts von solchen Plänen weiß, als was ich aus dem Munde Mr. Oates’ und seiner Gefährten hörte und was sie selbst erfunden haben.”

Da unterbrach ihn der Sheriff: “Wie? Wäre es nicht besser, Ihr würdet Euer Leben reumütig beschließen? Seht doch zu, ob Eure Briefe nicht mit ihrem Zeugnisse übereinstimmen! Aber das ist etwas ganz anderes!”

P. Fenwick antwortete: “Ich versichere Euch, jeder Gedanke an Verrat ist mir im innersten Herzen verhasst. Immer und zu jeder Zeit habe ich solche teuflische Pläne, wie einen Königsmord, als Verbrechen gehalten. Und wenn ich jetzt nicht meine heiligste Überzeugung ausspreche, so soll mir Gott keinen Teil an seiner Herrlichkeit geben.”

Sheriff: “Ach was! Gerade solche Reden haben die Mörder Sir Edmundbury Godfreys geführt!”

P. Fenwick: “Was Sir Edmundbury Godfrey angeht, so beteure ich vor Gott, dass ich nichts von dieser Sache weiß. Nie in meinem Leben sah ich den Mann.”

Sheriff: “Wie? Ich meinerseits bin überzeugt, dass Ihr die Hand im Spiele hattet.”

P. Fenwick: “Glaubt Ihr denn, dass ich im Begriffe zu sterben durch einen Meineid meine Seele der Verdammnis überliefern wollte?”

Sheriff: “Wie? Nun ich wünsche Euch alles Gute; aber ich versichere Euch, ich glaube kein Wort von all dem, was Ihr da redet.”

Statt einer Antwort auf diese Beleidigung sagte der Sterbende: “Täglich bete ich für Se. Majestät und wünsche dem König von Herzen alles Gute. Von ganzer Seele verzeihe ich allen meinen Anklägern. Wenn die Richter oder die Geschworenen ein Unrecht taten, verzeihe ich ihnen von ganzer Seele; ebenso allen Personen, die direkt oder indirekt meine Verurteilung veranlassten. Sehr gern und ganz bereit leide ich diesen Tod. Ich bitte, Gott möge mir meine Sünden verzeihen und meine Seele retten. Man hat ausgestreut und allgemein wird es für wahr gehalten, man könne den Römisch-Katholischen weder glauben noch trauen, da dieselben Dispens für Lüge, Meineid, Königsmord und alle andern abscheulichen Verbrechen hätten. Ich aber will von derartigen Dispensen und Erlaubnissen nichts wissen und verabscheue solche Lehren und erkläre feierlich, dass das nur eine verruchte und überaus böswillige Verleumdung ist, die man gegen uns Katholiken ersonnen hat. Aus ganzem Herzen und ganzer Seele hassen und verabscheuen wir alle derartige falsche und verwerfliche Lehren. Das sind die die Worte eines Sterbenden, und so wahr ich Barmherzigkeit von der Hand Gottes erhoffe, vor dem ich alsbald zu erscheinen habe, um Rechenschaft über alle meine Werke abzulegen: beteure ich nochmals, dass ich die Wahrheit rede und ich hoffe von eurer Christenliebe, Ihr werdet nicht so bös von mir denken, dass ich durch die letzte Handlung meines Lebens meine Seele wegwerfen und ihr mit dem letzten Hauche meines Mundes durch eine verruchte Lüge das Siegel der Verdammnis aufdrücken wollte.”

Nach P. Fenwick ergriff der ehrwürdige P. Green das Wort. Seine feurige Ansprache rief in den Zuhörern eine große Bewegung hervor. Der Sterbende sagte:
"Von Herzen geliebte Landsleute! Ich bin beim letzten Auftritt meines sterblichen Lebens angelangt, in der Stunde meines Todes, in einer Stunde, welche die Grenzmarke zwischen Zeit und Ewigkeit bildet; in einer Sunde, die mich entweder zu einem Sterne machen wird, der ewig am Himmel leuchtet, oder zu einem Feuerbrande, der endlos unter den Verdammten in der Hölle brennen muss; in einer Stunde, die, in der ich noch auf Barmherzigkeit hoffen darf, wenn ich meine Missetaten mit wahrer Reue bekenne, in der ich aber die ewige Verdammung zu erwarten habe, wenn ich sie lügnerisch in Abrede stelle. Deshalb hoffe ich, dass ihr glauben werdet, was ich in dieser großen Stunde euch sage. In dieser Stunde also schwöre und erkläre und beteuere ich feierlichst bei allem, was es Heiliges gibt im Himmel und auf Erden, und so wahr ich Gottes Angesicht in seiner Glorie zu schauen hoffe, dass ich so unschuldig bin wie das Kind im Mutterschoße, an all den hochverräterischen Verbrechen, welche Mr. Oates und Mr. Dugdale vor Gericht gegen mich beschworen haben, und für welche am Tage nach der Verhandlung das Todesurteil über mich gesprochen wurde. Und damit ihr von der Wahrhaftigkeit dieser meiner Aussage überzeugt seid, erkläre, beteuere und schwöre ich in gleicher Weise, so wahr ich das Antlitz Gottes in seiner Glorie zu schauen hoffe, dass ich in meinen Worten an euch mich keiner Zweideutigkeit oder geistigen Vorbehaltes (Mentalreservation) oder rein materieller Redeform oder irgend sonst einer Ausflucht bediene, um die Wahrheit zu bemänteln. Ebenso wenig gebrauche ich einen Dispens vom Papst oder von sonst irgend welcher Person, oder rede so, weil ich eidlich gelobt hätte, das Geheimnis nicht zu verraten, oder rechne auf irgend eine Lossprechung, sei es im Beichtstuhle oder außerhalb des Beichtstuhles, für die Verleugnung der Wahrheit, sondern ich bediene mich des gewöhnlichen Sinnes der Worte, und wenn ich ihnen einen anderen Sinn beilege, um die Wahrheit zu bemänteln oder zu verbergen, so wünsche ich von ganzem Herzen, dass Gott mich von seiner himmlischen Glorie ausschließe und mich zum tiefsten Abgrunde des höllischen Feuers verdamme. Soviel über diesen Punkt.

Und nun, liebe Landsleute, bekenne ich zweitens, und gestehe vor der ganzen Welt, dass ich ein römischer Katholik bin, ein Priester und zwar ein Priester aus dem Orden der so genannten Jesuiten. Da man nun diesen so fälschlich beschuldigt, als billige er die Lehre vom Königsmord, halte ich es für meine Pflicht, mit meinen letzten Sterbeworten mich feierlich dagegen zu verwahren, als ob ich oder die Jesuiten im allgemeinen einer solchen Lehre huldigten: im Gegenteil, wir verabscheuen und verwerfen sie mit ganzer Seele. Und ich versichere euch, dass es in der großen Menge von Schriftstellern unter den Jesuiten, welche Werke über Philosophie, Theologie, Kasuistik oder Predigten veröffentlichten, auch nicht einen einzigen gibt, soviel mir wenigstens bekannt ist, der die Lehre vom Königsmord billigte oder den Satz verteidigte: es sei einer Privatperson erlaubt, einen König zu töten, wenigstens in dem Falle, dass derselbe ein Häretiker, ein Heide oder ein Tyrann wäre. Es gibt, ich wiederhole es, auch nicht einen einzigen Jesuiten, der das für erlaubt hielte, mit der alleinigen Ausnahme Marianas, eines spanischen Jesuiten, und auch dieser verteidigt den Satz nicht schlechthin, sonder nur problematisch, und selbst so wurde sein Buch zurückgezogen, diese Lehrmeinung ausgetilgt und mit Strafen belegt. Ist es nun nicht traurig, dass ein ganzer Orden verurteilt wird für die Unbesonnenheit eines einzelnen Mitglieds, und obschon alle übrigen laut gegen ihn Einsprache erheben und das Gegenteil von seiner Lehre halten? Doch ich habe keine Zeit, diesen Punkt ausführlich zu behandeln, und deshalb verweise ich euch alle an einen königlichen Gewährsmann, an den weisen und siegreichen König Heinrich IV. von Frankreich, den königlichen Großvater unseres gegenwärtig regierenden allergnädigsten Königs. Derselbe hielt eine öffentliche Rede zur Verteidigung der Jesuiten, und in dieser sagte er unter anderem, er sei mit der Lehre der Jesuiten in Betreff der Könige sehr zufrieden und dieselbe stimme mit der Lehre der geachtetsten Kirchenlehrer vollkommen überein. Doch was berufe ich mich auf das Zeugnis eines einzelnen Fürsten, da ja die ganze katholische Welt in diesem Punkte die Sachwalterin der Jesuiten ist? Vertrauen nicht Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Flandern ihnen die Erziehung ihrer Jugend in ausgedehntestem Maße an? Vertrauen sie nicht ihre eigene Seele im Richterstuhl der Buße deren Leitung an? Und könnt ihr euch vorstellen, so viele große Könige und Fürsten, so viele weise Staaten würden solches tun oder in ihren Reichen geschehen lassen, wenn die Jesuiten Männer von so verruchten Grundsätzen wären, wie man jetzt in England wähnt?

An dritter Stelle, liebe Landsleute, beteure ich, dass ich, wie es mir nie im meinem Leben einfiel, die Absetzung oder den Tod des Königs zu planen und herbeizuführen, so nun bei meinem Ende von ganzem Herzen zu Gott flehe, er möge ihm eine ruhige und glückliche Regierung auf Erden und eine ewige Krone im Himmel gewähren. Auch für die Richter, die Geschworenen und alle, welche in meinem Prozesse, meiner Anklage oder Verurteilung mitwirkten, bitte ich Gott, er möge ihnen zeitliches und ewiges Glück verleihen. Was Mr. Oates und Mr. Dugdale angeht, so rufe ich Gott zum Zeugen an, dass sie durch falsche Eide mich also vorzeitig morden. Von Herzen verzeihe ich ihnen, weil Gott mir zu verzeihen gebietet. Und ich bitte Gott um seiner unendlichen Barmherzigkeit willen, ihnen in dieser Welt wahre Reue und Zerknirschung zu verleihen, damit sie in der anderen Welt zur ewigen Glückseligkeit gelangen können. So habe ich meiner Pflicht gegen mich und meine Unschuld, gegen meinen Orden und seine Lehre, gegen meinen Nächsten und die Welt Genüge getan; es erübrigt mir nun nichts mehr, als mich selbst in die Arme deiner Erbarmung zu werfen, mein großer Gott! Ich glaube an dich, du eine göttliche Wesenheit und drei göttliche Personen; ich glaube, dass du in der zweiten Person der Dreifaltigkeit Mensch wurdest, um mich zu erlösen, und ich glaube, dass du der ewige Belohner des Guten und der ewige Bestrafer des Bösen bist. Kurz, ich glaube alles, was du geoffenbart hast, weil du die unendliche Wahrhaftigkeit bist. Ich hoffe auf dich über alles, weil du die unendliche Treue bist. Ich liebe dich über alles mit meinem ganzen Herzen, weil du die unendliche Schönheit und Güte bist, und von ganzem Herzen bereue ich es, dass ich dich, einen so großen Gott, jemals beleidigt habe. Mit Freuden bin ich bereit, den Tod der Schmach zu leiden, aus Liebe zu dir, mein süßer Jesus, und im Hinblick auf den Tod der Schmach, den du aus Liebe zu mir erdulden wolltest.“

Aus des ehrwürdigen P. Turners Ansprache endlich wollen wir nur das herrliche Gebet mitteilen, mit welchem er das Opfer seines Lebens in erhabenster Weise besiegelte:
"O Gott, der du mich zu einem übernatürlichen Ziele erschaffen hast, um dir in diesem Leben durch die Gnade zu dienen und dich im andern Leben durch die Glorie zu verherrlichen: würdige dich, durch die Verdienste deines bittern Leidens und Todes mir zu gewähren, dass ich nach Beendigung dieses armseligen Lebens meiner vollen Beseligung in dir nicht verlustig gehe, du mein letztes Ziel und höchstes Gut! Demütig bitte ich um Verzeihung aller Sünden, welche ich gegen deine göttliche Majestät begangen habe seit dem ersten Augenblicke, da ich zum Gebrauche der Vernunft kam, bis zu dieser gegenwärtigen Stunde. Ich bereue es bitter, vom Grunde meines Herzens, dass ich dich jemals beleidigt habe, einen so guten, so mächtigen, so weisen und so gerechten Gott, und nehme mir mit Hilfe deiner Gnade fest vor, dich nie mehr zu beleidigen, o Gott der Güte, den ich über alles liebe! – O süßer Jesus, der du den schmerzlichsten und schmachvollsten Tod am Kreuze für unser Heil erduldet hast, wende mir zu, ich beschwöre dich, die Verdienste deines heiligen Leidens und heilige mein eigenes Leiden, das ich demütig annehme aus Liebe zu dir, in Vereinigung mit den Leiden deiner heiligen Majestät und zur Strafe und Sühne meiner Sünden. – O mein teurer Heiland und Erlöser! Ich sage dir ewigen Dank für alle Gnaden, welche du mir im Laufe meines ganzen Lebens hast zuwenden wollen. Und jetzt, in der Stunde meines Todes, werfe ich mich mit festem Glauben an alles, was du geoffenbart hast, und mit der unerschütterlichen Hoffnung, die ewige Glückseligkeit zu erlangen, freudig in die Arme deiner Erbarmung, in die Arme, welche am Kreuze ausgestreckt waren für unsere Erlösung. Süßer Jesus, nimm meinen Geist auf!“

Die Volksmenge lauschte diesen Reden und Gebeten mit der größten Aufmerksamkeit, und wie Augenzeugen berichten, konnten sich auch viele Protestanten der Tränen und des lauten Schluchzens nicht erwehren. Nachdem die Patres ihre Ansprachen beendet hatten, ließ man sie eine Weile ruhig für sich beten. Man sah auch, wie sie miteinander leise redeten; wahrscheinlich beichteten sie noch einmal gegenseitig und geben sich die letzte Lossprechung. Dann sagte ihnen der Sheriff, der Augenblick des Todes sei da. Sie umarmten sich. Schon hatte der Henker ihnen die Stricke um den Hals gelegt und am Galgen befestigt, und der Sheriff wollte den Befehl geben, die Karren wegzuziehen; da kam von Whitehall, dem königlichen Residenzschlosse, ein Reiter mir verhängtem Zügel, schon von weitem einen Brief in der Luft schwenkend und laut rufend: “Gnade, Gnade!” Mit Mühe bahnte er sich den Weg durch das Gedränge und überreichte dem Sheriff das königliche Schreiben. Der Gnadenbrief lautete dahin, der König sei in höchster Gnade und in seiner Neigung zur Milde bereit, ihnen das Leben zu schenken, welches sie durch ihren Hochverrat verwirkt hätten; die einzige Bedingung sei, dass sie die Verschwörung eingestehen, und was sie darum wüßten, offenbaren würden. Es war die letzte Versuchung, welche an die Sterbenden herantrat. Sie alle dankten dem König für seine guten Willen und erklären noch einmal mit der gleichen ruhigen Bescheidenheit ihre völlige Umschuld und die Unmöglichkeit, solche Bedingungen anzunehmen. Dann wurden die Karren hinweggezogen und die Seelen der mutigen Bekenner schieden aus diesem Leben.

Die Bewegung unter den Zuschauern was so gewaltig, dass der Sheriff nicht wagte, das Urteil nach seiner ganzen barbarischen Strenge vollziehen zu lassen. Erst nachdem der Tod eingetreten war, gab er Befehl, die Leichen loszuschneiden, welche der Henker dann enthauptete und vierteilte. Auch wurden die blutigen Gliedmaßen nicht zu öffentlicher Schmach ausgestellt, sondern auf Befehl des Königs den Freunden der Hingerichteten überlassen und fanden auf dem Friedhof St. Giles in the Fields, Holborn, ein Grab, das von den Katholiken, soweit die traurigen Zeiten es erlaubten, in Ehren gehalten wurde. Schon gleich bei der Hinrichtung tauchten mehrere Katholiken ihre Tücher in das Blut der schuldlos Gemordeten, und diese blutgetränkten Tücher sollten, wie glaubwürdig berichtet wird, auffallende Heilungen bewirkt haben.

Der Ruf des glorreichen Todes dieser fünf Opfer, die alle unter die Zahl der Märtyrer gehören, welche das Dekret vom 4. Dezember 1886 nennt, ging durch ganz Europa. Überall redete man von ihnen als von heiligen Blutzeugen, die dem Fanatismus der Häresie zum Opfer gefallen. Der Heilige Vater, Innozenz XI., teilte dieses Urteil, er nannte sie offen: “Märtyrer”, “Heilige”, “Selige”, und zögerte nicht zu sagen, sie seien aus Hass gegen den Glauben (in odium fidei) getötet worden. So bezeugt ein Dokument, welches im Archiv der Gesellschaft Jesu aufbewahrt wird; dasselbe ist mit der Unterschrift P. Anton Appianis und mit dem Siegel eines päpstlichen Notars versehen. Ja der Papst befahl, dass eine Beschreibung des glorreichen Todes, welche er in allen einzelnen Ausdrücken guthieß, in die damals noch als Manuskript erscheinende Römische Zeitung aufgenommen und später wörtlich in der Zeitung von Ancona abgedruckt werde; so schreibt der damalige P. General der Jesuiten, Karl von Noyelles, an P. Warner, den Nachfolger P. Whitebreads als Provinzial von England, unter dem 16. September 1679 aus Rom. [Hier muß ein Irrtum Spillmanns vorliegen, denn 1679 war Giovanni Paolo Oliva Generaloberer der Gesellschaft Jesu. Charles de Noyelle war aber Generalvikar und der engste Mitarbeiter Olivas. Möglicherweise hat er den Brief in dessen Auftrag geschrieben. Oder der Brief stammt aus der Zeit 1682 bis 1686, in der Noyelle Generaloberer war.]

Die Katholiken in England waren überzeugt, dass die Hingerichteten wirkliche Blutzeugen seien, suchten deshalb Reliquien derselben zu erhalten, riefen vertrauensvoll ihre Fürbitte an und glaubten in zahlreichen Fällen an wunderbare Heilungen, welche durch dieselben gewirkt worden seien. Die schon oben angeführte Effigies octo Patrum, welche 1694 zu Ingolstadt erschien, gibt eine Liste von nicht weniger als 60 Personen an, die also geheilt seien, und fügt die genaue Adresse der Geheilten bei.

Ganz besonders verehrte die unglückliche Königin Katharina unsere Blutzeugen. Mit Angst und Bangen war sie dem Verlauf des Prozesses gefolgt. Als dann die Verurteilung erfolgte, hatte sie sich ihrem königlichen Gemahl zu Füßen geworfen, um ihn zu bitten, dass er das Todesurteil der Unschuldigen nicht unterzeichne. Karl II. hatte ihr geantwortet, er sei von ihrer Unschuld und Königstreue ebenso überzeugt wie sie und würde sich lieber die Hand abhauen lassen, als ihr Todesurteil unterschreiben. Aber dann ließ er sich von Shaftesbury und seinen andern Ministern dennoch bereden, politische Klugheit fordere gebieterisch den Tod der Verurteilten, und in seiner gewohnten Charakterschwäche unterschrieb er das ungerechte Urteil. “Aber an dem folgenden Tag schwoll die rechte Hand des Königs an, und er konnte drei Tage und Nächte vor Schmerz nicht schlafen. Nach mehrtägiger fast unerträglicher Qual redeten die Ärzte bereits von der Notwendigkeit, die entzündete Hand zu amputieren. Da sagte ihm die Königin geradezu, das scheine ihr eine Strafe Gottes, da er mit dieser Hand das Todesurteil unterzeichnet habe.” Doch heilte die Hand nach einiger Zeit. Die Königin hatte sich die Portraits der Blutzeugen verschafft und dieselben in ihrem Privatgemach aufgehängt. Ein Herr von hohem Rang machte sie aufmerksam, der Anblick derselben möchte dem Könige nicht angenehm sein. Sie fragte ihren Gemahl hierauf, ob er wünsche, dass sie die Bilder entferne. Karl II. sagte aber, das sei nicht nötig, da er von ihrer Unschuld völlig überzeugt sei. Ja er soll den Bildern offen seine Verehrung bezeigt und voll Reue um die Verzeihung der Hingerichteten gefleht haben, indem er sagte, “sie seien jetzt an einem Ort, wo sie ganz gewiss wüßten, dass er gezwungen seine Zustimmung gegeben habe, und dass sie daher Gott bitten würden, er möge ihm sein Verbrechen verzeihen” (So in einem Brief an Karl von Noyelles, General der Gesellschaft Jesu. Excerpta P. Glover, Stonyhurst Mss. II, 101). Auch soll Karl II. bis zu seinem Tod eine Kreuzpartikel bei sich getragen haben, die einem der der Blutzeugen zugehört hatte.

Doch nicht nur auf die Katholiken machte der Heldentod der fünf Jesuiten den größten Eindruck. Es war ein Schlag, der den öffentlichen Glauben an die von Titus Oates erlogene Verschwörung in seinen Grundfesten erschütterte. Umsonst suchten Shaftesbury und seine Fanatiker diesen Schlag durch eine ganze Flut von Flugschriften mit den alten, bis auf den heutigen Tag wiederholten Verleumdungen von der Heiligung des schlechten Mittels durch den guten Zweck und ähnlichen Märchen zu vereiteln. Die Vorrede zu der offiziellen Ausgabe der fünf Reden hat sich das rechte Wort entwinden lassen: wie Samson haben sie im Tode den Feinden die schwerste Niederlage beigebracht. Selbst der anglikanische Bischof Burnet gesteht: “Die Hinrichtungen, wobei alle im Tode noch leugneten, machten großen Eindruck auf manche. Mehrere Bücher wurden geschrieben, um zu zeigen, dass nach ihrem Glauben Lügen zu einem guten Zwecke nicht allein für erlaubt gelte, sondern auch oftmals von ihnen angewendet wurde. … Aber dennoch machte das Benehmen und die letzten Worte der Verurteilten einen Eindruck, den kein Buch verwischen konnte!”

10. Kapitel: Des ehrwürdigen Richard Langhorne Schwanengesang und glorreicher Tod.

Während die fünf Jesuiten am Galgen zu Tyburn ihre Krone errangen, schmachtete der ehrwürdige Richard Langhorne, der zugleich mit ihnen zum Tode verurteilt war, noch immer in den Kerkern der Newgate. Mr. Langhorne war ein ausgezeichneter Rechtsgelehrter, ein eifriger Katholik, ein Mann von großer Frömmigkeit und durchaus erhabenen Gesinnungen. Ein Oheim von ihm, Benjamin Langhorne, war Priester. Richard war seit 1654 ein Mitglied des Vereins der Rechtsanwälte, des sogen. “Inner Temple”. Er heiratete eine Protestantin, Dorothea, die Tochter Thomas Legatts von Havering in Essex; nichtsdestoweniger war er der Partei der anglikanischen Fanatiker verdächtig und schon 1666 wurde er anläßlich des großen Brandes in London vor einem Ausschuss des Parlaments angeklagt, jedoch freigesprochen. Jetzt aber, beim Ausbruch des Titus Oates-Sturmes, war sein Ansehen und seine Praxis unter den Katholiken so groß, dass er als einer der berühmtesten Rechtsanwälte galt. Sogar die Quäker, unter anderen der vielgenannte William Penn, legten ihre Rechtsforderungen in seine Hand. Auch die Jesuiten bedienten sich dieses Ehrenmannes als Rechtsbeistand und hatten die Verwaltung ihres Vermögens in dessen Hände gelegt. Oates wusste das und hatte daher diesen Mann als einen Haupträdelsführer angegeben; so war er einer der ersten, die gefänglich eingezogen wurden. Mitten in der Nacht hatte man ihn aus dem Bett gerissen und nach der Newgate geschleppt, während alle seine Papiere und Bücher den Richtern in die Hände fielen.

Der ehrwürdige Diener Gottes lag nun schon seit Anfang Oktober 1678, also bereits im zehnten Monat, in den Kerkern der Newgate. Noch wollte man mit seiner Hinrichtung zuwarten, um ihn mürbe zu machen. Der Earl of Shaftesbury besuchte ihn fleißig und suchte mit allen Mitteln, die diesem gewissenlosen Manne zu Gebote standen, mit Schmeicheleien und Zornausbrüchen, mit Versprechen und Drohungen, wenigstens diesen einen Verurteilten zu Fall zu bringen. Doch so fest die Priester und Ordensleute gestanden hatten, ebenso fest stand dieser Laie. Er sollte sich schuldig bekennen, so würde ihm sein Leben geschenkt: Langhorne weigerte sich, um diesen Preis seine Seele zu verraten. Da brachte Shaftesbury eine andere Bedingung: er solle wenigstens dem Befehl des Königs gehorchen und den Vermögensstand der Jesuiten verraten. Langhorne bedachte sich, und es schien ihm, er dürfe diese Bedingung annehmen. Einmal waren ja seine Bücher, in denen die gewünschten Aufschlüsse enthalten waren, bereits in der Hand der Richter; dann konnte er unter diesen Umständen die Erlaubnis zu einer solchen Angabe mit Recht voraussetzen, hatte sie vielleicht vom P. Provinzial ausdrücklich erhalten. Kurz, er ließ sich seine Bücher geben und stellte aus denselben den Vermögensstand der Jesuiten zusammen. Jetzt glaubte Shaftesbury gewonnenes Spiel zu haben: der Verurteilte schien zu weichen. Er warf ihm also die Schrift vor die Füße und sagte, der Bettel genüge nicht, sein Leben zu retten; er müsse die Verschwörung eingestehen und die Mitschuldigen nennen: dafür solle er nicht nur vollkommen begnadigt werden, sondern werde jede Belohnung erhalten, die er nur fordern wolle. Wie sich aber der Gefangene herbeigelassen hatte, jene Begnadigung anzunehmen, die ihm erlaubt schien, ebenso entschieden sagte er zu dieser schamlosen Forderung “nein” und wählte tausendmal lieber den Tod am Galgen.

Schon lange hatte er sich auf dieses Ende vorbereitet. Während der langen Monate, in denen er im dunklen Kerker auf schlechtem Stroh und in schweren Fesseln lag, hatte seine Seele in der frommen Betrachtung des Leidens Christi, der künftigen Herrlichkeit, der unendlichen Güte und Liebe Gottes Trost und Stärke gesucht. Die Frömmigkeit, die er mitten in seinen gewohnten Geschäften sorgsam in sein Herz gepflanzt, entfaltete sich jetzt, im Sturme der Trübsal, zu einem herrlichen Baum voll erquickender Früchte. Und als ihm in den letzten Tagen vor seiner Hinrichtung Schreibzeug zur Verfügung stand, zeichnete er eine Anzahl seiner Betrachtungen auf und überließ sie zugleich mit einigen andern Gedenkblättern seinen Freunden. Diese übergaben sie dann noch im Jahre seines Todes zugleich mit seiner Bittschrift an den König und seiner letzten Rede dem Drucke. Der Raum gestattet uns nicht, seine Betrachtungen auch nur in Auszügen mitzuteilen; doch können wir uns nicht versagen, das folgende Gedicht, den Schwanengesang seiner Seele, in das sein jubelnder Geist unmittelbar nach der Verurteilung sich ergoss, unseren Lesern vorzulegen. Mr. Langhorne überschrieb es also:

Die Gefühle meiner Seele nach dem Todesurteil, das von einem Gerichtshof auf die Aussage falscher Zeugen hin über mich gefällt wurde

I.

Verkündet ist mir, dass ich sterben muss
Den Tod der Schmach
Durch Henkershand –
O selige Kunde!
Ich seh’ mich geehrt durch Jesu Gewand,
Ich empfange, wie er, den Todesspruch
Als Cäsars Feind,
Als plant’ ich den Tod meines Königs
Und den Raub seiner Kron’
Und den Sturz seines Reiches;
Während doch, wie mein Jesus weiß,
Mein Gewissen aufjubelnd verkündet,
Mein Herz noch nie
Und nimmer gehegt,
Auch nur einen Gedanken des Treubruchs
Gen meinen König und höchsten Herrn.
Und bezeugen muss mir
Der Kläger Gewissen
Am jüngsten Gericht in Schrecken und Not
Zu Gottes Ruhm
Und der Wahrheit Sieg,
Dass ich vollkommen unschuldig
An all den Verbrechen und jeglicher Tat,
Deren sie schuldig mich schwuren.

II.

Verkündet ist mir, dass ich sterben muss
Eines Todes der Schande
Nach der eitlen Meinung der Welt –
O selige Kunde!
Mein Jesus ruft mich durch diesen Spruch,
Zu tragen sein Kreuz und zu folgen ihm;
Der Richter erklärt notwendig den Tod
Für den König und für seine Lande;
Der Pöbel schreit und fordert laut:
“Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz mir ihm!”
Er, der da strahlt in der Unschuld Gewand,
Hat vor meinen Blick sein Beispiel gestellt:
Er öffnete nicht seine Lippen,
Er verteidigte nicht sich selbst,
Er vergab und betete für seine Feinde.
O glückliches Los,
Geehrt zu sein durch so manchen Zug,
Der Jesu Ende verherrlicht!

III.

Verkündet ist mir, dass ich sterben muss –
O süße und selige Kunde!
Aufjuble, mein Geist,
Denn es ist kein Grund zu fürchten für dich,
Dein Jesus ist vor dir gestorben,
Bezahlt hat er schon den Lösepreis,
Erkauft hat er dich mit seinem Blut,
Gesühnt sind alle deine Sünden,
Erschlossen ist dir das Paradies,
Er nahm dich an, an Bruders Statt,
Als Sohn seines Vaters nahm er dich an
Und wusch dich rein in seinem Blut,
Und gab seinen Leib dir als Unterpfand,
Und erklärte am Kreuz dich als Kind seiner Mutter,
Und gibt dir jetzt zu tragen sein Kreuz
Als sicheres Mal
Dass du ewig einer der Seinen!

IV.

Verkündet ist mir, dass ich sterben muss –
O selige Kunde!
Sei froh, meine Seele,
Und juble in Jesu, deinem Erretter.
Wenn er dein Verderben gewollt,
Hätt’ er geopfert für dich sein Leben dann wohl,
Geharrt auf dich mit solcher Geduld,
So viel Zeit zur Bekehrung gestattet?
Mit so großer Liebe gerufen dich,
Mit so viel Licht deinen Geist erhellt,
Mit solcher Gewalt gezogen dich,
Mit so viel Gnaden begünstigt dich,
So viel heilige Wünsche entflammt in dir,
Der Erwählten Siegel gedrückt auf dich
Und dich gekleidet in sein Gewand
Und dir gegeben sein eigenes Kreuz
Und Schultern dazu,
Dasselbe geduldig zu tragen?

V.

Verkündet ist mir, dass ich sterben muss –
O selige Kunde!
Wohlan, geliebteste Seele,
Blick auf, es ruft dich dein Jesus!
Er flehte für dich an seinem Kreuz,
Da streckte er aus seine Arme nach dir,
Da beugt’ er sein Haupt, zu küssen dich,
da schrie er empor mit mächtiger Stimm’:
"Vater, nimm ihn auf, er ist mein!“
Da öffnet’ er dir seines Herzens Tor,
Da gab er für dich sein Leben,
Das Leben dir zu erwerben!´

VI.

Verkündet ist mir, dass ich sterben muss –
O willkommene Kunde!
Verlassen muss ich
Für den Himmel die Erde,
Den Kerker der Welt für die Freiheit voll Freude,
Das Land der Verbannung für das mir bereitete Heim.
Hinübergehen muss ich
Von der Zeit zur Ewigkeit,
Vom Elend zur Seligkeit,
Vom Wechsel zur Unwandelbarkeit,
Vom Tode zur Unsterblichkeit.
Verlassen muss ich, was hienieden mein Gut,
Um Gottes Besitz
Und die Freude in Jesu,
Um der Engel und Heiligen Gesellschaft.
Gehen muss ich und füllen
Meinen Geist mit der Fülle des Lichts,
Meinen Willen mit dem Meere des Friedens,
Mein Gedächtnis mit dem Schatze aller Güter,
Meine Sinne mit unendlicher Wonne.
Hingehen muss ich, wo ich finden soll
Aller Güter Besitz, die das Herz verlangt,
Ohne jegliche Furcht des Verlustes,
Wo nimmermehr ein Gut ich begehr’,
Wo Gott mir ist mein Alles in All
Und mein Alles für ewige Zeiten.

VII.

Verkündet ist mir, dass ich sterben muss –
O selige Kunde!
Frei soll ich sein vom Elend,
Frei von jeglichem Schmerz,
Frei von jeder Versuchung zur Sünde,
Frei von jeder Gefahr der Verdammnis!
Nein, von nun an
Soll ich schauen und soll ich leben,
Soll ich preisen und soll ich segnen,
Und das soll ich ewig tun,
Ohne je müde zu werden,
Zu tun, was ewig ich tun muss.

VIII.

Verkündet ist mir, dass ich sterben muss –
O der Glückseligkeit!
Schon schwing’ ich mich auf
Nach dem Orte der Ruh’.
Nach der Lebenden Land,
Nach der Sicherheit Port,
Nach des Friedens Reich,
Nach Gottes Palast,
Nach der Hochzeit des Lammes,
Zu sitzen am Tisch meines Königs,
Zu essen vom Brote der Engel,
Zu schauen, was kein Auge gesehn,
Zu hören, was kein Ohr noch vernahm,
Zu geniessen, was das Herz keines Menschen erfasste!

IX.

Verkündet ist mir, dass ich sterben muss –
O Kunde voll Freude!
Lass uns gehen, meine Seele, zufrieden!
Mit Jubel entsag’ ich dem Leben
Und geb’ es zurück dem, der mir’s geschenkt,
In seine Hand hauch’ ich meinen Geist,
Meinem Jesus empfehl’ ich Seele und Leib
Und nehme den Tod von Herzen gern
Als Sühne für meine Sünden.
Ich glaube an alles, was er gelehrt;
Ich hoffe auf alles, was er versprach;
Ich bekenne und weiss mein eigenes Nichts
Und gebe ihm alles, was ich besitz’,
Und sterbe willig
Für seinen Ruhm,
Für seine Liebe,
Aus Dank für all seine Gnaden
Und zur Sühne seiner Gerechtigkeit.
Wohlan, meine Seele, lass jubelnd uns ziehn!
Der durch seine Gnade Erkenntnis dir gab
Deiner eigenen Schuld
Und seiner Erbarmung,
Der die Kraft dir gab,
Dich selbst zu verachten
Und ihm zu vertraun:
Er befiehlt, dass du bannst alle Furcht von dir!
Doch ist gar nichts in dir,
Wofür er dir gäb’, diese Taten zu tun,
Noch dass er dich liebt oder retten dich will:
Das tut er nur, weil Gott er ist –
Unendliche Liebe und Güte!

X.

O Vater der Milde!
Schau an dein Kind, den verlorenen Sohn:
Der all deine Güter vergeudet
Und verloren die Zeit in Eitelkeit,
Kehrt nun zurück zum Vaterhaus,
Gezogen durch deine Gnade und Lieb’,
Und fleht in Demut Verzeihung von dir.
Ach, wehe!
Ich habe gelebt wie ohne Vernunft
Seit dem ersten Tag, da Vernunft mir ward!
Nur Böses tat ich aus eigener Kraft
Seit dem Tag, da ich lernte, was gut ist.
Gesündigt hab’ ich gen den Himmel und dich,
Nicht verdien’ ich den Namen des Sohnes,
Noch Zulass in deinem Hause.
Zwar bin ich ganz ohne Schuld an der Tat,
Für die man mich jetzt zum Tode verdammt –
Doch hab’ ich verdient von deiner Hand
Den ewigen Tod!
Du aber lässt mich erkennen,
Dass immer du noch mein Vater willst sein,
So oft ich mich auch nicht also bewährt,
Wie deinem Kind es gebühret.
Du kannst ja nicht deine Güte verlier’n,
Weil ich oft des Dankes vergessen,
Und Erbarmen vergisst nicht des Vaters Herz,
Da des Elends Kind ich geworden.

XI.

O mein Vater!
O du bester aller Väter!
Hab Erbarmen mit mir, deiner Kinder Schmach!
Verloren war ich, doch gefunden hat mich dein Mitleid!
Tot war ich schon, doch rief deine Gnad’ mich vom Grabe!
Verirrt war ich auch auf der Eitelkeit Pfad,
Jetzt aber bereit zu erscheinen vor dir,
O mein Vater!
So komm denn voll Milde, nimm auf dein Kind
Und gib ihm den Kuss des Friedens!
Verzeihe ihm seine Sünden all,
Bekleide es mit dem Hochzeitsgewand,
Nimm es auf in dein Haus,
In Gnaden gewähr einen Platz ihm beim Fest
Und verzeih all denen, die schuldig an seinem Tode!

XII.

O Jesu,
Du Tröster aller Betrübten,
Du Zuflucht aller Verfolgten,
Du Erlöser aller Gefangenen,
Du Hoffnung aller Unglücklichen,
Blicke auf mich, zu dir schrei’ ich empor,
Der du niemals zurückgestoßen,
Wer dir nahte mit Glaube, mit Hoffnung und Lieb’.
Dir verkündet mein Herz,
Dass es brennt vor Begierde, zu schauen dich,
Und ungeduldig ersehnt den Tod um deiner Liebe willen.
So komm, süßer Jesu,
Komme geschwind,
Befrei meine Seele aus diesem Gefängnis,
Ruf mich zurück aus meiner Verbannung,
Geleite mich ein zur teuren Heimat:
Es erwartet mich dort der Gerechten Schar,
Ausstrecken die Freunde die Arme nach mir.
O herrlich erstrahlen all deine Gezelte!
O Anblick voll Wunder, die Pracht des Palastes!
O welches Genügen wird mein Anteil bei dir!
Welch Meer der Wonne in deiner Gesellschaft!
Ich sterbe vor Sehnsucht, zu sterben.
Komm, gebenedeiter Jesu,
Und nimm meinen Geist,
Der, heimwehkrank, sich sehnt nach dir.
In deine Hände, o Jesu,
Empfehle ich meinen Geist!

Den Gesinnungen, welche in diesem erhabenen Ergusse seiner frommen Seele so schön ausgedrückt sind, blieb der ehrw. Langhorne treu bis zu seinem letzten Atemzug. Er wurde am 14./24. Juli 1679 nach Tyburn geschleift. Am 10./20. Juli hatte Karl II. das Parlament, das er am 27. Mai vertagt hatte, endgültig aufgelöst. Ob auch dieser Tod dazu dienen sollte, den Zorn Shaftesburys und seines Anhangs zu besänftigen und die öffentliche Meinung für die königliche Partei zu gewinnen? An der Unschuld dieses Mannes konnte der König doch nicht zweifeln.

Unter dem Galgen von Tyburn redete und handelte dieser edle Laie den am gleichen Ort zur Krone ihm vorangegangenen Priestern durchaus ebenbürtig. Wie jene beteuerte er seine wandellose Treue gegen den König und seine Unschuld an den ihm von Oates und Bedloe zur Last gelegten Verbrechen; erklärte, dass er es für eine Sünde halte, einen Verrat oder eine Verschwörung gegen den König nicht zu enthüllen, wenn er um eine solche wüsste, und dass er niemals etwas Böses des guten Zweckes wegen für erlaubt erachtete, und stellte es endlich dem redlichen Sinne und der Liebe seiner Zuhörer anheim, ob sie den Schwüren Oates und Bedloes vor Gericht oder seinen Eiden in der Todesstunde mehr Glauben schenken wollten. Dann fuhr er in seiner Rede mit großer Klarheit den eigentlichen Grund seines Todes erörternd, also fort:
“Ferner erkläre ich, dass ich als ein zwar unwürdiges Glied jener heiligen und apostolischen Kirche Christi sterbe, die in den drei heiligen und anerkannten Glaubensbekenntnissen der Kirche erwähnt ist, deren unsichtbares königliches Haupt unser Herr Jesus Christus ist, welcher sie durch den Heiligen Geist und seine Gnade erleuchtet, beschützt, bewacht und leitet, die zum sichtbaren Haupt der Regierung und Einheit den Bischof von Rom hat, als der Nachfolger des hl. Petrus, des Fürsten der Apostel. Ich glaube, es liege auf der Hand, dass meine Religion die einzige Ursache ist, welche meine Ankläger bewogen hat, mich des Verbrechens zu beschuldigen, für das ich auf ihre Aussage hin zum Tod verurteilt wurde, und dass meine Religion, welche ich hier bekenne, der einzige Grund ist, der ihnen die Hoffnung gab, Glauben zu finden, oder der die Geschworenen bestimmen konnte, die Aussage solcher Menschen anzunehmen. Und nachdem dieser Spruch über mich gefällt war, hat man mir nicht nur Begnadigung, sondern überdies große Vorteile, Ehrenstellen und Geld und Gut angeboten, wenn ich meiner Religion entsagen und das mir und andern zur Last gelegte Verbrechen eingestehen wollte. Aber gepriesen sei Gott, der mich durch seine Gnade davor bewahrte, solchen Versuchungen zu weichen, und der mir Kraft verlieh, lieber den Tod zu wählen, als meine Seele mit Sünde zu beflecken und meinen Nächsten fälschlich mit Verbrechen zu belasten, von denen ich keine Kenntnis habe.”

Er betete dann für den König, für seine Feinde, namentlich für die Bekehrung Bedloes und Oates’, für alle, die an seinem Tode mitgewirkt, sich über denselben freuten oder jetzt seinen letzten Worten nicht glauben wollten. “Ich bitte dich, o Gott”, schloss er, “segne diese ganze Nation und lege die Schuld an meinem Blut ihr nicht zur Last, auch nicht der einen oder der andern Person. Vereinige sie alle zu dir, mein Gott, in deiner Kirche durch den wahren Glauben, die wahre Hoffnung und Liebe durch deine Gnade!” Nach seiner Rede, die er übrigens unter dem Galgen nicht so ausführlich halten konnte, wie sie nach seiner Handschrift gedruckt vorlag, fragte er den Henker ruhig, ob der Strick in Ordnung sei. Dieser bejahte es und bat um Verzeihung. “Mit Freuden”, antwortete der ehrwürdige Diener Gottes. Noch betete er eine Weile leise für sich. Als der Gerichtschreiber zu ihm sagte: “Der Herr sei Eurer Seele gnädig”, erwiderte er freundlich: “Der Herr im Himmel vergelte eure Liebe”, bezeichnete sich mit dem Zeichen des Kreuzes und betete laut: “Gebenedeiter Jesu, in deine Hände befehl’ ich meine Seele und meinen Geist! Jetzt, in diesem Augenblicke, nimm mich auf in dein Paradies. Ich sehne mich, bei meinem Jesus zu sein. Ich bin bereit und ihr braucht nicht länger zu warten.”

So wurde der Karren weggezogen, und nach wenigen Augenblicken war die Seele bei Jesus und in der Schar derjenigen, die ihr Gewand weißgewaschen im Blute des Lammes.

Der anglikanische Bischof Burnet stellt Mr. Langhorne folgendes Zeugnis aus: “Die Zeit bis zu seiner Hinrichtung brachte er mit Abfassung einiger schön ausgearbeiteter Betrachtungen voll Frömmigkeit zu. Er war in jeder Beziehung ein außerordentlicher Mann; er war gelehrt und redlich in seinem Beruf, aber über alle Maßen auf seine Religion versessen. Er starb mit großem Starkmut.”

Zwei Söhne des ehrwürdigen Blutzeugen, Karl und Franz, waren vom Vater noch vor Ausbruch des Titus Oates-Sturmes in das englische Kolleg zu Madrid geschickt worden, von wo sie 1677 in die Studienanstalt nach Valladolid übersiedelten. Dort empfingen beide die Priesterweihe. 1684 kamen sie nach England, wo sie am Heile ihrer Landsleute arbeiteten. Karl bat um Aufnahme in die Gesellschaft Jesu. Auch ihre Geschwister Richard und Lätitia machten als treue Katholiken in der Verfolgung von 1717 dem Vater alle Ehre; Richard gab 1687 die “Erwägungen” seines Vaters bezüglich der Strafgesetze heraus (Considerations touching the Great Question of the King’s Right in dispensing with the Penal Lass; written on the occasion of his late Blessed Majesty’s granting the Free Toleration and Indulgence, London 1687, ded. to James II.).

Der Heldentod dieser sechs Blutzeugen blieb doch nicht ohne Wirkung auf die öffentliche Meinung. Mit diesen Hinrichtungen war die Hochflut der Verfolgung in der Hauptstadt gebrochen, der Glaube an Oates und seine Helfershelfer erschüttert. Als zwei Tage nach dem Tod Mr. Langhornes (am 16./26. Juli) Sir George Wakeman, der Arzt, den die Jesuiten bestochen haben sollten, den König zu vergiften, und die drei Benediktiner Corker, Wilhelm Wall (Marshall) und Ramley vor den Schranken der Old Balley erscheinen mussten, wurde zum ersten Mal das Zeugnis Oates’ verworfen und erfolgte eine Freusprechung, welche eigentlich die Erklärung der Unschuld der bis jetzt Hingerichteten in sich schloss.

Freilich ist nicht zu übersehen, dass der Lord Oberrichter Sir William Scroggs in diesem Prozess Oates ganz anders behandelte als in den früheren. Die Verurteilung Wakemans hätte ja auch die Königin in Mitschuld erklärt, von welcher Oates schamlos behauptet hatte, sie habe in die Vergiftung ihres Gatten eingewilligt. Der feige Richter sah das und faßte im Hinblick auf den König den Zeugen ein wenig fester an; er wurde deshalb im darauf folgenden Jahr, als man den Glauben an die Verschwörung wieder auffrischen wollte, der Einschüchterung der Zeugen angeklagt, jedoch freigesprochen. Wenn aber auch der Ausgang des Prozesses gegen Wakeman und die drei Benediktiner ein Zeichen war, dass der Sturm in London seine Höhe überschritten, so wütete er doch in den Provinzen noch lange und forderte auch in der Hauptstadt noch seine Opfer.

11. Kapitel: Die Opfer in Süd-Wales

Zu den blutigen Opfern der angeblichen Verschwörung gehören nicht nur diejenigen, welche auf das meineidige Zeugnis des Titus Oates und seiner Gesellen hin als “Verschwörer” zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, sondern eine ganze Reihe hochherziger Priester und Ordensmänner, die infolge der Erbitterung der protestantischen Partei aus keinem andern Grunde das Schafott bestiegen, als weil sie katholische Priester waren. Nicht weniger als 39 wurden um dieses einzigen Verbrechens willen und keineswegs als Teilnehmer an dem vorgeblichen Komplott zu Ende 1678 und im Jahre 1679 in den verschiedensten Grafschaften Englands zum Tode verurteilt. Unter dieser Zahl befinden sich 11 Weltpriester, 15 Jesuiten, 5 Benediktiner, 3 Dominikaner und 5 Franziskaner; doch wurde das Todesurteil nur an 5 Weltpriestern, 2 Jesuiten und 2 Franziskanern wirklich vollstreckt. 13 Jesuiten, 4 Weltpriester und 3 Benediktiner, nicht so glücklich wie ihre Brüder, starben nach unsäglichem Elend infolge von Misshandlungen oder im Kerker; der Rest wurde nach der Thronbefreiung Jakobs II. freigelassen. Die Zeit des Martertodes dieser Blutzeugen – wir dürfen uns dieser Worte wohl bedienen – fällt in die Monate Juli und August (a. St.[= alter Stil, d.h. gemäß der Zeitrechnung nach dem julianischen Kalender]) 1679. Leider sind die Nachrichten über die meisten derselben recht dürftig; von einem – einem irländischen Priester, der in Nord-Wales für seinen Glauben starb – ist nicht einmal der Name auf uns gekommen; im Buche des Lebens freilich ist alles mit unvergänglichen Lettern eingetragen!

(Anmerkung Spillmann: Um des priesterlichen Standes willen hingerichtet wurden die ehrwürdigen Diener Gottes: Wilhelm Postgate,Weltpriester, am 7. August 1679 zu York; Johann Kemble, Weltpriester, am 22. August 1679 zu Hereford; ein ungenannter irischer Weltpriester in Nord-Wales 1679; Wilhelm Plessington, Weltpriester, am 19. Juli 1679 zu Chester; Johann Lloyd, Weltpriester, am 22. Juli zu Cardiff; Philipp Evans S.J. am 22. Juli zu Cardiff; Johann Wall O.S.F. am 22. August zu Worcester; Karl Mahony O.S.F. am 12. August zu Ruthin; David Lewis S.J. am 27. August 1679 zu Usk. - Um des priesterlichen Standes willen zum Tode verurteilt und im Kerker oder infolge von Misshandlung gestorben sind: Der ehrwürdige Franz Levison O.S.F. am 11. Februar 1680 zu Worcester; Wilhelm Allison, Weltpriester zu York; Wilhelm Atkins S.J. zu Stafford am 17. März 1681; Benet Constable O.S.B. zu Durham 1683; Richard Birket, Weltpriester, zu Lancaster; Eduard Turner S.J. in Newgate 1681; Humphrey Brown S.J. infolge von Misshandlung am 14. Januar 1679; Ignatius Price S.J. infolge von Misshandlung am 16. Januar 1679; Wilhelm Harcourt (Aylworth) S.J. infolge von Misshandlung am 10. September 1679; Karl Prichard S.J. infolge von Misshandlung 1680; Franz Simeon S.J. infolge von Misshandlung am 26. Juni 1680; Wilhelm Bentney S.J. im Gefängnis zu Leicester [am 30. Oktober] 1692; Nikolaus Tempest S.J. am 26. Februar 1679 im Gefängnis; Richard Lacey (Prince) S.J. in der Newgate den 11. März 1680; Thomas Wilkinson S.J. am 12. Januar 1681, vergiftet im Gefängnis von Morpeth; Placidus Adelham O.S.B. im Gefängnis am 17. Januar 1689. - Wegen ihres Priesterstandes zum Tode verurteilt, dann begnadigt und später befreit: N. Atwood (auf der Schleife, auf dem Wege zur Hinrichtung begnadigt); Lionel Anderson O.P.; Andreas Brommich, Weltpriester; Jakob Corker O.S.B.; Richard Barton, Weltpriester; Johann Penketh S.J.; Joseph Kemish, Weltpriester; Alexander Lumsden O.P.; Wilhelm Marsh O.S.B.; Karl Parray O.S.F.; Wilhelm Napier (Russel) O.S.F.; Heinrich Starkey, Weltpriester; Jakob Baker (Hesketh) O.S.B.; Georg Bushy S.J.)

Als ein Beispiel der Verfolgung, welche Titus Oates entfesselte, nennen wir die Grafschaft Monmouthshire. Diese Provinz in Süd-Wales umfasst einen Distrikt von kaum 27 Quadratmeilen und hatte im 17. Jahrhundert keine sehr zahlreiche Bevölkerung. Größere Städte gibt es daselbst nicht; der Hauptort Monmouth selbst zählt sogar heutzutage [1905] kaum 6000 Einwohner [Heute hat Monmouth etwa 8500 Einwohner. Monmouth ist Partnerstadt von Waldbronn bei Karlsruhe]. Dafür sind die kleineren Ortschaften umso zahlreicher und liegen vielfach zerstreut auf der Ebene am Kanal von Bristol und in den Ausläufern des gälischen Gebirges. Namentlich unter der ärmeren Klasse der Landbevölkerung und unter dem Landadel hatte die katholische Kirche hier noch manche treue Kinder bewahrt. Allen Gefahren zum Trotz wurde die Missionsarbeit von eifrigen Weltpriestern Hand in Hand mit Mitgliedern der Gesellschaft Jesu und anderer Orden besorgt, und der Erfolg war ein gesegneter. Man wusste das bei Hofe wohl und schärfte von Zeit zu Zeit den Friedensrichtern dieser Gegend ein, doch ein etwas wachsameres Auge auf die “papistischen Pfaffen und Jesuiten” zu haben. Ein solcher Mahnbrief, der noch vor der Zeit der Oates-Verschwörung unter dem 13. September 1667 erlassen wurde, ist uns erhalten, wir wollen einige Zeilen daraus anführen.

“Unsere herzlichsten Empfehlungen zuvor! Sr. Majestät und dessen Räten sind zahlreiche Mitteilungen zugegangen, dass trotz der Proklamation Sr. Majestät und der Sorge und Mühewaltung seiner Minister und Richter, den diesbezüglichen Wünschen der beiden Häuser des Parlaments nachzukommen und das Wachstum des papistischen Greuels zu unterdrücken, dennoch viele papistische Priester nach wie vor tätig sind, um Sr. Majestät getreue Untertanen zur römischen Religion zu verführen, und dass sie hierin in letzter Zeit von vielen Anhängern jenes Glaubens, den Strafgesetzen zum Trotz, frech und ungescheut Hilfe und Ermunterung finden. Um sothanem wachsenden Greuel zu begegnen und die wahre protestantische Religion aufrecht zu halten, hat uns Se. Majestät den Auftrag gegeben, Euch seinen ausdrücklichen Willen und Befehl zu verkünden, dass Ihr in Eurer Gegend alles aufbieten sollet, die papistischen Pfaffen und Jesuiten, die an der Verführung Sr. Majestät Untertanen arbeiten, samt und sonders zu ergreifen usw. und mit ihnen nach der Strenge der Gesetze zu verfahren.”

So wurde von Zeit zu Zeit der Eifer der dazumal ohnehin regen No-Popery-Partei geschürt, und zwar umso mehr, als die Konversion des Herzogs von York die anglikanische Geistlichkeit für ihre reichen Pfründen fürchten ließ. Als aber im Herbst 1678 die Nachricht von der “greulichen Papistenverschwörung” des Titus Oates eintraf, brach der Sturm auch in Süd-Wales los. Gleichzeitig kamen Befehle des Privy Councils und forderten alle Friedensrichter zu einer gemeinsamen Verfolgung nicht nur der mutmaßlichen Mitwisser der Verschwörung, sondern überhaupt der Priester und Papisten auf.

Die Weisungen der Regierung fanden in der Person eines gewissen Mr. Arnold, dessen Name uns fast in allen Dokumenten jener Verfolgung in Süd-Wales begegnet, einen eifrigen Vollzieher. Zu der gewöhnlichen Belohnung von 50 Pfd. St. (1000 Mark), welche die Regierung auf den Kopf eines jeden Jesuiten setzte, fügte der verbissene Calvinist aus seinen Privatmitteln einen weiteren Preis von nicht weniger als 200 Pfd. St. (4000 Mark) bei. Er durfte nun schon auf Erfolg hoffen, und wirklich wurde um die Mitte November P. David Lewis von seinen nächsten Nachbarn, denen er viele Jahre lang die größten Wohltaten erwiesen hatte, um diesen Blutpreis ausgeliefert. Er war, so viel uns bekannt ist, das erste Opfer, das bei dieser Verfolgung den Gerichten überliefert wurde. Dank den reichen Mitteilungen der Records können wir seine Geschichte und namentlich seinen Prozess und seine Hinrichtung ausführlich erzählen.

Der ehrwürdige P. David Heinrich Lewis (auch Charles Baker) erblickte das Licht der Welt in Monmouthshire im Jahre 1616. Sein Vater, Morgan Lewis, hielt eine Lateinschule in dem Städtchen Abergavenny, dem alten Gobannium der Römer; er huldigte eine Zeitlang der protestantischen Religion, kehrte jedoch später in den Schoß der Kirche zurück. Auch unser Blutzeuge gehörte, dem Beispiel des Vaters folgend, in der Jugend der anglikanischen Kirche an. Eine um so eifrigere Katholikin war seine Mutter, Margaret Prichard; ihrem Einflusse gelang es, alle übrigen Kinder – sie hatte außer David Heinrich noch vier Söhne und vier Töchter – im katholischen Glauben aufzuziehen, und wir gehen wohl nicht irre, wenn wir annehmen, dass die Bekehrung auch dieses Sohnes und ihres Gatten mit der Gnade Gottes ein Werk ihres Gebetes und ihres Beispiels war. Ein Bruder dieser ausgezeichneten Frau, Johann Prichard, war Priester der Gesellschaft Jesu. Im Alter von 16 Jahren verließ David in der Gesellschaft eines jungen Edelmannes, eines Sohnes des Grafen Savage, Heimat und Eltern und reiste nach Paris, um auf der dortigen Hochschule seine Studien fortzusetzen. Kriegsunruhen nötigten die beiden Jünglinge schon nach drei Monaten zur Rückkehr; gleichwohl war die Reise eine höchst bedeutungsvolle und glückliche: der junge Lewis hatte in Paris die Bekanntschaft des P. Talbot S. J. gemacht und war von ihm nach gründlichem Unterricht in den Schoß der katholischen Kirche aufgenommen worden. Wie wird sich die Mutter gefreut haben! Sie lebte nicht mehr lange und konnte mit dem Troste sterben, ihre neun Kinder alle im wahren Glauben zu wissen.

Nach dem Tod beider Eltern fasste der Jüngling den Entschluss, sich dem geistlichen Stand zu weihen, obwohl er wusste, dass die Gesetze seiner Heimat mit der grässlichen Todesstrafe des Hochverräters alle diejenigen belegten, welche sich im Ausland zum Priester weihen ließen. Mit der Hilfe des P. Karl Gwynne (Brown) S. J. trat er am 22. August 1638 die Reise nach Rom an, erreichte die ewige Stadt am 2. Oktober und wurde am 6. November als Alumnus in das Englische Kolleg aufgenommen. Am 20. Juli 1642 empfing er die heilige Priesterweihe und erhielt nach Vollendung seiner theologischen Studien auf sein inständiges Bitten den 19. April 1644 die Aufnahme in die Gesellschaft Jesu. P. Lewis bestand seine zwei Jahre Prüfung im Noviziatshause zum hl. Andreas im Rom so ausgezeichnet, dass ihn die Obern trotz der Stürme, die damals das Reich Karls I. erschütterten, sofort nach England schickten, wo der junge Missionär mit großem Eifer am Heile seiner Landsleute arbeitete. Ein noch größerer Beweis der hohen Meinung, welche man von seiner Tugend hatte, liegt darin, dass ihn der General der Gesellschaft Jesu nach Jahresfrist wieder nach Rom berief und daselbst, seiner Jugend ungeachtet, zum geistlichen Führer des englischen Kollegs ernannte. Allein es litt den seeleneifrigen Mann nicht lange in dieser ruhigen Stellung; er dürstete nach den Leiden und Mühsalen seiner Brüder in England und wusste seine Obern so dringend zu bitten, dass sie ihn abermals in seine Heimat sandten (1648).

Von nun an wirkte P. Lewis volle 30 Jahre ununterbrochen in Süd-Wales und in den angrenzenden Grafschaften. Es war die stürmische Zeit des Commonwealth; Cromwell und seine Sippe verfolgten neben der königlich gesinnten Partei mit gleicher Wut die katholische Kirche. Gleichwohl finden wir, dass im Jahre 1652 einzig in Süd-Wales von den Jesuiten 155 Konvertiten in den Schoß der römischen Kirche aufgenommen wurden. “Eine grosse Zahl!” ruft der anglikanische Bischof ärgerlich aus, der bei der Plünderung des “Kollegiums” von Combe in Hereford diese Angabe den vorgefundenen Papieren entnahm. Da brauchte es die ganze Kraft, Klugheit und Hinopferung einer apostolischen Seele, um ununterbrochen neue Gefahren und Mühsale zu erdulden, den Schlingen und Fallstricken zu entgehen, jeder Ruhe und Bequemlichkeit zu entsagen. Bei Tage lag P. Lewis gewöhnlich in irgend einem elenden Versteck, bei dunkler Nacht aber machte er sich auf den Weg und suchte, meilenweit wandernd, die Häuser und Hütten der Katholiken auf, sie im Glauben zu bestärken und ihnen die Sakramente der Kirche zu spenden. Alle Klassen der Gesellschaft liebten den selbstlosen Missionar, zumeist aber die Armen, denen er auch vor allen andern seine Sorge so sehr zuwendete, dass er gemeiniglich nur der “Armenvater” genannt wurde. Der Lohn seiner Arbeit sollte ihm nicht ausbleiben, indem er sogar der Marterkrone gewürdigt wurde.

Die Geschichte der Gefangennehmung und des Prozesses sind wir so glücklich, mit des Blutzeugen eigenen Worten geben zu können. Das Manuskript existiert noch heute (in der Old Clergy Chapter Collection of Mss. London), und seine Glaubwürdigkeit wird nicht nur durch den Charakter des Erzählers, sondern auch durch den Umstand erhärtet, dass der Bericht fast wörtlich mit dem offiziellen Bericht der State Trials übereinstimmt. Einige Kürzungen werden wir uns freilich erlauben müssen.

“Nachdem ich volle 30 Jahre das armselige Leben und die Mühsale eines Missionars in Süd-Wales erduldet hatte”, erzählt uns P. Lewis, “wurde ich an einem Sonntagmorgen etwas vor Tagesanbruch – es war der 17. November 1678 – von sechs Bewaffneten im Auftrag von John Arnold, Esq. [Esquire], und Charles Price, Esq. – bis dahin meine guten Freunde und Bekannten – gefangen genommen. Ich befand mich in einem kleinen Haus der Pfarrei St. Michael Lanternam in der Grafschaft Monmouth; von da schleppten mich die Soldaten zusamt allem Kirchengerät, das sie daselbst fanden, nach Lanfoist in das Haus des Charles Price, wo ich Thomas Lewis von St. Peter und die beiden schon genannten Herren antraf. Nachmittags gegen zwei Uhr brachten sie mich mit ihren Dienern, im ganzen ein Dutzend berittene und bewaffnete Männer, nach dem ‘goldenen Löwen’ zu Abergavenny. Beim Einzug in das Städtchen kamen uns Leute entgegen und riefen Mr. Arnold zu: ‘Wir haben eine gute Neuigkeit, eine gute Neuigkeit: Coniers, der Erzbischof von Canterbury hätte werden sollen, wurde in Irland gefangen!’ ‘Und wir bringen euch hier’, sagte Mr. Arnold, ‘den Mann, der für den Bischofssitz von Llandaff ausersehen war!’”

Diese Gerüchte, welche in Abergavenny so große Freude bereiteten, müssen nicht ganz zuverlässig gewesen sein, denn die Liste, welche gemäß den Angaben des Titus Oates die Wiederherstellung der katholischen Hierarchie in England und die Neubesetzung sämtlicher Bistümer enthalten sollte, nennt Kardinal Howard als künftigen Erzbischof von Canterbury, und hat weder den Namen Coniers noch Lewis, wohl aber steht ein Benediktiner Conyers und ein Jesuit des gleichen Namens auf der Liste der sogen. “Verschworenen”. Man schritt nun zu dem vorläufigen Verhör und der förmlichen Verhaftung des Missionärs.

“Ich betrat mit ihnen eine Stube, und ein Wachtposten wurde an die Tür gestellt. Sofort schickten sie an William Jones, Esq., den Friedensrichter und Amtmann (Recorder) der Stadt, damit er meinem Verhör und meiner Verhaftung beiwohne. Dann führte Mr. Arnold einen gewissen William James vor, der vier Jahre lang in meinem Dienst gestanden hatte; dieser sagte auf seinen Eid, er habe mich wenigstens zwanzigmal Messe lesen sehen, und so wurde mein Verhaftbefehl ausgefertigt, von Thomas Lewis, Charles Price und William Jones unterzeichnet und ich formell festgenommen. Dann fragte mich Mr. Lewis auf Ehrenwort, ob ich irgendwie in die schauerliche Verschwörung verwickelt sei, und ich antwortete auf Ehrenwort, und wenn er wolle, auf meinen Eid: ‚Nein’…. Nach dem Abendessen fragte mich Mr. Lewis, ob ich vorziehe, unter Bewachung im Löwen zu bleiben, oder ob ich lieber im Hause des Mr. Arnold, wo man mich freundlich behandeln würde, die Nacht zubringen wolle. Ich überließ das ihnen, und Mr. Lewis sagte: ‚Nun denn, Mr. Arnold, wenn Ihr es zufrieden seid, so sei mein Namensvetter diese Nacht Euer Gast’, und alle sagten: ‚Wir sind’s zufrieden.’ Etwa 10 Uhr nachts stieg ich auf der Straße vor dem Löwen mit Mr. Arnold und seinen bewaffneten Knechten zu Pferde; eine Menge Volk stand da, begierig, mich zu sehen, denn es war Mondschein. Zwischen 11 Uhr und Mitternacht erreichten wir Mr. Arnolds Wohnung; da führten sie mich bald auf meine Kammer, wo zwei Knechte, handfeste Burschen, auf Strohsäcken sich neben mich legten, damit ich nicht entkomme. Am folgenden Morgen stand ich gegen 7 Uhr auf und erhielt einen Frühtrunk. Gleich darauf kam Mr. Arnold in Person und erkundigte sich freundlich, wie ich die Nacht geruht. Er ging wohl drei- oder viermal mit mir im Zimmer auf und ab, und ich dankte ihm für seine Güte; dann ging er wieder hinunter und schickte etwa eine halbe Stunde später seinen Diener mit der Bitte, auch ich möchte hinabkommen. Ich tat es und fand Mr. Arnold in der Halle mit mehreren Soldaten aus Abergavenny, welche beschäftigt waren, ihre Büchsen zu laden, und indem er mit mir auf und ab schritt, hätte er mich gerne in das Nebenzimmer geführt, um mir sein “Kind” zu zeigen, wie er eine Spottpuppe nannte, welche den Papst darstellte. Ich merkte seine Absicht wohl, änderte das Gespräch und nahm freundlich Abschied. Ich wollte zu Pferd steigen, und Mr. Arnold gab mir mit den bewaffneten Konstablern das Geleit; als ich aber zu meinem Rosse kam, bemerkte ich, dass einer von den Bewaffneten, namens Kirby – drei Monate später mordete er seinen eigenen Vater - , das Tier an einem langen Lederriemen hielt und mich so den ganzen Weg bis nach Monmouth führen wollte. Ich mochte doch nicht gerne so auf dem Rosse reiten und bat daher Mr. Arnold, er möge den Riemen wegnehmen lassen, das sei zu arg, es genüge ja, dass ein Konstabler hinter mir reite und die andern könnten zu Fuß mich umringen. Er gab es zu; aber kaum war ich ihm aus Sichtweite, so schickte er uns einen Diener mit dem Auftrag an den Befehlshaber der Konstabler, den Lederriemen wieder an der Halfter zu befestigen, mich, wie er zuerst befohlen, zu führen und ja umsichtig zu sein, denn ich sei des Hochverrates angeklagt. Der Konstabler war jedoch so freundlich, nicht darauf zu bestehen.

So bewacht, kam ich in das Gefängnis von Monmouth; ein Freund hatte mir daselbst einen Raum im Erdgeschoss für wöchentlich 14 Schilling (wohl 60 Mark mach heutigem Geldwerte) gemietet, Zimmer, Bett, Linnen, Feuer, Licht und Bedienung – es war teuer genug, aber ich musste es wohl bezahlen, wenn ich nicht in dem gemeinsamen Gefängnis unter gemeinen Verbrechern liegen wollte. Bemerkenswert ist, dass mir der Aufseher schon in den ersten Stunden einen am gleichen Tag geschriebenen Brief von Mr. Arnold zeigte, worin dieser Herr den Wärter beauftragte, ein scharfes Auge auf mich zu haben, das Gefängnis streng zu bewachen und mich wie einen Hochverräter zu behandeln, da doch derselbe Mr. Arnold am gleichen Morgen, als ich sein Haus verliess, zu mir sagte, ich möchte nur zwei Zeilen an ihn schreiben, wenn Mr. Sadler, der Aufseher, etwa nicht höflich gegen mich sei, er wolle ihm dann schon den Kopf zurechtsetzen. Gleichwohl wurde ich die zwei Monate meiner Gefangenschaft in Monmouth, von 18. November 1678 bis 13. Januar 1679, in meinem Zimmer in engem Gewahrsam gehalten, bei Nacht festgeschlossen und bei Tage eingeriegelt, doch durften mich meine Freunde mit Erlaubnis eines Unteraufsehers besuchen.”

Fast Gleichzeitig mit P. Lewis muss ein Weltpriester, der ehrwürdige Johann Lloyd, ergriffen worden sein, und kurze Zeit nachher wurde auch P. Philipp Evans dingfest gemacht.

Der ehrwürdige Johann Lloyd stammte aus einer alten Familie in Wales und war wahrscheinlich ein Neffe des gleichnamigen Jesuitenpatres, der auch den Namen Fisher führte. 1649 trat er in das Kolleg von Vallodolid ein. Nach Vollendung seiner Studien und Empfang der Priesterweihe kehrte er in seine Heimat Wales zurück und arbeitete daselbst mit großem Eifer bis zum Ausbruch der Titus Oates-Wirren. Er wurde kurze Zeit vor P. Evans verhaftet und in das Gefängnis von Cardiff geworfen. Fünf Monate dauerte es, bis sich Zeugen wider den allgemein geachteten und beliebten Mann fanden. Am Fest Kreuzauffindung 1679 wurde er endlich zugleich mit P. Evans vor Gericht gestellt.

P. Philipp Evans wurde im Jahre 1645 in Monmouth geboren, von katholischen und, wie es scheint, wohlhabenden Eltern; denn er machte seine Gymnasialstudien in dem berühmten englischen Jesuitenkolleg zu St. Omer im damaligen Belgien. 20 Jahre alt, trat er am 7. September 1665 ebendaselbst zu Watten in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein, machte dann im englischen Kolleg zu Lüttich mit Auszeichnung seine theologischen Studien, empfing die heilige Priesterweihe und wurde im Jahre 1675 als Missionar nach seiner Heimat Süd-Wales geschickt. Vier Jahre hatte der junge Priester voll Eifer und Hingabe in diesem dornenvollen Weinberg gearbeitet, als ihm in der Blüte des Lebens der schönste Lohn, der Tod um Christi willen, zuteil wurde.

Da die grimmige Priesterhetze ausbrach und Mr. Arnold einen so hohen Lohn auf seinen Kopf setzte, drangen die Freunde P. Evans’ in denselben, er möge eine Weile außer Landes gehen, bis die Wut des Sturmes sich etwas legen würde. Der Missionar war sich der Gefahr wohl bewußt und konnte wohl denken, dass der Verräterlohn irgendeinen Elenden finden werde, der von Geiz oder Not getrieben sein Blut dem Feinde ausliefere. Gleichwohl blieb er mit Zustimmung des Herrn Tuberville de Skere, in dessen Haus er als Kaplan lebte, auf dem ihm anvertrauten Posten, bereit, wie der gute Hirt sein Leben für seine Schafe hinzugeben.

In der Tat fand sich bald ein “guter Freund”, der an dem Missionar zum Judas wurde, ein gewisser Mr. Logher, der bis dahin sowohl mit P. Evans als mit dessen Hauswirt auf freundschaftlichem Fuße gestanden hatte. Er war Friedensrichter; in dieser Eigenschaft schickte er William Basset, der die Rolle des Klägers übernehmen musste, mit einem Konstabler und den nötigen Papieren am 2. Dezember 1678 in die Wohnung Mr. Tubervilles de Skere, um Haussuchung zu halten und nach den angeblich daselbst verborgenen Priestern zu fahnden. Beinahe hätten sie mit leeren Händen abziehen müssen, denn P. Evans war zufällig abwesend; sie standen auch schon im Begriffe, das Haus zu verlassen, als der Missionar zurückkam. Sofort zog Basset den von Mr. Logher auf Philipp Evans lautenden Verhaftbefehl hervor und sagte zu dem Konstabler, das sei der Mann, der ihnen außer der Staatsbelohnung noch die 200 Pfd. St. von Mr. Arnold einbringe. Der Priester wurde stehenden Fußes in das Haus einer Magistratsperson geführt, wo Mr. Logher seinen Fang erwartete. Mr. Tuberville, der seinen Gast begleitete, gab sich umsonst Mühe, ihn gegen Bürgschaft freizubekommen. Nach einem summarischen Verhör wurde der Verhaftbefehl unterzeichnet und der Gefangene nach dem Gefängnis von Cardiff abgeführt. Unterwegs bot dem Missionar ein anderer Friedensrichter, Sir Edward Esterling, sofortige Freilassung gegen Bürgschaft unter der Bedingung an, dass er den sogenannten Eid der Treue und den Suprematseid schwöre, der den König als Oberhaupt der Kirche in England erklärt. Allein der Missionar dankte freundlich für das wohlgemeinte Anerbieten und antwortete mit freudiger Miene, er gehe viel lieber ins Gefängnis und selbst in den Tod, als dass er sein Gewissen mit einem vom Heiligen Stuhl verbotenen Eid beflecke.

Das feste Schloss Cardiff an der Mündung des Taw (Taff) in den Kanal von Bristol soll bereits von einem Verwandtem Wilhelms des Eroberers um das Jahr 1110 gebaut worden sein. In einem unterirdischen Gewölbe dieser alten Feste musste nun P. Evans in strengster Einzelhaft drei Wochen lang schmachten, bis endlich der edle Mr. Tuberville mit vielem Drängen und Bitten den Befehlshaber des Platzes dazu vermochte, dass der Jesuit die Zelle eines andern Priesters, der ebenfalls der Verfolgung zum Opfer gefallen war, teilen durfte. Es war dieses der oben erwähnte ehrwürdige Johann Lloyd, ein eifriger Weltpriester. Welcher Trost muss es für diese tapferen Nachahmer Christi gewesen sein, das heilige Christfest, wenn auch nicht durch das Opfer der heiligen Messe, so doch in gemeinschaftlichem Gebete feiern zu können! Sie blieben beisammen und teilten alles, bis sie endlich auf dem gleichen Schafott des gleichen Todes sterbend nicht getrennt, sondern ewig vereinigt wurden.

Inzwischen schmachtete P. Lewis in dem Gefängnis von Monmouth in qualvoller Einzelhaft. In der Weihnachtswoche hatte er den unerwarteten Besuch zweier hoher Magistratspersonen, welche ihm mitteilten, Bedloe, der berüchtigte Helfershelfer des Titus Oates, habe eidlich ausgesagt, ein gewisser Diener des Lord Marquis von Worcester sei bei der “Verschwörung” eine Hauptperson, und das wollte Bedloe aus dem Munde unseres P. Lewis gehört haben. Über diese Aussage vernahmen sie den Gefangenen zu Protokoll. “Unter meinem Eide und mit meiner Handschrift erklärte ich”, erzählt uns der Missionar, “dass ich Bedloe meines Wissens nie gesehen, dass ich nie mit ihm gesprochen und nie mit ihm weder direkt noch indirekt verkehrt habe. Ferner erklärte ich, dass ich von der Verschwörung nie etwas gehört oder erfahren, bevor das allgemeine Gerede Kunde davon brachte. Diese meine Erklärungen wurden nach London geschickt, und ich habe seither nichts mehr davon erfahren.” Das heißt bis 24. April 1679, da P. Lewis seine Aufzeichnungen abschloss. Wie wir hören werden, führte man ihn später zur Konfrontation nach London.

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