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Die Titus Oates-Verschwörung (Fortsetzung)

Von Joseph Spillmann

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Als ein Beispiel, mit welchen Mitteln man damals auf gegnerischer Seite kämpfte, führen wir die folgende Verleumdung gegen P. Lewis an. Sie hatte keinen geringeren Urheber als den anglikanischen Bischof von Hereford, Sir Herbert Croft. Dieser unselige Apostat hatte nämlich das Kolleg von Combe in dem benachbarten Herefordshire geplündert, und um diese Großtat in gebührender Weise der englischen Nation zur Kenntnis zu bringen, in einer eigenen, bereits oben erwähnten Druckschrift, welche Anfang Januar 1679 zu London erschien, jeden gefundenen Papierschnitzel haarklein beschrieben. Leider war aber auch nicht der geringste Anhaltspunkt für ein Mitwissen der greulichen Verschwörung zu Tage gekommen. Man musste also, um das Pamphlet etwas pikanter zu machen, schon noch ein übriges dazutun, und so hängte denn der "gottselige Bischof"der Flugschrift "eine wahrhaftige Erzählung von der Büberei (knavery) des P. Lewis, des beabsichtigten Bischofs von Llandaff, jetzt Gefangenen im Gefängnisse zu Monmouth“, an. (Anmerkung von Spillmann: Sir Herbert Croft ist der Sohn des Ritters Herbert Croft, der sich zum katholischen Glauben bekehrte, zu Douai in den Benediktinerorden eintrat und als Laienbruder eines gottseligen Todes starb (10. April 1622). Der junge Sir Herbert trat am 4. November 1626, 22 Jahre alt, als Alumnus in das englische Kolleg zu Rom, blieb daselbst zwei Jahre, kehrte dann zunächst nach Belgien und von da in Familienangelegenheiten nach England zurück, wo er dem katholischen Glauben abschwor und 1660 das anglikanische Bistum Hereford erhielt. Wir sehen, wie der unselige Mann seinen früheren Wohltätern - nach einer Nachricht seinen früheren Ordensbrüdern - vergalt!). Als einen Beitrag zu der anglikanischen Kampfesweise jener Zeit wollen wir diese "wahrhafte Erzählung“ mitteilen:

"Unter den Füchsen dieses Baues (des ‚Kollegs’ von Combe) befindet sich ein gewisser Lewis, der dem Vernehmen nach Titularbischof von Llandaff, gegenwärtig aber Gefangener in Monmouth ist. Es lebte aber ein armes Weib, dessen Beichtvater besagter Lewis war, und deren Vater war ein liederlicher Mensch und starb etwa vor einem halben Jahre. Dieses arme Weib, wohl unterrichtet in der Lehre vom Fegefeuer, und, wie es scheint, von einer weichen Gemütsart, dachte über den Zustand ihres Vaters nach und kam ihrer Lehre gemäß zu der Überzeugung, seine Seele müsse im Fegfeuer in großen Qualen sein. Sie fiel deshalb in außerordentliche Trauer und Kümmernis, und mit Tränen in den Augen wandte sie sich an P. Lewis und sagte ihm, man habe ihr versichert, es stehen ihm Mittel zu Gebote, die Seele ihres Vaters augenblicklich dem Fegfeuer zu entreißen und in den Himmel zu senden; gerne wolle sie all ihr Hab und Gut in dieser Welt geben, wenn er das rasch tue, und wenn sie auch den letzten Heller daran setzen müsste, von dem sie lebe.
Nach einer langen Pause antwortete P. Lewis auf dieses Ansinnen wie folgt: ‚Tochter, mit Freuden gewahre ich, wie mächtig die Gnade in Euch ist, da Ihr so fest an die heilige Lehre vom Fegfeuer glaubt und so herzliches Mitleiden mit der Seele Eures Vaters in demselben habt. Ganz gewiss kann ich (mit dem Beistande unseres Heiligsten Vaters, des Papstes) die Seele Eures Vaters aus dem Fegfeuer heraus und in den Himmel hinein bringen, aber es wird ein gutes Stück Geld kosten. Denn ich muss nach Rom schreiben und mir die Vollmacht erwirken, und viele Messen müssen sowohl in Rom als in allen andern Jesuiten-Kollegien gelesen werden, und dazu noch manches andere gute Werk, und das kostet viel Geld.’ – Die arme Frau sagte, es komme ihr gar nicht darauf an, was es koste; die Seele ihres Vaters sei ihr so lieb und teuer, dass sie ihr ganzes Vermögen dafür geben wolle. Und dann fragte sie ihn, wie hoch die Sache sich denn belaufen werde. Er rechnete an seinen Fingern und sagte nach einer Pause, die Sache werde auf 100 Pfd. St. (etwa 8000 Mark heutigen Wertes) kommen. Da weinte das Weib bitterlich und sagte, all ihr Hab und Gut sei nicht halb so viel wert. Dann erklärte P. Lewis, so wolle er es um 80 Pfd. St. tun, und das Weib antwortete, ihr Vermögen betrage nicht die Hälfte von 80 Pfd. St. – Da fragte sie P. Lewis, wie hoch sich denn ihr ganzes Eigentum belaufe, und sie erwiderte offen und ehrlich, alles in allem sei ihr Besitz 35 Pfd. St., und P. Lewis sagte, da sie so arm sei, wolle er nicht mehr von ihr als 30 Pfd. St., und darauf wurden sie handelseinig.
Als aber P. Lewis später sah, dass das Weib kein bares Geld hatte, wurde er überaus zornig und begann zu toben; schließlich begnügte er sich zwar mit dem Schuldschein auf 30 Pfd. St., ließ ihn aber auf den Namen eines Freundes ausstellen und sorgte dafür, dass der Schuldschein durch einen Advokaten rechtskräftig ausgestellt wurde, was denn auch alles genau geschah. Das Geld sollte binnen sechs Wochen bezahlt werden, und P. Lewis verpflichtete sich, koste es was es wolle, die Seele des Mannes aus dem Fegfeuer heraus und in den Himmel hinein zu schaffen. So gingen sie auseinander und die Frau war sehr getröstet.
Sobald nun die sechs Wochen um das Geld fällig war, schickte P. Lewis zu dem armen Weibe, sie möge zu ihm kommen, und als sie kam, zeigte er ihr ein Buch mit goldenen Blättern und roten Buchstaben, blätterte darin vorwärts und rückwärts, klappte es an seinem Ohre zu, öffnete es wieder, schaute hinein und rief: ‚Da steht’s! Jetzt weiß ich gewiss, dass die Sache in Richtigkeit ist, und ich sage Euch zu Eurem Troste, Euer Vater ist so gewiss im Himmel, als ich hier in diesem Lehnstuhle sitze.’ Und nach einer kurzen Weile, da das Weib ihre Freude über diese fröhliche Nachricht ausgesprochen hatte, fragte P. Lewis, ob sie das Geld mitgebracht habe, die 30 Pfd., die sie ihm schulde. – Sie sagte, sie bringe ihm nicht alles, ihr Geld sei in anderer Leute Hände, und sie habe es nicht so rasch los bekommen können; aber sie habe ihm 10 Pfd. St. mitgebracht und bitte inständig, das für heute anzunehmen; den Rest wolle sie ihm bezahlen, sobald es menschenmöglich sei. Das gefiel aber P. Lewis gar nicht, dass sie nicht die ganze Summe gebracht, und er geriet in einen gewaltigen Zorn gegen die arme Frau und zankte sie und gab ihr manches barsche und bittere Wort, und drohte dem armen Weibe, er wolle ihr die Gerichtsvollzieher schicken und ihre Habe auf ihren Schein hin pfänden, sie selbst aber in den Schuldturm werfen lassen. Und damit nicht zufrieden, drohte er ihr gar mit Exkommunikation, weil sie ihre Verpflichtung gebrochen und die 30 Pfd. St. nicht bezahlt habe. Als P. Lewis jedoch ruhiger über die Sache nachdachte, nahm er die 10 Pfd. und machte mit ihr aus, dass sie sofort noch 5 Pfd. dazu legte, die übrigen 15 Pfd. aber binnen eines Vierteljahres entrichte, und wenn sie das nicht täte, so müsse sie in den Schuldturm und verfalle der Exkommunikation.
Das arme Weib brachte mit großer Mühe die 5 Pfd. auf; bevor sie aber die übrigen 15 Pfd. bezahlte, machte ihr ein Protestant einen Heiratsantrag. Das arme Weib bekannte demselben ehrlich und gewissenhaft, dass sie gar kein Vermögen habe und noch obendrein ihrem geistlichen Vater Lewis 15 Pfd. schulde, und erzählte ihm, wodurch und auf was für eine Art sie so in Schulden gekommen sei. Nichtsdestoweniger heiratete sie der Mann und entfremdete sie nachher Schritt für Schritt der römischen Kirche und bewog sie zum Eintritte in die Kirche von England; dann führte er sie zu einem Friedensrichter, dem sie das alles auf ihren Eid mitteilte.
Und da das Weib wusste, wo ihr heiliger Beichtvater Lewis sich in einem künstlich angelegten, unterirdischen Loche unter dem Lehmboden einer armen, elenden Hütte zu verbergen pflegte, führte sie, erzürnt über den heiligen Betrug, und mit Recht begierig, ihn ebenso zu fassen, wie er sie fassen wollte, auch in der Hoffnung, das Geld wieder zu bekommen, um das er sie so lieblos geprellt hatte, einen Friedensrichter zur Stelle, wo sie den Fuchs in seinem Baue fanden und ausgruben, und von da schickte der Friedensrichter P. Lewis ins Gefängnis von Monmouth, wo er zur Stunde noch ist.“

So lautet die rührende Geschichte, welche der "hochehrwürdige Vater in Gott, Herbert, Lordbischof von Hereford“, wie er sich auf dem Titelblatte nennt, dem englischen Volke erzählte. Dem Leserkreise, für den sie berechnet war, kam sie ganz gewiss nicht so lächerlich und handgreiflich erfunden vor wie uns. Das Caluminare audacter, semper aliquid haeret – "Verleumde nur frech, es bleibt immer etwas hängen“ – bewährte sich auch in diesem Falle. Die Fegfeuergeschichte des P. Lewis machte ihre Runde durch ganz England; Bänkelsänger sangen sie auf Märkten und Straßen zu Nutz und Frommen des guten Volkes, ja sie fand ihren Weg auf die Schaubühnen und sogar in die Theater der Hauptstadt und wurde von John Bull bei lautem No-Popery-Geschrei eifrig beklatscht. Wir werden sehen, dass P. Lewis bei seiner Verurteilung und bei seiner Hinrichtung diese elende Verleumdung des Apostaten Lügen straft und in feierlichster Weise gegen sie protestiert.

Mitten im Winter fiel es dem Obersheriff der Grafschaft ein, P. Lewis von Monmouth in das Gefängnis von Usk bringen zu lassen. "So ritt ich denn“, erzählt der Missionar, "am 13. Januar in der Begleitung eines Untersheriff und des Gefängniswärters von Monmouth nach Usk; es schneite stark unterwegs und wir mussten in Raglan einkehren, um uns etwas zu wärmen und zu stärken. Während meines dortigen Aufenthaltes kam ein Bote an die Türe und wünschte mich zu sprechen. Er meldete, dass einer meiner besten Freunde, Namens Ignatius (oder Walter) Price, eine halbe Meile vom Wege ab am Sterben liege.“

Natürlich durfte der Gefangene seinem Freunde in der letzten Not nicht beispringen und musste sich begnügen, den Sterbenden mit seinen Gebeten zu unterstützen und ihm die letzten Grüße melden zu lassen. Wir aber wollen uns einen Augenblick mit der Geschichte dieses in der größten Verlassenheit sterbenden Missionars, denn ein solcher ist es, beschäftigen, sie wird uns besser noch als das Los der Blutzeugen einen Begriff von den Mühsalen geben, welche die Priester jener Tage in England zu erdulden hatten.

P. Ignatius (Walter) Price war in Wales im Jahre 1610 geboren. 24 Jahre alt trat er in die Gesellschaft Jesu und wirkte seit 1644 als Missionar in Süd-Wales. Seit dem Ausbruch der Verfolgung wurde der fast siebzigjährige Greis buchstäblich zu Tode gehetzt, eine Todesart, der während jenes Winters mehr als ein Priester zum Opfer fiel. Man drängte den Missionar, seine Herde wenigstens zeitweilig zu verlassen; aber der Greis wählte lieber den Tod. Nacht für Nacht brachen die Priesterjäger, die ihm auf der Spur waren, in die katholischen Häuser der Gemeinde von Raglan ein, welche er treu verwaltete, so dass er schließlich keinen ruhigen Fleck und keinen sicheren Schlupfwinkel mehr hatte. Oftmals wagten seine Pfarrkinder aus Furcht vor den grausamen Strafen nicht, den hochbetagten Mann unter ihr Dach aufzunehmen, und noch öfters hatte er selbst aus Liebe zu seiner Herde und um die Seinigen zu schonen nicht den Mut, die Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen. Am meisten muss ihn geschmerzt haben, dass ein naher Verwandter, den er umsonst zu bekehren versucht hatte, sein wütigster Verfolger war. Schließlich wagte er sich kaum mehr in ein Haus, sondern floh von Scheune zu Scheune, suchte bald in einem verlassenen Kellergewölbe, bald sogar in einem elenden Schweinestall eine Unterkunft, irrte in den rauhen Stürmen des November und Dezember bei Schnee und Regen durch Berg und Wald, bis endlich Kälte, Hunger und Ermüdung den alten Mann auf das Sterbelager niederwarfen. Wer ihm zuletzt noch eine Unterkunft bot, wird nicht berichtet; es müssen wackere Leute gewesen sein, sonst hätten sie nicht den Mut gehabt, den gefangenen P. Lewis um seinen geistlichen Beistand für den Sterbenden anzusprechen. Er sollte aber des Trostes entraten, im Todeskampfe durch die Gegenwart eines Priesters gestärkt, durch die heilige Lossprechung getröstet zu werden; es war dies das letzte und vielleicht das größte Opfer, das er aus Liebe zu seinem Heiland bringen musste, aber auch der letzte Edelstein in einer reichen Krone. P. Price starb drei Tage später, am 16. Januar 1679, fromm im Herrn. Der unmenschliche Verwandte ließ den Toten nicht einmal im Grabe ruhen; das Gerücht hatte sich verbreitet, der Leichnam sein mit einem kostbaren Kreuz begraben worden. So scharrte er den Sarg hervor und öffnete ihn, "nicht aus Liebe zum Kreuze, sondern zum Metall“, wie die Jahresbriefe der englischen Ordensprovinz bemerken, aber er empfing keinen Lohn seiner Bosheit.

Drei Tage nach seiner Ankunft im Gefängnis zu Usk vernahm P. Lewis den Tod seines ehrwürdigen Mitbruders. Er fand daselbst mehrere Katholiken, welche Ketten und Bande trugen, weil sie sich weigerten, den berüchtigten "Eid der Treue“ zu schwören. "Nicht dass sie dem König ihre unverbrüchliche Treue verweigert hätten,“ wie der Missionär bemerkt, "sondern weil sie wohl wussten, dass der besagte Eid mehrere Punkte enthielt, welche kein Katholik mit gutem Gewissen zugeben darf.“

Wenige Wochen später forderte die Verfolgung einen andern Veteran der Mission von Süd-Wales zum Opfer, den ehrwürdigen P. Franz Neville (Cotton). Geboren in Hampshire im Jahre 1595, trat er 1616 in die Gesellschaft Jesu ein und arbeitete seit 1622, also bereits 57 Jahre, zumeist in Süd-Wales als eifriger Missionar. Die eben angeführten Jahresbriefe der englischen Provinz widmen dem ehrwürdigen Greis folgendes Lob, indem sie seinen gewaltsamen Tod berichten:

"Im letzten Februar starb P. Franz Neville vere Cotton, der viele ehrenvolle Ämter in der Gesellschaft (Jesu) verwaltete, den Tod eines alten und wohlerprobten Soldaten, geschmückt mit der Lorbeerkrone, im Alter von 84 Jahren, von denen er 63 im Orden und 47 als Profess verlebte. Bei allen Ständen war er seines leutseligen Benehmens und seiner glühenden Frömmigkeit wegen beliebt. Mit ungewöhnlichen Talenten verband er einen großen Fleiß; genau in der Beobachtung auch der unbedeutendsten Regel, befleißigte er sich in tiefster Demut eines beinahe ununterbrochenen Gebetes und glühte vor Liebe zu Gott, in dessen Gegenwart er beständig wandelte. In Andenken an die Worte des Herrn: Quia in paucis fuisti fidelis – 'Da du im geringen getreu warst’, bemühte er sich, ein guter und getreuer Knecht zu werden, und rief sich unablässig die Worte Gottes an Abraham zu: Ambula coram me et esto perfectus – 'Wandle vor mir und sei vollkommen’. Dem Nächsten bewies er große Liebe und arbeitete mit rastlosem Eifer an seiner Bekehrung, ohne jedoch bei seiner Arbeit die Vereinigung mit Gott aus dem Auge zu verlieren… Welche Mühsale und Leiden er in der langen Reihe seiner Missionsjahre zu erdulden hatte, muss jedem klar sein, der die infamen Gesetze kennt, welche während der verschiedenen Verfolgungen gegen die Katholiken im allgemeinen und gegen die Mitglieder der Gesellschaft Jesu insbesondere erlassen wurden. Er fühlte ihre Strenge, da er gezwungen war, in den Schlupfwinkeln wie in beständiger Haft zu leben, namentlich als Superior; denn den Obern stellten die Häretiker mit besonderer Wut nach. Gleichwohl entkam er glücklich den Schlingen seiner Feinde, bis er beim Ausbruch der gegenwärtigen Verfolgung (1678 – 1679), von einem unseligen Apostaten verraten, in ihre Hand fiel. Der ehrwürdige Vater wurde in dem Haus eines katholischen Edelmannes von einer Bande von Häschern ergriffen; mit Wut hatten sie sich auf die bezeichnete Wohnung gestürzt, hatten alles zertrümmert und durchstöbert und fanden ihn endlich auf der Bodenkammer in seinem Versteck. In ihrem Jubel über den glücklichen Fang oder in ihrem Zorn ob des mühsamen Suchens stießen sie ihn voll Rohheit die ganze Treppe hinunter, so dass er auf dem gepflasterten Boden hinstürzte. Als die ihn nun aufhoben und gefangen nehmen wollten, fiel er ihnen bewusstlos in die Arme. Die grausamen Verletzungen, welche er empfangen hatte, beschleunigten seinen Tod, und er starb wenige Tage später.“

Der Bericht der literae annuae wird von mehreren gleichzeitigen Zeugnissen vollkommen bestätigt. Die Häscher konnten den Sterbenden nicht mit sich fortschleppen; sie trugen ihn in ein Zimmer hinauf und nahmen dem Herrn des Hauses das Versprechen ab, dass sich der "Gefangene des Königs“ stelle, sobald er vor Gericht gefordert werde. Wirklich kam nach wenigen Tagen die Forderung, aber nicht vor den Stuhl eines irdischen Richters, sondern vor den Thron Jesu Christi, und nicht, um gerichtet, sondern um gekrönt zu werden, wurde der getreue Knecht abberufen.

P. Lewis blieb in dem Gefängnis zu Usk, bis in Monmouth die Frühlings-Assisen [Assisen: Gerichtssitzungen] gehalten wurden, vor welchen er erscheinen und sein Urteil hören musste. Wir haben aus seiner Feder eine sehr ausführliche Beschreibung dieser Gerichtsverhandlung. Es handelte sich dabei einzig um den Beweis, dass der Angeklagte römisch-katholischer Priester sei. Es gelang ihm zwar, die vorgeführten Zeugen als durchaus unglaubwürdig zu brandmarken; allein die Überzeugung, dass ein Priester vor ihnen stehe, konnte er darum den Geschworenen nicht benehmen. Der Missionar sah es wohl ein, und da er der Pflicht der Selbsterhaltung Genüge getan, richtete er sein Augenmerk einzig noch darauf, die niederträchtige Verleumdung des anglikanischen Bischofs von Hereford, welche wir oben anführten, feierlich und in offenem Gericht zu brandmarken. Es gelang ihm dieses so vollständig, dass selbst dem Richter das Geständnis abgerungen wurde, der Bericht entbehre jeder Glaubwürdigkeit. P. Lewis erreichte diesen Zweck auf folgende Weise. Er verlangte zum Schlusse der Verhandlung, einem gewissen Seyes, der ihn gefangen genommen hatte und der jetzt als geschworener Zeuge gegen ihn anwesend war, eine Frage vorlegen zu dürfen. Der Richter gestattete es, und P. Lewis fragte:

"'Mr. Seyes, war ein Friedensrichter zugegen, als Ihr mich gefangen nahmt?’ – Seyes: ‚Nein.’ – Gefangener: ‚Mylord, das gibt mir Gelegenheit, mit Ihrer Erlaubnis mich von einer niederträchtigen Lüge zu reinigen, mit der ich im Angesichte der ganzen Nation in einer Druckschrift verleumdet wurde. Ich kann das Pamphlet vorlegen; es enthält auch keine wahre Zeile. Am Schluss heisst es, ich sei von einem Friedensrichter gefangen worden, und zwar in einem Loche, das künstlich unter einem Lehmboden ausgehöhlt war. Mr. Seyes weiss wohl, dass das eine Lüge ist. Ferner ist darin behauptet, ich hätte ein armes Weib um 30 Pfd. St. betrogen, um die Seele ihres Vaters aus dem Fegfeuer zu befreien; das Pamphlet nennt aber weder das Weib, noch ihren Mann, noch den Ort, noch die Zeit, wann und wo.’ – Richter: ‚Wirklich nicht?’ – Gefangener: ‚Nein, Mylord, so dass das ganze Pamphlet ein einziges, von einem ebenso kopflosen wie boshaften Menschen verfasstes Lügengewebe ist.’ – Richter: ‚Mr. Lewis, ich meinerseits glaube auch nicht, dass es auf Wahrheit fuße.’“

P. Lewis konnte sich mit dieser Erklärung zufrieden geben. Als ihn der Richter daher fragte, ob er sonst noch etwas zu bemerken habe, sagte er ruhig "nein“ und wartete nun auf sein Urteil. Der Richter wandte sich an die Geschworenen und wiederholte die Hauptpunkte der Klage. Er schloss seinen Vortrag mit den Worten: "Wenn ihr glaubt, was die Zeugen beschworen haben, so müsst ihr den Gefangenen des Hochverrates schuldig finden.“

Das geschah denn auch. Nach dem Statut aus dem 27. Jahre der Königin Elisabeth, das alle katholischen Priester des Hochverrates für schuldig erklärte, sprachen die Geschworenen am 28. März a. St. ihr Verdikt und der Richter das barbarische Urteil.

P. Lewis hörte es mit vollkommener Ruhe an und machte dem Gerichtshof eine tiefe Verbeugung, zum Zeichen, dass er den ungerechten Spruch, der ihm die Martyrerkrone verhieß, mit Dank entgegennehme. Die Vollstreckung des Urteils wurde einstweilen nach dem Willen des Königs aufgeschoben und der Verurteilte nach Usk zurückgebracht, wo er den 24. April die mitgeteilten Aufzeichnungen beendete. Gleichsam als Postskriptum hat er ihnen noch eine Bemerkung beigefügt, welche zeigt, mit wie verschiedenem Maße die Waage der Themis [Themis: griechische Göttin der Gerechtigkeit] damals gehandhabt wurde. "Bei denselben Assisen waren noch verschiedene Klageschriften eingereicht worden; einen gegen einen der angesehensten (anglikanischen) Geistlichen der Gegend, wegen… (eines schmählichen Verbrechens); die Sache war völlig bewiesen, aber man fand die Klageschrift nicht mehr, denn es wäre ein zu großer Skandal und eine zu große Schande für die Kirche von England gewesen. Eine andere Klage beschuldigte einen Diener Mr. Arnolds eines monströsen Verbrechens; die Tatsache war bewiesen, die Klageschrift wurde nicht verheimlicht, aber der Schuldige war entwischt. Zwei Mörder, deren Bluttat erwiesen war, kamen gnädiglich davon. Ein notorischer Dieb, der schon zweimal auf Leben und Tod angeklagt und einmal zum Strick verurteilt war, stand wegen Einbruch und Diebstahl von 22 Pfd. St. vor Gericht. Alles war zur Evidenz bewiesen; doch ließ man ihn mit einem leichten Brandmal in der Hand laufen. Ich“, schließt P. Lewis diese Bemerkungen, "ich allein wurde zum Tode verurteilt.“

Am Fest der Kreuzauffindung (3. Mai) wurden endlich auch die beiden Gefangenen von Cardiff-Castle, der ehrwürdige Lloyd und P. Evans, in Cardiff vor Gericht gestellt. Der Ankläger, Mr. Logher, hatte inzwischen seinen glücklichen Fang nach London an das Privy Council gemeldet und für seinen Eifer den Dank der hohen Lords zugleich mit einer Anweisung erhalten, wie er gegen die Gefangenen vorzugehen habe. Dieser gemäß hatte er eine Anzahl Katholiken aus der ärmsten Klasse, welche aus Furcht vor den grausamen Gesetzen den verbotenen Eid geleistet, zu sich berufen. Zuerst versuchte er einen armen Menschen zu verlocken, dass er bezeuge, P. Evans sei ein Priester. Der Mann lehnte es rundweg ab und blieb bei seiner Weigerung, obschon er halb tot gepeitscht wurde. Alle andern folgten seinem Beispiel und verweigerten jedes Zeugnis. Endlich gelang es aber dem Kläger doch mit Zureden und Drohen, ein armes, altes Weib und ihre Tochter zu gewinnen.

Diese führte Mr. Logher als Zeugen vor. Die unseligen Personen schwuren, sie hätten P. Evans Messe lesen, lateinisch, englisch und wälisch predigen hören, sie hätten ferner von ihm die Sakramente der Buße und der Eucharistie empfangen und ihn Mr. und Mrs. Tuberville die Kommunion reichen sehen. Als weiteren Zeugen brachte Mr. Arnold einen gewissen "Zwerg“ mit, einen liederlichen Apostaten, der in Monmouth schon falsches Zeugnis gegen P. Lewis abgelegt hatte und der überhaupt ein Geschäft daraus zu machen schien, den Gerichten gegen die Priester mit seinem käuflichen Eide hilfreich beizuspringen. Dieser Mann also schwor, P. Evans habe ihn nach seinem Abfall von der katholischen Kirche gefragt, was ihn zu diesem Schritte bewogen habe, und beigefügt: "Wenn Ihr es aus Furcht vor den Strafgesetzen tatet, so handelt Ihr töricht; denn ich versichere Euch, in kurzer Zeit wird keine andere Religion in England sein als die katholische.“

Das war ein perfider Angriff des Zeugen, um den Missionar der Mitwissenschaft der berüchtigten Verschwörung zu zeihen, und P. Evans erhob sich sofort, um gegen diese meineidige Aussage, die der Zwerg auf Anstiften Mr. Arnolds gemacht habe, Verwahrung einzulegen. Gegen das Zeugnis der beiden Frauen entgegnete er aber kein Wort, da es auf Wahrheit beruhte. Der Richter beruhigte ihn mit der Versicherung, auf das durch kein anderes Moment gestützte Zeugnis des Zwerges würde gar keine Rücksicht genommen; die Aussage der beiden Frauen genüge vollständig, wenn er dieselbe nicht widerlegen könne. Da nun der Missionar zu seiner Verteidigung weiter nichts vorbrachte, fasste der Richter die Verhandlung kurz zusammen und schloss mit den Worten an die Geschworenen: "Wenn ihr das Zeugnis der Weiber glaubt, so müsst ihr ihn schuldig finden, weil er das Kapitalverbrechen beging, sich zum Priester weihen zu lassen.“ Charakteristisch für diese fanatische Rohheit jener Tage ist der Zug, dass einer aus den Geschworenen, ein gewisser Richard Basset, mit einem Fluche auf die Anrede des Richters antwortete und rief: „Ja, ganz recht! Kommt geschwind, wir wollen ihn ohne Federlesen schuldig finden.“ So geschah es denn auch. Die beiden Priester wurden in der üblichen barbarischen Weise wie P. Lewis zum Tode verurteilt. Sie hörten den Spruch mit unerschütterlichem Mute und freudestrahlendem Antlitz, und P. Evans dankte sowohl dem Richter als den Geschworenen für das große Glück, das ihm durch sie zuteil wurde.

In den Kerker zurückgeführt, konnte sich der ehrwürdige Evans vor Trost und Freude kaum fassen. Die schweren Ketten, in die er nun als ein zum Tode Verurteilter geschlagen wurde, bedeckte er mit heißen Küssen und verehrte sie als die Insignien seines Herrn und Meisters Jesus Christus, welcher ihn der großen Ehre der Teilnahme an seinen Leiden würdigen wollte. Als er dann die kirchlichen Tagzeiten gebetet hatte, bat er den Schloßhauptmann um eine Harfe, welche er früher manchmal zu seiner eigenen und seines Mitgefangenen Erholung gespielt hatte. Es drängte ihn, den Jubel seines Herzens auch in andere Herzen auszuströmen, und er spielte die Harfe mit derselben Seelenruhe, mit welcher er sie in den frohen Tagen seines Knabenalters im Chore zu St. Omer gespielt hatte, und Freudenlieder und Dankgesänge erschallen von seinen Lippen. Weder die Moderluft seines Gefängnisses, noch die Last seiner Fesseln konnten seine Freude dämpfen oder seinen Gesang verstummen machen. Dieser freudige Mut blieb ihm treu bis zum Tode. Seine katholischen Freunde, die ihn oftmals besuchten, bezeugten einstimmig, wie er sie stets aufforderte, sich mit ihm zu freuen und ihn seines glückseligen Loses wegen zu beglückwünschen. Aber auch die protestantischen Einwohner von Cardiff bestätigten dasselbe; in großer Zahl drängten sie sich täglich herbei, um das seltene Schauspiel eines Mannes zu genießen, der sich auf seinen Tod freute; um aber die Moderluft seines Kerkers nicht atmen zu müssen, warteten die Leute die Stunde ab, da die Gefangenen sich im Hofraume etwas ergehen durften.

Die Hinrichtung wurde nämlich fast drei Monate hinausgeschoben, und man glaubte ziemlich allgemein, das Urteil würde an den beiden Priestern überhaupt nicht vollstreckt werden. Schon gab man den Verurteilten etwas mehr Freiheit; da plötzlich kam die Weisung, den Blutspruch am folgenden Tage zu vollziehen. Als der Befehl eintraf, war P. Evans gerade im Gefängnishofe, mit einem harmlosen Spiele beschäftigt. Der Wärter wollte ihn abrufen, damit man ihm feierlich die Vollstreckung seines Urteiles ankündige; aber der Missiona, der auch nicht einen Augenblick seine Ruhe verlor, bat ihn: “Was eilt’s denn so? Lasst mich doch erst mein Spiel beenden!” Wirklich vollendete er mit Erlaubnis des Gefängniswärters sein Spiel und kehrte dann freudig in den Kerker zurück, wo er sich die Fesseln wieder anlegen ließ.

Die gleiche Seelenruhe und heilige Freude spricht sich auch in zwei Briefen des seligen Blutzeugen aus, die er, den ersteren am Vorabend, den zweiten am Tage seiner Hinrichtung, schrieb. Wir wollen diese beiden kostbaren Dokumente wörtlich mitteilen. Der erste ist an die Schwester des Seligen gerichtet, welche in einem Frauenkloster der Annunciaten zu Paris weilte. Sie trug den Klosternamen Katharina Barbara und hatte fast an demselben Tag (6. Mai 1679) ihre Profess abgelegt, an welchem ihr Bruder in Cardiff zum Tode verurteilt wurde. Der Brief lautet:

“Liebe Schwester! Ich weiß recht wohl, dass Du in den Grundsätzen des christlichen Mutes viel zu fest begründet bist, um auch nur einen Augenblick durch die Nachricht beunruhigt zu werden, dass der gegenwärtige Brief der letzte ist, den Dein liebender Bruder an Dich schreibt. In der Tat werde ich in wenigen Stunden, wie ich hoffe, sterben, weil ich Priester bin, und daher um der Sache Gottes willen. Welch größeres Glück kann einem Christen zuteil werden? Wie müssen alle Freunde und Verwandten vielmehr jubeln und mich beglückwünschen, als weinen und wehklagen! Wie ich mich selbst deinen frommen Gebeten empfehle, so darfst du auch sicher auf mein Gebet zählen, dass dich der allmächtige Gott zu seiner treuen Dienerin mache und dass du dereinst des ewigen Lebens teilhaftig werdest. Dafür betet und wird beten
21. Juli 1679. Dein sterbender Bruder Ph. Evans.“

Der zweite Brief, der wahrscheinlich an den frommen Hauswirt, den opfermutigen Mr. Tuberville de Skere, gerichtet war, ist am Vormittag des 22 Juli geschrieben:

“Lieber Herr! Euer christlicher Starkmut ist mir so wohl bekannt, dass die Zeilen eines Sterbenden Euch nicht erschrecken werden; derselbe ist Euch auch so in Freundschaft ergeben, dass er seine Hände ganz gewiss im Gebet zum allmächtigen Gotte erheben wird, um seine Gnade für Euch und Eure liebe Familie zu erflehen. Wenn ich glaubte, Mr. David Lewis (Anmerkung Spillmann: P. Lewis, von dessen Schicksal P. Evans noch keine Nachricht hatte) wäre noch am Leben, wollte ich ihn gerne grüßen lassen. Heute Nachmittag gehen wir zur Hinrichtung. Niemand kann das Glück beschreiben, den Tod um der Sache Gottes willen erleiden zu dürfen, und so zähle ich darauf, dass Ihr und Eure liebe Familie viel eher jubeln als wehklagen werdet. Seid überzeugt, wenn ich zum Throne Gottes komme, so soll es Euch und Eurer Familie (Dank für alle Wohltaten!) an einer befreundeten Seele nicht mangeln. Meine Zeit ist kurz. Ich empfehle also Euch und die Freunde in Gottes Schutz und bleibe Euer in Liebe
22. Juli 1679. ergebener Freund Philipp Evans.”

Heute Nachmittag gehen wir zur Hinrichtung – Just this afternoon we are going to execution! Klingt das nicht, als ob der Märtyrer sagte: Heute Nachmittag machen wir eine Lustpartie? Und der Mann, der so ruhig vom Tod und zwar vom Tod durch Henkershand spricht, steht in der Blüte seiner Jugend und Kraft, erst im 34. Jahre seines Lebens. Aber der Geist des Glaubens ist stark in diesen Herzen; der edle Blutzeuge weiß, für wen er leidet, und hofft zuversichtlich, bald am Throne Gottes zu stehen als mächtiger Fürsprecher für seine Schwester und seine Freunde.

Es war, wie gesagt, der 22. Juli a. St., das Fest der hl. Maria Magdalena. Der Untersheriff trat in das Gefängnis und kündete den Verurteilten an, die Stunde der Hinrichtung sei da. Man ließ einen Schmied kommen, der die Eisenringe der Fesseln von den Gliedern lösen sollte; bei P. Evans waren sie aber so fest genietet, dass der Mann mehr als eine Stunde hämmern und feilen musste und dem Gefangenen große Schmerzen bereitete; ärgerlich und zugleich von Mitleid gerührt warf er endlich sein Werkzeug weg, und nur die Bitten des Missionärs konnten ihn bestimmen, sein trauriges Geschäft zu vollenden. Dann verließen die beiden Priester zusammen das Gefängnis, das sie während fast acht Monaten durch ihr Gebet und ihr opferfrohes Leiden geheiligt hatten. Man versagte ihnen die Bitte, den letzten Weg zu Fuß zurücklegen zu dürfen, und setzte sie mit gebundenen Armen auf einen Karren. Auf dem ganzen Wege beteten sie zusammen, und als sie den Galgen von weitem erblickten, legten sie sich gegenseitig noch eine letzte Beichte ab und gaben sich das Versprechen, dass derjenige, der an zweiter Stelle hingerichtet würde, seinem Vorgänger im Leiden im Augenblicke des Todes die letzte Absolution erteilen wolle. Am Fuße des Galgens angekommen, fielen sie auf ihre Knie und grüßten denselben mit den Worten, die dem hl. Andreas von der Kirche in den Mund gelegt werden: „Sei gegrüßt, du gutes Kreuz!“ Dann umarmten sie sich, küßten sich wiederholt, verweilten noch etwas in stillem Gebete und fragten dann den Sheriff, wer von ihnen zuerst sterben müsse. Er sagte, Mr. Evans. So umarmte der Missionar seinen Gefährten noch ein letztes Mal und richtete folgende kurze, aber herzliche Ansprache an die versammelte Menge:

"Ich brauche euch nicht zu sagen, weshalb wir hierher zum Tode geführt werden. Unser Todesurteil bezeugt laut, dass wir nicht einer Verschwörung oder irgendeines andern Verbrechens wegen leiden, sondern einzig, weil wir Priester sind! Daher sterbe ich für meine Religion und für mein Gewissen. Ich werde nicht viele Worte über die Güte meiner Sache verlieren, weil ich denke, es bedarf meiner Worte nicht; aber sie ist so vortrefflich, dass ich das Glück, für sie zu sterben, nicht um alle Kronen der Welt hingeben möchte. Wahrlich, wenn ein Mensch jemals die Wahrheit spricht, so ist es in der Todesstunde; daher, hoffe ich, wird niemand meine Worte bezweifeln. Sollte ich einen Feind auf Erden haben oder jemals gehabt haben – ich glaube nicht, dass ich jemals in meinem Leben einen solchen hatte –, so verzeihe ich ihm von Herzen alles, was er gegen mich sagte oder tat; und sollte ich jemand beleidigt haben, so tut es mit von Herzen leid und ich bitte ihn um Verzeihung. Möge Gott dem König Glück und Segen verleihen! Ich bitte um das Gebet aller Katholiken, die hier gegenwärtig sind!“

Nach diesen Worten kniete der Märtyrer nieder und betete. Einige Freunde drängten sich ohne Menschenfurcht herbei; er nahm herzlich Abschied von ihnen und bestieg dann die Leiter. Von ihren Sprossen aus richtete er die letzten Worte an die zahlreichen Zeugen seines Todes:
"Von dieser Kanzel aus – und eine bessere kann es für einen Unschuldigen nicht geben – drängt es mich, euch nochmals zu sagen, dass ich für Gott und seine Religion sterbe, und dass ich mein Los für das glückseligste halte. Wenn ich zehntausend Leben hätte, so wollte ich sie auf das bereitwilligste für eine so gute Sache hinopfern. Wenn mir ja auch das Leben geschenkt würde, so wäre es nur für eine kurze Zeit, obschon ich noch jung bin. Wie glücklich bin ich also, dass mir die unendliche Güte Gottes erlaubt, um einen so geringfügigen Preis das ewige Leben einzuhandeln! Allen, die zu meinem Tode, meinem Prozesse oder meiner Verurteilung mithalfen, verzeihe ich. Inbrünstig bitte ich zu Gott, er möge alle meine Wohltäter reichlich segnen. Allen, die sich mir freundlich erwiesen, und namentlich Euch, Mr. Sheriff, danke ich für die menschliche Behandlung, die Ihr mir widerfahren ließet. Lebt wohl, Mr. Lloyd, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, denn sogleich werden wir uns wiedersehen! Betet alle für mich; ich will es euch vergelten, sobald ich nach Gottes Erbarmung mich der beseligenden Anschauung erfreue. Wenn irgend jemand von euch, die ihr mich jetzt so freudig für meine Religion sterben sehet, einen guten Gedanken dabei fasst, so will ich mich glücklich preisen.“ Dann sammelte er sich eine Weile und bat um die letzte Absolution, indem er die Worte sprach: „Mr. Lloyd, haltet Euer Versprechen!“ Der Henker legte ihm jetzt die Schlinge um den Hals; da erhob er seine Hände und rief mit klarer Stimme: In manus tuas, Domine, commendo spiritum meum! – „In deine Hände, o Herr, empfehle ich meinen Geist!“ So wurde er von der Leiter gestoßen und starb. Die Menge der Zuschauer war beim Anblick dieses heldenmütigen Todes tief bewegt.

P. Evans zeichnete sich aus durch ein offenes, biederes Wesen; er war dem Gebete eifrig ergeben, genau in Beobachtung seiner Ordensregel, eifrig im Gehorsam, und durch seine Leutseligkeit und das Bestreben, allen zu dienen, bei jedermann beliebt. Seine Züge waren der Spiegel seines frohen und offenen Herzens und seiner religiösen Bescheidenheit; aber niemals war, nach dem Zeugnis Bischof Challoners, sein Antlitz freudiger, als da er auf der Leiter des Galgens stand. "Alle Anwesenden bezeugten“, sagte der Verfasser der "Denkwürdigkeiten“, "dass er niemals besser und fröhlicher aussah, als da er starb.“

Während der Hinrichtung von P. Evans bewies sein Gefährte, der hochwürdige Herr John Lloyd, ebensoviel Standhaftigkeit als Freude und richtete, bevor er die Leiter bestieg, folgende schlichte Worte an die Zuschauer:
"Mein Leidgefährte hat die Ursache unseres Todes bereits klargelegt; ich brauche es mithin nicht zu wiederholen und überdies war ich nie in meinem Leben ein gewandter Redner. Ich erkläre also einfach, dass ich im wahren katholischen und apostolischen Glauben gemäß den Worten des Glaubensbekenntnisses: ‚Ich glaube an die eine heilige, katholische Kirche’ und in Ausübung der drei Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe sterbe. Ich verzeihe allen, die gegen mich gefehlt haben, und wenn ich jemand beleidigt habe, so tut es mir von Herzen leid und ich bitte ihn um Verzeihung. Ich bitte um das Gebet aller und namentlich um das der hier gegenwärtigen Katholiken; mögen sie ihr Kreuz mit Geduld tragen und sich der Worte der Heiligen Schrift erinnern: ‚Selig sind die, welche um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden; denn ihrer ist das Himmelreich.’“

Dann bestieg der ehrwürdige Diener Gottes die Leiter, dankte noch einmal allen, die ihm Freundlichkeit bewiesen, besonders dem Sheriff, rief: "Mr. Crome, Ihr wart stets mein Wohltäter, bittet jetzt für mich!“ schlug dreimal an seine Brust, indem er lateinisch die Worte sprach: "Herr erbarme dich meiner, eines Sünders“, rief: "In deine Hände, o Herr, empfehle ich meinen Geist!“ und gab das Zeichen. Man stieß ihn von der Leiter, und in wenigen Minuten hatte er ausgekämpft.

Noch bevor die beiden Helden, von denen wir soeben erzählten, ihre Kronen und Palmen errangen, ging ein anderer Kämpfer aus schwerer Trübsal zum ewigen Sieg und Frieden ein. Sein Schicksal gleicht sehr dem Los des P. Ignatius (Walter) Price, so zwar, dass man den einzigen Brief, der uns von seinem Leiden berichtet, auch schon auf P. Price bezogen hat und die Vermutung aussprach, derselbe könnte wohl auch den Namen Andrews geführt haben. Diese Annahme scheint aber schon deshalb unhaltbar, weil P. Price bestimmt am 16. Januar starb, während im vorliegenden Falle die frisch begrabene Leiche zu Ende Juni aufgefunden wird. So ähnlich daher auch in manchen andern Punkten die Leiden des P. Price und des hochwürdigen Herrn Andrews sind, muss man doch annehmen, dass sie zwei verschiedene Personen waren. Da aber der Name Andrews weder in den damaligen Katalogen der englischen Provinz der Gesellschaft Jesu noch in den Jahresbriefen sich findet, glauben wir, dass der ehrwürdige Bekenner kein Jesuit, sondern höchst wahrscheinlich Weltpriester war, obwohl der protestantische Gewährsmann ihn „den berühmten Jesuiten“ (that grand Jesuit) nennt. Protestanten waren eben auch damals rasch mit dieser Benennung zur Hand. Der Brief, dem wir die einzige Kunde von diesem Opfer der Verfolgung verdanken, ist aus dem Dorfe Skenfirth in Monmounthshire unter dem 2. Juli 1679 datiert. Er lautet wörtlich also:

"Eine wahrhaftige Geschichte von dem Jesuiten-Pater Andrews, wie er zu Hardwick in Monmountshire lebte, wie er in einen großen Wald floh, um der Gerechtigkeit zu entgehen, wie er eines vorzeitige Todes starb und auf was für eine Art er begraben wurde.

Herr, ich schicke Euch hier einen kurzen, aber vollständigen Bericht über einen gewissen P. Andrews, einen Jesuiten, der manchmal an einem, Hardwick genannten, Ort in Monmouthshire sich aufhielt, manchmal auch bei seinem Bruder Thomas Andrews in der Pfarrei von Skenfirth, etwa acht Meilen von Hardwick, in der gleichen Grafschaft. Nach der Entdeckung der letzten Verschwörung wurden von verschiedenen Friedensrichtern Verhaftbefehle gegen den genannten P. Andrews erlassen, so dass er gezwungen war, von den erwähnten Ortschaften in einen nahe gelegenen Wald zu flüchten. Daselbst lag er über drei Monate verborgen; ein junger Knecht seines Bruders trug ihm täglich Nahrung zu. Da er aber fand, dass seine Gesundheit in diesem Verstecke sehr litt, so besorgte ihm ein gewisser Hills, ein Priester, der ihn von Zeit zu Zeit besuchte, bei einer guten Witwe, deren Name Johanna Harris war, ein kleines Stübchen. Hills besuchte ihn da öfters während drei oder vier Tagen. Auch schickte er die arme Frau manchmal zu einem Metzger, der in einem kleinen Dorf, etwa eine halbe Meile entfernt, wohnte, dass sie Fleisch für den Pater kaufe. Sie durfte nicht viel auf einmal kaufen, denn der Kranke musste frische haben, und der bloße Anblick eines großen Stückes war genügend, ihm Übelkeit zu verursachen, denn er war sehr schwach und gebrochen durch die Last seiner Jahre. Dem Metzger fiel es auf, dass dieses arme Weib so oft kam und Fleisch kaufte, was sie früher nicht getan; denn sie war nicht in der Lage, Fleisch für sich selber kaufen zu können. Er nahm also eine Gelegenheit wahr und fragte sie, für den das Fleisch sei, und sie gestand unumwunden, es sei für einen alten Herrn, der seit kurzem bei ihr zur Miete wohne. Da merkte der Fleischer sofort, das werde entweder ein Priester oder ein Jesuit sein, und lief schnurstracks zu einem gewissen Mr. Arnold, einem Friedensrichter und eifrigen Papistenverfolger, und erzählte ihm, was die Frau gesagt. Sogleich eilte Mr. Arnold in Person mit einigen Dienern und Nachbarn herbei und durchsuchte das Haus. Allein der Priester war schon gewarnt und auf und davon, als sie kamen. Die Wittfrau wurde ins Verhör genommen, was aus dem alten Herrn geworden sei, der bei ihr zur Miete gewohnt hätte; sie sagte, er sei vor kurzem fortgegangen, und sie wisse nicht, wohin. Der Friedensrichter schickte das Weib ins Gefängnis nach Usk, wo sie jetzt noch gefangensitzt. Nachdem der Vogel so entwischt war, konnte Mr. Arnold nichts mehr von ihm erfahren bis zum 27. des verflossenen Juni. Da wollte ein Bauer, der zu Wengothan in der Nähe von Abergavenny wohnt, einiges Heu in eine seiner Scheunen legen, welche in früherer Zeit eine Kapelle war und zu irgend einer Abtei oder Priorei gehörte. Wie er nun etwas altes Stroh beiseite räumte, um Platz für das Heu zu gewinnen, fand er darunter eine frischgegrabene und vor kurzem zugefüllte Stelle wie ein Grab. Das machte den Mann stutzig, und er wusste nicht, was tun. Endlich dachte er, es sei das Beste, die Sache einem Friedensrichter anzuzeigen; denn er meinte, es könnte jemand ermordet und daselbst begraben sein. Der Richter befahl sofort, die Stelle zu untersuchen, und da fand man die Leiche eines Mannes, der vor kurzem daselbst beerdigt worden. Er hatte keinen Sarg, sondern war nur in ein Leintuch eingewickelt. Auf seinem Leibe lag aus Wachs ein Kreuz, auch hatte er Rosenkränze, Kruzifixe und andern römischen Kram bei sich. Sofort wurde nach einem Koroner [staatlich beauftragten Leichenschauer] geschickt und eine Untersuchung angestellt, die fand, der Mann sei an Gift gestorben, denn der Leib war sehr stark aufgetrieben. Die Leiche wurde zwei oder drei Tage öffentlich ausgestellt; da zeigte sich, dass es der schon genannte P. Andrews, der Jesuit, sei. Eine weitere Untersuchung, wie er an dem Orte begraben worden und wer seinen Tod verschulde, wurde sofort angestellt, aber ohne Erfolg. So ist man der Meinung, dass man ihn heimlich und bei Nacht dahin trug und daselbst beerdigte, weil der Bau vormals ein Gotteshaus war. Und das ist mein wahrhaftiger Bericht.“

Wer denkt bei diesem Brief aus der Feder eines protestantischen Zeugen nicht an die Worte des hl. Paulus: "Sie gingen umher in Fellen und Ziegenhäuten, darbend, geängstigt, misshandelt; sie, deren nicht wert war die Welt, irrten in Wüsteneien, in Gebirgen und Höhlen und Klüften der Erde!“

Endlich kam auch für den ehrwürdigen P. Lewis der ersehnte Tag des Opfers und des Triumphes. Nach seiner Verurteilung wurde er auf Befehl des Privy Councils nach London gebracht und lag daselbst eine Zeit lang im Gefängnis von Newgate in Ketten. Man stellte ihn dem Erfinder des vorgeblichen Komplottes, Titus Oates, und dessen meineidigen Helfershelfern, Bedloe und Dugdale, gegenüber; er war aber allen diesen Leuten evident so ganz unbekannt und seine Unschuld sprang so in die Augen, dass man den Plan fallen ließ, auch P. Lewis zu Tyburn als Verschwörer und Königsmörder hinzurichten.

Der Earl of Shaftesbury hatte nun die Stirn, dem greisen Missionar Begnadigung zu versprechen um den Preis, dass er in die Reihen seiner meineidigen "Zeugen“ trete, seine Mitbrüder als Schuldige bezeichne und so den Glauben an die Verschwörung, der unter den Vernünftigeren und selbst im Volke bereits zu wanken begann und den der Graf aus politischen Zwecken stützen wollte, wiederum neu belebe. Mit gerechter Entrüstung wies P. Lewis diese schamlose Zumutung des Staatsmannes zurück. Da bot man ihm sein Leben um den Preis der Apostasie vom katholischen Glauben. Man hatte wohl gemeint, der Mann, der vor dem Richter die vorgebrachten Beweise seines Priestertums so scharf bestritten, fürchte sich vor dem Tode; aber so gern er sein Leben für seine Gemeinde erhalten hätte, so breitwillig war er auch, dasselbe für seinen Glauben hinzuopfern. Er sagte abermals ein entschiedenes Nein. Shaftesbury schickte ihn also nach Usk zurück, damit er dort den Tod erleide.

Doch dauerte es noch fast drei Monate, bis der schwache Karl II. seiner Überzeugung zum Trotze in die Vollstreckung des Urteils einwilligte. Diese Zeit benutzte der Gefangene mit immer gleichem apostolischem Eifer zum Besten seiner katholischen Brüder. Der Gefangenenwärter, der den Missionar achten musste, schränkte seine Freiheit möglichst wenig ein; ungehindert durfte er die Besuche seiner katholischen Freunde annehmen, ja konnte ihnen sogar die Sakramente spenden und das Wort Gottes verkünden. Die Stimmung eines großen Teiles der Bevölkerung von Monmouthshire war so sehr zu Gunsten des Verurteilten, dass der Sheriff nur höchst ungern zur Vollziehung des Urteils schritt. Auf eigene Gefahr schob er sie auf, in der Hoffnung, dass doch noch eine Begnadigung vom König erwirkt werden könne. Mr. Arnold aber, wütend ob des vielen Guten, das der Gefangene in seinem Kerker wirkte, schrieb an Shaftesbury, und dieser schickte den Befehl, dass das Urteil sofort vollstreckt werde, und verurteilte gleichzeitig den Sheriff zu einer Geldbuße wegen Saumseligkeit und wegen zu großer Nachsicht gegen den Gefangenen.

So wurde denn die Hinrichtung auf den 27. August a. St. (6. September) festgesetzt. Einem Original-Manuskript zufolge, welches in Stonyhurst aufbewahrt wird, war kein Galgen errichtet. Die Zimmerleute von Usk hatten sich entfernt und sogar ihr Werkzeug versteckt, um nicht zum Tode des Missionärs mitwirken zu müssen. Der Sheriff sah sich so gezwungen, einem Gefangenen die Freiheit zu versprechen, wenn er einen Galgen herrichte. Wirklich rammte dieser zwei Pfähle in den Boden und befestigte oben drüber ein Querholz, und da dieses Gerüste des ungeübten Werkmeisters nicht hoch genug war, grub er eine Vertiefung zwischen den Pfählen, dass die Füße des Hängenden den Boden nicht berührten. Statt der Leiter musste ein Stuhl dienen. Der Verfertiger dieses Galgens konnte sich übrigens nur mit Mühe der Wut des Volkes entziehen, das ihn beinahe gesteinigt hätte.

Der ehrwürdige Blutzeuge scheint zum Richtplatz nicht geschleift, sondern einfach geführt worden zu sein, wie überhaupt die Aufregung des Volkes in manchen Punkten die wörtliche Vollstreckung des Urteils verhinderte. Er behielt seine ganze Geistesfrische und Standhaftigkeit bis zum letzten Atemzug. Von dem Stuhle aus, der ihm statt der Leiter diente, richtete er eine herrliche und ergreifende Ansprache, die von Ohrenzeugen niedergeschrieben wurde, an die Zuhörer; sie muss überwältigend gewirkt haben. Nicht nur eine große, natürliche Rednergabe spricht sich in ihr aus, sondern ein durch und durch apostolisches Herz, eine edle und heilige Seele, die sich, so schwer das Opfer der Natur auch fällt, mit ganzer Hingabe, mit der höchsten Glut der Liebe Gott im Tode weiht. Mit fester Stimme und großer Ergriffenheit sprach er also:

"Ich sehe vor mir eine zahlreiche Versammlung. Möge der erhabene Erlöser der Welt jede Seele meiner Zuhörerschaft erretten! Ihr seid, wie ich glaube, hier zusammengekommen, nicht nur, um einen Mitbürger sterben zu sehen, sondern auch, um einen sterbenden Landsmann sprechen zu hören. Ich habe mich daher entschlossen, einige Worte an euch zu richten; ob sie anders ausfallen werden, als ihr erwartet, weiß ich nicht. Das weiß ich aber, dass diese letzte Gunst in London manchem Verurteilten gestattet wurde, und ich rechne darauf, dass sie auch mir nicht entzogen werde. Ich will mir Mühe geben, so zu sprechen, dass meine Worte keine Seele kränken.

'Keiner von euch leide als Mörder oder Dieb…, wenn aber als Christ, so schäme er sich nicht’ (1 Petr 4, 15.16). Diese Worte des Apostels Petrus flüstert mir, wie ich glaube, der Heilige Geist in mein Ohr, und sie sind mir ein großer Trost, denn ich leide nicht als Mörder oder Dieb oder als ein ähnlicher Übeltäter, sondern als ein Christ, und deshalb schäme ich mich nicht.

Ich unterscheide ein zweifaches Leben des Menschen hier auf Erden; das eine ist das moralische, das andere das leibliche Leben. Das moralische nenne ich jenes Leben, durch welches wir in der guten Meinung der ehrlichen Leute existieren; das leibliche jenes, durch welches wir atmen. Was das erstere Leben betrifft, so habe ich in letzter Zeit, Gott sei Dank, dasselbe zum Opfer bringen müssen, und zwar in hohem Grade und unter den empörendsten Beleidigungen, wie es der überaus großen Bosheit meiner Gegner gefallen hat. Bin ich doch als ein Betrüger mit öffentlicher Schmach gebrandmarkt worden, und zwar nicht nur in schamlosen Reimereien und Schmähschriften, sondern sogar in den Theatern von London, der Hauptstadt des Königreiches, und dann auf den Winkelbühnen des ganzen Landes, zum größten Schaden meines guten Namens. Glaubt mir auf das Wort eines Sterbenden; diese gegen mich erdichteten Fabeln in den Flugblättern enthalten auch nicht eine Spur von Wahrheit, man mag nun den Kern der Anklage oder die Umstände, die sie erwähnen, ins Auge fassen. Diese Fabeln stehen mit der Wahrheit so im Widerspruch, dass ich den Verleumder, wenn man es mir nur gestatten wollte, leicht ins Gesicht hinein seiner Lügen überweisen könnte, die er gegen mich vorbringt. Und wahrlich, sie sind so lächerlich und handgreiflich unhaltbar, dass mich nur wundert, wie ein vernünftiger Christ, und namentlich jemand, der mich persönlich kennt, ihnen glauben beimessen mag. Wer jener junge Protestant sein soll, der erwähnt wird, weiß ich nicht; wer die junge Papistin ist, wie ihr vor anderthalb Jahren verstorbener Vater hieß, wie die Grafschaft, wie die Pfarrei heißt, in welcher mir alle diese Verleumdungen zur Last gelegt werden, weiß ich nicht; über alles das wird das tiefste Stellschweigen beobachtet. Und als ich bei meinem Prozesse vor den letzten Assisen auf Ehre und Leben angeklagt war, bewies ich meine Unschuld vor allen Augen so sonnenklar, dass ich sogar von dem Richter die Erklärung erhielt, er erachte diese Klage für grundlos. Weshalb trat vor den Schranken des Gerichtes niemand gegen mich auf, um mir zu widersprechen und meine Verteidigung umzustoßen? Nichts derart geschah, und das müsste allein schon in den Augen jedes gerechten und ehrlichen Mannes ein genügender Beweis sein, dass diese Anschuldigung nichts ist als eine überaus gehässige Lüge, welche meine Gegner gegen mich ausheckten. Möge ihnen Gott verzeihen, wie auch ich es von Herzen tue! Wie bereit ich stets war, nach allen meinen Kräften den Armen beizuspringen, und wie nichts meiner Seele so ferne lag, als Gemeinheit und betrügerische Erpressung von ihnen, ist allen meinen Freunden und Nachbarn und Bekannten mehr als bewusst. Und noch in anderer Weise wurde mein guter Name während meiner neunmonatigen Gefangenschaft niederträchtig angegriffen, sogar von solchen, zu deren Besten ich seit 30 Jahren angestrengt arbeitete: möge Gott ihnen verzeihen, wie auch ich es tue! Gleichwohl und allen diesen Verleumdungen zum Trotz hoffe ich, im Herzen aller angesehenen und rechtlichen Leute, mit denen ich persönlich bekannt war, und bei allen wackern Nachbarn, mit und unter welchen ich lebte, einen tadellosen Ruf mir zu bewahren.

Was nun mein zweites oder leibliches Leben angeht, vermöge dessen ich atme, so sehet dieses Ding“ – und der Blutzeuge zeigte dem Volke den Strick –, "welches binnen kurzem Leben und Atem mir nehmen wird. Aber weshalb schleppt man mich zu diesem Tyburn der Provinz? Weshalb eilt man so, mich einem vorzeitigen Tode zu weihen? Ich will es euch sagen, und ich bitte euch, mich in Geduld anzuhören. Ich komme hierhin ohne irgend eine Mitwissenschaft einer Verschwörung, und ich rufe Gott zum Zeugen an, dass ich ohne jede Zweideutigkeit oder Mental-Reservation oder was immer eine Verheimlichung der Wahrheit spreche. Ich erkläre feierlich bei allem, was mir heilig und teuer ist im Himmel und auf Erden, dass ich von jeder Mitschuld einer Verschwörung so frei bin wie das gestern geborene Kind. Habe ich doch keine Kunde und kein Wissen von einer solchen Verschwörung gehabt, bis zwischen Michaeli und Allerheiligen die Erzählung davon in aller Mund war. Das ist die reine Wahrheit, so wahr mir Gott helfe und meine Seele rette! Auch wurde ich dieses verruchten und verabscheuungswürdigen Verbrechens nicht schuldig befunden, als man mich letzten Mai im Kerker von Newgate zu London mit Oates, Dugdale und Bedloe konfrontierte und auf das schärfste verhörte. Und wahrlich, hätte ich Kunde oder auch nur den leisesten Verdacht einer derartigen Verschwörung gehabt, ich wäre an Eifer und Treue keinem der getreuesten Untertanen der drei Königreiche gewichen und hätte die Sache sofort zur Anzeige gebracht. Wenn also nach meinem Tode von meinen Gegnern mein guter Name befleckt werden sollte, als wäre ich den Tod des Verschwörers gestorben, so gewähre man der Asche des Toten Gunst und Gerechtigkeit und verbanne einen solchen Gedanken aus seiner Seele. Nie lehrte man mich in den Schulen die verruchte Lehre vom Königsmorde. Ich verwerfe und verabscheue diese verwerfliche und verabscheuungswürdige Lehre, die den Grundsätzen der Religion, zu welcher ich mich bekenne, schnurstracks zuwiderläuft. Das Konzil von Konstanz erklärt die Ermordung des rechtmäßigen Fürsten durch einen Untertanen oder eine Privatperson, und jede stillschweigende Beihilfe dazu als eine verruchte Tat, auch wenn der Fürst ein Türke, ein Apostat, ein Kirchenverfolger oder ein Tyrann wäre. Und niemand werfe mir Clement, den Mörder Heinrichs III. von Frankreich, vor, oder Ravaillac, den Mörder Heinrichs IV. Was diese taten, war ein greuliches Verbrechen, und sie wurden deshalb auch mit der äußersten Strenge des Gesetzes als Übeltäter bestraft und werden bis auf den heutigen Tag von allen römischen Katholiken als Bösewichter und Vatermörder gehalten, was sie in Wahrheit sind. Hoffentlich werdet ihr das Verbrechen weniger verruchter Menschen nicht der gesamten katholischen Kirche zur Last schreiben; ihr müsstet sonst mit demselben Rechte die Tat des Verräters Judas allen Christen anrechnen. Was meine Person angeht, habe ich stets den König geliebt, verehrt und täglich für sein Glück und Wohlergehen zu Gott gebetet; ich rede, wie es mir ums Herz ist und nicht um zu täuschen und zu heucheln. Möge Gott Seine Majestät den König Karl II., meinen rechtmäßigen Fürsten, segnen! Möge Gott ihn mit zeitlichem und ewigem Segen überhäufen! Möge Gott ihn beschützen gegen alle seine Feinde! Möge Gott ihn leiten in allen Ratschlägen, dass alles zur Ehre desselben großen Gottes gereiche! Und ich bitte den Vater der Erleuchtungen, dass die Urheber und Mitwisser jeder Verschwörung, die etwa bestanden hat oder in Zukunft entdeckt wird, ihre gerechte und wohlverdiente Strafe treffe, aber auch, dass die Unschuld nicht verfolgt und nicht angetastet werde!

Und so frage ich denn abermals: Weshalb muss ich also vor der Zeit sterben? Weil mein Glaube der römisch-katholische ist. Ja, in ihm habe ich die letzten 40 Jahre gelebt, in ihm sterbe ich jetzt und sterbe demselben so treu ergeben, dass, wenn auch alle Güter der Welt mir für seine Verleugnung angeboten würden, mich alle Güter der Welt um keines Haares Breite vom römisch-katholischen Glauben entfernen sollten. Ein römischer Katholik bin ich, ein römisch-katholischer Priester aus dem religiösen Orden, welcher ‘die Gesellschaft Jesu’ heißt, und ich preise Gott, der zuerst mich berief, und ich preise die Stunde, in der ich zuerst berufen wurde sowohl zum Glauben als zum Priestertum. Erinnert euch nun gütigst, dass ich zum Tode verurteilt wurde, weil ich Messe las, Beichte hörte, die Sakramente der letzten Ölung, der Taufe, der Ehe spendete, das Wort Gottes verkündete und ähnliches. Was die Messe betrifft, so ist sie der uralte und noch heute überall gebräuchliche, preiswürdige Gottesdienst der heiligen Kirche, und alle die andern Handlungen sind Handlungen, welche die Verehrung Gottes bezwecken; indem ich also für sie sterbe, sterbe ich für die Religion. Wisset überdies, dass bei meinem Verhör in London im letzten Mai ein gewisser hochgestellter Edelmann mir ohne allen Umschweif sagte, dass ich sterben müsse, es sei denn, ich bekenne das Geheimnis der Verschwörung oder bequeme mich zum Glauben der reformierten Kirche. Das erste konnte ich nicht tun, denn ich hatte keinerlei Kenntnis einer Verschwörung; das zweite verbot mein Gewissen. Deshalb muss ich also sterben, und zwar um meiner Religion und meines Gewissens willen. Und indem ich für eine so gute Sache sterbe, opfere ich mein Leben, soweit es menschliche Schwäche gestattet, mit Freuden hin, sowohl innerlich als äußerlich. Möge die Fülle meines Herzens nicht allein durch meinen Mund, sondern auch durch die Züge meines Antlitzes zu euch sprechen!

Freilich fühle ich hier Fleisch und Blut bereit, laut in den Ruf auszubrechen: ‘Zahn um Zahn, Auge um Auge, Blut um Blut, Leben um Leben!’ Aber: ‘Nein!’ ruft das heilige Evangelium. ‘Vergebet, und es soll euch vergeben werden! Bittet für die, welche euch verfolgen! Liebet eure Feinde!’ Und ich nenne mich ein Kind des Evangeliums, und dem Evangelium gehorche ich.

Wenn ich jemand beleidigt haben sollte, er möge nun gegenwärtig oder abwesend sein, so bitte ich ihn demütig um Verzeihung. Meinen Feinden vergebe ich auf das bereitwilligste, allen und jedem, insbesondere meinen Nachbarn, die mich verrieten, den Leuten, die mich gefangen nahmen, den Gerichtspersonen, die mich einkerkerten, dem Richter, der mich verurteilte, den Geschworenen, die mich schuldig erklärten, den Zeugen, die gegen mich auftraten, ob sie nun durch Bosheit oder falschen Eifer getrieben waren, und allen andern, die sich an meiner Verurteilung beteiligten. Aber ganz vorzüglich und in besonderer Weise verzeihe ich meinem Hauptverfolger, der so lange nach meinem Blute dürstete. Von Herzen verzeihe ich ihm und wünsche seiner Seele so sehr allen Segen, dass ich ihn gerne, wenn es in meiner Macht stünde, auf den Thron eines Seraphs im Himmel erheben würde. Für alle diese bete ich mit dem Worten des glorreichen hl. Stephanus: ‘Herr, rechne es ihnen nicht an’, oder besser noch mit den Worten meines erhabenen Meisters: ‘Vater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, das sie tun!’

Und mit gutem Grunde liebe ich meine Verfolger also, denn so sehr sie ihrer eigenen Seele ungeheuren Schaden zufügten, eine ebenso unschätzbare Wohltat, die ich die ganze Ewigkeit dankbar anerkennen werde, haben sie mir erwiesen. Der Hauptgrund aber, weshalb ich sie liebe, ist die Liebe zu ihm, der da sagte: ‘Liebet eure Feinde!’ Und zum Beweis meiner Liebe wünsche ich ihnen – und das ist das Beste, das ich wünschen kann – vom innersten Grunde meiner Seele eine glückselige Ewigkeit. O Ewigkeit, Ewigkeit! Welch kurze Dauer haben die Ehren, die Reichtümer, die Lüste dieser Welt! Wie aller Wünsche wert bist du, o endlose Ewigkeit! Deshalb bitte ich Gott demütig für meine Feinde, dass er ihnen die Gnade einer wahren Reue verleihen möge, bevor sie von dieser elenden Welt losgerissen werden.

Nachdem ich so meinen Feinden gegenüber meine Pflicht erfüllte, erlaubet mir auch noch, an meine Freunde einige Worte zu richten. Fürchtet Gott, ehret den König, steht fest in eurem Glauben, waffnet euch gegen die Todsünde durch den Empfang der Sakramente der heiligen Kirche; traget in Geduld eure Verfolgung und Trübsal; verzeihet euren Feinden! Eure Prüfungen sind schwer. Ich wiederhole es: stehet fest in eurem Glauben bis zum Ende, ja bis in den Tod, denn werdet ihr himmlische Schätze aufhäufen in dem Jerusalem dort oben, wo kein Dieb mehr stiehlt, keine Motte mehr schadet und kein Rost mehr verzehrt. Bewahret den herrlichen Spruch des heiligen Apostelfürsten Petrus stets in eurem Gedächtnis, den ich euren Herzen tief einprägen möchte: ‘Keiner von euch leide als Mörder oder Dieb, wenn aber als Christ, so schäme er sich nicht, sondern verherrliche Gott in diesem Namen!’

Aber es ist Zeit für mich, dass ich mich dem Himmel zuwende und die göttliche Majestät auch für mich selbst mit Bitten bestürme. Zu ihr will ich aus dem Grunde meines Herzens einige kurze, inbrünstige Gebete emporsenden.

O höchster Herr und Gott, ewiger Vater des Himmels, Schöpfer aller Dinge, einziger Urheber der Gnade und Glorie! Mit demütigem Herzen bete ich dich an, und dich allein bete ich als Gott an. Irgendeiner bloßen Kreatur, so erhaben sie auch sein mag, göttliche Ehre zu erweisen, verabscheue und verwerfe ich als greulichen Götzendienst!

O menschgewordener Sohn Gottes, wahrer Gott! Du hast hier auf Erden mit deinem heiligen Blute eine Kirche erworben und sie mit deiner heiligen Arbeit gepflanzt – eine einzige Kirche; die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche – dass sie Bestand habe bis zum Untergange der Welt. Alle Wahrheit, welche diese deine Kirche durch deine Offenbarung besitzt, alles, was diese deine Kirche mich gelehrt hat und mir zu glauben vorstellt, das glaube ich bis zum letzten Jota.

O Gott Heiliger Geist, der du deine Sonne scheinen lässest über Gute und Böse, und deinen Regen fallen über Gerechte und Ungerechte: ich preise deinen heiligen Namen und danke dir für die unzählbaren Wohltaten, die du dich gewürdigt hast, mir, deinem unwürdigen Knechte, diese 63 Jahre meines Lebens zu gewähren und zuzuwenden.

O heilige Dreifaltigkeit, drei Personen und ein Gott! Vom Grunde meines Herzens bereue ich, dass ich dich jemals beleidigt habe, dich, meine göttliche Güte, und wäre es auch nur durch ein unnützes Wort. Aber durch deine Barmherzigkeit, mein Gott, und durch die Verdienste meines Erlösers hoffe ich fest die ewige Seligkeit. Süßer Jesus, empfange meine Seele!”

Bei dieser rührenden Ansprache des sterbenden Missionars mag wohl manches Auge – und nicht nur seiner katholischen Freunde – in Tränen geschwommen haben. Eine solche Rede mit dem Gepräge der reinsten Wahrheit, ein solcher Edelmut den Todfeinden gegenüber, solche Glaubensfreudigkeit und herzinnige Andacht an dem Manne, den ein anglikanischer “Bischof” als gemeinen Betrüger brandmarken wollte, und zwar im Augenblick, da er für seine katholische Überzeugung in den Tod ging, musste überwältigend wirken.

Nur mit Mühe konnte denn auch die Hinrichtung vollzogen werden. Der Henker hatte sich davongemacht. Endlich gelang es, um den Preis von 12 Kronen (60 Mark) einen Grobschmied zu bestimmen, des traurigen Amtes zu walten. Der Mann nahm später ein schreckliches Ende; da ihm von dem Augenblick an niemand mehr Arbeit geben wollte, verlegte er sich auf Einbruch und Straßenraub. Nach einem letzten Gebet wurde dem Blutzeugen der Strick um den Hals gelegt und der Stuhl, auf dem er stand, umgestoßen. Eine gewaltige Bewegung ging durch die Menge der Zuschauer, Protestanten wie Katholiken sprachen laut ihre Überzeugung aus, der Mann sterbe unschuldig. Um zu verhindern, dass nicht dem noch Lebenden das Herz aus dem Leibe gerissen werde, wie das grausame Urteil wollte, sprang ein Protestant herbei, fasste den Sterbenden bei der Hand und liess den Grobschmied erst dann den Strick durchschneiden, als die Seele des Missionars bereits ihren Flug zum Himmel genommen hatte. Der Leichnam wurde zwar geöffnet und die Eingeweide herausgerissen, aber der Vierteilung widersetzte sich das Volk. Unter der Teilnahme einer ungeheuren Menschenmenge begrub man die ehrwürdigen Überreste in der Vorhalle einer nahen Kirche; der Untersheriff wohnte dem Begräbnis bei und bewies den Katholiken Zeichen der Achtung und des Wohlwollens.

Auch außerordentliche und übernatürliche Tatsachen werden berichtet. Bischof Challoner erzählt: “P. Anton Hunter, ein Priester derselben Gesellschaft, der um seines Priestertums willen damals auch zum Tode verurteilt wurde, versichert in einem mir vorliegenden Manuskript, die Eingeweide P. Bakers (Lewis) seien vom Feuer nicht verzehrt, ja nicht einmal von den Flammen berührt worden, obwohl man sie in die Glut geworfen und mehrere Bündel Holz darauf gelegt, so dass man sie aufgelesen und mit dem Leichnam zugleich beerdigt habe.” Einige von den Feinden des Blutzeugen ereilte unverkennbar das göttliche Strafgericht. Kirby, der den Missionar verraten hatte, erschlug in der Gegenwart seiner Schwester den eigenen Vater. Tracey, einer der Angeber (Denunzianten), wurde gleich nach der Verurteilung von der Läusesucht befallen und stürzte unmittelbar nach der Hinrichtung auf offener Strasse ganz mit Ungeziefer bedeckt tot zusammen. Aber auch Gnadengeschenke erwies die göttliche Allmacht zu Ehren ihres getreuen Dieners. Ein Halstuch, das mit dem Blute P. Lewis’ getränkt war, wurde einem sechsjährigen Knaben, der seit seiner Geburt an Epilepsie litt, um den Nacken geschlungen und bewirkte augenblicklich vollständige Heilung. Noch zahlreicher waren gewiss die geistlichen Gaben, welche das inbrünstige Gebet des Sterbenden erflehte, und wenn Karl II., der gegen seine bessere Überzeugung so manches ungerechte Todesurteil an schuldlosen Opfern vollziehen ließ, auf seinem Todbett die unschätzbare Gnade hatte, in die katholische Kirche aufgenommen zu werden und sich durch den Empfang der Sakramente mit Gott auszusöhnen, so verdankte er diese seltene Gnade ganz gewiss in vorzüglicher Weise der Fürbitte jener Männer, die in ihrer letzten Stunde noch auf dem Schafott für ihn beteten.

Noch eines letzten Opfers der Priesterhetze in Süd-Wales haben wir mit wenigen Worten zu gedenken, des P. Karl Prichard S. J., wahrscheinlich eines Vetters des glorreichen P. Lewis, dessen heldenmütigen Tod wir soeben bewunderten. P. Prichard (Pritchard) wurde ebenfalls in Süd-Wales geboren im Jahre 1637, war 1663 in die Gesellschaft Jesu eingetreten und hatte seit 16 Jahren unermüdlich als Missionar in seiner Heimat gewirkt. Die “Entdecker” der Verschwörung hatten den freundlichen, harmlosen Mann zu einem Hauptattentäter gestempelt, und so setzte die Regierung einen großen Preis auf seinen Kopf. Dank der Treue seiner Umgebung fiel er nicht in ihre Gewalt, wohl aber veranlasste die Verfolgung seinen frühzeitigen Tod. Die “Jahresbriefe” widmen seinem Andenken folgende Zeilen:

“P. Karl Prichard, der während der Verfolgung lange Zeit in einem winzigen Kämmerchen verborgen lag, wurde am 14. März 1680 von einem plötzlichen Tod hinweggerafft. Er war ein demütiger und frommer Mann, voll Seeleneifer, ein unermüdlicher Arbeiter im Weinberg, und hatte fast 16 Jahre mit großem Erfolg in der Mission gearbeitet.… Der Betrüger Bedloe hatte den Pater nie auch nur mit einem Auge gesehen, wie klar aus dessen Personalbeschreibung hervorgeht; denn er schilderte einen ganz anderen Menschen, sowohl was Statur als auch Haare, Gesichtszüge und Hautfarbe angeht. Gleichwohl hatte er die Stirne, auf seinen Eid auszusagen, er kenne den Pater sehr genau; derselbe habe den Tod des Königs geplant, im Jahre 1678 oftmals den Beratungen der Jesuiten in London beigewohnt, den Mord Sr. Majestät und den Umsturz der Regierung nicht allein gebilligt, sondern sei geradezu der Haupturheber und Rädelsführer der ganzen Verschwörung. Wenn auch alle anderen Beweise gemangelt hätten, so würde schon des Paters allbekannte Milde und heilige Einfalt eine genügende Widerlegung einer solchen Beschuldigung sein, da ein derartiges Verbrechen doch vor allem Frechheit und Entschlossenheit forderte. Er hatte absolut nicht die Eigenschaften für einen Verschwörer. Dennoch glaubte das Privy Council dem Meineidigen und besiegelte unter dem Einflusse des eingewurzelten Katholikenhasses die Verleumdung, obschon das Wort des Angebers durch kein anderes Moment gestützt wurde; sie erließen also einen Steckbrief gegen den guten Pater und setzten auf seine Einbringung und Überführung 80 Goldkronen. Häscher wurden ausgeschickt, die mit der größten Sorgfalt und Ausdauer alle Schlupfwinkel in den Wohnungen der Katholiken durchsuchten und kein Haus und keinen Winkel übergingen. Sechs Monate lang lag er in dem abgelegenen Haus eines vortrefflichen Katholiken in einem gut verborgenen Verschlag, und nur wenige von den Dienstboten wussten um seine Gegenwart. Bei Tage setzte er keinen Fuß aus dem Kämmerlein, bei Nacht aber unterzog er sich den größten Gefahren und ging oft eine weite Strecke, um den kranken Katholiken beizustehen. Dieses Leben voll Angst und Mühsal untergrub jedoch seine Gesundheit, und ein falscher Tritt im Dunkeln führte seinen Tod herbei. Man begrub ihn heimlich in dem anstoßenden Garten, um seinen lieben Gastwirt zu schonen; denn wäre es den Protestanten zu Ohren gekommen, dass der letztere einen geächteten Priester in seinem Hause verborgen hatte, er würde mit seinem Kopf und mit der Konfiskation seines Gutes den Dienst gebüßt haben, den er dem Diener Gottes erwies.”

So sahen wir in dem kleinen Distrikt von Monmouthshire sieben Priester und Jesuiten binnen etwas mehr als Jahresfrist der Verfolgung, welche der Titus Oates-Sturm erfesselte, zum Opfer fallen. Wenden wir uns jetzt den anderen Grafschaften Englands zu und schildern zunächst den Tod der übrigen Priester, die um ihres Standes willen hingerichtet wurden.

12. Kapitel: Andere Märtyrer des Priestertums

Den Blutzeugen von Süd-Wales war am 19. Juli 1679 in Chester ein frommer Weltpriester zur Krone vorangeeilt, der ehrwürdige Herr Wilhelm Plessington. Dieser stammte aus dem adeligen Geschlechte der Plessington von Plessington bei Blackburn in Lancashire. Sein Vater, Robert Plessington, war in den Kriegen des Commonwealth königlicher Befehlshaber des Schlosses Greenow und erlitt wegen seiner Treue gegen Karl I. den Verlust seiner Freiheit und seines Vermögens. Wie in so manchen andern Fällen gedachte Karl II. auch in diesem Falle sehr wenig der Treue, welche die Katholiken seinem Vater und ihm selbst bewiesen hatten: er würde sonst niemals das Todesurteil dieses eifrigen Priesters unterzeichnet haben. Wilhelm (nach anderen Johann) Plessington machte seine Studien im englischen Kolleg von St. Alban zu Valladolid in Spanien und wirkte dann als eifriger Weltpriester zumeist bei Puddington in Cheshire. Beim Ausbruch der Titus Oates-Verfolgung wurde er aufgegriffen und zu Chester vor Gericht gestellt, nicht als Verschworener, sondern einzig in seiner Eigenschaft als Priester. Da drei Zeugen wider ihn aussagten, sie hätten ihn die Sakramente der römischen Kirche spenden sehen, wurde er zum Tode verurteilt. Einer dieser unseligen Menschen, Robert Wood, wurde noch vor der Hinrichtung des Priesters durch einen plötzlichen Unglücksfall zu Tode gequetscht; ein anderer starb in einem Schweinestall; der dritte endlich siechte, vom Gewissen gefoltert, im Elend dahin. Erst neun Wochen nach dem Urteilsspruch, in den Tagen, da zu Tyburn der edle Langhorne die Marterkrone empfing, kam von London der Befehl zur Hinrichtung.

So wurde der mutige Priester am 19. Juli 1679 zum Richtplatz nach Westchester geschleift. In seiner letzten Ansprache wies er die Ungerechtigkeit des Gesetzes nach, das ihn zum Tode verurteilte. Auch die Weihen der anglikanischen Geistlichen stammten ja, wenn ihre Bischöfe überhaupt die Weihegewalt hätten, einzig von der römischen Kirche her. Er betonte ferner, dass man ihm die Beteiligung an einer Verschwörung auch nicht einmal zu Last gelegt habe, und dass er also nur als Priester sterben müsse. Dann sagte er in heiliger Demut, aus der wir auf seine heroische Tugend schließen dürfen: “Ich habe einen schmählichen Tod verdient; denn obwohl ich meinem König treu und hold war, so war ich doch in den Augen Gottes ein großer Sünder. Diebe und Straßenräuber würden Gott vollkommener gedient haben als ich, hätten sie aus seiner Hand so viel Gunst und Gnade empfangen. Es hat aber nie ein Sünder in wahrer Reue zu Jesu um Erbarmen gefleht, der nicht Gnade gefunden hätte, und so hoffe auch ich durch die Verdienste seines Leidens Barmherzigkeit, da ich meine Sünden von Herzen bereue. Euch rufe ich zu Zeugen auf, gute Leute, dass ich fest und zweifellos alle Punkte des römisch-katholischen Glaubens bekenne und mit Gottes Hilfe bereit bin, für die Wahrheit jedes derselben zu sterben, ja, dass ich lieber sterbe, als auch nur an einem einzigen Punkte zu zweifeln, den unsere heilige Mutter, die römisch-katholische Kirche, zu glauben vorstellt.” Endlich verzieh der Sterbende feierlich seinen Anklägern und Richtern, betete für den König und die Heimat und wurde mit den Worten: “O Jesu, sei mir ein Jesus!” von der Leiter gestoßen.

Ein anderer glorreicher Märtyrer, ebenfalls ein eifriger Weltpriester, folgte dem ehrwürdigen Plessington am 7. August zu York: der ehrwürdige Wilhelm (Nikolaus) Postgate (Posket), der in Yorkshire bis auf den heutigen Tag selbst bei Protestanten in großer Verehrung steht. Geboren war er zu Kirkdale House in der Pfarrei von Egton bei Whitby in Yorkshire, trat 1621, damals schon im Mannesalter, in das Kolleg von Douai, empfing am 20. März 1628 die Priesterweihe und wurde am 29. Juni 1630 von seinen Obern als Lohn für seine Frömmigkeit und seinen Eifer mit ausgedehnten Vollmachten nach England geschickt. Da rechtfertigte er die gute Meinung seiner Vorgesetzten in hohem Grade; er soll gegen 1000 Personen zum Glauben ihrer Vorväter zurückgeführt haben. Fast 50 Jahre widmete er der Seelsorge und Bekehrung der ärmsten Leute auf dem “Schwarzen Moor” (Blackmoor), den Sumpf- und Heidestrecken bei Ugthorpe, seine ganze Lebensweise, Wohnung, Nahrung, Kleidung den armen Heidebewohnern anpassend. Zuletzt hauste er in einer elenden Lehmhütte auf dem Moore, halbwegs zwischen Egton und Ugthorpe, wie Thomas Ward, der den Blutzeugen persönlich kannte, in seinen Cantos auf die Reformation uns schildert:

“Nicht schonten sie Vater Poskets Blut,
Eines würdigen Priesters, fromm und gut,
Des reines Leben gesponnen war
Wohl bis ins dreiundachtzigste Jahr.
Ernst war sein Wort, sein Umgang traut,
Durch gutes Beispiel hat er erbaut,
Seine Liebe war echt, ergeben sein Will’,
Sein Auge hell, sein Geist sanft und still,
Seine Heiligkeit, die strahlt’ so hehr:
Wie Engel lebten, so lebte er.
Seine Hütte war aus Lehm und Stroh,
Drin lebte der Beter still und froh;
Zwei Meilen von Mulgraves Schloss sie stand,
Durch Schneewehn geschützt auf offenem Land,
Und ob er auch lebte da manches Jahr,
Es doch eine elende Klause war;
Gott hatte des Heiligen Heim gestellt
Zu Blackmoors Heil auf Blackmoors Feld.”

Der ehrwürdige Greis wurde von einem Steuerbeamten namens John Reeves, einem unversöhnlichen Katholikenfeinde, im Hause eines Matthew Lyth zu Littlebeck, wo er ein Kind taufte, verhaftet. Der unselige Reeves endete bald nachher durch Selbstmord, wie es scheint, ohne die gehoffte Belohnung von 20 Pfd. St. erhalten zu haben; er ertrank in einem kleinen Bächlein. Der Gefangene wurde zugleich mit Mr. Lyth in den Kerker von York geschleppt und vor Gericht gestellt, nicht als ein Teilnehmer an der vorgeblichen Papistenverschwörung, sondern einzig in seiner Eigenschaft als katholischer Priester. Bücher, Reliquien und Hostien, die man bei ihm gefunden hatte, zeugten wider ihn. Auf die Frage des Richters, ob er wirklich Priester sei, antwortete er: “Beweist es mir!” Zwei Weiber, Elisabeth Wood und Elisabeth Baxter, und Richard Morris sagten aus, sie hätten ihn priesterliche Funktionen ausüben sehen, und daraufhin wurde er nach dem Strafgesetz Elisabeths zum Tode des Hochverrats verurteilt.

Am Morgen seiner Hinrichtung, 7. August 1679, besuchten ihn manche seiner Bekannten, darunter auch Mrs. Fairfax und Mrs. Meynell, zwei Damen, die er gut kannte. Da der greise Blutzeuge diese beiden seinetwegen so sehr in Betrübnis sah, ging er freudig auf sie zu, legte seine rechte Hand segnend auf das Haupt der einen, die linke auf das Haupt der andern und sagte: “Seid guten Mutes, Kinder! Ihr werdet beide eines Söhnleins genesen, der ein Auserwählter sein wird!” Die Weissagung ging in Erfüllung; denn beide gebaren Knaben, welche im Kindesalter mit der Taufgnade starben. – Unter dem Galgen sprach der Blutzeuge nur wenige Worte. Er sagte, er sterbe in der katholischen Religion, außer der es kein Heil gebe, und er leide den Tod nicht um einer Verschwörung willen, sondern einzig seines Glaubens wegen. Er betete für den König und verzieh seinen Mördern. Sein gevierteilter Leichnam wurde von seinen Freunden bestattet. Eine Hand besitzt das Benediktinerkloster St. Lorenz zu Ampleford, die andere die Kirche des hl. Cuthbert zu Durham.

Ein besonderer Segen des Blutzeugen ruhte seither auf der Gegend, die er durch seinen Seeleneifer und sein frommes Leben heiligte. Niemals ist daselbst der katholische Glaube ausgerottet worden, und noch immer zeichnen sich die Umwohner von Ugthorpe durch einen besonderen religiösen Eifer aus. Bis auf diesen Tag singen die guten Leute in den armen Moorgründen das folgende schlichte Lied, welches ihr “heiliger Vater“ sang, da er in den Kerkergewölben von York Castle sich nach dem Martertode sehnte.

O guter Gott, o Heiland süß,
O Jesu, denk an mich,
Und lass mich küssen deine Füß’,
Dacht’ ich auch spät an dich.

Sieh, lieber Herr, zu dir ich geh’
Mit Kummer und mit Scham;
Denn schau’ ich deiner Wunden Weh,
Weiß ich: von mir es kam!

O süßer Herr, des Glaubens leih,
Der Liebe Flügel mir,
Dass ich mich schwing’, vom Staube frei,
Hinauf, hinauf zu dir!

Dort ist ja Freude, wahr und stet,
Ohn’ einer Klage Grund;
Doch hier nur Mühsal früh und spät,
Und Reue jede Stund’.

Nun findet meine Seele schal,
Was sie geliebt zuvor;
Nun flög’ ich gern vom Erdental
Zum Herrn der Herrn empor.

Doch ach, die Last von Fleisch und Blut
Hält krank zurück mein Herz:
Trägt nicht die Gnade, höchstes Gut,
Gleich sink’ ich erdenwärts.

So sehn’ ich mich nach seinem Reich,
Und flattre müd und matt,
Und finde, Noes Taube gleich,
Mir keine Ruhestatt.

Mein müdes Fliegen, Jesu, schau!
Gefällt’s dir, strecke du
Die Hand mir aus der Arche Bau:
Nimm mich in deine Ruh’!“

O gracious God, O Saviour sweet,
O Jesus, think of me,
And suffer me to kiss Thy feet,
Though late I come to Thee.

Behold, Dear Lord, I come to Thee
With sorrow and with shame;
For when Thy bitter Wounds I see,
I know I caused the same.

O sweetest Lord, lend me the wings
Of faith and perfect love
That I may fly from earthly things,
And mount to those above!

For there is joy both true and fast,
And no cause to lament,
But here is toil both first and last,
Ans cause oft to repent.

But now my soul doth hate the things
In which she took delight,
and unto Thee, the King of kings,
Would fly with all her might.

But, oh, the wight of flesh and blood
Doth sore my soul detain;
Unless Thy grace doth work, O God,
I rise, but fall again.

And thus, dear Lord, I fly abaut
In weak and weary case,
And like the dove Noe sent out,
I find no resting place.

My weared wings, sweet Jesus, mark,
And when Thou thinkest best,
Stretch forth Thy hand out of the ark,
And take me to Thy rest.

Nur wenige Tage nachdem der greise Sänger des “Taubenliedes“ die Fittiche seiner reinen Seele zum Fluge nach der Heimat ausgebreitet hatte, folgte ihm in Denbigh in Nord-Wales ein junger Priester aus dem Orden des hl. Franziskus zur ewigen Krone. Karl Mahony war ein Irländer. Er hatte auf dem Kontinente in einem Kloster seines Ordens (der Ort wird nicht näher bezeichnet) seine Studien gemacht und die heilige Priesterweihe empfangen und wollte nun nach der Heimatinsel zurückkehren, als ein Sturm das Schiff an die Küsten von Wales warf. Aus dem Wogen rettete er sein Leben, nicht aber aus der Wut der fanatisch aufgeregten Menge. P. Mahony wurde als Priester erkannt, verhaftet, zu Denbigh vor Gericht gestellt, da er sich freimütig als Priester bekannte, zum Tode verurteilt und am 12. August 1679 zu Ruthie hingerichtet. In seinem Ordensgewande schleifte man ihn zum Galgen. Er richtete die folgenden wenigen Worte an die Zeugen seines Todes:
“Da es Gott gefallen hat, dass ich den Martertod erleiden soll, so sei sein heiliger Name gepriesen; denn einzig für meine Religion sterbe ich. Ihr aber mordet mich wider alles Recht in diesem Lande, obschon ich mich als Priester bekannt habe. Denn niemals übte ich in England mein priesterliches Amt aus, bevor ich verhaftet wurde, und ihr habt mich verhaftet, als mich die See auf der Reise nach meiner Heimat Irland an diese Küste verschlug. Gleichwohl verzeihe euch Gott, wie ich euch verzeihe, und ich werde stets für euch beten, besonders für jene, welche mir in meiner Not beisprangen. Ich bete zu Gott, er wolle unsern König segnen, ihn vor seinen Feinden beschützen und ihn zum heiligen katholischen Glauben bekehren. Amen.”

Das barbarische Urteil wurde an dem Unschuldigen in seiner ganzen Strenge vollstreckt, und der Henker riss das noch zuckende Herz aus der Brust des jugendlichen Blutzeugen.

Am Feste der Oktav von Mariä Himmelfahrt schwangen sich zwei Blutzeugen zum Throne der Himmelskönigin empor: ein Ordensgenosse des eben genannten jugendlichen Märtyrers von Denbigh, und ein in den Werken des Seeleneifers ergrauter Weltpriester. Der erstere litt zu Worcester, der letztere zu Hereford; beide starben mit gleichem Heldenmut.

Der ehrwürdige P. Joachim von der hl. Anna, vor seinem Eintritt in den Orden Johann Wall, wirkte unter den angenommenen Namen "Franz Johnson“ und "Webb“ am Seelenheile seiner Landsleute. Er stammte aus einer edlen Lancashire-Familie, war 1620 geboren und hatte ein jährliches Einkommen von 500 Pfd. St. (nach unserem Geldwert wohl 50 000 Mark). Das hinderte ihn nicht, zunächst in Douai Priester zu werden und dann in den armen Orden des hl. Franziskus einzutreten. Kurz nach dem Ausbruch des Titus Oates-Sturmes wurde er zu Rushock Court in Worcester verhaftet, vor den Friedensrichter Sir John Packington geführt, und da er den häretischen Treue-Eid nicht schwören wollte, zu Anfang Dezember 1678 in den Kerker geworfen. "Das Gefängnis“, sagte er, "lehrt uns, das ganze Vertrauen auf Gott zu setzen. Wer das rechte Verständnis der irdischen Dinge hätte, würde den Kerker dem Palaste vorziehen und das Gefängnis um des Glaubens willen süßer achten als jede Freiheit. Ich wenigstens bin ganz glücklich, wenn mir nur Gott seine Gnade gibt und die Gläubigen ihr Gebet nicht entziehen.“ Nach einer Haft von fünf Monaten, welche der fromme Ordensmann im Geiste des Glaubens freudig ertrug, wurde er als Priester vor Gericht gestellt. Er verteidigte sich sehr klug, und nur ein einziger Zeuge trat freiwillig gegen ihn auf. Dennoch sprachen ihn die Geschworenen schuldig, und der Richter fällte das bekannte Todesurteil über ihn am 25. April 1679. "Gott sei Dank!“ antwortete der Verurteilte, "Gott schütze den König! Gott segne Ew. Lordschaft und diesen ganzen hochgeehrten Gerichtshof!“ Der Richter verkündete, er wünsche das Leben des Verurteilten zu erhalten und wolle an den König berichten. P. Joachim erzählt in seinem eigenen kurzen Bericht" über die Verurteilung:

"Gott sei Dank, regten sich keine rachsüchtigen Gedanken in mir, weder gegen den Richter wegen des Urteils, noch gegen die Geschworenen wegen ihres Spruches, noch gegen einen der Zeugen. Meine Herzensstimmung, welche ich mit der Gnade Gottes immer zu bewahren hoffe, war so, dass ich sie ohne Ausnahme als meine besten Freunde betrachtete, welche ich auf Erden habe, was sie auch gegen mich getan oder gesagt. Und während der Richter das Urteil verkündete, war ich, Gott sei Dank, so gefasst, dass mich nichts in der Welt beunruhigte und ich freudig mich und die Welt Gott aufopferte. Nachdem der Richter sich entfernt hatte, kamen manche protestantische Herren und Edelleute, welche der Gerichtsverhandlung beigewohnt hatten, zu mir und sprachen mir ihr Mitleid aus, obschon sie mich sonst persönlich nicht kannten. Ich dankte ihnen und sagte, es tue mir leid, dass sie mein Los beklagten, während ich selbst mich darüber freute. Ich hätte meinen Glauben und meine Religion alle Tage meines Lebens bekannt und sei von ihrer Wahrheit so überzeugt wie von der Wahrheit des Wortes Gottes, auf welches sie sich stützen. Auf sie baue ich das Heil meiner Seele, das ewige Leben und die Seligkeit, und ich wäre schlechter als ein Ungläubiger, wenn ich mich fürchtete, mein zeitliches Leben für diesen meinen Glauben hinzugeben, von welchem das ewige Leben abhängt. Ich sei bereit, morgen zu sterben, wie ich heute das Todesurteil empfangen, und so freudig wolle ich sterben, als ob mir das größte Herzogtum zugesprochen wäre.“

Wie so manche andere, wurde auch P. Joachim nach London geschleppt und daselbst mit Oates, Bedloe, Dugdale und Prance konfrontiert. Gar zu gerne hätte man ihn als einen der Verschworenen hingerichtet; aber man musste den Plan fallen lassen. Wie allen übrigen, wurde auch ihm Freiheit und Leben zugesichert, wenn er nur in seinen Aussagen dem Privy Council zu Willen gewesen wäre. "Ich sagte ihnen aber, ich wolle mein Leben nicht um einen so teuren Preis erkaufen, nämlich durch eine Sünde“, schreibt P. Joachim in einem Brief, den er an Mr. Trinder, einen Rechtsgelehrten, richtete. In demselben Schreiben heißt es:

"Es geschehe Gottes Wille! Je größer die Unbill und Ungerechtigkeit ist, in welcher die Menschen unsern Tod veranlassen, desto größer wird unsere Herrlichkeit bei Gott im ewigen Leben sein. Es ist dieses die letzte Verfolgung, die in England stattfinden wird; so hoffe ich, Gott werde allen seine heilige Gnade verleihen, dieselbe mit Nutzen zu bestehen. Alle diese Vorfälle sind seit lange geweissagt und werden in Erfüllung gehen, wie ich nicht zweifle. Doch werden wahrscheinlich noch einige hingerichtet, und von diesen werde ich einer sein, wie ich fest glaube. Gottes Wille geschehe auf Erden wie im Himmel, wohin mich seine Gnade bringen möge.“

P. Joachim hatte recht; der Titus Oates-Sturm war die letzte blutige Verfolgung in England, und er selbst sollte ihr zum Opfer fallen. Man brachte ihn nach Worcester zurück, und er starb am 22. August, am Tag der Oktav von Mariä Himmelfahrt, 1679 durch Henkershand. Ein Ordensbruder des Blutzeugen, Wilhelm Levison, durfte ihn einige Tage vor der Hinrichtung in seinem Kerker zu Worcester besuchen, bei welcher Gelegenheit er ihm die heiligen Sakramente spendete. Derselbe mutige Priester stellte sich, als das Urteil auf "Red Hill“ vollstreckt wurde, kühn neben den Untersheriff in der Nähe des Galgens und erteilte dem Sterbenden die letzte Lossprechung. Der Platz seines Leidens war schon früher durch den Tod P. Oldcornes S.J. und Br. Ralph Ashleys S. J. geheiligt, welche am 7. April 1606 als unschuldige Opfer der Pulververschwörung auf "Red Hill“ grausam hingerichtet wurden. Die Überreste P. Joachims ruhen in Worcester auf St. Oswalds Kirchhof. "Man will bemerkt haben, dass sein Grab stets grün blieb, auch wenn sonst ringsum alles verwelkte. Heimlich brachte der genannte Priester Wilhelm Levison das Haupt des Martyrers dem P. Leo Randolph, dass es nach Douai in das Kloster des hl. Bonaventura übertragen werde, wo man es ehrfurchtsvoll bis zum Ausbruch der französischen Revolution aufbewahrte. Ein Zahn und ein Bein des Blutzeugen befinden sich unter den Reliquien zu Tauton.“

Es ist uns eine Zusammenkunft des ehrwürdigen Blutzeugen mit P. de la Colombière, dem Apostel des göttlichen Herzens Jesu, überliefert, der beim Ausbruch des Titus Oates-Sturmes im St. James-Palast als Prediger der Herzogin von York wirkte. Die beiden ehrwürdigen Diener Gottes trafen sich am Vorabend von Allerheiligen 1678: "'Pater', redete der Franziskaner den Jesuiten an, ich bin ein armer Minorit des hl. Franziskus und komme, um Stärke und Rat beim heiligsten Herzen zu suchen, als dessen Apostel Sie weit und breit bekannt sind. Unter anderen Freunden, die ich in London gerne gesehen hätte, ist ein Mitglied Ihrer Gesellschaft, P. Turner, der jetzt in Newgate gefangen liegt und sich auf die glückselige Krone des Martyriums freut. Wäre ich nicht von meinen Obern anderswohin gesandt, so läge ich jetzt ebenfalls schon im Gefängnis und hätte die Aussicht auf einen ähnlichen Lohn, wollte Gott mir die Gnade verleihen, ihn durch meine Standhaftigkeit zu verdienen.’ 'Lieber Freund’, antwortete der Heilige, 'Sie sind wahrlich zum Quell aller Gnaden gekommen, um die Kraft zu gewinnen, deren Sie bedürfen. Doch kann niemand die Geheimnisse Seines Herzens verkosten, ohne von dem bittern Kelch zu trinken, den Er im Garten von Gethsemane geleert hat. Wer so immer Sein Kreuz auf sich nimmt und mit Ihm Wache hält, wird freilich hundertfach in diesem Leben durch Trost belohnt, doch muss er die scharfe Schneide der Verfolgung fühlen. O dass mir die große Gnade zuteil würde, die ihr englischen Priester in diesem Land der Kreuze pflücken dürft! Doch hat Gott vielleicht auch mir noch etwas zugedacht.’ 'Unser Herr wird Sie wohl nicht ohne viele Leiden aus diesem Lande scheiden lassen’, antwortete P. Joachim von der hl. Anna, 'aber ich sehe voraus, dass Ihres Lebens geschont werden wird, damit Sie diese süße Andacht noch weiter verbreiten und den erlöschenden Eifer in vielen Herzen aufs neue anfachen.’ So brachten sie miteinander den Vorabend von Allerheiligen in trautem Gespräch von der Liebe zu Jesus zu und trennten sich erst, nachdem P. Wall an dem kleinen Altar des heiligsten Herzens Messe gelesen, den P. Colombière in seiner Betkammer errichte hatte. Der Morgen des Festes dämmerte, als sie sich trennten“ (Records V, 868).

Dass der Franziskaner den Kelch des Leidens getrunken, haben wir gesehen. Aber auch der Jesuit musste wenigstens einige Tropfen desselben kosten, wie es ihm der ehrwürdige Blutzeuge verkündet hatte. Wir werden P. de la Colombière später wieder begegnen.

P. Wilhelm Levison O.S.F., welcher P. Joachim im Tode beistand, erzählt uns, dass sein Bruder Franz Levison (auch Leveson) O.S.F., im Orden P. Ignatius von der hl. Klara, ebenfalls dem Titus Oates-Sturme zum Opfer fiel. "Mein Bruder ist noch immer in strenger Haft und klagt über große Not“, schreibt er in einem Brief; "der Richter, der ihn ins Gefängnis warf, versuchte Zeugen zu bestechen, die gegen ihn aussagen sollten. Bis jetzt ist es ihm nicht gelungen. Gott allein aber kennt den Ausgang des Prozesses usw.“ Der ehrwürdige Diener Gottes starb nach vierzehnmonatlichen Kerkerleiden im Gefängnis am 11. Februar 1680, im 34. Jahre seines Alters. Nähere Umstände sind nicht bekannt. Nur meldet der bereits angeführte Geschichtsschreiber seines Ordens, Fr. Thaddeus: "Sein kostbarer Tod ist in dem Totenregister des am 16. Juni desselben Jahres abgehaltenen Kapitels also eingetragen: V.A.P.F. Ignatius a S. Clara, qui in carcere post 14 mensium inclusionem ibi obiit in Anglia.“ Sein Bruder Richard war Jesuit, wie überhaupt verschiedene nahe Verwandte dem Ordensstande angehörten – ein Beweis, dass die ganze Familie sich durch Frömmigkeit auszeichnete. Obschon P. Levison nicht auf dem Schafott endete, steht sein Name doch auf der Liste der Blutzeugen, deren Seligsprechungsprozess eröffnet ist, und so wollen wir ihn hier seinem ehrwürdigen Orden anreihen.

In Hereford litt der ehrwürdige, achtzigjährige Weltpriester Johann Kemble (Kimble) den Tod durch Henkershand. Er stammte aus einer angesehenen Familie in Herefordshire und ist um 1599 geboren. Wahrscheinlich war sein Vater jener Georg Kemble, von dem 1606 der Obersheriff der Grafschaft dem Privy Council meldete, "er habe einen gewissen Stamp, einen Jesuiten, in seinem Hause“. Hauptmann Kemble, ein anderes Glied dieser Familie, machte in der Schlacht von Worcester mit sechs andern tapferen Offizieren jenen verzweifelten Angriff, der es Karl I. möglich machte, sein Leben zu retten. Dom Walter Kemble, wahrscheinlich ein Bruder unseres Märtyrers, trat in den Benediktinerorden, ein anderer Kemble, Wilhelm, in den Orden des hl. Franziskus. Unser Märtyrer war einer so edeln und frommen Familie würdig, ja entfaltete sich zu ihrer schönsten Blume.

Nach Bischof Challoner empfing Johann Kemble zu Douai die Priesterweihe und las daselbst am 23. Februar 1625 seine erste heilige Messe. Schon im nächsten Jahr wurde er am 4. Juni in die Mission von Herefordshire geschickt. Seither wirkte er 54 Jahre als Priester und Missionar in seiner unglücklichen Heimat. Vor seiner Verhaftung, welche zu Pembridgecastle stattfand, wurde der Greis gewarnt. Der Diener Gottes sagte aber, er habe nach dem Laufe der Natur nur noch eine kleine Weile zu leben, und er achte es für einen so großen Gewinn, wenn es ihm vergönnt wäre, für seinen Glauben zu sterben, dass er auf die Flucht verzichte. So wurde der edle Greis durch einen gewissen Kapitän Scudamore verhaftet und zu Hereford eingekerkert. Man schleppte ihn nach London, um ihn mit Oates und Bedloe zu konfrontieren; da aber selbst diese Menschen nicht wagten, den hochbetagten Mann einer Teilnahme an der vorgeblichen Verschwörung zu zeihen, schickte ihn Shaftesbury nach Hereford zurück, damit er dort als Priester gerichtet werde. Auf dieser Reise litt der durch sein Alter und seine harte Gefangenschaft gebrochene Greis unsäglich; so konnte er nur mit den größten Schmerzen und nur seitwärts zu Pferde sitzen, und musste doch fast die ganze Fahrt im Sattel machen.

Auf dieser traurigen Fahrt bewahrte er seine volle freudige Seelenruhe. Wie es im Volksmund überliefert ist, hielt er an der Türe eines Bekannten und rauchte mit ihm eine Abschiedspfeife. Infolge davon heißt heute noch in jener Gegend das letzte Pfeifchen vor dem Aufbruch “Kembles Pfeifchen”, wie das Volkslied erklärt:

They say he stopped upon the road
At some remembered door,
To smoke the friendly social pipe,
As he was wont of yore.

And in these parts there custom still
Perserves each ancient type,
The man who takes a parting puff
Call’s it his “Kemble pipe”.

Bei einem Freund der Wagen hielt,
Man zeigt noch heut’ das Haus:
Da rauchten sie, wie sie’s gewohnt,
Ein Pfeifchen traulich aus.

Die Leute hängen zähe dort
An jedem alten Brauch,
Und Kembles Pfeifchen heißt noch heut’
Ein kleiner Abschiedsrauch

Im Gefängnis zu Hereford pflegten ihn die Kinder Kapitäns Scudamores, der ihn verhaftet hatte, oftmals zu besuchen, und er schenkte denselben alles, was seine Freunde ihm schickten; Scudamore sei ja sein bester Freund au Erden, pflegte er zu sagen, da er durch ihn zum Martertod gelange. Und selbst nach seinem seligen Ende fuhr er fort, den Kindern Scudamores diese edle Feindesliebe zu bezeigen. Challoner erzählt, durch den Strick des Blutzeugen sei eines dieser Kinder von einem Halsleiden befreit worden, und ein anderes habe an seinem Grabe das Gehör wieder erlangt. Der hochwürdige Johann Kemble starb zu Wigmarsh am 22. August 1679. Er wurde auf die Allmend von Widemarsh (Widemarsh Common) bei Hereford geschleift. Auf dem Henkerkarren stehend, richtete er folgende Worte an die Zuschauer:

“Man wird wohl von mir eine Rede erwarten; da ich aber ein alter Mann bin, muss ich mich kurz fassen. An der ‘Verschwörung’ habe ich keinen Teil, noch glaube ich, dass eine solche besteht. Oates und Bedloe wussten nichts gegen mich zu sagen, als man mich nach London hinaufbrachte, obgleich ich ihnen vorgestellt wurde. Es ist also klar, dass ich nur um des Bekenntnisses des alten römischen Glaubens willen sterbe, welches der Glaube ist, der zuerst dieses Reich zum Christentum bekehrte. Und wer immer selig werden will, muss in diesem Glauben sterben. Ich bitte alle, die ich in Gedanken, Worten oder Werken beleidigt habe, um Verzeihung, wie auch ich allen von Herzen verzeihe, welche Werkzeuge meines Todes sind oder denselben wünschen.”

Dann wandte er sich an den Henker Anthony und sagte ihm, er solle ohne Furcht seine Pflicht erfüllen. Hierauf betete er still, wiederholte dreimal die Worte: In manus tuas, Domine, commendo spiritum meum – “In deine Hände, o Herr, empfehle ich meinen Geist”, und starb nach einem langen und schmerzvollen Todeskampf am Galgen. Der Henker hatte, wahrscheinlich in seiner Verwirrung, den Knoten des Stricks nicht richtig angebracht, so dass der Blutzeuge mehr an der Kinnlade als am Halse hing. Selbst die Protestanten, welche Zeugen seiner Hinrichtung waren, erklärten, sie hätten nie ein so edles und christliches Benehmen angesichts des Todes gesehen. Das Haupt des Märtyrers erbat sich dessen Neffe, Hauptmann Richard Kemble, legte es in einen Sarg und brachte es nach Welsh Norton, wo er es auf St. Mary’s Kirchhof beisetzte. Die Stelle ist heute noch durch eine Steinplatte mit einem großen Kreuz und der Inschrift: “J. K., gestorben den 22. August 1679", kenntlich. Bis auf den heutigen Tag pflegen die Katholiken von Hereford am Jahrestag des Martertodes zum Grab des ehrwürdigen Blutzeugen zu pilgern. In einem Gedicht: “Die Wallfahrt”, sagen Karl Kemble und dessen Schwester von ihrem Uroheim:

And prouder are we ot he thought
Which such a memory brings,
Then if within our veins there flowed
The blood of twenty kings!

Und stolzer noch, gedenk ich dein,
Das Herz mir schlagen tut,
Als pochte in den Adern Mein
Von zwanzig Königen Blut.

Bischof Prichard O.S. F. erzählt mehrere wunderbare Heilungen, die der Fürbitte des Märtyrers zugeschrieben werden. Eine Hand des ehrwürdigen Dieners Gottes ist in der Sakristei von St. Franz Xaver zu Hereford aufbewahrt; in Downside zeigt man ein Stück Leinwand, das mit seinem Blute getränkt ist.

Im folgenden Jahre (1680) bestieg noch ein Priester das Schafott und zwar “als Mitschuldiger der gräulichen Papistenverschwörung”, der ehrwürdige Thomas Twing [Thomas Thwing oder Twing wurde am 15. Dezember 1929 von Pius XI. seliggesprochen]. Er war der Neffe des Sir Thomas Gascoigne, den man in die Titus Oates-Verschwörung zu verwickeln suchte. Sir Thomas, Ritter und Baronet von Barnbow, gehörte zu den ersten katholischen Familien Yorkshires, die so viel um des Glaubens willen gelitten haben. Er ist das wahre Vorbild des echt katholischen Edelmannes jener Tage; von der Wiege bis zum Grabe hatte er um des Glaubens willen zu leiden. Johann Gascoigne und Anna Ingleby, seine Eltern, mussten ihre Kinder “insgeheim” von Priestern, die in Verstecken lebten, taufen lassen. Thomas war der älteste; dann kamen Johann und Michael, welche beide in den Orden des hl. Benedikt eintraten. Ein vierter Sohn, Franz, wurde Weltpriester. Von den sechs Töchtern starb eine im Kindesalter, zwei wurden Benediktinerinnen zu Cambrai, die übrigen verheirateten sich. Eine derselben wurde die Mutter des ehrwürdigen Thomas Twing, des letzten englischen Weltpriesters, der das Schafott zu besteigen hatte. Sir Thomas Gascoigne vermählte sich mit Anna Simonds, einer ebenfalls ausgezeichneten Katholikin, die ihm zehn Kinder schenkte. Sein Schloss Barnbow war ein Mittelpunkt des katholischen Lebens im Norden Englands, er selbst das Muster für alle Katholiken in Yorkshire und der Vater der Armen und Verfolgten. Namentlich wird seine Andacht zum bittern Leiden unseres Heilandes gerühmt, die ihn schon als Jüngling zu einer Wallfahrt nach Jerusalem begeistert hatte. Es ist selbstverständlich, dass die Kinder eines solchen Mannes sich ebenfalls durch ihre Treue im Dienste Gottes auszeichneten. Von den fünf Töchtern gingen zwei nach Cambrai zu ihren Tanten ins Kloster der Benediktinerinnen und nahmen den Schleier. Die andern vermählten sich, eine mit Thomas Appelby, der ebenfalls eine Stütze der Katholiken in jenen traurigen Tagen wurde, eine andere wurde die Frau Lord Tempests, die um des Glaubens willen in York Castle eingekerkert wurde und ihr Leben bei ihren Schwestern im Kloster zu Cambrai schloss. Sir Thomas ruhte nicht, bis er den von Marie Ward gegründeten “Englischen Fräulein” in seiner Nachbarschaft ein Kloster gestiftet hatte. Wahrlich ein kühner Gedanke in jener Zeit! Er kaufte für sie das Gut Dolebank und schenkte es ihnen; von dem gastlichen Tor seines Schlosses Barnbow ritten die ersten Nonnen als Damen gekleidet nach dieser Stätte des Gebets, die den Sturm überlebte und den Namen Sir Thomas Gascoignes als ihres Stifters heute noch verehrt.

Selbstverständlich konnte das Haupt einer solchen Familie nicht unbehelligt bleiben in der allgemeinen Verfolgung, welche die Meineide des Titus Oates entfesselt hatte. Ein gewisser Robert Bolron und Lorenz Mowbray (Maybury), beide Dienstleute des Barons, klagten ihren früheren Herrn nach Oates’ Beispiel des Hochverrates und Königsmordes an. Die beiden Zeugen waren ihren Londoner Brüdern ebenbürtige Gesellen im Gewerbe des schamlosesten Meineides. Bolron war zuerst einem Londoner Juwelier entlaufen, diente dann auf der Fregatte “der Regenbogen” (Rainbow) im Kriege gegen die Holländer, brach seinen Fahneneid und wurde flüchtig. Später gelang es ihm, indem er den eifrigen Katholiken heuchelte, in den Dienst des Sir Thomas Gascoigne zu treten, der ihn zum Aufseher seiner Kohlengruben bei Newcastle machte. Bald beging er grobe Betrügereien. Sir Thomas wollte ihn zunächst den Gerichten übergeben; da aber der elende Mensch seine Barmherzigkeit anflehte, nahm er 12 Pfd. St. in bar und ein Versprechen auf 48 Pfd. St. als Vergütung der viel bedeutenderen Diebstähle an und entließ ihn im Frieden aus seinem Dienst. In der Hoffnung, der Mann werde sich bessern, vertrieb er ihn nicht einmal von einem seiner Pachtgüter. Das geschah im April 1678. Im Frühjahr 1679 machte Bolron keine Miene, seinem Herrn die Pacht zu bezahlen oder seinen sonstigen Verbindlichkeiten nachzukommen. Sir Thomas drohte mit strengen Maßregeln; da entschloss sich der niederträchtige Mensch, seinen Herrn und Wohltäter an den Galgen zu liefern und so mit einem Male seiner Schulden quitt zu werden. Zunächst schwur er in Pontefract seinem Glauben ab und klagte dann bei verschiedenen Gerichtspersonen Sir Thomas und andere hervorragende Katholiken hochverräterischer Umtriebe an. Unmittelbar vor dem Ausbruch des Titus Oates-Sturmes hatten in der Tat Versammlungen von Katholiken im Hause Sir Thomas Gascoignes stattgefunden; der Zweck derselben war, die Gründung einer geheimen katholischen Schule in der Heimat zu beraten, da alle, welche ihre Kinder ins Ausland sendeten, mit furchtbaren Strafen geahndet wurden. Obschon nun diese Versammlungen der Klage Bolrons eine gewisse Grundlage verliehen, so war doch seine Angabe so schlecht erfunden, dass daraufhin kein Richter einen Verhaftbefehl gegen Sir Thomas erlassen wollte. Sie begnügten sich, den Bericht nach London an den Privy Council zu senden.

Da nun Bolron sah, dass er so nicht zum Ziele gelange, eilte er persönlich nach London und stellte sich Shaftesbury vor. Es war gerade in den Tagen zwischen der Hinrichtung der fünf Jesuiten und Mr. Langhornes, da der Glaube an das Papistenkomplott so gewaltig zu wanken begann. Was konnte dem gewissenlosen Staatsmanne erwünschter sein als eine neue Bestätigung aus Yorkshire? So wurde Bolron am 4./14. Juli 1679 vor dem Privy Council auf seinen Eid vernommen. Er erzählte, am 30. Mai 1679 sei er im Hause des Sir Thomas Gascoigne gewesen, und da habe ihn Sir Thomas gebeten, er solle in der anstoßenden Galerie zu dem Schlosskaplan Rushton gehen, der ihm etwas sagen wolle. Rushton könne ihn zwar nicht ausstehen, seitdem er seiner Religion abgeschworen; gleichwohl habe ihm derselbe den Vorschlag gemacht, er solle den König ermorden; und da er das nicht tun wollte, ihn gebeten, von diesem Antrage keinem Menschen etwas zu sagen. Sir Thomas habe ihm dann am gleichen Abend um 6 Uhr den Vorschlag wiederholt und für die Ermordung des Königs 1000 Pfd. St. geboten. Wenn er das Geschäft übernehmen wolle, so würde er ihn an seinen Sohn Mr. Thomas Gascoigne schicken, der in London sei; dieser werde ihm dann Mittel und Wege weisen und nach vollbrachter Tat die versprochene Summe ausbezahlen. Die Erwähnung Mr. Gascoignes war nicht gerade glücklich; es stellte sich nämlich heraus, dass derselbe zur Zeit, da er nach seines Vaters vorgeblicher Aussage in London sein sollte, schon längst in Paris war, wohin er am 7. April über Dover reiste. Die Herren waren aber nicht gewohnt, auf solche Kleinigkeiten Gewicht zu legen, und Bolron “verbesserte” seine Erzählung, wie ja auch Titus Oates das oft genug getan hatte. Shaftesbury gab Bolron einen Begleiter und die nötigen Befehle im Auftrage des Privy Councils mit; im Fluge ging es nach Yorkshire und schon am 7./17. Juli wurde Sir Thomas in seinem Schlosse zu Barnbow verhaftet.

Bolron musste nun einen zweiten Zeugen zur Erhärtung seiner Aussage auftreiben. Er hatte vor dem Privy Concil einen gewissen Mowbray genannt und erzählt, derselbe sei wegen dringenden Verdachtes eines Geld- und Juwelendiebstahls von Lady Tempest, einer Tochter des Sir Thomas, aus dem Dienste gejagt worden. Trotz dieser höchst zweifelhaften Empfehlung wählte Bolron diesen Mowbray als Mitzeugen, in der richtigen Voraussetzung, derselbe werde aus Rache gegen Lady Tempest und ihren Vater ihm zu Willen sein. Er hatte sich in dem Menschen, der doch von Kindheit an im Hause Sir Thomas auferzogen wurde, nicht verrechnet.

Der greise Edelmann war inzwischen von Soldaten nach London geschleppt und in den Tower geworfen worden. Erst am 24. Januar 1680 stellte man ihn vor den Gerichtshof der "King’s Bench“, wo er sich vor dem uns bekannten Scroggs zu verantworten hatte. Er zählte 85, nach einer andern Angabe 88 Jahre, die er in Tugend und Ehren erreicht hatte, und war nun von diesem Nichtswürdigen auf Gut und Blut angeklagt. Das hohe Alter hatte ihn unfähig gemacht, seine Verteidigung selbst zu führen; aber an seiner Seite stand mutig seine Enkelin, Mrs. Ravenscroft. Beredt verlangte sie einen Aufschub der Gerichtsverhandlung, da ein Hauptentlastungszeuge aus Frankreich noch nicht eingetroffen war. Die Richter gewährten aber nur zwei Wochen, und so musste Sir Thomas am 11. Februar wieder vor den Schranken erscheinen. Im Leben seiner Tochter Justina de Sancta Maria, Priorin des zu Paris seit 1652 bestehenden Benediktinerinnenklosters, wird uns die Szene, die sich vor den Schranken zutrug, also erzählt:

"Und da er angesichts des Richters und alles Volkes stand, bezeichnete er sich mit solcher Andacht mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, dass die ganze Versammlung darob erstaunte, und sprach mit lauter Stimme: In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti, und blieb dann barhaupt acht oder neun Stunden mit fröhlichem Antlitz inmitten des Sturmes stehen, der gegen ihn tobte. Aber es gefiel Gott, in dessen heiligen Willen und Vorsehung er sich und all das Seine übergeben hatte, den Richter seine Unschuld erkennen zu lassen, dass er ihn gegen alle Erwartung freisprach; denn jene Tage waren den Katholiken unsäglich feindselig. Sir Thomas war vor Alter so taub, dass man sich ihm nur mit größter Mühe verständlich machen konnte. Als nun seine Freunde nach dem Urteilsspruch ihm zuriefen, er sei freigesprochen und könne nach Hause gehen, missverstand er sie und antwortete, in der Meinung, er sei zum Tode verurteilt: 'Ja, ja; ich hab’ es nicht anders erwartet. Gott verzeihe ihnen! Lasst uns für sie beten!’ So gottergeben und auf den Tod vorbereitet war er.“

Nach seiner Freisprechung begab sich Sir Thomas in die Benediktiner-Abtei Lambspring, wo sein Bruder, P. Placidus, Abt war. Ihre Gebeine ruhen jetzt in derselben Gruft; der Abt, ein seeleneifriger Missionar, starb 1681, Sir Thomas 1686; eine Bleiplatte mit den Namen der beiden Brüder und dem Spruche: Sicut dilexerunt se in vita, ita in Morte non sunt separati – "Wie sie sich liebten im Leben, so sind sie auch im Tode nicht getrennt“, bezeichnet ihre gemeinsame Ruhestätte.

Die beiden meineidigen Zeugen hatten außer Sir Thomas seinen Sohn Mr. Gascoigne, seine Tochter Lady Tempest und eine ganze Reihe der hervorragendsten Yorkshire-Katholiken angeklagt (Genannt werden: Sir Walter Bavasour, Dr. Peter Bavasour, Mr. Middleton of Stockhill Hall, Mr. Ingleby, Sir Francis Hungate, Sir Thomas Haggerston, Sir Miles Stapleton, Mrs. Pressick u.a.). Sie alle mussten sich teil in London teils in York auf Leben und Tod verantworten und schweren Kerker ertragen; allein nur ein Neffe des Sir Thomas wurde zum Tode verurteilt und starb am Galgen: er war eben ein Priester.

Es ist dieses der ehrwürdige Thomas Twing (Thweng), ein Sprosse der alten Familie der Twing von Heworth. Am 20. Februar 1680 wurde er zugleich mit Mrs. Pressick vor das Gericht zu York gebracht; Bolron und Mowbray zeugten wider sie. Erst am 29. Juli kam die letzte entscheidende Verhandlung; obwohl Bolrons und seines Gefährten Aussage wider Mrs. Pressick ganz dieselbe war wie gegen den hochwürdigen Herrn Twing, sprachen die Geschworenen doch nur über diesen das "schuldig“. Am 2. August fällte der Richter das bekannte Todesurteil des Hochverrates; die einzige Erwiderung des schuldlosen Opfers waren die Worte: Innocens ego sum – "Ich bin unschuldig.“ In der Tat war man von seiner Unschuld so allgemein überzeugt, dass am 4. August die Vollstreckung des Urteils aufgeschoben wurde und man allgemein erwartete, der König werde ihn begnadigen. Aber die politische Strömung war zu gewaltig: das Parlament stand auf dem Punkte, zusammenzutreten, und so wurde der gottselige Priester am 23. Oktober 1680 in York zum Galgen geschleift, gehenkt und gevierteilt. Er starb im 46. Jahre seines Alters. Nach dem Zeugnisse der State Trials beteuerte er sterbend seine Unschuld, rühmte sich aber, ein katholischer Priester zu sein und während 15 Jahren sein Priesteramt in England verwaltet zu haben. Dann bat er alle anwesenden Katholiken um ihr Gebet und flehte zu Gott, dass er den König, die Königin, den Herzog von York und alle wahren Christen segne und erhalte, und überließ sich dem Henker. Als er von der Leiter gestoßen wurde, hörte man ihn noch die Worte beten: "Süßer Jesu, nimm meine Seele auf!“ Die blutigen Überreste wurden von seinen Freunden gesammelt und in St. Mary’s Castlegate begraben, so wie jetzt noch ruhen. Bischof Challoner sagt, eine Kupferplatte mit folgender lateinischer Inschrift sei in sein Grab gelegt worden: R. P. Thomas Twing de Heworth, coll. Anglo-Duaceni Sacerdos, post annos 15 in missione Anglicana transactos Eboraci condemnatus et martyrio affectus est Oct. 23. 1680. – "Der hochwürdige Herr Thomas Twing von Heworth, Priester des englischen Kollegs in Douai, ward nach 15jähriger Arbeit in der Mission von England zu York verurteilt und mit dem Martyrertode belohnt am 23. Okt. 1680.“

Fortsetzung auf Seite 6

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