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Dass alle eins seien!

Von Robert Mäder

Bei Anlass des eucharistischen Kongresses in Algier [1939] wurde eine photographische Aufnahme gemacht, die eine historische Denkwürdigkeit sein wird. Der Kardinal Verdier von Paris [Jean Kardinal Vernier PSS, 1864-1940, nahm als päpstlicher Legat am Kongress teil] ist flankiert vom Großmufti, dem Vertreter des Mohammedanismus, und vom Großrabbiner, dem Vertreter des ]udentums. Es war eine Proklamation der Solidarität, der brüderlichen Zusammenarbeit von Anhängern aller Religionen für ihr gemeinsames Vaterland. Im Wesentlichen war das eine politische Geste in der Stunde der Gefahr. Als religiöses Symbol will und darf und kann eine solche photographische Aufnahme nicht im Sinne des Bekenntnisses zum Indifferentismus, zur dogmatischen Gleichberechtigung aller Religionen gedeutet werden. Aber vielleicht liegt darin doch auch ein stilles Heimweh der modernen Menschheit nach dem verlorenen Paradies der Einheit im Glauben.

Pfingsten und Fronleichnam rücken diesen Einheits-Gedanken wieder in den Vordergrund. Er liegt übrigens in der Luft. Die protestantischen «Basler Nachrichten» brachten seinerzeit einen Osterartikel über «Papstwahl und Protestantismus», den man früher als Unmöglichkeit betrachtet hätte. Er meint, dass die Kirchen «heute allen Anlass hätten, ihren Hausstreit zurückzustellen hinter der großen Aufgabe, das Erbe des Christentums in dem gemeinsamen Kampfe des Christentums mit dem Heidentum zu verteidigen.» Aber es ist begreiflich, dass weder der mohammedanische Großmufti, wenn er sagt: «Wir haben alle den gleichen Gott, der uns heißt, uns zu lieben», noch das protestantische Basler Blatt, wenn es zur ökumenischen Einheit der Christenheit ruft, das Problem der religiösen Einheit in seiner Tiefe zu erfassen vermögen.

Alle noch so gut gemeinten modernen Einheitsbestrebungen leiden an dem gemeinsamen Fehler, dass sie die Einheit am falschen Ort suchen. Die religiöse Einheit kommt auf keinem andern Weg zustande als wie sie in der Urkirche an der ersten Pfingsten zustande kam: durch Christus, das Haupt, durch den Heiligen Geist als Lebensprinzip und durch den Zusammenschluss der Gläubigen zu einem Leib. Niemand hat so klar und so eindringlich diese Einheitsmotive betont wie Paulus im vierten Kapitel seines Epheserbriefes.

Wir fassen sie hier kurz zusammen: Paulus sagt zu den Christen seiner Zeit: «Ertraget einander in Liebe» (4, 2). «Seid eifrig darauf bedacht, die Einheit des Geistes zu erhalten durch das Band des Friedens» (4, 3). «Es ist nur ein Leib und ein Geist, wie ihr ja auch, als ihr berufen wurdet, zu einer Hoffnung berufen wurdet» (4, 4). «Es ist auch nur ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater, der über allen und durch alle und in allen wirkt» (4, 5-6). Die Hirten und Lehrer sind bestimmt «zum Aufbau des Leibes Christi, bis wir alle zur Einheit im Glauben kommen» (4,12-13). Wir werden uns an die Wahrheit halten, in Liebe ganz und gar hineinwachsen in den, der das Haupt ist, Christus (4,15). «Von ihm aus fügt und schließt sich der ganze Leib zusammen... So vollzieht sich das Wachstum, bis er sich aufbaut in Liebe» (4, 16).

Daraus folgt: die religiöse Einheit des Menschengeschlechtes ist zu allererst nicht das Werk der Menschen, sondern das Werk eines Gottes. Des Gottmenschen. Das Werk von dem, der das Haupt ist. Von Christus. «Von ihm aus fügt und schließt sich der ganze Leib zusammen.» Das ist das Grundgesetz göttlicher Biologie. Das Haupt baut den Leib. Der König das Königreich. Christus die Christenheit. Und zwar durch die übernatürlichen Kräfte der Gnade. Also von oben herab und von innen heraus. Aedificabo, sagt Christus, ecclesiam meam. Ich werde meine Kirche bauen. Und zwar ist dieses Bauen am Tempel der religiösen Einheit von innen heraus vor allem ein eucharistisches Bauen. Ein Bauen aus dem kostbaren Blut.

Die Pfingstkirche, die erste religiöse Völkerverbrüderung, kommt aus dem Abendmahlssaal. Sie wurzelt in der Eucharistie. Wir begreifen es darum, wenn nach der Meinung morgenländischer Kirchenväter der Heilige Geist in dem Augenblicke herniederfuhr, wo der erste Papst inmitten der Jünger das hochheilige Opfer der Eucharistie feierte. Die um die Hostie und das kostbare Blut versammelte Opfergemeinde zog ihn an. Wo das Haupt ist, da müssen sich die Glieder bilden. Die Christenheit wächst aus der Eucharistie heraus. Aus dem Brot des Lebens.

Und - das ist das andere, was uns die Apostelgeschichte berichtet - aus der Taufe heraus. Die Taufe ist das Sakrament der Einbürgerung ins Gottesreich. ]e mehr Taufen, desto mehr Neubürger, desto mehr Wachstum der Christenheit. Alle religiösen Einigungsbestrebungen, die nicht an diese beiden organischen Gesetze des übernatürlichen Lebens und Wachsens der Christenheit anknüpfen, führen zu keinem Ziele. Die Einigkeit der Christenheit kommt in erster Linie nicht von außen, sondern von oben und innen. Von Christus dem Haupt.

Das zweite Prinzip der Unionsbestrehungen ist der Heilige Geist. Die Seele der Christenheit. Der Geist der Wahrheit und der Liebe. «Ich gebe», schreibt einmal Auguste Nicolas, «im allgemeinen wenig auf die Bücher, wo es sich darum handelt, unsere Brüder zu dem Glauben unserer Väter zurückzuführen. Der Protestantismus an sich ist zu unlogisch, als dass das Raisonnement des übrigens bei vielen Protestanten so ausgezeichneten Verstandes es wäre, wodurch sie ihm anhangen. Die Anhänglichkeit des Protestanten an den Protestantismus ist kein Werk des Verstandes und darum kann auch nicht die Verstandesbelehrung sie allein davon losmachen.»

Auf was es darum besonders ankommt, das ist nicht so sehr, dass es uns gelingt, den außerhalb der Kirche Stehenden auf hundert Schwierigkeiten hundert ausgezeichnete Antworten zu geben. Sondern, dass wir es verstehen, in ihnen vorerst die richtige Disposition für das Wirken des Heiligen Geistes zu schaffen. Den Glauben nämlich, dass die religiöse Einheit des Menschengeschlechtes und nicht die religiöse Zersplitterung der Völker das Gottgewollte und darum das in der Geistessendung Beabsichtigte ist. Der Glaube also, dass nur ein Geist sein soll unter den Menschen. Bevor wir so weit sind, dass das immerwährende Beten um diesen einen Geist der Wahrheit den Inhalt allen Flehens der Katholiken und der Protestanten bildet, werden alle Unionsbestrebungen nicht weit zum Ziele führen.

Die andere Voraussetzung der Union ist der Heilige Geist als Prinzip der Liebe. Die Wiedervereinigung ist ein Werk des Glaubens, aber sie ist ebenso sehr ein Werk der Liebe. Sie wird dann zur Wirklichkeit werden, wenn unsere getrennten Brüder zur Erkenntnis kommen werden, dass wir sie lieben. Die größte Schwierigkeit gegen die Rückkehr ist bei den meisten. - ob im einzelnen Fall mit Recht oder Unrecht, bleibe dahingestellt - die Meinung, dass wir sie hassen. Im allgemeinen ist das sicher nicht wahr.

In einem Buch vom Jahre 1853 schrieb ein deutscher Rechtsgelehrter: «Die Katholiken üben viel Geduld gegen die Protestanten, mehr als sie gegeneinander üben. Sie verschlingen lieber einen 'protestantischen Elephanten' als eine ‘katholische Mücke’». Aber das müssen wir doch gestehen, dass, wenn wir auch frei von Hass sind, wir doch vielfach mehr im Parteigeiste kämpfen, der sich zugleich der Überwindung und Demütigung des Gegners freut, als im Geiste der christlichen Liebe, welche die Überwindung und Demütigung freudig auf sich nehmen möchte, wenn nur dadurch dem so lange irrenden Bruder endlich das Heil seiner Erleuchtung und Rückkehr zuteilwird.» Wir werden zwar, weil zu allen Zeiten Irrtümer auftauchen, beten müssen, dass auch zu allen Zeiten Männer aufstehen, die die Irrtümer bekämpfen. Aber wir werden auch darum beten müssen, dass diese Männer zum geistigen Kampfe gerüstet sind durch ebenso große Demut wie Liebe.

Wir kommen zum dritten Prinzip der Union zwischen Katholiken und Protestanten. Es ist der Glaube an Epheser 4, 4: «Es ist nur ein Leib.» Der schon erwähnte Artikel der «Basler Nachrichten» meint: «Heute steht eine ökumenische Christenheit neben der katholischen, diese monarchisch-hierarchisch, jene demokratisch-repräsentativ gegliedert. Aber keine ist für sich allein die Christenheit ... Die beiden Konfessionen sind daher, ob sie wollen oder nicht, aufeinander eingestellt und in einem heutigen gemeinsamen Kampf gegen modernes Heidentum mehr als je miteinander verbunden.»

Der Irrtum ist ein doppelter. Er liegt einmal darin, dass man an die Möglichkeit einer Einigkeit ohne gemeinsames theologisches Bekenntnis glaubt, an eine Einheit des Handelns ohne eine Einheit des Wollens, an eine Einheit des Wollens ohne eine Einheit des Denkens. Der zweite Irrtum liegt darin, dass man die religiöse Einigkeit, die «ökumenische Christenheit» (die allumfassende Christenheit) in einer 'religiösen Organisation und nicht in einem religiösen Organismus sucht. Im Künstlichen, nicht im Lebendigen. Also im Menschlichen, nicht im Göttlichen.

Das biblische Gleichnis vom Weinstock und den Rebzweigen sowie das von Haupt und Leib in den Paulusbriefen lassen keinen Zweifel zu, dass die Verbundenheit der Gläubigen mit Christus und der Gläubigen miteinander etwas Mystisch- Übernatürliches, aber auch etwas Organisch-Lebendiges ist. Die Kirche ist nicht nur Organisation, sie muss auch Organismus sein. Leib. Die Christenheit bildet nur dann eine religiöse Union, eine lebendige und einige Gemeinschaft, wenn sie organisch zum Leibe geworden und als Leib mit dem Haupte Christus und mit dem Heiligen Geiste als Lebensprinzip verbunden ist.

«Gebt mir», sagt der heilige Johannes Chrysostomus, «ein leichtfahrendes Schiff, einen Steuermann, Matrosen, Taue und die ganze zur Schiffahrt nötige Ausrüstung. Wenn kein Wind weht, ist alles umsonst. So ist es mit der Menschheit. Sie mag die Philosophie haben, die Intelligenz, den Apparat der schönsten Rhetorik. Wenn der Heilige Geist fehlt, ist alles umsonst.» Und ich füge hinzu: Wenn Christus, das Haupt, fehlt, und wenn sein mystischer Leib fehlt, sind - trotz aller «ökumenischem Konferenzen und trotz der idealsten und begeistertsten Lobreden auf gemeinsames Kämpfen des Christentums gegen das Heidentum - alle Unionsbestrebungen umsonst.

Aus: Robert Mäder, Der Heilige Geist, der dämonische Geist, Goldach 1969, S. 83-88.


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