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Der Thomismus und seine Bedeutung

Ein Interview mit Prof. Dr. David Berger

Prof. David Berger; Herausgeber des Thomistischen Jahrbuchs Doctor Angelicus,war von 2003 bis 2010 auch Herausgeber der von Wilhelm Schamoni begründeten Zeitschrift Theologisches. Er setzt sich in seinen Publikationen für die Erneuerung des Thomismus ein. In diesem Interview aus dem Jahr 2006 gibt er uns darüber Auskunft.

Sehr geehrter Herr Dr. Berger, Sie sind Mitbegründer und Schriftleiter des Internationales Thomistischen Jahrbuchs "Doctor Angelicus".
Wann wurde das Thomistische Jahrbuch gegründet und wie kam es dazu?

Die Idee ist im Heiligen Jahr 2000 entstanden bei einem Zusammentreffen mit Msgr. Schmitz vom Institut Christus König und Hoherpriester. Wir waren uns einig, dass durch die völlige Transformation ehemals für den Thomismus gegründeter Zeitschriften (wie etwa dem Fribourger „Divus Thomas") eine schmerzliche Lücke entstanden ist. Auch die Zukunft der Zeitschrift „Doctor Communis" war zu jener Zeit bereits unklar, da Msgr. Piolanti, die Seele dieses Projekts schwer krank war und dann ja tatsächlich bald verstorben ist. So haben wir uns entschlossen, das Jahrbuch zu gründen und sind sogleich auf eine positive Resonanz gestoßen: Z.B. Kardinal Scheffczyk oder Prof. Lobato, damals Präsident der Päpstlichen Thomasakademie, haben das Unternehmen unterstützt.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Jahrbuch?
Unzweifelhaft ist, dass sich im letzten Jahrzehnt ein stetiges Anwachsen eines neuen Interesses am Aquinaten unter den jüngeren Philosophen und Theologen feststellen lässt. Dies entspricht ganz der Rolle, die Thomas von Aquin nach wie vor in der Philosophie und katholischen Theologie spielt. Papst Johannes Paul II. schreibt in seiner Enzyklika Fides et Ratio: „Die Absicht des Lehramtes ist es weiterhin zu zeigen, dass der hl. Thomas das authentische Vorbild ist für alle, die nach der Wahrheit suchen. Denn in seinem Denken haben der Anspruch der Vernunft und die Kraft des Glaubens zur höchsten Zusammenschau gefunden, zu der das Denken je gelangt ist." (nr. 78). Das neue Jahrbuch, dessen erster Band hier vorliegt, versteht sich als Teil dieser Wende und möchte die zitierte Absicht des Lehramtes unterstützen: Der jüngste Artikel der TRE zu Thomas von Aquin rechnet das neue Jahrbuch bereits jetzt zu den wichtigsten Organen der internationalen Thomasforschung. Es wird in Deutschland herausgegeben, ist aber als internationales Perio­dikum konzipiert, das über die deutschen Artikel hinaus auch Beiträge in den wichtigsten Sprachen der katholischen Welt veröffentlicht. Bekannte Thomasforscher aus aller Welt konnten als Mitarbeiter gewonnen werden. Neben diesen Forschungsarbeiten enthält jedes Jahrbuch zudem eine ausführliche Bibliographie thomis­tischer Sekundärliteratur zum jeweiligen Vorjahr. Dies ist besonders wichtig, da die Rassegna di Letteratura Tomistica seit 1993 ihr Erscheinen eingestellt hat. In dieser Form ist die Konzeption des Jahrbuchs weltweit sicher einmalig und macht Doctor Angelicus zu einem für Theologen und Philosophen unentbehrlichen Forschungs­instrument.

Wie sieht das Verhältnis zwischen Theologie und Philosophie im Thomismus aus?
Was für das Verhältnis von Natur und Gnade im Thomismus gilt, lässt sich in analoger Weise auch auf diese Verhältnisbestimmung übertragen: Beide werden klar unterschieden, sie haben ein unterschiedliches Formalobjekt und sind daher zwei verschiedene Wissenschaften. Aber diese klare Unterscheidung ermöglicht andererseits beide in eine wundervolle Synthese zu führen. Und gerade dies ist im Werk des Aquinaten der Fall: wobei die Theologie als scientia sacra natürlich der Philosophie klar übergeordnet ist und die Philosophie nur durch die bewusste Akzeptanz dieser Unterordnung zur vollen Selbstentfaltung zu finden vermag.

Welche Bedeutung hat der Thomismus?
Der Thomismus findet seine eigentliche Bedeutung heute in seiner Eigenschaft als bewusste Alternative zu den den mainstream der Theologie sowie den Zeitgeist bildenden Strömungen. Die eigentliche Aktualität des Thomismus zeigt sich in dessen Fremdheit; dort wo sich der große Lehrer als Antipode des Zeitgeistes erweist, wo er jene vordergründigen Plausibilitäten und die Eindimensionalität unseres Heute, die die Glaubenssätze des Zeitgeistes stützen und sich heute weithin im kirchlichen Alltagsjargon - der bis ins Herz der Kirche, die Liturgie, vorgedrungen ist - ihre eigene Sprache geschaffen haben, durchbricht; dort, wo dessen überzeitliche Weisheit uns in eine schmerzhafte und doch heilsame Unruhe versetzt, die Verengungen unseres Denkens aufbricht, uns aus unserem Haus der Zeitlichkeit zerrt, um uns zu einem echten, weil allem Kontingenten enthobenen und ganz dem Ewigen zugewandten Fortschritt zu führen. Oder um ein Bild zu gebrauchen: Ob wir es wollen oder nicht, wir alle schwimmen in statu viae im Strom der Zeit. Oft ist unser Kopf dabei unter Wasser und wir werden einfach mit der Flutrichtung mitgetrieben. Um aber atmen und – sollte die Strömung in gefährliche Strudel führen – entgegenrudern zu können, brauchen wir jemanden, der nicht in derselben Strömung mitgetrieben wird, sondern am Ufer steht und unseren Kopf immer wieder aus dem Strom hebt, um unsere Augen die immer gleichen Sterne als Orientierungspunkte sehen zu lassen. Ihren „ewig gleichen Gang, ihre un­ver­rück­bare Ordnung, ihre unendlichen Weiten."

Welche Fragen stellen sich in der gegenwärtigen geistesgeschichtlichen Stunde, auf die der Thomismus eine Antwort weiß?
Es gibt viele Punkte, die man hier nennen könnte. Am deutlichsten wird dies vielleicht aber in der Frage nach dem Menschen, der Frage: Was ist der Mensch? Während die Gegenwart geradezu durch ein Fallen von einem Extrem in das andere geprägt ist, schaut der Thomismus mit einem wundervollen analektischen Gleichgewichtssinn auf den Menschen: Wie im thomistischen Weltbild Wissen um die Welt als Jammertal auf der einen und Lebensfreude auf der anderen Seite zur Geltung kommen, so bilden in der thomistischen Anthropologie Vernunft und Wille, Seele und Leib eine organische Einheit. Stets hat der Thomismus den ganzen Menschen vor Augen! Und in einem weiteren Schritt: so durchdringen sich Natur und Gnade in der gesamten thomistischen Synthese in klarer hierarchischer Über- und Unterordnung aufs engste. Im göttlichen Kult wird diese Beachtung der leib-seelischen Konstitution des Menschen ebenso wie das Verhältnis von Kultur und Übernatur, auf besonders glückliche, ideale Weise deutlich: Die Übernatur nimmt die Dinge der Natur in ihren Dienst und erhebt sie so wunderbar. Ganz klar sehen wir dies in den zahlreichen Segnungen und Weihen, die die Liturgie der Kirche kennt.

Wie sehen Sie das Verhältnis des Thomismus zu den philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts?
Es ist doch interessant, dass die meisten dieser Strömungen, insofern sie sich nicht mit Sekundärem abgegeben haben oder einfach einem grenzenlosen Relativismus und dann folgend einem platten Pragmatismus verfallen sind, sich um einen befriedigenden Begriff des Seins bemüht haben. Und es ist ebenso auffallend, dass es keiner dieser Strömungen, gerade auch Heidegger nicht, der sich dessen immer gerühmt hat, wirklich gelungen ist. Diesen vollen Begriff des Seins, der sowohl der Natur wie den Realitäten der Übernatur gerecht zu werden vermag, bietet allein der Thomismus im engeren Sinne.

Wen würden Sie als die drei bedeutendsten Thomisten im 20. Jahrhunderts bezeichnen, in der Philosophie und in der Theologie? Worin liegt ihre Bedeutung?
Ich möchte hier zunächst die noch lebenden Thomisten ausklammern: eine Erwähnung in diesem Zusammenhang wäre nicht gerechtfertigt, obwohl es hier ganz bedeutende und um die Lehre des Thomas enorm verdiente Geister gibt. Ich würde hier zuerst Réginald Garrigou-Lagrange nennen: Er hat wie kein anderer Thomas auf gut verständliche Art und unter Einbezug der großen Tradition des strengen Thomismus zu erklären vermocht und zugleich gezeigt, wie die brennenden Fragen, die aktuelle Strömungen in der Theologie jener Zeit neu aufgeworfen haben (Modernismus, Immanenzapologetik, Erneuerung der Mystik) durch die Grundsätze der thomistischen Tradition ihre schlüssigste Lösung erfahren! Sodann würde ich, um auch einen Deutschen zu nennen, Martin Grabmann erwähnen: bei ihm verbinden sich historische Thomasforschung und systematische Fruchtbarmachung des historisch Erarbeiteten in geradezu vorbildlicher Weise und es ist bedauerlich, dass sein Werk – ähnlich wie dies bereits mit Garrigou-Lagrange zuvor auf vielfache Weise geschehen ist – sich erst kürzlich in einer großen Habilitationsarbeit von einer jungen Theologin in geradezu peinlicher Weise vor den Richterstuhl der gegenwärtigen, in Deutschland nicht eben hoch stehenden theologischen Mediävistik hat zerren lassen müssen. Und als dritter muss unbedingt der Italiener Cornelio Fabro genannt werden: Ihm kommt das Verdienst zu die thomistische Seinslehre, die vor allem durch den Einfluss des Suarezianismus und anderer Jesuitentheologen bis hin zu Karl Rahner stark verschüttet gegangen ist, wieder neu ins Licht gehoben zu haben.


Ambroise Gardeil OP

Der Theologe Ambroise Gardeil OP wurde am 29. März 1859 in Nancy geboren. 1878 trat er bei den Dominikanern in Amiens ein. Sein bedeutendster Lehrer wurde Réginald Beaudoin, der von 1884 bis 1892 Studienleiter der französischen Dominikanerprovinz war und für die Ausbildung einer neuen, gut geschulten Thomistengeneration Sorge trug. 1884 wurde Gardeil Dozent in Corbara auf Korsika. Er lehrte die "Loci theologici", also die theologische Erkenntnislehre. Von 1888 bis 1911 lehrte er Dogmatik und Moraltheologie. 1889 begann er mit einem Kommentar der "Summa theologiae". Zusammen mit Thomas Coconnier und Pierre Mandonnet gründete er 1892 die berühmte theologische Zeitschrift "Revue thomiste". Außerdem wurde er einer der ersten Mitarbeiter von Alfred Vacant (1852 - 1901), der den gewaltigen "Dictionnaire de Theologie Catholique" (DTC) herausgab. Seit 1911 lebte er im Dominikanerkloster St. Jacques in Paris, wo er bis zu seinem Tod am 2. Oktober 1931 lebte, Bücher schrieb, Exerziten gab und Vorträge hielt.

Gardeil bemühte sich, die Herausforderungen der Zeit anzunehmen und im Lichte der thomistischen Theologie zu bewältigen. Das war zunächst der Szientismus, dann der Modernismus und die "Philosophie der Aktion". Um diesen Herausforderungen zu antworten, drängte er auf eine tiefschürfende theologische Grundlagenforschung und auf die Ausarbeitung einer klaren, präzis definierten und sich über jeden Schritt Rechenschaft gebenden Methodologie. Zeugnis davon gibt u.a. sein über 100 Spalten sich erstreckender Artikel "Crédibilité" im DTC, der auch einen deutschen Theologen wie Matthias Joseph Scheeben nicht unberücksichtigt läßt. Gardeil bemühte sich auch um eine Vertiefung und Aktualisierung des großen einschlägigen Werkes von Melchior Cano (1509 - 1560), dem Vater der Fundamentaltheologie, "De locis theologicis". Die Auseinandersetzung mit der "Philosophie der Aktion", die auf das schon 1893 erschiene Werk "L'Action" Maurice Blondels (1861 - 1949) zurückgeht, brachte ihm eine Kontroverse mit diesem und mit Lucien Laberthonnière (1860 - 1932) ein. Seit 1911 widmete er sich vermehrt spirituellen Themen.

Seine Forschungen wurden u.a.von Réginald Garrigou-Lagrange (1877 - 1964) aufgegriffen.


Melchior Cano

Heute vor 500 Jahren, am 6. Januar 1509, wurde in Tarancón in der spanischen Provinz Cuenca, ca. 75 km südöstlich von Madrid, der Theologe Melchior Cano OP geboren.

Melchiors Vater Ferdinand Cano wurde 1537 als Witwer Franziskaner und zwei Jahre später Beichtvater der beiden Töchter Kaiser Karls V.

Melchior Cano trat 1523 in Salamanca in den Predigerorden ein und studierte dort unter Diego von Astudillo und vor allem unter dem bedeutenden Völkerrechtler Franz von Vitoria. 1531 zum Priester geweiht, kam er nach Valladolid, wo er ab 1533 Vorlesungen gab. 1543 kam er nach Alcalá, 1546 wurde er der Nachfolger Franz von Vitorias in Salamanca..

Im Auftrag Kaiser Karls V. nahm er 1551/52 am Konzil von Trient teil. “Hier nahm er an den Beratungen über die Eucharistie, Buße und hl. Messe gewichtigen Anteil. Julius III. ernannte ihn am 1.9.1552 auf Karls V. Vorschlag zum Bischof der Kanarischen Inseln. Cano empfing zwar die bischöfliche Weihe, verzichtete aber auf Bistum und Professur und zog sich in den Konvent Piedrahita bei Avila zurück, um sich selbst und seinen Studien zu leben. Statt die gewünschte Ruhe zu finden, wurde er immer tiefer in die brennenden kirchlichen und politischen Fragen Spaniens verwickelt. Er eiferte mit der ganzen Autorität und Leidenschaft seiner Persönlichkeit gegen den neuerstehenden Jesuitenorden, kämpfte gegen die Immunitäten und Privilegien der mächtigen Kapitel, verteidigte in gründlichen Gutachten die antipäpstliche Politik Philipps II.” (Albert Lang im Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, 2. Band, Freiburg im Breisgau 1931, Sp. 731 f).

1560 wurde Cano Provinzial. Er starb am 30. September 1560 in Toledo.

Albert Lang nennt ihn einen “der hervorragendsten Theologen des 16. Jahrhunderts”. Cano wurde dies durch sein fundamentaltheologisches Werk De locis theologicis (wörtlich: Von den theologischen Orten). Dieses Werk wurde “von bahnbrechender Bedeutung für die Entwicklung der Theologie”. Es stellt “den ersten systematischen Versuch und zugleich einen für Jahrhunderte unüberbotenenen Höhepunkt theologischer Erkenntnislehre und Methodologie” dar, wie Albert Lang, der Vorgänger von Joseph Ratzinger auf dem Lehrstuhl für Fundamentaltheologie in Bonn, in der zweiten Auflage des LThK urteilt (Bd. 2, Freiburg im Breisgau 1958, Sp. 918).

Nach Melchior Cano gibt es zehn loci theologici, die die Quellen unserer Kenntnis der Glaubenswahrheiten sind. Er unterteilt sie in sieben loci theologici proprii und drei loci theologici alieni oder adscriptitii. Die sieben loci theologici proprii sind: scriptura sacra (Heilige Schrift), traditio Apostolica (apostolische Tradition), auctoritas ecclesiae (Autorität der Kirche), auctoritas conciliorum praesertim generalium (die Autorität der Konzilien, besonders der Allgemeinen Konzilien), auctoritas ecclesiae Romanae oder Sedis Apostolicae (die Autorität der römischen Kirche oder des Apostolischen Stuhles), auctoritas sanctorum veterum oder Patrum (die Autorität der Kirchenväter), auctoritas theologorum oder doctorum (die Autorität der Theologen). Matthias Joseph Scheeben meinte dazu kritisch: “Dass hier der organische Zusammenhang fehlt, liegt auf der Hand; und daraus entsteht der Übelstand, dass die traditio Apostolica, obgleich sie für uns nur durch die übrigen loci erkennbar wird, doch mit diesen in eine Linie gestellt ist, und ebenso die auctoritas ecclesiae, welche sich doch vorzüglich in den folgenden loci konkret darstellt, mit diesen koordiniert wird. Besser hatte schon [Heinrich] Kilber [1710 - 1783] (De principiis theologicis) die loci so geordnet, dass er die beiden ersten als principia constitutiva, die drei folgenden als principia directiva, und die beiden letzten als principia adiuvantia zusammenfaßte” (Theologische Erkenntnislehre nr. 213).

Die drei “fremden” loci theologici sind nach Cano die Vernunft, die Philosophie und die Geschichte.

Das Wort loci (Orte) kommt vom griechischen topoi bei Aristoteles. Die Topik des Aristoteles entwickelt eine Methode des Disputs. Der Humanist Rudolf Agricola (1444 - 1485) hatte in seinem dreibändigen Werk De inventione dialectica die Topik des Aristoteles wieder aufgegriffen. Cano übertrug diese Methodenlehre auf die Theologie. Sein Hauptwerk wurde erstmals 1563 gedruckt und dann immer wieder aufgelegt. Die von Scheeben bemängelte fehlende Würdigung des organischen Zusammenhangs wurde gemäß Lang von Theologen wie J. Péronne, J. B. Franzelin und J.-V. Bainvel nachgeholt.

Joseph Hundhausen nennt Melchior Cano im Wetzer und Welte den “eigentlichen Begründer der Fundamentaltheologie oder theologischen Erkenntnislehre”. Über dessen Gegnerschaft zum Jesuitenorden schreibt er:
“So verdienstvoll das Wirken Cano’s als theologischer Lehrer in Valladolid, Alcala und Salamanca war, so verkehrt war sein Auftreten gegen die neu erstandene Gesellschaft Jesu, deren hohe providentielle Bedeutung er vollständig verkannte. Ihre von den alten Orden so vielfach abweichende Erscheinung war ihm anstößig; selbst der Name Societas Jesu klang ihm wie der Name einer Secte (vgl. De loc. theol. 4,2). Mit großer Heftigkeit trat er, als im Jahr 1548 Turrianus nebst zwei anderen Söhnen des heiligen Ignatius nach Salamanca kam, gegen den neuen Orden auf, und da er unter dem Eindrucke des großen kirchlichen Abfalles der damaligen Zeit zugleich von der fixen Idee beherrscht war, dass der jüngste Tag im Anzug begriffen sei, glaubte er in den Jesuiten bereits die ‘Vorläufer des Antichrists’ zu erblicken und warnte auf Katheder und Kanzel in jeder Weise vor ihnen. Je größer sein Ansehen als Theologe, je ernster und tadelloser sein Wandel, und je glühender seine Beredsamkeit war, um so weniger konnte es fehlen, dass sein Auftreten dem neuen Orden sowohl in Salamanca, wie auch in anderen Städten Spaniens mannigfache Schwierigkeiten und Verlegenheiten bereitete. Umsonst legte Turrianus ihm die päpstliche Bestätigungsbulle des Ordens vor; umsonst trat sein eigener Ordensgenosse Johannes de la Pena in Wort und Schrift gegen ihn als Verteidiger des neuen Ordens auf; umsonst erließ der Ordensgeneral Franz Romeus am 10. Dezember 1548 von Rom aus zu Gunsten der Gesellschaft Jesu ein sehr warmes und entschiedenes Rundschreiben an den ganzen Predigerorden; umsonst sandte der hl. Ignatius, da Cano auch seine Sitten und die seiner Jünger angegriffen hatte, das gerichtliche Urteil, welches ähnlichen Angriffen gegenüber in Rom gefällt worden war, zur Rechtfertigung und Verteidigung nach Salamanca; umsonst nahm sich Paul III. in einem an die Bischöfe von Salamanca und Cuenca gerichteten Schreiben auf’s Neue und mit großer Entschiedenheit des von ihm bestätigten Ordens an. Dies alles war nicht im Stande, Cano von seinen tiefgewurzelten Vorurtheilen zu heilen; er blieb bis in die letzte Zeit seines Lebens ein fanatischer Gegner der Gesellschaft Jesu” (Bd. 2, Sp. 1805).


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