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St. Brendan der Seefahrer

Haben irische Mönche Amerika entdeckt?

Von Dr. Petra Kehl

Im irischen Clonfert steht St. Brendan als Abt einer Klostergemeinschaft vor, als er eines abends Besuch erhält von Abt Barinthus, seinem Verwandten, der nicht verbergen kann, dass Trauer sein Herz erfüllt. Auf Brendans Fragen hin berichtet Barinthus von der Seereise, von der er gerade zurückkehrt. Er habe seinen geistlichen Sohn Mernoc aufgesucht, der auf einer Insel in der Nähe von Sliabh Liacc als Eremit lebe, und sei anderntags mit Mernoc von der Westküste der Insel aus per Boot zum „verheißenen Land der Heiligen“ (terra repromissionis sanctorum) aufgebrochen. Es sei ein wundersames Land, wo alle Bäume Früchte trügen und selbst die Steine kostbar seien, wo der Tag nicht ende und die beiden Reisenden keine Nahrung hätten zu sich nehmen müssen.

Die Schilderung des Barinthus lässt Brendan nicht los. Von diesem Gespräch veranlasst, macht sich Brendan nach gründlicher Vorbereitung mit fünfzehn Gefährten auf den Weg, um nach dem verheißenen Land zu suchen. Seine seltsamen Erlebnisse auf dieser Meerfahrt, die mehr als sieben Jahre dauert, schildert eine der ungewöhnlichsten und rätselhaftesten Geschichten, die uns aus dem Mittelalter überliefert sind: die Meerfahrt des hl. Brendan – oder – wie ihr lateinischer Titel lautet – Navigatio sancti Brendani abbatis.

Navigatio sancti Brendani abbatis:

Brendan beschließt, die Insel der Seligen zu besuchen, sucht 14 Mönche aus seiner Gemeinschaft aus und macht sich zusammen mit ihnen daran, ein Boot aus hölzernen Spanten und Ochsenhäuten zu bauen. Ausgerüstet wird es mit Reservematerial und Verpflegung für 40 Tage. Dann stechen die Mönche in See. Nach mehr als 15 Tagen gehen sie an einer felsigen Insel an Land. Dort finden sie eine Halle mit Essen vor, aber kein Mensch lässt sich blicken. Erst als sie wieder ablegen wollen, erscheint ein junger Mann und sagt ihnen eine lange Reise voraus. Als nächstes kommen sie zu einer Insel, die wegen der vielen Schafe Insel der Schafe genannt wird. Dort bleiben sie von Gründonnerstag bis Karsamstag. Es folgt eine weitere Insel, die ohne jeden Bewuchs ist. Sie entzünden ein Feuer, um Essen zu kochen. Plötzlich bewegt sich die Insel, die Mönche flüchten sich in ihr Boot. Brendan erkennt, dass es gar keine Insel gewesen ist, sondern ein riesiger Fisch, der Jasconius heißt. Die Mönche segeln weiter und gelangen zum Paradies der Vögel. Einer der Vögel sagt Brendan voraus, dass er noch sieben Jahre suchen müsse, bevor er das Verheißene Land erreiche. Nach weiteren drei Monaten landen die Mönche erschöpft an einer Insel, wo sie in einem Kloster von schweigenden Mönchen empfangen werden, die niemals krank werden oder altern. In dieser Gemeinschaft verbringen Brendan und seine Gefährten Weihnachten. Eine Woche nach Dreikönig setzen sie ihre Reise fort. Sie segeln gewissermaßen im Kreis, gelangen wieder auf die Insel der Schafe, verbringen Ostern auf dem Rücken des Jasconius, bleiben bis Pfingsten im Paradies der Vögel und feiern Weihnachten auf der Insel der schweigenden Mönche. Diese Reihenfolge behalten sie sieben Jahre lang bei. Während des weiteren Verlaufs der Seereise begegnen die Mönche einem Meeresungeheuer, das ihr Boot umschwimmt, dann aber von einem anderen Ungeheuer gefressen wird. Seine Überreste finden sie auf einer Insel, wo sie des schlechten Wetters wegen drei Monate Pause einlegen müssen. Sie treffen auf eine Kristallsäule im Meer, die von einem silbrigen Netz umgeben ist. Dann geraten sie an eine kahle Insel voll glühender Krater, von der ein bestialischer Gestank ausgeht und deren Bewohner – Schmiede – glühende Gesteinsbrocken auf sie werfen. Die Mönche können glücklich entkommen. Einige Zeit später treffen sie auf einer Insel Judas, der an Feiertagen „Urlaub“ von der Hölle hat. Auf einer weiteren Insel begegnen sie einem Einsiedler, den ein Otter mit Fischen versorgt. Er sagt ihnen die sichere Rückkehr nach Irland voraus. Doch zunächst geht es wieder zurück zur Insel der Schafe und dem Vogelparadies. Schließlich erreicht Brendan mit seinen Gefährten nach 40 weiteren Tagen endlich das Gelobte Land der Heiligen, das von dichtem Nebel eingehüllt ist. Nachdem sie die das Land 40 Tage lang erkundet, auch Proben von Früchten und Steinen gesammelt haben, kehren sie schließlich in ihre Heimat zurück.

Wann dieser Bericht schriftlich aufgezeichnet wurde, darüber streiten sich die Gelehrten. Wahrscheinlich geschah dies im 10. Jahrhundert, allerdings nicht in Irland selbst, sondern vermutlich in einem irisch beeinflussten Kloster in Lothringen. Entstanden ist er in mündlicher Form jedoch zweifellos schon früher. Er steht in der Tradition der so genannten Immrama, der irischen Schiffermärchen bzw. Reiseberichte, und vereinigt christliche Elemente mit Erzählungen von Seeabenteuern und keltischen Volksüberlieferungen.

Von der Beliebtheit der Navigatio zeugen die 120 Handschriften der lateinischen Fassung, die erhalten sind. Für mittelalterliche Verhältnisse ein Bestseller. Seit dem 12. Jahrhundert wurde die Erzählung in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt. Dabei fand zugleich ein inhaltlicher Wandel statt. Anstelle der spirituell geprägten Suche nach dem verheißenen Land der Heiligen trat das Abenteuerliche und Phantastische der Reise in den Vordergrund, das immer ausführlicher dargestellt wurde. Aus der religiös-moralisch belehrenden Klosterschrift wurde ein abenteuerlicher Reiseroman. Insbesondere die Übersetzungen und Bearbeitungen im deutschsprachigen und niederländischen Raum spiegeln dies wider.

Die Faszination der Navigatio hält bis heute an. Man gebe nur einmal das Stichwort „Navigatio sancti Brendani“ in eine Internet-Suchmaschine ein. Besonders beschäftigt die Frage nach dem Wahrheitsgehalt: Ist es nur frühmittelalterliches keltisches Seemannsgarn oder gibt es einen realen Kern? Haben gar irische Mönche – lange vor Christoph Columbus und den Wikingern – bereits Amerika entdeckt?

Da ist zunächst die Person des „Titelhelden“. Einen heiligen Abt namens Brendan hat es wirklich gegeben. Geboren im Jahr 489 im Westen Irlands, wurde er zunächst Mönch und später Abt. Als solcher gründete er mehrere Klöster und unternahm zahlreiche Reisen entlang der irischen Westküste, aber auch zu den Inseln vor der Westküste Schottlands. Nach weniger verlässlichen Quellen soll er sogar zu den Orkneys, den Shetlandinseln und den Färöern gelangt sein. Sein Todesjahr ist nicht überliefert. Bekannt ist nur, dass er irgendwann zwischen 570 und 585 in Clonfert seine letzte Ruhestätte fand.

Dass die frühmittelalterlichen Iren, insbesondere die irischen Mönche, Seereisen unternahmen, ist bekannt. Seit der Zeit des hl. Patrick war die peregrination pro Christo, die Heimatlosigkeit um Christi willen, ein Ideal, dem viele der irischen Mönche nachstrebten. Etliche zogen deshalb auf den europäischen Kontinent, wo sie Klöster gründeten oder als Missionare tätig waren. Viele andere folgten dem Vorbild der syrischen und ägyptischen Mönche der Spätantike, die sich in die Einsamkeit der Wüste zurückgezogen hatten. Dabei ersetzten sie die in Irland nicht vorhandene Wüste durch unbewohnte Inseln der Nordsee und des Nordatlantiks. So gelangten irische Mönche auf die Orkneys und die Shetlandinseln, erreichten schließlich gar die Färöer und kamen sogar bis nach Island. Und dies bereits im 8. Jahrhundert. Berichtet wird dies von dem Iren Dicuil, der selbst einige der Inseln im Norden und Nordwesten Schottlands besucht hatte, und als Geograph am Hof Karls des Großen um 825 sein geographisches Werk „Liber de mensura orbis terrae“ verfasste:

“Es sind jetzt 30 Jahre her, dass einige Kleriker, die auf jener Insel vom 1. Februar bis zum 1. August geweilt haben, mir berichteten, dass dort nicht nur in der Zeit der Sommersonnenwende, sondern auch in den Tagen vorher und nachher die untergehende Sonne sich gleichsam nur auf der anderen Seite eines kleinen Hügels verstecke, sodass es selbst für einen nur ganz kurzen Zeitraum nicht finster wird. Als ob die Sonne am Himmel stehe, kann man nach Belieben Arbeiten verrichten, ja selbst die Läuse aus seinem Hemd sammeln. Wenn sie auf den hohen Bergen der Insel geweilt hätten, würde die Sonne für sie vielleicht überhaupt nicht verdeckt gewesen sein.”

Als die Wikinger um 870 Island erreichten, fanden sie noch Hinterlassenschaften der irischen Mönche vor, wie Snorri Sturluson im isländischen „Landnamabok“ berichtet:

“Mehr als 100 Jahre, bevor Island von Nordmännern besiedelt wurde, waren das Leute, die die Nordmänner Pappa nennen. Sie waren Christen, und man glaubt, dass sie von Westen übers Meer kamen, denn es fanden sich nach ihrem Weggang irische Bücher, Glocken und Krummstäbe und noch mehr Dinge, aus denen man sehen konnte, dass es Westleute waren. Man fand dies im Osten auf Papey und Papyli. Und in englischen Büchern wird erwähnt, dass in jener Zeit zwischen den Ländern Verkehr bestand.”

Es gibt also verlässliche historische Zeugnisse für die Seefahrten irischer Mönche bis zum Polarkreis, ja bis nach Grönland. Darüber hinaus ist bekannt, dass die irischen Mönche umfangreiche geographische Kenntnisse besaßen, die geographischen Schriften des Ptolemäus kannten und auch schon wussten, dass die Erde keine Scheibe ist.

Und schließlich gibt die „Navigatio“ selbst Beschreibungen und Hinweise, die sich mit konkreten geographischen Gegebenheiten in Übereinstimmung bringen lassen. So verweist die Insel der Schafe, zu der Brendan mit seinen Gefährten gelangt, auf die Färöer, deren dänischer Name schlicht Schafsinsel bedeutet. Zugleich sind die Inseln der Färöer auch als Vogelparadies bekannt, sodass dort auch die Vogelinsel bzw. das Vogelparadies der „Navigatio“ gesucht werden kann. Die Beschreibung der Insel der Schmiede hingegen, mit ihrem Schwefelgestank und den glühenden Gesteinsbrocken, die durch die Luft fliegen, passt gut auf einen Vulkanausbruch, wie er auf Island immer wieder vorkommt. Und schließlich deutet der Nebel, der das Gelobte Land umgibt, auf Neufundland, das oft hinter einer Nebelbank liegt.

Die Beschreibungen der „Navigatio“ scheinen sich logisch erklären zu lassen und tatsächlich auf Fakten zu beruhen. Und doch blieb und bleibt Skepsis.

In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entschließt der Ire Timothy Severin, Historiker, Buchautor und Abenteurer, die Frage nach dem Wahrheitsgehalt des Berichts im Experiment zu erproben. Er baut ein traditionelles irisches Boot nach, ein so genanntes Curragh, mit genau den Materialien, die in der „Navigatio“ angegeben sind: mit in Eichenlohe gegerbten und mit Wollfett eingeschmierten Ochsenhäuten. Allen Unkenrufen der Experten zum Trotz – Leder zersetzt sich in Salzwasser sehr rasch – erweist sich das kleine Boot als hochseetüchtig und zeigt sich sogar der Fahrt durch Packeis gewachsen. Timothy Severin und seine Mannschaft erreichen über die Färöer-Inseln, Island und Grönland wohlbehalten die Küste von Neufundland. Was die Eignung des mittelalterlichen Materials anbelangt, gelangten sie im Verlauf ihrer langen Reise zu erstaunlichen Erkenntnissen. Severin berichtet in seinem Buch "Tausend Jahre vor Kolumbus":

“Es ist interessant zu wissen, dass die mittelalterlichen Originalteile an Bord der Brendan genauso gut waren wie die modernen Dinge an Bord und in manchen Fällen sogar besser, wenn sie unter den bitter harten Bedingungen auf einem kleinen Boot im Nordatlantik ihre Dienste leisten mussten. Holz, Leder und Flachs erwiesen sich in vielen Fällen als dauerhafter als Metall, Plastik oder Nylon, zudem konnte man mit ihnen besser umgehen, wenn es um die täglichen Reparaturen ging. (…) Die modernen Teile arbeiteten besser – bis sie brachen. Die "mittelalterlichen" Teile, schwerbeweglich und unrationell, überlebten die schwersten Beanspruchungen – und das allein zählt.”

Ähnliche Beobachtungen gelten auch für die übrige Ausrüstung, die Brendan und seinen Gefährten zur Verfügung stand. Severin vermerkt:

“Es gibt zudem kaum etwas, das der mittelalterliche Seefahrer vom modernen Seemann borgen könnte, um seine persönliche Bequemlichkeit und den Lebensunterhalt zu verbessern. Abgesehen von wasserabweisender Überkleidung, war der mittelalterliche Seemann in seinen wollenen Hosen, Hemden und Mantel besser bedient als mit synthetischem Unterzeug. Wenn er zu einer kalten und nassen Reise in einem offenen Boot aufbrach, nahm er eine kaum zu verbessernde Verpflegung mit sich aus getrocknetem Fleisch, und Fisch, Getreide, Früchten und Nüssen. Das war nahrhafter und schmackhafter und hielt sich vor allem besser als die getrocknete Paketverpflegung von heute. Das Trinkwasser konnte in Lederbälgen mitgeführt und im Notfall aufgefüllt werden, indem man umgedrehte Lederdecken in einem der im Norden so häufig vorkommenden Regenschauer ausbreitete und so Wasser sammelte.”

Wie auch immer die Schilderungen der „Navigatio sancti Brendani abbatis“ zu bewerten sind, eines steht nach Severins Reise fest: Die Seereise in einem Lederboot von Irland nach Nordamerika ist den Iren des Frühmittelalters zumindest möglich gewesen.


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