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Hl. Andreas Bobola

Am 16. Mai 1657 starb in Janow (damals Polen, heute Weißrussland) der hl. Andreas Bobola SJ.

Bobola wurde 1592 im Palatinat (Fürstentum) von Sandomir geboren, heute Sandomierz, im südöstlichen Teil von Polen, nordöstlich von Lublin. Er entstammt einer hochadeligen Familie, die im 13. Jahrhundert aus Böhmen nach Polen eingewandert war. In Wilna, heute Vilnius, hatte sie das Jesuitennoviziat gestiftet, in das nun Andreas selber am 31. Juli 1611 eintrat, nachdem er die Jesuitenkollegien in Wilna und Sandomir besucht hatte. Wilna ist heute die Hauptstadt von Litauen. Damals waren Litauen und Polen vereint. Bobola setzte seine Studien in Braunsberg (Ermland; Geburtsort der seligen Regina Brotmann) und Poltawa (Ukraine) fort. Am 12. März 1622 wurde er zum Priester geweiht. 1624 bis 1633 war er Prediger an St. Kasimir in Wilna und leitete die Marianische Kongregation. Als in Wilna die Pest ausbrach, widmete er sich ohne Rücksicht auf sich selbst der Krankenpflege und blieb wie durch ein Wunder von der Pest verschont. Später wurde Bobola Rektor des Kollegiums von Bobruisk (an der Beresina, heute Weißrußland, damals in der polnischen Woiwodschaft Minsk) und schließlich von 1637 bis 1657 Volksmissionar in der Gegend von Pinsk. Viele russische Schismatiker fanden durch seine Predigten und seine Ausstrahlung wieder den Weg zurück zur katholischen Kirche.

1596 war in Brest die Union der schismatischen Ruthenen mit der katholischen Kirche vollzogen worden. Einige calvinistisch eingestellte Theologen und in "Bruderschaften" organisierte Fanatiker widersetzten sich der Union, hetzten gegen die katholischen Priester und ermordeten 1623 den hl. Josaphat Kuncewicz, den unierten Bischof von Polock. So ist es nicht verwunderlich, daß auch Bobola alsbald den Haß seiner Gegner zu spüren bekam. "Die Schismatiker nannten ihn deshalb [wegen seiner Erfolge] Seelenräuber (Duszochwat) und verfolgten ihn, wo sie nur konnten, mit Haß und Hohn. Selbst von Kindern wurde er auf der Straße mit Kot beworfen. Unter dem König Johann Kasimir nahmen die allseitigen Gefahren für Polen zu. Aus Bobruisk mußte Bobola vor den andringenden Kosaren [die sich 1648 dem Zaren unterworfen hatten: die Schismatiker jener Gegend, Polesien genannt, suchten den Anschluß an Rußland] fliehen; er begab sich nach Pinsk, und als dieses durch die Schismatiker den Kosaken geöffnet wurde, floh er nach Janow. In einer benachbarten Pfarre Perezdyl hatte er am 16. Mai 1657 eben Messe gelesen, als Kosaken sich zeigten. Die Gläubigen nötigten ihn, auf einem Fuhrwerk zu entfliehen, allein die Kosaken folgten ihm; ein Arbeiter, Jacob Cyetwerynka, zeigte ihnen den Weg, und eben dieser hat später Zeugnis abgelegt über die entsetzlichen Martern, unter welchen Bobola durch beharrliches Bekenntnis seines Glaubens, den er abschwören sollte, die Martyrkrone erwarb. Er wurde nackt an einen Baum gebunden, gegeißelt, mit Eichenzweigen zusammengeschnürt, zwischen zwei Reiter an die Sättel gebunden und dann nach Janow geschleppt. Hier begannen die Martern erst recht. Zuerst wurde er mit Säbelhieben tractiert, wobei ihm ein Auge ausgestoßen wurde, und dann in ein Schlachthaus geschleppt; hier wurde ihm die Haut abgezogen, die Fingergelenke abgeschnitten, die Zunge ausgerissen, dazwischen gebrannt und gestochen, alles unter Fluchen und Hohngelächter. Zuletzt ließ man ihn in solchem Zustande liegen; ein Hauptmann, der ihn noch lebend fand, ließ ihn durch Säbelhiebe vollends töten. Der Leichnam soll in überirdischem Glanze geschimmert haben" (H. Bone in Wetzer und Welte II, Sp. 949 f). Der Leichnam blieb über Jahrhunderte unverwest.

Am 5. Juli 1853 wurde Bobola selig-, am 17. April 1938 heiliggesprochen. Er ist Patron der Diözesen Warschau und Ermland-Masuren. Pius XII. ehrte ihn anläßlich des 300. Todestages mit einer eigenen Enzyklika "Invicti Athletae".
In der 3. Auflage des "Lexikons für Theologie und Kirche" teilt er das Los von Moreno und Nilles.


Jerónimo Nadal SJ

Jerónimo Nadal wurde am 11. August 1507 in Palma auf Mallorca geboren. Er studierte fünf Jahre in Alcalá de Henares (nordöstlich von Madrid). Die dortige Universität gehörte zu den berühmtesten ihrer Zeit. Sie war 1499 vom Erzbischof von Toledo und Primas von Spanien Jiménes de Cisneros (1436-1517; am 17. Mai 1507 zum Kardinal ernannt) gegründet worden. 1543 bis 1546 lehrte hier Melchior Cano, Schüler des Franciso de Vitoria. Danach setzte Nadal in Paris seine Studien fort. Hier lernte er den hl. Ignatius von Loyola (1491-1556) kennen, außerdem Laínez (1512-1565) und Peter Faber (1506-1546). Diese drei bildeten mit vier weiteren Gefährten den Freundeskreis, der am 15. August 1534 durch sein Gelöbnis auf dem Montmartre den Grundstein zur Gesellschaft Jesu legte. Nadal trat ihm trotz Einladung zunächst nicht bei. Er promovierte als Theologe in Avignon, wurde dort 1538 zum Priester geweiht und wirkte sodann auf Mallorca als Seelsorger.

Am 6. Mai 1542 landete der hl. Franz Xaver im indischen Goa und begann seine gewaltige Missionstätigkeit. Sein berühmter, an den Klerus gerichteter und an den Missionswillen appellierender Brief aus dem Jahre 1544 erreichte auch Nadal: “Wie viele Bekehrungen bleiben wegen des Mangels an Helfern, die sich des heiligen Werkes annehmen, in diesen Ländern noch zu wirken! Es packt mich, wie oft, das Verlangen, in die Universitäten Europas zu stürmen, schreiend mit lauter Stimme, wie einer, der nicht mehr bei Sinnen ist; vor allem in Paris wollte ich's alle hören lassen, deren Wissen größer ist als der Wunsch, hiervon guten Gebrauch zu machen; vor versammelter Sorbonne wollte ich's ihnen zurufen: wie viele Seelen vom Wege des Heiles abkommen durch ihre Schuld, wie viele Seelen verlorengehen durch ihre Gleichgültigkeit!” Das gab Nadal den Ausschlag, nach Rom aufzubrechen, um den hl. Ignatius aufzusuchen. Nach Exerzitien bei P. Geronimo Doménech (1516-1592), der sich 1539 der Gesellschaft Jesu angeschlossen hatte und 1544/45 Sekretär des Ordensgründers war, trat Nadal bei den Jesuiten ein.

1548 bis 1552 wurde er Oberer der Niederlassung in Messina (Sizilien) und gründete das dortige Kolleg, dessen Rektor er wurde. Ab 1553 durchreiste er auf Weisung des Gründers hin Spanien und Portugal, um die Konstitutionen einzuführen. Die dortigen Provinzen waren 1547 und 1546 errichtet worden. “Die Reise Nadals durch Portugal und Spanien dauerte zwei Jahre. Nadal besuchte jede Kommunität, hielt Exhorten und Vorträge über das Institut und lebte häufig wochenlang in den größeren Häusern. Am Ende ließ er Empfehlungen und Vorschriften zurück. So vermittelte er die Ideale der Gesellschaft und die Vision ihrer Sendung an die Mitglieder. Er gilt als der verlässlichste Interpret von Ignatius und dem Institut der Gesellschaft. Nadal war wohl jener, der am tiefsten durch die humanistische Bewegung beeinflusst war. Seine Bedeutung für die erzieherischen Grundlagen der Kollegien kann kaum überschätzt werden.” (Otto Syré SJ). 1558 wurde er Assistent für Frankreich (1552 war die französische Provinz errichtet worden) und Deutschland, 1560 bis 1562 Visitator in Spanien, Portugal, den Niederlanden und Deutschland, 1564 bis 1566 Rektor des 1551 gegründeten Römischen Kollegs, 1565 bis 1573 Assistent für die spanische Provinz und 1571 bis 1572 Generalvikar unter dem hl. Francesco Borgia, dem dritten Generalobern (1565-1572).

Eine besonders wichtige Aufgabe hatte er 1563 in Innsbruck. Dort vermittelte er während der Konzilskrise auf der Theologenkonferenz erfolgreich zwischen Kaiser Ferdinand I. (1558 - 1564) und Giovanni Kardinal Morone (1509 - 1580), dem Konzilspräsidenten, so dass das Tridentinum noch im selben Jahr abgeschlossen werden konnte.

1566 nahm er zusammen mit dem hl. Petrus Canisius als Berater des vom hl. Papst Pius V. entsandten Legaten Giovanni Francesco Kardinal Commendone am Augsburger Reichstag teil, wo er sich um den Religionsfrieden verdient machte.

Nadal lag die religiöse Erneuerung gerade in Deutschland sehr am Herzen. Berühmt von ihm ist das Wort: “Vae nobis, si non iuvemus Germaniam - Wehe uns, wenn wir Deutschland nicht zu Hilfe kommen.” Mit dem hl. Petrus Canisius wußte er sich einig, dass die Auseinandersetzung mit den lutherischen Häresien ungeachtet des zeitgenössischen Grobianismus auf christliche Weise ausgetragen werden müsse: “Kein Wort sollen sie von uns vernehmen, das jemand auch nur deuten könnte als beschimpfend, verunglimpfend oder herabsetzend; vielmehr sollen nur die Wahrheiten des rechten Glaubens mit aller Wärme und Festigkeit in aller Offenheit und Wahrheit, in höchster Freiheit des Geistes im Herrn, vorgelegt und in Schutz genommen werden.” Von der Notwendigkeit des Schriftenapostolats war er so überzeugt, dass er 1566 an den Heiligen Stuhl appellierte, katholische Drucker und Autoren finanziell zu unterstützen.

1573 bis 1579 lebte Nadal in Hall in Tirol und betätigte sich vor allem schriftstellerisch. Nach Rom zurückgekehrt, starb er dort am 3. April 1580.


Weitere Jesuiten


Philippe Labbé SJ

Heute vor 400 Jahren, am 10. Juli 1607 wurde in Bourges in Zentralfrankreich (heute Partnerstadt von Augsburg) Philippe Labbé SJ geboren.

Am 28. September 1623 trat er in die Gesellschaft Jesu ein und studierte im Jesuitenkolleg Bourges. Dort hatten sich die Jesuiten seit 1572 niedergelassen. Danach unterrichtete er daselbst Humanwissenschaften, Philosophie und Moraltheologie. Zu jener Zeit war in Bourges der große Meister des geistlichen Lebens Louis Lallemant SJ (1588-1635) Studienpräfekt (1633/1634) und Direktor des Hauses (1634/1635). Außerdem wirkten dort von 1628 bis 1632 der spätere große Huronenmissionar Paul Ragueneau SJ (dessen um elf Jahre älterer Bruder Francois eine Zeitlang Direktor von Bourges war), als Theologieprofessor der spätere berühmte Prediger Jacques Nouet und als Theologiestudent 1635 der sel. Jean Maunoir. Sie alle waren Schüler von Lallemant.

Danach kam Labbé nach Paris, wo er bis zum Ende seines Lebens sich der wissenschaftlichen Tätigkeit hingab. Er war von enormer Schaffenskraft, ungeheurer Bildung und hatte ein phänomenales Gedächtnis. Er veröffentlichte Werke auf dem Gebiet der Kirchen- und Profangeschichte, der Geographie, Numismatik, Grammatik und Epigraphie.

Sein Hauptwerk ist die Herausgabe der Konzilsdokumente in 17 Bänden “Sacrosancta Concilia ad regiam editionem exacta”. Darin sind die allgemeinen und die Provinzialkonzilien bis zum Jahr 1563 erfasst. Als er starb, waren erst die Bände 1 bis 8 und 12 bis 15 veröffentlicht. Die Bände 9 und 10 waren gerade im Druck. Den Rest besorgte Gabriel Cossart SJ (1615 - 1674) einschließlich der “apparatibus”. Labbes Anmerkungen werden von Wolfgang Müller in Jedins “Handbuch der Kirchengeschichte” als wertvoll eingestuft (Bd. V, S. 579). Das Werk diente als Grundlage der Arbeit von Jean Hardouin SJ, dessen “Conciliorum collectio regia maxima” (1714/1715) laut Müller eine zuverlässigere Konzilienedition darstellt als die berühmte von Giovanni Domenico Mansi (1692-1769).

Weiterhin sind von den mehr als 80 Werken Labbés seine Väterausgabe “SS. Patrum, theologorum scriptorumque ecclasiasticorum bibliotheca chronologica” (Paris 1659), die “Bibliotheca anti-janseniana” (Paris 1654) und “De Byzantinae historiae scriptoribus” (Paris 1648) zu erwähnen.

Labbé hatte eine große Verehrung zur Eucharistie und zur Gottesmutter. Sein wissenschaftlicher Rat war sehr gefragt. Seine Werke übten in Frankreich über hundert Jahre lang großen Einfluß aus. Neben Denis Pétau (Petavius) gilt er als der bedeutendste Historiker unter den französischen Jesuiten seiner Zeit. Remigius Bäumer zählt ihn zu “den literarisch fruchtbarsten Jesuitengelehrten des 17. Jahrhunderts” (LThK, 2. Aufl., Bd. 6), ein Urteil, dem sich Stephan Ch. Kessler SJ in der dritten Auflage des LThK anschließt. Von Jansenisten wie Protestanten wurde er heftig angegriffen. Er starb am 17. März 1667 in Paris im Kolleg Clermont, wo 89 Jahre zuvor der hl. Franz von Sales gelebt hatte.


Weitere Wissenschaftler:

Caesar Baronius

Honoré Fabri


Baltasar Gracián

Heute vor 350 Jahren, am 6. Dezember 1658, starb im Jesuitenkolleg von Tarazona in der spanischen Provinz Saragossa, Aragonien (Aragón), Baltasar Gracián y Morales SJ.

Gracián wurde am 8. Januar 1601 in Belmonte de Gracián, Comarca de Calatuyad, Provinz Saragassa (ca. 70 südwestlich von der Hauptstadt Saragossa), als Sohn eines Arztes geboren. Er hatte sieben Geschwister.

1619 schloss er sich der Gesellschaft Jesu an, nachdem er in Saragossa drei Jahre die Schule der Jesuiten besucht hatte. 1621 bis 1623 studierte er im Kollegium von Calatuyad Philosophie, anschließend Theologie in Saragossa. 1627 empfing er die Priesterweihe.

Er wurde Lehrer an verschiedenen Kollegien des Ordens, seit 1636 in Huesca in der gleichnamigen Provinz der Region Aragón, nachdem er zuvor drei Jahre an der Universität von Gandia gelehrt hatte. In Huesca lernte er Vincencio Juan de Lastanosa (1607-1684) kennen, der sein Mäzen wurde und ihn bei der Veröffentlichung seiner Bücher finanziell unterstützte.

Ab 1640 wurde Gracián Kanzelredner am königlichen Hof in Madrid und erlangte als solcher große Berühmtheit, nicht zuletzt wegen mancher Kritik am königlichen Hof. Es kam vor, dass die Kirche die Menge der Zuhörer nicht fassen konnte.

1646 erwies er sich in den Kämpfen gegen die Franzosen bei Lérida als “todesmutiger Feldgeistlicher” (Ludwig Pfandl im LThK, 1. Auflage), so dass er von den Soldaten als “Vater des Sieges” gepriesen wurde. Lérida oder Lleida liegt in Katalonien, wo die Franzosen seit 1639 gegen Spanien unter dem Habsburger Philipp IV. (1621-1665) kämpften und sich dabei auch die sozialen Unruhen zu Nutze zu machen suchten. 1644 hatte die königliche Armee Lérida aus der Hand der katalanischen Aufständischen zurückerobert, woraufhin die Stadt von den Franzosen belagert wurde.

1649 wurde Gracián Professor für Exegese in Saragossa. Hier freundete er sich mit dem Dichter Juan Francisco Andrés de Uztarroz (1606-1653) an.

Bedeutung erlangte Gracián durch seine Schriften, die er mit einer Ausnahme pseudonym und ohne Erlaubnis seiner Ordensoberen veröffentlichte. Es geht in seinen Werken um praktische Lebensklugheit, die den Trug irdischen Glücks durchschaut. Sein Hauptwerk ist El Criticón (Der Kritiker), das ihm laut Miquel Battlori (LThK, 2. Auflage) “einen Platz unter den größten spanischen Moralisten” sichert. Es erschien von 1651 bis 1657 in drei Teilen in Saragossa. Das Werk ist eine “Allegorie der menschlichen Reise durch das Leben” (Bernd Kettern im BBKL). Die beiden Hauptgestalten Andrenio und Critilo verkörpern die Natur und die Zivilisation. Der Weg führt “über die schmerzliche Läuterung pessimistischer Erkenntnis zur lichten Höhe überzeugter Jenseitshoffnung” (Pfandl). Durch seinen Pessimismus erscheint Gracián “als Antipode zur heiter-harmonischen Menschensicht der Renaissance” (Kettern) und erwarb sich die Wertschätzung Arthur Schopenhauers, der Criticon für “eines der besten Bücher der Welt” hielt und 1832 ein Werk Graciáns übersetzte, nämlich das 1647 erschienene Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit (Oráculo manual y arte de prudentia), eine Blütenlese der in den Werken Lorenzo Graciáns enthaltenen Aphorismen. "Lorenzo" war der Name eines Bruders Baltasars, den er als Pseudonym benutzte. Die Übersetzung Schopenhauers erschien erst 1862 und machte Gracián auf einen Schlag berühmt.

Die Leitung des Jesuitenordens unter dem deutschen Generaloberen Goswin Nickel, der recht bald nach seiner Wahl am 17. März 1652 mit einer Anzeige gegen Gracián wegen des ersten Teils von Criticón konfrontiert wurde, erteilte demselben zunächst ein Publikationsverbot und reagierte auf den fortgesetzten Ungehorsam des als cholerisch und reizbar charakterisierten Widerspenstigen mit weiteren Maßregeln bis hin zur 1658 verfügten Absetzung als Professor und zur kurzzeitigen Strafversetzung nach Graus (Provinz Huesca) in den Pyrenäen.

Tatsächlich scheint der Pessimismus Graciáns allzuoft ungemäßigt und in Zynismus umzukippen. Wenn Kettern eine Parallele zu Anschauungen Machiavellis erkennt und es im Criticón heißt, die Menschen seien schlecht, die Frauen noch schlechter, erscheint ein Einschreiten der zuständigen Oberen plausibel.

Gracian gilt neben Francisco de Quevedo (1580-1645) als Hauptvertreter des spanischen Konzeptismus, verfügte aber nach Jens Dechering “über einen unermesslichen Stilreichtum”. Von daher erklärt sich die unterschiedliche Einschätzung, die sein Stil erfuhr. Während Hermann Streber im Wetzer und Welte meint, seine Schriften seien “wegen des geschraubten, preciösen und nebelhaften Stiles für uns ungenießbar”, schreibt Pfandl: “Sein Stil ist in seinen ersten Werken eine eklektische Verbindung der beiden spanischen Barockformen des conceptismo und des cultismo, im Criticón hingegen merklich gereinigt, sublimiert und beseelt”. Nietzsche habe “an Würze des Ausdrucks und Geschliffenheit der Gedanken” von ihm gelernt.

Criticón diente als Namensgeber einer konservativen Intellektuellenzeitschrift, die 1970 von Caspar von Schrenck-Notzing gegründet wurde und so verschiedene Autoren wie Armin Mohler und Erik von Kuehnelt-Leddihn um sich sammelte. Schrenck-Notzing schrieb darin unter dem Pseudonym Critilo.

Personen
(Auswahl)

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Massaja G.
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Moreno G. G.
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Pieper Josef
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Ragueneau P.
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Ratzinger J.
Reinbold W.
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Rippertschwand
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Ruysbroek
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Schamoni W.
Schreiber St.
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Sierro C.
Silvestrelli C.
Simonis W.
Solanus
Solminihac A.
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Wittmann G. M.
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