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Der Philosoph Max Müller

Max Müller wurde am 6. September 1906 in Offenburg geboren. 1925 machte er in Freiburg im Breisgau das Abitur und studierte dann in Berlin, München, Paris und Freiburg. In Berlin hörte er Romano Guardini, der ihn sehr beeindruckte, und Hans Rothfels. In Paris lernte er Jacques Maritain und Etienne Gilson kennen. In München hörte er Joseph Geyser, Erich Becher und Karl Vossler, in Freiburg Martin Heidegger und Martin Honecker. Bei diesem promovierte er 1930 mit der Arbeit "Über Grundbegriffe philosophischer Wertlehre. Logische Studien über Wertbewußtsein und Wertgegenständlichkeit", eine Auseinandersetzung mit Alexius Meinong. 1937 folgte bei demselben die Habilitation mit einer Arbeit, die unter dem Titel "Sein und Geist" erschien.

Seine Gegnerschaft zur nationalsozialistischen Ideologie führte ihn zum "Freiburger Kreis" um Karl Färber, dem Katholiken wie Reinhold Schneider, Bernhard Welte und Hans Filbinger angehörten. Auch hatte er seit 1942 Kontakt zu Willi Graf von der "Weißen Rose", was ihm eine vorübergehende Verhaftung einbrachte.

Nach dem Krieg machte er sich um die Görres-Gesellschaft verdient. Seit 1946 lehrte er in Freiburg, seit 1960 in München. Er wurde Doktorvater von so bedeutenden Gelehrten wie Helmut Kuhn, Odo Marquard, Ulrich Hommes, Jörg Splett, Alma von Stockhausen und Wilhelm Nyssen. 1971 wurde er emeritiert. Er starb am 18. Oktober 1994 in Freiburg i. Br.

In seinen frühen Jahren bemühte sich Müller, nicht zuletzt anknüpfend an Thomas von Aquin, um eine Rehabilitierung der Ontologie gegenüber dem Neukantianismus. Doch im Laufe der Zeit wurde die Philosophie Heideggers immer prägender für ihn, so daß er von Erich Przywara der "katholischen Heideggerschule" zugerechnet wurde, zusammen mit Gustav Siewerth, Johann Baptist Lotz und Karl Rahner. Zwar verteidigt Müller auch gegenüber Heidegger die Möglichkeit von Metaphysik, aber um den Preis eines verhängnisvollen Relativismus. "Aus der an Thomas orientierten metaphysischen Ontologie entwickelt sich - orientiert an Heidegger - eine ‘Metahistorik', eine Theorie des geschichtlichen Sinns von ‘Sein'" (Wilhelm Vossenkuhl: Max Müller, in: Christliche Philosophie III, S. 322). Aus der Geschichtlichkeit des Sinns von Sein folgt: "Kein ontologischer Anspruch kann universal und absolut sein, weil das Verständnis dessen, was ‘Sein' heißt, eine Geschichte hat und geschichtlich bedingt ist." Die Metahistorik "kann auch mit dem Begriff der absoluten Wahrheit keinen Sinn verbinden" (Vossenkuhl). Dietrich von Hildebrand macht dazu die Anmerkung: "Obwohl eine derartige philosophische Position den Namen ‘historischer Relativismus' heftig ablehnt, ist sie der Sache nach durchaus nicht von ihm verschieden. Das hat R. Lauth in ‘Die absolute Ungeschichtlichkeit der Wahrheit' (München 1966) nachgewiesen..." ("Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes, Regensburg 1969, S. 143).

Auch die Ethik ist von diesem historischen Relativismus nicht verschont: "Es gibt keine absoluten Verpflichtungen und Gebote oder Verbote jenseits der Geschichte. Die Moralität des Handelns hat kein zeitloses Fundament" (Vossenkuhl). Gerade dagegen wendet sich mit Hinweis auf die nationalsozialistischen Verbrechen sehr überzeugend Reinhard Lauth in dem von Hildebrand angeführten Werk.

Zwar meint Vossenkuhl, die Metahistorik Müllers wende "sich gegen die indirekten metaphysischen Ansprüche etwa des evolutionistischen, biologistischen Menschenbildes, einer funktionalistischen Auffassung der Gesellschaft und gegen eine materialistische Auffassung von Politik" (a.a.O., S. 325 f), doch ist nicht zu übersehen, daß gegenüber diesen Reduktionismen Sein und Sollen mit der Müllerschen Philosophie nicht zu retten sind, da sie für ihn kein transhistorisches Wesen besitzen.

Gleichzeitig zeigt das Beispiel Müller die Berechtigung des Anliegens von Philosophen wie Walter Hoeres und David Berger, die authentische Philosophie des hl. Thomas von Aquin gegenüber deren Deutung in Heideggerscher Perspektive herauszuarbeiten und für moderne philosophische Fragestellungen fruchtbar zu machen.


Alois Dempf

Alois Dempf wurde am 2. Januar 1891 im oberbayerischen Altomünster, zwischen München und Augsburg, geboren. Nach dem Gymnasium in Schäftlarn und Freising studierte er in Innsbruck und München Philosophie und Medizin. 1921 promovierte er in Philosophie bei Hans Meyer und Clemens Bäumker zum Thema: "Der Wertgedanke in der Aristotelischen Ethik und Politik". Erst wenige Jahre zuvor hatte Max Scheler seine berühmte Wertethik veröffentlicht, die Dempf nun mit der aristotelischen Ethik in Verbindung brachte.

Dempf gehörte zu den Autoren der von Carl Muth herausgegebenen Zeitschrift "Hochland" und stand u.a. mit Theodor Haecker in Kontakt. 1926 folgte die Habilitation bei Adolf Dyroff, der seit 1903 in Bonn dozierte und 1934 wegen seiner katholischen und unangepaßten Denkweise von den Nazis zwangseremitiert wurde. Sein Habilitationsthema lautete: "Das Unendliche in der mittelalterlichen Metaphysik und in der Kantischen Dialektik". Acht Jahre war Dempf Privatdozent in Bonn. Außerdem wurde er Redakteur der von 1925 bis 1930 erscheinenden Zeitschrift "Abendland. Deutsche Monatshefte für europäische Kultur, Politik und Wirtschaft". Diese Zeitschrift "wurde zu einem Motor übernationaler Verständigung, vor allem der Versöhnung mit Frankreich" (Heinz Hürten, Deutsche Katholiken 1918 bis 1945, Paderborn 1992, S. 152). Ihr Gründer Hermann Platz (1880 -1945), mit Dempf befreundet, war Hochland-Mitarbeiter, Exponent der Liturgischen Bewegung, "gehörte auch zu den deutschen Förderern der internationalen Friedenstreffen, die Marc Sangnier auf seinem Landsitz Bierville veranstaltete (Hürten, ebda.) und verlor wie Dyroff unter den Nazis seine Professur in Bonn. "Abendland" war gleichzeitig der Kampfbegriff gegen den "Nationalismus mit seiner einheitzerstörenden Rasse- und Staatsvergötzung" (Platz im "Staatslexikon der Görresgesellschaft", 5. Aufl., Artikel "Abendland"). Außerdem war Dempf mit Luigi Sturzo (1871-1959) befreundet, dem Gründer des Partito Popolare Italiano (PPI) (der Vorgängerpartei der Democrazia Cristiana), der 1924 wegen seines Antifaschismus Italien verlassen mußte.

Dempfs antinationalsozialistische Einstellung war kompromißlos. Gegen die Neigung zu Kompromissen schrieb er 1934 unter dem Pseudonym Michael Schäffler das Manuskript "Die Glaubensnot der deutschen Katholiken", das Karl Barth zwecks Veröffentlichung in die Schweiz schmuggelte. "'Die eigentliche Schwäche des deutschen Katholizismus' sah Dempf allerdings gerade in dem, was durch lange Jahrzehnte hindurch wesentliches Ziel der Katholiken Deutschlands gewesen war", nämlich der Anpassung an den fortschrittlichen, damals nationalen Zeigeist und dem Abbau "der konservativen Gegenposition zu Kapitalismus und Sozialismus". "'Wenn man so anpassungsfähig ist, verrät man nur allzudeutlich, wie wenig man eigene Substanz besitzt und Eigenes zu sagen hat'. Dies war das Problem, das die Brückenbauer offengelegt hatten - aber Dempf führte fast wider seine Absicht aus, wie gering doch die Wirkung dieses Anpassungsstrebens geblieben war. Er bezeichnete an anderer Stelle als 'einen schlagenden Gegenbeweis' gegen die These von der Eroberung des katholischen Volksteils für den Nationalsozialismus 'die geringe Zahl und geistige Bedeutungslosigkeit derer, die offen als überzeugte Nationalsozialisten auftreten oder sich zur Flankendeckung für ihn hergegeben haben'" (Hürten, a.a.O. S. 324, Dempf alias Schäffler zitierend).

Außerdem arbeitete Dempf bei den "Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts" mit, einer Gegenschrift zu Alfred Rosenbergs "Der Mythus des 20. Jahrhunderts". Diese Gegenschrift, auf eine Anregung Karl Barths und Erik Petersons zurückgehend, wurde 1934 von Bischof Clemens August von Galen herausgegeben. "Der 'Feldzugsplan' für die Gestaltung wurde im Hause Hermann Platz entworfen, und viele Mitarbeiter konnten gewonnen werden, z.B. Waldemar Gurian sowie Redakteure und Mitarbeiter des 'Michael', der Wochenzeitung der katholischen Jugend, vor allem Johannes Maaßen. Den Abschnitt über Meister Eckhart vertraute mein Vater", so schreibt Felicitas Hagen-Dempf in "Alois Dempf - ein Lebensbild", "einem Schüler, Bernhard Lakebrink, an, weil das Eckhart-Buch meines Vaters, das die Inanspruchnahme des großen Mystikers für die 'nordische' Weltanschauung zurückwies, bereits 1934 erschienen war und entsprechendes Aufsehen erregt hatte. Die geheime Drucklegung im Verlag Bachem geschah durch Mithilfe des Kirchenhistorikers Wilhelm Neuss und des Bischofs Graf Galen, des späteren Kardinals. Als erste Schrift seit der Reformation konnte diese Publikation sämtliche evangelischen und katholischen Pfarrer erreichen (Auflage: 200000 Stück!)" (in: Alois Dempf 1891-1982. Philosoph, Kulturtheoretiker, Prophet gegen den Nationalsozialismus, hg. von Vincent Berning und Hans Maier, Weißenhorn 1992, S. 13).

Kontakte hatte Dempf auch zu Heinrich Brüning, Albert Ehrhard, Johannes Thyssen, Siegfried Behn, Aloys Müller, Max Scheler, Waldemar Gurian, Paul Ludwig Landsberg, Carl Schmitt (dessen pronazistische Entwicklung ihn enttäuschte), Werner Becker, Carl Sonnenschein, Edith Stein, Gertrud von Le Fort, Joseph Bernhart, Manfred Schröter, Jakob Hegner (seinem Verleger) und den spanischen Philosophen Juan Zaragueta und Calvo Serer.

Den Ethnologen Wilhelm Schmidt und Wilhelm Koppers verdankte er 1937 einen Ruf nach Wien, den er dankbar annahm, da Rosenberg in Deutschland jede Berufung Dempfs zum Ordinarius verhinderte. In Wien fand Dempf freundschaftlichen Kontakt zu Eric Voegelin. Doch diese Phase währte nur kurz, da er im darauffolgenden Jahr nach dem "Anschluß" Österreichs zwangspensioniert wurde.

Nach dem Krieg hielt er in Wien im Auditorium Maximum außerordentlich gut besuchte Vorlesungen (sein Assistent war Ernst Topitsch), bis er 1950 einem Ruf nach München folgte. Hier hatte er Kontakte zu Aloys Wenzl (bei dem 1948 Reinhard Lauth habilitiert wurde), Helmut Kuhn, Hans Sedlmayr, Romano Guardini, Hans Urs von Balthasar, Werner Bergengruen, Gustav Siewerth, Henry Deku, Hermann Krings, Hedwig Conrad-Martius, Adolf Portmann (der sich als Biologe gegen den Biologismus wandte), Jakob von Uexküll u.a. 1963 promovierte bei ihm der Scheffczyk-Schüler Anton Ziegenaus. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Dempf in Eggstätt, Chiemgau, wo er am 15. November 1982 verstarb.

Zu seinen wichtigsten Werken gehören "Die Hauptform mittelalterlicher Weltanschauung. Eine geisteswissenschaftliche Studie über die Summa" (1925), "Ethik des Mittelalters" (1927), "Sacrum Imperium. Geschichts- und Staatsphilosophie des Mittelalters und der politischen Renaissance" (1929), "Metaphysik des Mittelalters" (1930), "Kulturphilosophie" (1932), "Meister Eckhart. Eine Einführung in sein Werk" (1934), "Kierkegaards Folgen" (1935), "Religionsphilosophie" (1937) "Christliche Philosophie. Der Mensch zwischen Gott und der Welt" (1938), "Die drei Laster. Dostojewskis Tiefenpsychologie" (1946), "Selbstkritik der Philosophie und eine vergleichende Philosophiegeschichte im Umriß" (1947), "Theoretische Anthropologie" (1950), "Kritik der Historischen Vernunft" (1957), "Die unsichtbare Bilderwelt. Eine Geistesgeschichte der Kunst" (1959).

Alois Dempfs Denken ist von großer synthetischer Kraft. Schon früh geprägt von Herman Schell, suchte er eine Erneuerung der christlichen Philosophie, die nicht hinter die Fragestellungen der neuzeitlichen Philosophie zurückfällt: "Die kritische Synthese eines lebendigen, tief innerlichen Christentums, insbesondere in seiner katholischen Form, mit den unübersehbaren Leistungen der neuzeitlichen Philosophie seit Kant und dem naturwissenschaftlichen Weltbild des 20. Jahrhunderts. Es ist eine Problemstellung, an welcher der von der Kirche abgewiesene und von Dempf schon früh abgelehnte Modernismus gescheitert war, weil er am christlichen Symbolon vielschichtige Relativierungen vornahm, deren Grundmuster teilweise in der theologischen Diskussion der nachkonziliaren Zeit des II. Vatikanums wieder auftauchen. Dempf sucht eine neue Synthese, welche die griechisch-lateinische Antike, den Universalismus des germanisch-lateinischen Mittelalters, der Spätscholastik, der Renaissance und der Spätromantik, aber auch die in den Augen Dempfs gewaltige Denkleistung des Deutschen Idealismus kritisch aufzuarbeiten hatte." (Vincent Berning, Alois Dempf. Philosoph, Gelehrter, Kulturtheoretiker, Prophet gegen den Nationalsozialismus; im erwähnten gleichnamigen Sammelband S. 49)


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