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Charles Pandosy

Charles John Felix Adolphe Pandosy wurde am 22. November 1824 in Margerides bei Marseille als Sohn des Schiffskapitäns Etienne Pandosy und dessen Frau Marguerite Dallest geboren. Er besuchte das Bourbon-Kollegium in Arles und begann am 14. August 1844 das Noviziat bei den Missionaren Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria, wo er am 15. August des folgenden Jahres seine Gelübde ablegte. Die Congregatio Missionariorum Oblatorum B. M. V. Immaculatae war 1816 vom hl. Mazenod gegründet worden und wurde wenige Jahrzehnte später die Hauptträgerin der Mission des Nordens Amerikas.

Pandosy gehörte zu den ersten, die für die Mission in Oregon bestimmt wurden. Oregon bezeichnete damals das Land im Nordwesten der USA, das die heutigen Territorien Oregon und Washington umfasste. Erst 1853 folgte die Unterteilung in die beiden Territorien.

Am 4. Februar 1847 schiffte er sich in Le Havre ein. Er gehörte zu einer Gruppe von fünf Missionaren seines Ordens: P. Pascal Ricard OMI, der Pionier der Oregonmission, der die Gruppe leitete, die Seminaristen Casimir Chirouse, George Blanchet und Charles Pandosy und der Bruder Célestin Verney. Nach der Ankunft in New York am 3. April, dem Karfreitag jenes Jahres, zog die Gruppe weiter nach St. Louis (in Luftlinie 1400 km weiter westlich), wo sie am 17. April ankam. Von hier ging es weiter in einem Treck mit 50 Wagen und 172 Personen nach Oregon. Am 3. Oktober kamen sie am Fort Walla Walla an. Das Fort Walla Walla war 1818 gegründet worden, zunächst unter dem Namen Fort Nez Perce (bis 1825). Es liegt über 2400 km westlich von St. Louis, noch ca. 430 km von der pazifischen Küste entfernt.

Noch im selben Monat Oktober errichteten die Oblaten die St.-Rose-Missionsstation bei den Yakima-Indianern an der Mündung des Yakimaflusses in den Columbiariver, ca. 60 km westlich von Walla Walla. Am 30. November taufte Pandosy den ersten Indianer in der Gegend des heutigen Ellensburg, ca. 200 nordwestlich von Walla Walla.

Pandosy empfing am 2. Januar 1848 in Walla Walla zusammen mit Chirouse aus der Hand von Bischof Augustin Magloire Blanchet die Priesterweihe. Es war die erste Priesterweihe im Gebiet des heutigen Staates Washington. Am 24. Juli 1846 wurde das Bistum Walla Walla gegründet worden, und zwar als Suffraganbistum von Oregon City. Sieben Jahre später wurde es wieder aufgehoben.

Im Frühjahr 1852 gründete Pandosy zusammen mit P. Louis-Joseph d’Herbomez OMI die St.-Josephs-Mission am oberen Ahtanum-River (südlich von Ellensburg). In den kommenden Jahren überwinterte er allein in Moxee (ca. 50 km südlich von Ellensburg) und Aberski. Die Sprache der Yakima (die zur Penuti-Sprachfamilie gehört) beherrschte er nun so gut, dass er ein Wörterbuch zusammenstellte.

Es war die Zeit schwerer Konflikte zwischen den Indianern, vor allem den Cayuse, und den Siedlern. Auf Bitten des Gouverneurs Isaac Ingalls Stevens diente Pandosy als Dolmetscher in den berühmten Verhandlungen, die im Mai 1855 in Walla Walla stattfanden. Es war das “größte Treffen der Nordwest-Indianer, das sowohl in seiner Bedeutung als auch in seiner Farbentracht mit dem großen ‘Council’ der Plains-Indianer in Medicine Lodge verglichen werden kann” (Siegfried Augustien, Die Geschichte der Indianer. Von Pocahontas bis Geronimo 1600 - 1900, München 1998, S. 402). Etwa 2000 Indianer, abgesehen von den Frauen und Kindern, waren zusammengekommen. Die größte Autorität unter den Stämmen Washingtons und Oregons war Häuptling Kamiakin (Kamiaken; ca. 1800 - ca. 1880). Obwohl ein Vertrag zwischen den Indianern und der amerikanischen Regierung zustandekam, brachen am 6. Oktober anlässlich der Ermordung des Indianeragenten Andrew J. Bolon Kämpfe aus. Am 10. November stieß eine Truppe unter Major Gabriel James Rains in das Gebiet der Yakima-Indianer bis zur Missionsstation St. Joseph vor. Dort hatten sich Pandosy und Durieu, von den Indianern gewarnt, in Sicherheit gebracht und waren zur Jesuitenmission bei Fort Colvile, in der Nähe des heutigen Colville (300 km nordöstlich der Missionsstation), geflohen. Die Truppen plünderten St. Joseph und brannten es nieder. Als Pandosy später zurückkehrte, befahl ihm Stevens, die Mission zu schließen und die Gegend zu verlassen. In der Presse wurde er des Paktierens mit Kamiakin angeklagt. Dennoch wurde Pandosy bald wieder als Dolmetscher und Unterhändler herangezogen und sogar als Seelsorger der Amerikanischen Armee engagiert. Außerdem arbeitete er mit den Jesuiten zusammen unter den Stämmen der Colville und Cœur d’Alêne.

Aufgrund der fortdauernden Kämpfe, die eine Missionsarbeit unmöglich machten, wurde Pandosy von seinen Oberen weiter in den Norden gesandt und mit der Missionierung der Indianer in British Columbien beauftragt.

So reiste er 1859 ins Tal der Okanagan (Okinagan), der Heimat mehrerer Indianerstämme. Begleitet wurde er von einer Handvoll Siedlern und dem Trapper Cyprian Lawrence, der im Okanagantal lebte und dort Teresa, die Nichte des Häuptlings White Hat, geheiratet hatte. Dank Teresa hinderte sie der Häuptling nicht an der Einwanderung.

Das Okanagan Valley ist in nord-südlicher Richtung etwa 175 km lang. In der Nähe des heutigen Kelowna (über 400 km nördlich von Walla Walla und fast 200 km nordwestlich von Colville) errichtete er am 8. Oktober 1859 die erste Missionsstation, die von der Unbefleckten Empfängnis. Es folgten mehrere Wechsel: 1861 kam er nach Esquimalt, 1863 auf die Vancouver Islands, 1872 auf die St.-Mary-Mission unterhalb von Fraser und 1874 wieder nach Okanagan.

Während der Zeit der Okanaganmission hielt sich Pandosy meistens in Penticton, ca. 45 km südlich von Kelowna, auf. Er pflanzte die ersten Obstbäume (Äpfel) und Weinstöcke im Okanagantal an. Die Siedler bewog Pandosy, die Indianer in die Landwirtschaft einzuführen. Für die Kinder gründete er eine Schule. Doch die Indianerkinder konnten keinen Sinn darin erblicken, lesen und schreiben zu lernen. Dagegen waren sie empfänglich für den Gesangsunterricht. Bald konnten sie die ganze hl. Messe mit ihrem Gesang begleiten. Pandosy selber spielte übrigens Waldhorn. Überschattet wurde Pandosys Arbeit durch Meinungsverschiedenheiten mit seinen Mitbrüdern Pierre Richard, Julien Baudre und Paul Durieu.

Pandosy starb am 6. Februar 1891 in Penticton. Sein Grab war lange Zeit verschollen, bis 1983 zwei Studenten vom Okanagan-Kollegium einen Friedhof mit mehreren Särgen entdeckten, von denen einer die Reste eines Oblaten-Missionars enthielt. Nur Pandosy kommt für die Identifizierung in Frage.


Vital-Justin Grandin

Vor 150 Jahren, am 30. November 1859, wurde Vital-Justin Grandin OMI vom hl. Eugène de Mazenod OMI zum Bischof geweiht.

Grandin war damals erst 30 Jahre alt. Am 8. Februar 1829 wurde er in Saint-Pierre-sur-Orthe, ca 40 km nordwestlich von Le Mans, als neuntes Kind des Ehepaares Jean Grandin und Marie Velliard geboren. Sein Wunsch, Priester zu werden, schien aufgrund der Armut seiner Eltern, die Bauern waren, zunächst unerfüllbar. Doch Abbé Alexandre-Léopold Sebaux, Sekretär des Bischofs Bouvier von Le Mans, ermöglichte ihm 1846 den Eintritt ins Kleine Seminar von Précigné (50 km südlich von Saint-Pierre-sur-Orthe). 1850 trat er ins Große Seminar von Le Mans ein, wechselte aber am 21. September 1851 trotz schwacher Konstitution ins Pariser Missionsseminar, um Chinamissionar zu werden. Doch wegen eines Sprachfehlers (Lispeln) wurde er nach einigen Monaten als ungeeignet angesehen und entlassen. Nachdem er im Gebet seine Zuflucht zu Unserer Lieben Frau vom Sieg im gleichnamigen Heiligtum von Paris genommen hatte, bat er bei den vom hl. Mazenod gegründeten Missionaren Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria in Notre-Dame de l’Osier, Diözese Grenoble, um Aufnahme. Am 28. Dezember 1851 wurde er eingekleidet, am 1. Januar 1853 legte er seine Profeß ab und am 23. April 1854 wurde er vom hl. Mazenod, seit 1837 Bischof von Marseille, zum Priester geweiht.

Dieser entschloss sich im Mai 1854, ihn in das Missionsgebiet im Westen Kanadas zu schicken. Nach seiner Ankunft in Kanada am 24. Juni 1854 begab er sich nach Saint-Boniface, Manitoba, in der Gegend des Roten Flusses (Red River). Saint-Boniface, heute ein Stadtteil von Winnipeg, liegt etwa 2000 km westlich von Québec und wurde 1818 von Joseph Norbert Provencher gegründet, dem ersten Missionar am Red River und seit 1844 erstem Vikar des Apostolischen Vikariats vom Nordwesten mit Sitz in Saint-Boniface. 1847 wurde das Vikariat zur Diözese von Saint-Boniface erhoben. Das Bistum erstreckte sich bis zum Nordpol und umfasste den ganzen Norden und Nordwesten Kanadas. Nach dem Tod Provenchers am 7. Juni 1853 wurde am selben Tag Alexander-Antonin Taché OMI (1823 - 1894) sein Nachfolger, da dieser bereits am 12. Juni 1850 zum Koadjutor mit dem Recht zur Nachfolge ernannt worden war. Taché, der große Anwalt der Indianer, der für sein riesiges Gebiet nur auf etwa ein Dutzend Missionare zurückgreifen konnte, empfing Grandin mit offenen Armen.

Sobald Grandin die Eingeborenensprache erlernt hatte, kam er 1855 in die Mission Nativité beim Fort Chipewyan am Westufer des Sees Athabasca (Alberta), über 1300 km nordwestlich von Saint-Boniface. Das Fort Chipewyan war 1788 von der North West Company gegründet worden. Die Mission, eine einfache Holzkonstruktion, war am 8. September 1851, dem Fest der Geburt Mariens, unter dem Namen Nativité der Muttergottes geweiht worden. Seit 1852 leitete P. Henri Faraud OMI (1823 - 1890) die Mission (bis 1861) und wurde dort auch der Lehrer des berühmten Pierre Henri Grollier, der im Spätherbst 1852 dazu gestoßen war und bis 1856 blieb. Hier musste Grandin unter extremen Bedingungen leben und Kälte, Hunger und Durst durchmachen. Im September 1857 reiste Grandin nach Île-à-la-Crosse (Sakitawak in der Indianersprache der Crees), der zweitältesten Siedlung von Saskatchewan, wo er zwei Waisenkinder adoptierte. Die Mission in Île-à-la-Crosse, die über 400 südöstlich von Fort Chipewyan liegt, war 1846 von Louis-François Richer Laflèche und Taché im Auftrag von Provencher begründet worden.

1856 hatte Taché die Ernennung eines Koadjutors mit dem Recht zur Nachfolge beantragt. Daraufhin ernannte Pius IX. am 11. Dezember 1857 den Koadjutor von Saint-Boniface als Titularbischof von Satala in partibus infidelium. Seine Wahl fiel auf Grandin, da ihm dieser von dessen Vorgesetzten als der “dignissimus inter dignos” (der Würdigste unter den Würdigen) präsentiert worden war. Grandin lehnte zwar ab, aber da sein Generaloberer Mazenod arauf bestand, kam es am 30. November 1859 in Marseille in der St. Martins-Kathedrale zur Bischofsweihe. Anwesend war auch sein geliebter geistlicher Vater Sebaux. Als Wahlspruch wählte Grandin Infirma mundi elegit Deus.

Nach Île-à-la-Crosse zurückgekehrt, entwickelte er mit Taché zusammen den Plan, im Gebiet des Mackenzie River, der auf einer Länge von 1900 km vom Großen Sklavensee aus den Nordwesten durchfließt, ein Vikariat aufzubauen, das von einem eigenen Bischof regiert werden sollte. Dieser Plan schien angesichts des Vordringens der Anglikaner dringend. Bis 1864 widmete sich Grandin unter schwierigsten Bedingungen diesem Aufbau. Es gab nur fünf Missionare, auf deren Mitwirkung er zurückgreifen konnte. Er selbst durchreiste das Gebiet auf Hundeschlitten bis zur Arktis. 1861 gründete er das Fort Providence als wichtigen Stützpunkt der Mission und möglichen Residenzort des künftigen Bischofs. Das Fort liegt im Westen des Großen Sklavensees am Mackenzie, 470 km nordwestlich vom Fort Chipewyan, 870 km nordwestlich von Île-à-la-Crosse und 1800 km nordwestlich von St. Boniface. Er visitierte außerdem die Forts Simpson (200 km westlich von Fort Providence; am Mackenzie), Liard (340 südwestlich vom Fort Providence; am Liard River, der in den Mackenzie fließt), Good Hope (770 km nordwestlich von Fort Providence; am Mackenzie; nur noch 400 km vom Nordpolarmeer entfernt), Norman (210 km südöstlich vom Fort Good Hope; am Mackenzie) und Rae (210 km nordöstlich von Fort Providence; am Nordarm des Großen Sklavensees). Als er im August 1864 nach Île-à-la-Crosse von seiner dreijährigen Reise zurückkehrte, erfuhr er zu seiner Überraschung, dass er selber als Vikar dieses Gebietes vorgesehen sei. Doch er wehrte sich und schlug Henri Faraud vor, der in der Mission Nativité sein Lehrer gewesen war und viel mehr als er geeignet sei. Zu seiner Erleichterung war es dann tatsächlich Faraud, der am 13. Mai 1862 zum Apostolischen Vikar des neu errichteten Vikariats von Athabasca-Mackenzie ernannt wurde.

1867 begleitete Grandin Taché zum Generalkapitel seines Ordens, das im August in Rom tagte. Taché schlug vor, das riesige Gebiet seiner Diözese zu verkleinern durch die Schaffung eines Missionsvikariats von Saskatchewan mit Residenz in Sankt Albert. Sankt Albert liegt nur wenige Kilometer nordwestlich von Edmonton, der heutigen Hauptstadt von Alberta. Der Generalobere ging darauf ein, und so wurde das Vikariat am 20. März 1868 errichtet und Grandin anvertraut. Zu diesem Zeitpunkt gab es im Gebiet des Vikariats sieben Missionsstationen: St. Albert, Lac-Sainte-Anne, St. Joachim, Saint-Paul-des-Cris, Unsere Liebe Frau vom Sieg, St. Johannes Baptist und St. Peter. Das Missionspersonal bestand aus einem Bischof, neun Priestern und vier Brüdern, die alle dem Orden der Oblaten angehörten.

Auf Weisung Tachés nahm Grandin im selben Jahr am Provinzialkonzil von Québec teil, das vor allem die kirchliche Neuordnung Kanadas beriet. Es schlug Rom vor, Saint-Boniface zum Erzbistum zu erheben, dem ein zu gründendes Suffraganbistum und die Apostolischen Vikariate von Athabasca-Mackenzie und Britisch-Kolumbien zugeordnet sein sollten. Als Folge errichtete Rom am 22. September 1871 die Diözese St. Albert (seit 1912 Erzbistum von Edmonton) und ernannte Grandin zum Bischof, den die Ernennungsbulle erst im April 1872 erreichte.

Nicht viele Priester standen ihm zur Verfügung, aber dafür war unter ihnen “der erfolgreichste Indianermissionar Kanadas im 19. Jahrhundert” (Nikolaus Kowalsky im LThK 2. Auflage), Albert Lacombe OMI, der Apostel der Kri- und Schwarzfußindianer und Gründer von St. Albert (1861). Ihn ernannte Grandin am 21. April 1872 zu seinem Generalvikar.

Wegen einer verwickelten Streitfrage, die die Mission Unserer Lieben Frau vom Sieg in Lac La Biche betraf, kam es zum Konflikt zwischen Grandin und Faraud. Tranché wurde vom Generaloberen mit besonderen Vollmachten ausgestattet, um diesen Konflikt beizulegen. Dies gelang ihm schließlich, und 1890 kam die Mission unter die Jurisdiktion von Grandin.

Da die staatlichen Behörden die Protestanten begünstigten, wenn es um die für die Indianer vorgesehenen Schulen und Institutionen ging, die katholischen Missionare aber behinderten, insistierte Grandin immer wieder auf dem Recht der Indianer, selber zu entscheiden, welcher Religion bzw. Konfession sie angehören wollten, und erwirkte schließlich am 9. Dezember 1886 vom kanadischen Premierminister John Alexander Macdonald (1867-1873; 1878-1891) die schriftliche Versicherung, dass die Regierung die Religionsfreiheit der Indianer achten und sich nicht in die Missionsangelegenheiten einmischen werde.

Grandin lag die Ausbildung eines einheimischen Klerus sehr am Herzen, das Unterfangen erwies sich aber als schwierig. Am 19. März 1890 wurde der erste Mestize des Nordwestens von Grandin zum Priester geweiht, Éduard Cunningham. Am 21. Januar 1900 gründete Grandin zur Förderung seines Anliegens in St. Albert das Kleine Seminar von der Heiligen Familie.

Grandin hatte eine große Liebe zu den Indianern und den Mestizen und setzte sich unermüdlich für ihre Rechte und Belange ein.

1885 kam es zu einem Aufstand unter dem Mestizenführer Louis Riel. Dieser Aufstand hat eine Vorgeschichte: Wenn es oben hieß, Grandin sei in den Westen Kanadas gesandt worden, so ist das Wort “Kanada” nur im geographischen Sinne zu verstehen. Politisch gehörte das riesige Gebiet erst seit 1869 zu Kanada. Da Kanada aber 1763 von Frankreich ans anglikanische England gekommen war und der Staat anfangs den alteingesessenen Katholiken gegenüber auch nicht vor Protestantisierungsversuchen zurückschreckte, befürchteten die katholischen Mestizen am Red River das Schlimmste und bangten um ihr Land und ihren Glauben. 1869 wagten sie unter ihrem Anführer Louis Riel einen ersten Aufstand, der aber brutal niedergeschlagen wurde. Riel floh über die Grenze nach Montana, kehrte aber fünfzehn Jahre später wieder zurück. Die Mestizen waren vom Gebiet des Red River, das zur Provinz Manitoba erhoben worden war, ins Gebiet von Saskatchewan zurückgewichen. Doch nun wurden sie wieder von den Weißen eingeholt: die Canadian Pacific Railway trieb den Eisenbahnbau bis in ihr Gebiet hinein voran. Auf ihr Land wurde keine Rücksicht genommen. Die Gleichgültigkeit der Regierung ihrer Not gegenüber, verursacht durch den Ausfall von Ernten und dem Verschwinden der Bisons, steigerte ihre Frustration. In Verbindung mit den indianischen Crees probten sie zum zweiten Mal den Aufstand, der wiederum niedergeschlagen wurde. Riel wurde zum Tode verurteilt und gehängt.

In diesem Konflikt war Grandin nach Kräften um Frieden bemüht. Einerseits wandte er sich gegen den Griff zu den Waffen und sah in Riel einen unverantwortlichen Agitator. Andererseits sah er die Hauptschuld des Konflikts auf Seiten der englischen Kolonisten, die die Mestizen ihres Landes beraubten. Nach der Niederschlagung des Aufstands setzte er sich bei der Regierung für die größtmögliche Schonung der Aufständischen ein, obwohl auch zwei Missionare und sieben Kirchen oder Missionsstationen aufgehetzten Rebellen zum Opfer gefallen waren. Die Mestizen ermutigte er, sich in der Kolonie anzusiedeln, die P. Albert Lacombe in Saint-Paul-des-Métis (Alberta) gegründet hatte.

Im Laufe seiner Bischofszeit dehnte Grandin das Missionsgebiet aus und gründete die Missionsstationen Notre-Dame-de-la-Paix bei Calgary (1872; am Bow River, 290 km südlich von St. Albert), Brocket (1881; 450 km südlich von St. Albert, nur noch 60 km von der Grenze nach Montana entfernt), Cluny (1882; 90 südöstlich von Calgary) und Stand Off (1889, 35 km südöstlich von Brocket). Nach Kräften und mit Erfolg bemühte er sich um die Gründung von Schulen, Kranken- und Waisenhäusern.

Die Leistungen Grandins sind um so bewundernswerter, als er von Kindheit an von schwacher Konstitution war und im Laufe der Jahre die Krankheiten und Beschwerden immer mehr zunahmen. Als er deshalb demissionieren wollte, lehnte Rom seinen Rücktritt ab, gewährte ihm aber einen Koadjutor, Émile-Joseph Légal, den er am 17. Juli 1897 zum Bischof weihte. Er starb schließlich am 3. Juni 1902.

Schon bei seinem Tod wurde er als “Heiliger des Nordwesten” verehrt. Nach diözesanen Vorbereitungen, die 1929 begannen, wurde 1937 in Rom sein Seligsprechungsprozess eingeleitet. Dieser war 1966 so weit fortgeschritten, dass Grandin als verehrungswürdig erklärt werden konnte. In der dritten Auflage des Lexikons von Theologie und Kirche ist sein Eintrag getilgt.

Quellen:
Donat Levasseur O.M.I., Les Oblats de Marie Immaculée dans l'Ouest et le Nord du Canada, 1845-1967, Edmonton 1995;
Dictionnaire Biographique du Canada en ligne.


Jean-Baptist Thibault

Vor 200 Jahren, am 14. Dezember 1810, wurde in Lévis, Québec, Jean-Baptist Thibault OMI, der erste Missionar von Alberta, geboren. Der Orden der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria (OMI) war der Pionier in der Missionierung des amerikanischen Nordens.
Am 8. September 1833 wurde Thibault in Saint-Boniface, Manitoba, von Bischof Provencher zum Priester geweiht. Er lehrte zunächst fünf Jahre im Kollegium von Saint-Boniface, dann wirkte er zwei Jahre als Seelsorger in François-Xavier.
Im Juni 1842 wurde er schließlich von Bischof Provencher ins Fort Edmonton gesandt. Edmonton ist die Hauptstadt der heutigen Provinz Alberta und liegt ca. 1200 nordwestlich von Saint-Boniface (Luftlinie). Schon 1839 hatte der Leiter des Forts, der irländische Katholik John Rowand, den Bischof um die Entsendung eines Priesters für die dortigen Katholiken gebeten. Doch die Londoner Zentrale der Hudson Bay Company verweigerte die Erlaubnis und lud stattdessen methodistische Missionare nach Edmonton ein. Als aber 1841 Rowand seine Bitte erneuerte und zudem ein Mestize namens Alexis Picher (Piché) im Namen des Indianerstammes der Cris um einen katholischen Priester bat, zögerte Bischof Provencher nicht länger und entsandte Thibault. Dieser bereiste von Edmonton aus die Region um den Pigeon Lake (70 km südwestlich von Edmonton), Hobbema (40 südöstlich des Pigeon Lake), den Gull Lake (115 km südlich von Edmonton) und Rocky Mountain House (160 km südwestlich von Edmonton). Nach weiteren Aufenthalten in Saint-Boniface und Edmonton gründete er die Missionsstation im Fort Pitt in der Nähe des Frog Lake. Er betreute als Seelsorger die Region um die Seen Cold Lake und La Biche. Danach kooperierte er acht Jahre lang mit P. Joseph Bourassa in Saint-Boniface. Dann kehrte er wieder in die Region von Edmonton zurück. Dem Sankt-Anna-See gab er seinen jetzigen Namen, vorher hieß er Manito Sakahigon und Teufelssee (Lac du Diable).
1872 kehrte er in den Osten Kanadas zurück. Er wurde Pfarrer von St. Denis in Quebec. Hier starb er am 4. April 1879.
Am 16. April 1844 errichtete Papst Gregor XVI. auf Bitten des Erzbischofs Signay von Québec das Apostolische Vikariat der Hudson- und James Bay, das er Bischof Provencher anvertraute. Das Vikariat umfasste zwei Pfarreien, Saint-Boniface und Saint-François-Xavier, und zwei Missionsstationen, die mit Priestern besetzt waren, Saint-Paul in der Kolonie von Rivière-Rouge und Sainte-Anne beim Fort Edmonton.


Segen der Missionen

Meine heutige Gegenwart in eurer Mitte ist ein weiterer Ausdruck des tiefen Interesses und der Fürsorge, den die Kirche den Ureinwohnern der Neuen Welt erweisen will. Im Jahr 1537 hat mein Vorgänger Paul III. in einem Dokument mit dem Titel Pastorale officium die Rechte der Ureinwohner jener Zeit verkündet. Er bestätigte ihre Würde, verteidigte ihre Freiheit, er bestimmte, dass sie nicht versklavt, ihrer Güter oder ihres Besitzes beraubt werden durften. Gleichzeitig kennzeichnet meine Gegenwart noch einen anderen Abschnitt in der langen Zugehörigkeit vieler von euch zur Kirche. Es ist eine Zugehörigkeit, die vier Jahrhunderte umfaßt und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts besonders eng war. Missionare aus Europa, nicht nur der katholischen Kirche, sondern auch anderer christlicher Gemeinschaften, haben ihr Leben der Aufgabe gewidmet, den Ureinwohnern Kanadas die Botschaft des Evangeliums zu verkünden.
Ich habe von der Dankbarkeit gehört, die ihr selbst, Indianer und Eskimos, den Missionaren entgegenbringt, die unter euch gelebt haben und gestorben sind. Was sie für euch getan haben, ist der ganzen Kirche bewusst, es ist der ganzen Welt bekannt. Diese Missionare bemühten sich, euer Leben zu leben, wie ihr zu sein, um euch zu dienen und euch die Heilsbotschaft Jesu Christi zu überbringen.
Was immer sie für Fehler und Unvollkommenheiten gehabt haben mögen und welche Leiden auch immer unfreiwilligerweise daraus erwuchsen, sie müssen jetzt ihre Schuld büßen. Aber neben dem anfangs Erwähnten gehören zu eurer Geschichte auch die besonderen Leistungen und endlosen Beweise ihrer brüderlichen Liebe. Jesus selbst sagt uns: “Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt” (Joha 15, 13).
Die Missionare blieben eure besten Freunde, weil sie ihr Leben dem Dienst an euch widmen, weil sie das Wort Gottes verkünden. Ihnen verdanken viele von euch die Bildung und die Sorge um eure Gesundheit, besonders den Ordensfrauen, wie den Grauen Schwestern von Montreal. Das wunderbare Wiederaufleben eurer Kultur und eurer Tradition, das ihr heute erlebt, verdankt ihr in großem maß der Pionierarbeit und der dauernden Arbeit der Missionare in Sprachenkunde, Völkerkunde und Anthropologie. Mit Dankbarkeit sind Namen wie Lacombe, Grollier, Grandin, Truquetil unauslöschlich in eurer Geschichte verankert. Die Liste ist lang.

Papst Johannes Paul II. am 18. September 1984 in seiner Ansprache an die Ureinwohner in Fort Simpson in den Nordwest-Territorien Kanadas.

Personen
(Auswahl)

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Malagrida G.
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Montalembert
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Moreno E.
Moreno G. G.
Mosebach M.
Müller Max
Muttathu-padathu
Nies F. X.
Nightingale F.
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Pius XI.
Postel M. M.
Poullart C. F.
Prat M. M.
Prümm Karl
Pruner J. E.
Quidort
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Rahner K.
Ratzinger J.
Reinbold W.
Répin G.
Rippertschwand
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