Das Portal
zur katholischen Geisteswelt


Zum
Inhalts-
verzeichnis

Zum
allgemeinen
Bereich

Impressum

Das katholische Informationsportal kath-info
dient der theologischen Aufklärung
und bietet Ihnen Beiträge zu Themen der katholischen Welt.
Die Beiträge unterliegen in der Regel dem Urheberrecht.

Zum Autorenverzeichnis

Sie befinden sich im biographischen Bereich.
Die neuesten Beiträge finden Sie jeweils auf der Startseite

Zum philosophischen Bereich

Zum
liturgischen Bereich

Links

Personen
(Auswahl)

Albert d. Große
Allouez C.
Amadeus v. L.
Auden W. H.
Bacon Francis
Bain James
Barón R.
Barbarigo G. Baronius C.
Basset J.
Bataillon P. M.
Bélanger Dina
Bellarmin R.
Benninghaus A.
Benno v. M.
Bernanos G.
Billot Louis
Billuart C. R.
Bobola A.
Böhm D.
Borghero F.
Borja Franz v.
Boscardin B.
Brendan
Brisson L.
Calvin J.
Capestrano J.
Capitanio B.
Cassian v. N.
Castro A. de
Chambon M.M.
Chaumonot
Claret A.M.
Cornacchiola B.
Dawkins R.
Deku Henry
Delp Alfred
Döblin Alfred
Döring H.
Duns Scotus
Ebner F.
Eltz Sophie zu
Ferrero
Ferretti G.
Fesch Jacques
Flatten Heinrich
Focherini O.
Gallitzin A.v.
Geach P. T.
Gerlich M.
Green Julien
Haecker Th.
Hasenhüttl G.
H. d. Seefahrer
Hengelbrock W.
Hildebrand D. v.
Hochhuth Rolf
Höffner Joseph
Hönisch A.
Homolka W.
Hopkins G. M.
Husserl E.
Ignatius v. L.
Innozenz XI.
Jakob Max
Janssen A.
Jogues Isaak
Jones David
Jörgensen J.
Kaltenbrunner
Knox R. A.
Konrad I.
Kornmann R.
Kutschera U.
Lamy J. E.
Laurentius v. B.
Le Fort G. v.
Lehmann Karl
Leisner Karl

Pierre-Marie Bataillon

Der Missionar Pierre-Marie Bataillon SM wurde am 6. Januar 1810 in St-Cyr-les-Vignes, Erzdiözese Lyon, geboren.

1835 zum Priester geweiht, trat Bataillon im darauffolgenden Jahr in die Kongregation der Maristen ein. Am 10. Januar 1836 wurde das Apostolische Vikariat West-Ozeanien gegründet und den Maristen anvertraut. Am 13. Mai wurde Jean Baptiste Pompallier SM (1801-1871) zum Vikar ernannt. Unter seiner Leitung trat eine Gruppe von Maristen am 24. Dezember 1836 die Reise nach Ozeanien an. Darunter befanden sich Bataillon und der hl. Pierre Louis Marie Chanel SM. In Le Havre schifften sie sich auf der Delphine ein, die sie am 20. März 1837 zunächst nach Valparaiso, Chile, brachte. Dort konnte die Gruppe endlich am 10. August 1837 die Europe besteigen, um ihre Reise in die Südsee fortzusetzen. Am 1. November 1837 ging Bataillon zusammen mit dem Laienbruder Joseph auf Wallis an Land. Wallis besteht aus der Hauptinsel Uvea, die ca. 90 km2 groß ist, und einigen umgebenden Eilanden, die mit der Hauptinsel zusammen eine Gesamtfläche von 96 km2 ergeben. Wallis liegt über 2700 km nördlich von Neuseeland, 3600 km östlich von Papua-Neuguinea, 900 km nördlich von Tonga und knapp 11000 km westlich der südamerikanischen Küste. 230 südwestlich von ihr liegt die Insel Futuna, wo Chanel 1841 sein Martyrium erleiden sollte. Auf der abgebildeten Karte befindet sich Wallis an der Position, die durch die Spitze des roten Pfeiles bezeichnet wird. Bei Heinrich Hahn (Geschichte der katholischen Missionen, Vierter Band, Köln 1861, S. 122 ff) lesen wir über diese Episode der Missionsgeschichte Folgendes:

“Mittel-Oceanien, welches aus einer Gesamtzahl von etwa zweihundert Inseln mit einer eingebornene Bevölkerung von dreihunderttausend Seelen besteht, war noch nie von katholischen Missionaren besucht worden, als die Marienpriester im Jahre 1837 ihre erste Niederlassung auf der Insel Wallis oder Uwea gründeten. Damals bildete Mittel-Oceanien für sich noch kein apostolisches Vicariat, sondern gehörte zum apostolischen Vicariat von West-Oceanien und stand unter der höheren Leitung des Bischofes Pompallier. Als dieser Bischof zum ersten Male mit einigen wenigen Missionaren in sein unermeßliches apostolisches Vicariat eintrat, erreichte er im Oktober 1837 die Schiffer-Inseln, zu denen die Inseln Wallis und Futuna gerechnet werden können. Auf den Freundschafts-Inseln, so wie auch auf mehreren Inseln des Schiffer-Archipels waren die protestantischen Missionare schön längst tätig. Auf Wallis und Futuna hatten jedoch bis dahin nur protestantisch gewordene Häuptlinge benachbarter Inseln Versuche gemacht, den christlichen Glauben mit roher Waffengewalt anzupflanzen, in der Hoffnung, gleichzeitig ihre Herrschaft dahin zu übertragen. Diese Versuche waren gescheitert; nun aber trafen die protestantischen Missionare selbst Anstalten, auf jenen Inseln Niederlassungen zu gründen. Sollte also nicht der katholische Glaube auf eine unberechenbar lange Zukunft hin von dem in religiöser wie in politischer Beziehung äußerst wichtigen Zentrum der ozeanischen Inselwelt ausgeschlossen werden, so war es die höchste Zeit, dass auch katholische Missionare auf einigen jener Inseln festen Fuß faßten, um der katholischen Lehre Eingang zu den dortigen Eingeborenen zu verschaffen. Pompallier war keinen Augenblick zweifelhaft. So schwer es ihm auch vorkommen mochte, seine kleine Priesterschar zu teilen, so beschloss er doch, zwei seeleneifrige Priester im Archipel der Schiffer-Inseln zurückzulassen. Unter den vielen Inseln dieses Archipels wählte er zu Schauplätzen der ersten katholischen Missionstätigkeit die Inseln Wallis und Futuna, indem es noch möglich war, hier den protestantischen Missionaren zuvorzukommen.

Die Insel Wallis hat etwa zehn Stunden im Umfang und ist von 12 bis 15 kleineren, mehr oder weniger bewohnten, immer grünen Eilanden umgeben. Die Bevölkerung dieser Inseln, welche in ihrer Gesamtheit aus etwa 2600 Seelen besteht, gehört der Malayen-Race an. Die Insulaner sind groß und haben eine regelmäßige, fast europäische Gesichtsbildung. Bis zur Zeit ihrer Bekehrung zum Christentum standen sie auf einer sehr niedrigen Stufe der Gesittung. Sie tätowierten sich, gingen aber nicht nackt, sondern hüllten sich meist in einen Stoff, der aus einer Baumrinde angefertigt wurde und nicht viel haltbarer als dickes Papier war. Nur beim Fischfang und wenn sie in den Waldungen arbeiteten, begnügten sie sich mit einem Blättergürtel. Ein König, dessen Macht durch den Einfluß erblicher Häuptlinge sehr beschränkt ist, beherrscht die gesamte kleine Inselgruppe, welche mit den übrigen Schiffer-Inseln, so wie auch mit den nahe gelegenen Freundschafts-Inseln seit undenklichen Zeiten in häufigem Verkehr stand. Dieser Verkehr hatte sogar in Bezug auf die Insel Tonga einen religiösen Charakter, indem die Insulaner der meisten Inseln Mittel-Ozeaniens letztere Insel mit dem Namen Tonga Tabu (heiliges Tonga) zu bezeichnen pflegten. Kurz vor Ankunft des Bischofes Pompallier hatten die Walliser eine Anzahl Fremdlinge, Amerikaner und Sandwicher, die sich Gewalttaten gegen die Eingeborenen erlaubt hatten, erschlagen. Seitdem hegten sie gegen Fremde großes Misstrauen. Die Niederlassung der katholischen Missionare auf Wallis stieß daher von vornherein auf Schwierigkeiten. Der Bischof Pompallier und der englische Schiffskapitän gaben vor, zwei Personen der Schiffsgesellschaft hätten den Wunsch, die Landessprache zu erlernen, und baten um die Erlaubnis, dieselben auf Wallis zurückzulassen. Dem aber widersetzte sich ein einflußreicher Häuptling mit aller Kraft. Doch gab der König Lavelua nach Beseitigung der erregten Bedenken durch die Gegenvorstellung eins anderen Häuptlings seine Einwilligung. Der Missionare Bataillon und der Laienbruder Joseph, welche vom Bischof Pompallier für diese Mission ausersehen wurden, zögerten nun nicht, von ihrem Posten im neuen Weinberg des Herrn Besitz zu nehmen, und stiegen am 1. November 1837 ans Land.

Hierauf segelte Pompallier mit den übrigen Missionaren nach Futuna, wo er unter freudiger Zustimmung des Königs Niuriki [auch Niuliki] den Missionar Chanel und den Laienbruder Maria Nizier zurückließ [am 9. November 1837]. Die Hauptinsel Futuna, von den Geographen auch Horne oder Alufatu genannt, ist durch einen schmalen Kanal von einer kleineren Insel namens Arosi getrennt. Beide Inseln sind bewohnt und nur 40 Stunden von Wallis entfernt. Doch sind die Einwohner nach Charakter und Sitte sehr von den Wallisern verschieden; sie haben vielmehr Ähnlichkeit mit den Eingeborenen der Fidschi-Inseln; zu der Zeit, wo die katholischen Missionare dort landeten, nämlich im November 1937, waren sie noch berüchtigte Menschenfresser, indem verschiedene Stämme einander grausam bekriegten und gegenseitig verzehrten. Daher hatte die Bevölkerung bedeutend abgenommen. Arosi, welches ehemals 1500 Einwohner gehabt hatte, zählte deren bei der Ankunft der Missionare nur fünfzig; im Ganzen bestand um diese Zeit die Bevölkerung aus tausend Seelen.

Während Pompallier seine Reise nach Australien und Neuseeland fortsetzte, blieben also Pater Bataillon und Pater Chanel nebst den beiden Laienbrüdern inmitten wilder Bevölkerungen ohne Kenntnis der Landessprache und ohne irgend einen anderen Schutz als denjenigen der göttlichen Vorsehung. Ihre Wohnung war fortan eine Hütte gleich denjenigen, welche die Wilden selbst bewohnten; ihre Nahrung mußte ihnen von den Wilden selbst gegen Tausch kleiner Gegenstände oder durch Bodenkultur, derer sie sich sofort befleißigten, geliefert werden.

Es fehlte wenig, so wäre Bataillon auf Wallis schon in den ersten Tagen seines Aufenthaltes von einem in Tobsucht verfallenen Wilden erschlagen worden. Er flüchtete sich mit dem Bruder Joseph auf ein benachtbartes Eiland namens Nukutea, wo sich der junge Häuptling Tahangara mit wahrer Liebe ihrer annahm. Hier wohnten sie zwei Monate und beschäftigten sich mit der Erlernung der Sprache. Dann rief der König sie auf die große Insel zurück. Nach fünf Monaten waren sie der Sprache so weit mächtig, dass sie zwei Sterbende unterrichten und taufen konnten. Dann durchwanderten sie alle Theile der großen Insel und die benachtbarten Eilande, um mit den Sitten und sozialen Verhältnissen näher bekannt zu werden. Überall wurden sie freundlich aufgenommen. Ein Engländer, der auf Wallis wohnte, bat sie, sein Kind feierlich zu taufen. Dies machte einen guten Eindruck auf die Eingeborenen und flößte denselben größeres Vertrauen ein.

In Folge einer Krankheit fing sogar der junge Häuptling Tahangara an, mit P. Bataillon über Religion zu sprechen. Der Missionar glaubte daher, dass der Zeitpunkt gekommen sei, seine apostolische Sendung kund zu geben. Eines Tages, als der König und Tahangara bei ihm waren, sagte er ihnen offen, wer er sei, mit dem Hinzufügen, dass hauptsächlich die Besorgnis, mit den protestantischen Predigern verwechselt zu werden, ihn bis dahin veranlaßt habe, über seinen Amtscharakter zu schweigen; zugleich bat er den König um die Erlaubnis, dem Volke das Evangelium zu verkündigen. Der König aber erklärte, er könne dies nicht erlauben, zumal er diejenigen habe hinrichten lassen, welche kurz zuvor gekommen seien, um die protestantische Lehre zu verbreiten; er wollte bis zu seinem Tode seinen Göttern anhangen, welche seine Insel mit dem Kava, dem Kokusbaume und der Pisangfeige beschenkten, die im Lande der Weißen nicht wüchsen; er müsse fürchten, dass Hungernsnot über sein Land kommen würde, wenn er die Götter verließe. In dieser Gesinnung blieb der König unerschütterlich; die Glaubenspredigt machte daher lange Zeit nur sehr geringen Fortschritte auf Wallis.

Indessen erhob sich im Jahre 1838 auf dieser Insel und den benachtbarten Eilanden ein furchtbarer Orkan, der viele Menschen tötete und nie gesehene Verwüstungen anrichtete. Viele Insulaner, welche mit der Widersetzlichkeit des Königs gegen die neue Lehre nicht einverstanden waren, erkannten hierin um so mehr eine gerechte Strafe, als P. Bataillon wenige Tage vorher in Gegenwart des Königs, der sich erlaubt hatte, über die christliche Taufe zu scherzen, die Befürchtung ausgesprochen hatte, dass Gott eine Bestrafung über die Insel verhängen werde. Als Tahangara sein Haus wanken sah, fiel er auf die Kniee und betete zu dem Gott der Christen. Mit seiner ganzen Familie wurde er unversehrt aus den Trümmern seiner Wohnung hervorgezogen. Nun sandte er zu P. Bataillon mit der Bitte um Belehrung und Taufe. Dieser begab sich sofort mit Bruder Joseph zu ihm, verweilte einige Zeit auf der kleinen Insel und hatte die Freude, den Häuptling, dessen Familie und sämtliche Bewohner des kleinen Eilandes zum christlichen Glauben zu bekehren.

Da die Walliser leidenschaftlich den Gesang lieben, so verfaßte er wallisische Lieder, worin die Hauptwahrheiten des Glaubens enthalten waren. Bald waren diese Lieder im Munde aller Bewohner des Eilandes; der Unterricht wurde dadurch bedeutend erleichtert. Sobald der König vernahm, dass viele seiner Unterthanen es gewagt hatten, ohne seine Zustimmung eine Neuerung einzugehen, entbrannte er in Zorn. Sein erster Gedanke war, alle Katechumenen zu töten und ihre Wohnungen in Brand stecken zu lassen. P. Bataillon sah den Tag der Verfolgung über seine kleine Herde hereinbrechen und pries den Herrn, dem er sich zum Opfer darbot. Sämtliche Katechumenen erklärten, sie würden mit Freude für den Glauben sterben. Der junge Häuptling zeigte nicht weniger Mut und Opferwilligkeit, er glaubte aber, dass man im Interesse der weiteren Fortpflanzung des Glaubens den Versuch machen müsse, den König zu besänftigen, und dass man wohl tue, bis zur Ankunft des Bichofs Pompallier, der schon längst erwartet wurde, die heiligen Religionsübungen nur im Geheimen zu begehen. Die Weisheit dieses Rates stellte sich bald heraus, indem der König sich wirklich besänftigen ließ und den Missionaren seine ganze Zuneigung wieder zuwandte. Doch drohte der Mission bald nachher eine neue Gefahr, indem der König erkrankte und auf die Versicherung der Priester und Priesterinnen seiner Götzen glaubte, seine Krankheit sei eine Strafe für den Abfall mehrerer seiner Untertanen vom alten Götzendienste. In seinem Zorn befahl er dem P. Bataillon, seine Inseln zu verlassen; als dieser aber wirklich Anstalten machte, dem Befehle zu gehorchen, gewann seine alte Zuneigung oder vielmehr seine Furcht vor dem Gott der Christen wieder die Oberhand; er nahm seinen Befehl zurück.

Der apostoloische Vikar Pompallier hatte dem P. Bataillon versprochen, nach fünf Monaten zum Besuch der Missionen von Mittel-Ozeanien zurück zu kommen. Der Missionar hatte daher den Wallisern die nahe Ankunft des Bischofs verkündet. Nicht allein die Katechumenen, sondern auch die Heiden freuten sich darauf, indem Pompallier den besten Eindruck auf die Eingeborenen von Wallis gemacht hatte. Nachdem aber statt eines halben Jahres anderthalb Jahre seit der Abreise des Bischofs verflossen waren, hielten viele die Worte des Paters Bataillon für eine absichtliche Täuschung. Dies schadete nicht wenig dem Fortschritt des Evangeliums. Unter diesen Umständen war es ein Glück, dass im Mai 1839 zehn Missionare, die nach Neuseeland bestimmt waren, auf Wallis landeten. Ihre, wenn auch nur vorübergehende, Anwesenheit diente doch dazu, den Mut der Katechumenen zu erhöhen und das sinkende Ansehen des P. Bataillon unter den Heiden wiederherzustellen. Bataillon besuchte mit diesen Missionaren die Insel Futuna und blieb einige Wochen bei seinem Ordensgenossen, dem P. Chanel. Während seiner Abwesenheit entbrannte der König wieder in Zorn gegen seine christlichen Untertanen, namentlich gegen die Einwohner der kleinen Insel Nukutea; er stieß gegen Tahangara ernstliche Drohungen aus. Überdies boten die Protestanten alles auf, um das Eindringen des katholischen Glaubens auf Wallis zu verhindern. Der Gedanke an eine feste Begründung der katholischen Kirche in der Nähe ihrer Hauptniederlassungen war ihnen unerträglich. Doch wagten sie nicht, selbst nach Wallis zu kommen; sie suchten vielmehr ihren Zweck dadurch zu erreichen, dass sie die wallisische Inselgruppe mit verleuderischen Flugschriften gegen die katholische Religion und mit verfälschten Bibeln überschwemmten.

Allein trotz dieser Bemühungen und ungeachtet der feindseligen Stimmung des Königs wurde die Hinneigung der Bevölkerung zum katholischen Glauben allmählich größer; die Missionare gewannen an Einfluss und traten mit ihrer Missionstätigkeit immer offener hervor. Bataillon wagte es sogar, auf der kleinen Insel Nukutea, deren Einwohner fast sämtlich Christen waren, eine Kirche zu bauen und den Gottesdienst öffentlich zu halten. An den Feiertagen war zweimal, an den Wochentagen einmal öffentlicher Unterricht; Sonntags aber wurden beim feierlichen Hochamt Lieder in wallisischer Sprache vom Volke gesungen. Der feierliche Gottesdienst und der öffentliche Unterricht zogen oft ganze Familien, mitunter sogar ganze Dorfschaften nach Nukutea. Selbst mehrere der mächtigsten Häuptlinge der großen Insel nahmen den katholischen Glauben an, und die Zahl der Getauften stieg bald auf achthundert. Unter diesen Umständen war die Ankunft des Paters Chevron und des Laienbruders Attalus, welche der Bischof Pompallier, der selbst Neuseeland nicht verlassen konnte, zur Verstärkung der Missionen von Mittel-Ozeanien nach Wallis und Futuna gesandt hatte, eine höchst erfreuliche Erscheinung. Die neuen Missionare hatten auf ihrer Fahrt die Fidschi-Gruppe und die Insel Tonga besucht und kamen im Mai 1840 auf Wallis an. Hier hielt sich Pater Chevron einige Zeit auf und begab sich sodann nach der Insel Futuna.

Diese Insel war noch immer der Schauplatz der Kämpfe zweier Parteien. Zwar hatte man sich bei der bedenklichen Abnahme der Bevölkerung dahin geeinigt, dass die Gefangenen nicht mehr geschlachtet und verzehrt werden, sondern als Sklaven unter der Botmäßigkeit der Sieger leben sollten. Doch waren die Kriege, welche Niuriki, König von Poi, um diese Zeit gegen den Stamm von Singavi führte, für beide Seiten sehr verderblich. Sie waren ein wesentliches Hindernis für den Fortschritt der katholischen Mission. Auch lag dem König Niuriki der Gedanke an die Annahme der christlichen Religion fern, indem seine Autorität, wie sein Einkommen, großenteils aus dem herrschenden religiösen Aberglauben hergeleitet waren. Er hatte die Missionare nur deswegen freundlich aufgenommen, weil er hoffte, in den Parteikämpfen von ihrer Anwesenheit Nutzen zu ziehen. Die Erfolglosigkeit der katholischen Glaubenspredigt auf Futuna in den ersten Jahren ist also wohl erklärlich. Doch wurden die Missionare teils durch die freundlichen Zusicherungen des Königs Niuriki, dass er keineswegs abgeneigt sei, einstens die christliche Religion anzunehmen, teils durch Beweise des Vertrauens und der Zuneigung anderer Futunier mitunter getröstet und zu neuen Hoffnungen aufgerichtet. Besonders günstig wirkte auf die Stimmung der Futunier der Besuch, den P. Bataillon im Jahre 1839 mit den nach Neuseeland bestimmten Missionaren auf Futuna machte. Da P. Bataillon schon damals weit mehr als P. Chanel der Landessprache mächtig war, so predigte er vor dem Könige und vielem Volke mit einem solchen Erfolg, dass eine Menge abergläubischer Gegenstände öffentlich verbrannt wurde. Dieses erschütterte nicht wenig das Vertrauen zu den Göttern; zwei Dörfer des Königs Niuriki sprachen sogar ihr Verlangen nach Belehrung und Taufe offen aus. P. Chanel und Bruder Nizier mischten sich nicht in die Parteistreitigkeiten; sie standen vielmehr über den Parteien und besuchten furchtlos die Gebiete beider kriegführenden Stämme. So gewannen sie auch einigen Anhang im anderen Lager; besonders schloss ein junger Häuptling von Singavi namens Sam-Keletoni sich von ganezem Herzen den Missionaren an. Das Vertrauen aber, welches der feindliche Häuptling gegen die Missionare an den Tag legte, erregte leider beim König Niuriki ein Misstrauen, welches allmählich in wirklichen Hass ausartete. Unterdessen entbrannte zwischen den beiden feindlichen Parteien der Kampf, der einige Zeit geruht hatte, aufs Neue. Auf Niurikis Seite standen zwei Betrüger, die als Orakel mächtiger Götter betrachtet wurden. Diesen schrieb man allgemein das Übergewicht dieses Königs zu. Um sie für sich zu gewinnen, schickten die besiegten Singavier eine Gesandtschaft zu denselben und ließen ihnen ein Geschenk von zehn gebratenen Schweinen anbieten. Die beiden Seher widerstanden dem lockenden Anerbieten nicht und entflohen in das Tal der Gegner. Sofort durchtobte wildes Kriegsgeschrei die ganze Insel. P. Chanel machte die größten Anstrengungen, den Frieden zu vermitteln. Er begab sich von einem Lager ins andere und brachte den erzürnten König Niuriki wirklich dahin, seinem schwächeren Gegner Frieden und Geschenke anzubieten; aber alles umsonst. Der König von Singavi, des Sieges gewiss, wollte nur Krieg, um die früher erlittenen Niederlagen zu rächen. Am 10. August 1839 erfolgte der Kampf, den die Krieger von Singavi eröffneten, indem sie einige Leute Niurikis durch Flintenschüsse verwundeten. Anfangs schien sich auch der Sieg für sie zu erklären. Doch Niuriki ließ sich dadurch nicht abschrecken; er ermunterte die Seinigen und stürzte sich in das Treffen mit solchem Ungestüm, dass der Feind nicht widerstand. Die feindliche Jugend zerstreute sich zuerst. Der König von Singavi, einer der beiden Betrüger, welche den Krieg veranlasst hatten, ein Engländer, der kürzlich angekommen und ein erklärter Anhänger der Besiegten war, endlich die meisten untergeordneten Anführer dieser Partei kamen im Getümmel um. Von Seiten der Besiegten bedeckten 24 Leichen das Schlachtfeld; doch zählten die Sieger auch 13 Tote. Für die schwache Bevölkerung Futunas waren diese Verluste schon sehr beträchtlich. Sobald die Missionare Kunde von diesen blutigen Ereignissen erhielten, eilten sie nach dem Schlachtfeld, um den Verwundeten beizustehen und den Sterbenden, wo möglich, das Sakrament der Taufe zu erteilen. Inmitten der Wehklagen der Verwandten der Verwundeteten und Getöteten erfüllten sie dieses Liebeswerk bis in die Nacht hinein. Sam-Keletoni, eine Hauptstütze der besiegten Partei, hatte wie ein Löwe gefochten; er war der Letzte, der den Kampfplatz verließ. Indem er aber der Übermacht wich, zog er sich auf einen hohen, unzugänglichen Berg zuück. Hier besuchte ihn Pater Chanel und fand ihn, umgeben von seiner geflüchteten Familie und dem Reste seiner Mannschaft, in der traurigsten Lage, so dass der Missionare bei seinem Anblick in Tränen zerfloss. P. Chanel umarmte ihn und drang in ihn, sich so schnell als möglich zu Schiffe zu retten und mit den Seinigen auf Wallis eine Zufluchtsstätte zu suchen. Sam-Keletoni folgte diesem Rat, wurde auf Wallis von P. Bataillon freundlich empfangen und nach einer gründlichen Belehrung in die Zahl der Katechumenen aufgenommen. Nach seinem Abzuge aber unterwarf sich Singavi dem Sieger, so dass nunmehr König Niuriki ganz Futuna beherrschte.

Im Jahr 1840 kam P. Chevron auf Futuna an, um den P. Chanel bei den Missionsarbeiten zu unterstützen. Seine Ankunft war für P. Chanel, wie für den frommen Laienbruder Nizier ein außerordentlicher Trost. Doch hatten die Missionare bei ihren vereinten Anstrengungen sich noch immer keiner erheblichen Erfolge zu erfreuen. Die Zahl der Katechumenen, die dem Götzendienst mutig abgeschworen hatten und sich offen zum Christentum bekannten, blieb noch längere Zeit äußerst klein.

Waren aber die wirklichen Fortschritte der Religion auf Futuna bis dahin sehr unbedeutend, so war doch, wie bereits bemerkt worden, eine mehr oder weniger offene, mehr oder weniger aufrichtige Hinneigung zur Annahme des Christentums bei vielen Futuniern wahrzunehmen. Das Evangelium gewann unter den Belehrungen der Missionare und in Folge der Werke der Liebe, die sie ausübten, an Achtung und Vertrauen, in gleichem Maße aber sank das Ansehen der Götzen. Die Furcht vor dem übermächtigen und tyrannischen König Niuriki hielt jedoch seine Untertanen ab, öffentlich zum Christentum überzutreten, bevor der König selbst durch sein Beispiel gleichsam das Signal dazu gegeben. Die Missionare richteten daher ihr Hauptaugenmerk auf den König und dessen Familie. Aber Niuriki, dem Heidentum im Herzen ergeben und allen Lastern fröhnend, zeigte sich besonders nach Besiegung seiner Feinde von Tag zu Tag gleichgültiger gegen die Glaubensboten. Die Anwesenheit derselben konnte ihm nun, wie ihm schien, von keinem Nutzen mehr sein; die Verbindungen aber, welche sie mit seinem Feinde, dem Häuptling Sam-Keletoni, gepflogen hatten, waren ihm um so mißfälliger gewesen, als er in Sam-Keletoni noch immer einen gefährlichen Nebenbuhler erblickte. In dieser feindseligen Stimmung wurde der König durch eine mächtige heidnische Partei, die ihm nahe stand, bestärkt. An der Spitze dieser Partei stand der Häuptling Musu-Musu, der selbst heimlich nach der Herrschaft strebte und einen Einfluß der Fremden zu Gunsten Sam-Keletonis fürchtete. Musu-Musi stachelte daher den Hass des Königs gegen P. Chanel an und legte dem Missionar alle möglichen Hindernisse in den Weg. Die Lage des P. Chanel wurde aber noch misslicher, als P. Chevron im Dezember 1840 durch P. Bataillon nach Wallis zurückberufen wurde.

Kurze Zeit nachher gelang es dem P. Chanel, einen Sohn des Königs Niuriki von der Wahrheit des katholischen Glaubens zu überzeugen. Dieser Jüngling säumte nicht, sich in die Zahl der Katechumenen aufnehmen zu lassen. Sobald der König es erfuhr, geriet er in einen heftigen Zorn. Er suchte selbst seinen Sohn auf, der sich in ein entferntes Dorf zurückgezogen hatte, und suchte ihn durch Drohungen wie durch Bitten zum Götzendienst zurückzuführen. Alles vergebens. Da ward auf Antrieb des Musu-Musu die Ermordung der Missionare und sämtlicher Neubekehrten beschlossen. Am 28. Mai 1841, als eben Bruder Nizier mit einem Engländer, der bei den Missionaren wohnte, sich auf den Weg nach dem Dorfe Singavi begeben hatte, um dort einige Kranken zu besuchen, kam ein Insulaner in die Hütte des P. Chanel mit der Bitte, ihm eine Wunde zu verbinden. In dem Augenblick, wo der Missionar sich anschickte, diesen Liebesdienst zu leisten, versetzte jener ihm einen tödlichen Hieb vor die Stirn. P. Chanel gewahrte nun, dass sein Haus von Bewaffneten umgeben sei. Vier derselben drangen hinein, darunter Musu-Musu. Von mehreren Schlägen getroffen, sank der Missionar auf die Knie; betend wischte er sich das Blut von der Stirne und erhielt in demselben Augenblicke einen Bajonettenstich durch die Schulter. Noch atmete er, als die Mörder über seine Gerätschaften herfielen und sie plünderten. Musu-Musu aber ergriff ein scharfes Tischlerwerkzeug und vollendete den Martyrer, indem er ihm damit den Schädel zerschmetterte. Die Leiche wurde im Dorfe Gonona verscharrt. Der Sohn des Königs war den Mördern begegnet; nur mit knapper Not und verwundet entging er ihren Streichen. Bruder Nizier aber und der Engländer wurden im Dorfe Singavi durch den Häuptling Matala in Schutz genommen und entkamen glücklich nach Wallis.

Auf Futuna herrschte nach dem Tode des P. Chanel und der Flucht des Bruders Nizier eine sehr traurige Stimmung. Die Heiden wagten nicht zu triumphieren, die Christen aber verbargen sich scheu. Ein Häuptling, der einen tätigen Anteil an der Mordtat genommen hatte, starb bald nachher eines plötzlichen Todes. Der König selbst, der sehr beleibt war, magerte ab und starb ebenfalls noch vor Ablauf des Jahres. Der Urheber der blutigen Tat aber, der mächtige Häuptling Musu-Musu, bemächtigte sich zwar des erledigten Thrones, fühlte sich aber nichts weniger als behaglich auf demselben.

Die Nachricht von der Ermordung des Missionars Chanel traf den apostolischen Vikar Pompallier auf Neuseeland, wo der Kommandant der französischen Seestation sogleich der Corvette “Allier” den Befehl erteilte, nach Futuna zu segeln, um den Tod des Missionars an den Insulanern zu rächen. Nur durch dringende Bitten erwirkte der Bischof Pompallier, dass von jeder Rache Abstand genommen werde und dass die Corvette nur hinsegeln sollte, um die kostbaren Überreste des Martyrers abzuholen. Günstig für das Gelingen des Unternehmens war ohne Zweifel der Umstand, dass die Corvette “Allier” unter dem Befehle des Vicomte Du Bouzet stand, eines klugen, festen und den Missionaren ergebenen Seefahrers.

Der Bischof Pompallier und einige seiner Missionspriester befanden sich auf der Corvette, welche am 30. Dezember 1841 auf Wallis landete. Hier wurde Pompallier sofort derart in Anspruch genommen, dass er nicht weiterreisen konnte und mit der Besorgung des wichtigen Geschäftes auf Futuna den Pater Viard betrauen mußte. Am 6. Januar 1842 lichtete die Corvette “Allier” wieder die Anker. Auf derselben befanden sich nebst dem P. Viard und dem Bruder Nizier der junge Häuptling Sam-Keletoni und dessen Anhänger, die auf den Rat des P. Chanel vor den siegreichen Waffen Niurikis nach Wallis geflohen waren. Sam-Keletoni war ein eifriger Katechumen, voll Ehrgefühl und Rechtschaffenheit. Er hatte sich dem Schiffskapitän Du Bouzet als Dolmetscher angeboten und freute sich, sein Vaterland wiederzusehen. Durch widrige Winde abgehalten, erschien die Corvette erst am 18. Januar vor der Insel Futuna. Der Stamm von Singavi, der schon bereit war, das Joch des neuen Königs Musu-Musu abzuschütteln, der auch den P. Chanel geliebt und den Bruder Nizier gerettet hatte, freute sich wegen der Rückkehr des Häuptlings Sam-Keletoni und vieler seiner tapfersten Krieger. Dagegen bemächtigte sich Bangen und Schrecken des Königs Musu-Musu und seiner Partei beim Anblick des gewaltigen Kriegsschiffes. Schon wollten sie die Dörfer verlassen und in die Wälder entfliehen, als der Bote ankam, den Du Bouzet gesandt hatte, um die Auslieferung der Überreste des ermordeten Missionars zu fordern. Dieser Bote machte die Wilden des Stammes Poi darauf aufmerksam, dass eine Flucht iher Sache nur schaden könne. Es liege vielmehr in ihrem Interesse, mit dem Kommandanten des Kriegsschiffes, in dessen Macht es stehe, sie sämtlich zu vernichten, in Unterhandlung zu treten, vor allem aber, die Leiche des P. Chanel auszuliefern.

Die Insulaner erklärten sich gleich zu dieser Auslieferung bereit, nur war die Furcht so groß, dass keiner es übernehmen wollte, die Leiche an Bord zu bringen. Endlich erklärte Mapigi, ehemaliger Minister des Königs Niuriki, einer von denen, die den Mord mißbilligt hatten, dass er die Leiche ausgraben und am folgenden Tag an Bord bringen wolle. Am 19. Januar brachte der Häuptling Mapigi wirklich die kostbaren Überreste auf das Schiff. Ihn begleitete der Häuptling Matala, Erretter des Bruders Nizier, und etwa dreißig andere Insulaner, fast sämtlich ehemalige Katechumenen des P. Chanel. Sam-Keletoni und die Krieger seines Stammes waren auch zugegen. Der Kommandant Du Bouzet stellte sodann dem Häuptling Mapigi vor, welchem Unglück der König Niuriki durch einen solchen Mord die Insel ausgesetzt habe. Er versprach jedoch die erbetene Verzeihung unter der Bedingung, dass man alle Sachen des ermordeten Missionars, besonders die zum Gottesdienst gehörigen Gegenstände, sammele und ausliefere und dass sämtliche Häuptlinge am folgenden Tage auf das Schiff kommen sollten, indem er selbst denselben das Weitere mitteilen wolle. Mapigi versprach, dem Befehle des Kommandanten, so viel es an ihm liege, zu entsprechen, und verließ das Schiff voll Freude über die kleinen Geschenke, die ihm zuteil geworden waren. Am anderen Tag erschienen wirklich sämtliche Häuptlinge, mit Ausnahme des Königs Musu-Musu, welcher der Hauptmörder gewesen und sich daher am meisten fürchtete. Sie brachten den blutigen Priesterrock, einen Kelch, ein Kreuz und verschiedene Bilder. Du Bouzet hielt ihnen nochmals die Abscheulichkeit der begangenen Mordtat vor, verlangte aber als Friedensbedingungen die Wiederaufnahme der von der Insel Vertriebenen und die Anerkennung Sam-Keletonis als König von Singavi. Die Häuptlinge gingen diese Bedingungen ein, und es fand eine allgemeine Versöhnung statt. Du Bouzet bedauerte nur, dass der Bischof nicht gegenwärtig war, um die Missionsarbeiten wieder aufzunehmen; denn Pompallier hatten dem P. Viard und dem Bruder Nizier bereits eine andere Bestimmung gegeben. Die Eingeborenen von Futuna wurden daher auf die nahe bevorstehende Ankunft des Bischofs vertröstet, und die Corvette segelte nach Neuseeland zurück.

Die Ankunft des Bischofs Pompallier auf Wallis hatte eine fast unglaubliche Wirkung auf dieser Insel hervorgebracht. Zwar hatte P. Bataillon schon früher großartige Erfolge erzielt. Das Missionswerk hatte aber im Jahr 1841 eher Rückschritte als Fortschritte gemacht. Das Ausbleiben des Bischofs, der seit vier Jahren vergebens erwartet wurde, diente den Feinden des Christentums noch mehr als früher zu einem Mittel, um P. Bataillon als Betrüger zu verschreien. Sehr viele Christen wurden allmählich lau im Glauben und erfüllten nicht mehr mit ihrem früheren Eifer die christlichen Pflichten. Andererseits gab der König häufig Beweise, dass er noch bei seiner feindseligen Stimmung gegen seine christlichen Untertanen beharrte. Die Fortschritte des Evangeliums waren also völlig im Stocken zur Zeit, wo der apostolische Vikar ankam. Die Anwesenheit des Bischofs änderte aber plötzlich alles in wunderbarer Weise. Die Verleumder verstummten; jede Vorurteil wurde niedergeschlagen; die Heiden verbrannten die Gegenstände ihrer abergöttischen Verehrung, und manche Insulaner, welche bereits in protestantischen Irrtümern befangen waren, wandten sich mit gläubigem Herzen der katholischen Wahrheit zu. Vom 1. Januar bis 1. Mai 1842 wurden 2200 Personen auf Wallis vom Bischof und seinen Missionaren getauft. Es blieben noch 300 Katechumenen, welche vor der Abreise des Bischofs ebenfalls das Sakrament der Wiedergeburt empfingen. Darunter befand sich der König von Wallis selbst, der am 23. Mai mit vielen seiner Häuptlinge, die auf ihn gewartet hatten, getauft wurde. Der apostolische Vikar, Bischof Pompallier, hatte also die große Freude, die Insel Wallis vollständig bekehrt zu hinterlassen, als er sich am 27. Mai einschiffte, um Futuna und verschiedene andere Inseln Mittel-Ozeaniens zu besuchen.

Auf dieser Fahrt begleitete der König von Wallis mit einem Gefolge von dreißig siener Untertanen den Bischof in der Absicht, seinen Bruder Poohi, der ein Feind des katholischen Glaubens war und mit mehreren Insulanern im Dezember 1840 Wallis auf einem einfachen Kahn verlassen hatte, aufzusuchen. Der König erwies sich nach seiner Rückkehr auf Wallis stets als ein gläubiger Katholik. Sein Bruder Poohi aber, der auch im August 1842 mit seinem Anhang nach Wallis zurückkam und mutmaßlicher Thronerbe war, verharrte noch in seiner feindseligen Stimmung gegen den katholischen Glauben. Er und seine Anhänger waren auf Bavao, einer der Freundschaftsinseln, mit protestantischen Predigern in Berührung gekommen; viele seiner Anhänger hatten sogar die protestantische Lehre angenommen und waren von Vorurteilen gegen die Katholiken erfüllt. So fand mit der Rückkehr des Häuptlings Poohi auch der Protestantismus Eingang auf Wallis. Die Protestanten aber sowohl als auch die übrig gebliebenen Heiden bildeten neben den Katholiken eine unbedeutende Minderzahl, die nur insofern zu Besorgnissen Anlaß geben konnte, weil sie an Poohi einen Stütze fand. Diese Besorgnisse trugen ohne Zweifel dazu bei, dass der König von Wallis sowohl wie der König von Futuna sich im Oktober 1842 durch einen feierlichen Akt unter französischen Schutz stellten.

Auf der Insel Futuna hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt, also in wenigen Monaten, auch alles wunderbar geändert. Das Schiff, welches den apostolischen Vikar am 27. Mai 1842 nach Futuna brachte, erreichte diese Insel schon am folgenden Tage. In der ersten Pirogue, welche sich dem Fahrzeuge näherte, befand sich einer der Mörder des P. Chanel und in der zweiten Musu-Musu, König von Poi selbst, der sich vertrauensvoll den Missionaren näherte. Auf seine Einladung stieg der Bischof mit seiner ganzen Begleitung ans Land und begab sich nach dem Dorfe Poi, Residenz des Königs, wo viele wallisische Neubekehrte zur gemeinsamen Feier des Sonntags versammelt waren. Pompallier fand die Eingeborenen von Futuna in einer dem Christentum sehr günstigen Stimmung. Die Anwesenheit des seeleneifrigen Sam-Keletoni, nunmehr König von Singavi, auf der Insel hatte vorzüglich diese Änderung bewirkt, indem er selbst als Katechet aufgetreten war und viele seiner Landsleute zur Annahme des katholischen Glaubens aufgefordert hatte. Die Partei der ehemaligen Sieger und diejenige der Besiegten strebten um die Wette, sich von den Katechumenen des P. Chanel unterrichten zu lassen. Bereits waren die Tabus abgeschafft und die dem Götzendienste gewidmeten Gegenstände verbrannt. Unter diesen Umständen war die Trennung der Insel unter zwei Königen beiden Parteien lästig. Doch lebten sie in Frieden nebeneinander und erwarteten die Ankunft des Bischofs, um die Frage wegen Beherrschung des Landes durch denselben entscheiden zu lassen. Pompallier fand also den Boden für die Aufnahme des Samens des Evangeliums gut vorbereitet. Er nahm sofort die ihm vorgelegte Frage hinsichtlich der Herrschaft in Erwägung und machte den Einwohner begreiflich, dass Futuna für zwei Könige in der Tat zu klein sei und dass die Herrschaft eines Einzigen wohl das beste Mittel sei, den Bürgerkriegen, die ihnen so verderblich geworden waren, vorzubeugen; er riet ihnen also, sich durch freie Wahl selbst ein Oberhaupt zu geben. Man folgte diesem Rate und einstimmig wurde Sam-Keletoni zum König von ganz Futuna gewählt. Noch während der Anwesenheit Pompalliers wurde der König Sam-Keletoni nebst seiner Frau und einem Töchterchen getauft; dann erfolgte die Taufe von hundertvierzehn anderen wohlunterrichteten Katechumenen. Die Getauften wurden sämtlich vom Bischofe gefirmt. Nach einem zehntägigen Aufenthalte auf Futuna trat Pompallier seine Weiterreise an, ließ aber die Patres Servant und Roulleaup, so wie auch den frommen Laienbruder Maria Nizier zur Fortsetzung der Missionsarbeiten auf Futuna zurück.

Das Missionswerk ging raschen Schrittes vorwärts; die Glaubensboten bereisten die große und die kleine Insel nach allen Richtungen, tauften die kleinen Kinder und die erwachsenen Kranken, die in Lebensgefahr waren, und unterrichteten die übrigen Einwohner. Innerhalb acht Monate wurden zwei Kirchen gebaut und 840 Indianer getauft. Der Königin und die Königin nebst einigen anderen Neophyten, die sich durch Eifer wie durch eine gründliche Kenntnis der christlichen Lehre auszeichneten, nahten sehr oft dem Tisch des Herrn. Mit Erlaubnis der Missionare fuhr der König fort, seine Untertanen häufig um sich zu versammeln und dieselben selbst im Katechismus zu unterrichten. Überhaupt wurden in den verschiedenen Ortschaften einzelne seeleneifrige und wohlunterrichtete Christen als Katecheten bestellt. Die jungen Leute lernten außerdem Lesen und Schreiben und benutzten diese Kunst, um mit den Bewohnern von Wallis einen höchst erbaulichen Briefwechsel zu unterhalten. An den Hauptpunkten der Insel wurden Beichtstühle errichtet, um dem frommen Bußeifer der Neuchristen Befriedigung zu verschaffen. Auch war der Zudrang zu dem Richterstuhl der Buße überall außerordentlich groß. Sehr bald zeigte sich eine vollständige Änderung in den Sitten und in der ganzen Anschauungsweise dieser armen Wilden, die sich in der neuen Religion überaus glücklich fühlten und in ihrem Dankgefühl gegen Gott Tag und Nacht fromme Lieder ertönen ließen.

Doch befanden sich um diese Zeit auf Futuna noch mehrere Eingeborene, namentlich alte Häuptlinge des Stammes Poi, welche dem Götzendienst nicht entsagen wollten. Diese ertrugen nur mit großem Widerwillen die Herrschaft Sam-Keletonis. Sie bildeten zwar nur eine kleine Minderzahl, wußten aber die Erinnerung an die alten Rivalitäten der beiden Hauptstämme so zu benutzen, dass selbst viele Christen ihres Stammes gegen Sam-Keletoni aufgereizt wurden. Was übrigens die Kühnheit der heidnisch gesinnten Häuptlinge von Poi noch vermehrte, war die Ankunft eines ähnlich gesinnten, sehr gewandten Häuptlings von Wallis, welcher mit zwei- bis dreihundert seiner Anhänger auf Futuna landete und sich zwar Jahre zu Poi aufhielt. Der ehemalige König Musu-Musu stand an der Spitze der Mißvergnügten und fand an diesem Abenteurer eine Stütze. Die Missionare taten alles Mögliche, um Blutvergießen zu verhüten; der Klugheit ihrer Maßregeln und der Energie ihrer Vorstellungen verdankte Futuna die Aufrechterhaltung des Friedens. Es fand wieder eine Versöhnung der Parteien statt. Sam-Keletoni wurde eine Zeit lang vom Stamme Poi wieder als König anerkannt; später wählte sich zwar jeder der beiden Stämme abermals einen besonderen König; es geschah dies aber nach gemeinsamer Übereinkunft, und die Eintracht wurde nicht dadurch gestört. Der Bau einer katholischen Kirche zu Poi besiegelte das Werk der allgemeinen Aussöhnung. Die Abreise der fremden Rotte gab sodann dem Frieden dauernden Bestand. Vor Ablauf des Jahres 1844 waren Einwohner Futunas christlich unterrichtet und getauft. Die Verleumdungen, welche gegen die Missionare ausgestreut worden waren, und die Angriffe gegen die katholische Religion, welche stattgefunden hatten, erreichten also nicht ihren Zweck. Futuna blieb fortan dem katholischen Glauben treu ergeben. Namentlich drang hier so wie auch auf Wallis die fromme Übung des Rosenkranzgebetes vollständig in die Volkssitte hinein. Im Jahre 1858 haben sich auch barmherzige Schwestern zur großen Freude der Neubekehrten und zum großen Nutzen der Missioin auf Futuna niedergelassen. In neuester Zeit ist endlich durch Errichtung zweier Pfarreien regelmäßiges Pfarrsystem daselbst eingeführt worden.

Die außerordentlichen Fortschritte, welche das Christentum auf Wallis und Futuna machte, veranlaßten Papst Gregor XVI. im Jahre 1842, Mittel-Ozeanien zu einem eigenen apostolischen Vikariat zu erheben und den seeleneifrigen P. Bataillon mit der Würde eines Bischofs von Enos zum ersten apostolischen Vikar zu ernennen. Guillaume Douarre SM [1810 - 1853], Bischof von Amata, der sich im Jahre 1843 auf dem französischen Kriegsschiff “Bucephalus” nach Neu-Kaledonien begab, war Überbringer der betreffenden Bullen. Dieser Bischof [der selber erst am 18. Oktober 1842 die Bischofsweihe empfangen hatte] erreichte die Insel Wallis Anfang Dezember und erteilte am Festtag des hl. Franziskus Xaverius [3. Dezember 1843] unter dem Jubel der gesamten Bevölkerung dem P. Bataillon die bischöfliche Weihe. Der Bischof von Amatha blieb zehn Tage auf Wallis. Er ließ drei neue Missionare, nämlich die Priester Mathieu, Roudaire und Grezel, auf dieser Insel zurück, nahm aber den P. Viard mit sich nach Neu-Kaledonien.

Von jetzt an fielen die letzten Trümmer des Heidentums auf Wallis schnell zusammen. Dagegen verband sich Poohi immer enger mit den Protestanten, empfing mit offenen Armen den protestantischen Oberhäuptling der Insel Bavao namens Maatu, der sich mit einem kleinen protestantischen Heer auf dem Gebiete des Poohi niederließ, und eröffnete um die Mitte des Jahres 1844 die ersten Feindseligkeiten gegen die Katholiken, an deren Spitze der alte König stand. Von beiden Seiten wurden Verschanzungen aufgeworfen, und es fanden von Zeit zu Zeit kleine Scharmützel statt. Die Katholiken, deren es 2500 gegen 300 bis 400 Protestanten gab, hätten ihre Feinde wohl vernichten können. Sie begnügten sich aber damit, offene Angriffe abzuwehren, ertrugen übrigens auf den Rat ihres Bischofs schwere Beleidigungen und mancherlei Provokation mit großer Geduld. Dieser kleine Krieg, ohne bedeutende Gefechte, dauerte ein volles Jahr, machte das Land unsicher und erschwerte den Missionaren die Ausübung ihrer geistlichen Funktionen bei Kranken und Sterbenden. Der Bischof ließ sich daher in Unterredungen mit Poohi und Maatu ein, stellte ihnen mit Nachdruck die Ungerechtigkeit ihres Verhaltens vor und beschwor sie, dem Lande den Frieden wiederzugeben. Die Worte des Bischofs machten einen tiefen Eindruck, besonders auf Maatu, der sich entschloß, mit den Seinigen nach Vavao zurückzukehren. Nach seiner Abreise legte isch allmählich die Hitze der Kampflustigen, und mehrere Protestanten wandten sich dem katholischen Glauben zu. Nun verlor Poohi selbst den Mut. Er kam zum Anführer der Katholiken, dem Häuptling Tongahala, und begehrte den Frieden, der seitdem nicht mehr gestört worden ist.

Die Insel war um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein kleiner katholischer Musterstaat, in welchem ein bürgerliches Gesetzbuch nicht nötig war, da die obwaltenden Differenzen durch den Schiedsrichterspruch der Missionare ohne Schwierigkeit beseitigt wurden, Verbrechen aber gar nicht vorkamen. Es waren Schulen und Handwerksstätten eröffnet, auch eine Buchdruckerei angelegt worden. Viele nützliche europäische Tiere und Pflanzen gediehen auf der Insel. Überhaupt hatten die Missionare den Sinn der Insulaner für die Bodenkultur geweckt, so dass eine Hungernot nicht leicht mehr zu befürchten war, obschon sich eine rasche Vermehrung der Bevölkerung nachweisen ließ. Schon seit dem Jahre 1842 waren mehrere Kirchen und Kapellen und vier regelmäßige Pfarrsysteme, nämlich zwei größere und zwei kleinere, eingerichtet worden. Durch Errichtung eines kleinen Seminars mit lateinischem Unterricht ist auch für die Heranbildung eines inländischen Klerus Fürsorge getroffen worden. Endlich haben sich in neuester Zeit auch barmherzige Schwestern vom dritten Orden Mariä dort niedergelassen, um sich dem Unterricht der weiblichen Jugend und allen Werken der christlichen Liebe zu widmen. Die Inselgruppe Wallis, wie die kleine Futuna-Gruppe, gehören also fortan zu den katholischen Ländern und hören allmählich auf, Missionsländer zu sein.

Die Inseln Wallis und Futuna liegen in einiger Entfernung vom Mittelpunkt des Schiffer-Archipels, stehen daher weniger als die übrigen Inseln dieses Archipels in Verkehr mit den europäischen Schiffen und waren auch wegen ihres geringen Umfanges nicht dazu geeignet, dass denselben für die vielen Bedürfnisse der Mission Mittel-Ozeaniens die nötigen Anstalten hätten gegründet werdenn können. Die Hauptinseln des Schiffer-Archipels sind Sawaji und Opolu, welch letztere auch Upolu Apia genannt wird. Diese Inseln haben beide einen bedeutenden Umfang von 55 resp. 40 Meilen, eine sehr starke Bevölkerung und auch bereits einen lebhaften Verkehr mit Europa. Leider waren die protestantischen Missionare den katholischen auf diesen Inseln längst vorangeeilt. Sobald aber die katholische Religion auf Wallis und Futuna sichere Stützpunkte gewonnen hatte und die Vermehrung der katholischen Missionare in Mittel-Ozeanien neue Unternehmungen möglich machte, trug der apostolische Vikar Bataillon Sorge, dem katholischen Glauben auch auf diesen Inseln Eingang zu verschaffen. Im Jahre 1845 sandte er in dieser Absicht den P. Roudaire nach Opolu und den P. Violette nach Sawaji; jeder der beiden Missionare wurde durch einen Laienbruder unterstützt. Die protestantischen Prediger taten alles Mögliche, um ihre Niederlassung auf den großen Inseln zu verhindern. Es gelang ihnen wirklich, die katholischen Missionare als arme Vagabunden und gefährliche Menschen derart bei der einheimischen Bevölkerung anzuschwärzen, diese anfangs um keinen Preis mit den Katholiken in Berührung kommen wollte. Da aber die Offiziere der ankommenden englischen und französischen Schiffe und amerikanischen Konsuln die katholischen Missionare besuchten und denselben nicht selten große Ehre erwiesen, so überzeugten sich die Insulaner allmählich, dass sie hinsichtlich der katholischen Missionare hintergangen worden seien. Sie näherten sich daher mit weniger Misstrauen den Glaubensboten, empfingen von denselben, besonders in Krankheiten, Wohltaten und gewannen sie endlich lieb. In dem Maße, wie diese Änderung in der Gesinnung der Eingeborenen Statt hatte, erwiesen diese sich gleichgültiger gegen die protestantischen Prediger, sie wurden jedoch auch gleichgültiger gegen die Religion überhaupt. Daher gewann der katholische Glaube nur langsam Anhänger auf den beiden Hauptinseln. Indessen bildeten sich doch katholische Gemeinden daselbst, so dass im Jahre 1848 auf jeder Insel zwei Missionare angestellt werden konnten und an zwei verschiedenen Orten Missionsstationen gegründet wurden. Der apostolische Vikar kaufte im Jahr 1852, in weiterer Verfolgung dieser Zwecke, von Europäern zwei schöne Häuser, von denen man voraussehen konnte, dass sie einst im Mittelpunkte europäischer Kolonien würden gelegen sein. Sein Plan ging dahin, im Hafen von Apia auf der Insel Opolu so wie im besuchtesten Hafen von Sawaji schöne Kirchen zu bauen, in denselben mit aller möglichen Pracht den Gottesdienst zu feiern, Schulen daselbst zu errichten, unter den bereits zahlreichen Engländern gute Bücher zu verbreiten und den Eingeborenen vermittelst der Arzneikunst Dienste zu leisten. Er versprach sich nämlich von dem dreifachen Apostolat des Gottesdienstes, des Schulunterrichts und der Nächstenliebe unter den vorhandenen Umständen größere Vorteile als vom Predigen. Der Bau der Kirche in der beginnenden Hafenstadt Apia auf Opolu wurde zuerst in Angriff genommen und mit großen Kosten ausgeführt, so dass die katholische Mission im Jahre 1854 daselbst ein schönes Gotteshaus besaß. Das weiße Kreuz, welches auf demselben errichtet ist, beherrscht den Hafen und ist weithin den ankommenden Reisenden bemerklich.

Die katholische Kirche hatte also um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf den beiden größeren Inseln des Schiffer-Archipels festen Fuß gefasst und einheimische katholische Gemeinden gegründet, welche noch rascher angewachsen sein würden, wenn nicht wiederholt innere Kriege zwischen verschiedenen Stämmen der Eingeborenen die Missionstätigkeit bedeutend erschwert hätten. Doch wurden die Missions-Anstalten von den kriegführenden Parteien stets heilig gehalten und als neutrales Gebiet betrachtet.

Ein großartiges Werk der christlichen Liebe, welches von der Lebendigkeit des Glaubens der jungen Christengemeinde der Insel Wallis ein glänzendes Zeugnis gibt, verdient um so mehr eine Erwähnung, als dasselbe zur Folge gehabt hat, dass noch eine entlegene Gruppe von drei kleinen Inseln, nämlich den Tokelau-Inseln, welche dem Schiffer-Archipel angehören und wovon die Hauptinsel unter dem Namen Duke of Clarence bekannt ist, für den katholischen Glauben gewonnen werden dürfte. Die Tokelau-Inseln wurden nämlich im Jahre 1846 durch einen fürchterlichen Sturm verheert, viele Brot- und Kokosbäume und andere nützliche Pflanzen wurden zerstört, so dass eine Hungersnot bevorstand. Da wollte eine Anzahl Bewohner nach einer nahe gelegenen anderen Insel überschiffen, wo sie Lebensmittel zu finden hofften. Allein auf der offenen See wurden sie von einem Sturm überrascht. Mehrere Piroguen gingen zu Grunde, zwei derselben wurden anderthalbe Monate vom Winde umhergetrieben und endlich zwei- bis dreihundert Meilen von der Heimat an die Küste von Wallis geworfen.Während dieser ganzen Zeit hatten die armen Schiffbrüchigen, um ihr Leben zu fristen, nichts als einige Kokosnüsse und die Fische, die sie fangen konnten; sie langten daher elend und abgezehrt an. Sobald man sie zu Wallis erblickte, lud man sie ein, ans Land zu steigen und näher zu treten. Die Unglücklichen getrauten es sich jedoch nicht, aus Furcht, in die Hände von Menschenfressern zu fallen. Die göttliche Vorsehung fügte es, dass sich um diese Zeit eine junge Frau auf Wallis aufhielt, welche von der Insel Duke of Clarence gebürtig war. Sie kam auch an den Strand und war ganz erstaunt, ihre Muttersprache zu hören. Ihr Erstaunen verwandelte sich in die höchste Freude, als sie in einem der Fremdlinge ihren alten Oheim, den Häuptling der Insel Duke of Clarence, erkannte. Eilends wirft sie sich in seine Arme, drückt ihn an ihr Herz, benetzt ihn mit Tränen und fordert ihn auf, ans Land zu steigen, versichernd, dass man sie mit Wohltaten überhäufen würde. Die Unglücklichen gewannen nun Mut und bestiegen das Ufer. Von allen Seiten wurden ihnen sofort Kleider und Lebensmittel gebracht. In einem Augenblick waren sie von 1200 bis 1500 Eingeborenen umringt, die sie mit der größten Gastfreundlichkeit behandelte und im Triumphe nach der Kirche führten. Der Bischof, die Priester, der alte König, die ganze Bevölkerung beteiligte sich an diesem Werk der Liebe. Während man Vorkehrungen zu einem Ehrenmahle traf, begrüßten die Männer ihre neuen Gäste mit fünfzig Flintenschüssen. Bei diesem furchtbaren Knallen gerieten die armen Schiffbrüchigen in Schrecken, sie fielen zu Boden und glaubten, ihre letzte Stunde sei gekommen. Nur durch tausenderlei Liebkosungen gelang es endlich, sie zu beruhigen. Bald aber gewannen die fremden Insulaner die Überzeugung, dass sie mit aufrichtiger Freundschaft und wahrer Großmut behandelt wurden. Sie lernten auch die Religion kennen, welche eine solche Liebe gegen unbekannte Unglückliche einflößt, und im Gefühle der innigsten Dankbarkeit gegen Gott und ihre Wohltäter nahmen sie mit Freude die katholische Religion an.

Indessen trat auf den Tokelau-Inseln in Folge der angerichteten Verheerungen eine Hungersnot ein, welche allmählich fühlbar wurde und im Jahre 1851 den höchsten Grad erreichte. Der apostolische Vikar Bataillon vernahm es auf einer der großen Inseln des Schiffer-Archipels. In demselben Augenblicke lief in den dortigen Hafen ein Schiff ein, welches keine besondere Bestimmung hatte. Der Bischof mietete dasselbe, schickte es nach Wallis, wo es eine gute Ladung Lebensmittel, die von sämtlichen Einwohnern mit Freude dargegeben wurden, einnahm, und fuhr dann mit einem katholischen Missionar nach den Tokelau-Inseln, wo viele Menschen durch die Hungernot weggerafft wurden. Diejenigen, welche dem allgemeinen Elend noch nicht erlegen waren, wurden durch Darbieten von Speisen aufs Schiff gelockt. Hier brachte man ihnen sehr bald die Überzeugung bei, dass ihre Rettung nur durch Übersiedelung nach einer anderen Insel möglich sei. Bald waren auf dem Schiffe so viele Personen, als es fassen konnte, nämlich etwa fünfhundert. Diese wurden unverzüglich nach Wallis geführt und von den Neubekehrten wie Brüder und Schwestern aufgenommen. Sie wurden unter die verschiedenen Familien verteilt, von denen sie gekleidet, genährt und in den tröstlichen Wahrheiten der katholischen Religion unterrichtet wurden. Vorläufig mußten diese fremden Insulaner, nachdem sie das Christentum angenommen hatten, sich auf der Insel Wallis oder auf Futuna häuslich niederlassen. Es ist aber wohl zu erwarten, dass viele derselben einst zu ihren vaterländischen Inseln zurückkehren werden und dass mit ihnen auch die katholische Religion daselbst Aufnahmen finden wird.”

Soweit die Erzählung Heinrich Hahns aus dem Jahr 1861.

Von Bataillon gibt es noch zu berichten, dass er zwar am 22. November 1842 zum Apostolischen Vikar des drei Monate zuvor errichteten Vikariats Zentral-Ozeanien ernannt wurde, davon aber erst erfuhr, als Bischof Guillaume Douarre kam, um ihm am 3. Dezember 1843 die Bischofsweihe zu spenden und ihm als Coadjutor zur Seite zu stehen. Wallis blieb sein Hauptsitz, aber er versuchte in vermehrtem Maße, das Evangelium auch auf die umliegenden Inselgruppen zu bringen. 1844 sandte er P. Jean-Baptiste Bréhéret und P. Francois Roulleaux zu den Fidschi-Inseln, deren unermüdliche Arbeit erst ab 1860 mit Erfolg gekrönt wurde, so dass 1863 die Errichtung der Apostolischen Präfektur Fidji erfolgte und es dort 1880 9000 Katechumenen gab (Bernard de Vaulx, Katholische Missionsgeschichte, Aschaffenburg 1962, S. 164). Bréhéret wurde zum Apostolischen Präfekten ernannt und blieb es bis 1887.

Im November 1846 kam P. Berne SM in Begleitung eines weiteren Priesters und mehrerer Katecheten im Auftrag Bataillons auf Rotuma, die nördlichste der Fidschi-Inseln. Doch ihre Missionstätigkeit war weitgehend erfolglos, da die Bevölkerung durch protestantische Missionare gegen die katholische Religion aufgehetzt wurde. So rief Bataillon die Missionare 1853 wieder zurück. “Bei ihrer Abreise nahmen sie dreißig Neubekehrte und Katechumenen mit, welche den Beistand der katholischen Priester nicht entbehren wollten; sie führten dieselben nach Futuna und Wallis, wo sie gastfreundlich aufgenommen wurden und ihren religiösen Pflichten ungehindert obliegen konnten” (Heinrich Hahn, S. 160).

Was die Evangelisation der Tonga-Inselgruppe angeht, so ist neben P. Chevron P. Breton zu erwähnen, der auf Vavaou im Gebiet der Tonga-Inseln wirkte. “Dort lebte er bis 1881 in aboluter Einsamkeit. Aber sein Tod brachte den ganzen Archipel in Bewegung: mit einem Schlag öffneten sich diesem Manne, den man den ‘Anachoreten des Pazifik’ genannt hat, die Herzen, und selbst die protestantischen Geistlichen drängten sich, an den Begräbnisfeierlichkeiten teilzunehmen” (de Vaulx, S. 164).

In den vier Jahrzehnten seines missionarischen Wirkens machte Bataillon zweimal eine Reise nach Europa, zuletzt 1872. Am 19. März 1877, dem Josephsfest, “brachte Bataillon zum letzten Mal in der Josephskirche zu Mua das hl. Opfer dar. Bald konnte Bataillon sich nur noch in die Kirche tragen lassen, um hier [am 27. März], wo er die ersten Neophyten getauft und die hl. Bischofsweihe erhalten hatte, auch die Sterbesakramente zu empfangen” (Franz Baeumker, Helden der Weltmission, Aachen 1923, S. 15). Wenige Wochen später starb er. De Vaulx schreibt über ihn: “Er rieb sich in Wales buchstäblich auf und starb am 10. April 1877 wie ein alttestamentlicher Patriarch mitten unter seinem heißgeliebten Volk” (a. a. O.).

1935 wurden Wallis und Futuna aus dem Vikariat Zentral-Ozeanien herausgelöst und zu einem eigenen Apostolischen Vikariat errichtet, welches am 21. Juni 1966 zur Diözese erhoben wurde. Am selben Tag wurde das Vikariat Zentral-Ozeanien zur Diözese von Tonga erhoben.

Josef Glazik bezeichnete noch 1984 Wallis und Futuna “als Musterbeispiel eines christlichen Gemeinwesens” (in: Bruno Moser, Gehet hin in alle Welt. Ereignisse und Gestalten christlicher Missionsgeschichte, München 1984, S. 239).


Maria MacKillop, eine australische Selige

Personen
(Auswahl)

Lewis C. S.
Malagrida G.
Marescotti J.
Manning H. E.
Marillac L.
Maritain J.
Martin Konrad
Massaja G.
Meier H.
Mieth Dietmar
Mixa Walter
Mogrovejo T.A.
Moltke H. v.
Montalembert
Montecorvino J.
Moreno E.
Moreno G. G.
Mosebach M.
Müller Max
Muttathu-padathu
Nies F. X.
Nightingale F.
Pandosy C.
Paschalis II.
Pieper Josef
Pignatelli G.
Pius XI.
Postel M. M.
Poullart C. F.
Prat M. M.
Prümm Karl
Pruner J. E.
Quidort
Radecki S. v.
Ragueneau P.
Rahner K.
Ratzinger J.
Reinbold W.
Répin G.
Rippertschwand
Rudigier F. J.
Ruysbroek
Salvi Lorenzo
Sanjurjo D. S.
Saventhem E.
Schamoni W.
Schreiber St.
Schynse A.
Sierro C.
Silvestrelli C.
Simonis W.
Solminihac A.
Spaemann C.
Stein Karl vom
Steiner Agnes
Sterckx E.
Stern Paul
Stolberg F. L.
Talbot Matt
Therese
Thun Leo G.
Tolkien J.R.R.
Tournon Ch.
Vénard Th.
Vermehren I.
Walker K.
Wasmann E.
Waugh E.
Wimmer B.
Windthorst L.
Wittmann G. M.
Wurmbrand R.


Zur Startseite