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Der sel. Papst Innozenz XI.

Als am 7. Oktober 1956 Papst Innozenz XI. (1676 - 1689) von Pius XII. seliggesprochen wurde, kam damit ein Seligsprechungsprozeß zum Abschluß, der bereits mehr als 200 Jahre zuvor eingeleitet worden war, aber zunächst am Einspruch Frankreichs scheiterte. Denn Frankreich konnte dem Seligen seinen tapferen Widerstand gegen die Herrschaftsgelüste des absolutistisch regierenden Sonnenkönigs, Ludwigs XIV. (1643 - 1715), nicht verzeihen. Es ging dabei um den sogenannten Gallikanismus, um die Freiheiten, die die "gallikanische Kirche", in Wirklichkeit der König, gegenüber dem Papst für sich in Anspruch nahm. Es begann damit, daß Ludwig XIV. 1673 in einem Dekret die geistliche Regalie (d.h. das Recht der Besetzung der geistlichen Stellen, die während der Bischofsvakanzen frei wurden) als ein "wesentliches und unveräußerliches Majestätsrecht" für das ganze Reich in Anspruch nahm. Innozenz XI., schon vor seiner Papstwahl bekannt und verehrt als "Vater der Armen", der zuweilen aus seinem Privatvermögen ihre Steuern beglich, stellte in seiner persönlichen Lebensführung von äußerster Anspruchslosigkeit das krasse Gegenbild des in Saus und Braus lebenden und die Bevölkerung durch übermäßige Steuern ausbeutenden Sonnenkönigs dar. Wenn er dem König widerstand, dann nicht aus Geltungssucht, sondern aus seinem Verantwortungsgefühl für die Kirche, die sich der irdischen Macht nicht um den Hals werfen darf, sondern in kritischer Distanz verbleiben und deshalb auf ihre Unabhängigkeit von ihr bedacht sein muß. Dadurch unterschied sich der Papst auch vom französischen Klerus, der sich fast ohne Ausnahme zu den vier gallikanischen Artikel bekannte, die kein Geringerer als Jacques Bossuet, hier ein Kind seiner Zeit und unkritischer Bewunderer des Königs, redigiert hatte. Der Konflikt eskalierte bis zum Appell Ludwigs vom Papst an ein Allgemeines Konzil am 27. September 1688. Erst unter Alexander VIII., dem Nachfolger Innozenz', lenkte er ein.

Noch schlimmer war, daß Ludwig XIV., "der allerchristlichste König", die Pläne des Papstes zur Verteidigung des Abendlandes gegen die Türken hintertrieb. Im Oktober 1682 brach von Konstantinopel ein türkisches Heer von 160000 Mann auf und belagerte, inzwischen durch weitere Hilfstruppen auf 200000 Mann angewachsen, ab dem 12. Juli Wien. Die Türkengefahr war eine reale Bedrohung und kein "ideologisches Konstrukt, das habsburgischen Machtinteressen diente", wie Ralph Bollmann in einem geschichtsklitternden, gegen die Regensburger Rede des Papstes gerichteten Artikel in der taz vom 16. September 2006 schreibt. Das türkische Heer stand unter dem Oberbefehl von Kara Mustafa, der als Großwesir von Konstantinopel nach dem Sultan der zweite Mann im Osmanischen Reich war und davon träumte, Europa zu erobern und dort selber Sultan zu werden. Innozenz XI., der die ungeheure Gefahr schon früh erkannte, konnte eine Gegenallianz schmieden. Für sie gewann er als wichtigsten Partner den Polenkönig Johann III. Sobieski, obwohl Ludwig XIV. diesen mit allen Mitteln davon abzuhalten versuchte. Dem europäischen Entsatzheer gelang schließlich mit der berühmten Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683 die Befreiung Wiens. Zum Dank dehnte Innozenz XI. das bisher nur lokal gefeierte Fest Mariä Namen auf die ganze Kirche aus.

In den konfessionellen Streitigkeiten lehnte Innozenz Zwangsübertritte "entschieden ab. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes und der Einstellung der französischen Gewaltmethoden erklärte er, Bekehrungen mache man nicht durch bewaffnete Apostel; das sei eine neue Missionsmethode, deren Christus der Herr sich nicht bedient habe" (Hermann Tüchle in "Reformer der Kirche", Mainz 1970, S. 923).

Innozenz XI. starb am 12. August 1689 nach schmerzhafter Krankheit. Inmitten der großen Qualen rief er immer wieder aus: "Herr, vermehre den Schmerz, aber mehre auch die Geduld!"


Weitere historische Beiträge:

Die Rettung Belgrads aus der türkischen Belagerung

Die Katholikenverfolgung in England


Erzbischof Christoph Anton Migazzi

Vor 250 Jahren, am 18. März 1757, wurde Christoph Anton Graf Migazzi Erzbischof von Wien. Migazzi (1714-1803) ist der am längsten regierende Bischof von Wien in der Kirchengeschichte. Seine Amtszeit fällt in die schwierige Zeit des Josephinismus, dem er sich entgegenstellte.

Geboren wurde Migazzi in Trient am 14. Oktober 1714 (nach Franz Loidl, Geschichte des Erzbistums Wien, 1983, in Übereinstimmung mit Maurer im Wetzer und Welte, 1893; davon abweichend Erwin Gatz im LThK, 3. Auflage 1998: 20. Oktober, und Josef Oswald im LThK, 2. Auflage 1962, und K. Hilgenreiner in der 1. Auflage 1935: 23. November in Innsbruck). Er studierte im Collegium Romanum in Rom, wurde Kanonikus in Brixen und in Trient, Prior in Borghetto und Valsugana (Südtirol), 1745 Auditor der Rota Romana für die Deutsche Nation. 1751 empfing er durch Kardinal Guadagni die Bischofsweihe, da er auf Wunsch Kardinals d'Alsaca-Boussut de Chimay, des Erzbischofs von Mechelen, zu dessen Koadjutor mit Nachfolgerecht ernannt wurde. Doch bevor er diese Stelle antreten konnte, wurde er von Kaiserin Maria Theresia als österreichischer Gesandter nach Madrid geschickt. 1756 wurde er Bischof von Waitzen in Oberungarn. Doch als am 10. März 1757 der Wiener Fürsterzbischof Johann Joseph von Trautson starb, bestimmte ihn die Kaiserin noch am Begräbnistag zum Erzbischof von Wien. Am 23. Mai wurde er von Papst Benedikt XIV. bestätigt. Clemens XIII. ernannte ihn am 22. November 1761 auf Bitten der Kaiserin zum Kardinal.

Kaiserin Maria Theresia (1740 - 1780) leitete die Phase des Josephinismus ein, dessen geistiger Nährboden die Aufklärung und der Jansenismus waren. Ihre wichtigsten Berater waren Jansenisten: ihr Leibarzt Gerard von Swieten, ihr Beichtvater Ignaz Müller, der Erzieher ihrer Söhne Karl Anton von Martini, der Direktor der theologischen Fakultät Ambros Simon von Stock. Von dem ursprünglichen Jansenismus waren vor allem der antirömische Affekt und der Jesuitenhaß übrig geblieben, und das hatte er mit der ganz anders gelagerten Aufklärung gemeinsam. "Die treibende Kraft der theresianischen Reformen und Schöpfer des staatskirchlichen Systems aber war Graf Kaunitz" (Loidl, S. 144). Wenzel Anton Graf von Kaunitz-Rietberg, Freimaurer und Freund Voltaires, war der Leiter der Hof- und Staatskanzlei, die Maria Theresia 1742 als oberste politische Behörde ins Leben gerufen hatte. Er legte die Grundlage für das neue Staatskirchentum durch den Entwurf einer Geheiminstruktion, die weitreichende Eingriffe in die Freiheit der Kirche vorsah. Die Kaiserin unterschreib sie am 15. Juni 1768. Das war der Anfang einer fortschreitenden Knebelung der Kirche, die ihren Höhepunkt unter Joseph II. (1780 - 1790) fand: Entzug der Kompetenz der Aufsicht über die Klöster gegenüber dem Apostolischen Nuntius, Verbot der Ablegung der Ordensgelübde vor dem 24. Lebensjahr, Aufhebung der Dritten Orden, später eines Drittels aller Klöster, 700 an der Zahl, Verbot der Wallfahrten u.a. nach Rom, Köln und Aachen, Verbot des Kontakts zu Rom für die Bischöfe, Aufhebung der bischöflichen und klösterlichen Lehranstalten, Unterwerfung aller päpstlichen Verlautbarungen der staatlichen Genehmigungspflicht für die Veröffentlichung, Einführung der staatlichen Bücherzensur, kleinliche Reglementierung der Vorlesungstätigkeit: "Die Professoren hatten bei ihren ‘Vorlesungen' aus einem gedruckten Buch, das der Bewilligung bedurfte, vorzutragen und nicht vom Text abzuweichen" (Loidl, S. 146).

Diese Maßnahmen waren einerseits Folge des sich aufklärerisch verstehenden Polizeistaates, andererseits zum Teil Antwort auf eine wahre Reformbedürftigkeit kirchlicher Zustände gerade im Bildungssektor. Dieser Reformbedürftigkeit war sich auch der neue Erzbischof bewußt, und er scheute nicht davor zurück, energisch nötige Reformen in die Wege zu leiten. Gleichzeitig stemmte er sich gegen die staatliche Bevormundung und ging aufgrund seiner weitgehenden Erfolglosigkeit auf diesem Gebiet einen wahren Leidensweg: "Schwere Tage kamen für Migazzi, als in Österreich die Aufklärungsperiode anbrach, da er mit dieser Richtung als treuer, kirchlich gesinnter Bischof durchaus sich nicht verständigen konnte. Er wich in der Verteidigung der Kirche nur der Gewalt. Man kann ihn mit vollem Recht einen unblutigen Martyrer nennen, so viel litt er unter den traurigen Zeitverhältnissen, in denen für die Abhaltung der Herz-Jesu-Andacht Strafe gezahlt werden mußte und die Ablässe zu verkündigen verboten war. Selbst das Brevier war anstößig und sollte von den Geistlichen nicht mehr so gebetet werden, wie es die Kirche vorschrieb, indem einige Heiligenbiographien, wie die von Gregor VII., Thomas Becket u.a., ausgemerzt worden waren. Eine ganze Reihe von Klöstern wurde aufgehoben und der Gottesdienst bis auf unbedeutende Kleinigkeiten genau vorgeschrieben. Daß das alles Migazzi schwer empfand, läßt sich denken. Er bat, beschwor, warnte, machte die ernstesten Vorstellungen; doch half alles nichts. Er mußte sich nicht bloß pöbelhafteste Beschimpfungen von zügellosen Pamphletisten gefallen lassen, sondern selbst Kaiser Joseph II. kränkte ihn wiederholt auf die bitterste Weise. Wenn auch Migazzi gegen die Gewalt nichts ausrichten konnte, so hat er doch viel Unheil verhütet" (Maurer, Sp. 1509).

Migazzi bemühte sich um eine solide theologische Ausbildung und eine spirituelle Erneuerung des Klerus. Dazu eröffnete er ein Exerzitienhaus, in dem für die Geistlichen die Ignatianischen Exerzitien gegeben wurden, und gründete 1758 das Wiener Priesterseminar, das aber 1783 dem Josephinismus weichen und wieder geschlossen werden mußte.

Anfangs war Migazzi selber noch für den Jansenismus anfällig und lehnte die Jesuiten ab. Das änderte sich seit 1764.
Als sich die Aufhebung des Jesuitenordens abzeichnete, machte Migazzi am 29. April 1773 bei der Kaiserin einen Rettungsversuch: Der Orden sollte unter neuen rechtlichen Voraussetzungen, die der Kaiserin eine größere Befugnis einräumten, weiterexistieren. Maria Theresia ging aber darauf nicht ein und schloß sich dem Druck an, den die Bourbonenhöfe auf Papst Clemens XIV. machten, damit er die Gesellschaft Jesu aufhebe. Dies geschah am 21. Juli 1773 mit dem Breve "Dominus ac redemptor noster". Die Durchführung wurde in Österreich auf den 10. September festgelegt. Der Besitz des Ordens wurde vom Staat eingezogen. Zeitlebens hatte Maria Theresia wegen der von ihr mitverursachten Ordensaufhebung ein schlechtes Gewissen und betonte immer wieder, daß sie mit der verdienstvollen Seelsorge der Jesuiten stets die besten Erfahrungen gemacht habe.

Am 14. April 1803 starb Kardinal Migazzi an einem Schlaganfall. Bis Kardinal König war er der letzte Altgermaniker unter den Wiener Erzbischöfen. Sein Nachfolger wurde Sigismund Anton Graf von Hohenwart, der sich um die Rettung Wiens vor der Invasion Napoleons verdient machen sollte.


Erzbischof Joseph Clemens Kajetan von Köln

Heute vor 300 Jahren, am 1. Mai 1707, empfing in Lille der Erzbischof von Köln Joseph Clemens Kajetan Herzog von Bayern von Fenelon die Bischofsweihe.

Joseph Clemens wurde am 5. Dezember 1671 in München als fünfter Sohn des Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern geboren. Mit fünf Jahren verlor er die Mutter, mit acht Jahren den Vater. Er wurde nun von seinem Bruder Kurfürst Max Emanuel (1662 - 1726) erzogen und gegen seinen Willen für den geistlichen Stand bestimmt. Allerdings war die Erziehung am verweltlichten bayerischen Hof dafür denkbar ungeeignet. Joseph Clemens litt sehr unter der herrischen Art seines Bruders und blieb ein unselbständiger Charakter, der sich seinen Weg gegen eigene Neigung und Überzeugung vorschreiben ließ.

Bereits am 4. November 1685 wurde Joseph Clemens Bischof von Regensburg und gleichzeitig Bischof von Freising. Am 16. Juli 1688, also im Alter von sechzehneinhalb Jahren, wurde er zum Erzbischof von Köln ernannt und am 20. September desselben Jahres von Papst Innozenz XI. (1676 - 1689) bestätigt. Am 28. September empfing er die Niederen Weihen. Am 4. April 1694 wurde er zum Bischof von Lüttich gewählt. Papst Innozenz XII. (1691 - 1700) bestätigte ihn jedoch nur unter der Bedingung, daß er auf die beiden Bistümer Regensburg und Freising verzichte, was am 29. September 1694 geschah. Allerdings wurde er im folgenden Februar wieder für Regensburg gewählt und am 22. Mai 1699 ernannt. Derselbe Vorgang für Freising scheiterte am Domkapitel. Auf Regensburg verzichtete Joseph Clemens endgültig erst 1716. Dafür wurde er 1714 zusätzlich Bischof von Hildesheim.

Als Joseph Clemens 1695 das kanonische Alter zum Empfang der höheren Weihen erreichte, lehnte er dies aus Gewissensgründen ab, da er sich mehr zur militärischen als zur geistlichen Laufbahn berufen fühlte. Der Wille seines Bruders, dem am Verbleib des kölnischen Kurfürstentums im Besitz der Wittelsbacher sehr gelegen war, hinderte ihn daran, von allen geistlichen Ämtern zurückzutreten. Allerdings konnte er vom Papst eine Verschiebung der Weihen erwirken. Diese empfing er schließlich 1706 und 1707, und zwar in Frankreich.

Am 13. Februar 1701 hatte er als Kurfürst von Köln ein Bündnis mit Ludwig XIV. von Frankreich gegen den Kaiser geschlossen. Baron Karg von Bebenburg, der als Kanzler des Kurfürstentums die Regierungsgeschäfte leitete, und sein Bruder, der sich am 9. März ebenfalls mit Frankreich verbündete, hatten ihn dazu gedrängt. Doch als die kaiserlichen Truppen Andernach, Linz, Remagen und Oberwinter einnahmen und auf Bonn vorrückten, floh er am 12. Oktober 1702 nach Frankreich.

1704 lernte er François de Salignac de la Mothe-Fénelon (1651 - 1715) kennen, den berühmten Prediger und Erzbischof von Cambrai. 1705 nahm er zu seinem Beichtvater Desqueux, Dechant und Pfarrer in Lille. Dieser gab den Ausschlag für seine Entscheidung, sich endlich weihen zu lassen. "Nachdem er vom 1. bis 8. August unter Fénelons Leitung Exerzitien in der Abtei Loo bei Lille gemacht hatte, empfing er am 15. August 1706 in der Kapelle Notre Dame de Grâce bei Lille durch die Hand des Erzbischofs von Cambrai den Subdiakonat. Wie seine schriftlich niedergelegten Exerzitienbetrachtungen erkennen lassen, spielten die menschlichen Enttäuschungen, die er im politischen Leben und in seiner persönlichen Umgebung erfahren hatte, aber auch die Frucht vor der Hölle und - so ließ er am 14. August bei einer Predigt vor seinen Bediensteten verlauten - die Sehnsucht nach Ruhe und innerem Frieden eine große Rolle bei seiner nunmehrigen Sinnesänderung" (Eduard Hegel, Geschichte des Erzbistums Köln, Vierter Band: Das Erzbistum Köln zwischen Barock und Aufklärung vom Pfälzischen Krieg bis zum Ende der französischen Zeit 1688-1814, Köln 1979, S.47).

Am 8. Dezember wurde er zum Diakon geweiht, und an Weihnachten 1706 empfing er in Lille von Bischof Louis-Marcel Coetlogon von Tournay die Priesterweihe.

Am 1. Mai 1707 weihte ihn Fenelon in der Stiftskirche St. Peter zu Lille zum Bischof, in Anwesenheit des bayerischen Kurfüsten und der Weihbischöfe von Köln und Lüttich. "Fénélons Predigtstil erreichte in seiner Konsekrationsrede da, wo er über die Majestät und würdevolle Hoheit der Kirche sprach, eine Erhabenheit, die über Bossuet durch die Harmonie der Gedankenentwicklung, über Bourdaloue durch die Feinheit und Durchsichtigkeit der Argumentation, über beide durch die hinreißende Einfachheit und Energie des Ausdrucks hinausging" (Weinand im Freiburger Kirchenlexikon, zitiert in Conrad Albrecht Ley, Kölnische Kirchengeschichte, Essen 1917, S. 439).

1715 konnte Joseph Clemens aus Frankreich zurückkehren und wurde am 25. Februar in Bonn festlich empfangen.

Einerseits versuchte Joseph Clemens, seine geistlichen Pflichten ernstzunehmen, andererseits konnte oder wollte er seinen Hang zu Vergnügungen und Prachtliebe nicht überwinden. Finanziell lebte er über seine Verhältnisse, was ihm immer wieder die Kritik des Domkapitels eintrug und sein Gewissen, als es ans Sterben ging, sehr belastete, so dass er "unter Tränen von den Anwesenden Verzeihung erbat" (Ley, S. 441). Über Papst Klemens XI. war er aufs tiefste empört, als dieser von ihm forderte, Madame de Ruysbeck, von der er zwei Söhne hatte und zu der er nun nach eigenem Bekunden ein sittlich einwandfreies Verhältnis habe, aus seinen Diözesangebieten fernzuhalten. Ein auch aus heutigen Tagen bekanntes Paradox: Gerne macht man Rom für Mißstände in der Kirche verantwortlich. Wenn Rom aber dagegen einschreitet, empört man sich.

Joseph Clemens starb am 12. November 1723 in seinem Schloß zu Bonn. Daß er "dem Kölner Erzstuhle Ehre gemacht habe, würde sein Zeitgenosse, der Chronist Michael Mörckens, irgendwo geäußert haben, wenn es ihm seine Wahrheitsliebe gestattet hätte" (Ley, S. 441).


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