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Georg Michael Wittmann

Vor 250 Jahren, am 23. Januar 1760, wurde in Finkenhammer bei Pleystein in der Oberpfalz Georg Michael Wittmann geboren. Nach seinem Studium in Heidelberg wurde er am 21. Dezember 1782 zum Priester geweiht. 1788 kam er ans Lyzeum (Priesterseminar) in Regensburg, wo er bis 1833 als Professor, Subregens oder Regens an der Ausbildung von über 1500 Priestern mitwirkte, so dass er “der geistige Vater des Bistums” genannt wurde. Daneben war er 25 Jahre lang Dompfarrer und damit Seelsorger für 8000 Gläubige. 1797 begann seine Freundschaft mit Johann Michael Sailer, der 1822 Generalvikar und am 23. Oktober 1829 Bischof von Regensburg wurde. Er machte 1830 Wittmann zu seinem Generalvikar, nachdem dieser schon am 1. Mai 1829 zum Weihbischof ernannt worden war. Doch schon am 20. März 1832 starb Sailer, von Wittmann mit den Sterbesakramenten versehen. Am 25. Juli 1832 wurde Wittmann von König Ludwig I. zum Bischof von Regensburg ernannt. Regierungspräsident Eduard von Schenk hatte dem König berichtet, dass Wittmann “von Protestanten wie Katholiken als ein Heiliger verehrt” werde, ungeachtet seines unerschütterlichen Festhaltens “an den Grundsätzen und Rechten der katholischen Kirche.” Doch Wittman starb am 8. März 1833 nach zwei Wochen heftigster Schmerzen noch vor dem Eintreffen der päpstlichen Bestätigung.

Schon im Juli 1791 hatte ein Blutsturz Wittmann an den Rand des Todes geführt. Die Ärzte gaben ihn auf. Doch augenblicklich wurde er gesund, als er in seiner Todesnot vor einem Marienbild Gott sein Leben zum Opfer darbrachte.

Wittman kämpfte “entschieden gegen den Geist der Aufklärung für strengkirchliche Gesinnung und steht darum in der Ehrenreihe der Führer der kirchlichen Restaurationsbewegung (J. M. Sailer, J. J. v. Görres, G. Zirkel, H. Felder, B. Overberg u. a.)” (Johann Baptist Lehner im LThK, 2. Auflage, Band 10, Freiburg i. Br. 1965). Er wurde zu einem “Wecker katholischen Denkens und Lebens” (ebd.). Was mit dem Geist der Aufklärung gemeint ist, gegen den Wittmann kämpfte, geht aus der Website der Diözese Regensburg hervor, die Wittmann beschreibt als einen “Kämpfer gegen den einseitigen Rationalismus der Aufklärung, die das Übernatürliche mit bloßer Humanität, die unendlich reiche und schöpferische Welt der christlichen Dogmen mit einem dürftigen Moralismus vertauschen wollte.” Im Mischehenstreit 1831 einigte er die Bischöfe Bayerns auf der Basis des kirchlichen Standpunktes.

Karl Hausberger nennt ihn in der dritten Auflage des LThK einen vorbildlichen Seelsorger und Priestererzieher, den geistigen Vater der Armen Schulschwestern (Gründerin: Karolina Maria Theresia Gerhardinger) und durch seine Übersetzung des NT einen Pionier der Bibelbewegung.

Unvergesslich für die Bevölkerung war seine Nächstenliebe. “Im Jahr 1809, als die Franzosen Regensburg erstürmten [am 23. April] und der Brand eine Masse Häuser in Asche legte, schritt Wittmann unter dem Kugelregen durch die Straßen der brennenden Stadt, um die Verwundeten an sichere Orte zu tragen (...) Jährlich verschaffte er einigen hundert Kindern Nahrung, Kleidung und Obdach (...) Täglich fand er sich auch im Waisenhause ein und leistete persönliche Dienste; ebenso war er in den Krankenhäusern der willkommenste Hausfreund, der nicht bloß geistlichen Trost, sondern auch leibliche Hilfe brachte und selbst vor dem Unrate nicht zurückschreckte.” (Rupert Mittermüller OSB in Wetzer und Welte). Heroisch war auch sein Einsatz im Typhusjahr 1813 und während der Hungersnot 1816/17.

Kritisch dagegen beurteilt Georg Schwaiger die Erziehungsmethode Wittmanns, die durch Buchstabenkrämerei und ängstlicher Kontrolle geprägt gewesen sei, wodurch viele Seminaristen bei aller Anerkennung der lauteren und selbstlosen Absicht Wittmanns sich abgestoßen fühlten. “Sicherlich wirkte die Art Johann Michael Sailers in Landshut auf die künftigen Priester weit anziehender als die Praxis Michael Wittmanns, wie denn überhaupt von der Sailerschen Priesterschule auch im Bistum Regensburg die katholische Erneuerung zunächst die fruchtbarsten Anstöße erhalten hat” (Schwaiger, Bavaria Sancta, Band II, Regensburg 1971, S. 322).

Über das Vertrauen, das Sailer in Wittmann setzte, berichtete Melchier von Diepenbrock in seiner Leichenrede: “Sailers Liebe und Verehrung für Wittmann hat sich am rührendsten gezeigt, als er in tödlicher Krankheit sein Bistum ihm empfahl und dann sagte, nun könne er ruhig sterben” (zitiert in: Berthold Lang S.J., Bischof Sailer und seine Zeitgenossen, Regensburg 1932, S. 104).

An veröffentlichten Werken Wittmanns sind zu nennen: Katholische Grundsätze über die Heilige Schrift (1793), Anmerkungen zu den Büchern Mosis (1796), Vom Nutzen des Breviergebetes (1801), Nachrichten vom Geistlichen Seminarium in Regensburg (1803).
Seine posthum erschienene christkatholische Liturgik ist bei googlebooks online.

Am 7. März 1955 wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet.


Die selige Agnes von Langeac

Von P. William Vojtek FSSP

Mutter Agnes von Jesus, besser bekannt unter dem Namen Agnes von Langeac, wurde am 20. November 1994 zugleich mit vier anderen Dienern Gottes, wovon zwei ebenso wie sie selbst dem Dominikanerorden angehörten, in Rom seliggesprochen.

Sie lebte zu Beginn des "großen Jahrhunderts der Seelen", von 1602 bis 1634. Das Licht der Welt erblickte sie in Le Puy, und in dieser geistlichen Hochburg in Frankreich entdeckte sie unter dem wohlwollenden Blick der Jungfrau Maria ihre Berufung zum gottgeweihten Leben.

Sie begann als Terziarin des Dominikanerordens und trat 1623 in das neugegründete Kloster St. Katharina in Langeac ein. Zunächst wurde sie als Laienschwester eingesetzt, dann wurde sie Novizenmeisterin und schließlich zur Priorin gewählt. In diesem Ordensleben mußte sie all die Leiden erfahren, die zur Heiligkeit führen; nichts blieb ihr erspart: Krankheiten, Demütigungen durch den Dämon, Verfolgungen durch ihre eigenen Schwestern und die kirchlichen Vorgesetzten. Gott begünstigte sie aber auch mit außergewöhnlichen mystischen Gnaden, Ekstasen, Bilokationen, und jeden Freitag wurden ihr die Leiden der Dornenkrone zuteil.

Der geistliche Kampf tobte heftig. Agnes lebte von Anfang an - wahrscheinlich ohne sich dessen bewußt zu sein - vollkommen und heroisch ihre Berufung als Dominikanerin in Klausur. Thomas von Aquin lehrt, daß es höher und wertvoller sei, den Nutzen der Kontemplation anderen zukommen zu lassen als nur einfach kontemplativ zu sein. Bei Agnes bildeten contemplatio und actio eine harmonische Einheit. Die Lebensform, die ihr durch die Regel auferlegt war, führte sie direkt zum Gebet und zur Vereinigung mit Gott.

Was die actio betrifft, so ist Agnes genau hierin ein Vorbild für unsere Zeit. Durch ihr Gebets- und Opferleben übte sie über zahlreiche Priester eine geistliche Mutterschaft aus.

Zum vollen Verständnis ihrer Sendung muß auf die Zustände im Klerus des 16. und 17. Jahrhunderts hingewiesen werden. Der sittliche Verfall war sowohl bei Weltgeistlichen als auch bei Ordenspriestern an der Tagesordnung. Die Liebe war bei den Priestern derart erkaltet, daß der hl. Vinzenz von Paul ausrief: "Die Kirche hat keine schlimmeren Feinde als die Priester."

In der Erkenntnis dieses Dramas machten sich die Väter des Konzils von Trient (1545-1563) an eine Reform. Mutter Agnes von Jesus kann in die große Erneuerungsbewegung des Innenlebens im 17. Jahrhundert eingegliedert werden.

Mutter Agnes schenkt also Priestern geistlicherweise das Leben. Ihre Waffen sind betrachtendes Gebet, Buße, Selbsthingabe und eine Tugend von außergewöhnlicher Kraft, die aus ihr die starke Frau macht, von der im Buch der Sprüche die Rede ist.

Papst Johannes Paul II. betonte in seiner Botschaft, die er am Gründonnerstag 1995 an die Priester richtete, die Bedeutung dieser geistlichen Mutterschaft, welche die Frau als Mutter und Schwester dem Priester gegenüber ausüben muß. Die selige Elisabeth von der Heiligsten Dreifaltigkeit hatte dies mit einem berühmt gewordenen Satz begründet: "Das Leben des Priesters ist wie das der Karmelitin [oder Dominikanerin...] ein Advent, der die Menschwerdung Christi in den Seelen vorbereitet." Das Wirken des Priesters ist verschieden von dem der geistlichen Mutter oder Schwester, beide ergänzen sich jedoch im Streben nach dem gleichen Ziel: die Rettung der Seelen.

Damit der Priester Christus den Seelen schenken kann, muß er ihn selber besitzen. Die Aufgabe der Mutter Agnes bestand darin, die Priester zur Vertrautheit mit Christus zu führen.

P. Esprit Panassière, ihr Beichtvater, profitierte als erster von dieser spirituellen Mutterschaft. Seine Aufzeichnungen über das Leben der Mutter Agnes bilden noch heute ein Quellenwerk. Agnes wurde von ihrem Schutzengel und der Muttergottes von den Hindernissen in Kenntnis gesetzt, die den Pater davon abhielten, auf dem Weg der Vollkommenheit voranzuschreiten. Demzufolge tadelte sie ihn wiederholt mit Entschiedenheit und wies ihn darauf hin, auf welchem Gebiet er den Kampf führen müsse.

Die Priesterseele, die Mutter Agnes am meisten verdankt, ist zweifellos Abbé Jean Jacques Olier. Da Gott ihn dazu bestimmt hatte, Seminare zu gründen und den Klerus zu erneuern, mußte er mit seiner eigenen Erneuerung den Anfang machen.

Als Agnes eines Tages den Herrn anflehte, er möge sie zu sich holen, damit sie ihn in der Ewigkeit schauen könne, sprach er zu ihr: "Ich brauche dich noch für eine Seele; ich will, daß du sie ganz für mich gewinnst." Etwas später verdeutlichte ihr die Muttergottes den Auftrag: "Bete zu meinem Sohn für den Abt von Prébac!"

Es handelte sich um Abbé Olier, Pfründeninhaber dieser Abtei. Agnes machte sich ans Werk, um den Auftrag des Himmels in Treue zu erfüllen. Drei Jahre lang betete sie, opferte sie sich und vergoss Tränen, um die Bekehrung dieses Unbekannten zu erlangen. Wenn Gott eine Seele zu einem hohen Grad von Vollkommenheit beruft, kann er außergewöhnliche Gnaden zulassen, damit sein Wille sich erfüllt. So gewährte er Agnes die Gabe der Bilokation. Olier machte gerade Exerzitien, die der hl. Vinzenz von Paul in Paris predigte, als eine Nonne in sein Zimmer trat und ihm mit den Worten "Ich weine für dich" ein Kruzifix und einen Rosenkranz zeigte. Diese Vision wiederholte sich noch einmal. Das war im Frühjahr 1634.

Olier erkannte seine Mission, als er kurze Zeit nach dieser Erscheinung auf der Reise nach Prébac die Auvergne durchquerte und in Langeac haltmachte. Es kam ihm das Gerücht zu Ohren, daß die Priorin der Dominikanerinnen eine Heilige sei. Mutter Agnes empfing den jungen Abbé im Sprechzimmer und teilte ihm mit: "Sie haben mich zweimal in Paris gesehen, wo ich Ihnen während Ihrer Exerzitien in St. Lazare erschien, weil ich den Befehl erhalten hatte, für Ihre Bekehrung zu beten, denn Gott hat Sie dazu berufen, die ersten Grundlagen für die Seminare des französischen Köngreiches zu schaffen... Während Sie handeln, werde ich beten."

Die Ausführung des Werkes Gottes brachte häufige Begegnungen zwischen Abbé Olier und Mutter Agnes mit sich. Sie nutzte diese, um ihn die Liebe zum Kreuz und zur Jungfrau Maria zu lehren.

Es war ihr jedoch klar, daß eine Ordensfrau nicht den geistlichen Führer eines Priesters ersetzen könne. Sie wählte Pater de Condren, Superior der französischen Oratorianer, als Hilfe für Olier. Unter dieser Führung überließ er sich ganz dem Wirken des Heiligen Geistes und übernahm außerdem die wesentlichen Züge der Lehre der französischen Schule der Spiritualität.

Olier wirkte bekanntlich sehr segensreich für die Kirche, besonders im Hinblick auf die Ausbildung der Priester. Man kann die selige Agnes mit Recht die spirituelle Mutter der französischen Seminare nennen.

Seit ihrem Heimgang zu Gott setzt Mutter Agnes ihr Wirken fort. Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort zitierte sie in seiner Abhandlung über die wahre Andacht zu Maria als Vorbild für die Ganzhingabe an Maria.

In jüngerer Vergangenheit schrieb P. Hyacinte-Marie Cormier, General des Dominikanerordens und am gleichen Tag wie Mutter Agnes seliggesprochen, zwanzig Jahre nach seinem Eintritt ins Ordensleben: "Ehrwürdige Mutter Agnes, Ihnen verdanke ich die Anfänge meiner Berufung. Mögen Sie mir die Gnaden vermitteln, alle Verpflichtungen, die diese Berufung verlangt, in Treue zu erfüllen, die innere Sammlung mit der äußeren Tätigkeit zu vereinen, die Nächstenliebe mit der Selbstverleugnung zu verbinden."

Die Worte dieses Gebetes könnten Mutter Agnes' letzte Empfehlungen an die Priester sein. Wir können sie auch in ein Gebet für die Priester und zukünftigen Priester umformen. Der Weg der Heiligkeit ist rauh und schwer, die Priester bedürfen des Gebetes der Gläubigen.


Vinzenz von Paul

Von Elisabeth Pal

Die Bedeutung des hl. Vinzenz von Paul geht etwa aus einem Brief hervor, den die Behörden von Rethel 1651 an ihn selbst gerichtet haben: "Niemand hat bis heute Mitgefühl mit unserem Unglück gehabt außer Ew. Hochwürden und Ihre Mitarbeiter. Seit zwei Jahren erfährt die Champagne und besonders diese Stadt nur Liebestaten, die Sie gewähren. Das ganze Land wäre heute verlassen, alle zurückgebliebenen Einwohner verhungert, wenn Sie nicht mit der Sendung eines Ihrer Häuser zuvorgekommen wären...das ganze Land ist Ihnen verpflichtet."

Vinzenz von Paul wurde am 24. April 1581 in eine kinderreiche Familie von niederem Stand geboren. Schon sehr früh hatte er mit seinem schweren, griesgrämigen Gemüt zu kämpfen. Die Zeit, in der er lebte, war von Krieg und Arbeit geprägt - die Familie war sehr arm. Mit zwölf Jahren allerdings besuchte er die Lateinschule in Dax und 1597, mit 16 Jahren, studierte er Theologie in Toulouse. Durch seine Intelligenz und seinen Fleiß konnte er einem Nebenverdienst als Hauslehrer in reichen Familien nachgehen. Drei Jahre später wurde er zum Priester geweiht. Dies entsprang anfangs nicht einer Berufung, sondern war eher seiner Karriereversessenheit und dem Wunsch nach einer Pfarrei zuzuschreiben. Damit war er aber nicht allein. Die meisten Priester des damaligen Frankreich hofften mehr auf eine steile Karriere, als sich um die Belange ihrer Gemeinde zu kümmern. 1605 bewarb sich Vinzenz von Paul um einen Bischofssitz in Bordeaux - jedoch vergeblich. Und dies ist charakteristisch für seine ersten Jahre. Vinzenz stürzte sich stets in hohe Schulden, um in seiner Ämterlaufbahn aufzusteigen, musste aber immer wieder Enttäuschungen hinnehmen.

Die Jahre von 1605-1607 sind umstritten. Es gibt Spekulationen, dass er Sklave in Nordafrika war. Sicher ist aber, dass er sehr verarmt und verschuldet war und sich mit Alchemie beschäftigt hatte. Als er 29 Jahre alt ist, tritt eine tiefgreifende Wende ein. Ihm wird eine Stelle als Aumônier Marguérites von Valois (1553 - 1615) angeboten, welche er auch annimmt. Nun ist er für die Almosenverteilung, das Lesen der heiligen Messe und für ein Hospital verantwortlich. Obwohl er jetzt genau die Mittel dazu hätte, sein bisheriges Erfolgsstreben zu befriedigen, lässt dieses nun nach, während seine christliche Liebe mehr und mehr zunimmt.

Er verzichtet sogar auf sein väterliches Erbe, um sich ganz den Kranken und Armen zu widmen. In dieser Zeit lernt er Pierre de Bérulle kennen, der sein großes Vorbild wird und dem er anfangs mit absolutem Gehorsam untersteht. Auf dessen Wunsch hin tritt Vinzenz 1613 eine neue Stelle als privater Hauslehrer des ältesten Sohnes der Familie de Gondi in Paris an. Dort wird er auch Seelenführer der Madame de Gondi, die stark von Skrupeln gequält wird. Sie unterstützt ihn nicht nur finanziell, sondern auch persönlich bei seinen Volksmissionen, mit denen er 1617 beginnt. Im selben Jahr wird ihm auch die Pfarrei in Châtillon-les-Dombes zugeteilt. Er verlässt die Famile de Gondi, um sich dem geistig verwahrlosten Zustand der Gemeinde zuzuwenden. Durch seinen unermüdlichen Tatendrang, sein glänzendes Vorbild - und nicht etwa duch leere Diskussionen - schafft er es, viele Seelen zu bekehren. So sagt er selbst: "Wenn man mit jemandem disputiert, so merkt dieser, dass man die Oberhand behalten will. Darum bereitet er sich eher zum Widerstand vor als zur Erkenntnis der Wahrheit."

Als er auf Wunsch der Gondis nach Paris zurückkehren muss, nimmt er sich Galeerensträflingen an, gibt Priesterexerzitien und baut 1631 sogar ein Priesterhaus in Rom. Auch gründet er in Paris die Confrérie de la Charité, eine Bruderschaft, die 1632 zur ständigen Einrichtung wird, nachdem den Brüdern der Gebäudekomplex Saint Lazare geschenkt worden war, der ihnen ihren Namen, die Lazaristen, gab.

Ziel seiner Bemühungen ist aber immer, das marode Kirchensystem in Frankreich zu reformieren. Dazu musste seiner Ansicht nach zuerst eine solide Basis, bestehend aus gut geschulten Priestern, geschaffen werden. "Ist in der Welt etwas Größeres denkbar als der Priesterstand? Nicht Fürstentümer und Königreiche sind ihm vergleichbar. Kein König vermag, wie der Priester, Brot in den Leib unseres Herrn zu wandeln und Sünden nachzulassen. Wir sind von Gott aufgerufen, an seinem Meisterwerk zu arbeiten, denn es ist ein Meisterwerk, in dieser Welt gute Priester heranzubilden."

Aus losen Zusammenkünften der Lazaristen-Brüder bilden sich bald die "conférences des mardis" (Dienstagskonferenzen), die sich vor allem um die Gemeinden in den Städten kümmern. Auch in diesem Wirkungsbereich steht ihm stets Madame de Gondi zur Seite.

Bei diesen Gründungen bleibt es nicht. 1633 entsteht in Zusammenarbeit mit der hl. Louise de Marillac die Compagnie des Filles de la Charité. Deren Mitglieder, die Töchter der christlichen Liebe oder Vinzentinerinnen nehmen sich der armen Menschen in den Provinzen an, die vom gerade tobenden 30-jährigen Krieg verwüstet worden sind.

Bald findet er auch die Unterstützung in der gehobenen Gesellschaft. Damen, die sehr intelligent, reich und wegen ihrer Schönheit meist auch sehr umworben sind, treten der neuen Laienvereinigung Dames de la Charité bei.

In den Jahren 1640 bis 1660 kommen schwere Zeiten auf Vinzenz und seine Helfer zu. Der 30-jährige Krieg hat ein Bild der Zerstörung hinterlassen. Die Bevölkerung nagt am Hungertuch, während ständig Plünderungen drohen. Nach dem Tod König Ludwigs XIII. im Jahr 1643 war es zudem zu innenpolitischen Auseinandersetzungen gekommen, die zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führten, unter denen jetzt vor allem das einfache Volk zu leiden hat. Gerade in dieser Zeit leisten seine Organisationen und er Großartiges. Vinzenz selbst sagt, dass das zwar für alle viel Arbeit bedeute, aber "...welche Ernte ist für den Himmel einzubringen in dieser Zeit, in der das Elend vor unseren Türen so groß ist. Das Kommen des Gottessohnes ist, wie das Evangelium sagt, für sehr viele Ruin und Erlösung, und irgendwie können wir dasselbe von diesem Kriege sagen. Er wird Ursache der Verdammung zahlloser Menschen sein, aber Gott wird sich seiner auch bedienen, um die Gnade, die Rechtfertigung und den Ruhm für viele zu wirken. Wir haben Grund zu dieser Hoffnung, und ich bitte unseren Herrn darum." Vinzenz nimmt sich vor allem der Findelkinder an, hilft mit Suppenküchen und Spenden und erlässt Hygienevorschriften, um Seuchen zu vermeiden.

Von Anna d’Autriche, die für ihren Sohn, den vierjährigen Ludwig XIV., die Regentschaft übernommen hat, wird Vinzenz in den Conseil de conscience gewählt. Dies bietet ihm die Möglichkeit, seinen Einfluß auf die Wahl geeigneter Persönlichkeit zur Besetzung von Bischofsstühlen und kirchlicher Ämter geltend zu machen. Aus einem Brief Fenelons an Papst Clemens XI. ist uns dieses Zeugnis über den Heiligen überliefert: “In diesem Mann Gottes erstrahlte eine unglaubliche Unterscheidungsgabe der Geister und eine ganz besondere Festigkeit. Er schaute weder auf die Gunst noch auf den Hass der Großen, er hatte nur die Interessen der Kirche im Auge zur Zeit, wo er im Gewissensrat auf Befehl der Königin Anna von Österreich, der Mutter des Königs, sein Urteil abgab über die Wahl der Bischöfe.”

Die Arbeit mit den Bedürftigen ändert ihn von Grund auf. Er schafft es, seine niedergeschlagene Art zu überwinden und strahlt am Schluss nur noch Heiterkeit, Liebe und Demut aus. Gerade letztere Eigenschaft versuchte er stets in seinem Leben zu verwirklichen: "Ich fand nie ein anderes oder geeigneteres Mittel zur Verwirklichung und Bewahrung der Einheit und Liebe mit Gott und dem Nächsten als die heilige Demut. Sie kommt an erster, zweiter, dritter, vierter und schließlich an letzter Stelle." Auch die Freundschaft mit dem hl. Franz von Sales und der hl. Jeanne Françoise de Rabutin-Chantal beeinflussen ihn positiv und helfen ihm, seine Fehler zu überwinden.

Seine letzten Jahre bedeuten für ihn ein schweres Kreuz, das er bedingunglos trägt. Er erkrankt mehrere Male an einem schweren Fieber und erleidet sogar 1650 einen Unfall mit dem Wagen. Sein Zustand verschlechtert sich zusehends. Bald kann er weder die hl. Messe feiern noch Saint Lazare verlassen. Am 27. September 1660 stirbt er mit 79 Jahren. Hohe Würdenträger und ein Vertreter des Papstes erweisen ihm die letzte Ehre.

Ein Unbekannter fasste das in Worte, was damals viele von ihm hielten und was er für uns sein sollte: "...Nie habe ich etwas an ihm gesehen, was nicht heilig - nicht groß gewesen wäre. Immer habe ich in ihm den apostolischen Menschen erblickt, voll des Geistes Gottes – mit einem Wort, den Heiligen unserer Tage."

Quellen:
Kühner, Hans: Vinzenz von Paul, Köln, J.P. Bachem Verlag, 1963
Kranz, Gisbert: Sie lebten das Christentum - 28 Biographien, Regensburg, Verlag Friedrich Pustet, 1978.

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