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Die Art und Weise, vertraulich mit Gott umzugehen

Vom hl. Alfons Maria von Liguori

1. Als der heilige Mann Job betrachtete, welche Sorge Gott fortwährend um das Wohl der Menschen trägt, so dass es scheint, es liege Ihm nichts mehr am Herzen, als uns zu lieben und unsere Gegenliebe zu erlangen, rief er aus: “Was ist der Mensch, dass du ihn erhebest, oder warum wendest du dein Herz ihm zu” (Job 7,17).

Daraus sieht man, dass man sich irrt, wenn man glaubt, man fehle an der Achtung, die man der unendlichen Majestät Gottes schuldig ist, wenn man sich Ihm mit großem Vertrauen und voll Offenherzigkeit nähert. Freilich müssen wir Gott voll Demut verehren und uns in Seiner Gegenwart erniedrigen, besonders wenn wir daran denken, wie undankbar wir gewesen sind und welche Beleidigungen wir Ihm früher zugefügt haben, aber das darf uns dennoch nicht abhalten, mit der innigsten und vertrauensvollsten Liebe, deren wir nur fähig sind, mit Ihm umzugehen. Gott ist die unendliche Herrlichkeit, aber Er ist auch die unendliche Güte und Liebe. Wir können uns keinen mächtigeren Herrn denken als Gott, aber wir können uns auch niemanden vorstellen, der uns inniger lieben könnte als Er. Gott ist nicht ungehalten auf uns, nein, Er freut sich, wenn wir mit demselben Vertrauen, mit derselben Offenherzigkeit und Zärtlichkeit, die ein Kind zu seiner Mutter trägt, mit Ihm umgehen. Er selbst lädt uns ein, uns Ihm zu nähern, und verspricht uns den zärtlichsten Empfang: “An den Brüsten wird man euch tragen, und auf den Knien euch liebkosen: wie einen, der seine Mutter liebkoset, so will ich euch trösten” (Is 66,12). Gleichwie eine Mutter ihre Freude daran findet, wenn sie ihr geliebtes Kind auf den Schoß nehmen, es da nähren und liebkosen kann, ebenso freut sich Gott, wenn Er auf gleiche Weise Seelen behandeln kann, die sich Ihm ganz geschenkt haben und die auf Seine Güte all ihr Vertrauen setzen.

2. Sei überzeugt, geliebte Seele, dass du keinen Freund, keinen Bruder, keinen Vater, keine Mutter, keinen Gatten, dass du niemanden hast, der dich mehr liebt als dein Gott. Die Gnade Gottes ist jener Schatz, durch den wir aus verächtlichen Geschöpfen und Knechten die geliebten Freunde unseres Schöpfers werden: “Denn sie ist ein unerforschlicher Schatz für die Menschen, wer ihn benutzet, wird der Freundschaft Gottes teilhaftig” (Weish 14). Um unser Vertrauen zu vermehren, hat Gott Sich selbst vernichtet, Er ist Mensch geworden, damit Er um so vertraulicher mit uns umgehen könne: “Er wandelte unter den Menschen” (Baruch 3,38).

Damit unser Vertrauen zu Ihm wachse, ist er als Kind auf Erden erschienen, ist er arm geworden, hat er am Kreuze sterben wollen, bleibt Er unter den Gestalten des Brotes bei uns, wird er unser Genosse auf Erden, vereinigt Er Sich aufs innigste mit uns: “Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinket, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm” (Jo 6,56). Aus dem allem siehst du, geliebte Seele, dass Seine Liebe zu dir so groß ist, dass es scheint, Er liebe nur dich alleine; so musst denn auch du nichts anderes als Gott allein lieben, so dass du Ihm mit der Braut im Hohenlied zurufen könnest: “Mein Geliebter ist mein und ich bin sein.” Gott hat sich ganz mir geschenkt, ich will Ihm ganz angehören, Er hat mich als Gegenstand Seiner Liebe erwählt, ich will nur Ihn alleine lieben: “Mein Geliebter ist weiß und rot, auserwählt aus Tausenden” (Hl 5,15).

3. Du mußt häufig zu Gott sprechen: Warum liebst Du mich so sehr? Was findest Du Gutes an mir? Hast Du vergessen, wie oft ich Dich beleidigt habe? Wäre es möglich, daß ich in der Folge etwas anderes liebte als Dich, mein höchstes Gut, mein alles, der Du statt mich zur Hölle zu verdammen, wie ich es verdient habe, mich mit Gnaden überhäufest. Liebenswürdigster Gott! Am meisten betrübt es mich, daß ich durch meine früheren Sünden Dir, der Du eine unendliche Liebe verdienst, mißfallen habe, und dieser Gedanke schmerzt mich mehr, als wenn ich an die Strafe denke, die ich dafür verdient habe. “Aber ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wirst Du, o Gott nicht verachten” (Ps 50,19). O wenn ich doch in der Folge in diesem und in jenem Leben nichts wünschte als Dich allein: “Was habe ich im Himmel, und was liebe ich auf Erden außer Dir, Gott meines Herzens und mein Teil in Ewigkeit” (Ps 72,26). Du allein bist und bleibst der alleinige Herr meines Herzens, meines Willens, Du allein bist mein einziges Gut, mein Himmel, meine Hoffnung, meine Liebe, mein alles: “Gott meines Herzens, mein Teil in Ewigkeit!"

4. Um dein Vertrauen auf Gott, geliebte Seele, zu vermehren, so bedenke häufig, wie liebevoll Er dich bisher geleitet, welche Mittel Er angewandt hat, damit du der ungeordneten Lebensweise, die du früher geführt, und der Anhänglichkeit an irdische Dinge entsagen mögest, und damit Er dich bewege, Ihn zu lieben. Wenn du entschlossen bist, Gott zu lieben und Ihm so sehr zu gefallen, als du es nur vermagst, so mußt du fürchten, wenn du nur mit geringem Vertrauen dich deinem Gott nahest. Die Barmherzigkeit, die Gott an dir geübt hat, ist das sicherste Zeichen der Liebe, die Er zu dir trägt. Es mißfällt aber Gott, wenn Seelen, die Ihn wahrhaft lieben und die Er liebt, Ihm noch mißtrauen. Wenn du also Seinem liebevollen Herzen gefallen willst, so mußt du von heute an mit dem größten Vertrauen, mit all der Zärtlichkeit, deren du fähig bist, mit Gott umgehen: “Siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet, deine Mauern sind immerdar vor meinen Augen” (Is 49,16). Warum fürchtest du dich, geliebte Seele? Warum bist du so zaghaft? Ich, dein Gott, habe dich in meine Hände gezeichnet, damit ich nie vergesse, dir Gutes zu erweisen. Fürchtest du etwa deine Feinde? Wisse, daß ich stets darauf bedacht bin, dich zu verteidigen, da es mir unmöglich ist, dich zu vergessen. Deshalb rief David jubelnd aus: “Herr, wie mit einem Schilde hast Du mit Deinem guten Willen uns gekrönt” (Ps 5,13). Wenn Du, o Herr, mit Deiner Güte und Liebe uns verteidigst und von allen Seiten beschützest, wer kann alsdann uns schaden? Aber vor allem mußt du dein Vertrauen stärken durch den Gedanken an das große Geschenk, das Gott gemacht, da Er uns Jesum Christum gegeben hat: “Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingab” (Jo 3,16). Wie können wir auch nur fürchten, ruft der Apostel aus, daß Gott uns noch irgend ein Gut versagen werde, nachdem Er uns Seinen eigenen Sohn geschenkt hat: “Für uns alle hat er ihn gegeben, sollte er nicht auch mit ihm uns alles geschenkt haben?” (Röm 8,32).

5. “Meine Lust ist es, bei den Menschenkindern zu sein” (Spr 8,31). Das Herz des Menschen ist, so zu sagen, ein Paradies für Gott. Gott liebt dich, so liebe denn auch du deinen Gott. Es gewährt Ihm Freude, wenn Er bei dir sein kann; lasse es denn auch deine Freude sein, mit Ihm vereinigt zu leben und dein ganzes Leben hindurch bei dem zu bleiben, in dessen liebenswürdigster Gesellschaft du die selige Ewigkeit zuzubringen hoffst.

6. Gewöhne dich denn also, geliebte Seele, ganz allein und verborgen, vertraulich und voll Zuversicht mit Gott zu reden, gleichwie mit deinem teuersten und geliebtesten Freunde. Wie gesagt, es ist ein großer Irrtum, wenn man meint, zaghaft und wie ein ängstlicher Sklave, der furchtsam und zitternd seinem Herrn nahet, mit Gott umgehen zu müssen. Aber man würde sich noch mehr irren, wenn man meinte, der Umgang mit Gott sei bitter und langweilig: “Denn sein Umgang hat nichts Bitteres und seine Gesellschaft nichts Widriges” (Weish 7,16). Frage jene Seelen, die wahrhaft Gott lieben, und sie werden dir bekennen, daß sie in den Leiden des Lebens keinen größeren Trost finden als den liebevollen Umgang mit Gott.

7. Man verlangt nicht von dir, daß du unausgesetzt deinen Geist anstrengst, und deshalb deinen gewöhnlichen Beschäftigungen und der erlaubten Erholung entsagest, man will nichts anderes, als daß, ohne deine gewöhnlichen Beschäftigungen zu verlassen, du dich gegen Gott ebenso verhältst wie gegen jene, die du liebst und die dich lieben.

8. Gott ist immer in deiner Nähe, Er ist in deinem Herzen: “Denn in Ihm leben wir, und bewegen uns und sind wir” (Apg 17,28). Du brauchst dich nicht durch einen Dritten anmelden zu lassen, denn Gott wünscht, daß du dich voll Vertrauen unmittelbar an Ihn wendest. Rede mit Ihm von deinen Geschäften, von deinen Plänen, von deinen Leiden, von deinen Ängsten, von allem, was dein ist. Tue das mit großem Vertrauen und offenherzig, denn Gott pflegt nicht mit denen zu reden, die sich nicht zuerst an Ihn wenden; auch würden sie Ihn nicht verstehen, da sie sich nicht an Seinen Umgang gewöhnt haben. Darüber beklagt sich Gott im Hohenlied (Hl 8,8), da Er fragt: “Unsere Schwester ist klein, was sollen wir mit ihr tun?” Ihre Liebe ist so gering, was soll ich tun, sie versteht mich noch nicht! Wenn wir Gottes Gnade verachten, dann will Er, daß wir in Ihm einen mächtigen und furchtbaren Herrn kennenlernen, aber solange wir Ihn lieben, will er, daß wir Ihn gleich wie unseren geliebtesten Freund behandeln, und daß wir voll Vertrauen und ohne alle Scheu mit Ihm reden.

9. Es ist wahr, daß du Gott immer die größte Ehrfurcht erweisen mußt, aber wenn Er dir die Gnade erzeigt und dir deutlich Seine Gegenwart und Seinen Wunsch zu erkennen gibt, daß du mit Ihm, der dich über alles liebt, redest, dann mußt du offen und voll Vertrauen ausrufen: “Gott kommt denen zuvor, die nach Ihm verlangen, um sich ihnen zu zeigen” (Weish 6,14). Wenn du Ihn wahrhaft zu lieben begehrst, so wartet Er nicht ab, daß du Ihm entgegengehst, nein, Er kommt dir zuvor und bietet dir die Gnaden und Heilsmittel an, derer du bedarfst. Er wartet nur darauf, daß du Ihn anredest, um dir zu zeigen, wie nahe Er dir ist, und wie bereit Er ist, dich zu erhören und zu trösten.

10. Weil Gott unermeßlich ist, so ist Er allenthalben gegenwärtig; aber Er befindet sich an zwei Orten auf eine ganz besondere Weise, nämlich im Himmel, wo Er in Seiner Glorie, die Er den Heiligen mitteilt, thront - und auf Erden, in einer demütigen Seele, die Ihn liebt: “Denn er wohnt bei denen, die zerknirscht und demütigen Geistes sind” (Is 57,15). Obschon Gott in Seiner Herrlichkeit im Himmel wohnt, so verschmäht Er es dennoch nicht, Tag und Nacht Sich mit Seinen treuen Dienern in Einöden und stillen Kammern zu unterhalten, um ihnen daselbst jene göttlichen Tröstungen zukommen zu lassen, deren einzige alle Freuden der Welt weit übertrifft, und die man nur deshalb nicht wünscht, weil man sie nicht kennt: “Verkostet und seht, denn der Herr ist süß” (Ps 33,9).

11. Freunde kommen an festgesetzten Stunden zusammen, um sich miteinander zu unterhalten, müssen sich aber wieder trennen; allein wenn du willst, brauchst du dich nie von Gott zu trennen: “Du wirst ruhen, und dein Schlaf wird süß sein, denn der Herr ist zu deiner Rechten” (Spr 4). Gott wacht an deiner Seite, wenn du schläfst, Er verläßt dich nicht, Er denkt unausgesetzt an dich, damit wenn du in der Nacht erwachst, Er durch Seine Einsprechungen mit dir reden, von dir einige Akte der Liebe, der Hingabe in Seinen Willen und der Danksagung empfangen könne, und damit Er auf solche Weise Seine süße und liebevolle Unterhaltung mit dir nie unterbreche. Ja, manchmal läßt dich Gott sogar, während du schläfst, Seine Stimme vernehmen, damit, nachdem du erwacht bist, du sogleich Seinen Willen erfüllen könnest: “Im Traum will ich zu ihm reden” (Nm 12,6).

12. Früh Morgens, wenn du erwachst, erwartet dich der Herr, um einige Worte der Liebe und des Vertrauens von dir zu vernehmen, Er wartet, um deine ersten Gedanken und alle Handlungen, die du den Tag über aus Liebe zu Ihm verrichten, um alle Leiden, die du, um Ihn zu verherrlichen, erdulden willst, in Empfang zu nehmen. Aber gleichwie Er alsdann nie ermangelt, Sich einzustellen und dich zu wecken, so darfst auch du nie unterlassen, Ihn sogleich liebevoll anzublicken und dich zu freuen über die fröhliche Nachricht, daß dein Gott nicht mehr, gleich wie zu jener Zeit, da die Sünde dich von Ihm trennte, fern ist, du mußt dich alsbald freudig daran erinnern, daß Er dich liebt, daß Er deine Liebe begehrt, daß Er Selbst dir zuruft: “Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, aus deinem ganzen Herzen” (Nm 6,5).

13. Mache es nicht wie die meisten Menschen, fliehe niemals die süße Gegenwart Deines Gottes, rede mit Ihm, sooft du kannst, denn Er wird deshalb nie ungeduldig und ungehalten, gleich den Herren dieser Welt; wenn du Ihn wahrhaft liebst, so wirst du Ihm auch jedesmal etwas mitzuteilen haben. Erzähle Ihm alles, was dich und deine Angelegenheiten betrifft, gleich als ob du einen guten Freund vor dir hättest. Du mußt nicht meinen, Gott gleiche einem mächtigen Fürsten, der nur mit vornehmen Leuten umgehen will, und der nur über wichtige Angelegenheiten reden mag. Gott läßt Sich gerne zu uns herab, Er freut Sich, wenn wir Ihm unsere kleinsten und unbedeutendsten Angelegenheiten mitteilen. Er liebt dich so sehr und trägt so große Sorge um dich, daß es scheint, Er habe an nichts anderes als an dich allein zu denken. Er ist so sorgfältig auf deinen Vorteil bedacht, daß es scheint, als ob Seine Vorsehung Ihm nur dazu diene, dir beizustehen, Seine Allmacht, dir zu helfen, Seine Barmherzigkeit und Güte, Mitleid mit dir zu tragen, dir Gutes zu tun, und durch Seine zarte Liebe dein Vertrauen, deine Liebe zu gewinnen. So öffne du Ihm denn auch ganz freimütig dein Inneres und bitte Ihn, Er wolle dich also leiten, daß du immer aufs vollkommenste Seinen heiligen Willen erfülltest, und daß alle deine Wünsche und Pläne nichts anderes bezwecken als Sein Wohlgefallen: “Bitte Gott, daß er deine Wege leite, und daß alle deine Anschläge in ihm verbleiben” (Tob 4,20).

14. Wende nicht ein, daß es unnötig sein würde, Gott deine Bedürfnisse mitzuteilen, da Er sie besser kenne als wir selbst. Er kennt sie, aber Er handelt gegen uns, als ob Er nichts wisse von all dem, was wir Ihm verschweigen, und um was wir bei Ihm keine Hilfe suchen. Unser Heiland wußte, daß Lazarus gestorben war, aber Er gab dies erst zu erkennen, nachdem Magdalena es Ihm gesagt hatte, worauf Er sie alsbald mit dem Versprechen tröstete, daß ihr Bruder auferstehen werde.

15. Auch mußt du, wenn eine Krankheit, eine Versuchung oder Verfolgung über dich kommt, alsbald zum Gebete deine Zuflucht nehmen, damit der Herr dir beistehe. Es genügt, wenn du Ihm zurufst: Blicke auf mich, o Gott, denn ich werde geplagt. Er wird dich alsdann gewiß trösten oder dir wenigstens Kraft geben, geduldig dein Leiden zu ertragen, was dir oft nützlicher sein wird, als wenn Er dich ganz davon befreite. Sage Ihm, welche Gedanken dich peinigen, was du fürchtest, warum du traurig bist, sprich zu Ihm: O mein Gott! Auf Dich setze ich alle meine Hoffnung, ich opfere Dir dies Leiden auf, ich ergebe mich ganz in Deinen heiligen Willen, habe Mitleid mit mir, befreie mich von der Last, die mich niederdrückt, oder gib mir wenigstens Kraft, sie zu tragen. Das Versprechen, das Er im Evangelium gegeben hat, alle Leidenden zu trösten und ihnen, sooft sie zu Ihm ihre Zuflucht nehmen, beistehen zu wollen, wird Er alsdann erfüllen: “Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken” (Mt 12,18).

16. Gott wird nicht unwillig, wenn du in deinen Leiden Trost bei deinen Freunden suchst, aber Er will, daß du hauptsächlich zu Ihm deine Zuflucht nehmest. Hast du dies unterlassen, so mußt du wenigstens, nachdem du bei den Geschöpfen Hilfe gesucht und keinen Trost gefunden hast, dich zu deinem Schöpfer wenden und Ihm sagen: Herr, die Menschen haben nur Worte, sie können mich nicht trösten, ich entsage jetzt ihren Tröstungen, Du allein bist meine Hoffnung, meine Liebe. Tröste mich, o mein Gott! Gib, daß mein Trost darin bestehe, jetzt zu tun, was Dir am meisten gefällt, ich bin bereit, dies Leiden mein ganzes Leben hindurch zu erdulden, ich will es die ganze Ewigkeit ertragen, wenn es Dir also gefällt, stehe Du mir nur bei.

17. Fürchte nicht, daß du Gott mißfallest, wenn du manchmal dich zärtlich bei Ihm beklagst und Ihm sagst: Herr, warum bist Du so fern von mir? Du weißt, mein Gott, daß ich nichts anderes als Deine Liebe begehre, komme mir aus Liebe zu Hilfe, verlasse mich nicht! Dauert dein Leiden zu lange, ist deine Angst allzu groß, so mußt du dich dem betrübten und sterbenden Jesus am Kreuze vereinigen, und um Barmherzigkeit flehen und ausrufen: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” (Mt 27,46). Deine Leiden müssen dir dazu dienen, dich immer mehr vor Gott zu verdemütigen, wenn du bedenkest, daß, wer Gott beleidigt hat, keinen Trost verdient, und um dein Vertrauen zu vermehren, da du weißt, daß Gott uns alle Leiden für unser Bestes schickt oder daß Er sie deshalb zuläßt: “Alles wirkt ihnen zum Guten” (Röm 8,28). Wenn du aber von Mißtrauen und Angst gepeinigt wirst, so rufe voll Zuversicht aus: “Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten?” (Ps 26). Du mußt meinen Verstand erleuchten. Du mußt mich retten, auf Dich vertraue ich: “Auf Dich, Herr, hoffe ich, lasse mich nimmermehr zuschanden werden” (Ps 30,1). Du mußt dich mit dem Gedanken beruhigen, daß niemand, der auf Gott sein Vertrauen gesetzt hat, verlorengegangen ist: “Keiner, der auf den Herrn gehofft hat, ist zuschanden geworden” (Sir 2,10). Bedenke, daß Gott dich mehr liebt, als du selbst dich lieben kannst, was fürchtest du denn also? Tröste dich mit den Worten Davids: “Der Herr sorgt für mich” (Ps 39,18). Herr, ich übergebe mich ganz Dir, ich will nur daran denken, wie ich Dich lieben, wie ich Dir wohlgefallen kann; siehe, ich bin bereit zu tun, was Du von mir verlangst. Du wünschest nicht nur, daß es mir wohlergehe, nein, Du selbst trägst Sorge für mein Bestes, mögest Du selbst die Mittel für mein Heil ausfindig machen. Ich verlasse mich auf Dich, ich will mich stets auf Dich verlassen, denn Du willst, daß ich immer alle meine Hoffnung auf Dich allein setze: “Ich schlafe in Frieden und ruhte, denn Du, Herr, hast mich vollkommen festgestellt in der Hoffnung” (Ps 4,9).

18. “Denket gut von dem Herrn” (Weish 1). Der Weise lehrt uns durch diese Worte, daß unser Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit weit größer als die Furcht vor Gottes Gerechtigkeit sein muß, weil Gott uns unendlich lieber Wohltaten als Strafen zukommen läßt, denn nach dem heiligen Jakobus “erhebt sich die Barmherzigkeit über das Gericht” (Jak 2,13). Deshalb lehrt uns der heilige Petrus, daß, wenn wir uns fürchten wegen unseres zeitlichen oder ewigen Wohlergehens, wir uns unbedingt der Barmherzigkeit Gottes hingeben müssen, da Er die größte Sorge für uns trägt: “Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er sorget für euch” (Petr 5,7). Wenn wir das bedenken, so erkennen wir, daß David Recht hatte, wenn er sagte: “Unser Gott ist ein Gott voll der Sorge, uns selig zu machen” (Ps 67,21); was nach der Auslegung Bellarmins sagen will, daß es Gottes eigentliches Geschäft ist, nicht zu verdammen, sondern alle selig zu machen, und daß, obgleich Er denen, die Ihn verachten, Seine Ungnade drohe, Er doch sicher Seine Barmherzigkeit allen verheiße, die Ihn fürchten, nach den Worten Mariens: “Seine Erbarmung kommt über jene, die ihn fürchten” (Lk 2). Ich stelle dir, geliebte Seele, alle diese Texte der Heiligen Schrift vor Augen, damit, wenn der Gedanke dich ängstigt, du könnest nicht selig werden, du seiest nicht auserwählt, dich der Blick auf die Verheißungen, die Gott dir fürs ewige Leben gegeben hat und Sein Wunsch, dich zu retten, wenn du entschlossen bist, Ihm zu dienen, Ihn zu lieben, deine arme Seele tröste.

19. Geht es dir gut, so mußt du ja nicht dem Beispiel der meisten undankbaren und untreuen Menschen folgen, die zur Zeit der Leiden zu Gott ihre Zuflucht nehmen, die aber, wenn heitere Tage folgen, Ihn vergessen und verlassen. Beweise du alsdann Gott dieselbe Treue, die du einem geliebten Freunde, der Teil an deinem Glücke nimmt, beweisen würdest; teile Ihm alsbald deine Freude mit, preise Ihn, danke Ihm, bekenne, daß alles Gute von Gott kommt, erfreue dich deines Glücks deshalb, weil Seine Liebe es dir bereitet hat, da du dich dann nur in Ihm freust und in Ihm allein Trost findest: “Ich will mich freuen in dem Herrn und frohlocken in Gott meinem Heiland” (Hab 3,18). Ich preise Dich, o mein Jesus! Ich will Dich stets preisen für die vielen Gnaden, die Du mir erwiesen hast, obgleich ich wegen der Dir zugefügten Beleidigungen vielmehr Strafe verdient hätte. Ich danke Dir, o Herr! Ich will nie die Wohltaten vergessen, die Du mir ehemals erwiesen hast, und die Du mir jetzt noch zukommen läßt, damit ich, die ganze Ewigkeit hindurch, Dich deshalb lobe und preise.

20. Wenn du Gott wahrhaft liebst, geliebte Seele, so musst du dich mehr über Seine als über deine eigene Seligkeit freuen. Wer einen Freund recht innig liebt, hat größere Freude an dem Glück desselben als an dem eigenem Wohlergehen. Die Erkenntnis von der unendlichen Glückseligkeit deines Gottes ist dein größter Trost, du musst oft zu Ihm sprechen und sagen: Lieber Gott, ich freue mich mehr über Deine Seligkeit als über mein eigenes Wohlergehen, denn ich liebe Dich mehr als mich selbst.

21. Du kannst Gott auch einen Beweis deines Vertrauens zu Ihm geben, wenn du, nachdem du einen Fehler begangen hast, dich nicht schämst, alsbald Ihm zu Füßen zu fallen und Ihn um Verzeihung zu bitten. Bedenke, dass Gottes Wunsch, den Sündern zu verzeihen, so groß ist, dass, nachdem sie sich von Ihm entfernt haben, Er ihren Verlust beklagt, und wieder liebevoll zu Sich ruft: “Warum wollt ihr sterben, Haus Israels... Bekehret euch und lebet” (Ez 18,31). Er verspricht jeder Seele, die Ihn verlassen hat, sobald sie in Seine Arme zurückkehrt, sie freundlich wieder aufnehmen zu wollen: “Wendet euch zu mir, und ich werde mich zu euch wenden” (Ez 18). Möchten es also doch die Sünder begreifen, mit welcher Liebe der Herr sie erwartet, um ihnen zu verzeihen: “Es wartet der Herr, sich eurer zu erbarmen” (Is 30,18). Möchten sie begreifen, wie sehr Er wünscht, sie bekehrt zu sehen, wie gerne Er ihnen die Strafe ersparte, wie gerne Er sie umarmen und an Sein Herz drücken möchte. Er beteuert: “So wahr ich lebe, ich habe kein Wohlgefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose sich bekehre von seinem Wege und lebe” (Ez 33,11). Und er fügt hinzu: “Kommt und klaget über mich, wenn eure Sünden wie Scharlach wären, sollen sie weiß werden wie Schnee, und wenn sie rot wie Purpur wären, sollen sie weiß werden wie Wolle" (Is 1,18). Als ob Er sagte: Bereut es, ihr Sünder, dass ihr mich beleidigt habt, und kehrt zu Mir zurück. Klagt über Mich, wenn Ich euch nicht sogleich verzeihe, tadelt Mich, behandelt Mich wie einen Wortbrüchigen; aber nein, Ich halte Mein Versprechen, wenn ihr kommt, so seid überzeugt, dass, wenn auch euer Gewissen durch eure Sünden noch so schwarz wäre, Ich es durch Meine Gnade alsbald weiß wie Schnee machen werde.

22. Gott selbst erklärt uns, dass, wenn eine Seele es bereut, Ihn beleidigt zu haben, Er alle ihre Sünden vergisst: “Ich will aller seiner Missetaten nicht mehr gedenken” (Ez 18,22). Wende also, sobald du einen Fehler begangen hast, sogleich deine Augen auf Gott, erwecke einen Liebesakt, bekenne deine Schuld, hoffe stets, dass Er dir verzeihen werde, und sage Ihm: “Herr, siehe, den du liebst, der ist krank” (Jo 11,3), dies Herz, das Du liebst, ist krank, ist voll Wunden, heile mich, denn ich habe vor Dir gesündigt. Du selbst suchst die reumütigen Sünder auf, siehe hier einen großen Sünder, der Dich sucht, um Dir zu Füßen zu fallen; das Übel ist geschehen, was soll ich jetzt tun? Du willst nicht, dass ich verzage; selbst nachdem ich gesündigt habe, willst Du noch mein Bestes. Ich liebe Dich, ja mein Gott, ich liebe Dich von ganzem Herzen, es reut mich, dass ich Dir missfallen habe, ich nehme mir fest vor, es nie wieder zu tun, Du bist ja mein süßer, mein sanftmütiger, mein barmherziger Gott! Lasse mich, wie früher Magdalena, jene trostreichen Worte vernehmen: “Deine Sünden sind dir vergeben”, und stärke mich, damit ich Dir in der Folge treu bleibe.

23. Hast du einen Fehler begangen, so musst du auch, um nicht den Mut zu verlieren, alsbald auf Jesus am Kreuz blicken, du musst dem himmlischen Vater Seine Verdienste aufopfern und auf Verzeihung hoffen, da Gott, um dir deine Sünden zu vergeben, Seinen eigenen Sohn nicht verschont hat. Du musst mit Vertrauen zu Ihm sagen: “Blicke auf Deinen Gesalbten.” Bedenke, o mein Gott, dass Dein eigener Sohn für mich gestorben ist, aus Liebe zu Ihm vergib mir. Vergiss nie, geliebte Seele, die Lehre, die dir alle geistlichen Seelenführer geben, jedesmal, nachdem du einen Fehler begangen hast, sollte dies auch hundertmal am Tage geschehen, schnell zu Gott deine Zuflucht zu nehmen, und darauf dich alsbald zufrieden zu geben; tust du das nicht, so wirst du mutlos und unruhig werden wegen des begangenen Fehlers, du wirst dich immer weniger mit Gott unterhalten, der Wunsch, Ihn zu lieben, wird immer mehr in dir erkalten, dein Vertrauen wird abnehmen, und du wirst geringe Fortschritte auf dem Weg des Heils machen. Wenn du hingegen dich als bald an Gott wendest, wenn du Ihn um Verzeihung bittest, wenn du Ihm versprichst, dich zu bessern, so werden deine Fehler sogar dazu beitragen, deine Liebe zu Gott zu vermehren. Die Freundschaft zwischen Menschen wird oft weit enger, wenn, nachdem einer den andern beleidigt hat, der Fehlende sich demütigt und um Verzeihung bittet. So musst du es mit Gott machen, du musst machen, dass deine Fehler dazu beitragen, dich immer mehr in der Liebe zu Gott zu befestigen.

24. Treue Freunde beraten sich miteinander, wenn ihnen Zweifel vorkommen, du mußt ein Gleiches mit Gott tun, du mußt Ihn bitten, Er wolle dich erkennen lassen, was Er von dir wünscht: “Gib, o Herr, dein Wort in meinen Mund, rate meinem Herzen, was ich tun soll” (Jdt 9,18). Sage mir, was ich tun, was ich antworten soll, ich will Dir folgen: “Rede, o Herr, denn dein Knecht hört” (1 Kg 3,10).

25. Du mußt aber nicht nur die eigene, sondern auch die Not anderer vertrauensvoll Gott anempfehlen. Wie wohlgefällig muß es Gott sein, wenn Er sieht, daß du manchmal deinen eigenen Vorteil vergißt, um Ihm das Elend anderer, besonders derer, die schwer bedrängt sind, anzuempfehlen; wenn du Ihn bittest, Er wolle Mitleid haben mit Seinen geliebten Seelen im Fegfeuer, die nach dem Anschauen ihres Gottes seufzen, Er wolle Sich der armen Sünder erbarmen? O mein Gott! Du bist so liebenswürdig, Du verdienst unendliche Liebe, wie kannst Du gestatten, daß so viele Seelen in der Welt, denen Du so viel Gutes tust, Dich nicht kennen, nicht lieben wollen, Dich beleidigen und verachten! Bewirke, o liebenswürdiger Gott, daß alle Dich kennen und lieben: “Geheiligt werde Dein Name, zu uns komme Dein Reich": möchten doch alle Deinen heiligen Namen anbeten, möchte Deine Liebe in allen Herzen wohnen. Lasse mich nicht von Dir gehen, ohne daß Du mir eine Gnade für diese armen Seelen, für die ich jetzt bitte, gewährt hast.

26. Man sagt, daß im Fegfeuer eine besondere Strafe jene erwartet, die hier auf Erden nur geringe Begierde gehabt haben, in den Himmel zu kommen, und das mit Recht, denn sie geben dadurch zu erkennen, daß sie wenig Wert auf das unschätzbarste Glück: das ewige Leben setzten, das Jesus Christus uns durch Seinen Tod erworben hat. Deshalb mußt du denn auch häufig, geliebte Seele, nach dem Himmel seufzen und vor Gott bekennen, daß die Zeit, in der du Ihn nicht von Angesicht zu Angesicht sehen kannst, dir entsetzlich lang vorkomme; Du mußt dich danach sehnen, diesen Ort der Verbannung, wo die Sünde herrscht und wo wir stets in Gefahr sind, Gott zu verlieren, verlassen zu können, um in deiner wahren Heimat, wo die Liebe herrscht und wo du deinen Gott aus allen deinen Kräften lieben wirst, anzugelangen. O mein Gott, solange ich hier auf Erden lebe, bin ich immer in Gefahr, Dich zu verleugnen, Deine Liebe zu verlieren; wann wird die selige Stunde schlagen, da ich diese Welt, auf der ich Dich doch immer beleidige, verlassen kann, um mich ganz mit Dir zu ver-einigen, ohne Furcht, mich je wieder von Dir zu trennen? Auf solche Weise sehnte sich die heilige Theresia nach ihrer Vereinigung mit Gott, sie freute sich, wenn sie die Glocke schlagen hörte, und dachte alsdann, daß wieder eine Stunde vorüberge-gangen sei, in der sie Gott hätte beleidigen können. Ihre Sehnsucht nach dem Tode und nach dem Anschauen ihres Gottes war so groß, daß sie aus Sehnsucht nach dem Tode starb, weshalb sie denn auch in einem ihrer Lieder ausrief: Ich sterbe, weil ich nicht sterben kann!

27. Aus allem, was ich bis jetzt gesagt habe, geliebte Seele, geht hervor, daß, wenn du dem liebevollen Herzen deines Gottes gefallen willst, du suchen mußt, so gut du es vermagst, dich unausgesetzt und voll Vertrauen mit Ihm zu unterhalten; alsdann wird der Herr nicht ermangeln, dir zu antworten und auf gleiche Weise mit dir zu reden. Die Ohren deines Leibes werden zwar nicht die Stimme Gottes vernehmen, aber wenn du der Unterhaltung mit den Geschöpfen entsagst, wenn du ganz allein mit Gott redest, so wird Er auf sehr verständliche Weise deinem Herzen antworten: “Ich will sie in die Wüste führen und zu ihrem Herzen reden” (Oseas 2,14). Gott wird dich belohnen, und - durch Einsprechungen, durch innere Erleuchtungen, durch Er-kenntnis Seiner Güte, durch süße Rührungen des Herzens, durch Versicherung, daß dir deine Sünden vergeben seien, durch Vorgeschmack des himmlischen Friedens, durch die Hoffnung, bald in den Himmel zu kommen, durch innere Seligkeit, durch jene Süßigkeit, die nur eine Frucht der Gnade sein kann, durch liebevolle Vereini-gung mit dir, - dein Vertrauen auf Ihn vergelten. Er wird jene Liebessprache reden, die nur jene verstehen, die der Herr liebt, und die nichts anderes als Gott suchen.

13. Folge

28. Damit du dir alles, was ich bis jetzt gesagt habe, leicht ins Gedächtnis zurückrufen könnest, so will ich dir hier eine Anleitung zusammenstellen, wie du alle deine Handlungen Gott recht wohlgefällig machen kannst:

Eine Anleitung wie du alle deine Handlungen Gott recht wohlgefällig machen kannst

Wenn du des Morgens aufwachst, so muß dein erster Gedanke auf Gott gerichtet sein. Du mußt alles, was du den Tag über tun und leiden wirst, Ihm aufopfern; du mußt Ihn bitten, daß Er dir mit Seiner Gnade beistehe, und die Meinung machen, alle Ablässe, die du den Tag über erlangen kannst, zu gewinnen. Darauf mußt du dein Morgengebet verrichten, Gott danken, Akte der Liebe erwecken, Ihn um seinen Beistand bitten und dir stets vornehmen, den gegenwärtigen Tag zuzubringen, als ob es der letzte deines Lebens wäre. Der Pater Saint Jure lehrt, daß man des Morgens sich gleichsam mit Gott verabreden müsse, daß jedesmal, wenn man ein gewisses Zeichen macht, zum Beispiel, wenn man die Hand aufs Herz legt, oder den Himmel oder ein Kruzifix anblickt, man die Meinung mache, zugleich einen Akt der Liebe, der Hingabe in Gottes Willen und ähnliche Anmutungen zu erwecken. Nachdem du hierauf deine Seele in die Seitenwunde deines Heilandes unter den Schirm Mariens verborgen hast, damit sie dich den Tag über in Schutz nehme, mußt du, ehe du zu arbeiten anfängst, wenigstens eine halbe Stunde lang beten oder eine Betrachtung anstellen; du mußt vor allem die Schmerzen und die Verachtung, die Christus während Seines Leidens zu erdulden hatte, zum Gegenstande deiner Betrachtung wählen; denn die Seelen, die Gott lieben, betrachten am liebsten hierüber, weil das Leiden Christi am meisten die Liebe Gottes in uns entzündet. Willst du Fortschritte im geistlichen Leben machen, so mußt du dir vor allem drei Andachtsübungen angelegen sein lassen: die Andacht zum Leiden Christi, zur allerseligsten Jungfrau Maria und zum allerheiligsten Altarsakrament. Während du betest, mußt du auch oft Akte der Reue, der Liebe zu Gott, der Hingabe in Seinen Willen erwecken. Pater Caraffa pflegte zu sagen, daß ein eifriger Akt der Liebe Gottes, den man am Morgen verrichtet, genüge, um uns den Tag über eifriger im Dienste Gottes zu erhalten.

29. Ehe du eine andere Beschäftigung, zum Beispiel die Studien oder Handarbeit, je nachdem es dein Stand von dir fordert, beginnst, mußt du ja nicht vergessen, am Anfang einer jeden Arbeit sie Gott aufzuopfern und Ihn zu bitten, damit Er dir beistehe, sie ohne Fehler zu verrichten. Auch unterlasse nicht, manchmal einen Blick auf dein Inneres zu werfen und dich durch Liebesakte mit Gott zu vereinigen, wie das die heilige Katharina von Siena zu tun pflegte. Tue alles, was du tust, mit Gott und für Gott. Verläßt du dein Haus oder dein Zimmer, oder kehrst du in dasselbe zurück, so empfiehl dich jedesmal durch ein “Gegrüßt seist Du Maria” der Muttergottes. Begibst du dich zum Essen, so opfere vorher das Vergnügen oder den Widerwillen, den die Speisen oder Getränke, welche man dir vorsetzen wird, in dir erregen könnten, Gott auf; hast du gegessen, so sprich: “Herr, wie viel Gutes erweisest Du mir, der ich Dich so oft beleidigt habe!” Vergiß ja nicht, den Tag über eine geistliche Lesung und einen Besuch zum allerheiligsten Altarsakrament und zur allerheiligsten Jungfrau zu machen, bete deinen Rosenkranz, prüfe dich am Abend, wie du den Tag zugebracht hast, erwecke die Akte Glaube, Liebe, Hoffnung, Reue, und mache einen festen Vorsatz, dich zu bessern und im Leben und Sterben die heiligen Sakramente zu empfangen, mache zugleich die Meinung, alle Ablässe, die du gewinnen kannst, zu erlangen. Wenn du zu Bette gehst, so bedenke, daß du verdient hättest, in der Hölle zu brennen, umarme dein Kruzifix und sage: “Ich schlafe in Frieden und Ruhe."

[30. Es folgen einige Beispiele für Ablässe. Wegen der neuen Ablaßordnung sind diese Beispiele aber überholt].

31. Damit du immer gesammelt und mit Gott vereinigt bleiben könnest, mußt du in allem, was du siehst und hörst, etwas aufzufinden suchen, was dein Gemüt zu Gott erheben oder dich an die Ewigkeit erinnern könne. Gießt man Wasser aus einer Flasche, so bedenke, daß auf gleiche Weise deine Tage verfließen und du dich stets dem Tode näherst. Siehst du ein Licht, das aus Mangel an Öl verlöscht, so bedenke, daß dein Leben einst ebenso enden wird. Erblickst du ein Begräbnis oder Leichen, so erinnere dich daran, daß ein gleiches Los dich erwartet. Siehst du, wie die Großen dieser Welt in deiner Gegenwart sich über ihre Würden und Reichtümer erfreuen, so bemitleide ihre Torheit und sage: “Mein Gott genügt mir, diese verlassen sich auf Wagen und jene auf Rosse, wir aber rufen den Namen des Herrn an” (Ps 19,8). Sie suchen ihren Ruhm in Eitelkeiten, ich will ihn in der Gnade Gottes und in Seiner Liebe suchen. Hält man feierliche Totenämter und Leichenbegängnisse vornehmer Herren, so bedenke: Was nützt ihnen alle diese Pracht, wenn sie in der Hölle sind? Wandelst du am Ufer des Meeres und findest du es ruhig oder wild bewegt, so stelle Vergleichungen an zwischen einer Seele, die im Stande der Gnade, und einem Herzen, das durch die Sünde von Gott getrennt ist. Findest du einen verdorrten Baum, so denke daran, daß eine Seele, die Gott nicht liebt, ins Feuer geworfen zu werden verdient. Hast du Gelegenheit, gegenwärtig zu sein, wenn ein schwerer Verbrecher, zitternd vor Angst und Scham, sein Urteil empfängt, so bedenke, welche Angst der Sünder dereinst vor dem Richterstuhl Jesu Christi ausstehen wird. Überfällt dich Furcht, wenn es blitzt und donnert, so denke an die Peinen, welche die Verdammten in der Hölle, wo sie das Donnern des göttlichen Zornes beständig vernehmen, ausstehen müssen. Hörst du, daß ein zum Tode Verurteilter hände-ringend ausruft: “So kann ich denn also nicht mehr dem Tode entgehen!", so denke alsbald an die Verzweiflung einer Seele, die, zur Hölle verdammt, laut aufschreit: “Kein Mittel bleibt mir übrig, dem ewigen Untergang zu entfliehen!"

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Hl. Alfons Maria von Liguori: Von der Barmherzigkeit Gottes


Mehr, als wir erdenken können

Meine Predigt zum 16. Sonntag nach Pfingsten. Die Lesung ist eine der tröstlichsten im ganzen Kirchenjahr.

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