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Das verlorene Schaf

Von P. Engelbert Recktenwald

Wer kennt nicht das Gleichnis vom verlorenen Schaf? Der Gute Hirte geht dem verlorenen Schaf nach, bis er es findet, legt es mit Freuden auf seine Schultern und trägt es zurück. Aus der Erklärung des Heilands geht hervor, dass er mit dem verlorenen Schaf den Sünder meint. Im Matthäusevangelium wird das verlorene Schaf das verirrte Schaf genannt. Der Sünder hat sich verirrt, er ist vom rechten Weg, der zum ewigen Ziel führt, abgekommen. In der Kunst wird die Situation noch weiter ausgeschmückt: Man sieht das verirrte Schaf im Dornengestrüpp, verletzt, gefangen und unfähig, sich selber zu befreien. Der Gute Hirte befreit es und achtet nicht darauf, dass er sich selber dabei an den Dornen die Hände blutig sticht.

Was für eine trostreiche Wahrheit: So sehr wir auch vom Weg abgekommen und in Sünden verstrickt sein mögen: Wir haben einen Guten Hirten, der sich selber nicht schont, um uns zu befreien und uns wieder auf den Weg des Heiles zurückzuführen.

Aber jetzt stellen wir uns vor, dass das verlorene Schaf zum Guten Hirten, der es befreien will, sagt: Lass mich hier! Ich habe mich gar nicht verirrt. Es gefällt mir hier. Ich bin auf dem rechten Weg. Die Dornen tun auch nicht weh, ich spüre nichts davon. Ich bin ganz zufrieden mit meiner Lage, ich fühle mich hier wohl. Ich verlange von deiner Kirche, dass sie meine Situation als einen guten Weg anerkennt. Ich brauche deine herablassende Barmherzigkeit nicht. Ich will kein Mitleid, sondern Respekt und Anerkennung. Ich klage deine Kirche an, dass sie so unbarmherzig ist und mich diskriminiert, indem sie mich einen Sünder nennt. Es wird höchste Zeit, dass sie ihre Morallehre ändert und den neuen Zeitverhältnissen anpasst.

Und es könnte noch weiter ausholen und argumentieren: Außerdem bin ich gar nicht das verlorene Schafe. Wir sind viele. Wir sind sogar die Mehrheit. Das verlorene Schaf, das ist jene Minderheit, die z.B. vorehelichen Geschlechtsverkehr für eine schwere Sünde hält. Wer glaubt denn noch daran? Das sind doch nur ein paar zurückgebliebene Schafe, die den Anschluss an die Moderne verpasst haben. Das verlorene Schaf, das ist der rechtgläubige Katholik, der Fundamentalist, der sich einbildet, Wege und Irrwege unterscheiden zu können. Wie kann er es wagen, darüber zu richten, was Sünde ist und was nicht? Er bedarf der Umkehr, nicht ich.

Es ist klar, dass mit einer solchen Haltung die Rettungsversuche des guten Hirten vereitelt werden. Der moderne Mensch fühlt sich nicht als armer Sünder, der die Rettung braucht, sondern als Ankläger, der über Gott und die Kirche zu Gericht sitzt. Er will sich nicht den Geboten Gottes anpassen, sondern fordert von der Kirche eine Anpassung an seine Vorstellungen. Den Selbstgerechten, die sich solcherweise gegen den Ruf des Evangeliums zur Umkehr sperren, gilt das Wort des Herrn: “Ihr werdet in euren Sünden sterben” (Joh 8, 24).

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn sehen wir, wie sich dieser in seiner Sünde tatsächlich zunächst einmal wohlfühlt: Er führt ein Leben in Saus und Braus. Doch dann verarmt er und muss hungern. Diese Situation öffnet ihm die Augen über seinen wahren Zustand. Er erkennt seine Erlösungsbedürftigkeit und kehrt zum Vater zurück. Hier erkennen wir, wie Not, die Gott über einen Menschen kommen lässt, eine Gnade sein kann.

Den modernen Menschen, von dem ich oben sprach, gibt es nicht. Es gibt immer nur einzelne Menschen. Und die können eine Wandlung durchmachen, so dass sie vom Selbstgerechten zum verlorenen Schaf werden, das sich für die Rettung durch den Guten Hirten öffnet.

Und selbst die Selbstgerechten sind oft Opfer: Sie sind Opfer des Zeitgeistes. Sie sind in dieser Mentalität aufgewachsen und können vielleicht gar nichts dafür, dass sie so denken wie sie denken.

Bewahren wir deshalb trotz allem immer die Gesinnung, die uns der Gute Hirte vorlebt. Haben wir Mitleid mit den Sündern, egal, ob sie sich als verlorene Schafe fühlen oder sich in der Sünde wohlfühlen. Wir können niemanden mit Gewalt bekehren. Die Öffnung der Augen zur Selbsterkenntnis kann nur von innen her von der Gnade Gottes kommen. Unsere Aufgabe als gläubige Christen ist es, einerseits allen falschen Anpassungsforderungen tapfer zu widerstehen, andererseits in der Nachfolge des Guten Hirten sofort jedem, der zum verlorenen Schaf geworden ist, in Liebe die Hand zur Umkehr zu reichen - wohl wissend, dass wir alle einmal verlorene Schafe gewesen sind.


Über das moderne Unbehagen an der Barmherzigkeit

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