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Johannes Lantrua von Triora

Es handelt sich bei diesem Text um eine Wiedergabe bzw. an manchen Stellen freie Nacherzählung der Lebensbeschreibung von Schwester Maria Paula, Franziskanerin in Nonnenwerth, die unter dem Titel Der selige Johannes von Triora, ein Märtyrer Chinas zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, 1912 als elftes Bändchen der Reihe Aus allen Zonen. Bilder aus den Missionen der Franziskaner in Vergangenheit und Gegenwart, herausgegeben von P. Gutbert Groeteken O.F.M., erschienen ist. Diese Biographie stützt sich ihrerseits auf die zuverlässige, nach historischen Quellen erarbeitete Lebensbeschreibung, die Helena Gräfin von Chappotin, die spätere Mutter Maria von der Passion und Gründerin der Franziskanerinnen-Missionarinnen Mariens, unter dem Pseudonym Antoine du Lys in französischer Sprache verfasst hatte. Stellenweise habe ich diese Biographie durch weitere Angaben ergänzt.

P. Johannes von Triora, in der Welt Franziskus Maria Lantrua, wurde am 15. März 1760 in dem Flecken Molini (die Mühle) bei Triora in Ligurien, Italien, geboren. Diese Gegend um den Golf von Genua war auch die Heimat des Christoph Kolumbus und des hl. Leonardus von Porto Maurizio. Letzterer hatte vor kaum neun Jahren das Auge im Tode geschlossen, als unser Heiliger geboren wurde, während zwei Jahre nach dessen Tod in Genua der selige Tommaso Reggio geboren wurde, der 1901 in Triora sterben sollte.

Triora bildete zur Zeit des Heiligen einen Teil der Diözese Albenga. Heute gehört es zum Bischofssitz Vintimilla (Ventimiglia; seit 1975 heißt die Diösese Ventimiglia-San Remo).

Die etwa 700 Bewohner Molinis (Anfang des 20. Jahrhunderts; heute sind es ebenso viele) haben ihre eigene Geschichte, auf die sie nicht wenig stolz sind. Der Senat von Genua erhob sie 1654 zu einer selbständigen Gemeinde mit eigener Verwaltung, die jedoch bis zu einem gewissen Grade von der Stadt Triora abhängig war. Das freundliche, in einem Talkessel ausgebreitete Dorf liegt etwa 25 Kilometer vom Meere entfernt, dort, wo die beiden Flüsse Capriola und Argentino sich vereinigen. Stets sind viele Berufungen zum Priesterstand aus ihm hervorgegangen. Dazu gehören Pietro Balestra (1841-1912), Bischof von Acqui und Erzbischof von Cagliari, und Don Leon Bracco OSB von Monte Cassino, Konsultor der Ritenkongregation, der den Seligsprechungsprozess seines begnadeten Landsmannes im Jahre 1900 erfolgreich zu Ende geführt hatte. 1910 wurde dann der Heiligsprechungsprozess Johannes Lantruas eingeleitet. Am 1. Oktober 2000 wurde er von Johannes Paul II. mit 119 weiteren Märtyrern Chinas heiliggesprochen.
Zur Zeit der Seligsprechung wohnten noch viele Verwandte vierten Grades des Heiligen in Molini.

Die Eltern von Franziskus Maria waren Antonius Maria Lantrua und Maria Paschaline, eine Tochter des Vincent Ferreironi und aus Triora gebürtig. In Triora gab es damals ein Franziskanerkloster, als dessen besonderer Wohltäter sich die Familie Lantrua erwies. Das Kind wurde am Tag nach seiner Geburt in der Kirche des hl. Laurentius auf den Namen des hl. Franziskus von Assisi getauft.

Der Heranwachsende verband mit einem liebenswürdigen Charakter ein musterhaftes Betragen und zeichnete sich durch Fleiß wir durch Frömmigkeit aus. Er besuchte die Elementarschule seiner Heimat, deren Leitung dem berühmten P. Bernardin Gazzano, einem seiner Verwandten, oblag. Als er 15 Jahren alt war, wurde er nach Porto Mauricio geschickt, wo er bei den Barnabiten studierte und wo die Patres Brucchieri und Sanguinotti seine Lehrer waren.

Das Andenken an den großen Missionar des 18. Jahrhunderts, den hl. Leonardus von Porto Mauricio, war in seinem Vaterland noch immer lebendig. Der Ruf dieses heiligen Lebens sollte auch auf das Geschick des jungen Lantrua seinen Einfluss ausüben und in ihm den Wunsch wecken, in dessen Fußstapfen zu treten.

Nach zwei Jahren kehrte er zu seinen Eltern zurück. Dort erklärte er ihnen, dass er sich von Gott zum Orden der Franziskaner berufen fühle und dass er in die römische Ordensprovinz eintreten wolle, deren Provinzial in Ara Coeli residierte. Das war zu jener Zeit der aus Porto Mauricio stammende P. Ludwig, von dem der Heilige während seiner Zeit in Porto Mauricio vermutlich viel gehört hatte. Seiner Beharrlichkeit gelang es, den anfänglichen Widerstand seiner Eltern zu überwinden. So trat er in den Franziskanerorden ein und wurde vom Provinzial ins Noviziatshaus St. Bernardin zu Orte, Latium, ca. 80 km nördlich von Rom, gesandt.

St. Bernardin ist eines der ältesten Klöster des Ordens. Nachdem der hl. Franziskus von Rom zurückgekehrt war, wo Papst Innozenz III. seine heilige Regel bestätigt hatte, hielt er sich mit seinen Jüngern vierzehn Tage in der Nähe von Orte auf. Er predigte täglich und wirkte neue Wunder. Bald wurde das dortige Kloster gegründete. Im Jahre 1463 wurde die heutige Kirche erbaut und dem hl. Bernardin von Siena geweiht. Mehrere seiner Reliquien, darunter eine seiner Kapuzen, werden in ihr aufbewahrt.

Der P. Guardian, der den neuen Postulanten empfing, war P. Joseph Maria von Valentano, sein Novizenmeister P. Franziskus Maria de Ponte. Am 15. März 1777 empfing Franziskus Maria aus den Händen des P. Guardian im Auftrag des P. Provinzials das Gewand der Franziskaner. Von nun an führte er den Ordensnamen Frater Johannes. Der 9. März 1778 war der Tag, an dem er die hl. Gelübde ablegte.

Es ist ein bemerkenswerter Umstand, dass der dem hl. Joseph geweihte Monat für Johannes stets ein besonders gnadenreicher war. Im März wurde er geboren und getauft, im März trat er in den Orden ein. Am 13. März 1900 entschied die hl. Kongregation der Riten zu Gunsten seiner Seligsprechung, am 14. März bestätigte der Heilige Vater diese Entscheidung und am 25. März wurde das Dekret, welches seinen Märtyrertod als erwiesen anerkannte, feierlich durch Papst Leo XIII. bekannt gegeben.

Frater Johannes gab sich Gott ganz und ohne Rückhalt hin. Er war eine innerliche, vom Geist der Buße durchdrungene Seele. Die strengen Abtötungen und Bußübungen, denen er seinen Leib unterwarf, bereiteten ihn auf den künftigen Martertod vor. Er geißelte sich mit einer eisernen Disziplin und trug um den bloßen Körper eine Eisenkette.

Frater Johannes kannte keinen größeren Wunsch als den, die Ehre Gottes zu befördern. Deshalb verlegte er sich nach Ablegung der Gelübde mit noch größerem Eifer auf seine Studien, als er es schon in Porto Maurizio getan hatte. Diese Studien umfassten im ganzen sieben Jahre, da jeder est zum vierjährigen Kurs der Theologie übergehen konnte, nachdem er drei Jahre Philosophie studiert hatte.

Jede Provinz besaß ein Seminar oder Erziehungshaus für die jungen Professen, die dort, unter der geistlichen Leitung eines Magisters stehend, ihre Studien vollendeten. Außer dem Chorgebet am Tage und zur Nachtzeit wohnten sie täglich der hl. Messe bei, verwandten eine Stunde auf die Betrachtung, beichteten zweimal in der Woche und empfingen wenigstens an allen Sonn- und Festtagen die hl. Kommunion.

Dies war also die Lebensweise unseres Seligen, die er mit der größten Treue und nie erkaltendem Eifer beobachtete. Die Gnade des Priestertums schien ihm so erhaben, dass er glaubte, sich nie würdig genug darauf vorbereiten zu können. Um zur Priesterweihe zugelassen zu werden, mußte den Ordensklerikern ein vom Guardian und den Diskreten unterzeichnetes Sittenzeugnis ausgestellt werden. Außerdem hatten sie vor drei Examinatoren ein Examen zu bestehen über ihre wissenschaftliche Befähigung. Erst zwei Jahre nach der Profess wurde man zum Subdiakonat zugelassen; diesem folgte nach einem Jahr das Diakonat. Die Priesterweihe wurde gewöhnlich erst fünf Jahre nach der Profess erteilt.

Aller Wahrscheinlichkeit nach hat man diesen gewöhnlichen Gang auch bei unserem Heiligen eingehalten. Wir können davon ausgehen, dass er sich die in den Konstitutionen des Franziskanerordens enthaltenen Worte zu Herzen nahm: “Das Studium der heiligen Wissenschaften ist stets eine Zierde und ein Vorzug für die Kirche und unseren Orden gewesen.” Auch verstand er es, sich die vom hl. Johannes von Capistrano auf dem Generalkapitel zu Assisi gesprochenen Worte zu Nutzen zu machen: “Die Wissenschaft ist eine Gabe Gottes, eine Waffe zur Verteidigung des katholischen Glaubens, die Krone unseres Ordens, das Licht der Wahrheit und das Leben jener, die in der Finsternis wandeln.”

Das genaue Datum, an dem Frater Johannes die heiligen Weihen empfing, läßt sich nicht feststellen. Doch können wir mit Gewissheit annehmen, dass er 1784 zum Priester geweiht wurde. Im selben Jahr wurde ein Franziskaner seliggesprochen, Thoma von Cora. Auch diesen Seligen, mit dem Beinamen Apostel des Kirchenstaates, hatte der Wunsch beseelt, sich für die Ausbreitung des heiligen Glaubens in China zu opfern. Der Seligsprechung, die für den Franziskanerorden eine große Freude bedeutete, wohnte Johannes von Triora bei.

Nachdem P. Johannes seine Studien vollendet hatte, wurde er zu dem vorgeschriebenen theologischen Examen zugelassen. Es fand, wie das philosophische, vor einer Prüfungskommission statt, die aus den vorzüglichsten Patres bestand. Jeder Kandidat durfte sich unter drei Thesen eine wählen, über die er nach einer vierundzwanzigstündigen Vorbereitung sprechen mußte. Darnach hatte er die ihm von zwei anderen Kandidaten gemachten Einwendungen zu widerlegen. Jedes Mitglied der Prüfungskommission gab nun schriftlich sein Urteil ab, was mittelst Punkten geschah, die auf einem kleinen Billet verzeichnet wurden. Die Billets wurden dem Oberen übergeben, der sie in Gegenwart zweier oder dreier Patres öffnete. Waren mindestens acht von zehn möglichen Punkten erreicht, so hatten die Kandidaten bestanden und wurden zum Predigen zugelassen.

Die authentische Urkunde über das Examen des Frater Johannes wird im Archiv des Klosters St. Antonio zu Rom, der heutigen Residenz des P. Generals der Franziskaner, aufbewahrt.

Nach bestandenem Examen wurde Frater Johannes für sechs Jahre als Lektor der Theologie in das Kloster St. Franziskus nach Corneto gesandt, in der Nähe von Civitavecchia. Seit dem Generalat des im Jahre 1274 verstorbenen hl. Bonaventura existierte diese Niederlassung. Oft schon hatten die Franziskaner das Koster wegen der Malaria verlassen wollen, doch war es den Einwohnern der Stadt gelunge, sie zurückzuhalten. Im Jahre 1875 wurde das Kloster unterdrückt und diente seitdem den Zollbeamten als Kaserne. Doch gab die Stadtobrigkeit 1889 den Ordensmännern, welche den Dienst in der Kirche versahen, einige Zellen ab.

Während Johannes Theologie lehrte, spürte er immer deutlicher den Wunsch, nach China in die Mission zu gehen, in jenes Land, für welches der hl. Leonardus von Porto Mauricio und der selige Thoma von Cora sich so gerne geopfert hätten; doch beiden war es versagt geblieben. Doch Frater Johannes wollte sich prüfen, ob es wirklich ein Ruf des Himmels und nicht nur eine vorübergehende Anwandlung sei, was jenen Wunsch in ihm weckte. Er wartete also mit der Ruhe eines gottergebenen Gemütes die Stunde ab, wo die Gnade ihn drängen würde, seine Neigung dem Oberen zu offenbaren, und erfüllte weiterhin seine gegenwärtigen Pflichten aus treueste.

Um 1795 wurde er Guadian des Kosters zu Velletri, wo er bis zu seiner Abreise in die Mission 1798 blieb. Er wirkte hier überaus segensreich, besonders im Beichtstuhl.

Die mit seiner Stellung verbundenen Sorgen störten die Ruhe seiner Seele keineswegs. Der Ruf des göttlichen Meisters, der ihn antrieb, sich dem Heile Chinas zu weihen, ließ sich immer deutlicher vernehmen. Er zweifelte deshalb nicht mehr an seiner Echtheit und wandte sich an die Ordensoberen und die hl. Kongregation der Propaganda. Er kam bei dieser Gelegenheit nach Rom und sah Ara Coeli wieder, die von der göttlichen Vorsehung zu seiner dereinstigen Verherrlichung bestimmte Stätte.

Der damalige General des Ordens, P. Joachim Compagny, der bis 1806 an der Spitze des Ordens stand, war zugleich Erzbischof von Saragossa. Er residierte in Spanien, während ihn in Rom ein General-Kommissar vertrat, nämlich P. Hilarius Cervelli von Montemagno, aus der Provinz Toscana, der später selbst das Amt eines Generals bekleidete (1806-1814).

Das Jahr 1798 war für Rom ein Schreckensjahr. Über herrschte nach den Worten eines Augenzeugen Unordnung, Verwirrung und Schlechtigkeit. Am 11. Februar meldete ein Edikt des Kardinals Joseph Doria das Heranrücken der französischen Armee ...

Das Kloster Ara Coeli wurde zuerst von den Eindringlingen heimgesucht. Der Kardinal gab den Ordensoberen und ihren Untergegebenen im Namen des Papstes den Befehl, das Kloster den Soldaten, die binnen einigen Stunden heranrückten, zu überlassen.

Der Schrecken in der Ordensgemeinde war grenzenlos. Jeder suchte zu retten, was zu retten war, vor allem P. Kommissar die kostbare Bibliothek des Klosters. Alles wurde aufs Krankenzimmer gebracht, der einzige Raum, der den kranken Religiosen gelassen wurde.

Kurz vor Sonnenuntergang kamen die Franzosen und hatten sich bald des Klosters bemächtigt. Außer einigen Kranken hatten alle Ordensmänner ihr Heim verlassen ...

Bald wurde die Republik ausgerufen, der Heilige Vater musste Rom verlassen und gleich ihm alle Religiosen fremder Nationalität.

Auch der General-Kommissar und die Offiziale der Kurie mußten fliehen. Die Franzosen ließen jedoch den Patres die Bibliothek und die unter und über ihr befindlichen Zellen. So entschloss man sich nun, die ins Krankenzimmer geschafften Bücher und Papiere an ihren gewöhnlichen Ort zurückzubringen, hoffend, dass sie dort in größerer Sicherheit seien. Doch diese Hoffnung wurde enttäuscht. Nach etwa einem Monat legte ein Abgesandter der Stadtobrigkeit die Siegel auf die Bibliothek an und verbot den Ordensmännern bei Todesstrafe, etwas bei Seite zu schaffen. Als im Juli die Polen den Franzosen in der Besetzung des Klosters folgten, erschien ein Edikt, welches nebst anderen Maßregeln die Aufhebung des Klosters enthielt.

Kloster, Kirche und Bibliothek wurden rücksichtslos geplündert. Im Jahr 1799 durften einige Religiosen das verwüstete Kloster wieder beziehen, und als im März 1800 Pius VII. den päpstlichen Thron bestiegt, kehrte auch der General-Kommissar wieder in seine Residenz zurück.

Dem hl. Johannes Lantrua gingen die traurigen Schicksale der ewigen Stadt und des ihm so teuren Klostes Ara Coeli tief zu Herzen. Doch sie entmutigten ihn nicht, sondern spornten ihn vielmehr an, für die Interessen der guten Sache zu arbeiten, zu beten, zu opfern und zu leiden. Unter solchen Verhältnissen wurde ihm 1798 von seinen Vorgesetzten und der hl. Kongregation der Propaganda gestattet, seinem Herzenswunsch nachzukommen und sich der Mission in China zu widmen.

Ehe Pater Johannes von rom Abschied nahm, betet er am Grab des Apostelfürsten inständig um die Eigenschaften eines guten Missionars. Wir wissen nicht, ob er vor seiner endgültigen Abreise seine Heimat wiedergesehen hat. Ein Brief, den er von Macao aus an seinen Bruder richtete, läßt vermuten, dass seine Eltern bereits nicht mehr unter den Lebenden weilten.

In Livorno, nicht weit von Genau, schiffte er sich ein. Zunächst war Lissabon sein Ziel. Dort hoffte er, bald einen günstigen Anschluss zur Weiterreise nach Asien zu finden.

Beglückend war für ihn der Besuch im Vaterland des hl. Antonius, der sich auch einst in Lissabon eingeschifft hatte, um in Afrika die Palme des Märtyriums zu erlangen. Doch ihm wie auch mehreren andere Heiligen des seraphischen Ordens blieb diese Gnade versagt. Johannes von Triora aber, der ihren Eifer und ihre Sehnsucht teilte, sollte diese herrliche Palme erlangen.

Als P. Johannes in Lissabon ankam, war das Schiff, welches ihn von dort nach Macao, dem großen, chinesischen Hafen und Hauptstützpunkt der Chinamission, bringen sollte, bereits unter Segel gegangen. Nun musste er sich auf eine monatelange Wartezeit auf das nächste abgehende Schiff einstellen. Er nutzte die Zeit, um bei einem portugiesischen Mitbruder Chinesisch zu lernen und zu verschiedenen Heiligtümern zu pilgern. So besuchte er die Geburtsstätte des hl. Antonius, den in eine Kirche umgewandelten Palast von dessen Vorfahren, die Kathedrale, die das Andenken an sein erstes Wunder besitzt, ein in harten Marmor eingedrücktes Kreuz. Auch kam er nach Coimbra in das Kloster zu den Oliven, wo der hl. Antonius in den Orden eintrat, ferner nach Alemquer, wo die fünf heiligen Märtyrer von Marokko das letzte heilige Messopfer auf christlichem Boden darbrachten. Im Zentrum dieses Klosters befindet sich der Brunnen, aus dem im Augenblick des Todes jener Auserwählten fünf Wasserstrahlen entsprungen sein sollen, deren Wellen eine wunderbare Heilkraft besitzen und heute noch vielen Kranken, besonders Epileptikern, Genesung bringen.

Am 22. Mai konnte Johannes seine Reise endlich fortsetzen. Über sie gibt uns ein Brief Auskunft, den er nach seiner Ankunft in Macao an seinen Bruder geschrieben hat:

Geliebter Bruder!

Die Entfernung vermindert die brüderliche Liebe nicht; im Gegenteil, sie vermehrt sie. Und um Dir einen Beweis von ihr zu geben und Dir zu zeigen, wie treu ich Deiner gedenke, sende ich, kaum in China angekommen, Dir diese Zeilen, damit Du Dich meiner im Gebet erinnern mögest.

Von Lissabon aus sandte ich Dir zweimal Briefe, den ersten durch den Kapitän eines genuesischen Schiffes, den zweiten kurz vor meiner Abfahrt durch einen Freund, der nach Italien zurückkehrte. Am 22. Mai vergangenen Jahres reiste ich ab und zwar mit Schiffe eines reichen Kaufmanns aus Lissabon, der mich umsonst, nur aus Liebe, aufnahm und beköstigte.

Nach vier Monaten, die ich zwischen Himmel und Meer zubrachte, erblickte ich endlich wieder Land, zwar nicht Europa, sondern Indien. Zweimal hatten wir furchtbaren Sturm in der Nähe des Kaps der Guten Hoffnung, so dass ich glaubte, im Meere zu versinken und von irgend einem Seeungeheuer verschlungen zu werden.

Gott hat mich vor dem Schiffbruch bewahrt, nicht jedoch vor französischen Seeräubern, die unser Schiff, als es auf Java landete, in Besitz nahmen, um sich mit Lebensmitteln zu versehen. Nicht der Verlust des Geldes, das ich besaß, war mein größtes Leid, auch nicht die mir zugefügten Misshandlungen, - aber wie sollte ich meine Reise fortsetzen?

Da zeigte sich Gottes Vorsehung in auffallender Weise. Wir hatten in Batavia [Jakarta, auf der indonesischen Insel Java, seit 1619 unter niederländischer Herrschaft], der Hauptstadt von Holländisch-Indien, angelegt, und hier befand sich ein schwedisches Schiff, welches nach China fuhr. Ich erkundigte mich näher bei dem Kapitän, der sich mir sehr wohlwollend zeigte, bat ihn, mit die Überfahrt zu gestatten, die er mir, obgleich er Protestant war, auch gratis gewährte.

Während meines einmonatigen Aufenthaltes in Batavia erhielt ich, ohne einen Heller bezahlen zu müssen, in einem Hause der holländischen Gesellschaft gute Verpflegung; auch gab man mir einige Almosen, die mich für die von den Seeräubern geraubte Summe entschädigten.

Wir spannten die Segel für China. Obschon wir am 5. November schon abgereist waren, kamen wir doch erst am 17. Januar zu Macao an.

Ich danke Gott, dass Er mich während der ganzen Reise gesund erhalten hat. Auch jetzt ist dies der Fall, und ich hoffe, dass es so bleibt, denn das Klima ist gut. Länger als ein Jahr, nämlich bis zur Ankunft der Führer, die uns in die uns vom apostolischen Vikar angewiesene Mission in China bringen sollen, werde ich nicht hier bleiben.

Alles muss heimlich und mit großer Vorsicht geschehen, weil der Eintritt in das Reich den Europäern verboten ist, ausgenommen in der Stadt Peking, die jenen, welche einen kaufmännischen Posten bekleiden und sich die Erlaubnis am Hofe erwirken, offen steht.

An anderen Orten muss man verborgen leben; entdecken die Heiden, dass wir Europäer isnd, so ist der Hungertod im Gefängnis unsere gnädigste Strafe.

Ich nehme freudig alles an, was Gott für mich bestimmt hat, und bin bereit, Seinen Willen zu erfüllen, in den ich mich gänzlich ergebe, wenn ich nur meine Seele rette. Um dies zu erreichen, sind Arbeiten und Ermüdungen, Schweißtropfen und Mühen gut angebracht.

Bete viel und lasse viel zu Gott für mich beten, auf dass er sich würdige, mich inmitten der Gefahren zu leiten und zu führen, dass er mir Eifer und Liebe verleihe, um zu seiner Ehre, zum Heile des Nächsten, zu wirken.

Grüße meine Schwäger und Neffen herzlich von mir; mögen auch sie, sowie meine Vettern und Cousinen für mich beten. Ich bitte den Herrn Rektor und die anderen Priester, sich meiner beim hl. Opfer zu erinnern.

Ich umarme Dich und meinen Bruder Vinzenz Antonius und empfehle Euch die Eintracht und die Liebe, wie sie Brüdern geziemt. Dieser Brief gilt auch für ihn, damit er meiner gedenke. Da ich, als ich noch nicht weit weg von Euch war, keine Nachrichten von Euch erhalten konnte, so bereitet mir jetzt, wo ich im fernen Lande bin, diesen Trost. Eure Antwort könnt Ihr H. Muselli senden. Ich verbleibe

Euer Euch liebender Bruder Fr. Johannes
Macao, den 15. März 1800

Die Stadt Macao, in der Johannes von Triora am 17. Januar 1800 ankam, war 1557 von den Portugiesen mit Erlaubnis der Chinesen erbaut worden. Auf der südlichen Spitze der Insel Ngao Men gelegen, ist sie mit dem Kontinent durch einen schmalen Landstrich verbunden, der von den Chinesen “Stengel der Wasserlilie” genannt wird. Das chinesische Terrain war den Europäern verschlossen. Wenn ein solcher es wagte, die Grenzlinie zu überschreiten, wurde er zum Mandarin geführt, vom Volke misshandelt und schließlich zum Tode am Schandpfahl verurteilt. Die Chinesen dagegen hatten freien Zugang nach Macao.

Macao wurde bald eine blühende Stadt mit zahlreichen Klöstern und einem bischöflichen Palast. Zur Zeit der Ankunft von P. Johannes hatte sie allerdings ihre Blütezeit schon hinter sich. Dumoulin Borie (1808 - 1838) gibt uns von ihr folgende Beschreibung: “Die Stadt mit 25 bis 30.000 Seelen, darunter fünftausend Portugiesen, ist schlecht gebaut, von hässlichen Straßen durchkreuzt. Die einzige Erwerbsquelle der Einwohner Macaos ist der Handel. Ich war Zeuge von den Verwüstungen des Taifun, der die Gegend jedes Jahr verheert. Hundertachzig Schifferbarken wurden von den Wellen verschlungen, vier europäischen Schiffen wurde der Mast zerknickt. Mehrere chinesische Häuser stürzten ein, und von unserm wurde das Dach abgerissen. Obgleich die Portugiesen schon lange im Lande sind, weilen wir mitten unter Ungläubigen. Es gibt kaum achthundert chinesische Christen hier, und ein Franziskus Xaverius täte an diesem Ort ebenso not, als in Goa ...”

Ehe P. Johannes sich seinem Apostolat ganz hingab, mußte er den von den Missionaren geforderten Eid leisten. Er legte ihn vor Bischof Marcelino José Da Silva von Macao ab. Die Eidesformel wurde dann niedergeschrieben, von P. Johannes unterschrieben und darauf der hl. Kongregation der Propaganda zugestellt.

Zusammen mit seinem franziskanischen Mitbruder Franziskus von Formosa brach er nach dem zwanzig Meilen entfernten Canton auf. Sie kamen bis Sien-Cin-Fou, das vor den Stadtmauern liegt, und wurden von den chinesischen Christen Joseph und Thomas Nilanto aufgenommen. Hier legte P. Johannes die Franziskanertracht ab. Es war ihm ein großes Opfer, doch hoffte er, sich vor seinem Tode wieder mit derselben bekleiden zu dürfen. Er schor sein Haupt und behielt nur eine kleine Fläche mit Haar bedeckt, die der Befestigung des chinesischen Zopfes dienen sollte. Er legte die chinesische Tracht an: weite Hosen, die seidene Weste, die Schuhe und die Mütze. Bei der hl. Messe legten die Priester eine Kopfbedeckung an, die an die griechische Mütze erinnert; reiche Stickereien gaben ihr das Ansehen einer Tiara, die dem Volke große Achtung vor den Dienern des Heiligtums einflößte. Übrigens war es bei den Chinesen üblich, vor hochgestellten Personen das Haupt bedeckt zu halten.

Mit der Kleidung änderte P. Johannes auch seinen Namen und nannte sich nun Jean Lan oder Lanjuevan.

Gott schickte ihm sogleich eine harte Prüfung: Sein Gefährte, P. Franziskus, erkrankte und mußte nach Europa zurückkehren. Doch Johannes ließ sich nicht entmutigen. Er verlegte sich mit erneutem Eifer auf das Studium der chinesischen Sitten und Gebräuche und die Bekehrung der Seelen. Kaum war er an Ort und Stelle gelandet, als er die Chinesen Tan und Li und Tain für Gott gewann, was ihm noch in späteren Jahren großen Trost bereitete.

Seinem Eifer schien die Zahl der Neubekehrten zu gering, und etwa ein Jahr nach seiner Landung machte er sich mit dem Chinesen Nilanta auf den Weg nach Han-Kow, wo er 1801 ankam. Hier fand er im Hause der chinesischen Christen Van-Ta und U-San während eines ganzen Jahres Aufnahme.

Seine Christen beschrieben ihn später als einen geraden, entschiedenen Charakter, der sich nicht vor Gefahren fürchtete und der von den Chinesen wegen seiner Liebe und Geduld bewundert wurde. Er brannte von Eifer für die Seelen, die sich oft mehr aufgrund seiner Tugenden als seiner Worte bekehrten.

Als sich P. Johannes nach Hupé begab, war ihm klar, welche Gefahr das für ihn bedeutete. Die kaiserlichen Gesetze verboten den Europäern bei Todesstrafe, in das “himmlische Reich” einzudringen und das Evangelium zu verkünden.

Hupé und Hunan (Honan), wo der Heilige sterben sollte, gehörten zur Provinz Hou-Kouang, ein sehr reiches, fruchtbares, von Flüssen und Seen bewässertes Land, der Kornspeicher des Reiches. Später wurde es in zwei Provinzen eingeteilt, die fünf apostolische Vikariate umfassen. Zwei derselben kommen auf Hupé, drei auf Hunan. Letztere Provinz wird ihres Reichtums wegen von den Chinesen “die Blume der Mitte” genannt. Von saftigen Weiden, reichen Getreidefeldern, blühenden Fruchtbäumen bedeckt, gleicht sie einem Blumenbeet.

Zunächst arbeitete P. Johannes in Hupé, im Distrikt Xam-Sim-Sien. Quellen für sein Wirken in China sind uns Joseph Maria Rizzolati, ein Franziskaner, der 1828 nach China kam, 1839 Apostolischer Vikar von Houkouang wurde und sich auf Aussagen von Christen stützt, die P. Johannes persönlich gekannt hatten, sowie P. Johannes Mazetti, der u. a. die Aussagen von P. Michael Navarro, einem Franziskaner aus Spanien, der 1856 Vikar von Honan wurde, überlieferte, und P. Klet, der mit dem Heiligen gemartert wurde. In einem Brief an seinen Bruder, einen Karthäuser, gibt P. Klet einen Einblick in ihre Lebensweise:
“Unsere Nahrung ist fast wie in Europa; doch trinken wir keinen Wein; er ist zu rar, und das Wenige, was wir besitzen, verwahren wir für das hl. Meßopfer. Wir genießen Brot und Käse, wenn wir nicht die gewöhnliche Kost der Chinesen, Reis, vorziehen; wir haben Geflügel, Schweinefleisch und Gemüse, um unser Brot damit zu würzen.
Im allgemeinen fehlt es uns, was das leibliche Leben angeht, an nichts; gewiß, wir mehr als das Notwendige. Da wir auf Kosten der Christen, die uns besuchen, leben, befolgen wir, was der göttliche Meister Seinen Aposteln sagte: ‘Esset, was euch gegeben wird.’ Wir sind deshalb bald mehr, bald weniger gut versorgt, doch immer haben wir es für uns zu gut. Ich schäme mich oft, dass wir bessere Nahrung haben als unsere Christen, von denen es den meisten wenig nach Wunsch geht. Wir spenden ihnen Almosen nach unserem Vermögen, doch müssen wir vorsichtig sein, um den Heiden keinen Grund zu dem uns oft gemachten Vorwurf zu geben, wir erkauften Proselyten.
Unsere Kleidung, bequemer als die der Europäer, ist ganz einfach und deshalb im Sommer kühler. Um uns vor Kälte zu schützen, halten wir die losen Gewänder mit einem Gürtel zusammen. Der Bart, den wir tragen, geniert uns nicht; das Haupt ist geschoren, außer der Stelle, die bei den europäischen Priestern die Tonsur einnimmt.
Unsere Schlafweise würde man in Europa streng nennen: ein Brett, auf dem etwas Stroh ausgebreitet ist, und das mit einer Matte und einem Teppich bedeckt ist, dient uns als Lager; ferner haben wir eine mehr oder weniger leichte Bedeckung, um uns einzuhüllen. Wir ruhen dabei so gut wie in den weichsten Betten; trotzdem, ich muß es gestehen, bedurfte ich wohl eines Monats, um mich daran zu gewöhnen. Ich bedaure jetzt weder die Karthäuser noch die Karmeliter; unser Körper paßt sich allem an. Befinden wir uns in Barken, so schlafen wir einfach auf einer mit einer Matte bedeckten Planke.
Unsere Schuhe, ohne Nägel und Kordel hergestellt, halten am Fuße fest, ohne ihn zu ermüden; sie sind aus starkem Leinen, sogar die Sohle, und wir können wohl drei Monate mit einem Paare durch die äußerst steinigen Gebirge hin- und herreisen.”

Den Aussagen Mgr. Rizzolatis beim Seligsprechungsprozess entnehmen wir, dass der Wunsch des Heiligen, die Heiden zu bekehren, ihn bewog, Hupé zu verlassen. Ein Jahr hatte sich die Provinz seines Wirkens erfreut. Er trat nun mit einem Chinesen, Limalon, in Verbindung, welcher Christ war und ihn für das Apostolat in seinem Lande zu gewinnen suchte. P. Johannes ging darauf ein, wurde jedoch zunächst zwei Jahre lang durch einen Auftrag seines Bischofs in der rovinz Hunan, die damals zur Diözese Peking gehörte, zurückgehalten. Während dieser Zeit hatte er einen chinesischen Priester zum Gefährten und besuchte mit ihm von Ort zu Ort die Christengemeinden.

Im Jahre 1803 fand die für die Missionen Chinas wichtige Synode zu Su-tchuen (Szetschwan) statt, und P. Johannes richtete nun seine Schritte dorthin. Auf dieser Versammlung wurden nützliche Regeln hinsichtlich der Leitung durch die Missionare aufgestellt.

Das Jahr 1804 verbrachte P. Johannes in Schen-si. Ihm wurde der Distrikt Han-zou-fou mit sechs bis siebentausend Gläubigen zugewiesen. Die Reise dorthin machte er bis Si-ngan-fou zu Wasser. Shen-si wird vom Gelben Fluss begrenzt, der, nachdem er nördlich in die Mongolei fließt, wieder den Lau nach China richtet und die natürliche Grenze der beiden Provinzen Schen-si und Schan-si bildet. Si-ngan-fou, der Hauptort der Provinz Schen-si, liegt in einer herrlichen, wegen ihrer Fruchtbarkeit im ganzen Reiche berühmten Ebene. Hier hielt sich unser Heiliger auf, ohne einen festen Wohnsitz zu haben. Er bekehrte die Gemeinden Si-ngan-fou und Han-zou-fou. Seine Gastgeber in Si-ngan-fou waren Lien und Cin, in Han-zou-fou der Kaufmann Cin.

Von Chen-si begab sich der Missionar nach Kan-sou, wo er einen gewissen Lisinzon kannte. Während seines dortigen Aufenthalts im Jahr 1805 brach die Verfolgung los. Auslöser dieser Verfolgung waren Briefe der Missionare von Peking, die bei einem chinesischen Christen, der nach Kiang-Si reiste, gefunden wurde. Die Mandarine sahen zunächst nichts Verdächtiges in dieser Korrespondenz, als sie plötzlich eine Karte von Kiang-Nan entdeckten, auf der gena der Weg vom Meer bis zu den Grenzen der Provinz Peking eingezeichnet war. P. Adeodat, Prokurator der Mission der Propaganda, sandte sie der hl. Kongregation nach Europa, damit sie das Terrain der italienischen und portugiesischen Missionen abgrenze.

Die Mandarine glaubten, es handle sich um eine Sache gegen die Interessen des Reiches. Man ließ die Schreiber der Briefe ergreifen. Auch P. Adeodat mußte erscheinen. Niemand von ihnen wollte der chinesischen Regierung über diese Jurisdiktionsfrage Aufklärung geben. Die Mandarinen benutzten ihre Zurückhaltung, um den Kaiser gegen die Fremden und ihre Religion aufzureizen. Sie erlangten ein Dekret, in dem es unter anderem hieß: “Wir wollen, dass überall Edikte erlassen werden, welche der Sekte der Christen den Eingang verbieten; alle Einwohner des Reiches sollen wissen, dass sie, falls sie eine Verbindung und Korrespondenz mit den Europäern unterhalten, welche die Verbreitung oder Ausübung ihrer Religion bezweckt, als Übertreter unseres Gesetzes streng bestraft werden, ohne alle Hoffnung auf Begnadigung.”

Gleichzeitig mit dem Edikt wurden jedoch Gegenbefehle erlassen, die eine Fortsetzung der Missionsarbeit ermöglichten. Dieselbe war jedoch so schwierig und anscheinend vergeblich, dass P. von Tiora im Jahr 1810 folgenden Brief an seinen Generaloberen richtete:
“Hochwürdigster Vater! Ich bitte Ew. Paternität um Verzeihung, dass ich so lange Zeit verstreichen ließ, ohne Ihnen Nachricht von mir zu geben. Glauben Sie indes nicht, dass ich meine Mutter, den seraphischen Orden, und meine Oberen vergesse; ich habe nie aufgehört, für sie zu beten, und werde es auch in der Zukunft nicht tun, damit Gott sie inmitten der Umstürzungen in Europae beschütze und endlich unserer gemeinsamen Mutter, der hl. Kirche, und den Ordensfamilien, gegen welche die Verfolgung grausam wütet, den Frieden gebe.
Hier läßt man die hl. Religion Gott sei Dank in Ruhe, doch der Bekehrungen sind wenig. Wenn die Christen sich des Friedens erfreuen, erkaltet ihr Eifer, und ihr Beispiel ist nicht geeignet, den Heiden Achtung vor dem Christentum einzuflößen. Seitdem ich das Amt eines apostolischen Arbeiters bekleide, hatte ich keinen Augenblick Ruhe wegen des hier herrschenden Priestermangels. Ich bin fast immer allein, dabei sehr geschwächt und magenleidend, und obgleich ich erst fünfzig Jahre zähle, fühle ich mich recht gealtert. Auch habe ich - es sind nun 10 Jahre - keine Hoffnung mehr, das Kleid unseres hl. Vaters Franziskus nochmals anlegen und mein Leben in der Ruhe des Klosters beschließen zu können, welchen Wunsch ich vor zwei Jahren der hl. Kongregation offenbarte.
Ich bitte Ew. Paternität, diesen Brief meinem Provinzial zukommen zu lassen. Ich grüße ihn herzlich und bitte ihn, ich auf seinen Visitationsreisen dem Gebete meiner Brüder zu empfehlen. Mögen sie mir verzeihen, wenn ich ihnen jemals Grund zum Ärgernis oder ein böses Beispiel gegeben habe! Sollte ich nicht den Trost haben, sie hienieden nochmals zu sehen, dann wolle Gott uns in Seiner Barmherzigkeit das ewige, glückselige Leben verleihen.
Das ist mein Wunsch für alle. Ich grüße Sie, hochwürdiger Vater, ergebenst, küsse Ihnen die Hand mit der Bitte, mir den seraphischen Segen zu geben, und bleibe Ew. Paternität demütiger, gehorsamer Dienser
P. Johannes von Triora.”

Einen großen Trost bedeutete für P. Johannes die Begegnung mit seinem Ordensbruder P. Joachim Salvetti. Dieser war mit achtzehn Jahren in den Orden der Franziskaner eingetreten, hatte in Florenz Philosophie gelehrt und in Siena das Noviziat geleitet und war 1804 nach China gesandt worden. Am 16. September war er in Macao gelandet. Seine ersten Versuche, in das himmlische Reich einzudringen, blieben erfolglos. Er wurde ergriffen und gefangen genommen. P. Salvetti war es, dem unser Heiliger indirekt die Palme des Martyriums verdankte. Denn er wurde später apostolischer Vikar und hielt P. von Triora kraft seiner Autorität in Hunan zurück, obwohl menschliche Klugheit seine Rückkehr nach Macao empfohlen hätte.

Die Ruhe, die um das Jahr 1810 in China herrschte, wie wir aus dem Brief unseres Heiligen ersahen, sollte nur zu bald durch ein unvermutetes Ereignis gestört werden. 1811 nahm man in Schan-si einen Missionar gefangen, der ein Verzeichnis der Distrikte seiner Wirksamkeit, sowie der ihm verliehenen Vollmachten bei sich trug. Unter letzteren befand sich auch die Befugnis, in gewissen Fällen die Absolution zu erteilen. Die Mandarine sahen in der Ermächtigung, diese und jene Sünden nachzulassen, das Zeichen einer politischen und gerichtlichen Organisation und schlossen daraus, die Europäer wollten Männer ihrer Wahl als Richter und Beamte anstellen. In Peking wurden drei Kirchen sofort geschlossen.

Um diese Zeit wurden die in den Gebirgen Houkouangs wohnenden Christengemeinden von Räubern, den sogenannten Pei-lien-kiao, oder der Sekte der Weißen Seerose oder des Weißen Lotus bedrängt und bedrückt. Diese Sekte hatte sich dergestalt vermehrt, dass ihr Anführer mit Stolz sagen konnte: “Ein Drittel des Reiches gehört mir.” P. Klet beschreibt sie als eine sehr alte Sekte, die, durch schauerliche Schwüre und das unverbrüchlichste Schweigen gebunden, zu einer furchtbaren, geheimen Gesellschaft wurde.

Die Pei-lien-kiao verlegten sich nur auf Raub und Mord. Ihre plötzlichen Überfälle säten überall Unheil und Tod.

Zur Zeit unseres Heiligen sah es so aus, als ob sie kurz davor stünden, sich zum Herrn über China aufzuwerfen. Unter ihrem Anführer Wang drangen sie 1813 bis an die Pforte des kaiserlichen Palastes. Sie waren, wie man sagte, zahlreich wie die Sandkörner am Meere. Die kaiserlichen Soldaten flohen bei ihrem Nahen in die Berge, wo sie vor Schrecken und Furcht umkamen. Die Triumph jener Horde dauerte jedoch nur kurze Zeit: Wang wurde gefangen genommen und enthauptet.

Im Jahre 1811 wurde plötzlich das Gerücht von einer Empörung der Christen verbreitet. 1812 berichtet P. Klet, dass zwei Europäer die Anstifter des Komplottes seien. Wie sein göttlicher Meister sollte auch P. Johannes einen Judas unter den Seinigen finden. In Van-Kia-Vang war es, dass ein Katechet Leou sein Vertrauen missbrauchte und ihn bei den Mandarinen zweier Verbrechen beschuldigte: Europäer und Missionar zu sein.

Bald erschien ein Mandarin in Van-Kia-Vang, begleitet von vielen bewaffneten Soldaten. Diese umzingelten Residenz und Kirche. Sie glaubten, des Missionars habhaft zu werden, doch dessen Stunde war noch nicht gekommen. Mit einer Geistesgegenwart, die seine Ruhe angesichts des Todes klar bewies, verkleidete er sich schnell als Bauer. Den Kopf bedeckte er mit einem großen, alten Strohhut, der sein Gesicht teilweise verdeckte. Dann nahm er einen alten Korb auf die Schulter, in den er getrocknete Pflanzen und alles, was ihm in die Hände geriet, gelegt hatte. In dieser Verkleidung schritt er durch die Offiziere und Soldaten, die ihn suchten und nichts ahnten, und entfloh so seinen Feinden.

Dennoch hatte des Verbrechen des chinesischen Judas traurige Folgen. Wütend, dass ihnen ihre Beute entgangen, richteten die Henker ihre Wut gegen die Christen von Van Kiang Vang und der Umgegend. Alle, die der Verräter ihnen genannt, hatten viel von ihrer Gewalttätigkeit zu leiden.

Nach langen Jahren hatte Mgr. Rizzolati den Trost, den unglücklichen Verräter zu Gott zurückzuführen; er bekehrte sich aufrichtig und beharrte bis ans Lebensende in strenger Buße.

P. Johannes sah seine Wirksamkeit gehemmt und seine Christen in Gefahr. Er schrieb darum seinen Oberen, dass die Mandarine, um sich für die erlebte Täuschung zu entschädigen, ihm beständig nach dem Leben trachteten, ja, dass seine Anwesenheit für seine Umgebung, besonders für jene, die ihm Gastfreundschaft gewährten, eine Verfolgung nach sich ziehen könne. Als würdiger Sohn des hl. Franziskus stellte er indes alles seinen Vorgesetzten anheim und begab sich aus Vorsicht nach Hupé, um deren Entscheidung dort zu erwarten.

Über seinen dortigen Aufenthalt wissen wir durch Mgr. Rizzolati wertvolle Einzelheiten.
In dieser gefahrvollen Zeit suchte P. Johannes von Triora die treuen Gläubigen im Glauben zu bestärken. Mit Liebe führte er jene, die zur Zeit der Verfolgung im christlichen Leben nachgelassen hatten, zu ihrem ersten Eifer zurück. Wie ein guter Hirte gehörte er ganz seiner Herde, und Gott belohnte seine Aufopferung und Liebe mit zahlreichen Bekehrungen.

Sein Katechet Fang-Chung-Chian erzählte Mgr. Rizzolati folgendes:
Die Christen von Huo-Panh waren abgefallen, und P. Johannes entschloß sich mit Gefahr seines Lebens, sie zum heiligen Glauben zurückzuführen. Er bat den Katecheten, ihn zu begleiten, doch dieser konnte sich nicht dazu verstehen. Er suchte im Gegenteil den Heiligen zu überzeugen, dass seine Reise vergeblich und ein sicherer Tod sein Lohn sein werde. P. Johannes lieh den Worten menschlicher Klugheit kein Gehör. War er nicht der Jünger des Guten Hirten, der sein Leben für seine Schafe hingab? Er reiste also allein, und sein Mut wurde aufs herrlichste belohnt. Die verlorenen Söhne hörten alle auf die Stimme ihres Vaters, alle bekehrten sich. P. Johannes predigte, taufte und spendete die Sakramente. Er verbannte alle abergläubischen Gegenstände, an denen die Chinesen nur zu sehr hängen, und ersetzte sie durch Übungen der christlichen Frömmigkeit. Mit Katechesen suchte er die Seinen im Eifer zu erhalten.

Groß war das allgemeine Erstaunen über eine solche Wiederbelebung des christlichen Glaubens. Niemand jedoch wunderte sich so sehr wie der Katechet, der unsren Heiligen nicht hatte begleiten wollen. Mit Recht bedauerte er dies nun. Jenem, der später seine Stelle einnahm, wurde wie P. Johannes die Palme des Martyriums zuteil: Stephan Chang-Hi-Xen ließ sein Leben für den Herrn. Dieser einfache Laie war ein Mann von seltener Tugend, von dem Zeugen bestätigten, dass er nie ein unnützes Wort geredet habe. Er tat alles, was in seinen Kräften stand, zum Heil der Seelen.

Als P. Johannes in Hou-Panh den alten Eifer hergestellt hatte, erhielt er die Antwort des Apostolischen Vikars auf sein Schreiben. Aller Wahrscheinlichkeit nach war das zu jener Zeit der schon erwähnte P. Silvetti. Im Oktober 1811 war Mgr. Landi, der Bischof von Hou-kouang, unter dem unserer Heiliger seine Missionstätigkeit begonnen hatte, gestorben. Zu diesem Zeitpunkt war P. Silvetti bereits Bischof, doch seine Ernennung wurde erst im November 1816 in China bekannt.

Die Entscheidung des Apostolischen Vikars rief unseren Heiligen nach Hunan zurück. Diesem galt der heilige Gehorsam mehr als seine Überzeugung von der Unmöglichkeit dieser Mission. Er verließ die Hauptstadt von Hupé und begab sich nach Chang-sa-fou, der Hauptstadt Hunans, wo ein glorreicher Tod seine apostolischen Arbeiten krönen sollte.

Der Johannes Lantrua konnte nur unter vielen Gefahren in die Provinz Hunan eindringen. Aller Wahrscheinlichkeit nach residierte er in Hen-cheou-fou. In seinem ganzen Distrikt gab es keinen Platz, wo er vollständig sicher war. Schon in Lien-Si, wo er dem Evangelium Eingang verschaffte, wurde er verfolgt. Man hatte sich sogar sein Bild zu verscahffen gewußt, um dadurch seine Gefangennahme zu erleichtern.

Um den Nachstellungen zu entgehen, begab sich der Missionar nach Lian-Tain, welches sich schon früher seiner Sorge erfreut hatte. Hier gewährte ihm die Familie Zao Gastfreundschaft. Im Prozess bestätigte die mehr als achtzigjährige Christin Lui-Zao, dass sie ihn in ihrem elterlichen Hause gekannt und hochverehrt habe. Dasselbe Urteil gab eine andere fromme Frau aus Suin-si-lui, die ihn mehrere Male in ihrem Haus beherbergt hatte, über ihn ab.

P. Johannes, der, wie alle Söhne des hl. Franziskus, eine große Liebe zur Natur besaß, machte im Sommer gerne beim Sonnenuntergang seine Wanderungen durch die Berge. Zwei wunderbare Tatsachen, die sich bei dieser Gelegenheit ereigneten, zeigen uns, welche Stufe der Vollkommenheit er damals schon erreicht hatte, und erklären uns zugleich die Verehrung, welche ihm die Christgläubigen bis heute bewahrt haben.

Als der Heilige sich eins in der Dämmerung betend erging, begegnete er dem fanatischen Heiden Sien. Dieser, von Hass erfüllt, näherte sich ihm, maß ihn mit unverschämten Blicken und versetzte ihm eine Ohrfeige. Mit dem Ausdruck tiefen Mitleids schaute P. Johannes seinen Beleidiger an. Gott selbst enthüllte ihm das traurige Ende des Unglücklichen. Um ihn zu warnen, sprach der Heilige: “Sien, du wirst von einer Schlange gebissen werden und daran sterben.”

Die Prophezeiung erfüllte sich nach langen Jahren. Als Sien durch einen Wald schritt, schoss eine Schlange auf ihn zu und umringelte seinen Körper. Seine Begleiter versuchten, ihn zu befreien, was ihnen mit großer Mühe gelang. Den Körper Siens bedeckten bald vom Kopf bis zu den Füßen Schuppen, und er erlag dem tödlichen Biss der Schlange, wie P. Johannes es vorhergesagt hatte.

Ein anderes Mal empfand der Heilige auf einem Spaziergang heftigen Durst. Er befand sich am Fuße eines Berges, in dessen Nähe das Haus Gious’ lag. An diesem Ort waren jedoch weder Brunnen noch Quelle. Der Missionar steckte den Finger in den Boden, und sogleich entstieg dem Grunde ein zolldicker Wasserstrahl, der heute noch frisch und lebendig sprudelt. Bischof Semprini, dem eine alte Chinesin diese Aussagen machte, befürchtete, es könne dabei vielleicht ihre Phantasie im Spiele sein. Er befragte deshalb noch mehrere Mitglieder ihrer Familie. Alle aber bezeugten die Wahrheit des Wunders.

Die Aussage der Anna Kian, einer Tertiarin aus Zai-Z’on, gibt Zeugnis von dem hohen Eifer des Heiligen für die Sonntagsheiligung. Wenn die Christen ihre sonntäglichen Pflichten vernachlässigten, genügte gewöhnlich schon eine ernste Drohung des Apostels, den sie als einen Wundertäter verehrten, sie zur Einsicht zu bringen. Er schreckte auch nicht davor zurück, sie zu strafen. Als er einst eine Christin an einem kirchlchen Festtag Baumwolle spinnen und in ihrer Nähe einen aus ihrer Familie die Erde bearbeiten sah, schritt er auf letzteren zu, um ihm einen Verweis zu geben. Der Schuldige aber ergriff die Flucht, und P. Johannes strafte ihn nun in viel empfindlicherer Weise. Er verließ die Familie Fou, der die beiden Sonntagsschänder angehörten und bei der er wohnte, und begab sich in das Haus der Lo-vain-gi. Darüber herrschte bei der Familie Fou große Trauer. Mehrere Mitglieder begaben sich zu ihm mit der Bitte, doch zurückzukehren. Er, der nur ihr Bestes im Auge hatte, gab nach und nahm wieder Wohnung bei ihnen.

Eine hervorstechende Tugend an P. Johannes war seine Liebe zum Leiden Christi. Er benutzte die Ruhestunden der Christen, während derer sie sich von der Arbeit erholten, um über das Leiden des Erlösers zu ihnen zu sprechen und die Herzen zur Liebe des Gekreuzigten zu entflammen. “Wir verdanken ihm,” sagt Anna Kiam, “die Andacht des hl. Kreuzweges. Er lehrte meine Eltern diese fromme Übung, und von ihnen ging sie auf die anderen christlichen Familien über.”

In dieser schweren Zeit der Verfolgung gewährte ihm der göttliche Heiland denselben Trost, den er selbst vor seinem Ende gekostet hatte, den Trost, bei treuen Freunden zu weilen. Für Jesus war Bethania der Ort, wo er in der Familie des Lazarus ausruhte und neue Kraft zu seinem Opfer schöpfte. P. Johannes fand in zwei christlichen Häusern treue Jünger und Anhänger.

Gegen Ende April 1815 weilte er in der Familie Ko-fui, und er entdeckte bald, dass das Haupt derselben, Ko-gien-giu, der katholischen Religion angehört hatte. Nach dem Tode seines Vaters hatte Ko-gien-giu, erschreckt durch die Edikte des Kaisers, sein christliches Leben aufgegeben. Trotzdem hielt ein gewisses Gefühl ihn ab, die Gebetbücher, Bilder und Kruzifixe zu vernichten. P. von Triora bot alles auf, diese Seele dem christlichen Glauben wieder zu gewinnen. Er führte dem Abgefallenen die beglückende Wahrheit der heiligen Religion vor und betonte besonders, dass es ihm, der bereits die heilige Taufe empfangen hatte, durchaus nicht erlaubt sei, dem katholischen Glauben zu entsagen. Die Gnade rührte Ko-fui, er glaubte alles, was der Missionar ihm sagte, und er sowie sein Sohn und Adoptivsohn wurden treue Jünger des apostolischen Mannes.

P. Johannes errichtete nun im Haus Ko-fuis ein Oratorium. Die ganze Familie betrachtete ihn als ihren geistlichen Vater, und alle widmeten sich mit großem Eifer den Übungen der christlichen Religion. Nach der Aussage des Zeugen Ko-fa-chou von Pesian war das Haus Ko-fui der erste feste Wohnsitz des Missionars in Hunan. In diese Zeit fallen auch mehrere seiner Prophezeiungen. Danach weilte er lange in Persian, überall den Einfluss seiner Milde und seines Eifers hinterlassend.

Besonders interessant ist die Bekehrung des Volkes von Ma-zia-z’on im Distrikt Lui-jan-sien. Die Religion dieser Leute hatte etwas Geheimnisvolles; unter anderem fasteten sie zu Ehren verschiedener Götzen. Es befand sich unter ihnen ein alter Heide, der es besser verstand als seine Landsleute, im offenen Buch der Natur zu lesen. Eines Tages, nachdem er den Himmel betrachtet und ihn schöner fand als die Götter, die er verehrte, sprach er: “Wir fasten so manchen Göttern zu Ehre. Ist es nicht befremdend, dass wir kein Fastengebot haben, um den schönen Himmel zu ehren?”

Seine Freunde waren von diesem Gedanken betroffen und antworteten: “Wir glauben zu wissen, dass es eine Religion gibt, die den Gott des Himmels ehrt, vielleicht schreibt sie auch ein Fasten zu Ehren des Himmels vor.”

Die guten Chinesen fanden einen Christen mit Namen Ma-zia-zo, durch den sie den kleinen Katechismus kennenlernten und allen Ernstes sich zu eigen machten. So drang das Licht der Wahrheit in ihre Herzen, und sie entschlossen sich, Christen zu werden. Sie schickten eine Gesandtschaft nach Hen-cheou-fu, um einen Priester des wahren Gottes zu erhalten. Die göttliche Vorsehung lenkte ihren Schritt zu P. Johannes, der sich freudig ihrer Bitte fügte und mit ihnen zog. Er bekehrte viele von ihnen, und zahlreiche Neophyten und Katechumenen gereichten ihm zum Trost und zu hoher Freude.

Einige Zeit nachher begab sich P. Johannes nach Lui-jan-sien. Hier gewann er den Chinesen Giau-quan-z’ai, der aus Neugierde zu ihm kam, für den katholischen Glauben. Kaum hatte dieser die christliche Religion angenommen, als er Hotai-qui und Ho-gin-gian desselben Glückes teilhaftig machen wollte und sie zum Missionar führte.

Ho-tai-qui gestand, dass sein Vater Christ gewesen, dass er selbst jedoch nach dessen Tode abgefallen sei. Trotzdem habe er, wie Ko-fui, die Gebetbücher, Bilder und Kreuze aufbewahrt. Ho-tai-qui und sein Bruder Ho-gin-gian zögerten nicht, den Glauben ihres Vaters anzunehmen. Mit Hilfe der Christen von Lui-jan-sien wurde nun dort ein Oratorium gebaut. Alle trugen nach Kräften zur Herstellung des bescheidenen Gotteshauses bei. Die Begüterten aus ihnen lieferten das Holz, die Armen übernahmen die Arbeit der Handwerker und errichteten mit ihren Händen die Mauern der kleinen Kirche. Sie fasste etwa 50 bis 60 Personen. Es gewährte einen rührenden Anblick, wenn die Katechumenen eintrafen und ihre Vorräte selbst mitbrachten. Sie ließen sich im Hause Gottes oder in der Nähe nieder, um ihre Gebete zu lernen; gegen Abend kehrten sie wieder nach Hause zurück.

Noch einmal besuchte der Heilige die Familie Zao in Lian-Tain. Hier gab er einen Beweis seines prophetischen Geistes. Noch nie hatte jemand aus der Familie Zao ihn weinen gesehen. Bei diesem letzten Besuch aber vergoss er zahlreiche Tränen. Er wußte, welche Wirren und Verfolgungen den Seinigen bevorstanden, und dieses war der Grund seines Schmerzes und seiner Betrübnis.

Schon früher erwähnten wird ein Edikt des Kaisers, welches durch eine Karte des P. Adeodat veranlaßt worden, jedoch durch die fast gleichzeitig erlassenen Gegenbefehle toter Buchstabe geblieben war. Aber es blieb bestehen, und da wir einen Blick auf die Verfolgung werfen wollen, die den Tod des Missionars herbeiführte, lassen wir das Edikt hier folgen:

“Im 6. Monat des 10. Jahres von Kia-King wurde nachstehendes Edikt erlassen:
In der Provinz Su-Tchuen bekennen und lehren viele die christliche Religion. Der Gouverneur der Provinz soll dem Volke zur Kenntnis bringen, dass dieses verboten sei, und er soll die Bücher besagter Religion verbrennen. Findet man Lehrer derselben, die das Volk täuschen, so sollen sie streng bestraft werden; das gewöhnliche Volk wird seinen Irrtum von selbst einsehen und ihm entsagen und somit ein gutes Volk werden. Die Sache soll allen Ernstes betrieben werden; alles darauf Bezügliche ist bereits bestimmt.”

Am 16. September 1810 erneuerte der Vizekönig von Su-Tchuen die alten Verbote. “Wie”, so redete er die Chinesen an, “ihr begreift noch nicht, dass ihr die Gesetze des Königs halten müßt, obwohl man euch täglich lehrt und unterweist? Ihr habt den Himmel über eurem Haupt und kennt ihn nicht? So glaubt doch, dass der Sohn des Himmels, der König, auch die Einsicht des Himmels besitzt. Die Erzeugnisse der Erde, der Regen, der sie bewässert, Sonne und Mond sind für das weise und tugendhafte Volk der Chinesen, Donner und Blitz aber sind da, um jene, die dieses Volk verderben und seine Gebote verletzen, zu bestrafen. Sieht man doch zuweilen, dass die Verbrecher von ihnen getötet werden. Die Lehren des Königs sind die Lehren des Himmels selber, der Himmel aber ist unser oberster Herr und Gebieter. Was die Europäer christliche Religion nennen, ist eine dunkle, vernunftlose Religion, ein Gesetz, erfunden, um Geist und Körper der barbarischen Völker jenes Landes in Fesseln zu legen. Diese Barbaren kennen weder die Bücher unserer Heiligen noch unserer Weisen über die Ordnung der Gesellschaft. Sie befolgen ihre Religioin mit wahrem Fanatismus und bleiben deshalb Barbaren. Sie sind so verachtungswürdig, dass wir Chinesen sie mit unserem Speichel bedecken sollten, sie verdienen gehaßt und geschmäht zu werden, gleich Barbaren, die nicht würdig sind, unter die Menschen gezählt zu werden.”

Kam, der Zensor des Reiches, berichtete dem Kaiser also:
“Hinsichtlich der Religion der Europäer, die christliche oder Religion des Himmels genannt, benachrichtigt der Zensor Kam Ew. Majestät in aller Ergebenheit, dass sie sich schrankenlos im Reiche ausbreitet. Möge Ew. Majestät an maßgebender Stelle Befehle zur Verhütung eines solchen Übels erlassen, damit die Schuldigen gezüchtigt werden, vor allem die Mandarine, die einen solchen Aberglauben nicht verhindern.
Ich warnte Ew. Majestät schon verschiedene Male; möge Sie denn wenigstens jetzt diese verderbliche Pflanze mit einem Ruck ausreißen. Die Mandarine sollen gemäß der Befehle, die Ew. Majestät zu geben geruhen werden, aufmerksam und streng sein, damit jene Religion nicht weiter verkündet und die Schuldigen ernstlich bestraft werden.”

Die Missionare von Peking, durch die etwaigen Folgen eines solchen Antrags erschreckt, reichten nun dem Gerichtspräsidenten eine Adresse ein, um ihre Hochachtung und Unterwürfigkeit gegen den Kaiser zu bekunden. Vergebens! Der Beherrscher der Reiches erließ folgendes Dekret:
“Der Zensor Kam ersuchte uns, über die Chinesen, welche sich zur Religion der Europäer, der sogenannten christlichen Religion, bekennen, Strafen zu verhängen. Die Sache der in Peking weilenden Europäer ist es bloß, die Gestirne des Himmels zu erforschen, nicht aber, ihre uns unbekannte Religion zu verkünden. Sie selbst mögen sie halten und unter sich ausbreiten, so viel sie wollen, aber es schadet der Eintracht und öffentlichen Wohlfahrt, wenn sie ihre Lehren unserem Volke aufdrängen. Es soll dies also streng bestraft werden. Schon vor Jahren züchtigte ich die Anhänger dieser Sekte, doch habe ich keine bestimmte Strafe für die Übertretung meines Verbotes festgesetzt. Deshalb möge jetzt das Kriminalgericht wohl erwägen, in welcher Weise die Verbreiter jener Religion, die Priester, bestraft werden sollen, ebenso das beschränkte Volk, welches diese Religion annimmt und befolgt ...”

Das Gericht unterbreitete daraufhin dem König Folgendes:
“Der ganze Gerichtshof hält es für gut, dass Ew. Majestät Nachstehendes beschließe:
Die Europäer, welche insgeheim Bücher der christlichen Religion drucken, Prediger anstellen und die Bürger verführen; desgleich die Tataren und Chinesen, die an Stelle der Europäer besagte Religion verbreiten, kurzum alle Lehrer derselben sollen, wenn ihr Treiben von glaubwürdigen Personen bezeugt werden kann, wie Zauberer behandelt werden, d. h. sie sollen der Strafe der Erdrosselung anheimfallen. Jene, die sich verführen lassen, die christliche Religion anzunehmen, sollen, wenn sie nicht Lehrer jener Sekte sind, nach Ou-lou-kam (in der Tatarei) verbannt und zu Sklaven der Tataren werden. Denen, die sich innerhalb eines Jahres von ihrem Irrtum bekehren, soll vollkommene Verzeihung gewährt werden, jene, die in dieser Zeit noch nicht soweit gekommen, jedoch zur Bekehrung hinneigen, soll man auch mit einiger Nachsicht behandeln. Sie sollen hundert Hiebe empfangen und auf drei Jahre in die Verbannung geschickt werden, doch darf der Ort ihres Exils nicht über dreihundert Meilen von ihrer Heimat entfernt liegen. Die aber nicht von ihrem Irrtum lassen wollen, sollen nach Ou-lou-kam verwiesen werden.”

Vom 20. März 1811 datiert der nachfolgende Erlaß des Kaisers, der hier im Auszug folgt:
“Da mir mitgeteilt worden, dass in Pekung ein Verbrecher verhaftet worden, der die christliche Religion verbreitet, bestimme ich hiermit die strengsten Strafen gegen die Religion, weil sie eine falsche Lehre verkündet und das unwissende Volk täuscht, was unseren Untertanen zu großem Nachteil gereicht.
Die Ausbreiter der christlichen Religion, diese Verbrecher, sollen bestraft werden. Sobald man ermittelt hat, wie viele Bischöfe und Priester der Sekte in den Provinzen verbreitet sind, werde ich den Gouverneuren ein eigenes Dekret zustellen ...”

Schließlich erließ noch das Kriminalgericht von Peking das folgende Dekret, veranlaßt durch die zur Zeit von Kam, dem Zensor des Reiches, gemachten Vorstellungen:
“Es geht uns nichts an, dass diese Europäer, wie sie es in ihrer Heimat gelehrt worden, einen Gott anbeten, aber dass sie unser Volk betrügen und Priester oder sonstige Beamte in allen Provinzen anstellen, das beweist, dass sie auf den Umsturz unserer Gesetze ausgehen ... Diese Religion betet unsere Götter nicht an, noch verehrt sie unsere Vorfahren, was der gesunden Vernunft geradezu entgegen ist. Ja, eine solche Religion annehmen und die falschen Ämter bekleiden, welche diese Europäer verleihen, ist das nicht eine wahre Empörung?
Wie aber kann man diese falsche Lehre entwurzeln, wenn man nicht über ihre Anhänger und Ausbreiter schwere Strafen verhängt? So sollen in Zukunft alle, welche heimlich Bücher dieser Religion drucken, Prediger anstellen und viele Bürger verführen, erdrosselt werden.
Die Tataren und Chinesen, die sich auf gleiche Weise verfehlen und überführt werden, Lehrer der Christen oder Katecheten zu sein, fallen derselben Strafe anheim ...
Hinsichtlich der Europäer in Peking kann man gegen jene, die sich als Mathematiker am Hofe aufhalten dürfen, nichts einwenden; warum aber sollen solche, die sich nicht mit der Wissenschaft befassen, in der Stadt bleiben und Unruhen stiften? Sie sollen also dem Vizekönig von Canton zurückgeschickt werden, damit er sie, sobald die notwendigen Schiffe vorhanden, in ihr Vaterland zurückkehren lasse. Die Europäer werden in den Provinzen durchaus kein Amt bekleiden; sie dürfen auch dort nicht wohnen und ihre falsche Lehre verbreiten.
Die Vizekönige, der Magistrat und die anderen Präfekten der Provinzen sollen in ihren Distrikten mit großer Sorgfalt den Europäern nachspüren und sie sodann nach den gegebenen Vorschriften verurteilen, um so mit einem Mal die christliche Religion gänzlich auszurotten.
Alle Punkte dieses Dekretes müssen ausgeführt werden.”

So lautete das Edikt des Gerichtes, dem der Kaiser noch mit folgenden Worten seine Bestätigung gab: “Man führe diese Beschlüsse des Kriminalgerichtes aus.”

Es läßt sich denken, welche Angst und Bewegung diese Bestimmung unter den Christgläubigen hervorriefen. Man ahnte es: die Zeit des Blutvergießens war nun nicht mehr fern.

Wenden wir uns wieder dem Schicksal unseres Heiligen zu. Wie schon erwähnt, hatte er im Haus von Ho-tai-qui in Lui-jan-sien ein Oratorium errichtet. In dessen Nähe sprudelte ein Springbrunnen. Doch eines Tages versiegte die Quelle. Nun mußten die Leute einen weiten Weg machen, um sich das nötige Wasser zu verschaffen. Der hl. Johannes Lantrua nahm zum Gebet seine Zuflucht, besprengte den ausgetrockneten Brunnen mit Weihwasser, und siehe da: Es floß wieder reichlich frisches und klares Wasser heraus. Später besuchte Mgr. Semprini diese Stätte. Sie war inzwischen von Heiden in Beschlag genommen. Vom ehemaligen Oratorium fand er nur noch das Fundament vor. Dach und Mauern waren zusammengestürzt, und auf den Ruinen hatte man Weizen gesät. Aber das Vorhandensein des Brunnens konnte er bestätigen.

Einige Zeit vor seiner Gefangennahme fühlte P. Johannes sich körperlich nicht wohl, und um seine Kräfte zu stärken, nahm er seine Zuflucht zu Ziegenmilch. Vielleicht wußte er nicht, dass die Chinesen es für unpassend hielten, sich dieser zu bedienen, und nun den Missionar erstaunt betrachteten. Ihm war die Sprache von Hunan nicht sehr geläufig, denn die an und für sich schon so schwere chinesische Sprache wird noch bedeutend erschwert durch die Verschiedenheit des Dialekts jeder Provinz. Aus diesem Grund entging es ihm, dass der Gebrauch von Ziegenmilch die Chinesen so sehr befremdete.

Er schaffte sich in seiner Not und Ermattung einige Ziegen an, die er der Obhut eines jener kleinen Chinesenknaben übergab, deren unschuldige Herzen er so gerne Gott zuführte. Der Kleine hütete die Tiere in der Nähe der Wohnung des Heiligen, für den er eine große Verehrung hegte. Weniger zugetan war ihm ein Bonze, mit dem er wegen eines unbedeutenden, durch die Ziegen verursachten Schadens in Streit geriet. Der Bonze wollte sich rächen, und er tat es, indem er den Missionar beim Mandarinen anzeigte.

Es war im Jahre 1805, dem neunten der Regierung des Königs Gia-Cin (Chia Ch’ing, Jen-tsung, aus der mandschurischen Ch’ing-Dynastie, 1795-1820). An der Spitze der Gesellschaft der Weißen Seerose stand damals ein Empörer namens Chu-mao-li, der in der Provinz Schan-si einen Aufstand angezettelt hatte. Seine Anhänger, von bewaffneten Soldaten verfolgt, zerstoben nach allen Richtungen in die Provinz Hunan, wo sie sich auch beständig umzingelt sahen. Als nun die Einwohner von Lui-jan-sien die Gewohnheiten des Missionars sahen, die von den ihrigen so verschieden waren, glaubten sie, auch er gehöre zur Bande jenes Empörers Chu-mao-li.

Der Heilige, der seelenruhig bei Sonnenuntergang vor aller Augen sein Brevier betete, weckte immer mehr den Argwohn, so dass sich das Gerücht verbreitete, er gehöre zum Anhang des Empörers. Der erwähnte Bonze sah die Gelegenheit, sich zu rächen, und versicherte, dieses Gerücht beruhe auf Wahrheit. Er war nicht der einzige Verräter. Die Söhne des Hieronymus Lien, Philipp und Jakobus, führen noch den Heiden Tzo-min-cuhin an, der den Missionar beim Gericht von Lui-jan-sien verklagt und von ihm ausgesagt habe, dass er sich fälschlich für einen Diener der Religion Gottes ausgebe, in Wahrheit aber das Haupt der Empörer, Chu-mao-li selbst, sei, den man mit so vieler Mühe suche.

In der Nacht, welche der Gefangennahme des Heiligen vorausging, wollte Gott ihm sein zukünftiges Martertum enthüllen: Er erhielt den Besuch eines Kindes, das ihn mit den Worten begrüßte: “Morgen wirst du gefangen genommen.” Nach dieser kurzen Botschaft verwand das Kind. War es ein Bote des Himmels? Die Christen erzählen uns diesen geheimnisvollen Besuch. Der Missionar aber machte sich nun zu seinem Opfer bereit.

Vor allem wollte er seine Christen im Glauben befestigen. Er sammelte deshalb jene, die in seiner Nähe weilten, um sich. Er mahnte Lui-sin-ju, zurückzukehren, und wandte sich sodann, von oben erleuchtet, an die Seinigen mit der Frage: “Fürchtet ihr den Sturm?” - “Welchen Sturm, Vater?” - “Den Sturm, der uns droht. Die Soldaten werden uns ergreifen und zum Mandarinen führen, der uns befehlen wird, unsere heilige Religion zu verleugnen. Wenn wir uns weigern, wird er mit Strafen drohen und uns, falls wir standhaft bleiben, zum Tode verurteilen.”

Die Christen fragten: “Vater, fürchtest du dich?” - “Nein, ich kenne keine Furcht!” Der Mut des Streiters Christi teilte sich seinen Jüngern mit, und sie sprachen: “Vater, wenn du dich nicht füchtest, so fürchten auch wir uns nicht.”

Bald näherte sich die Rotte, die P. Johannes tatsächlich für den Empörer Chu-mao-li hielt. Sie machten kurzen Prozess, nahmen den Pater und die Christen gefangen, plünderten die Kapelle und raubten die heiligen Gefäße, Kreuze und Bilder. Es war in der Nacht des 28. Juli 1815.

Die Gefangenen wurden gefesselt vor den Mandarin von Liu-jan-sien geführt. Der Richter befahl dem Heiligen, niederzuknien. Doch dieser verweigerte und sagte: “Ich beuge die Knie bloß vor deinem Kaiser.”

Nun begann der Mandarin das Verhör: “Woher bist du?” - “In bin ein Europäer.” - “Dein Name?” - “Johannes von Triora.” - “Was tust du in diesem Land?” - “Ich verbreite die Religion des wahren Gottes.” - “Verleugne deine Religion!” - “Und wenn ich sterben sollte, nie und nimer werde ich das tun.” - “Lege deine Gewänder an und zeige uns deine Zauberkünste!” - “Wir haben keine Zauberkünste.”

Der Mandarin verlor die Hoffnung, einen solchen Mut zu besiegen. Er ließ die Christen in nach außen gelegene Zellen des Gefängnisses führen. P. Johannes jedoch wurde in einem Kerker, der im Inneren des Gebäudes lag, untergebracht. Hieronymus Lien konnte wohl die Christen, nicht aber den Missionar besuchen. Es war nicht möglich, zu ihm zu gelangen.

Mgr. Rizzolati, der von vielen Zeugen die Gefangennahme des Heiligen gehört hat, gibt darüber folgenden Bericht: “P. Johannes wurde zuerst vor das Gericht von Liu-jan-sien (die Silbe sien bezeichnet eine Stadt dritten Ranges oder ein Dorf) geführt. Vor dem dortigen Gericht erster Instanz wurde er in Ketten gelegt. Den Hals umgab man mit einem eisernen Ring, den eine Kette mit einer Eisenstange verband. Die Kette verlängerte sich bis zu den Füßen, wo sie sich mit einer zweiten, welche die Füße umschloss, vereinigte. Eine dritte endlich umschloß die Hände, auch sie hing mit jener am Halse zusammen. In solchem Zustand erschien der Apostel vor den Richtern von Liu-jan-sien. Sein Benehmen war das eines Helden. Niemals habe ich gehört, dass er das geringste Zeichen von Schwäche oder Unentschiedenheit gegeben hätte. Nach der ersten Sitzung wurde er ins Gefängnis geworfen, und zwar zu Übeltätern der schlimmsten Art; hielt man ihn doch wie alle unter gleichen Umständen verhaftete Europäer für einen, der mit ganz ungeheuerer Schuld beladen war. Die chinesischen Kerker sind feucht, dumpf und von üblem Geruch, da man, um die Pein der Gefangenen zu vermehren, faulende Stoffe in ihnen unterbringt. Unser Martyrer mußte, wie die großen Verbrecher, ein rotes Gewand anlegen. Ich weiß nicht genau, wie lange er in diesem Gefängnis blieb, ehe er zu jenem von Hen-cheou-fou (die Silbe bezeichnet eine Stadt ersten Ranges) geführt wurde.”

Aus der Biographie von Ara-Coeli entnehmen wir, dass P. Johannes bis zum 31. Juli, also drei Tage, im Kerker zu Liu-jan-sien blieb. Dieser Aufenthalt war gleichsam die erste Haltestelle auf dem schmerzlichen Gang nach Calvaria, welches er in dem Bewusstsein erstieg, dass es der Weg zur ewigen Herrlichkeit für ihn werden sollte.

Die nun folgenden Mitteilungen beruhen auf den sichersten Quellen. P. Andreas Ko, der 1879 in Chang-sa-fou weilte, erbat sich vom Gerichtshof der Provinz die Erlaubnis, die Akten abschreiben zu dürfen, was ihm auch bewilligt wurde. Er übersetzte sie ins Lateinische, und diese Übersetzung ist unsere Quelle. Die Akten geben uns Aufschluß über die Stellung des Mandarins Toa von Hen-cheou-fou. Er hatte unter seiner Gerichtsbarkeit zwei Mandarine namens Fou, und dreiundzwanzig andere, Sien genannt. Die Sien-Mandarine sind die unmittelbaren Vorsteher des Volkes, etwa wie bei uns die Bürgermeister. Jeder Mandarin “Fou” steht über sieben Sien. Der Mandarin Tao steht über Fou und Sien und hängt direkt vom Gouverneur der Provinz ab, welcher unmittelbar unter dem Kaiser steht, obgleich er in bestimmten Punkten auch vom Vizekönig in Hou-Kouang abhängig ist.

Dem Mandarin Sien von Liu-jan-sien stand es nicht zu, über das Schicksal seines Gefangenen zu entscheiden. Er mußte ihn zu einem höheren Gerichtshof schicken. Deshalb schrieb er an den Mandarin von Chang-sa-fou:

“... Die Mandarine Sien haben die Pflicht, alljährlich persönlich ihr Gebiet zu bereisen und sich über die hinzugekommenen fremden Personen zu erkundigen, im ihre Namen sofort den höheren Vorgesetzten übersenden zu können.
In diesem Sommmer suchte ich besonders Erkundigungen über die Europäer Lien-sin und Chu-mao-li, die sich in meinem Distrikt verborgen halten konnten, einzuziehen. Am 21. des 6. Mondes erfuhr ich, dass sich zu Sia-mo-z’on ein verdächtiger Fremder aufhalte. Sofort berief ich den Obersten der Soldaten und den Mandarin Zao-gi-sien. Wir alle begaben uns nach Sia-mo-z’on, wo ich jenes verdächtige Individuum gefangen nahm. Ich befragte den Menschen und erfuhr, dass er ein Europäer, in Anhänger der Religion des Herrn des Himmels sei und P. Johannes Lantrua (Lan-juevan) heiße. Er hat heimlich ein Oratorium errichtet, seine Lehre verbreitet, das Volk getäuscht und viele für seine Sache gewonnen.
Von letzteren ließ ich acht Personen gefangen nehmen, nahm auch ihre Gebetbücher, sowie ein kleines Kreuz von Holz, worauf ein metallenes Götzenbild befestigt war, in Beschlag. Ferner fand ich noch ein großes, hölzernes Kreuz, ein Bild, Gott vorstellen, europäische Gewänder und eine Kopfbedeckung. Außer diesen Gegenständen habe ich trotz der genauesten Untersuchungen nichts Gesetzwidriges gefunden ...
Ich führte nun die Schuldigen zum Gerichtshof Sien und nahm sie einzeln ins Verhör. Lan-juevan sagte mir, dass er sechsundfünfzig Jahre zähle, Europäer und Römer sei. Im dritten Jahr der Regierung des Gia-Cin kam er auf Befehl des Königs Pius (Papst Pius VII) nach China, um seine Religion zu verbreiten. Er reiste über Indien und hat fünf Jahre seine Lehre verkündet. Im Winter erreichte er die Grenze von Kouang-ton, schor sein Haupt und wechselte seine Kleider. Nach zwei Jahren Wartens bewog er drei Männer zur Annahme seiner Religion. Später drang er in Hou-Kouang ein und durcheilte vier Provinzen, überall seine Lehre verkündend und Gebete lehrend.
Im vierten Monat des zwanzigsten Jahres wandte er sich gegen Hou-Nan, wo ihm in einem Sien (Dorf) die Familie Ko Gastfreundschaft gewährte. Er blieb zehn Tage dort und gewann die ganze Familie für seinen Glauben. Am 14. Tage kam er in die Nähe von Liu-jan-sien. Er hielt sich in einem Gasthof auf, wo er Gian-quan-z’ai, der sich mit ihm unterhielt, für den Katholizismus gewann. Gian-quan-z’ai führte den Europäer zu seinen Freunden Ho-tai-qui und Ho-gin-gian, und Lan-juvean bestimmte ersteren, ein Oratorium zu errichten und seine Religion anzunehmen ...
Verschiedene Personen aus der Nachbarschaft kamen nun zu Lan-juevan, alle traten zu seinem Glauben über und beteten täglich mit ihm, bis sie am 22. Tage ergriffen wurden ...
Ich konnte keinerlei Versammlungen entdecken, die stattgefunden hätten, um dem Volke Geld zu erpressen, auch keinen Gegenstand, der dem Gesetze zuwider gewesen wäre. Die Chinesen haben die Aussagen des Lan-juevan bestätigt. Sodann untersuchte ich die europäischen Bücher, konnte sie aber nicht verstehen. Die chinesischen sind in der volkstümlichen, nicht in der gebildeten Sprache geschrieben, enthalten aber nichts Gesetzwidriges.
Inbetracht jedoch, dass die sogenannte Religion Gottes seit langem durch Edikte verboten wurden, dass sogar der Kaiser sie in einem Erlaß beschuldigt, das Volk zu betrügen, den Sitten und dem Geiste zu schaden und deshalb ihre Ausbreitung im Reiche streng untersagte, habe ich Lan-juevan schuldig befunden, weil er mit Verachtung des Gesetzes gewagt hat, diese Religion insgeheim in den inneren Provinzen zu predigen und zu lehren.
Man könnte sich fragen, welchen Zweck er verfolgt habe, da es ihm nicht um zeitlichen Gewinn zu tun gewesen. Vielleicht haben seine Antworten auf meine Fragen uns nicht alles enthüllt. Ich werde deshalb meine Nachforschungen fortsetzen, um das Übel an der Wurzel anzufassen, und werde meine Entdeckungen den Vorgesetzten zur Kenntnis bringen. Ich füge meinem Schreiben die Gebetbücher, Bilder, Gegenstände bei.
Ich entbiete Ew. Exzellenz meinen ehrfurchtsvollen Gruß mit der Bitte, diese Angelegenheit, die ich, der Mandarin Sien, ihr zu unterbreiten wage, prüfen zu wollen.
Entworfen zu Liu-jan-sien, im 6. Monate des 20. Jahres am 24. Tage.
Vom Gouverneur der Provinz in Empfang genommen am 3. Tage des 7. Mondes.”

Der chinesische Priester Ko bemerkt, dass der Mandarin Sien sicher nicht selbst unseren Martyrer gefangen genommen, sondern bloß seine Soldaten geschickt habe; er wollte in seinem Bericht nur seine Verdienste in ein helleres Licht stellen und seine Ehre erhöhen. Er war einer der heftigsten Verfolger des Missionars, weil er hoffte, sich durch seine Handlungsweise bei der Regierung in Gunst zu bringen. In seinem Dokument finden wir noch mehrere Abweichungen von der Wahrheit, die er sich zu Schulden kommen ließ, um den Schein der Nachlässigkeit von sich zu wälzen, den der wahre Sachverhalt auf ihn geladen hätte.

Nach der Aussage des P. Ko und anderen war es dem Mandarin von Hen-cheou-fou sehr unangenehm, gegen P. Johannes und seine Christen vorgehen zu müssen. Er machte sogar seinem Untergegebenen, dem Mandarin von Lui-jan-sien, Vorwürfe, dass er die Geschichte angeregt habe, anstatt sich mit der Verfolgung des Empörers Chu-mao-li zu befassen, und er verurteilte ihn, sämtliche Kosten zu tragen. Dennoch mußte der Mandarin von Hen-cheou-fou sich dem Gesetz anbequemen und tun, was sein Amt von ihm verlangte.

P. Johannes und seine Christen wurden nun, mit Ketten beladen, von Lui-jan-sien nach Hen-cheou-fou gebracht. Dort wurden in der Zwischenzeit dreißig Christen ergriffen, die dann mit dem Heiligen zusammen vor Gericht geführt wurden. Der Mandarin stellte sie ihrem geistlichen Vater gegenüber und fragte letzteren: “Kennst du diese Leute?”

“Es ist Nacht, ich kann sie nicht unterscheiden,” lautete die vorsichtige Antwort.

Der Mandarin zeigte nun auf Ko-fui, einen ehemaligen Soldaten, der besonders durch seine riesige Gestalt auffiel. Dieser treue Katechet hatte schon in seinem eigenen Verhör gestanden, dass er Christ sei, und P. Johannes brauchte nicht zu fürchten, seinen Jünger zu verraten. Er antwortete deshalb auf die Frage des Mandarins, ob er ihn kenne: “Ja, ich kenne ihn, es ist der Katechet Ko-fui, ich habe in seinem Haus gewohnt.”

Der Mandarin erlaubte sich nun eine Frage, die der Missionar nur der Antwort würdigte: “ Wie kannst du, ein gebildeter Mann, solchen Verleumdungen Glauben schenken? Wie auch nur wagen, eine solche Frage an mich zu richten?”

Diese wenigen Einzelheiten sind alles, was uns aus dem Verhör von Hen-cheou-fou bekannt ist.

In seine Haft zurückgekehrt, setzte P. Johannes sein Werk zum Heil der Seelen fort. Verkleidete Christen besuchten ihn, und er ermutigte sie zur Treue in ihrem heiligen Glauben. Sein Unglück solle ihnen nicht zum Falle gereichen. Es sei nun die Stunde gekommen, wo die Diener des Gekreuzigten sich ihres Herrn würdig erweisen müßten.

Die Gefangenen blieben nur kurze Zeit in Hen-cheou-fou. Der dortige Mandarin war ihnen zugetan und beeilte sich, ihre Angelegenheit, die ihm unangenehm war, einem anderen zu übertragen, und übergab sie dem Gourverneur von Chang-sa-fou.

Dort lernte der Heilige während sieben langen Monaten die schwere Gefangenschaft in chinesischen Kerkern kennen. Aber seine Geduld blieb unerschütterlich. Stets blieb er seiner Lieblingsübung, der Verehrung des bitteren Leidens unseres Erlösers, treu und vereinigte sich täglich inniger mit seinem göttlichen Vorbild. Ja er freute sich, Ihm in seinem Leiden ähnlich zu werden.

Er und seine Mitgefangenen waren so mit Ketten beladen, dass sie sich kaum bewegen konnten. Von Mgr. Rizzolati wissen wir, wie diese Fesseln während der Nacht angebracht wurden. Der Gefangene schlief auf einem Brett. Zu seinen Füßen befand sich ein viereckiges Brett mit einem Loch, durch das die Ketten, die an den Füßen befestigt waren, geleitet wurden. Ein zweites Holz von derselben Gestalt und Größe wurde über den Füßen angebracht und mittels eines Schlosses mit dem anderen verbunden. Der Gefangene lag also wie in einem Schraubstock und konnte weder Füße noch Beine bewegen. Der Schmerz hielt den Schlaf fern und wurde schließlich zu einem wahren Martertum.

Der Mut des Heiligen verleugnete sich auch in diesen Qualen nie. Die Richter in Changsa zeigten sich um so grausamer, da ihnen alles daran lag, P. Johannes und seine Gefährten zum Abfall vom Glauben zu bewegen. Sie begannen also das Verhör, welches sich noch viel mehr in Einzelheiten erging als jenes, von dem uns der Bericht des Mandarins von Liu-jan-sien einen Begriff gab.

Wir wollen es hier nicht folgen lassen, sondern nur bemerken, dass P. Johannes mit der größten Einfachheit und Offenheit alle Fragen beantwortete und die Einzelheiten seines Wirkens, die uns ja bekannt sind, darlegte. Er schloss mit den Worten: “Ich bin in das Innere von China eingedrungen in der einzigen Absicht, die Menschen zur Ausübung des Guten anzutreiben. Ich habe nie böse und gesetzwidrige Lehren vorgetragen, um das Volk zu täuschen, habe auch nie Zauberei getrieben, um den Sterbenden die Augen auszureißen.”

Die letzten Wort wirken erstaunlich, finden ihre Erklärung aber im Gesetzbuch der Chinesen, wo es heißt, dass die Anhänger der christlichen Religion den Sterbenden die Augen ausrissen. Dieser Glaube ist so verbreitet, selbst noch in unseren Tagen (um 1912), dass man an gewissen Ort der Meinung ist, die Kinder des Vereins der hl. Kindheit würden nur zu dem Zwecke berufen, um ihrer Augen beraubt zu werden, die man alsdann nach Europa schicke, damit sie bei der Bereitung von Arzneien Verwendung fänden.

Als man P. Johannes aufforderte, Zahl und Namen seiner Jünger zu nennen, antwortete er: “Würde ich jetzt, wo ich Gefangener bin, den Mut haben, die Namen meiner Christen zu verheimlichen?”

Ja, er hatte diesen Mut. Mehr als zehntausend Christen zählten zu seiner Herde. Er konnte ohne Verletzung der Wahrheit sagen, dass er die Vor- und Zunamen dieser großen Schar nicht alle kannte.

Das Ergebnis dieses Verhöres wurde dem Justizminister mitgeteilt. Dieser entwarf folgenden Bericht:

“Unser Gesetzbuch verhängt die Strafe der Erdrosselung über den Europäer, der im Innern des Reiches die christliche Religion verbreitet und so die Menge täuscht.
Lan-juevan, ein europäischer Barbar, ist tatsächlich in das Innere Chinas eingedrungen, hat mehrere Provinzen durchzogen und mit Hintansetzung aller Furcht vor dem Gesetz die Dreistigkeit gehabt, viele Personen in Irrtum zu führen. Wir bitten deshalb, ihn, wie er es verdient, zur Erdrosselung zu verurteilen.
Ko-foui und Ho-tai.qui behaupten, die Religion nicht verbreitet noch Leute versammelt zu haben, um sich dadurch Geld zu verschaffen. Beide haben verschiedene Male vor Gericht gestanden, doch, taub für unsere Ermahnungen, weigern sie sich, dem Irrtum zu entsagen. Sie müssen deshalb, der Vorschrift des Gesetzes nach, aus dem Reiche verbannt und gebrandmarkt werden.”

Letzteres geschieht, indem man der Stirne des Ausgewiesenen die Worte aufprägt: “Zur Verbannung verurteilt”. Der Bericht fährt fort:

“Ko-fui ist ein Siebigjähriger, aber so hartnäckig vor Gericht, dass er nicht verdient, von seiner Strafe losgekauft zu werden.
Die acht Angeklagten, die vor Gericht zum Widerruf geneigt zu sein schienen, sollen hundert Hiebe erhalten und für drei Jahre nach Pin-gie-ze verbannt werden. Jene, welche gänzlich widerrufen haben, sollen frei ausgehen.
Bücher, Bilder, Perlen (Rosenkränze), Kleider usw., alles soll verbrannt werden.
Verfasst im 11. Monat am 24. Tage durch die Minister.
Chu-Sin, Finanzminister.
Pen-Jin-Jen, Justizminister.”

Im Beginn dieses Berichtes erwähnten die beiden Minister ein anderes Dokument, welches die Regierung ihnen zugeschickt hatte und in dem es unter anderem hieß: “Ich, der Gouverneur von Hunan, habe dem Kaiser mitgeteilt, dass der Mandarin von Liu-jan-sien den Europäer Lan-juevan verhaftet hat, und habe Sr. Majestät die Aussagen des letzteren im Auszuge unterbreitet.”

Das Dokument macht ferner die Mitteilung, dass es dem Mandarinen von Liu-jan-sien tatsächlich sei, sich durch seine schlechte Handlungsweise die Gunst seiner Vorgesetzten zu erwerben.
“Sian-Cin”, hieß es darin, “der Eifer für die Verhaftung gezeigt hat, soll nach Erledigung dieses Prozesses zu unserer Gegenwart zugelassen werden und seine Glückwünsche in Empfang nehmen.”
Außerdem enthielt die Urkunde noch die kurze Wiederholung der Verhöre.

Wenn man diese kleinlichen, bis in die geringste Einzelheiten gehenden Untersuchungen liest, dann begreift man, wie sehr der Missionar auf seiner Hut sein mußte, um niemanden zu verraten, und wie vieles er litt.

Hierzu gesellten sich nach dem Zeugnis des P. Michael Navarro Mißhandlungen und Schläge; mehr als einmal wollte man den Apostel und seine Jünger zwingen, als Zeichen der Verachtung des Kreuzes auf dasselbe zu treten. Einmal sollte er dazu genötigt werden, als er sich geweigert hatte, der Aufforderung untergeordneter Mandarine nachzukommen und seinen Glauben zu verleugnen. Als er sich nicht zu dieser Schwäche bewegen ließ, schleppten die Soldaten ihn zum Kreuz.

“Ihr tut mir Gewalt an,” sprach milde der Bekenner, “ich selbst bin es nicht, der handelt.”

Die Christen, mit denen man auf gleiche Weise verfuhr, gaben die gleiche Antwort: “Ihr zwingt uns, nicht wir sind es, die das Kreuz mit Füßen treten.”

Woher schöpfen die Märtyrer den Mut zu ihrem Leiden? Sie richten den Blick unaufhörlich auf das Kreuz, an dem ihr göttlicher Meister sie mit seinem Blute erkauft, und von diesem Kreuze aus klingt hoffnungsfroh in ihre Herzen: In diesem Zeichen wirst du siegen!

Wie sein göttlicher Meister wurde P. Johannes von einem Gerichtshof zum anderen geführt. Auch die Geißelung wurde ihm nicht erspart. P. Navarro, der spätere apostolische Vikar, berichtet uns, dass der Missionar grausam geschlagen wurde, und zwar nach der chinesischen Sitte mit Bambusrohren.

Doch dies war nicht seine einzige Marter. Zu ihr gesellten sich Hunger, Durst und Kälte, Unreinlichkeit, Beleidigungen und Misshandlungen aller Art. Während seiner siebenmonatigen Gefangenschaft waren ihm Hals und rechte Hand durch eine Eisenstange, die nur zwei Hand breit war, miteinander verbunden.

Beim Verhör folterten ihn seine Peiniger auf verschiedene Weise, und wir wissen, was chinesische Torturen zu bedeuten haben. Einmal wollte man mitten im Verhör Pater Johannes wieder zwingen, auf das Kreuz zu treten. Er sträubte sich, so sehr er konnte, und beteuerte laut, dass er das Zeichen des Heiles nicht mit Füßen treten wolle, sondern nur dazu gezwungen werde. Nach diesem Auftritt wurde er zum Tode verurteilt. Das Urteil bedurfte nur noch der Bestätigung des Kaisers.

P. Johannes blieb inmitten seiner Leiden stets freudig. Nie hörte man ihn klagen. Unaufhörlich empfahl er Gott seine Seele, bekannte frei seinen Glauben, verriet niemanden, bestärkte aber in aller Freiheit des Geistes seine Leidensgefährten im Kerker und spornte sie zu Mut und Treue an.

In den letzten Tagen seines Lebens durfte der Christ Ko-zuin-gian ihn bedienen. Am Anfang des neuen Jahres, der bei den Chinesen später fällt als bei uns, bat dieser den Missionar, ihm zu erlauben, den Neujahrstag bei seiner Familie zu verleben. “Gehe nur”, antwortete P. Johannes, “doch kehre vor dem 10. Tage zurück. Kommst Du später, so wirst du mich nicht mehr sehen.”

Mit diesen Worten gab er wiederum einen Beweis seines prophetischen Geistes. Der Chinese verstand ihn nicht, aber die Prophezeiung erfüllte sich. Als Ko-zuin-gian am elften Tage zurückkehrte, war P. Johannes bereits tot.

Die Genehmigung des Todesurteils seitens des Kaisers traf ein. P. Johannes sollte am Kreuze erdrosselt werden, weil er, ein Europäer, die katholische Religion verbreitet und trotz der chinesischen Gesetze in China eingedrungen war.

Alles zeigt klar, dass nur der Hass gegen den christlichen Glauben das Todesurteil des Heiligen diktiert hatte. Dieser vernahm den Urteilsspruch mti vollkommener Ergebung. Alle, die ihn sahen, bezeugten, dass sein Verhalten in dieser Stunde zur höchsten Erbauung gereichte.

Die Erdrosselung der Christen geschah auf folgende Weise: Der Verurteilte wurde an einem in Kreuzform aufgerichteten Galgen befestigt. Die auf den Rücken gelegten Arme befestigte man an dem Querbalken. Die Füße wurden in einer Weise nach rückwärts gebogen, dass der Körper fünf bis sechs Zoll über der Erde schwebte. Um den Hals des Opfers legte man alsdann ein kleines Instrument, wie es nur größte Grausamkeit erfinden konnte, wodurch mittels einer dünnen Kordel der Tod herbeigeführt wurde. Diese Todesart war um so schmerzlicher, je mehr man darauf bedacht war, den Tod möglichst zu verzögern.

P. Johannes wußte wohl, wie sehr die Natur vor einer solchen Todesart schaudert. Er vertraute nicht auf seine eigene Kraft, sondern setzte sein ganzes Vertrauen auf Gott. Er hatte es in seiner Gefangenschaft genügend erfahren, dass der Herr Seine Diener nicht verläßt. Durch die Kraft Seines Kreuzes erhebt Er sie über sich selber, und wenn Er sie zu Teilnahme an Seinen Leiden auffordert, so gibt Er ihnen auch Anteil an Seiner Kraft. P. Johannes schritt ohne Furcht und Zagen dem Orte zu, wo das Marterholz seiner harrte.

Das Urteilsspruch war in Chang-sou bekannt gemacht worden, und da es sich um einen bedeutenden Europäer handelte, eilte die Menge von allen Seiten hinzu.

Wie ein Lamm ließ sich P. Johannes ans Kreuz befestigen, doch nicht, ehe er zwei Bitten an seine Henker gerichtet hatte. Indem er ihnen einige Münzen gab, bat er: “Lasset mir mein Unterkleid.” Gewöhnlich werden nämlich die Verurteilten in China aller Kleider beraubt. Letzter fallen den Henkern zu, es sei denn, dass sie ihnen abgekauft werden.

Die zweite Bitte des Heiligen lautete: “Gestattet mir, ein kurzes Gebet zu verrichten. Wenn ich es beendet habe, werde ich euch sagen: ‘Tut nun, was eures Amtes ist.’”

Nachdem ihm sein Wunsch gewährt worden, kniete P. Johannes mit jener Einfalt des Herzens, die ihn nie verließ, nieder. Nach der Sitte der chinesischen Katholiken warf er sich fünfmal zur Erde, das Angesicht gegen das Abendland gewandt, um die heiligste Dreifaltigkeit anzubeten, zu preisen und ihr zu danken, erstens für die Erschaffung, zweitens für die Erlösung, drittens für die Berufung zum hl. Glauben, viertens für die heiligen Sakramente und fünftens für die allgemeinen und besonderen Gnaden. Ferner gedachte er der Wunden des Gekreuzigten, die er während seines Lebens so sehr verehrt hatte. Sodann wandte er sich an seine Henker: “Tuet, was euch zu tun obliegt.”

Der Heilige grüßte nun das Kreuz, das Zeichen unserer Erlösung, mit ehrfurchtsvollem Neigen. Aus seinem Herzen drangen die Worte des hl. Andreas: “O gutes Kreuz, welches du deinen Glanz von den Gliedern des Erlösers empfangen hast, langersehntes, innig geliebtes und endlich bereitetes Kreuz, entziehe mich den Menschen und gib mich meinem Herrn. Durch dich möge mich empfangen Er, der mich durch dich erlöst hat.” Dies war sein letztes Gebet.

Man band ihn nun auf dem Kreuze fest und legte um seinen Hals das todbringende Marterwerkzeug, welches heute in Rom aufbewahrt wird. Fein und sorgfältig gearbeitet, wie es ist, könnte man es fast für ein Kinderspielzeug halten. Aber diese kleine Maschine dient zur Ausübung höllischer Grausamkeit. Ein-, zweimal ziehen die Henker an der Schnur. Sie pausen dazwischen, um das gepeinigte Opfer wieder zu sich kommen zu lassen, - ein dritter kräftiger Ruck, - und alles ist vollbracht.

P. Johannes hatte den Geist aufgegeben, und was sich beim Tode seines göttlichen Meisters ereignete, geschah auch hier: dichte Finsternis verdrängte das Licht der Sonne. Außerdem flatterten ganze Schwärme Vögel über dem Kreuz, welches den Leib des Martyrers trug.

Es war ein Mittwoch, der 7. Februar 1816. Die sterblichen Überreste blieben einen ganzen Tag den Blicken aller ausgesetzt, doch die Glorie des Verklärten machte sich schon bald offenbar. Noch in derselben Nacht erschien er strahlend einem gefangenen Christen in Hen-cheou-fou und sprach zu ihm: “Ich gehe zum Himmel. Willst Du mir folgen, so bleibe deinem heiligen Glauben treu.”

Die göttliche Vorsehung fügte es, dass der Leib des Martyrers auf der drei Meilen von Chang-sa-fou entfernten Begräbnisstätte für Verbrecher bestattet wurde. Kein Christ durfte diesem Begräbnis beiwohnen, noch auch sich dem Tun und Treiben der Soldaten widersetzen. Obgleich die Chinesen ihren Toten große Sorgfalt zuwenden und ihre Bahre schmücken, wurde unser Heiliger doch in eine alte Kiste geworfen, als wenn er ein gemeiner Verbrecher gewesen wäre.

Gegen Ende des Monats begaben sich mehrere Christen, unter ihnen auch Andreas Ko, nach Chang-sa, um Näheres über die Leiden des Martyrers zu erfahren und seine Begräbnisstätte zu erforschen.

Besonders war es ein christlicher Seemann, der ihnen manches mitzuteilen wußte, da er, wenn auch aus Furcht nur von ferne, alles mit angesehen hatte. Ihm hatten außerdem die Heiden erzählt, mit welcher Ruhe der Heilige dem Tode entgegengegangen sei, mit welcher Geduld er gelitten habe. Alles, was sie hörten, erfüllte die Christen mit großem Trost, und sie nahmen sich vor, die Religion ihres geistlichen Vaters zu retten.

Im Mai kehrten Andreas Ko und ein Seemann namens Gian mit ihren Gefährten nach Chang-sa zurück. Die Wächter der Begräbnisstätte ließen sich durch Geld für ihre Sache gewinnen und überließen ihnen den kostbaren Leib des Martyrers.

Es war mitten im Dunkel der Nacht, als die Christen sich zum Begräbnisplatz der Verbrecher begaben, um den Leichnam auszugraben und ihn auf dem Kirchhof der Christen zu überbringen. Sie erblickten viele Gräber, ohne das gesuchte unterscheiden zu können. Schließlich entdeckte Gian auf einem kleinen Hügel einen Stein, hob ihn in die Höhe und las nun zur Freude und zum Troste aller die Worte: Lan Juevan. Man öffnete das Grab und fand bald den Leib des Martyrers in einem armseligen Sarg. Von der Dunkelheit der Nacht begünstigt, brachten die Chinesesn ihn nach Hen-cheou-fou, wo er im Hause des Chrsiten Li-Hien-qui beigesetzt wurde.

Bei Gelegenheit dieser ersten Übertragung erfuhren die Christen eine wunderbare Tatsache, welche ihnen Hirten jener Gegend erzählten. Die Hirten durften ihre Schafe auf der Ruhestätte der Verbrecher weiden lassen, doch bemerkten sie zu ihrem Erstaunen, dass die Tiere sich nie an das Grab des P. Johannes wagten. Eine unsichtbare Macht schien sie zu zwingen, diese Stätte zu schonen.

Noch nach vier Jahren, als der hl. Leichnam in Macao ankam, war er leicht erkenntlich, da er noch wohlerhalten war.

Dem glorreichen Tode des Martyrers folgten mehrere auffallende, erbauliche Ereignisse, welchen bei den Chinesen in treuer Erinnerung fortleben.

Die Gattin des Ho-tai-qui starb während des Sommers, und ihre Leiche wurde in dem Oratorium, wo P. Johannes so oft das hl. Opfer dargebracht hatte, aufgebahrt. Die heidnischen Verwandten wollten ihre abergläubischen Gebräuche zur Geltung bringen. Die Christen aber widersetzten sich dem. “Merkt ihr denn nicht”, sprachen sie, “dass die Leiche, obwohl der Tod schon vor mehreren Tagen eingetreten ist, keinen Hauch der Verwesung von sich gibt?” “Laßt uns sehen”, entgegneten die Heiden, “ob dieser Zustand andauert.” Tatsächlich hielt er sieben Tage an. Während der ganzen Zeit, in der die Leiche im Oratorium verblieb, zeigte sich kein Zeichen der Verwesung. Kaum aber war sie in den Sarg gelegt und aus den durch den Martyrer geheiligten Räumen hinausgetragen, als die Träger sogleich die Spuren einer schon weit fortgeschrittene Verwesung wahrnahmen.

Als Hieronymus Lien zum Sterben kam, umstanden Therese Lien und mehrere andere Gläubige sein Lager, um ihm in seiner Todesangst durch Erweckung frommer Akte beizustehen. Plötzlich rief der Sterbende zum Erstaunen aller: “P. Johannes kommt. Er ist da, bietet ihm einen Sitz an.” Mehrmals wiederholte er: “Er ist da, er ist da. P. Johannes ist da.” Die Umstehenden rieten dem Kranken, sich P. Johannes zu empfehlen und ihn um seine Hilfe anzurufen. Hieronymus beteuerte nochmals: “P. Johannes hat mich besucht; er war hier.”

Nun noch einige Worte über die Chinesen, die mit unserem Martyrer zugleich gefangen wurden.

Ko-fui wurde in die Mandschurei verbannt und starb während seiner Verbannung. Sein Sohn Kou-zin-gin, der ihn hatte begleiten dürfen, kehrte nach des Vaters Tod zu seiner Familie zurück, wo er heiligmäßig seine Tage beschloss. Im Jahre 1880 lebten in Hen-cheou-fou dreißig Nachkommen Ko-fuis und bildeten eine der besten Familien der Stadt.

Die anderen gefangenen Christen wurden, wie das Gesetz verlangte, des Reiches verwiesen. Einige von ihnen durften später nach China zurückkehren. Reich an Schätzen des Glaubens, blieben sie arm im Sinne der Welt bis an ihr Ende. Oft vereinigten sie sich nach der Rückkehr in ihr Vaterland in jenem Oratorium, wo P. Johannes sie zu Kindern der katholischen Religion gemacht hatte.

Der Leib des Heiligen sollte nicht an dem unbekannten Ort Chinas bleiben, wo die Christen Andreas und Gian ihn beigesetzt hatten. Um ihn besser vor den Augen der Verfolger bergen zu können, wurde er in einer Warenkiste nach Macao gebracht. Andres Ko selbst unternahm die Reise. Als die heiligen Überreste zum Zweck der Übertragung ausgegraben wurden, fand man sie unversehrt.

Am 9. Februar 1820 wurden die Reliquien in der Kathedrale von Macao durch das Domkapitel in Empfang genommen. Der Bischof Msgr. Francisco de Nossa Senhora da Luz Chacim OFM (1804 - 1828) führte den Vorsitz bei den Feierlichkeiten, an denen sich die Vorsteher der Ordensgemeinden, die weltliche Obrigkeit, der Senat und die angesehensten Bürger beteiligten. Die Kirche war gedrängt voll, Macao war erfüllt von Jubel. Nach der Messe wurde ein Hirtenbrief verlesen, den wir, da er eine kurze Zusammenfassung des Lebens unseres Heiligen ist, nur teilweise folgen lassen:

Bischof Franziskus von Macao an das geistliche Kapitel seiner Kathedrale:
“Weil Wir des geistlichen Vorteiles wie auch der Ehre Unserer Kathedrale wegen den Wunsch hegten, Unsere Kirche mit den Reliquien eines Heiligen zu bereichern, reichten Wir dem Heiligen Vater Unsere Bitte ein, doch bis heute konnte dieselbe nicht gewährt werden, da man es in Rom zu schwierig fand, heilige Überreste an einen so entfernten Ort zu transportieren. Der Herr aber, stets gut und liebenswürdig in Seinen Anordnungen, würdigte Sich selbst, Unsere Wünsche zu erfüllen. Wir gelangten in den Besitz des kostbaren Leibes des ehrwürdigen Dieners Gottes Paul Souiron, der, kaum in China eingedrungen, für den heiligen Glauben gemartert wurde.
Weil es Uns gelang, seine Überreste glücklich von Canton in Unsere Kathedrale zu überführen und ihm hier eine würdige Grabstätte zu bereiten, faßten Wir neuerdings Mut, Uns trotz der weiten Entfernung um die Übertragung der Reliquien des ehrwürdigen Johannes von Triora aus dem Orden des hl. Franziskus zu bemühen. Er wurde öffentlich in Chang-sa, der Hauptstadt der Provinz Hunan, gemartert, nachdem er mit Mut und christlicher Ergebung Gefangenschaft, Gewalttätigkeiten und grausame Martern erduldete.

Damit Sie nun mit Uns dem Herrn danken, dass Er Uns Seinen treuen Diener gab, wollen Wir in diesem Schreiben die bedeutendsten Werke seines Lebens, sowie seinen glorreichen Tod berichten ...”

Nun folgt die Aufzählung der unseren Lesern bereits bekannten Ereignisse und Tatsachen bis zu jener Nacht, wo die Christen den hl. Leib von der Verbrecherstätte wegholten.

“Als Wir Mgr. Marchini baten, für die Überbringung des Seligen nach Macao Sorge zu tragen, zeigte er sich Unserer Bitte geneigt. Er schrieb an P. Nikolaus Ho, der als Missionar in China wirkte. Dieser begab sich mit dreizehn Christen zhur Begräbnisstätte; sie gruben die Kiste aus, öffneten sie und fanden den vollständigen Leib des Seligen, den alle als den des P. Johannes von Triora wiedererkannten.
Sie hüllten den hl. Leib in ein Leichentuch und legten ihn in eine neue Kiste, setzten diese bei Andreas Ko und Martin Sy nieder, welche sie nach Fe-cana beförderten.
Dort nahm einer unserer Missionare, Don Andreas Chang, sie in Empfang. Zu diesen dreien gesellte sich noch ein Christ namens Augustin Toun, und alle vier brachten die kostbaren Reliquien am 1. Dezember 1819 in unser Palais.
Auf der weiten, gefahrvollen Reise von Hunan bis Macao haben sich die Glieder vom Körper getrennt; der Teil desselben vom Hals bis zu den Knieen ist jedoch zusammengefügt geblieben. Mgr. Marchini und der Rat Fereira erkannten das Haupt als dasjenige des Dieners Gottes, den wie während seines Aufenthaltes zu Macao gut gekannt hatten.
Wir empfingen das kostbare Gut mit hoher Ehrfurcht in Unserer Residenz, unter dem Geläute aller Glocken von Macao und in Anwesenheit vieler Geistlichen und Laien. Gerne hätten Wir Unserer Freude lauteren Ausdruck verliehen, aber es schien Uns nicht ratsam zu sein, der vielen Chinesen halber, die inder Stadt weilen ...
Wir danken der göttlichen Güte für die Uns erwiesene Gnade und hoffen, dass der Diener Gottes für Uns und die ganze Stadt ein Fürbitter sein werde.
Endlich bitten Wir Ew. Hochwürden noch, um 7. Februar, dem Jahrestag des Todes unseres Martyrers, das Totenoffizium für ihn zu beten. Wundern Sie sich nicht über diese Aufforderung. Wir sind überzeugt, dass der Selige bereits im Himmel die Anschauung Gottes genießt. Wenn er Unserer Gebete nicht mehr bedarf, wird Gott sie nach Belieben anderen zuwenden. Als gehorsame Kinder Unserer hl. Kirche steht es Uns jedoch nicht zu, ihren Entscheidungen zuvorzukommen. Hoffen Wir, dass Gott die Verehrung, die Wir Seinem mit der Marterkrone geschmückten Diener zollen, segne und Sich würdige, Uns auf dessen Fürbitte Seine Gnade zu verleihen.
Bruder Franziskus, Bischof von Macao”

Die Reliquien unseres Heiligen ruhten nun in Macao. Von dort sollten sie später nach Rom gelangen.

Schon ehe der Heilige Stuhl sich über P. Johannes von Triora ausgesprochen hatte, wurde er, wie wir gesehen, angerufen und verehrt. Als Beispiel für die Gnaden, die Gott auf dessen Fürsprache gewährte, wollen wir besonders den glorreichen Tod eines anderen Franziskaners hervorheben, des P. Odorico von Collodi (Giovanni Ciomei).

1778 in Collodi, Lucca, Italien, geboren, war er von Sehnsucht erfüllt, sein Leben für Gott hinzugeben. Er kam nach Macao und besuchte oft das Grab unseres Martyrers, um durch seine Fürbitte die Gnade zu erhalten, gleich ihm die Palme des Martertums davon zu tragen. Seine Bitte wurde erfüllt. Zusammen mit dem 21 Jahren jüngeren hl. François Jaccard MEP (1900 selig-, 1988 heiliggesprochen), der die Gefangenschaft und Leiden der Mission in Cochinchina mit ihm teilte, wurde er 1833 zum Tode verurteilt. Beide küßten vor Freude die Ketten, die man ihnen anlegte, und im Glauben, ihre letzte Stunde sei gekommen, beteten sie gemeinschaftlich die Sterbegebete.

Während dreier Wochen ließ man sie nun, nach den Worten des P. Odorikus selber, Tropfen auf Tropfen den bitteren Tod verkosten. Nach dieser Todesangst aber wurden sie in die Verbannung geschickt, wo man sie schlimmer als ihre Gefährten, die Galeerensträflinge, behandelte.

Sie wurden zum schrecklichen Hungertod verurteilt. Mit dem Kreuz in der einen, dem Bilde der Muttergottes in der anderen Hand hauchte P. Odorikus am 23. Mai 1834 in Lao-Bao, Quang-Tri, Vietnam, seine Seele aus (Jaccard überlebte ihn um vier Jahre).

Nach dem Tod dieses Franziskaners landeten viele eifrige Missionare in Macao und beteten am Grab des heiligen Johannes Triora, der sich ihnen als mächtiger Fürbitter erwies.

Erst im Jahre 1827 wurde der Tod des hl. Johannes Lantrua seinen Brüdern in Italien mitgeteilt. Die Zeitverhältnisse hatten diese Mitteilung, die für die römische Provinz gleichzeitig einen Verlust und einen Triumph bedeutete, so lange hinausgeschoben. Der Provinzial schrieb nun an sämtliche Religiosen seiner Provinz: “Wir erhielten soeben den eingehenden Bericht des Martertums unseres P. Johannes von Triora, Missionars der Propaganda, und beeilen uns, ihn den Ordensmännern, zu deren Provinz der Martyrer gehörte, zur Kenntnis zu bringen.”

Nach dieser Einleitung folgen einige uns bereits bekannte Einzelheiten. Den Schluss bilden die Worte: “Obgleich wir nach dem Mitgeteilten sicher sein können, dass P. Johannes unter den Seligen im Himmel weilt, sollen Sie doch, da der Heilige Stuhl sich noch nicht ausgesprochen hat, die in den Konstitutionen vorgeschriebenen Werke für seine Seele verrichten. Gott, der Ausspender aller Gnaden, wird das Verdienst derselben nach Seinem heiligsten Willen verteilen.
In Seinem Namen erteile ich Ihnen den seraphischen Segen.
Ihr im Herrn ergebener P. Rayner, Provinzial.
Rom, Ara Coeli, 5. Oktober 1827"

Im Jahre 1843 wurde der Seligsprechungsprozess des P. Johannes unter dem Pontifikat Gregors XVI. eingeleitet, und Johannes erhielt den Titel “Ehrwürdig”. Die zur Führung des Prozesses erforderlichen Papiere wurden dem apostolischen Vikar von Hunan, Mgr. Michael Navarro (Vikar von 1856 bis 1877), zugeschickt, doch die Verfolgung und der Tod dieses erlauchten Franziskanerbischofs verzögerte die Sache.

Im Jahre 1856 benützte man die Durchreise des Mgr. Giovanni Domenico Rizzolati OFM, apostolischer Vikar von Houkouang (1839 - 1856), und eines anderen Missionars, um ihre Aussagen, die wir bereits anführten, zu sammeln.

Die Reliquien des Heiligen sollten nicht in Macao bleiben. Dank den Bemühungen des P. Generals des Ordens wurde der Leib unseres Martyrers, mit Bewilligung des Hl. Stuhles, 1864 nach Rom gebracht.

Ein Neffe des Heiligen bekleidete damals die Stelle eines Vikars in Ara Coeli und nahm in Civita Becchia die kostbaren Überreste seines Onkels in Empfang.

In Ara Coeli angekommen, wurden in Gegenwart des Sekretärs der hl. Kongregation, des Ordensgenerals, des Provinzials der römischen Provinz und anderer Ordensmänner die zur Feststellung der Identität vorgeschriebenen Formalitäten erfüllt.

Im Sarg fand man bei den Gebeinen ein hölzernes Kreuz, zwei kleine Brettchen aus hartem Holz, eine Stange mit je einem Metallring an den Enden, einen großen, seidenen Schleier und eine kleine, violettseidene Börse, welche Zähne enthielt.

Der Körper des Martyrers wurde in der Kapelle des hl. Franziskus beigesetzt. Hier sollte der hl. Leib sechsundzwanzig Jahre ruhen, bis die Stunde seines Triumphes schlug.

Ehe wir zur Seligsprechung übergehen, wollen wir die beiden Wunder schildern, die auf die Fürbitte des Verstorbenen und anderer Märtyrer geschahen.
Eine Engländerin in Paris, Frau Margarete Goldsmith mit Namen, wurde von zwei Ärzten behandelt, die ihren Zustand bedenklich fanden und schließlich an der Genesung verzweifelten. Die Dame sah die Unzulänglichkeit menschlicher Hilfsmittel ein, setzte alle Arzneien beiseite und entschloss sich, auf Anraten des Abbé Choulex, eine Novene zu den in China gemarterten und 1843 ehrwürdig erklärten Dienern Gottes zu halten. Sie betete täglich fünf Vater unser, fünf Ave Maria und fünf Anrufungen zu ihren Ehren und trug am Hals in einem kleinen Säckchen Reliquien von einigen der Martyrer. Während der neun Tage nahmen Schmerzen und Schwäche zu, und die letzte Nacht war eine besonders schlechte. Am Morgen empfing die Kranke die hl. Kommunion und hielt während der Danksagung das Beutelchen mit den Reliquien in der Hand. Da glaubte sie plötzlich eine innere Stimme zu vernehmen, die sie aufforderte, sich zu erheben und der hl. Messe beizuwohnen. Sie wollte alles als ein Spiel ihrer Phantasie betrachten, aber die Stimme ließ sich neuerdings vernehmen und fügte hinzu, dass ihr Zögern nur Mangel an Glauben sei.

Die Kranke entschloß sich, aufzustehen, und sie, die bis dahin so wenig zu sich nehmen konnte, empfand jetzt ein heftiges Bedürfnis nach Nahrung. Man brachte ihr etwas Geflügel und Brot, was sie mit gutem Appetit verzehrte. Zu gleicher Zeit nahmen ihre Schmerzen ab, nach Verlauf einer halben Stunde fühlte sie keine mehr. Sie fuhr im Wagen zur Kirche, was ihr vorher stets Krämpfe verursacht hatte. Ohne zu ermüden, wohnte sie der hl. Messe bei. Sie war vollständig geheilt, und nie wieder fiel sie in ihre Krankheit zurück.

Eine Krankenschwester, Mère Saint Bernard, in der Welt genannt Eleonore Rogé, hatte ein überaus schmerzliches Fußleiden, welches einen so gefährlichen Charakter annahm, dass man ihr die hl. Sterbesakramente spendete. Es trat Besserung ein, ihr Fuß jedoch blieb steif und unbeweglich und verursachte ihr die heftigsten Schmerzen.
Die Ärzte wußten keinen Rat mehr, und die Ordensfrau entschloß sich, ihre Zuflucht zu den Martyrern von China zu nehmen und eine Novene zu ihnen zu halten. Die Schmerzen ließen jedoch nicht nach, wurden im Gegenteil immer unerträglicher. Die Ärmste konnte sich nur auf ihren Krücken und dann nur mit Hilfe einer Schwester fortbewegen. Sie aber verlor den Mut nicht, sondern verdoppelte ihre Gebete. Am neunten Tag verließ sie, nachdem sie die heilige Kommunion empfangen hatte, die Kapelle, und als sie im Krankenzimmer ankam, konnte sie mit dem kranken Fuß auftreten und leicht mit ihren Krücken einhergehen. Sie vollendete im Laufe des Morgens ihre Novene und konnte gegen halb vier Uhr nachmittags an einem Stock zur Kapelle gehen, wo die Ordensgemeinde zu einer geistlichen Übung versammelt war. Nach Beendigung derselben fühlte die Kranke einen jähen, stechenden Schmerz im Fuß. “Ich bin geheilt”, sprach sie sodann, verließ ohne alle Hilfe ihren Platz und warf sich vor dem etwa zwanzig Meter entfernten Bild der allerseligsten Jungfrau nieder. Die Ordensfrauen betrachteten ihre Mitschwester mit einem Erstaunen, welches an Bestürzung grenzte, bald aber brach die Freude und Dankbarkeit sich Bahn, und in der Kapelle erscholl ein begeistertes Magnifikat.
Der Arzt, der die Geheilte behandelt hatte und sie am Abend die Treppe hinaufsteigen sah, erklärte: “Nicht ich habe sie geheilt, denn noch nie ist mir eine solche Kur gelungen; hier ist der Finger Gottes.”

Er kam noch dreimal zu ihr zurück und bestätigte, dass die Heilung eine vollkommene sei. Die Schwester konnte ihre Arbeiten wieder aufnehmen, und an ihrem Fuß blieb keine Spur der schmerzhaften Krankheit zurück.

Von solchen Wundern begünstigt, konnte die Sache der Märtyrer nicht auf Hindernisse stoßen.

P. Cirus von Pesaro aus dem Franziskaner-Orden reichte die Bitte ein, den Prozess des ehrwürdigen Johannes von Triora wieder aufzunehmen. Am 13. März 1900 gab die heilige Kongregation ihr Gutachten zu Gunsten des Martyrers ab. Am 25. März verlieh Seine Heiligkeit Papst Leo XIII. die apostolische Bestätigung und ließ das Dekret veröffentlichen, worin das Martyrertum des ehrwürdigen Johannes von Triora anerkannt wurde. Am Palmsonntag, den 8. April, wurde endlich in Gegenwart des Heiligen Vaters das Schreiben verlesen, welches erklärte, dass man mit Sicherheit zur Seligsprechung übergehen könne.

Es war nun an der Zeit, die Erinnerungen an den Martyrer zu sammeln. Man öffnete deshalb die reichen Schätze, die in den Archiven verborgen lagen. Man fand ein Marterwerkzeug, einen runden Stock, an dem sich noch ein Stück der seidenen Schnur befand, die beim Erdrosseln gebraucht wurde, sodann das Kreuz, an dem der Martyrer befestigt wurde. Es war an der Stelle, wo der Hals ruhte, durchbohrt, damit die Schnur zum Erdrosseln hindurch geleitet werden konnte.

Die bedeutendste Reliquie war jedoch der große, seidene Schleier mit glänzenden Atlasstreifen, in den Andreas Ko die hl. Leiche gehüllt hatte, als er sie von Hen-cheou-fou nach Macao brachte. Der Schleier ist von bräunlicher Farbe und ringsum etwa vier Centimeter breit mit roter Seide gestickt. Das Wunderbare an dieser Reliquie ist, dass der Körper des Seligen auf ihr einen blutigen Abdruck hinterlassen hat. Der leichte Stoff hat sich erhalten, obwohl es an Löchern nicht fehlt. Merkwürdig ist, dass er sich an jenen Stellen, an denen sich der Abdruck des Körpers befindet, am besten erhalten hat. Um diesen kostbaren Gegenstand zur Verehrung der Gläubigen aussetzen zu können, hat man ihm eine mit goldener Spitze eingefaßte weißseidene Unterlage gegeben. So wird dieser Schleier denn fortan als wertvolle Reliquie die Kirche des hl. Antonius in Rom schmücken.

Am 4. April 1900 gegen 5 Uhr abends begaben sich die Ordensgemeinde von Ara Coeli mit ihrem Provinzial, P. Andreas, an der Spitze, und außer ihnen noch manche Ordensmitglieder aus anderen Häusern in die Kapelle des hl. Franziskus, wo seit 1864 P. Johannes von Triora ruhte. Auf Befehl des Mgr. Lugari wurde der Grabstein entfernt und der Bleisarg in die Kapelle des Dritten Ordens gebracht. Die Anwesenden mußten sich nun zurückziehen. Es wurden Siegel angelegt, damit niemand in die Kapelle eindringen könne.

Am folgenden Tag kehrte Mgr. Lugari nach Ara Coeli zurück. Die Siegel wurden abgenommen und der Sarg geöffnet.

Der Bleisarg enthielt eine Menge feuchter Baumwolle, die man beiseite legte, um später die Andacht der Gläubigen befriedigen zu können. Endlich kamen die Gebeine zum Vorschein. Das Skelett war außer zwei fehlenden Wirbelsäulen, die wahrscheinlich in Macao geblieben, vollständig. Zehn Zähne, die sich aus der Kinnlade gelöst hatten, ruhten in einem Säckchen vo violetter Seide, jene, die noch festsaßen, zeigten nach Äußerung der beiden anwesenden Ärzte deutliche Spuren von erhaltenen Stößen und Schlägen. Die Hirnschale des Martyrers war sehr gut erhalten.

Nachdem alles sorgfältig geprüft worden, wurden die Gebeine in Krystallvasen und diese wiederum in einen neuen Reliquienschrein eingeschlossen. Es wurde gestattet, einige Reliquien zurückzubehalten, um sie bei der Seligsprechung auszusetzen.

Der Leib des Märtyrers wurde sodann in eine Zelle des Klosters Ara Coeli gebacht. Hier, wo P. Johannes in seinem Leben gewohnt hatte, sollte er nun wieder weilen, bis der für das ehrwürdige, alte Kloster unvergleichlich festliche Tag anbrach: der Tag, an dem die hl. Kirche jenen Leib, der so viel aus Liebe zum Gekreuzigten gelitten, zur Verehrung der Gläubigen aussetzte.

Endlich brach der Tag der Seligsprechung an, der 27. Mai des Jubeljahres 1900. Die Kardinäle in der heiligen Stadt begaben sich zur Sixtinischen Kapelle, wo das heiligste Sakrament ausgesetzt war. Danach hielten sie ihren Einzug in St. Petri Dom.

Nachdem die Würdenträger der heiligen Kirche Platz genommen, nähern sich der Sekretär der Kongregation der Riten sowie die Behörden des Seligsprechungsprozesses dem Pro-Präfekten der Kongregation, Kardinal Masella. Sie überreichen ihm das Breve der Seligsprechung mit der Bitte, es bekannt zu geben.

Ein Zeremonienmeister empfängt das Breve aus den Händen des Kardinals und verliest es auf der Kanzel mit lauter Stimme. Danach wird das Tedeum angestimmt. Die Hülle, die das Bild der neuen Seligen - es sind ihrer 77 und alle Blutzeugen - und ihre Reliquien umgibt, sinkt nieder, und die festlichen Glockenklänge der St. Peterskirche verkünden weit hinaus den Triumph, die Verherrlichung der Märtyrer.

Nach beendigtem Tedeum, nebst Versikeln und Orationen der Seligen, beräuchert der diensttuende Prälat die Reliquien mit Weihrauch. Nachdem er den Chormantel abgelegt und sich mit den Meßgewändern bekleidet hat, beginnt das hl. Meßopfer.

Am Nachmittag verehrt der Heilige Vater, von den Prälaten und Beamten seines Palastes sowie von den in Rom anwesenden Kardinälen und Bischöfen begleitet, das Bild und die Reliquien der neuen Seligen. Nachdem der Papst seine Gebete verrichtet, nimmt er die Danksagungen und Geschenke von seiten der Beförderer der Seligsprechung entgegen, die gewöhnlich in Bildern und Reliquien der von der heiligen Kirche nun öffentlicher Verehrung Gewürdigten bestehen.

Der größte Teil der 77 neuen Seligen gehört zur Gesellschaft der ausländischen Missionen in Paris. Nicht weniger als 49 dieser frommen Diener Gottes wurden während der Verfolgung in Annam und China ein Opfer ihrer Gottesliebe und ihrer Treue im Glauben. Auch der Orden des hl. Dominikus hatte die Ehre, eine große Anzahl seiner Söhne, nämlich 26, unter den mit P. Johannes von Triora Seliggesprochenen zu sehen. Endlich gehört auch ein Mitglied der Missionsgesellschaft des hl. Vinzenz von Paul, nämlich der Lazarist Franz Clet, zur bevorzugten Schar, die die Kirche an jenem Tag auf ihre Altäre erhoben hat.

Die Art des Todes der Märtyrer ist verschieden. Sie wurden entweder erdrosselt, enthauptet oder in Stücke zerschnitten, und die grausamsten Quälereien und Foltern gingen dem Tode voraus. Nun genießen sie ihren Lohn: Alle weilen als verklärte Streiter Christi im Reiche ihres Königs und erweisen sich mächtig durch ihre Fürsprache.

Am 1. Oktober 2000 sprach Papst Johannes Paul II. Johannes Lantrua von Triora mit 119 weiteren Märtyrern aus China (87 Chinesen und 32 Europäer) heilig.


Der Märtyrer Jean-Théophane Vénard

Personen
(Auswahl)

Lewis C. S.
Malagrida G.
Marescotti J.
Manning H. E.
Marillac L.
Maritain J.
Martin Konrad
Massaja G.
Meier H.
Mieth Dietmar
Mixa Walter
Mogrovejo T.A.
Moltke H. v.
Montalembert
Montecorvino J.
Moreno E.
Moreno G. G.
Mosebach M.
Müller Max
Muttathu-padathu
Nies F. X.
Nightingale F.
Pandosy C.
Paschalis II.
Pieper Josef
Pignatelli G.
Pius XI.
Postel M. M.
Poullart C. F.
Prat M. M.
Prümm Karl
Pruner J. E.
Quidort
Radecki S. v.
Ragueneau P.
Rahner K.
Ratzinger J.
Reinbold W.
Répin G.
Rippertschwand
Rudigier F. J.
Ruysbroek
Salvi Lorenzo
Sanjurjo D. S.
Saventhem E.
Schamoni W.
Schreiber St.
Schynse A.
Sierro C.
Silvestrelli C.
Simonis W.
Solminihac A.
Spaemann C.
Stein Karl vom
Steiner Agnes
Sterckx E.
Stern Paul
Stolberg F. L.
Talbot Matt
Therese
Thun Leo G.
Tolkien J.R.R.
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Vermehren I.
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Waugh E.
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Wurmbrand R.


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