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* * *

4. Dezember
Versuch einer Theodizee

Von Theodor Haecker

Zehnte Folge

Dieser Unsichtbare lenkt uns ungehörig ab. Wir sind immer noch beim physischen Schmerz, aber es ist einsichtig, daß er im Leben des erwachsenen Menschen für eine Theodizee nicht die Rolle spielt, die er im Leben der Tiere einnimmt, trotzdem er zweifellos intensiver sein kann und ist. Aber in der objektiven Ordnung des Menschseins und als Ordnung steht er in der Hierarchie der Leiden des Menschen und dieser Welt an niederster Stelle. Das zeigt schon sein Verhältnis zu Gedächtnis und Erinnerung. Es ist für einen jeden Menschen, der sehr starke Schmerzen erlitten hat und vielleicht periodenweise immer wieder erleidet, ein erstaunliches Faktum immer wieder, sofern er überhaupt darüber nachdenkt, wie fast augenblicklich vergessen auch der rasendste Schmerz ist, wenn er vorbei ist, wenn er von einem allgemeinen Gefühl des Wohlbehagens ohne jeden Rest aufgesaugt ist; und wie ohnmächtig eine sonst sehr starke Erinnerungskraft ist, ihn sich auch nur einigermaßen adäquat wieder vorzustellen und über vage Allgemeinheiten hinauszukommen. Ja manch einer, der während lange währender gräßlicher Schmerzen zu hadern anfing mit Gott und sich im Innersten vornahm, nie zu vergessen, und wähnte, ein Argument zu haben für ewig gegen jede Theodizee, ärgert sich nun insgeheim darüber, daß ein rein objektives seinsmäßiges Vergessen ihm die subjektive Erinnerungskraft bis zur Ohnmacht geschwächt hat. (Hier wirft mir mein nur mir sichtbarer Begleiter einen erstaunten Blick zu, als hätte ich etwas gesagt, was eigentlich nur er sagen dürfte.) Wie anders verhält sich die Erinnerung zu den großen seelischen oder gar geistigen Leiden. Es kann eine Mutter über den Verlust eines Kindes zeitlebens einen Schmerz fühlen, den nicht nur eine volle physische Gesundheit - das entspricht der objektiven Seins- und Rangordnung dieser Gefühle - ihr nicht nehmen kann, nein, den auch eine derselben Lebensordnung angehörige Freude über ein neues, vielleicht schöneres oder besseres Kind nicht vernichten kann. Eine einmalige Enttäuschung durch einen Freund oder grundlose Beleidigung durch einen Feind kann die Seele eines Mannes so verletzen, daß keine Ehrung, kein Ruhm als Balsam genügen, seine Wunde vernarben zu lassen. Der furchtbare Schmerz, seine Familie physisch und psychisch verkommen zu sehen, weil er nicht arbeiten darf im Schweiße seines Angesichts und dadurch den Segen des Lohnes verdienen, kann einen Mann verbittern bis in das Mark seiner Seele, auch wenn er wieder Arbeit gefunden hat und Frau und Kindern das Brot geben kann, das sie brauchen zu einem gesunden Leben. Solche Dinge geistig-seelischer Art zusammen mit den physischen Leiden und dem Tode sind ja die eigentlich menschlichen, die existentiell zuerst den einzelnen Menschen zum Haderer mit Gott machen, wie unser aller Vater in diesen Leiden: Hiob. Zwar stehen in diesem Buche noch ganz andere, gewaltigere Dinge als die Klagen eines einzelnen über die Unerforschlichkeit der Gerechtigkeit Gottes, aber ein jeder solcher Haderer kann zu diesem Buche gehen, um das Beugen der Knie zu lernen vor der Majestät dessen, der da sagt: »Ich bin, der Ich bin«, und die letzte Sicherheit, nicht zu verzweifeln, solange er einfach nicht losläßt die Hand dieses Allmächtigen, von dem er doch niemals loskommen kann, und flöhe er auch in die Hölle. Die Theodizee des Buches Hiob ist die existentielle Erfahrung von Gott als Totalität des Seins und damit als unsagbarem Herrn alles Seins. Mancher Mensch kann heute noch, wenn er in einer ähnlichen Lage ist wie Hiob - und Tausende und aber Tausende solcher hat es gegeben und gibt es und wird es geben -, zu dieser Theodizee kommen, die nicht die höchste und letzte ist - die aber eines voraussetzt, die Erkenntnis, oder besser Anerkenntnis des überwältigenden Mysteriums und damit der niederzwingenden Majestät, die im absoluten Sein Gottes sind und in Seiner absoluten Unentrinnbarkeit. Vieles hindert uns heute, vor allem die kollektive Mittelmäßigkeit, an der Empfänglichkeit für die Wirkung dieser Theodizee aus dem unerschöpflichen Reichtum und der Schönheit des erschaffenen Seins und der diese bedingenden majestätischen Unermeßlichkeit des Unerschaffenen Seins. Es ist eine Theodizee des Unerschaffenen »Seins« und des Schöpfergottes, noch nicht des Gottes der Liebe, wenn auch deren Strahlen schon die Nacht erhellen. - Ganz gut, flüstert mir mein unsichtbarer Begleiter zu. Das interessiert mich nämlich nicht, Hiob interessiert mich nicht. Und zwar deshalb, weil er, wie Sie richtig sagten und ja auch im Buche Hiob steht, die Hand Gottes nie losgelassen hat, der Feigling, der nie den Mut hatte, sich auf sich selber zu stellen, denn die Welt, wie sie ist, die Dinge, wie sie sind, die sehen Sie erst, wenn Sie die Hand Gottes loslassen, wenigstens in dem Augenblick, wo Er Sie losläßt oder meinetwegen, weil Sie das nicht akzeptieren, wo Er Sie loszulassen scheint - und daß Er das oft tut, das geben Sie wohl zu. Das geben alle Ihre Heiligen zu. Das ist ja das Klagen Hiobs. Und dann, was für ein fleischlicher Mensch ist dieser Vater im Leiden, wie Sie ihn nennen! Alle seine Kinder, die Gott ihm genommen hat, gibt er einfach preis, weil er neue bekommt. Er ist mir etwas zu leicht zufriedengestellt, er stellt auch das Denken dort ein, wo es beginnen sollte. Nein, Saul ist mir lieber, aber der liefert Ihnen auch keine Theodizee. - Und Judas, sage ich zu ihm, ist Ihnen gewiß noch lieber. - Das ist ganz ausgezeichnet gesagt, das ist so! erwidert er mir, er ist mir noch lieber. Denn die labile Schwermut Sauls ist mir verdächtig, die könnte einmal doch ganz von ihm weichen, wie sie ja zuweilen wich bei dem Saitenspiel Davids, und dann bricht er vielleicht plötzlich noch in ein Preislied auf Gott aus, solche Inkonsequenzen hat man schon erlebt. Aber Judas' undurchdringliche Nacht und eisige Verzweiflung, nein, der liefert Ihnen mit absoluter Gewißheit keine Theodizee. Und wenn auch nur ein Einziger sie Ihnen nicht liefert, dann haben Sie verloren, mein Herr!

wird fortgesetzt

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3. Dezember
Das Zitat

Das Gebet hat große Kraft, das der Mensch verrichtet mit seiner ganzen Kraft. Es macht ein bitteres Herz süß, ein trauriges Herz froh, ein armes Herz reich, ein törichtes Herz weise, ein zaghaftes Herz kühn, ein schwaches Herz stark, ein blindes Herz sehend, eine kalte Seele brennend. Es zieht den großen Gott in ein kleines Herz, es treibt die hungrige Seele hinauf zu dem Gott der Fülle.
Hl. Mechthild von Hackeborn


3. Dezember
Rosa Eluvathingal

Vor zehn Jahren, am 3. Dezember 2006, wurde die indische Mystikerin Rosa Eluvathingal (1877-1952) seliggespochen. Die Spiritualität der Karmelitin war geprägt von der eucharistischen Anbetung, so dass sie von ihren Mitschwestern “Mutter Tabernakel” genannt wurde. Am 23. November 2014 wurde sie heiliggesprochen.


2. Dezember
Martha Aimée Le Bouteiller

Vor 200 Jahren, 2. Dezember 1816, wurde in Percy bei Saint-Lô, Frankreich, die selige Martha Aimée Le Bouteiller geboren. Mit 25 Jahren trat sie in die Kongregation der Schwester der christlichen Schulen der Barmherzigkeit ein, die von der hl. Marie Madlaine Postel gegründet worden war. Ihre Novizenmeisterin war die selige Sr. Placida Viel (1815-1877). Sie starb am 18. März 1883 und wurde am 4. November 1990 seliggesprochen. Ihr Grundsatz war: “Tun wir so viel Gutes wie nur möglich und so verborgen wir nur möglich.”


1. Dezember
Charles de Foucauld

Vor 100 Jahren, am 1. Dezember 1916, starb der selige Charles de Foucauld. Von ihm haben wir auf kath-info drei wunderschöne Texte über das Gebet, den Glauben und das Weihnachtsgeheimnis veröffentlicht.


30. November
Knud der Große

Vor 1000 Jahren, am 30. November 1016, wurde Knud der Große (vor 1000-1035) mit dem Tod von König Edmund II. (ca. 989-1016) König von ganz England. Edmund II. war noch Wessex verblieben, nachdem er von Knud in der Schlacht von Assandun besiegt worden war. Edmunds Vater, König Aethelred von England, war im April bei der Belagerung Londons durch Knud ums Leben gekommen. Knud war 1014 nach dem Tod seines Vaters Svend Tveskaeg der Führer der dänischen Wikinger geworden, die England mit einem Eroberungszug heimgesucht hatten. 1018 wurde Knud König von Dänemark, 1028 von Norwegen. “Durch kluge Gesetzgebung und Unterstützung der cluniazensischen Reform förderte er die christliche Kultur und das kirchlich-religiöse Leben seiner Länder” (LThK, 2. Auflage).


29. November
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

102. Folge

Die eben gemachten Mitteilungen zeigen von selbst, daß sich die Protestanten die oben (§ 13) von uns als einseitig und írrig dargestellten Begriffe von Gnade und Rechtfertigung angeeignet haben. Seine nähere Erklärung erhält aber der Gegensatz der Konfessionen noch durch folgende Punkte, welche zugleich seine weitgreifenden praktischen Beziehungen beweisen. Die auch nach der Rechtfertigung, wie die Katholiken nicht leugnen, zurückbleibende Begierlichkeit, der bloße Reiz zur Sünde, wird von den Protestanten als die Sünde an und für sich, und zwar als die noch vorhandene Erbsünde, dargestellt, die Unterscheidung aber zwischen der bloßen Empfindung des Reizes zur Sünde und der Einwilligung in denselben als eine unwesentliche, ja als eine unwahre verworfen. Gerade auf diesen Grund stützen sie die Behauptung, daß die Rechtfertigung nur in der Erklärung des Sündennachlasses, nicht in der Entsündigung bestehe, weil ja die Erbsünde noch bleibe und zwar auch im Willen. Ebenso wird behauptet, daß zwischen läßlicher Sünde und Todsünde kein innerer und wesentlicher Unterschied bestehe; denn, so lehren die Protestanten, an sich verklagen alle Sünden den Menschen vor Gott in gleicher Weise, wie sie auch beschaffen sein mögen; alle verdienen den (ewigen) Tod. Den einzigen, entscheidenden Unterschied der Sünder vor Gott bilde der Glaube an die Verdienste Christi; wenn der Mensch glaube, und solange er glaube, seien alle seine Sünden Erlaßsünden, so wie umgekehrt ohne diesen Glauben keine seiner Sünden verziehen werde, da im Grunde der Unglaube einzige Sünde sei.

wird fortgesetzt

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28. November
José Isabel Flores Varela

Vor 150 Jahren, am 28. November 1866, wurde in der Erzdiözese Guadalajara der hl. José Isabel Flores Varela geboren. Er wurde Pfarrer, bischöflicher Vermögensverwalter und Gründer einer Schwesterngemeinschaft. Als furchtloser Seelsorger fand er in der mexikanischen Katholikenverfolgung der Märtyrertod. Am 26. Juni 1927 wurde er ermordet, nachdem er von einem ehemaligen Seminaristen verraten worden war. Am 22. November 1992 wurde er selig-, am 21. Mai 2000 heiliggesprochen.


27. November
Das Zitat

Meine Kinder, was immer euch geschieht, denkt daran, dass Ich immer bei euch bin... Denkt daran: ob sichtbar oder unsichtbar, ob Ich zu handeln scheine oder zu schlafen oder euch zu vergessen - Ich wache immer, Ich bin überall und Ich bin allmächtig. Habt niemals die geringste Angst, die geringste Unruhe: Ich bin da, Ich wache, Ich liebe euch (Ich hoffe, ihr zweifelt nicht mehr an Meiner Liebe!), Ich bin allmächtig... Was braucht ihr mehr?...

Worte, die der selige Charles de Foucauld in einer Betrachtung Jesus in den Mund legt, aus: Charles de Foucauld, Die geistlichen Schriften, Wien/München: Herold 1963, S. 129


27. November
Mariah Manisha

Vor fünf Jahren, am 27. November 2011, wurde Maria Manisha ermordet.


26. November
Luther und der amtliche Protestantismus

Der amtliche Protestantismus der Reformationsfeiern protestiert vorzugsweise gegen das, wogegen aus verständlichen Gründen so gut wie alle protestieren, die bei Verstand sind. Ein Risiko liegt darin nicht, mit Theologie hat es nichts zu tun. Wer Luther, der aus theologischen Gründen keinem Risiko auswich, für diese Gegenwart beansprucht, hat ihn darum vermutlich länger nicht gelesen.

Aus: Jürgen Kaube, Lasst uns froh und Luther sein, in: FAZ vom 31. Oktober 2016


20. November
Andreas Bauer

Vor 150 Jahren, am 24. November 1866, wurde im elsässichen Guebiller der hl. Andreas Bauer geboren. 1886 trat er als Bruder in den Franzsikanerorden ein und wurde 1899 nach China in die Mission gesandt. In Shanxi erlitt er im Boxeraufstand am 9. Juli 1900 der Märtyrertod. 1946 seliggesprochen, wurde er am 1. Oktober 2000 mit 119 Gefährten heiliggesprochen.


20. November
Das Zitat

Pass auf, dass das traurige Schauspiel der menschlichen Ungerechtigkeit deine Seele nicht verwirrt. Auch diese Ungerechtigkeit hat ihren Ort im allgemeinen Heilsgeschehen. Über der menschlichen Ungerechtigkeit wird eines Tages die Gerechtigkeit Gottes im Triumph aufsteigen.
Hl. Pater Pio von Pietrelcina


20. November
Relativismus

Tatsächlich besteht heute die Gefahr, die Demokratie auf einen sittlichen Relativismus zu gründen, der jede Gewißheit hinsichtlich des Sinnes des menschlichen Lebens und seiner Würde sowie hinsichtlich der grundlegenden Rechte und Pflichten des Menschen verwischt. Wenn sich eine solche Mentalität breit macht, kommt es früher oder später zu einer sittlichen Krise der Demokratie. Der Relativismus verhindert die notwendige Unterscheidung zwischen den verschiedenen Erfordernissen, die an der Basis der Gesellschaft zutage treten, sowie die Unterscheidung zwischen Gut und Böse. Das Leben einer Gesellschaft beruht auf Entscheidungen, die notwendigerweise feste sittliche Überzeugungen voraussetzen.

Papst Johannes Paul II. am 23. November 1991 in seiner Ansprache beim internationalen Treffen der Führer der Christdemokraten in Rom.


19. November
Sie gedenken der Unbekannten

San Bartolomeo all’Isola

Von Ulrich Nersinger

Die Feier des Allerseelentages am 2. November geht auf Abt Odilo von Cluny zurück, der im Jahre 998 für die seinem Kloster unterstellten Ordensgemeinschaften das Gedächtnis aller verstorbenen Gläubigen anordnete. An diesem Tag gedenkt die Kirche noch heute der Verstorbenen. Sie tut dies in zeitlicher und innerlicher Bindung an das vorausgegangene Allerheiligenfest. An Allerheiligen und Allerseelen besuchen die Christen die Gräber ihrer Verstorbenen, sie schmücken sie mit Blumen und entzünden auf ihnen Wachs- und Öllichter. Besonders aber betet man in diesen Tagen für die Armen Seelen, die im Fegefeuer verharren, bis ihre Schuld restlos getilgt ist.

In Rom kam dem Totengedenken immer große Bedeutung zu, in der heidnischen Antike ebenso, wie in den vom Christentum geprägten Jahrhunderten. Viele Orte in der Ewigen Stadt - Tempel, Kirchen, Katakomben und Gottesäcker - geben beredtes Zeugnis von der cura (Sorge) der Römer für die Verstorbenen. Ein bemerkenswerter unterirdischer Friedhof befindet sich auf der Tiberinsel. Zu ihm findet man Zugang, wenn man sich in die Kirche des heiligen Bartholomäus begibt, die gegen Ende des 10. Jahrhunderts an der Stelle eines uralten Äskulaptempels errichtet worden ist.

In der Kirche führt eine Treppe den Besucher tief hinunter, bis er sich auf der Höhe des Tibers befindet. Hier sind all jene Unglücklichen beigesetzt, deren Namen niemand außer Gott kennt, Männer und Frauen, die in vergangenen Zeiten den Briganten (Wegelagerer, Räuber) des römischen Umlandes zum Opfer fielen, in den Fluten des Tibers ertranken oder durch Seuchen hinweggerafft wurden. Die Begräbnisstätte, die bei den Überschwemmungen des Tibers immer wieder unter Wasser gesetzt wurde, musste im Jahre 1836 auf Befehl Papst Gregors XVI. (Bartolomeo Alberto Mauro Cappellari, 1831-1846) geschlossen werden. Der Papst hatte diese Maßnahme aufgrund der großen Choleraseuche, die Rom heimgesucht hatte, ergriffen - Verstorbene sollten nun ausschließlich auf dem Campo Verano nahe der Basilika San Lorenzo fuori le mura beigesetzt werden.

Die Bruderschaft, der einst die Sorge um den unterirdischen Friedhof der Tiberinsel anvertraut wurde, existiert noch immer. 1760 hatten die Gebrüder Michele und Giovanni Scolari gemeinsam mit Giuseppe Denzi eine Sodalität begründet, die sich die Aufgabe gesetzt hatte „über das Leiden des Erlösers zu meditieren“. 1776 erhob Papst Pius VI. (Giannangelo Braschi, 1775-1799) die Gemeinschaft zu einer Bruderschaft, zur Confraternità dei Devoti di Gesù al Calvario e di Maria Santissima Addolorata in sollievo delle Anime Sante del Purgatorio. Wegen der roten Kapuzengewänder, die bei den religiösen Zeremonien getragen werden, heißen die Mitglieder der frommen Vereinigung auch Sacconi Rossi.

Zu den der Bruderschaft aufgetragenen geistlichen Verrichtungen gehört neben der Betrachtung und der Begehung des Kreuzweges besonders das Gebet für die Armen Seelen im Fegefeuer. Aus dieser Haltung heraus übernahmen sie auch die Sorge für die dem Tod Geweihten, die ohne Familie und Anverwandte dastanden. Deren sterbliche Überreste setzten sie in den Räumen unterhalb ihres Oratoriums in der Kirche des heiligen Bartholomäus bei. Die Leichname der an Cholera Erkrankten wurden von den Mitgliedern der Bruderschaft in Barken den Tiber hinaufgebracht; an menschenleeren Orten verbrannte man dann - durch päpstliches Indult ermächtigt - die Toten. Die moralische Verpflichtung, jeden Toten in Rom und Umgebung würdig beizusetzen und für seine unsterbliche Seele Gebete zu sprechen, teilte man sich mit anderen frommen Vereinigungen der Ewigen Stadt.

Am frühen Abend eines jeden 2. November finden sich die Mitglieder der Bruderschaft und zahlreiche Gläubige auf dem Vorplatz der Kirche des heiligen Bartholomäus ein. Mit frommen Gesängen ziehen sie zu dem Gotteshaus. Im Schein von Fackeln und Wachskerzen steigen sie zu dem kleinen Gottesacker hinunter. Die mit Schädeln und Knochen geschmückten Grabstätten werden von dem Priester mit geweihtem Wasser gesegnet und mit Weihrauch inzensiert. Stille Gebete folgen. Dann begibt sich die Prozession wieder hinauf zur Kirche und zieht über den Vorplatz zum äußersten Ende der Tiberinsel an der Ponte Rotto. Hier bildet man mit den Fackeln und Kerzen einen Halbkreis um den Priester.

Auf den Fluss ruft der Geistliche den Segen herab; mit Weihrauch wird er feierlich für Gott eingenommen. In Gebeten und Litaneien erfleht man von der Gottesmutter, den Engeln und den Heiligen ihr Eintreten für die Armen Seelen. Schließlich - und es ist nunmehr fast Nacht - wird in das Wasser des Tibers eine prachtvoll geschmückte Blumenkrone hinabgelassen, zum Gedächtnis jener, die in dem Fluss ihr Leben verloren. „Rom ist eine Stadt, die das Leben bejaht, aber den Tod nicht leugnet“, hebt der Kaplan der Bruderschaft in seiner kurzen Ansprache hervor. „Gerade deshalb werden die Verstorbenen nicht vergessen, sie sind hier genauso beheimatet wie wir. Deshalb gilt auch ihnen unsere Verantwortung, unsere Sorge. Mit ihnen leben wir und glauben an den, der Herr über Leben und Tod ist“.

Es handelt sich bei diesem Text um ein Kapitel aus dem empfehlenswerten Buch von Ulrich Nersinger Dem Glauben auf der Spur, Verlag Petra Kehl, 2015, 126 Seiten.


17. November
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer eigenen Seite wurden jeweils untergebracht die Rezension des wichtigen Buches von Hatune Dogan Ich glaube an die Tat, die Schlaglichter auf den berüchtigen Theologenkongress "Das Konzil eröffnen" und die Ausführungen von Prof. Dr. Berthold Wald über die Theologie des »als ob«.


17. November
Joseph Kalinowski

Vor 25 Jahren, am 17. November 1991, wurde Joseph Kalinowski (1835-1907) heiliggesprochen.


16. November
Was wir sind, werdet ihr sein

Die Kapuzinergruft der Via Veneto

Von Ulrich Nersinger

Eine ungewöhnliche, den Menschen unserer Zeit merkwürdig erscheinende Gedenkstätte des Todes findet sich mitten im pulsierenden Zentrum Roms. Sie liegt unweit der Straße, die mit dem dolce vita, dem „süßen Leben“ der Fünziger und Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Verbindung gebracht wird.

In der Nähe der Piazza Barberini, am Beginn der Via Veneto, liegen Kirche und Kloster der Nostra Signora della Concezione dei Cappuccini. Sie wurden von Papst Urban VIII. (Maffeo Barberini, 1623-1644) in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts für seinen Bruder, den Kardinal Antonio Barberini, ein Mitglied des Kapuzinerordens, erbaut. Der Pontifex selbst segnete den Grundstein der Kirche und feierte in ihr den ersten Gottesdienst. Ein Lichtblick in der Zeit des Nepotismus!

Viele Rombesucher lenken ihre Schritte jedoch nicht in das Gotteshaus, sondern sie steigen hinab in die Krypta der Kirche - und dies oft nicht in frommer Gesinnung, sondern aus einer bizarren Neugierde heraus. Selbst der Tourist, der aus den Stadtführern um das weiß, was ihn in den unterirdischen Räumen erwartet, erschrickt und verstummt angesichts dessen, was er erblickt. Ein Inschrift am Eingang der Krypta prophezeit: „Quod fuimus, estis, quod sumus, eritis - Wir waren, was ihr seid, und was wir sind, werdet ihr sein.“

Die Wände der Gänge und Säle der Gruft sind von Gebein bedeckt. Alle Verzierungen - Blumen, Rosetten, Arabesken und Schmuckbänder - sind aus menschlichen Knochen geformt, und zwar in einer beinahe unerreichbaren Vollendung. An Ketten aus Schienbeinen hängen Lampen, die ihrerseits wieder aus Rippen und Gelenken Verstorbener bestehen. Selbst die Sanduhren entstammen Skelettteilen. Der Besucher schaut auf ungeheure Anhäufungen von Schädeln. Einige von ihnen bilden die Nischen, in denen mumifizierte Mönche, gehüllt in ihre Gewänder, liegen oder stehen.

Fast viertausend Söhne des heiligen Franziskus sind hier beigesetzt worden, in einem Erdreich, das aus Jerusalem in das römische Gotteshaus gebracht worden war. Inmitten der Ordensbrüder haben auch drei weibliche Personen ihre letzte irdische Ruhestätte gefunden: eine Fürstin und zwei kleine Mädchen - Angehörige des römischen Adelsgeschlechts der Barberini, das bis in die jüngste Zeit das Patronat über die Kirche und den Konvent der Kapuziner innehatte. Nachdem das Fleisch ihrer Leichname verwest war, wurden die Skelette zum Schmuck der Krypta genutzt - nicht aus einer makaberen Laune heraus, sondern mit einer ganz bestimmten Absicht.

Ein berühmter Auslandsrömer, Constantin Maes, erkannte die Botschaft. Zunächst erschien ihm die Gruft der Kapuzinermönche dunkel und schauerlich. „Heiliger Schrecken“ erfüllte ihn, als er in sie mit einer Fackel hinunterstieg; die „Ausstattung“ der Krypta ängstigte, verwirrte ihn und nahm ihm fast den Atem. Dann aber wurde ihm bewusst, dass sie auf diese Weise „mit dem Tode gleichsam scherzt, es ihr so gefällt, auf die große, unleugbare Wahrheit der Auferstehung hinzudeuten“.

Und ein römischer Schriftsteller empfand in den Gewölben unter der Kirche der Muttergottes ein Gefühl beruhigender Hoffnung: „Hier macht der Tod keine Angst. In diesem Schauspiel des Todes spüren wir den Glauben an ein anderes Leben. Wir erkennen an diesem Ort das Morgen unter der Maske unseres vergänglichen Fleisches.“

Es handelt sich bei diesem Text um ein Kapitel aus dem Buch von Ulrich Nersinger Dem Glauben auf der Spur, Verlag Petra Kehl, 2015, 126 Seiten.


6. November
Toleranz

Man muss sich klarmachen, dass Toleranz keineswegs die selbstverständliche Konsequenz des moralischen Relativismus ist, wie es oft behauptet wird. Toleranz gründet vielmehr in einer sehr bestimmten moralischen Überzeugung, und zwar einer Überzeugung, für die Allgemeingültigkeit verlangt wird. Der moralische Relativist kann demgegenüber sagen: “Warum soll ich tolerant sein? Jeder soll nach seiner Moral leben. Meine Moral erlaubt mir Gewalttätigkeit und Intoleranz.”

Aus: Robert Spaemann, Moralische Grundbegriffe, Verlag C.H. Beck 92015, S. 21.

Recktenwald: Über Toleranz.


6. November
Ein Geschenk des Himmels

Ich möchte auf die Broschüre Ein Geschenk des Himmels. Dem Weihnachtsgeheimnis auf der Spur hinweisen, die sich hervorragend als Geschenk und als Begleiter für die kommende Advents- und Weihnachtszeit eignet - nicht nur für Kinder. Auf 48 bunt illustrierten Seiten werden kindgerecht Advents- und Weihnachtsbräuche und natürlich das Festgeheimnis von Weihnachten erklärt. Bestellmöglichkeit.


6. November
Papua Neuguinea

Vor 50 Jahren, am 15. November 1966, wurden auf Papua Neuguinea die Apostolischen Vikariate Lae, Jayapura und Manokwari zum Bistum erhoben. Weitere Infos über Neuginea in der Missionschronik.


6. November
Henryk Sienkiewicz

Vor 100 Jahren, am 15. November 1916, starb im schweizerischen Vevey im Alter von 70 Jahren der polnische Schriftsteller Henryk Sienkiewicz. 1896 erschien sein berühmtester Roman Quo vadis, der mindestens fünf Mal verfilmt wurde. 1905 erhielt Sienkiewicz den Nobelpreis.


6. November
Franz Leopold von Leonrod

Vor 150 Jahren, am 13. November 1866, wurde Franz Leopold Freiherr von Leonrod (1827-1905) von König Ludwig II. zum Bischof von Eichstätt ernannt. Die Bischofsweihe folgte am 19. März 1867. Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil war er ein Befürworter der Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit. “Wegen der Verkündigung der Konzilsdekrete geriet er in schweren Konflikt mit dem bayrischen Staatsminister J. v. Lutz. Während des preußischen Kulturkampfes weihte er über 400 norddeutsche Theologen in Eichstätt” (LThK, 2. Auflage).


6. November
Placidus Riccardi

Vor 150 Jahren, am 12. November 1866, trat der sel. Placidus Riccardi (1844-1915) in das Benediktinerkloster St. Paul vor den Mauern ein. Er war ein “Erneuerer des klösterlichen Lebens, vor allem aber unermüdlich in der Seelsorge für die Wallfahrer (‘Apostel der Sabina’)” (A. Schmitt im LThK, 2. Auflage). 1954 wurde er seliggesprochen.


5. November
Anton Rietter

Vor 150 Jahren, am 6. November 1866, starb in seiner Geburtsstadt Stadtamhof bei Regensburg im Alter von 58 Jahren der Moraltheologe Anton Rietter. Er lehrte in Amberg, Regensburg und München.


5. November
Mariano de la Mata Aparicio

Vor 10 Jahren, am 5. November 2006, wurde in Brasilien der spanische Augustinerpater Mariano de la Mata Aparicio (1905-1983), der 52 Jahre als “Botschafter der Nächstenliebe” in Brasilien wirkte, seliggesprochen.


5. November
Die europäische Kultur und der banale Nihilismus

Vor 25 Jahren, im November 1991, hielt der Philosoph Robert Spaemann in Rom vor dem Praesynodalen Symposium über Christentum und Kultur seine Rede Die europäische Kultur und der banale Nihilismus oder: Die Einheit von Mythos, Kult und Ethos, die ich vor zehneinhalb Jahren auf kath-info veröffentlicht habe.


5. November
Francesco Salesio Kardinal della Volpe

Vor 100 Jahren, am 5. November 1916, starb in Rom im Alter von 71 Jahren Francesco Salesio Kardinal della Volpe. Er stammte aus Ravenna, wurde 1867 zum Priester geweiht und 1899 von Leo XIII. in pectore zum Kardinal ernannt. 1911 wurde er Kardinalpräfekt der Indexkongregation.


4. November
Statistisches zur Petrusbruderschaft

Die Priesterbruderschaft St. Petrus hat zur Zeit 425 Mitglieder, davon 270 Priester (Stand: 24. Oktober 2016). Von den 277 inkardinierten Mitgliedern stammen 46 aus Deutschland, Schweiz und Österreich. Weltweit ist die Petrusbruderschaft in 124 Diözesen tätig, davon 23 im deutschsprachigen Distrikt. An 226 Orten feiern die Priester der Petrusbruderschaft regelmäßig die hl. Messe, davon 68 im deutschsprachigen Distrikt. Weltweit sind ihr 38 Personalpfarreien anvertraut (zum Vergleich: 2009 waren es noch 12), davon keine einzige in Deutschland. 82 Häuser sind kanonisch errichtet. Die Konfraternität hat weltweit 5231 Mitglieder, davon 856 im deutschen Sprachraum (2009 waren es 3125 und 422 Mitglieder).

Weitere Infos


4. November
René Girard

Vor einem Jahr, am 4. November 2015, ist im kalifornischen Stanford im Alter von 91 Jahren der aus Avignon stammende Religionsphilosoph René Girard gestorben.


3. November
Die Kirche vor den Herausforderungen der Zeit

Von P. Engelbert Recktenwald

Zweiter und letzter Teil

Unsere Zeit kennt schließlich eine ungeahnte Zahl von Heiligen und Mystikern, die in besonderer Weise in den Dienst des göttlichen Heilsplans gerufen wurden, angefangen bei der hl. Faustine Kowalska, die die dringend notwendige Hinwendung zur Barmherzigkeit Gottes verkündete, über die sel. Dina Bélanger, die die Priester an die übernatürliche Dimension ihres Wirkens und an die Notwendigkeit des geistlichen Lebens erinnern sollte, bis zu einem hl. P. Pio von Pietrelcina, der in besonderer Weise in das Sühnopfer Christi hineingenommen wurde und uns das unaussprechliche Geheimnis der heiligen Messe erahnen lässt.

Nicht in den Gedanken moderner Theologen, sondern im Leben der Heiligen wird der göttliche Erlösungsratschluss transparent. Er unterscheidet sich ein wenig von dem, was heute als Erneuerungsprogramm ausgegeben wird: In Fatima fordert die Muttergottes nicht eine Lockerung der kirchlichen Morallehre, sondern Buße und Umkehr, nicht einen Abbau der Marienverehrung um der Ökumene willen, sondern die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens. Gegenüber einem P. Pio fordert der Herr nicht die Aufhebung des Zölibats, die Einführung der Handkommunion oder liturgische Experimente zur Verlebendigung des Gottesdienstes, sondern er beklagt die Vernachlässigung des Allerheiligsten Altarsakramentes und die Gleichgültigkeit und Ehrfurchtslosigkeit, die diesem Sakrament seiner Liebe entgegengebracht wird. Gegenüber der sel. Dina Bélanger fordert der Herr von seinen Priestern nicht größere Weltgewandtheit oder Zeitaufgeschlossenheit, sondern ein Leben in innigerer Vereinigung mit ihm und größere Vollkommenheit auch in kleinen Dingen, von den Orden und Gemeinschaften keine Aufweichung der Disziplin, sondern größere Treue zur Regel. Und in den Botschaften an die hl. Faustine schlägt der Herr keinen Abbau des Sündenbewusstseins vor, sondern lädt dazu ein, oft im hl. Bußsakrament seine Barmherzigkeit in Anspruch zu nehmen.

Auf dem Hintergrund dieser göttlichen Heilsstrategie tritt erst die ganze innere Hohlheit moderner Erneuerungsprogramme ins Relief. Was modernistische Kreise als Fortschritt preisen, ist in Wirklichkeit Verweltlichung, was als Erneuerung ausgegeben wird, ist in Wahrheit Abbruch von Glaubens- und Sittenlehre. Leider muss auch von einem Großteil der offiziellen in der Kirche durchgeführten Reformen gesagt werden, dass sie weniger von der göttlichen Heilsstrategie als vielmehr von menschlichen Wunschvorstellungen inspiriert waren und zu Ergebnissen geführt haben, die eine wahre Erneuerung nur um so schwieriger machen. Nicht nur ein hl. P. Pio, sondern auch ein hl. Josemaría Escrivá de Balaguer haben etwa unter der Liturgiereform gelitten, deren konkrete Ausführung nach einem Wort von Kardinal Ratzinger "nicht Wiederbelebung, sondern Verwüstung" als Ergebnis zeitigte. Was der Kardinal weiterhin über die Liturgiereform sagt, kann auf heutige Reformforderungen allgemein ausgedehnt werden: "An die Stelle der gewordenen Liturgie hat man die gemachte Liturgie gesetzt. Man ist aus dem lebendigen Prozess des Wachsens und Werdens heraus umgestiegen in das Machen" (Geleitwort zur Gedenkschrift Simandron - Der Wachklopfer für Klaus Gamber, hg. von W. Nyssen, Köln 1989). Bekanntlich ist es ja Gott, der das Gedeihen gibt (1 Kor 3,7). Will der Mensch die Erneuerung selber in die Hand nehmen, bleibt nur das Machen übrig. Den Zölibat abschaffen, kann der Mensch selber, die Kraft, ihn zu leben, kann nur Gott geben. Liturgische Experimente kann sich der Mensch selber ausdenken, das Geheimnis der heiligen Messe geistlich zu erfahren, kann nur Gott schenken. So entpuppt sich die moderne Erneuerungsmentalität als ein vermessener Pelagianismus des Alles-Selber-Machen-Wollens und als ein platter Naturalismus, dessen Glaube nicht mehr dazu ausreicht, ernsthaft mit dem übernatürlichen Gnadenwirken Gottes zu rechnen. Von Verweltlichung erwartet man sich mehr als vom Gebet und von Anpassung mehr als von Askese. Statt des eigenen Lebens reformiert man lieber die Moralforderungen. An die Stelle der eigenen Umkehr ist die Kritik an der Kirche getreten.

Hier zeigt sich, wes Geistes Kind heutige Kirchenkritik oft ist: Es ist schlicht und einfach der Stolz, der - oft im Schafspelz wohlklingender Worte wie "Mündigkeit", "Autonomie" und "Gewissen" - sein Haupt erhebt und Tribut einfordert. Nicht durch halbes Entgegenkommen - wie es etwa die Einführung der Handkommunion war -, sondern nur durch ein bewusstes Gegenprogramm kann die Kirche sich dieses Virus' erwehren. Maria, die Mutter des Herrn wurde, weil sie sich zuvor als seine Magd bekannte, zieht wegen ihrer Demut den Hass der Stolzen genau so auf sich wie die Kirche. Sie ist ja Typos der Kirche. Zurückgehen von Marienverehrung und von kirchlicher Gesinnung gehen deshalb Hand in Hand. Das ist umgekehrt der Grund, warum eine kirchliche Erneuerung nur möglich ist, wenn man dem "marianischen" Grundzug des gegenwärtigen Zeitalters Rechnung trägt. Luzia, die Seherin von Fatima, meinte sogar, dass wir gegenwärtig im 12. Kapitel der Apokalypse leben, das vom Krieg des Drachen gegen die Frau berichtet: "Am Himmel erschien ein großes Zeichen: eine Frau, mit der Sonne umkleidet, den Mond unter ihren Füßen und eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupte..."

Es ist kein Zufall, dass die Muttergottes uns für unsere Zeit eine Heilige geschenkt hat, in deren Spiritualität wir das gesuchte Gegenprogramm verwirklicht finden und die Papst Pius X. als die größte Heilige der Neuzeit bezeichnete: die hl. Theresia vom Kinde Jesu. Ihr "kleiner Weg" zur Verwirklichung des Geistes der Kindschaft, der uns "demütig und klein in den Armen Gottes macht", ist unvereinbar mit besserwisserischer Anklage und einer Kirchenkritik, deren Kriterium die eigenen Wunschvorstellungen sind. In dieser Heiligen, deren bezaubernde Selbstbiographie eine unerforschte geistliche Tiefenwirkung in der Menschheitsgeschichte zurückgelassen haben dürfte, hat uns der Herr das Gegengift gegen die neuzeitliche Krankheit der Selbstverherrlichung des Menschen geschenkt. Mit dieser Heiligen ist der Kirche die Möglichkeit in die Hand gegeben, nicht nur die Forderung nach Umkehr zu verkündigen, sondern auch ein leuchtendes Beispiel ihrer Verwirklichung aufzuzeigen, nicht nur den Ernst der Entscheidung vor Augen zu stellen, sondern auch die Schönheit der richtigen Entscheidung,. Im Kontrast wird deutlich, wie missionarisch - weil selbstlos - die Demut ist, und wie selbstquälerisch der Hochmut. Der Ausbruch aus der gegenwärtigen Selbstzerfleischung der Kirche zu missionarischer Evangelisierung kann nur die Frucht einer Besinnung auf die Kraft der Demut sein, die dem Ruf des Himmels nach Buße und Umkehr gehorcht und dadurch fähig wird, Kanal der Gnade zu sein. Dann tritt an die Stelle selbstzweiflerischer Weltanbiederung missionarische Offensive, an die Stelle von Menschenfurcht Gottesfurcht, und an die Stelle von Höllenfurcht die Liebe.

Zum ersten Teil


2. November
Monatsranking Oktober 2016

Neuer Spitzenreiter ist - Ferdinand von Schirach sei Dank! - der Artikel über die Frage, ob es moralisch erlaubt sei, im äußersten Notfall ein Passagierflugzeug abzuschießen, um eine Katastrophe mit unzähligen Toten zu verhindern. Aufsteiger des Monats ist allerdings genau jene Seite, die das auf diesen Fall anzuwendende Prinzip der doppelten Wirkung ausführlich erklärt.

Platz Monatsranking Oktober 2016
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 610 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Recktenwald: Darf man im Katastrophenfall Passagierflugzeuge abschießen?

+ 18
2

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

- 1
3

Bernward Deneke: Liebe, und dann tue was du willst

- 1
10

Das Prinzip der doppelten Wirkung

+ 123
20

Das Hör-Erleben des ungeborenen Kindes

- 6
30

Recktenwald: Die Bedeutung des Engelglaubens

+ 10
40

Recktenwald: Ist ohne Gott alles erlaubt?

- 10
50

Stimmen zu Amoris laetitia

+ 61
60

Über Gender Mainstreaming

- 7
100

Pirmin Meier: Gerd-Klaus Kaltenbrunner

- 35

Zum Ranking der Vormonate


2. November
Matthäus Vogel

Vor 250 Jahren, am 2. November 1766, starb in Oggersheim im Alter von fast 71 Jahren der aus der Oberpfalz stammende Volksmissionar Matthäus Vogel SJ. Er brachte die Oggersheimer Loretowallfahrt zur Blüte und verfasste eine zweibändige Heiligenlegende, die bis ins 20. Jahrhundert immer wieder aufgelegt wurde.


1. November
Der selige Rudolf Aquaviva S. J.
Missionär und Märtyrer in Indien

Von Anton Huonder S.J.

17. Folge

Es galt nun, dem ausgezeichneten Arbeiter ein neues, würdiges Feld der Tätigkeit anzuweisen, und ein solches hatte sich eben gefunden.

Drei Meilen südlich von Goa lag die kleine, aber volkreiche Halbinsel Salsette (wohl zu unterscheiden von der gleichnamigen Insel nördlich von Bombay). Sie war 1543 vom König von Bejapoor [Bijapur] an die Portugiesen abgetreten worden und zählte in 66 Ortschaften bei 88000 Einwohner, meist Hindus. Nirgends hatte sich das alte Heidentum hartnäckiger gezeigt als hier; zählte doch die Halbinsel bis 1560 kaum mehr als 100 Christen. In diesem Jahre wurde die Missionierung der Halbinsel vom Vizekönig Konstantin de Braganza den Jesuiten übertragen. Aber trotz ihrer Anstrengungen stieg die Zahl der Bekehrten in zehn Jahren kaum auf 2000. Noch standen überall die zahlreichen prächtigen Pagoden, und stolz schauten die Heiden auf die schmucklosen hölzernen Kirchen der Christen. Braganza drängte auf die entschiedene Ausführung der königlichen Verordnungen, die in den neueroberten Ländern die Zerstörung und Ausrottung des heidnischen Götzendienstes als eine der ersten und heiligsten Pflichten betonten. Man hat diese Politik der alten katholischen Seemächte als unduldsamen Vandalismus verdammen zu müssen geglaubt. Sie ging aber hervor aus den Anschauungen jener strenggläubigen Zeit, die den unsittlichen, schändlichen, der Vernunft und dem Naturgesetz widerstrebenden Gebräuchen und Kulthandlungen des Heidentums nicht gleichgültig und untätig gegenüberzustehen vermochte.

Die neuen Verordnungen schürten den heidnischen Fanatismus zu hellen Flammen auf. Es kam zum Kampfe, und die siegreichen Portugiesen ließen in dem einen Jahre 1567 an 280 größere und ungezählte kleinere Pagoden in Trümmer sinken. Es war die Pflügearbeit einer neuen, hoffnungsvollen Saat. Das Christentum gewann nun mehr und mehr an Boden. In Rachol, dem Hauptorte von Salsette, erstand ein Kolleg der Jesuiten; überall wurden oft in unmittelbarer Nähe der noch heidnischen Dörfer und Kultstätten Kreuze und Kapellen errichtet. 1583 zählte die Halbinsel bereits 25 Kirchen und 8000 Christen unter 15 Jesuitenmissionären. Freilich waren diese Erfolge nur unter fast beständigem Kampf mit dem Heidentum errungen worden, das seine frühere Stellung nicht verschmerzen konnte. Was Gewalt nicht vermochte, sollte List erreichen. Durch Geld wussten sich die Indier am portugiesischen Hofe mächtige Gönner zu erwerben, die für eine Zurückziehung der früheren königlichen Verordnungen wirkten. Wirklich war bereits ein Dekret zu ihren Gunsten ausgefertigt, als P. Alfons Pacheco S. J. [1551-1583, 1893 seliggesprochen], der damals als Prokurator von Indien in Europa weilte, durch persönliche Vorstellung bei Philipp II. (Portugal war seit 1580 mit Spanien vereinigt) die Intrige vereitelte. Dies gab auf Salsette das Zeichen zu einer neuen Empörung. In eilig erbauten Tempeln feierten die Heiden ihre Orgien, verweigerten die Steuern, verbrannten die Wohnungen und Kirchen mehrerer christlicher Gemeinden. Der Vizekönig Don Franzisco Mascarenhas unterdrückte den Aufruhr mit Waffengewalt, und wieder zerstörten die Portugiesen unter Anführung des feurigen P. Peter Berno S. J. [1552-1583] eine Reihe von Götzentempeln. Bei dieser Gelegenheit tötete letzterer in seinem heiligen Eifer mit eigener Hand eine den Brahmanen heilige Kuh und warf ihre Eingeweide in ein zu götzendienerischen Verrichtungen bestimmtes Waschgefäß. Durch Vermittlung P. Pachecos wurde zwar der Friede hergestellt, und scheinbar herrschte auf Salsette wieder volle Ruhe; Aber unter der Asche glomm der Funke des Hasses. Es bedurfte nur eines leichten Luftzuges, um ihn zu hellen Flammen wieder anzufachen.

So war die Lage, als Aquaviva Anfang Juli 1583 nach Salsette kam, um sein neues Amt als Rektor des Kollegs von Rachol, im Mittelpunkte der Mission, anzutreten. Kein Mann schien so geeignet, die schwierigen Verhältnisse zu regeln und eine allmähliche bleibende Versöhnung der Geister herbeizuführen, als Aquaviva, der mit einem glühenden Seeleneifer große Selbstbeherrschung verband und dem die Kunst, durch seinen Umgang die Menschen zu gewinnen, in hohem Grade eignete.

Nachdem der neue Obere in stiller Zurückgezogenheit frische geistige Kraft geschöpft, beriet er sich mit den versammelten Patres über die zu treffenden Maßregeln. Man beschloss, die wichtigsten Punkte der Insel zu besuchen, um an Ort und Stelle die Bedürfnisse der Mission kennen zu lernen, die Christen im Glauben zu festigen, die Heiden durch Güte und Milde, die Rudolf vor allem betonte, zu gewinnen und zugleich die geeignetsten Plätze ausfindig zu machen, wo nach der Sitte der damaligen Missionäre weithin sichtbare Kreuze errichtet und neue Kirchen gebaut werden sollten. Als Begleiter wählte Aquaviva die PP. Alfons Pacheco, Peter Berno, Anton Francisco und den Laienbruder Franz Aranha. Lernen wir diese Männer, die, ohne es zu ahnen, am Vorabend ihres Martertods standen, etwas näher kennen.

Alfons Pacheco stammte aus eine altadligen spanischen Familie, die in Minaya im Katalonischen ihre Stammgüter besaß. Als achtzehnjähriger Jüngling trat Alfons 1567 in die Gesellschaft Jesu ein. Lange hatte er seine Obern umsonst gebeten, ihn nach Indien zu schicken. Als endlich der Provinzial mit seinen Räten über die endgültige Bestimmung Pachecos zu entscheiden hatte, rief der junge Ordensmann sämtliche Mitbrüder des Kollegs in die Kapelle zusammen, wo sie dem Heiland ein „wichtiges Anliegen“ empfehlen sollten. Inzwischen klopfte, wie der alte Biograph sich ausdrückt, Alfons selbst durch eine blutige Geißelung an der Himmelspforte an, und zwar mit Erfolg. Freudestrahlend eilte er in die Kapelle und flüsterte seinen betenden Mitbrüdern zu: „Nun könnt ihr wieder an die Arbeit gehen, die Sache ist gewonnen.“ In Goa versah er zuerst das Amt des „Hauswirtschafters“ (Ministers) und längere Zeit das des Vizerektors. Dann wurde er Sekretär und Gehilfe des Provinzials. Dieser sandte ihn 1580 als Mann seines Vertrauens zur Erledigung wichtiger Geschäfte nach Europa. „Ew. Paternität“, so lautete das Begleitschreiben des Provinzials an den General P. Mercurian, „können sich auf ihn verlassen, als ob ich persönlich käme; denn er besitzt eine außerordentliche Klugheit und Erfahrung… Vor allem aber ist er ein echter Jesuit. Ich bitte und beschwöre daher Ew. Paternität, ihn mir um jeden Preis wieder zurückzuschicken. Ich würde es als ein schweres Unglück für unsere Provinz (von Goa) betrachten, wenn dieselbe ihn verlieren würde.“ In der Tat kehrte Pacheco 1581 nach Erledigung seiner Geschäfte mit 13 neuen Missionären nach Indien zurück. Er wurde dort Seelsorger und „Vater der Christen“ auf der Insel Salsette, deren Liebe er sich in hohem Grade erwarb.

wird fortgesetzt


30. Oktober
Schwarz-Weiß-Struktur

Das Weltbild, das Mohammed den Arabern brachte, entsprach dieser ihrer geistigen Struktur. Die Menschen waren darin in zwei säuberlich voneinander geschiedene Kategorien eingeteilt: auf der einen Seite standen die Araber, die gläubig und der göttlichen Wahrheit inne waren, auf der anderen Seite die irrgläubigen Heiden, welche die Existenz Allahs, die Unsterblichkeit des Fleisches und die Gottgesandtschaft des Propheten verneinten. Jeder Muselman hatte die selbstverständliche Pflicht, Ungläubige nach Kräften zum Islam zu bekehren oder aber, falls sie die Bekehrung verweigerten, erbarmungslos zu vertilgen. Es war also jeder Krieg ein heiliger Krieg mit dem Ziel, die ‘Wahre Religion’ zu verkünden; wer dieser Aufgabe sein Leben weihte, der stand in Gottes besonderer Gunst. Der Waffendienst nahm den Charakter einer sakralen Pflicht an. Alle, sogar Blinde und Krüppel, mußten am Kampf teilnehmen, und nur Kinder, Schwachsinnige und Frauen waren davon befreit. Kriegsdienstverweigerung war die abscheulichste aller Sünden und zog ewige Verdammnis nach sich. Alle Gebote des Koran, die dem heiligen Eifer der Araber zum Ansporn erlassen waren, gipfelten in dem Satz, der ihr Schlachtruf wurde: ‘Vor uns das Paradies und hinter uns die Hölle!’ Mohammed beschränkte sich jedoch nicht auf solch allgemeine Vorschriften. Er ging bis in die kleinsten Details der praktischen Kriegführung ...

Aus: Jacques Benois-Méchin, Ibn Sa’ud und die arabische Welt, Düsseldorf-Köln: Diederichs Verlag 1956, S. 22 f.

Weitere Infos zum Weltbild des Islam


29. Oktober
Katholisches Schriftprinzip?
Josef Rupert Geiselmanns These der materialen Schriftsuffizienz

Von P. Daniel Eichhorn

P. Daniel Eichhorn hat in Freiburg / Schweiz bei Prof. Dr. Barbara Hallensleben über das Thema promoviert.

1. Rudolf Bultmanns Neu-Interpretation von Bibel und Glaube

Die 1950er-Jahre sind theologisch stark geprägt durch Rudolf Bultmann. Gemäß dem evangelischen Marburger Gelehrten – ähnlich wie gemäß David Friedrich Strauß im 19. Jahrhundert – setzt die Bibel ein von heidnischen Göttermythen und antiken Denkmodellen geprägtes Weltbild voraus. Bultmann fragt daher nach der Bedeutung von Bibel und Glaube für den heutigen Menschen mit seinem völlig anderen, physikalisch geprägten Weltbild. Ihm sei so der Zugang zu Bibel und traditionellem Glauben völlig verwehrt. Der Wahrheitskern der Bibel könne heute allenfalls durch historisch-kritische Forschung und durch eine radikal neue, existenzialistische Deutung von Bibel und Glaube im Zeichen einer Ent-Mythologisierung freigelegt werden. Wegen ihres Weltbildes ist die Bibel für Bultmann als historische Quelle und als geschichtliche Grundlage des Glaubens fragwürdig geworden. Die Folge ist Bultmanns erklärte Interesselosigkeit gegenüber Bibel und Heilsgeschichte.

Bultmann vertritt einen bekannten Topos neuzeitlicher Theologie: Strikt trennt er irdischen und göttlichen Bereich, da er nicht mit einem Handeln Gottes in der Geschichte meint rechnen zu können. Laut Bultmanns Schüler Heinrich Schlier ist Bultmanns Ansatz „ungewollt geeignet [...], die Glaubenssubstanz der Evangelischen Kirche aufzulösen.“ [1] Geiselmann wird auf Bultmann in aller Deutlichkeit reagieren, wie zu zeigen sein wird.

2. Das Dogma von 1950 und der Theologe Geiselmann

Rom am 1. November 1950. Pius XII. dogmatisiert die leibliche Aufnahme Mariens in die himmlische Glorie. Dieses Assumpta-Dogma gibt Anlaß zur Neuauflage der bereits vierhundert Jahre alten Kontroverse über das Verhältnis von Heiliger Schrift und Tradition und entfacht eine der bedeutendsten theologischen Auseinandersetzungen in der Jahrhundertmitte über eine Frage, die an die Fundamente von Glaube und Kirche rührt. Die explizite biblische Grundlage dieses Dogmas – z. B. in der Apokalypse – ist durchaus mager. Die Gewißheit über diese Glaubenswahrheit muß also aus der Tradition stammen – so die damals gängige katholische Position. Erschwerend kommt hinzu: Die frühesten einschlägigen, uns vorliegenden Traditionszeugnisse stammen erst aus dem 5. Jahrhundert, die Assumptio-Lehre scheint somit nicht apostolischen Ursprungs zu sein. Entsprechend groß ist die Kritik von protestantischer Seite an der Dogmatisierung, etwa bei Edmund Schlink und Friedrich Heiler. Bereits Luther hatte Überlieferungen als adiáphora, als reine Menschensatzungen verstanden und als Widerspruch zum allein maßgeblichen Wort Gottes gesehen. Entsprechend massiv herausgefordert sah sich die katholische Theologie.

Hier schaltet sich der katholische Theologe Josef Geiselmann ein. 1890 in Neu-Ulm geboren, wurde er 1915 zum Priester geweiht. Den Großteil seines Lebens wirkte er als Professor für Fundamentaltheologie in Tübingen in seiner letzten akademischen Etappe ab Anfang der 1950er Jahre als Dogmatiker. In dieser Zeit publiziert er v. a. über das Assumpta-Dogma und über die biblische Christologie, über Bultmann und dessen Entmythologisierung, über die großen Tübinger Theologen des 19. Jahrhundert – und eben über Schrift und Tradition. 1958 emeritiert, verstarb er 1970.

3. Geiselmanns fundamentaltheologischer Neuansatz

Geiselmanns Ausgangspunkte sind vor allem das Assumpta-Dogma und Bultmanns Neuinterpretation der Bibel, die eine Abwendung von der heiligen Geschichte des Volkes Israel einschließe. Sein Ziel ist ein fundamentaltheologisch und ökumenisch verantworteter Beitrag, vor allem durch ein neues Verständnis der Bibel, einen genuin theologischen Traditionsbegriff und eine sachgerechte Verhältnisbestimmung von Schrift, Tradition und Kirche.

3.1 Status quaestionis: Schrift und Tradition als getrennte Wirklichkeiten

Seit 1956 tritt Geiselmann mit einer eigenen Konzeption an die Öffentlichkeit. Er reagiert auf die weitgehende Trennung von Schrift und Tradition in der katholischen Theologie seit dem Spätmittelalter. Seit Mitte des 16. Jahrhundert wurde die Überlieferung zunehmend als eine lehrmäßige Ergänzung der Bibel verstanden, die diejenigen katholischen Glaubenswahrheiten überliefert, von denen die Schrift zu schweigen scheint. Überlieferung im Sinne einer solchen ,Ergänzungstradition’ wurde laut Geiselmann zu einer konstitutiven „Materialquelle“ neben der Schrift. Fundamentaltheologisch ist die Rede von den zwei Quellen Schrift und Tradition, von der „Zwei-Quellen-Theorie“. Damit standen sich zwei Materialquellen praktisch unverbunden gegenüber: Die Zusammengehörigkeit beider Lehrquellen des Glaubens, ihre ursprüngliche Einheit im einen Wort Gottes, war nicht mehr ohne weiteres zu erkennen. Entsprechend dieser Trennung lösten sich Theologie und Verkündigung tendenziell von der Bibel.

Anmerkungen:

[1] Heinrich Schlier, Kurze Rechenschaft, in: Karl Hardt (Hrsg.), Bekenntnis zur katholischen Kirche, Zürich 21955, 167-192, hier 174.

Wird fortgesetzt


28. Oktober
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

48. Folge

3. Die vertrauliche Einführung in das Mysterium der Dreifaltigkeit wirkt also zunächst eine übernatürliche, erhabene und zärtliche Liebe zu Gott, eine freundschaftliche Liebe. Zugleich aber gibt sie uns ein Pfand, daß wir als Freunde Gottes auch berufen seien zur unmittelbaren Anschauung seines Wesens, wie es an sich ist, zur Anschauung Gottes von Angesicht zu Angesicht. Oder ist es nicht wahr, daß wir schon durch den Glauben an die Trinität Gott nicht mehr bloß so erkennen, wie er nach außen erscheint, sondern wie er in sich selbst ist, in sich selbst subsistiert? Ist aber einmal der Schleier, der das Innere der Gottheit vor dem Auge des Geschöpfes verhüllt, gelüftet, ist einmal die Kreatur auf den Flügeln des Glaubens Gott so nahe gebracht, daß sie die geheimnisvollen Namen und Verhältnisse der göttlichen Personen erfährt: dann fühlt sie in sich auch die Sehnsucht und mit der Sehnsucht das Vertrauen, daß der schon gelüftete Schleier dereinst ganz fallen werde, daß die Personen, die sich ihr bereits aus der Ferne zeigen, sich auch von Angesicht zu Angesicht offenbaren werden.

Die übernatürliche Seligkeit, welche die Kreatur in der Anschauung Gottes genießt, wird also durch die Offenbarung der Trinität eingeleitet und antizipiert; der Glaube an die Trinität ist der Vorgeschmack der seligen Anschauung Gottes; er baut unserer Seele eine Brücke zum Himmel, er trägt sie, während sie noch auf Erden weilt, in den Schoß Gottes empor; er führt sie ein in die Freude ihres Herrn. Und wenn die süßeste Würze der Seligkeit Gottes selbst in der Gemeinschaft und Wechselbeziehung der Personen besteht, dann gibt uns auch schon der Glaube an die Trinität etwas von der innersten Süßigkeit und Lieblichkeit Gottes zu kosten.

So ist die Offenbarung der Trinität nicht nur eine höchst gnadenvolle, übernatürliche Auszeichnung für die Kreatur; sie führt dieselbe auch zu einer übernatürlichen Vereinigung mit Gott, hienieden durch eine Liebe, im Jenseits durch einen Genuß, wie die Natur keine Liebe, keinen Genuß kennt.

4. Es versteht sich von selbst, daß diese Offenbarung anderseits ebenso ehrenvoll für Gott selbst ist. In allen Werken Gottes nach außen kommt der Kreatur der Nutzen, Gott die Ehre zu. Der Nutzen der Kreatur und die Ehre Gottes gehen Hand in Hand. Der Nutzen der Kreatur ist desto größer, je mehr Gott sich ihr mitteilt; je mehr sich aber Gott mitteilt, desto mehr offenbart er sich selbst, desto mehr verherrlicht er sich. Je mehr er die Kreatur erhebt, desto mehr erhebt er auch sich selbst, nicht durch Zuwachs, sondern durch Entfaltung seiner Größe.

Wenn nun Gott schon dadurch so sehr verherrlicht wird, daß er in der geschaffenen Natur, in der sinnlichen und unsichtbaren Welt mit ihren zahllosen Abstufungen, Gliederungen und Geschlechtern von Wesen aller Art seine Macht, Weisheit und Güte erscheinen und erkennen läßt: wie sehr wird er dann nicht sich verherrlichen, wenn er die unendliche Fruchtbarkeit seines Schoßes, die überströmende Fülle seines Herzens offenbart, wenn er uns das Zeugnis erkennen läßt, das der Herrlichkeit des Vaters der ihm wesensgleiche Sohn, der Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes der beiden gleiche Heilige Geist gibt! Auch die Geschöpfe geben Zeugnis von der Herrlichkeit Gottes: “Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und die Werke seiner Hände verkündet das Firmament” [Ps 19, 2]. Aber das Zeugnis der Kreaturen ist nur ein matter, verschwindender Nachklang des Zeugnisses, welches der Vater von seinem eigenen Worte erhält; ihre strahlenden Gestalten sind nur ein dunkler Schatten gegenüber dem Sohne, der als Licht vom Lichte ein reiner Spiegel der Schönheit seines Vaters und ein Abbild seines Wesens ist. Und der Liebesjubel der Kreaturen ist kaum hörbar neben jenem unaussprechlichen Liebesseufzer, den Vater und Sohn im Heiligen Geiste aushauchen; alle Fluten des Lebens und der Seligkeit, welche die Herzen und Adern der Geschöpfe erfüllen, sind verschwindende Bächlein neben jener unerschöpflichen Lebensflut, die Vater und Sohn im Heiligen Geiste entströmt. Wie ganz anders verherrlicht sich also Gott vor unsern Augen, wenn er die Dreifaltigkeit der Personen offenbart und diese göttlichen Personen als Zeugen ihrer eigenen Herrlichkeit hinstellt, als wenn er bloß die Geschöpfe als Boten derselben an uns abordnet! Wenn diese Verherrlichung eine natürliche, so ist jene eine übernatürliche, wenn diese eine endliche, so ist jene eine unendliche. Beide Arten sind also wesentlich, himmelweit voneinander unterschieden, und diesen Unterschied müssen wir uns nachdrücklich zum Bewußtsein bringen und uns nie verwischen lassen; denn nur aus dem Unterschiede und Gegensatze des Natürlichen und Endlichen zum Übernatürlichen und Unendlichen können wir die ganze Größe und Erhabenheit des letzteren begreifen und festhalten.

Ist es also nicht wahr, daß die Offenbarung und die Erkenntnis der Dreifaltigkeit der Personen eine überaus hohe und große Bedeutung für uns hat, trotzdem oder vielmehr gerade weil es eine übernatürliche und übervernünftige, eine für Natur und Vernunft transzendentale Wahrheit ist? Gerade deshalb, weil sie die Natur und Vernunft so hoch übersteigt, hebt uns Gott durch die Offenbarung derselben über unsere Natur und unsere Vernunft empor und läßt uns vermittelst seiner Gnade zum Gipfel seiner Mysterien hinaufsteigen. Das Mysterium ist transzendental für die rein menschliche, natürliche Wissenschaft und Philosophie; aber gerade deshalb bildet es den Gegenstand einer übermenschlichen Wissenschaft und Philosophie, der Theologie, in der nicht der Mensch die Wahrheit sucht, sondern Gott sein eigenes Wissen mitteilt. Wie die göttliche Natur in ihrer Einheit der höchste Gegenstand, der Schlußstein der Philosophie, so ist die Dreifaltigkeit der Personen der höchste und zugleich am meisten charakteristische Gegenstand, das Zentrum und der eigentlichste Kern der Theologie.

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


27. Oktober
Fata Morgana

Mein Essay Fata Morgana als Hörbeitrag.


27. Oktober
Adolph Kolping

Vor 25 Jahren, am 27. Oktober 1991, wurde Adolf Kolping (1813-1865) seliggesprochen. 1845 zum Priester geweiht, wurde er zunächst Kaplan in Elberfeld, dann, 1849, Domvikar in Köln. Hier gründete er einen Gesellenverein, der sich zum weltweiten Kolpingwerk auswuchs.


23. Oktober
Die Abschussfrage in der Tagespost

Wegen des Films Terror - Ihr Urteil, der die Diskussion um die Frage angestoßen hat, ob es moralisch erlaubt ist, zur Verhinderung eines Anschlags ein von Terroristen entführtes und zur Waffe umfunktioniertes Passagierflugzeug abzuschießen, hat die Tagespost in ihrer Ausgabe vom Samstag eine Pro- und Contra-Stellungnahme gebracht. Ich habe den Pro-Part übernommen. Zu dieser Frage habe ich mich schon vor einigen Jahre in einem kath-info-Artikel geäußert.


23. Oktober
Das Zitat

Zage nicht; denn in keiner Weise lasse ich meine Auserwählten über ihre Kräfte versucht werden, und allzeit bin ich bei ihnen, um das Maß abzuwägen. Gleichwie eine Mutter, wenn sie ihr Kindlein am Feuer erwärmen will, immer die Hand zwischen das Feuer und das Kind hält, ebenso schicke ich, wenn ich es für heilsam erachte, meine Auserwählten durch Trübsal zu läutern, diese nicht zu ihrer Vernichtung, sondern zu ihrer Erprobung und zu ihrem Heil.

Worte des Herrn an die hl. Gertrud von Helfta, aus: Gesandter der göttlichen Liebe


22. Oktober
Auffangnetz der Menschenwürde

Säkulare Traditionen werden auf absehbare Zeit zum öffentlichen Leben dazugehören. Doch es bleibt festzuhalten, dass es christliche Traditionen waren, die dem Prinzip der Menschenwürde im 15. und 16. Jahrhundert Gehör verschafften - von Pico della Mirandola und Francisco de Vitoria bis hin zu Bartolomé de Las Casas. Und es ist eine offene Frage, ob säkulare Traditionen die Kraft haben, diesem fundamentalen ethisch-politischen Prinzip Nachhaltigkeit zu verleihen. Es ist ja kein Zufall, dass säkulare Traditionen, dort wo sie im Prinzip der Menschenwürde treu bleiben, dazu tendieren, sich durch ein Auffangnetz aus jüdisch-christlichen Erzählungen abzusichern. Man mag das als christlichen Atheismus bezeichnen, aber weltanschaulich neutral ist das nicht.

Aus: Johannes Hoff, Toleranz in einem postliberalen Zeitalter. Was wir von einem päpstlichen Faustschlag lernen können, in: Internationale Katholische Zeitschrift Communio, März/April 2015, S. 209.


22. Oktober
Paul Josef Nardini

Vor zehn Jahren, am 22. Oktober 2006, wurde in Speyer Paul Josef Nardini (1821-1862) seliggesprochen. Er stammte aus Germersheim und gründete 1855 die Kongregation, die heute unter dem Namen der Mallersdorfer Schwestern bekannt ist.


19. Oktober
Das Zitat

Die innige Vertrautheit der getauften Seele mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist ist der Inbegriff unseres geistlichen Lebens. Das sollte man von allen Dächern rufen. An dem Tag, an dem ich es verstanden habe, ist für mich alles licht geworden.

Elisabeth von der hl. Dreifaltigkeit, die letzten Sonntag heiliggesprochen wurde


19. Oktober
Lebensrecht

Vor 25 Jahren, am 25. Oktober 1991, hielt ich in Stuttgart in der Co-Kathedrale St. Eberhard nach einer Kundgebung auf dem Stuttgarter Schloßplatz mit anschließender Demonstration durch die Innenstadt meine Rede zum Lebensrecht.


18. Oktober
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer eigenen Seite wurden untergebracht die Rezension über den Jugendroman Erwachen. Countdown in Jerusalem und die Römischen Impressionen aus den Erinnerungen der Schriftstellerin Gertrud von le Fort. Das Zitat Spaemanns Barmherzigkeit: Wer ist ihr authentischer Interpret? finden Sie auf der Seite, auf der ich verschiedene Stellungnahmen zum Schreiben Amoris Laetitia gesammelt habe.


18. Oktober
Amabile Wisentainer

Vor 25 Jahren, am 18. Oktober 1991, wurde die aus der Diözese Trient stammende hl. Amabile Wisentainer (1865-1942), Madre Paulina genannt, seliggesprochen. Als sie neun Jahre alt war, wanderte ihre Familie nach Brasilien aus. Sie gründete die Kongregation der Töchter der Unbefleckten Empfängnis, die 1895 vom Bischof anerkannt wurde. Es war die erste solche Gründung in Brasilien überhaupt. Amabiles Ordensname war Schwester Paulina do Coração Agonizante de Jesus (Paulina vom Todesangst leidenden Herzen Jesu). Der Orden widmet sich der Katechese und der Hilfe für die Armen, Kranken, Alten und verwaisten Kinder. Er breitete sich schnell aus und erhielt 1933 die päpstliche Approbation. Madre Paulina wurde am 19. Mai 2002 heiliggesprochen.


16. Oktober
Elisabeth Leseur

Vor 150 Jahren, am 16. Oktober 1866, wurde in Paris Elisabeth Leseur, geb. Arrighi geboren. 1889 heiratete sie Félix Leseur (1861-1950), einen kämpferischen Atheisten, der sie vom katholischen Glauben abbringen wollte, was ihm zunächst bis zu einem gewissen Grade auch gelang. Doch ab 1898 wandte sich wieder durch die Lektüre der Evangelien, der Kirchenväter und der Heiligen dem Glauben zu. In der Spiritualität des hl. Franz von Sales suchte sie den Weg zur Heiligkeit, geläutert auch durch leibliche und seelische Schmerzen. Am 3. Mai 1914 starb sie an Krebs. Auf ihrem Sterbebett prophezeite sie ihrem Mann, dass er nach ihrem Tod katholisch und dazu noch Priester im Dominikanerorden werden würde. Tatsächlich kam es so. Der Seligsprechungsprozess Elisabeths wurde 1955 eingeleitet und ist bis zur Feststellung ihres heroischen Tugendgrades vorangeschritten. “Keine unserer Tränen, keines unserer Gebete geht verloren, und sie haben eine Kraft, die die meisten Leute gar nicht vermuten” (Elisabeth Leseur).


16. Oktober
Temesvar

Vor 300 Jahren, am 16. Oktober 1716, eroberte Prinz Eugen gegen die Osmanen die Festung Temesvar, das Zentrum des Banats. Im August hatte Prinz Eugen mit der Belagerung begonnen. Die Stadt wurde unter Mustafa Pascha von 18.000 Mann verteidigt. Mit der Kapitulation an diesem Tag endete die 164 Jahre währende türkische Oberhoheit über das Banat.


15. Oktober
Vier Heilige

Vor zehn Jahren, am 15. Oktober 2006, wurden der mexikanische Bischof Raphael Guizar y Valencia (1878-1938), der italienische Priester und Ordensgründer Philipp Smaldone (1848-1923), die italienische Ordensgründerin Rosa Venerini MPV (1656-1728) und die französisch-amerikanische Ordensgründerin Theodora Guérin SP (1798-1856) heiliggesprochen.


15. Oktober
Wilhelm Johannes Cramer

Vor 100 Jahren, am 15. Oktober 1916, starb in Geseke im Alter von 71 Jahren der religiöse Volksschriftsteller Wilhelm Johannes Cramer.


14. Oktober
Das Zitat

Freiheit - das ist das Bringen von Opfern im Namen der Liebe.

Der russische Regisseur Andrej Tarkowskij (1932-1986), aus: Von der Verantwortung des Künstlers, in: Die versiegelte Zeit. Gedanken zur Kunst, zur Ästhetik und Poetik des Films, Frankfurt a.M./Berlin: Ullstein 1988, S. 189.


14. Oktober
Benedetto Menni

Vor 150 Jahren, am 14. Oktober 1866, wurde in Rom der aus Mailand stammende hl. Benedetto Menni OH (1841-1914) zum Priester geweiht. Er war Mitglied des Ordens der Barmherzigen Brüder. Pius IX. beauftragte ihn 1867 mit der Erneuerung des Ordens in Spanien und Portugal. 1985 wurde er selig-, 1999 heiliggesprochen.


13. Oktober
Saarlouis

Am 29. September wurde die Niederlassung der Petrusbruderschaft im saarländischen Saarlouis kanonisch errichtet. Eine kanonische Errichtung ist deshalb von Bedeutung, weil dadurch die Niederlassung eine große kirchenrechtliche Stabilität erlangt. Sie kann bei einer Gemeinschaft päpstlichen Rechts, wie es die Petrusbruderschaft ist, nicht mehr vom Bischof, nur noch von Rom aufgelöst werden.


9. Oktober
Carlo Acutis

Vor zehn Jahren, am 12. Oktober 2006, starb in Monza an Leukämie im Alter von nur 15 Jahren und im Rufe der Heiligkeit Carlo Acutis. Er hatte eine innige Beziehung zum Herrn, vor allem zum Herrn im allerheiligsten Altarsakrament: “Die Eucharistie ist meine Autobahn zum Himmel. Wir haben es besser als die Apostel, die vor 2000 Jahren mit Christus gelebt haben. Wir brauchen, um Ihm zu begegnen, nur in die Kirche zu gehen. Wir haben Jerusalem vor der Haustür.” Viele Menschen führte er zum Herrn. Einer von ihnen, Rajesh, Hindu und Brahmane, bezeugt: “Carlo hat mir gesagt, dass ich glücklicher wäre, wenn ich Christus näherkäme. Ich habe mich taufen lassen, weil er mich angesteckt, ja beinah umgeworfen hat, mit seinem tiefen Glauben, seiner Nächstenliebe und seinem reinen Gemüt. Ich habe ihn immer als jemanden wahrgenommen, der außerhalb der Normalität steht.”


9. Oktober
Moral ohne Gott?

Auch meinen Beitrag über die Frage, ob eine Moral ohne Gott möglich ist, kann man sich auf soundcloud anhören.


9. Oktober
Josef Groß

Vor 150 Jahren, am 10. Oktober 1866, wurde im westböhmischen Pfraumberg Josef Groß geboren. 1889 zum Priester geweiht, wurde er 1910 Bischof von Leitmeritz. Er “verkörperte in einer kirchlich unter dem Einfluß des weltanschaulichen Naturalismus und des Staatskirchentums vorbelasteten Epoche in seltenem Maß aufopfernde und soziale priesterliche Gesinnung” (A. Huber im LthK, 2. Auflage). Am 20. Januar 1931 starb er in Leitmeritz.


8. Oktober
Clemens Brentano

Vor 200 Jahren, am 10. Oktober 1816, begegnete Clemens Brentano (1778-1842) zum ersten Mal Luise Hensel (1798-1876). Diese Begegnung führte bei Brentano zu einer inneren Hinwendung zu Gott (1817 Generalbeichte), bei Luise Hensel zur Konversion zur katholischen Kirche (1818).


8. Oktober
Maria Scrilli

Vor zehn Jahren, am 8. Oktober 2006, wurde Maria Scrilli (1825-1889) seliggesprochen. Sie stammte aus Montevarchi und gründete 1854 die Kongregation der Armen vom Herzen Mariens, die nach dem Grundsatz leben: “Wir sind nur deshalb auf dieser Erde, um Gottes Willen zu erfüllen und Seelen zu ihm zu führen.” Heute trägt die Gemeinschaft den Namen der Schwestern Unserer Lieben Frau vom Karmel.


7. Oktober
Das Zitat

Die Teufel fürchten und scheuen den Namen Maria. Sobald sie diesen Namen hören, lassen sie die Seele aus den Krallen, mit denen sie sie als ihre Beute festhalten.
Hl. Birgitta von Schweden


7. Oktober
Wladimir Ledóchowski

Vor 150 Jahren, am 7. Oktober 1866, wurde im niederösterreichischen Loosdorf Wladimir Ledóchowski SJ geboren. Er war der Bruder der seligen Maria Theresia Ledóchowska und der hl. Maria Ursula Ledóchowska. 1915 wurde er der 26. Generalobere der Jesuiten. Er starb am 13. Dezember 1942 in Rom.


6. Oktober
Isidor De Loor

Vor 100 Jahren, am 6. Oktober 1916, starb im belgischen Kortrijk im Alter von 35 Jahren der selige Isidor De Loor. Er trat als Laienbruder dem Passionistenorden bei und arbeitete dort als Koch, Gärtner, Pförtner und Almosensammler. Er erkrankte an Krebs und ertrug tapfer die furchtbaren Schmerzen. Seine letzten Worte lauteten: “Ja, Vater, für das Paradies! Einmal verdient, ist für immer verdient.” Am 30. September 1984 wurde er seliggesprochen.


6. Oktober
Katholiken in Bremen

Vor 200 Jahren, am 6. Oktober 1816, wenige Wochen nach ihrer Zulassung, gaben sich die Katholiken in Bremen eine Gemeindeverfassung und wählten einen Gemeindevorstand.


4. Oktober
Gottesfurcht

Furcht ist nicht Angst. Angst erzeugt Enge, sie lähmt, sie verzerrt das Bild der Wirklichkeit. Die Furcht vor dem, was man wirklich fürchten muss, macht hellwach, sehend und motiviert zu entschlossenem Handeln. Gottesfurcht war es, die, als Anfang der Weisheit, den ersten Menschen bewegte, der mit Jesus ins Paradies kam, den Schächer zur Rechten Jesu, der zu seinem Leidensgenossen, der Jesus verspottet, sagt: “Fürchtest auch du Gott nicht?”

Robert Spaemann in seinem Kommentar zum Psalmvers 111,10: “Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit”, in: Robert Spaemann, Meditationen eines Christen. Eine Auswahl aus den Psalmen 52-150, Stuttgart: Klett-Cotta 2016, S. 130.

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