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* * *

23. Juni
Silbernes Priesterjubiläum

Vor 25 Jahren, am 29. Juni 1991, wurde in Wigratzbad P. Bernhard Gerstle FSSP, der Distriktsobere des deutschsprachigen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Petrus, zum Priester geweiht. Mit ihm wurden auch P. Hans Achim Räder FSSP und P. Gérald Duroisin FSSP geweiht.

Ein Artikel von P. Gerstle

Der nächste Beitrag auf kath-info ist für den 3. Juli geplant


22. Juni
Die Idee der sittlichen Handlung

Vor 100 Jahren, Ende Juni 1916, las und exzerpierte Edmund Husserl die Dissertation Dietrich von Hildebrands Die Idee der sittlichen Handlung. Sie wurde im selben Jahr veröffentlicht im Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung, Band 3, 1916. Das Jahrbuch wurde von Husserl herausgegeben in Gemeinschaft mit Oskar Beckar, Moritz Geiger, Martin Heidegger, Alexander Pfänder, Adolf Reinach und Max Scheler.


22. Juni
Bernardino Realino

Vor 400 Jahren, am 2. Juli 1616, starb in Lecce im Alter von 85 Jahren der hl. Bernardino Realino SJ. Er war ein “charismatisch begnadeter, hochgeschätzter Prediger, Beichtvater und Seelenführer” (LThK, 2. Auflage). 1895 wurde er selig-, 1947 heiliggesprochen.


21. Juni
Edith Stein

Vor 100 Jahren, Anfang Juli 1916, kam die hl. Edith Stein nach Freiburg. Sie folgte ihrem Lehrer Edmund Husserl, dem Begründer der Phänomenologie. Dieser war im April 1916 von Göttingen nach Freiburg als Nachfolger Heinrich Rickerts auf den Lehrstuhl für Philosophie berufen worden. Bei ihm promovierte Edith Stein im August 1916 summa cum laude.

Edith Stein: Können, Sollen und inneres Leben


21. Juni
Kolumbien

Vor zehn Jahren, am 29. Juni 2006, wurde das Haus der Priesterbruderschaft St. Petrus in Kolumbien, die Casa San Martín de Porres, kanonisch errichtet.


21. Juni
Ignatius Kung Pin-Mai

Vor 25 Jahren, am 28. Juni 1991, wurde Ignatius Kung Pin-Mai (1901-2000), der 33 Jahre in chinesischen Kerkern verbrachte, vom hl. Papst Johannes Paul II. öffentlich zum Kardinal erhoben.


20. Juni
Eheunfähigkeit

Papst Franziskus hält laut Aussage vom 16. Juni 2016 die “große Mehrheit” der kirchlich geschlossenen Ehen für ungültig, und zwar deshalb, weil die Leute nicht wüssten, was das Sakrament ist. “Es ist nicht bekannt, dass es unauflöslich ist, dass es für das ganze Leben ist.”

Wenn dieses Urteil zutreffen sollte, bedeutete es, dass viele Gläubige aufgrund mangelnder Glaubenskenntnis eheunfähig geworden sind. Und das wiederum bedeutete die Bankrotterklärung jener Strömung in der nachkonziliaren Theologie, die für die mangelnde Ehevorbereitung verantwortlich ist: Sie hatte die Mündigkeit des Laien auf ihre Fahnen geschrieben und wollte ihn aus der Vormundschaft des kirchlichen Lehramtes befreien. Das Ergebnis ist nicht Mündigkeit, sondern Eheunfähigkeit.

Auf der anderen Seite hat die Kirche im Normalfall die Ehe der Protestanten immer für gültig gehalten - obwohl diese die Sakramentalität der Ehe leugnen und ihre Unauflöslichkeit lockerer sehen.


20. Juni
Theologenkommission

Vor 50 Jahren, am 26. Juni 1966, sprach sich die von Papst Paul VI. eingesetzte Theologenkommission für die Möglichkeit aus, dass künstliche Empfängnisverhütung moralisch erlaubt sei. Aufgrund der eindeutigen kirchlichen Lehrtradition setzte sich der Papst über dieses Votum hinweg und verbot sie in seiner Enzyklika Humanae vitae. Der hl. Papst Johannes Paul II. schärfte immer wieder mit Nachdruck die Lehre ein, dass es sich bei der künstlichen Empfängnisverhütung um eine moralisch in sich schlechte Handlung handelt. Trotzdem wird diese Lehre von vielen Moraltheologen abgelegt und mit bischöflicher Duldung das Gegenteil gelehrt.


20. Juni
Paul Cullen

Vor 150 Jahren, am 22. Juni 1866, wurde Paul Cullen (1803-1878), seit 1852 Erzbischof von Dublin, zum Kardinal erhoben. Er war der erste Ire, der Kardinal wurde. Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil gab er “eine Formulierung des Unfehlbarkeitsdogmas, die wenig geändert angenommen wurde” (LThK, 1. Auflage).


20. Juni
Georges Lemaitre

Vor 50 Jahren, am 22. Juni 1966, starb in Löwen, Belgien, im Alter von 71 Jahren der Astrophysiker und katholische Priester Georges Lemaitre. Lemaitre schrieb Wissenschaftsgeschichte durch die Entwicklung der Urknalltheorie, die heute das kosmologische Standardmodell darstellt. Von atheistischen Wissenschaftlern wurde die Theorie zunächst bekämpft, weil sie im Gegensatz zur Steady-State-Theorie nicht einen ewigen Kosmos, sondern einen Anfang postuliert und damit besser mit der Idee einer Schöpfung vereinbar ist.


20. Juni
Apostolisches Vikariat Wallis und Futuna

Vor 50 Jahren, am 21. Juni 1966, wurde das 1935 gegründete Apostolische Vikariat Wallis und Futuna zur Diözese erhoben. Am selben Tag wurde das Vikariat Zentral-Ozeanien, aus dem das Apostolische Vikariat 1935 herausgelöst worden war, zur Diözese von Tonga erhoben. Auf der Pazifik-Insel Futuna hatte 1841 der hl. Pierre Louis Marie Chanel SM das Martyrium erlitten. Einen Blick auf die spannende Geschichte der Mission dieser Region gewährt die Lebensgeschichte des Missionars Pierre-Marie Bataillon SM.


19. Juni
Symbolik

oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren Bekenntnisschriften

Von Johann Adam Möhler

87. Folge

Übrigens vermochte diese Lehre nur durch die größte Anstrengung Calvins und seiner Schüler, besonders Bezas, den gesunden Christenverstand gefangen zu nehmen. Bern widersetzte sich besonders längere Zeit, bis endlich der Consensus Tigurinorum zustande kam. Die gallische Confession (Confess. Gallic. c. XII. p. 115) nahm sofort diese Lehre auf und die belgische gleichfalls [129]. Daß die Synode von Dordrecht die Prädestinationstheorie Calvins bestätigen werde, ließ sich erwarten (Synod. Dordrac. C. I. Art. VI. seq. p. 203. seq). Andere reformierte Gemeinden hatten jedoch vom Anfange ihrer Gründung an die Bestimmungen Calvins sehr gemildert. Es gehört hierher die Konfession der englischen Kirche (Confess. Anglic. Art. XVII. p. 132), während der pfälzische Katechismus hierüber schweigt, und die marchische Confession sich geradezu gegen das absolute Dekretum erklärt [130].

[129] Confess. Belg. c. XVI. p. 179. Credimus, posteaquam tota Adam progenies sic in perditionem et exitium primi hominis culpa praecipitata fuit, Deum se talem demonstrasse, qualis est; nimirum misericordem et justum. Misericordem quidem, eos ab hac perditione liberando et servando, quos aeterno et immutabili suo consilio, pro gratuita sua bonitate in Jesu Christo domino nostro elegit et selegit, absque ullo operum eorum respectu: justum vero, reliquos in lapsu et perditione, in quam sese praecipitaverant, relinquendo.

[130] Confess. Scot. Art. VIII. p. 141. äußerst mild, wie etwa auch der Katholik spricht. Declar. Thorun, Art. XVIII. p. 423. zweifelhaft. Confess. March. Art. XV. p. 383. Die ungarische geht darüber sehr gut hinweg p. 252.

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


18. Juni
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden untergebracht die Artikel Gardesalut für Lämmer von Ulrich Nersinger und Sherlock Holmes ermittelt im Vatikan von Petra Kehl. Das Zitat aus dem Artikel Die gerettete Zunge, in dem Markus Günther auf einfühlsame Weise seine Entdeckung der Mundkommunion schildert, finden Sie unter dem Titel Protestantisches Vorbild auf der einschlägigen Themenseite.


18. Juni
Jeanne Delanoue

Vor 350 Jahren, am 18. Juni 1666, wurde in Saumur die hl. Jeanne Delanoue geboren. Sie 1704 gründete mit Unterstützung des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort das Institut der Schwestern der hl. Anna von der Vorsehung. Sie nahm den Namen Johanna vom Kreuz an und starb am 17. August 1736. Am 9. November 1947 wurde sie selig-, am 31. Oktober 1982 heiliggesprochen.
Bei der Heiligsprechung sagte der hl. Papst Johannes Paul II. über sie: “Ihre Armen umgab Mutter Johanna vom Kreuz mit Zärtlichkeit, bisweilen bereitete sie ihnen ein Festmahl. Von den Schwestern aber verlangte Mutter Johanna vom Kreuz, dass sie die Armen mit Hochachtung grüßten und zuerst bedienten. Die Bürger ihrer Stadt, auch Priester, kritisierten die ‘übertriebene’ Strenge der Mutter Johanna gegen sich selbst und ihre ‘zügellose’ Nächstenliebe, aber nichts konnte sie davon zurückhalten, nicht einmal der Einsturz ihres ersten Quartiers für die Aufnahme der Armen. Sie sagte: 'Ich will mit den Armen, meinen Brüdern und Schwestern, leben und sterben.’”


17. Juni
Niceforus Díez

Vor 100 Jahren, am 17. Juni 1916, wurde der spanische Passionist und Märtyrer Niceforus Díez Tejerina (1893-1936) in Chicago zum Priester geweiht. 1932 kehrte er nach Spanien zurück, wo er im Juli 1935 zum Provinzial gewählt wurde. Am 13. Juli 1936 besuchte er das Passionistenkloster in Daimiel, „um inmitten seiner Herde sein Leben hinzugeben.“ Denn das Kloster befand sich in großer Gefahr angesichts der kirchenfeindlichen Ausschreitungen im Spanischen Bürgerkrieg. Tatsächlich wurde es in der Nacht auf den 22. Juli überfallen. 26 Passionisten, darunter auch Petrus Redondo, erlitten den Märtyrertod. Am 1. Oktober 1989 wurden sie seliggesprochen.

Infos über den Spanischen Bürgerkrieg


16. Juni
Ungeliebte Barmherzigkeit

Erst im Licht der Gnade können die dunklen Abgründe der Sünde erkannt und ohne Gesichtsverlust eingestanden werden. Barmherzigkeit, die den Sünder bejaht, seine Sünden aber verneint, unterscheidet sich von billiger Gnade, die das Drama der Sünde bagatellisiert und beiseiteschiebt. Die Abwehrreflexe, die der Begriff Barmherzigkeit bei manch säkularen Zeitgenossen (und ihren theologischen Advokaten) hervorruft, provozieren daher die Gegenfrage, ob die Ausblendung der eigenen Vergebungsbedürftigkeit nicht anfällig macht für Formen einer Verantwortungsflucht, die andere bezichtigt, um selbst besser dazustehen.

Aus: Jan-Heiner Tück, Barmherzigkeit. Vom Unbehagen an einer viel beschworenen Vokabel, in: Internationale katholische Zeitschrift Communio, Mai/Juni 2016, S. 188.

Zum Thema: Barmherzigkeit


16. Juni
Jahresranking 2015

Die Aufsteiger des Jahres: Die Top 30

Welche von den 571 Seiten, die keine Neueinsteiger sind, haben 2015 die größten Sprünge nach oben gemacht? Ich gebe die Top 30 in zwei Schritten bekannt. Nachdem ich bereits die Top 15 gepostet habe, folgen hier die Plätze 16 bis 30. In der rechten Spalte sind die Plätze angegeben, um welche die jeweilige Seite im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist.

Platz Die Aufsteiger des Jahres 2015
Die Top 30
Zweiter Teil: Plätze 16 bis 30
gestie-
gene Plätze
16

Franz Prosinger: Gottes Liebe im Werk der Erlösung

134
17

Über die KNA

132
18

Franz Prosinger: Das soziale Königtum Jesu Christi und die Herrschaft des Kreuzes

131
19

Recktenwald: Die Methoden des Alan Posener

125
20

Eduard Kamenicky: Satan im Vormarsch?

119
20

Petra Kehl: Früchte einsamer Stunden

119
22

Stimmen zur Persönlichkeit und zum Pontifikat Papst Benedikts XVI.

116
23

Thomas Lüken: Christliche Moral und säkulare Ethik

108
23

CiG

108
25

Peter Kreeft: Jesus, einzigartig

105
26

Ulrich Nersinger: Wider alle Regeln

99
27

Pater Pio und die geordnete Liebe

98
27

Robert Spaemann: Wer ist ein Fundamentalist?

98
29

Peter Wust: Die Rückkehr der Philosophie zum Objekt

89
30

Charles de Foucauld: Die Geburt Jesu

87

Die Top 15 und das Jahresranking 2015


15. Juni
Eustáquio van Lieshout

Vor zehn Jahren, am 15. Juni 2006, wurde Eustáquio van Lieshout SSCC (1890-1943) seliggesprochen. Der mit der Gabe der Heilungen begnadete Niederländer kam 1925 nach Brasilien, wo er ungezählte Menschen bekehrte.


14. Juni
Theologie des »als ob«

Das Dilemma nichtrealistischer Selbstdeutungen des christlichen Glaubens

Von Prof. Dr. Berthold Wald

In dem zentralen Kapitel seiner bislang zu wenig beachteten Schrift Über die platonischen Mythen [1] diskutiert Josef Pieper die Frage, »wie Platon selber über die Wahrheit der von ihm erzählten Mythen gedacht habe«: ob er »das in den Mythen Gemeinte für unantastbare Wahrheit« oder für »ein bloßes Gedankenspiel« gehalten habe.[2] Allerdings sei jede Antwort auf diese Frage unvermeidlich »durch sehr prinzipielle Vor-Meinungen mitbestimmt«, insbesondere dazu, was jeweils unter ›Wahrheit‹ verstanden werde. Die eigene Vormeinung zum Wahrheitsbegriff und ihre Konsequenz für die Deutung der platonischen Mythen expliziert Pieper so: »Man kennt die von den Logikern gestellte Examensfrage: Wann ist der Satz ›Es gibt Marsmenschen‹ wahr? – Worauf die Antwort erwartet wird, der Satz sei dann wahr, wenn es Marsmenschen gibt. In diesem simplen Exempel ist das hier Gemeinte völlig klar ausgesprochen. Die platonischen Mythen vom allerersten Anfang und von den letzten Dingen, vom göttlichen Ursprung der Welt, von der paradiesischen Vollkommenheit des Menschen und ihrem Verlust, vom Gericht nach dem Tode – diese Erzählungen sind dann wahr, wenn es all das wirklich gibt. Und genau dies ist, so behaupte ich, Platons Überzeugung.«[3]

An dieser Vormeinung zum Begriff der Wahrheit hängt auch das Selbstverständnis der christlichen Theologie und des christlichen Glaubens, sofern Theologie und Glaube nicht als selbstbegründete und illusionäre Sinnstiftungen des menschlichen Lebens gelten sollen. Eben dies ist in den nichtrealistischen Deutungen religiöser Aussagen und Verhaltensweisen immer wieder einmal und, mit besonderem Nachdruck, in der religionsphilosophischen Diskussion der Gegenwart behauptet worden.[4] Die an das Christentum mit demselben Nachdruck gerichtete und von ihm selbst zu beantwortende Grundfrage lautet darum zunächst nicht anders als die simple Examensfrage nach dem Kriterium wahrer Aussagen über die Existenz von Marsmenschen: »Hat man es, wie Nietzsche sagt, mit einer ›Betrachtsamkeit‹ zu tun oder mit Realität? Daran entscheidet sich alles übrige.« (S. 409)[5]

Daß sich hier aus sehr prinzipiellen, vortheologischen Gründen etwas entschieden hat, und zwar gegen den Wahrheitsanspruch des Christentums und den einzig standhaltenden Sinn des christlichen Glaubens, ist der gemeinsame Ausgangspunkt von Piepers Schriften zur Religionsphilosophie. Diese Gründe liegen zunächst außerhalb der Theologie im Weltverhältnis des neuzeitlichen Menschen, das sich dem zwischenzeitlichen Wandel des wissenschaftlichen Weltbildes zum Trotz bis in die Gegenwart durchgehalten hat und insbesondere auch das intellektuelle Klima theologischer Debatten bestimmt. Wenn es jedoch nicht gelingt oder nicht einmal gewollt ist, daß »der einzig widerständige Kern« des christlichen Glaubens, die »wirkliche Anwesenheit Gottes unter den Menschen [...] beim Namen genannt« wird, dann wird nicht allein die theologische Rede von Gott zur realitätslosen Metapher. Es wird unvermeidlich auch und erst recht »alles ›Sakrale‹ Krampf oder Routine bleiben [...], bloßes ›Theater‹ und eine vielleicht noch immer eindrucksvolle, aber im Grunde realitätslose Schau.« (S. 415).

Wem diese Ausdrucksweise zu drastisch erscheint und die Konsequenz des Gedankens nicht einleuchten will, der sei nur daran erinnert, daß Kant auf den letzten Seiten seiner Religionsschrift mit derselben Deutlichkeit die Frage nach dem Realitätsgehalt der christlichen Glaubenspraxis beantwortet hat. Auch für Kant hängt der Sinn der in Gebet und christlichen Kulthandlungen zum Ausdruck gebrachten religiösen Überzeugungen entscheidend davon ab, ob der Glaubende »diesen höchsten Gegenstand als persönlich gegenwärtig« annimmt oder nicht. Kann er das nicht – was Kant aus vortheologischen Gründen für ausgemacht hält – und geht er von der Abwesenheit Gottes aus (evtl. auch von seiner Nichtexistenz – Kant läßt das offen), dann werden Gebet und Gottesdienst mit »voller Aufrichtigkeit« nur so zu verrichten sein, »als ob sie im Dienste Gottes geschehen«, während das Gebet – verstanden als Anbetungsakt und ohne diesen inneren Vorbehalt des »als ob« – einen Menschen »vor der Hand in den Verdacht [bringt], daß er eine kleine Anwandlung von Wahnsinn habe.«[6]

»Als ob« oder »bloßes Theater«? – Der sachliche Unterschied zwischen den von Pieper und Kant vertretenen Auffassungen liegt nicht in der logischen Konsequenz des Gedankens: beide halten den realitätslosen Glauben für einen Gauben »als ob«. Der Unterschied liegt darin, daß Kant einen solchen Glauben ohne realen Gottesbezug als unvermeidliche Konsequenz religiöser Aufklärung gleichwohl in praktischer Hinsicht empfiehlt. Dem liegt die seit Lessing von den meisten Aufklärungsphilosophen und -theologen geteilte Annahme zu Grunde, daß der Realitätsverlust der christlichen Glaubensüberzeugungen durch die soziale Nützlichkeit der christlichen Glaubenspraxis kompensiert wird, daß also der Übergang von einer realistischen zu einer nichtrealistischen Deutung die Praxis eines gelebten christlichen Glaubens gar nicht betrifft.

Dies konnte wohl eine Zeitlang so scheinen, auch wenn schon bald hellsichtige Kritiker dieses nur noch pragmatisch begründeten Christentums wie Franz Overbeck und Friedrich Nietzsche mit dem »Tod Gottes« auch das Absterben der christlichen Religion in den Herzen der Menschen voraussagten. Jedenfalls ist die von Kant erhoffte Folge der »gereinigten Religionsbegriffe«[7], die allein vor der aufgeklärten Vernunft Bestand haben sollten, nicht eingetreten. Die empfohlene funktionalistische Betrachtung des von ihm so genannten »Kirchenglaubens« hat nicht etwa zur Universalität eines kulturübergreifenden »reinen Religionsglaubens«[8], sondern zur Politisierung des Christentums wie zu einer geradezu vernunftfeindlichen Remythisierung des Religiösen[9] in der Abkehr vom christlichen Glauben geführt. »Christliches Leben« scheint heute »möglich ohne den christlichen Glauben« (S. 11), heißt es zu Beginn der Christenfibel (1936) unter dem Eindruck eines nationalsozialistisch gefärbten Pseudochristentums. Doch setzt Pieper sogleich warnend hinzu: »Tatsächlich ist dieses äußerlich christliche Leben nur denkbar als Nießbrauch einer Erbschaft. [...] Dies Erbe ist in Gefahr, völlig aufgezehrt zu werden, wenn es nicht wiederum aus lebendigem Glauben erneuert wird.« (Ebd., Herv. von mir). Die Versuchung zu einer politisch motivierten Profanisierung des christlichen Glaubens besteht allerdings nach wie vor, zumal es heute selbst für katholische Theologen zwischen ›sakral‹ und ›profan‹ nur noch »einen verbalen Unterschied« (S. 418) zu geben scheint; die kulturelle Reaktion auf den Verlust realer Andersheit ist Vergleichgültigung und wachsende Indifferenz. Daß die aufklärerische Deutung und die ihr folgende Praxis eines Christentums des »als ob« an sich selbst scheitern muß, ist allerdings nicht schwer einzusehen. Funktionalistische bzw. reduktionistische Deutungen religiöser Überzeugungen und Verhaltensweisen haben den Haken, daß sie nur in der Außenperspektive ohne Selbstwiderspruch durchzuhalten sind.[10] Wer – als Nichtchrist – davon überzeugt ist, daß der christliche Glaube an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und an seine geschichtlich wirksame Gegenwart in den Sakramenten nur ein Irrglaube sein kann, der wird nach historischen, psychologi|schen und soziologischen Erklärungen für die faktische Existenz dieses Glaubens suchen. Er muß dies sogar tun, wenn ihm die eigene Überzeugung nicht gleichgültig ist. Das Christentum wird ihm dann als ein frühes, noch unreifes Stadium magischer Weltdeutung erscheinen (Auguste Comte), als nützliche Lüge im Gewand der Wahrheit (Friedrich Nietzsche) oder gar als vorsätzlicher Betrug, als Opium des Volkes (Karl Marx), jedenfalls als eine längst durchschaute Illusion (Siegmund Freud).

Anmerkungen:

[1] München 1965 (erscheint in Werke Bd. 1, Darstellungen und Interpretationen: Platon).

[2] Ebd., S. 58f. [360] (Herv. von mir).

[3] Ebd. (Herv. von mir).

[4] Eine knappe, informative Übersicht zur Diskussion über »realistische und nichtrealistische Deutungen religiöser Rede« gibt Christoph Jäger in seiner Einleitung zu der von ihm herausgegebenen Anthologie Analytische Religionsphilosophie, Paderborn 1998, S. 13ff.

[5] Seitenangaben in Klammern beziehen sich auf den vorliegenden Band.

[6] Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, B 303f. (I. Kant, Werke in zwölf Bänden, hrsg. von W. Weischedel, Wiesbaden 1956, Bd. VIII, S. 871).

[7] Ebd., B 303 (Kant, Werke VIII (Weischedel), S. 871).

[8] Ebd., B 145 (Werke VIII, S. 762).

[9] Dies gilt heute vor allem für die auch in Europa sich ausbreitenden Sekten der »American Religion«. Diese sind »nichts anderes als Schulen der spirituell gestützten innerweltlichen Erfolgsgier. [...]. Mit ihnen nimmt der Irrationalismus genußvolle Rache am säkularen Pragmatismus.« (P. Sloterdijk in seinem Vorwort zu William James, Die Vielfalt der religiösen Erfahrung, Frankfurt a. M./Leipzig 1997, S. 32).

[10] Ein aktuelles Beispiel für eine funktionalistische Deutung des Religiösen ist das Buch von Hermann Lübbe, Religion nach der Aufklärung, Graz/Wien/Köln 1986. Lübbe versteht Religion als Mittel zur »Kontingenzbewältigung« (vgl. Kap. 3), bei dem es nicht auf »kognitive Gehalte« und deren »Wahrheit« ankommt, sondern allein auf den Erfolg. (Zu den Gründen für ein Scheitern dieser Position vgl. A. Engstler, Die manifeste Funktion der Religion und ihre Relativierung. Zur Diskussion um Hermann Lübbes Religionstheorie; in: Philosophisches Jahrbuch 100 (1993), S. 145-155).

Zweiter Teil folgt.

Es handelt sich bei diesem Text um das Nachwort Berthold Walds zum Band 7 (S. 627-633) der von ihm herausgegebenen Werke Josef Piepers im Meiner Verlag: Josef Pieper, Werke, Band 7: Religionsphilosophische Schriften, Felix Meiner Verlag, Hamburg 2000, VIII, 649 Seiten.
Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis des Autors.


13. Juni
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

44. Folge

Anderseits können wir durch die richtig bestimmten analogen Begriffe auch diejenigen Widersprüche, welche für die vernünftige Auffassung im Dogma zu liegen scheinen, als nicht evident entschieden zurückweisen. Dieser anscheinenden Widersprüche gibt es hauptsächlich drei: 1. der reale Unterschied der Personen untereinander, trotzdem daß sie mit dem Wesen und durch das Wesen untereinander eins sind; 2. die Gleichewigkeit der Personen, trotzdem daß die einen den andern ihren Ursprung verdanken; 3. die Gleichheit der Würde und Vollkommenheit in den Personen, trotzdem daß die einen von den andern als ihrem Prinzip abhängen [44]. Die hier vorgebrachten Widersprüche bestehen nur so lange zu Recht, als die in ihnen gegenübergestellten Begriffe nicht in ihrer analogen Anwendbarkeit scharf bestimmt sind. Wir können keinen realen Unterschied zwischen Wesen und Person in Gott annehmen, aber wohl einen virtualen, kraft dessen die eine "summa res", die wir Gott nennen, sich zugleich als Person und Wesen und nach beiden Rücksichten in verschiedener Weise geltend macht, indem sie als Person relativ, als Wesen nicht relativ erscheint und folglich als Person von dem Terminus ihrer Relation sich real unterscheidet [45]. Die produzierten Personen könnten nicht gleich ewig mit der produzierenden sein, wenn sie durch einen vorübergehenden Akt, nicht durch einen in der ewigen Begründung der einen durch die andere liegenden Akt hervorgebracht würden; aber in der letzteren Weise können und müssen wir die göttliche Produktion denken. Deshalb nennen wir ja die produzierende Person in der Kirchensprache nicht "causa" (Ursache), sondern "principium" (Grund), weil jener Ausdruck mehr einen aus dem fertigen Wesen hervortretenden Akt, dieser eine überhaupt einem Wesen zukommende, begründende Kraft andeutet. - Die produzierten Personen könnten ferner der produzierenden nicht an Würde und Vollkommenheit gleich sein, wenn sie kraft der Produktion schlechthin von ihr abhängig wären, wenn die erste Person ohne sie, sie nicht ohne diese bestehen könnten. Wohl aber können sie der produzierenden Person gleich sein, wenn diese wesentlich auf die Produktion angewiesen ist und nur in ihrer Produktivität ihre eigene Subsistenz besitzt; wenn ferner die gemeinschaftliche Wesenheit ihrer Natur nach ebensosehr in der einen als in der andern Person, und zwar in jeder in Beziehung auf die andere zu sein verlangt.

So begreifen wir in der Trinität den notwendigen Zusammenhang der einzelnen auf sie angewandten Begriffe und sehen zugleich ein, daß kein evidenter Widerspruch in denselben gefunden wird.

Anmerkungen:

[44] Kuhn (Die christliche Lehre von der göttlichen Dreieinigkeit 502 ff.) führt eben diese drei Punkte an als diejenigen, welche "uns unbegreiflich, d. h. undurchdringlich bleiben", aber doch so, daß sich das Nichtvorhandensein eines evidenten Widerspruchs, einer wirklichen Ungereimtheit nachweisen lasse. Sie lassen sich vielleicht auf zwei zurückführen, nämlich auf das Verhältnis der Person zur Wesenheit und zu ihrer produktiven Tätigkeit, da die Gleichzeitigkeit resp. Gleichewigkeit des Produktes mit dem Produzenten sich an Beispielen aus der geschaffenen Welt noch ziemlich klarmachen läßt. So sind das Licht und sein Abglanz gleichzeitig, und letzterer besteht auch immer in fortwährender Abhängigkeit vom ersten. Wäre das Licht von Ewigkeit da, würde auch sein Abglanz ewig sein und ewig von ihm abhängen. Nun ist aber in Gott der Sohn eben der Abglanz des ewigen, geistigen Lichtes im Vater.

[45] Virtueller Unterschied ist der rechte Name für die Unterschiede, welche wir bei Gott in demselben Subjekte machen. Daß zwischen den Personen, den einzelnen Subjekten als solchen, ein realer Unterschied besteht, beeinträchtigt formell nicht die göttliche Einfachheit. Die Einfachheit schließt formell nur diejenigen realen Unterschiede aus, welche in demselben Subjekte bestehen; denn nur unterschiedene Dinge in demselben Subjekte setzen sich zu einem Ganzen zusammen. Der Unterschied, den wir, zum Behufe der Unterscheidung der Personen untereinander trotz der Einheit des Wesens, zwischen Person und Wesen machen, kann kein realer sein in dem Sinne, als wenn Person und Wesen zwei verschiedene, sich ergänzende Realitäten wären. Und doch kann er anderseits wiederum kein bloß subjektiver, keine bloße "distinctio rationis" sein, weil der reale Unterschied. der Personen untereinander dadurch bedingt wird. In irgend welcher Weise muß er also ein objektives Fundament haben ("distinctio rationis cum fundamento in re", wie die Schule sagt). Dieses objektive Fundament kann nur darin liegen, nicht daß in dem Objekte zwei verschiedene Realitäten (Person und Wesen) sich darbieten, sondern daß ein und dieselbe Realität (die eine "summa res simplex omnino", die wir Gott nennen) in dem unendlichen Reichtum ihrer Einfachheit den verschiedenen Realitäten, die wir in unsern Begriffen uns vorstellen, äquivalent sich darstellt, folglich trotz ihrer Einfachheit oder vielmehr wegen ihrer Einfachheit unter verschiedenen Werten ("rationes" nennt sie der heilige Thomas, "valores" der heilige Augustinus in De trin. 1. 15, c. 7) aufgefaßt werden muß; und nach diesen einzelnen Werten, die sich an der Sache ins Auge fassen lassen und die sich bei einer genaueren, allseitigeren Betrachtung der Sache herausstellen (daher die "distinctio" kat’ epínoian bei den griechischen Vätern), macht dieselbe sich auch objektiv auf verschiedene Weise geltend, so daß ich von ihr in der einen Beziehung aussagen kann, was ich in der andern leugnen muß. So sind Vernunft und Wille zwei verschiedene, in der einfachen göttlichen Natur liegende Werte, von denen der erste, und er allein, in der göttlichen Erkenntnis, der zweite, und nur er allein, im göttlichen Wollen sich geltend macht; und obgleich beide eine durchaus einfache Realität sind, so kann ich doch nicht sagen, daß diese eine Realität nach dem ersten Werte sich als das geltend macht, was sie nur ist, insofern sie den zweiten in sich enthält. Auf ähnliche Weise sind auch in der "summa res", die wir Gott nennen, Person und Natur verschiedene Werte, die sie zwar ungeteilt, aber doch jeden nach seiner vollen Geltung in sich enthält. In Gott gibt es wahrhaft Person und Wesenheit, ein besitzendes Subjekt und eine Natur, die es besitzt. Obgleich nun die "summa res" in der größten Einfachheit, ohne alle Zusammensetzung, zugleich besitzendes Subjekt und Gegenstand des Besitzes ist, so liegt doch kein Widerspruch darin, daß sie sich als besitzend in anderer Weise geltend macht denn als Gegenstand des Besitzes. In ersterer Beziehung kann sie die Wesenheit mitteilen und so den Besitz vervielfältigen, während sie in letzterer nur mitgeteilt werden kann, ohne vervielfältigt zu werden.
Da wir die verschiedenen Werte der "summa res" nur durch die Einzelbegriffe der Vollkommenheiten, denen sie in der Kreatur entsprechen, uns vorstellen können, so müssen wir in unserem Geiste, um den Reichtum des Objektes uns vorzustellen, die verschiedenen Begriffe zu einem Gesamtbilde wirklich zusammensetzen. Aber auf das Objekt selbst dürfen wir diese Zusammensetzung nicht übertragen. Da ist es nur eine einfache Realität, die ihren Reichtum uns in verschiedenen gebrochenen Strahlen offenbart, aber alle diese Strahlen aus sich wie aus einem einfachen Punkte nach verschiedenen Seiten ausgehen und darum auch den Blick des Beschauers, von welcher Seite er die Sache betrachten möge, bei der Verfolgung der Strahlen immer in denselben Punkt münden läßt.

Wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


12. Juni
Santissima Trinità dei Pellegrini

Vor 400 Jahren, am 12. Juni 1616, wurde in Rom die Kirche Santissima Trinità dei Pellegrini eingeweiht. Sie wurde von der Erzbruderschaft der Pilger und Kranken der Allerheiligsten Dreifaltigkeit erbaut, die vom hl. Philipp Neri zum Zweck der Beherbung und Versorgung der Rompilger gegründet worden war. 2008 wurde sie der Priesterbruderschaft St. Petrus anvertraut.


11. Juni
Hyacinthe-Marie Cormier

Vor 100 Jahren, am 11. Juni 1916, am Pfingstfest, trat der selige Hyacinthe-Marie Cormier OP (1859-1916) als Generaloberer des Dominikanerordens zurück. Er war der 76. Generalmeister in der Geschichte des Dominikanerordens und hatte ihn seit 1904 sehr erfolgreich geleitet.


10. Juni
Sorgen

Ich muss zugeben, dass mir also manches Sorgen macht. Allerdings will ich mich nicht in Debatten über den Wert von Fußnoten, vollständigen oder unvollständigen Zitaten einlassen. Zu denken gibt aber der Applaus, der aus dem Lager jener kommt, die sehnsuchtsvoll eine Änderung der kirchlichen Morallehre erwartet haben, die seit Jahrzehnten, die Pastoral von der Lehre lösen und zweite Verbindungen segnen. Sollte ein Dokument, das Ergebnis einer zweijährigen weltweiten Debatte ist, nicht so klar formuliert werden, dass es keiner langatmigen Interpretationen lehramtstreuer Bischöfe und Theologen bedarf, um hervorzuheben, es stelle keinen Bruch in der Lehre der Kirche dar?

Aus: Christof Gaspari, Amoris laetitia - heftig umstritten, Vision2000 3/2016, S. 25


10. Juni
Woche für das Leben

Vor 25 Jahren, am 10. Juni 1991, begann zum ersten Mal die Woche für das Leben.


9. Juni
Versuch einer Theodizee

Von Theodor Haecker

Fünfte Folge

Was aber ist das dritte und letzte mögliche Motiv einer Erschaffung der Welt? Es ist das, welches uns unsere Religion und Kirche als das einzige und wirkliche offenbart: die Liebe. Gott hat diese Welt aus Liebe erschaffen, nicht aus dem Bedürfnis, dem Gefühl des Mangels, der Ergänzungsbedürftigkeit eines Liebestriebes, wie in der Natur, sondern in einem freien Akte eines heiligen Liebeswillens, sich zu schenken und mitzuteilen. Es ist ganz zweifellos, daß diese Offenbarung zu Zeiten in einem kranken oder unglücklichen oder erniedrigten oder gar verzweifelten Menschen Zweifel oder Hohn oder Unglauben oder blasphemisches Ärgernis erregt; es ist aber ebenso zweifellos, daß der gemeine Menschenverstand, der von Haus aus in einem natürlichen Sinne katholisch ist, und das Herz des Menschen, das von Natur zur Liebe erschaffen ist, ohne diese individuellen Hindernisse, also allgemein, in dieser Motivation einer Weltschöpfung keinen Mangel und keinen Widersinn erkennen könnten. Sie leuchtet ihnen ein. Dieses Motiv braucht auf seiner eigenen Höhe keine Ergänzung, es genügt sich absolut, d. h. aber auch: es ist vernünftig, so daß also die beiden anderen Motive, von denen wir sprachen, das ästhetische und das ethische, ihm nicht neben-, sondern untergeordnet sind: es sind modi, in denen die Welt und in ihr der Mensch erschaffen wurden; sie sind relativ zum dritten, das allein absolut ist. Weil aber Gott Selber sie verwendet hat, sind sie von transzendenter Bedeutung und drücken je eine Sphäre und Ordnung des Seins aus; und in der »Gloria« sind sie wieder identisch. Hier ist das Feld der Barmherzigkeit, in dem der Gläubige, und daran braucht Krankheit, Armut, Unglück und Erniedrigung nicht zu hindern, jeden Tag eine unwiderlegliche Theodizee geschenkt bekommen kann in der unerschütterlichen Gewißheit der Erfahrung einer göttlichen Führung an den Seilen der Liebe, deren Fakta in der Regel zwar unsagbar und unmitteilbar, aber dennoch die eigentlichen Offenbarungen Gottes in diesem Zeitalter sind nach der Meinung des Kardinals Newman. Ich werde darauf später zurückkommen.

Nun will ich von einer Schwierigkeit einer jeden menschlichen Theodizee reden. Eine rein philosophische und wissenschaftliche Theodizee und der Glaube, sie auf rein philosophischem Felde verbindlich leisten zu können, ist immer ein Kind des Rationalismus, d. h. eines menschlichen Geisteszustandes, der zwischen dem Geiste Gottes und dem des Geschöpfes nur einen, wenn auch noch so hohen, Gradunterschied anerkennt und nicht einen des Wesens. Das ist der ganze Bayle, der einen so ungeheuerlichen Einfluß auf die Geister des 18. Jahrhunderts ausgeübt hat, die ihm, auch wenn sie ihm widerstanden, erlegen sind, da sie auf demselben Standpunkt standen, wo er nicht zu widerlegen war. Auf der Ebene des in sich abgeschlossenen geschöpflichen Rationalismus sind »natürliche« und »offenbarte« Wahrheiten reine Antinomien, simple Widersprüche. Freilich ist der heute modische Irrationalismus, der bei jeder mehr oder weniger schwierigen Tatsache sofort das Denken einstellt und einen Mythus annimmt, auch ein Hindernis einer Theodizee. Wenn schon geirrt werden muß, dann ist, wie wir schon gesagt haben, der Rationalismus der edlere und humanere Irrtum. Der Rationalismus läßt das Mysterium aus, ohne dessen intellektuelles Hinnehmen und reales Erfassen eine wahre Theodizee von vornherein ein eitles und oft peinliches Beginnen ist. Er kennt zwar auch noch »das Rätsel«. Aber Rätsel sind zum Lösen da. Sind sie gelöst, so sind sie auch nicht mehr. Das Geheimnis, das Mysterium, bleibt Geheimnis, bleibt Mysterium auch nach seiner Offenbarung. Zu dieser allgemeinen Schwierigkeit treten nun erschwerend auch die verschiedenen Existenzkategorien der einzelnen Völker und Rassen oder auch ganzer Kulturkreise, die nicht bloß ein Volk, sondern viele Völker umschließen, wie z. B. das Abendland oder der Buddhismus oder Konfuzianismus, das Russentum, das Judentum. Auch diese besonderen Existenzkategorien sind oft im Wege, solange sie vom Glauben noch nicht erweicht sind und gelöst. Es könnten z. B. die Russen eine Theodizee dadurch verfehlen, d. h. dem wahren Sein Gottes nicht nahe kommen, denn das heißt eigentlich eine Theodizee geben, oder besser: eine Theodizee geben heißt: sie von Gott Selber sich geben lassen - es könnten also die Russen eine Theodizee dadurch verfehlen, daß sie der Sünde ihre reale Bedeutung nehmen und sie aufgehen lassen in der menschlichen Schwachheit. Sie lassen das Mysterium der Freiheit aus und der Verantwortung. Es könnte ein Buddhist eine Theodizee dadurch verfehlen, daß er die Realität dieser Welt leugnet, die als veränderliche erschaffen ist, und dadurch die reale Schöpfermacht Gottes und den realen Akt der Schöpfung. Es könnte ein Chinese eine Theodizee dadurch verfehlen, daß er gefangen von einem edlen und weisen Ethizismus die allgewaltige Erhabenheit der Schöpfung aus dem Nichts überhaupt nicht sieht. Ein Jude könnte eine Theodizee - immer wohlverstanden im Felde des Rationalen - dadurch verfehlen, daß er vor dem Juristen und Gesetzesmacher und Kasuisten in Gott nichts anderes mehr sieht. Was ist nun die besondere Existenzkategorie des Abendländers, ob er nun Grieche ist oder Römer oder Kelte oder Germane - unter den Slawen gehört sicherlich der Pole und Tscheche dazu? Es ist, glaube ich, die tragische Weltanschauung. Sie ist die letzte, hartnäckigste existentielle Kategorie unserer vorherrschenden Weltanschauung vor der Offenbarung, sie ist das alles beherrschende Element aller unserer Mythen und Mythologien. Es kann andere Mythologien geben, wo sie nicht vorherrscht. Unter sie fällt der siegende Heros wie der heroische Dulder. So ist sie für uns Abendländer das letzte Hindernis, aber auch der letzte Prüfstein einer echten Theodizee. Theodizee ist, wir haben es gesagt, eine uralte Sache, eine Sache des Menschen und nur des Menschen. Die Engel geben uns Antwort, ohne die Frage selber zu stellen. Die Seiten, die uns eine so uralte Sache zeigt, können in Zeiten neu sein, und die Akzente können sich verschieben; die Tragik ist keine neue Seite der Theodizee, aber sie wird, heute neu gezeigt und in einer dichten Konzentration und aufdringlichen Eindringlichkeit, und sie wird politisch und existentiell schrill und umfassend betont mit einem accent circonflexe.

wird fortgesetzt

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7. Juni
Die Welt und das Heilige

Von Eduard Kamenicky

Fünfte Folge

Des weiteren haben wir feststellen können, daß unser Erkennen nicht schöpferisch, sondern stets in irgendeiner Form rezeptiv ist, insoferne es sich in jenem immer schon erhellten Raum zu orientieren hat, der sich uns öffnet. Wir erhellen ihn nicht selbst zum Zwecke grundlegenden Vernünftig- und sohin Erkennbar-machens der Dinge, noch gar nicht in der Vornahme primärer Sinnstiftung, sondern wir erfreuen uns kraft der Vernunft seiner Helligkeit und dank seines Lichtes des geistigen Auges, das uns zum Schauen in dieser Helle eigen ist. In artgerechter und seiner Bestimmung entsprechender Anwendung jener Fähigkeit erfassen wir nun, worauf wir ebenfalls bereits verweisen konnten, das Heilige als in ihrem Wert unproblematische Seinseigenschaft eines in sich heiligen Wesens, das wir Gott nennen, sowie, in Ableitung von diesem Heiligen kath'exochen, als mögliche Eigenschaft von weltlichen Dingen, Orten, Zeiten, Ereignissen und so fort, welchen das Heiligsein zukommen kann, wenn sie in ein bestimmtes Verhältnis zu dem heiligen Gott treten beziehungsweise in ein solches gesetzt werden. Das heißt mit anderen Worten: im Ganzen uns vorgegebener Sinnzusammenhänge erfassen wir das wirkliche Heilig-sein eines Un-Weltlichen und das mögliche Heilig-sein von Weltlichem, wobei ,heilig' als Begriff durchaus univok verstanden, wenngleich ,Heiligkeit' als konkrete Ausprägung des Heiligseins bei allem Weltlichen, von dem es gelten kann, immer nur analog zum wesenhaften Heiligsein der Gottheit gefasst wird. Darin bejahen wir echte Vorbildlichkeit des Nicht-Weltlichen für Weltliches, die Möglichkeit der Ausformung jenes in diesem, die Möglichkeit der Verähnlichung dieses mit jenem.

Daß solche Überzeugungen noch deutlicher in die Richtung einer die beiden Bereiche umgreifenden Sinnganzheit weisen, bedarf keiner besonderen Betonung. Vor allem bedeutsam an dieser möglichen und notwendigen Feststellung ist der Umstand, daß sie die einander so fremden Größen der Welt und des Heiligen in den Geltungsraum eines Begriffes führt. Ist doch nicht nur, isoliert gleichsam, vom wesenhaften Heiligsein Gottes und vom möglichen Heiligsein oder Heiligwerden weltlicher ‘Dinge’ die Rede, sondern es wird in dem Gesagten zum Ausdruck gebracht, daß das Heilig-sein als Seinsvollkommenheit keinem Seienden in dessen Sein vollkommen fremd sein kann - was implizit wohl eine Anwendung dessen bedeutet, was die Philosophie analogia entis nennt. Ja noch mehr: Wenn das Heilig-sein als zutreffende Formulierung des Seins Gottes, der seinem Begriffe nach als das Absolute in dem schon gestreiften Unterschied zur Welt verstanden werden muß, figurieren kann, ist mit einem solchen Synonym für das Sein des Absoluten (und mithin das absolute Sein) zugleich etwas Entscheidendes über jegliches Sein, jede mögliche Weise zu sein ausgesagt. Konsequent hätte daher nicht nur eine konkrete, gleichsam ad hoc gestiftete Relation einer weltlichen Größe zu Gott deren bestimmte derivate Heiligkeit zur Folge, sondern müßte es jeglichem Seienden, wobei wir nun in metaphysischer Weite gerade an alles welthaft Seiende denken, als solchem, das heißt in seinem im Vergleich zum absoluten ebenfalls je derivaten Sein zukommen, zutiefst von einer derartigen seinshaften Heiligkeit signiert zu sein, die in allen Graden der Abschattung allem, bis zum Letzten, das da ,ist', zuerkannt werden müßte.

An diesem wichtigen Punkt unserer Erwägung, an dem eine völlige Wendung in der zunächst vermuteten Fremdheitsrelation zwischen der Welt und dem Heiligen zum Durchbruch kommt und an den uns die Reflexion über früher möglich gewordene einzelne Feststellungen geführt hat, wird uns ein weiteres Zeugnis unseres allgemeinen Denk- und Sprachverhaltens bewußt, das uns eine unerwartete Bekräftigung dessen liefert, was hier den Anschein einer den Kontakt mit den Realitäten verlierenden Spekulation gewinnen könnte. Es ist uns nämlich nicht nur die Rede von der Heiligkeit Gottes und der Heiligkeit Gott geweihter Personen und Gegenstände geläufig, sondern ebenso die von der Heiligkeit des Menschenlebens etwa, des Lebens überhaupt, des Ganzen der Natur und ihrer Kräfte, der inneren Wesens- und Wachstumsgesetze, unverbrüchlicher Weltordnung und so fort. Hier wird, wenn wir das darin Gemeinte und zum Ausdruck gebrachte rückübersetzen in die Sprache unserer philosophischen Erwägung, jeweils das Seiende in dem ihm eigenen, ihm zukommenden, für es richtigen Sein ,heilig' genannt. Dieses Heilig-sein bedeutet in den erinnerten Zusammenhängen sicher keine sittliche Qualität, in sich auch kein ethisches Postulat, wenngleich es einen solchen Imperativ von uneinschränkbarer Geltung mit sich bringt. Es besagt vielmehr eine fraglose Unantastbarkeit, das unaufhebbare Recht des Richtigen, des Zustehenden, des Wesensentsprechenden, des je Konstitutiven. Dieses Recht wird bemerkenswerter Weise, als an objektiven Realitäten hangend, auch dort nicht aufgehoben oder eingeschränkt, ja überhaupt nicht tangiert, wo die Möglichkeit freier Entscheidung des Subjektes das im eigenen Sein als richtig und darin als gesollt Vorgezeichnete gefährdet und der Mensch diese Möglichkeit zur Verleugnung der eigenen Seinswahrheit mißbraucht. Auch das Leben des Mörders ist heilig. - Wir brauchen diesen Hinweis auf das spontane Verständnis für das zutiefst Heilig-sein des Seins in seiner Ordnung und als Wert in sich nicht im Spektrum der vielen hier sich anbietenden Beispiele entfalten, um deutlich zu sein. Der allgemein gespiegelte Sachverhalt interpretiert sich selbst.

wird fortgesetzt

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6. Juni
Monatsranking Mai 2016

Platz Monatsranking Mai 2016
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 610 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/- 0
2

Spaemann: Wer hat wofür Verantwortung?

+/- 0
3

In-vitro-Fertilisation

+ 1
10

Nebenwirkungen und Risiken der Pille

- 3
20

Prosinger: Was heißt glauben? Ein biblischer Streifzug

+ 3
30

Recktenwald: Tolkiens christliche Botschaft

- 9
40

Paul Hacker: Hinduismus

- 4
50

Die Würde des Menschen und die Pornographie

+ 21
60

W. Zimmer: Aufgabe des Priesters ist zu konsekrieren

+ 29
100

Marcus Holden: Benedikt XVI. und die Reform der biblischen Exegese

+ 7

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6. Juni
Beschämung statt Anspruchsmentalität

Viele verlangen von der Kirche mehr Barmherzigkeit, ohne den Weg der Umkehr und Versöhnung mit Gott gehen zu wollen. Für Franziskus ist das ein unmögliches Ding. Er geht davon aus, dass jeder Mensch ein Sünder ist, und nennt sich selbst direkt als erster. Doch gerade erst in der Beschämung über die eigene Unwürde, so sagte er vor den Priestern, wachsen die Würde und die Fähigkeit, die Barmherzigkeit des Herrn zu erlangen und zu erspüren. Mit dem heute üblichen Ton, von der Kirche immer nur zu fordern, hat das nichts zu tun.

Aus: Guido Horst, Alles dreht sich um die Beichte, Tagespost vom 4. Juni 2016

Zum Thema: Barmherzigkeit als Freibrief?


5. Juni
Befreiung Sardiniens

Vor 1000 Jahren, in den ersten Junitagen des Jahres 1016, wurde Sardinien von den Sarazenen befreit. Seit etwa 100 Jahren hatten die Sarazenen Sardinien zu erobern versucht, zum Teil mit Erfolg. Anfang 1016 griffen sie unter dem Emir Mogehid (Mujāhid) von Sardinien aus die Stadt Luni in der Provinz Toscana an, plünderten sie und begannen, noch weiter vorzudringen. Daraufhin schmiedete Papst Benedikt VIII. (1012-1024) ein Bündnis mit Pisa und Genua, dem es gelang, die Sarazenen in einer Seeschlacht zu besiegen und von Sardinien zu vertreiben.


5. Juni
Boleslawa Maria Lament

Vor 25 Jahren, am 5. Juni 1991, wurde die Gründerin der Kongregation der Missionsschwestern von der Heiligen Familie Boleslawa Maria Lament (1862-1946) seliggesprochen.


4. Juni
Die Madonna von Puig

Von Sophie zu Eltz

Sechste Folge

Nachdem Alvez seine theologischen Studien vollendet und die Priesterweihe empfangen hatte, bekam er zunächst die Aufgabe, Freunde und Gönner für den neuen Orden und Lösegeld für die Sklaven zu suchen. Pater Juan hieß er nun; denn in einer Aufwallung von Großmut hatte er gebeten, den Namen eben seines Todfeindes als Ordensnamen zu erhalten. Niemand, außer Petrus, wusste, wer der junge Priester eigentlich war.

Nach einer langen und erfolgreichen Bettelreise kehrte er wieder einmal nach Valencia zurück. Es war ein heißer Spätnachmittag, er saß in dem ziemlich weiten Garten des Klosters, bei dem neuen Marienheiligtum am Castillo. Da kam ein Bruder zu ihm und sagte, eine Dame sei da, offenbar in größter Bedrängnis; sie bäte um eine Unterredung mit einem der Ordensherren. Pater Juan ließ sie kommen. Es war eine Spanierin, nicht mehr ganz jung. Sie war hierher gereist, um die Hilfe der Mercedarier anzuflehen. Es war dieselbe Geschichte, wie sie Tag um Tag an das Tor des Hauses gebracht wurde: Verzweifelte Menschen weinten um einen Angehörigen, der in die Sklaverei der Moslems gefallen war. Ihren Bruder hatte dieses Unglück getroffen. Auf einer Fahrt nach Neapel war das Schiff, mit dem er fuhr, in die Hände ägyptischer Piraten gefallen. Nur ein Bursche war schwimmend entkommen und hatte sich auf ein anderes Schiff retten können; dieser hatte die furchtbare Botschaft gebracht. Ihr Bruder hieß Juan de Melfort.

Artur fuhr zusammen, als hätte ihn jemand mit einem rotglühenden Eisen mitten ins Gesicht geschlagen. Er rührte kein Glied. Zu unerwartet war die Stunde gekommen, die seinen Eid, seine Feindesliebe, auf eine unerträglich harte Probe stellen sollte. Artur hatte nicht geglaubt, dass es so schwer sein würde! Tag um Tag hatte er das „Ich habe vergeben“ gesprochen, hatte ein kleines Gebet für seinen Feind verrichtet, wie es sein Seelenführer verlangt hatte. Aber nun schien das alles weggefegt zu sein. Einen Augenblick schloss er die Augen, dann sprang er unvermittelt auf und lief mit langen Schritten davon, fort in den dunkelnden Garten. - Fast eine halbe Stunde lang tobte sein innerer Kampf. Alles war in ihm lebendig geworden, das alte Grauen, die ohnmächtige Verzweiflung, die brennende Qual. Der Hass, den er so lange tot geglaubt, zerrte und tobte an seiner Kette. Er wand seinen Rosenkranz so fest um die Hand, dass sich die Perlen und das metallene Kreuz ins Fleisch eindrückten. „Madonna!“, rief er einmal laut, fast herrisch vor Pein. Dann schwieg er und kämpfte es nieder.

Elvira de Melfort war bestürzt auf ihrem Platz zurückgeblieben. Sie wusste nicht, wie sie sich das Verhalten des Priesters erklären sollte. Wohl hatte sie mit Schwierigkeiten gerechnet, denn unmöglich konnten die frommen Ritter all die Tausende auslösen, die ihnen anempfohlen wurden. Aber das erklärte diese plötzliche Flucht doch nicht. Sie blieb indessen und wartete - schon darum, weil sie nicht wusste, ob sie in dem weiten Garten den richtigen Ausgang finden würde.

Schließlich kam Pater Juan leichenblass wieder, sodass Elvira über sein Aussehen erschrak. Aber er sprach ruhig und höflich. Er fragte genau nach allen Einzelheiten von Ort und Zeit. Dann erhob er sich. „Seien Sie überzeugt, Dona de Melfort, wenn es irgend möglich ist, werde ich Ihren Bruder retten. Ich werde mich in ganz besonderer Weise gerade für ihn bei unserem Oberen einsetzen.“ Elvira sprang auf. In einem Ausbruch von Freude streckte sie dem Ritter die Hand hin. Den Bruchteil einer Sekunde zögerte er, dann aber gab er die seine mit einer fast heftigen Bewegung. Elvira schien es, dass sie kalt war, kalt wie die Hand eines Toten.

Artur d’Alvez hielt Wort. Petrus Nolascus weilte gerade in jenem Kloster. Abends, im Kapitelsaal, stand Artur auf und berichtete vor dem ganzen Konvent von Elviras Bitte. Als er den Namen Melfort nannte, zuckte Nolascus leicht, es ging wie eine Röte über seine Züge. Er warf einen scharfen Blick auf den jungen Ritter, einen Blick, der dann wunderbar weich und warm wurde. Das war alles, zwischen den beiden wurde kein Wort über die Sache gesprochen. Eine heiße Welle der Freude flutete über Arturs Herz. Nun erst war alles wirklich gut! Petrus Nolascus stimmte der Bitte Pater Juans bei. Dieser Gefangene sollte unbedingt ausgelöst werden. Man würde die Gelegenheit benützen, um die Gelder des letzten Jahres nach Nordafrika zu bringen. Sechs Männer wurden ausgewählt, um die Aufgabe durchzuführen. Alvez war unter ihnen.

Zunächst wurden die üblichen Vorbereitungen getroffen und Erkundigungen einzogen. Mit Hilfe von islamischen Stellen, die an dem Loskauf interessiert waren, gelang es den Mercedariern, fast über jeden Sklaven genaue Auskunft zu erhalten. Als Artur hörte, dass Melfort an den Hof des Wesirs von Ägypten gekommen war, setzte er sich in seine Zelle und lachte laut. Welch sonderbares Spiel trieb doch der liebe Gott mit ihm!

Vor dem Gnadenbild von Puig holten sich die Ausziehenden den letzten Segen, erneuerten ihr Gelübde: Alles, nötigenfalls sich selbst, für die Gefangenen hinzugeben. Dann segelten sie mit gutem Wind nach Ägypten.

Artur schien es wie ein Traum, als er in den Hof des Wesirs einritt. Was war nun die Wahrheit - seine einstige Gefangenschaft oder seine jetzige Freiheit? Aber nicht zum Herrscher wurden die Ritter geführt, denn dieser war an den Hof eines benachbarten Emirs geritten, sondern zu Bibar, seinem Sohn. Stumm standen die Gegner von einst einander gegenüber. Artur dachte: „Wie er dick ist!“ Und man sah es dem aufgedunsenen, listigen Gesicht an, dass dieser Mensch noch grausamer und gemeiner geworden war als ehedem. Bibar aber war zunächst vor Überraschung sprachlos. Dann aber funkelte es rachgierig in seinen Augen. Er hatte Arturs ungestrafte Zurechtweisung nie ganz überwinden noch vergessen können.

Arturs erste Frage galt Juan de Melfort. Aber Bibar konnte sich zuerst gar nicht erinnern, was mit dem Mann geschehen war. Schließlich wusste ein Mitsklave Auskunft: Juan war von der Pest befallen und deshalb von den übrigen Sklaven abgesondert worden. Seitdem lebte er in einer Höhle, etwa drei Stunden entfernt in der Wüste. Einer seiner Mannen hatte ihm Speise und Trank dorthin gebracht. Es schien nicht, dass er sterben werde. Artur verlangte sogleich die Auslieferung dieses Kranken. Aber, merkwürdig, gerade von ihm wollte Bibar durchaus nichts hören. Vielleicht sagte ihm eine Ahnung, dass sein Feind es auf eben diesen abgesehen hatte. Jedenfalls ließ er sich in diesem Punkt durch nichts erweichen. Die anderen Verhandlungen nahmen ihren üblichen Lauf, wenn es auch viel schwerer war, mit Bibar zu verhandeln als mit seinem Vater. Immer versuchte er zu betrügen und den Preis hinaufzutreiben. Mehrere Tage lang ging das Feilschen und Bieten hin und her. Aber schließlich gelang es, eine große Zahl Sklaven zu befreien, alle fast, die auf der Liste der Mercedarier standen. Nur einer war nicht dabei, der wertlose Pestkranke.

Die Ritter konnten Bibars Weigerung nicht begreifen, nur Artur rechnete von Anfang an mit der grenzenlosen Tücke und Rachsucht des Wüstlings. „Mutter Gottes“, flüsterte er wohl manchmal für sich, „willst du es so fügen, dass ich meine Rache bis zum Letzten auskoste? Ich bin es zufrieden, wenn du es so haben willst!“ - Es kam, wie er geahnt hatte. Als der Sprecher der Mercedarier nochmals einen erhöhten Kaufpreis für Melfort bot, erklärte Bibar unumwunden: „Nein, ich gebe ihn nicht frei und wenn er tausendmal arbeitsunfähig ist. Nur unter einer Bedingung mögt Ihr ihn haben - wenn Ihr einen Ersatzmann stellt. Und dann muss es dieser sein, dieser und kein anderer.“ Und triumphierend wies er mit seinem dicken Finger auf Alvez. Dieser lächelte. „Ich wusste es von Anfang an und bin es zufrieden.“ Da wurde der Mameluk blaurot im Gesicht. Dass dieser verhasste Christ den Mut hatte, sich nochmals in seine Gewalt zu geben, hatte er nicht vermutet. Er rechnete vielmehr auf den Bruch seines Rittereides, und nun hatte ihm Artur diesen Triumph aus der Hand gewunden.

wird fortgesetzt

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3. Juni
Der selige Rudolf Aquaviva S. J.
Missionär und Märtyrer in Indien

Von Anton Huonder S.J.

Zwölfte Folge

Die Niederlage der Mollas war vollständig und ihre Verwirrung so groß, daß sie nach Jarric sich weigerten, mit den Patres noch ferner öffentlich zu disputieren. Doch dauerten die Religionsgespräche fort, und es kamen in der Folge noch verschiedene Glaubenswahrheiten zur Sprache, so besonders die allgemeine Auferstehung der Toten, das jüngste Gericht, die hinreichende und die wirksame Gnade u. a. m. Nicht im Stande, die ruhigen, klaren, teils aus der Vernunft, teils aus dem Alten Testament, teils endlich aus den sich widersprechenden Stellen des Korans geschöpften Beweisgründe zu entkräften, mit denen Aquavivas scharfe Dialektik sie in die Enge trieb, verwickelten sich die Mollas fortwährend in lächerliche Widersprüche, indem sie jetzt in Abrede stellten, was sie kurz zuvor zugegeben, später aber das Geleugnete abermals zugaben und schließlich unter sich selbst in Zank und grimmen Wortstreit gerieten, so daß Akbar sie wiederholt wegen ihres unwürdigen Benehmens scharf zurechtwies. Nicht selten verstummten sie auch plötzlich wie auf Verabredung und baten sich Zeit aus, um über die zu gebende Antwort zu beraten, oder sie gingen mit einer wegwerfenden, nichtssagenden Erklärung stolz erhobenen Hauptes von dannen.

7. Akbars schwankende Haltung

Sowohl die öffentlichen Disputationen wie der Privatunterricht, besonders aber das lebendige Beispiel der Patres machten auf den Kaiser unverkennbar einen tiefen Eindruck. Er erklärte offen, die christliche Religion sei die beste, die er bis jetzt kennen gelernt. Auch räumte er bereitwillig den übermenschlichen, durch Wunder beglaubigten Charakter Jesu Christi als eines göttlichen Gesandten ein. Nur die zwei Grundgeheimnisse der christlichen Lehre, die Dreipersönlichkeit Gottes und die Menschwerdung des Sohnes Gottes, wollte sein rationalistischer Geist nicht anerkennen. Immer und immer wieder verlangte er deren Erläuterung. Aquaviva hielt ihm entgegen, daß das volle Verständnis des Unendlichen naturgemäß sich dem beschränkten Menschengeist entziehe und daß die göttliche Religion deshalb notwendig unerfaßliche Geheimnisse enthalten müsse. Diese Lösung gefiel dem Kaiser, ohne ihn jedoch ganz zu befriedigen. Trotz seiner Verwerfung des Islams und seiner ungeheuchelten Bewunderung der christlichen Glaubens- und Sittenlehre kam er aus seinem eigentümlichen Schwanken nicht heraus. Schließlich meinte er, es sei überhaupt fraglich, ob der Himmel eine einzige bestimmte Religion geoffenbart habe und ob Gott nicht gerade deswegen uns im Dunkeln gelassen, weil er durch verschiedene Religionsformen verehrt werden wolle. Den inneren Widerspruch dieser Ansicht wollte er nicht einsehen, und er meinte, nur Wunder würden im Stande sein, ihn zur Unterwerfung unter ein bestimmtes Glaubensbekenntnis zu zwingen.

Als daher die Mollas, um die Scharte auszuwetzen, zur Entscheidung des Religionsstreites in echt mohammedanischer Gauklerweise eine Art Gottesurteil durch Feuerprobe vorschlugen, griff Akbar lebhaft den Gedanken auf und bat die Patres dringend, darauf einzugehen. Er wolle schon sorgen, daß der Molla zuerst ins Feuer müsse. Aquaviva wies die Zumutung mit edlem Stolze zurück, da die Wahrheit seines Glaubens hinlänglich durch Wunder bezeugt sei, wie Akbar selber zugebe, und solcher freventlicher Herausforderung Gottes nicht bedürfe. Er selber sei jeden Augenblick bereit, für seinen Glauben in den Tod zu gehen. In der Tat durfte Aquaviva hier, wo es sich bloß um die Befriedigung eines zweifelsüchtigen Königs und seines Hofes und um ein Zugeständnis an die wilde Leidenschaft der hinterlistigen Mollas handelte, nicht anders antworten. Er dachte an seinen göttlichen Meister vor Herodes und blieb fest bei seiner Weigerung.

Im Bewußtsein der eigentlichen Aufgabe seiner Sendung drängte Aquaviva dem ihm aufrichtig ergebenen Padischah wiederholt zu einer bestimmten Entscheidung. Der Kaiser wich aus. Ein so wichtiger Schritt wolle überlegt sein; doch höre er nicht auf, Gott um Erleuchtung zu bitten, da er selber nichts sehnlicher wünsche, als die Wahrheit zu erkennen. Deutlicher eröffnete er den Patres sein Herz bei einem gelegentlichen Besuche in deren Kapelle. „Ihr kennt die Gefühle der Hochachtung, die ich der Religion, so ihr mich gelehrt, entgegenbringe. Alles spricht zu ihren Gunsten. Die Wunder des Herrn, durch den Koran selbst bezeugt, die gesunde, reine Sittenlehre des Evangeliums, seine wunderbare Verbreitung auf dem Wege der Demut und Leiden führen mich mit unwiderstehlicher Beweiskraft zur Überzeugung, daß Jesus Christus wahrhaft ein gottgesandter Prophet ist. Erklärt mir die ewige Zeugung des Wortes aus dem Schoße des Vaters und seine wunderbare Menschwerdung in der Zeit, und ich will ohne Anstand alle Artikel unterschreiben, die ihr mir zu glauben vorhaltet.“

Die Missionäre blieben die Antwort nicht schuldig. Die Geheimnisse erklären hieße ihre Natur als göttliche Geheimnisse aufheben. Man müsse also von der Grundwahrheit ausgehen, die der Fürst selbst zugegeben, und aus ihr die entsprechenden Folgerungen ziehen.

„Ew. Majestät geben zu, daß Christus seine göttliche Sendung genugsam durch Wunder bewiesen hat, so daß selbst der Koran für die Wahrheit seiner Lehre Zeugnis ablegt. Er ist also ein gottbeglaubigter Gesandter des Himmels; folglich müssen wir seinem Worte Glauben schenken. Nun aber bezeugt er von sich, daß er vor Abraham war, daß er ewig, Gott dreipersönlich sei usw. Durch Wunder hat er die Geheimnisse, die er lehrte, göttlich beglaubigt. Sie müssen also wahr sein, auch wenn wir sie nicht begreifen können.“ Der Kaiser fühlte die Kraft dieser Beweisführung. Er war ergriffen und brach mit Tränen in den Augen die Unterredung ab, indem er wiederholt schmerzlich ausrief: „Ein Christ werden! Die Religion meiner Väter ändern! Welche Gefahr für einen Kaiser! Welche Schwierigkeit für einen Menschen, der in der Weichlichkeit und der Zügellosigkeit des Korans aufgewachsen!“

wird fortgesetzt


31. Mai
Francesco Caracciolo

Vor 700 Jahren, am 31. Mai 1316, starb im Alter von höchstens 66 Jahren der Theologe Francesco Caracciolo. Nach seinem Studium in Neapel wurde er Kanoniker, Professor und Universitätskanzler in Paris. Er ist nicht zu verwechseln mit dem hl. Francesco Caracciolo, der aus demselben neapolitanischen Adelsgeschlecht stammt, aber viel später lebte, von 1563 bis 1608.


31. Mai
Mariano von Roccacasale di Nicolantonio

Vor 150 Jahren, am 31. Mai 1866, starb in Bellegra im Alter von 88 Jahren der selige Mariano von Roccacasale di Nicolantonio. Er war Franziskaner und übte 40 Jahre lang das Amt des Klosterpförtners aus. Unzähligen Menschen spendete er Trost und führte sie zu Gott. Besonders den Armen war er ein großer Helfer. Am 3. Oktober 1999 wurde er seliggesprochen.


30. Mai
Priesterweihen

Dieses Jahr werden neun Seminaristen des Internationalen Priesterseminars St. Petrus zu Priestern geweiht. Auf der Internetpräsenz der Petrusbruderschaft werden sie vorgestellt.


30. Mai
Kaspar Decurtins

Vor 100 Jahren, am 30. Mai 1916, starb im graubündischen Truns im Alter von 60 Jahren der Publizist, Sozialpolitiker und Kulturhistoriker Kaspar Decurtins. Er war ein “Vorkämpfer einer modernen Sozialgesetzgebung und des internationalen Arbeiterschutzes” (LThK 2. Aufl.), Anreger der internationalen Arbeiterschutzkonferenz und Mitbegründer des interkonfessionellen Arbeiterbundes, des Katholischen Männer- und Arbeiterverbandes sowie der Universität Freiburg (Schweiz). Leo XIII. dankte ihm mehrmals für seine soziale Tätigkeit. Der hl. Papst Pius X. zeichnete ihn 1910 durch ein Breve wegen seines Kampfes gegen den Modernismus aus.


29. Mai
Amoris laetitia

Eine Stellungnahme zum päpstlichen Schreiben Amoris laetitia und zur Kontroverse darum hat P. Bernhard Gerstle FSSP, der deutsche Distriktsobere der Priesterbruderschaft St. Petrus, auf der Website der Gemeinschaft veröffentlicht.


29. Mai
Carlos Liviero

Vor 150 Jahren, am 29. Mai 1866, wurde in Vicenza der selige Carlos Liviero geboren. 1910 wurde er Bischof von Citta di Castello. Er arbeitete nach dem Motto “Seelen retten, egal, was es kostet!”, und die Diözese blühte auf. Am 7. Juli 1932 starb er in Fano, am 17. Mai 2007 wurde er seliggesprochen.


28. Mai
Rita Amata Almeida

Vor zehn Jahren, am 28. Mai 2006, wurde die Portugiesin Rita Amata Almeida (1848-1913) seliggesprochen. Sie gründete die Institutsschwestern von Jesus, Maria und heiligen Joseph und wird Apostelin des Rosenkranzes genannt.


28. Mai
Walker Percy

Vor 100 Jahren, am 28. Mai 1916, wurde in Birmingham, Alabama, der Schriftsteller Walker Percy geboren. 1947 konvertierte er zur katholischen Kirche. Beeinflusst unter anderem von Kierkegaard und Dostojewski, ist das Leitmotiv seiner Werke “die verborgene Verzweiflung des postmodernen und nachchristlichen Individuums” (Christian Heidrich im LThK, 3. Auflage). Er starb am 10. Mai 1990 in Covington, Louisiana.


26. Mai
Nikolaus Gihr

Vor 150 Jahren, am 26. Mai 1866, wurde der Theologe Nikolaus Gihr (1839-1924) in Rom zum Priester geweiht. Am bekanntesten ist sein Werk über Das hl. Meßopfer, dogmatisch, liturgisch und aszetisch erklärt, das zahlreiche Auflagen erlebt hat.


26. Mai
Giovanni Lorenzo Berti

Vor 250 Jahren, am 26. Mai 1766, starb in Pisa im Alter von 69 Jahren der Theologe Giovanni Lorenzo Berti OESA. Er war ein Hauptvertreter der jüngeren Augustinerschule.


26. Mai
Wilhelm Joseph Chaminade

Vor 200 Jahren, am 25. Mai 1816, gründete Wilhelm Joseph Chaminade (1761-1850) die Filles de Maria Immaculée. Er wurde am 3. September 2000 seliggesprochen.


24. Mai
Eine Art Exkommunikation

Arnim Stadler, der in diesem Band von Ilka Scheidgen vorgestellt wird (S. 421–428), gehört sicherlich zum beschönigend so genannten „Reform-Katholizismus“, allerdings hat er sich mit seinem Roman „Salvatore“ eine Art Exkommunikation durch das Zentralorgan des deutschen Räte- und Akademiekatholizismus zugezogen (Herderkorrespondenz, März 2009), denn er hat dort die moderne historische kritische Methode schlicht als „Wildsau-Theologie“ bezeichnet (S. 189). Exegeten wirken, „als wären sie von der Metzgerzunft“ (S. 185), „ausgestattet mit dem Weltbild der Stiftung Warentest“ (S. 189).

Aus: Vom deutschen Spießbürger zum katholischen Weltbürger. Autorenporträts, die Lebendigkeit und Kraft des Glaubens zeigen. Eine Rezension des Buches Poeten, Priester und Propheten. Leben und Werk inspirierender Schriftsteller. Die Tagespost-Literaturserie von Wilhelm Imkamp, erschienen in der Tagespost vom 23. April 2016, S. 17.


16. Mai
Franz Sales Handwercher

Vor 200 Jahren, am 19. Mai 1816, empfing der Visionär und spätere Gründer der Bruderschaft des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariae Franz Sales Handwercher (1792-1853) in Regensburg in der Michaelskapelle beim Kreuzdurchgang durch Erzbischof Karl Theodor von Dalberg die Priesterweihe.


16. Mai
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer je eigenen Seite wurden untergebracht der Artikel von P. Martin Lugmayr über den hl. Albert den Großen und die Rezension über die beeindruckende Selbstbiographie des Mörders Torsten Hartung. Die beiden Zitate, die ich unter dem Titel Welches ist das Original? veröffentlicht habe und die sich mit der Frage, wo im Islam die dschihadistische Gewalt zu verorten sei, habe ich auf der einschlägigen Themenseite platziert.


15. Mai
Friedrich Nötscher

Vor 50 Jahren, am 17. Mai 1966, starb in Bonn im Alter von 75 Jahren der aus Unterfranken stammende Exeget Friedrich Nötscher. Er lehrte von 1935 bis 1958 Altes Testament in Bonn und war Mitbegründer der Echter Bibel und der Bonner Biblischen Beiträge.


14. Mai
Gratia Tarallo

Vor zehn Jahren, am 14. Mai 2006, wurde die Mystikerin Gratia Tarallo (1866-1912) seliggesprochen.


14. Mai
Patrona Bavariae

Vor 100 Jahren, am 14. Mai 1916, wurde zum ersten Mal das kirchliche Fest Maria, Patrona Bavariae gefeiert. Papst Benedikt XV. hatte 18 Tage zuvor die Erlaubnis dazu gegeben.


13. Mai
Vergeben ist gesund

Viele medizinische Studien deuten darauf hin, dass vergeben gesund ist. Vergebung hat keinerlei negative Folgen, dafür aber sehr viele positive Auswirkungen, z. B. dass der Blutdruck sinkt und Entzündungen schneller heilen. Wenn man nicht vergeben kann, ist es dagegen genau gegensätzlich. Schmerzen halten länger an, Entzündungen und Wunden heilen nicht so gut. Das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten steigt. Vergebung ist also einer der Schlüssel zu einem glücklichen Leben und zu gelingenden Beziehungen. Es gibt aber noch weitere Schlüssel. Dankbarkeit zum Beispiel oder Demut.

Psychotherapeut Klaus Hettmer im Interview Vergeben kann man lernen mit ERF-Redakteur Claas Kaeseler, in: idealisten.net Magazin 1/2016, S. 33

Weitere Infos zum Thema "Vergebung"


13. Mai
Maria Tauscher

Vor zehn Jahren, am 13. Mai 2006, wurde Maria Tauscher (1855-1938) seliggesprochen. Die Tochter eines protestantischen Pfarrers konvertierte 1888 zur katholischen Kirche und fiel deshalb bei ihrer Familie in Ungnade. Nachdem sie im März 1890 durch die Lektüre der Selbstbiographie der hl. Theresa von Avila ihre Berufung zum Karmel entdeckt hatte, gründete sie im darauffolgenden Jahr die Karmelitinnen vom Göttlichen Herzen Jesu. Kurz vor ihrem Tod schrieb sie: “Meine größte Sehnsucht ist, vom Himmel aus Tränen zu trocknen und Wunden zu heilen.”


12. Mai
Leopold Mandic

Vor 150 Jahren, am 12. Mai 1866, wurde in Herceg Novi, Montenegro, der Kapuziner Leopold Mandic geboren. Er war ein charismatisch begnadeter Beichtvater, der die Seelenschau und die Gabe der Prophetie besaß. Er starb am 30. Juli 1842 in Padua. 1976 wurde er selig-, 1983 heiliggesprochen.

Zitate des Heiligen:

“Die Barmherzigkeit Gottes und seine Vorsehung kommen uns entgegen, wenn wir am wenigsten daran denken.”

“Es gibt keinen kostbareren Augenblick, als jenen der Danksagung nach dem Heiligen Meßopfer... Als Jesus auf dieser Welt wandelte, wurden die Kranken schon durch die Berührung Seines Gewandes geheilt. Was könnte Er doch durch die Heilige Eucharistie in unseren Herzen wirken.”

“Haben Sie Glauben, bleiben Sie ruhig, es wird alles gut gehen. Haben Sie Glauben!”


12. Mai
Fulgencio Calvo Sánchez und Epifanio Sierra Conde

Vor 100 Jahren, am 12. Mai 1916, wurden die beiden Märtyrer Fulgencio Calvo Sánchez und Epifanio Sierra Conde geboren. Sie gehörten zu den Passionisten des Klosters in Daimiel, Diözese Ciudad Real, die im Spanischen Bürgerkrieg zwischen dem 23. Juli und dem 23. Oktober 1936 nach grausamen Folterungen das Martyrium erlitten. Mit 23 weiteren Passionisten und Märtyrern wurden sie am 1. Oktober 1989 seliggesprochen.

Infos zum Spanischen Bürgerkrieg


12. Mai
Tolkien und Lewis

Vor 90 Jahren, am 11. Mai 1926, begegneten Tolkien und Lewis einander zum ersten Mal.


12. Mai
Franz de Hieronymo

Vor 300 Jahren, am 11. Mai 1716, starb in Neapel im Alter von 73 Jahren der überaus erfolgreiche und sozial engagierte Volksmissionar Franz de Hieronymo SJ (Francesco de Geronimo). Er wurde 1806 selig- und 1836 heiliggesprochen.


6. Mai
Georgius de Sclavonia

Vor 600 Jahren, am 6. Mai 1416, starb in Tours der aus Slowenien stammende geistliche Schriftsteller Georgius de Sclavonia im Alter von ca. 60 Jahren.


4. Mai
Theologisches Kneifen

"Überraschenderweise ist mittlerweile eine wachsende Zahl von katholischen Theologen bereit, den theoretischen Erklärungsansatz des Neo-Darwinismus anzuerkennen. Auf einer Internationalen Konferenz in Rom zum Darwinjahr vom 03.-07. März 2009 hat man zwar das Gespräch mit dem Neo-Darwinismus gesucht, nicht aber mit Vertretern des ID [Intelligent Design]. In einem Zeitungsbericht war beispielsweise zu lesen, dass „alle Referenten [...] der Evolutionslehre positiv gegenüber [standen]“, der „Evolutionsprozeß [sei] schöpferisch, aber nicht zielgerichtet.“ (Die Tagespost, 10. März 2009). Wegen dieser bewussten Ignoranz gegenüber dem ID findet in der Theologie natürlich keine wirkliche Auseinandersetzung mit dessen Thesen statt. Fast jeder äußert sich einmal dazu, aber stets so, daß die Argumente des ID zuerst entwertet werden durch eine psychologische oder kultursoziologische Erklärung ihrer Funktion, was eine ernsthafte sachliche Auseinandersetzung überflüssig macht."

In einer ausführlichen Abhandlung über Intelligent Design. Fundamentalismus oder unbequeme Herausforderung? geht der Philosoph Berthold Wald auf die Theorie des ID und die Art und Weise ein, wie man sich mit ihren Argumenten auseinandersetzt. Seine Beobachtungen zur Reaktion auf theologischer Seite kann ich nur bestätigen. Den Grund für das Kneifen vor einer sachlichen Auseinandersetzung, die sich den Argumenten des ID stellt, sieht er religionssoziologisch im Minderwertigkeitskomplex einer kognitiven Minderheit und dem daraus wachsenden Anschlussbedürfnis an die Moderne. Im einzelnen geht Wald auf die Theologen Alexandre Dumas, Otto Hermann Pesch, George V. Coyne SJ, Dieter Hattrup, Christian Kummer und Hans Kessler ein.

Ein Film über ID


4. Mai
Kardinal Mindszenty

Vor 25 Jahren, am 4. Mai 1991, wurden die Gebeine des in Wien verstorbenen Josef Kardinal Mindszenty (1892-1975), Erzbischof von Esztergom und Primas von Ungarn, von Mariazell nach Esztergom überführt.


3. Mai
Brennpunkte

Soeben erschienen: Brennpunkte. Kritische Einwürfe zur katholischen Spiritualität. Ein neues Buch von P. Bernward Deneke FSSP.


1. Mai
Eduard Poppe

Vor 100 Jahren, am 1. Mai 1916, empfing der selige Eduard Poppe (1890-1924) die Priesterweihe. Am 3. Oktober 1999 wurde er seliggesprochen. Seine innige Liebe zum Herrn erkennt man an dem Gebet, das er manchmal vor dem Tabernakel betete: «O Jesus, die Menschen lieben dich so wenig! Lass uns zwei wenigstens einander lieben.»


1. Mai
Centesimus annus

Vor 25 Jahren, am 1. Mai 1991, 100 Jahre nach der Sozialenzyklika Rerum novarum, veröffentlichte Papst Johannes Paul II. die Enzyklika Centesimus annus, in der die sozial geordnete Marktwirtschaft gewürdigt wird. Er schreibt darin unter anderem:

“Es wäre keine angemessene Jubiläumsfeier für Rerum novarum, würde man dabei nicht die heutige Situation ins Auge fassen. Schon von seinem Inhalt her gibt das Dokument Anlaß zu einer derartigen Betrachtung, weil der geschichtliche Rahmen und die daraus abgeleitete Vorausschau sich im Lichte des Gesamtgeschehens der nachfolgenden Jahrzehnte als erstaunlich exakt herausstellen.
Das wird in besonderer Weise von den Ereignissen der letzten Monate des Jahres 1989 und der ersten des Jahres 1990 bestätigt. Diese und die radikalen Umgestaltungen lassen sich nur auf Grund der unmittelbar vorhergehenden Situationen erklären. Sie haben das, was Leo XIII. voraussah und was die immer besorgteren Warnungen seiner Nachfolger ankündigten, gleichsam festgeschrieben und institutionalisiert. Papst Leo sah in der Tat unter allen Aspekten, politisch, sozial und wirtschaftlich, die negativen Folgen einer Gesellschaftsordnung voraus, wie sie der Sozialismus vorlegte, der sich freilich damals noch im Stadium der Sozialphilosophie und einer mehr oder weniger strukturierten Bewegung befand. Man mag sich darüber wundern, daß der Papst seine Kritik an den Lösungen, die sich für die »Arbeiterfrage« anboten, beim Sozialismus ansetzte. Dieser trat damals noch gar nicht — wie es später tatsächlich geschah — in Gestalt eines starken und mächtigen Staates mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auf. Der Papst urteilte jedenfalls richtig, wenn er die Gefahr sah, die darin bestand, daß der breiten Masse eine scheinbar so einfache und radikale Lösung der »Arbeiterfrage« vorgelegt wurde. Das erweist sich also um so treffender, wenn man das alles im Zusammenhang der grauenvollen Ungerechtigkeit sieht, in der sich die proletarischen Massen in den seit kurzem industrialisierten Nationen befanden.”


30. April
Hans Meyer

Vor 50 Jahren, am 30. April 1966, starb in Frontenhausen im Alter von 81 Jahren der Philosoph Hans Meyer. Der Schüler Georg von Hertlings lehrte von 1922 bis 1955 in Würzburg, war ein Fachmann für mittelalterliche Philosophie und veröffentlichte die sechsbändige Geschichte der abendländischen Weltanschauung. Zu seinen Schülern gehörten Alois Dempf und der im Januar verstorbene Walter Hoeres.


30. April
Luigi Biraghi

Vor zehn Jahren, am 30. April 2006, wurde der Priester Luigi Biraghi (1801-1879) seliggesprochen. Er wurde 1833 Regens des Mailänder Priesterseminars und gründete 1838 zusammen mit Mariana Videmari das Institut der Schwestern der hl. Marcellina. Seine Mahnung an die Jugend: “Sich gleich in den Jünglingsjahren hingeben; die Jugend gefällt Gott. In ihr ist das Herz liebevoll, der Wille unschuldig und die Gefühle gesund und rein. Jesus Christus liebte Kinder.... Also auf, gebt Euch gleich und sagt nicht: später, später.”


29. April
Joseph Dixon

Vor 150 Jahren, am 29. April 1866, starb in Coalisland, Irland, im Alter von 60 Jahren der Exeget Joseph Dixon. 1852 wurde er Erzbischof von Armagh und Primas von Irland.


29. April
Harry Wu

Vor drei Tagen ist in Honduras im Alter von 79 Jahren der katholische, chinesische Menschenrechtsaktivist Harry Lu gestorben. Sein Leben in China, das von 19 Jahren schlimmer Lagerhaft geprägt war, schilderte er in seinem bewegenden Buch Donner der Nacht.


28. April
Barmherzigkeit: Wer ist ihr authentischer Interpret?

Wie zuvor schon Karl Rahner in den 1950-iger Jahren in einem Aufsatz, der alle wesentlichen, noch heute gültigen Argumente enthält, hat Johannes Paul II. die Situationsethik abgelehnt und in seiner Enzyklika Veritatis Splendor verurteilt. Auch mit diesem Lehrschreiben bricht Amoris Laetitia. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass es Johannes Paul II. war, der sein Pontifikat unter das Thema der göttlichen Barmherzigkeit gestellt hat, ihr seine zweite Enzyklika widmete, in Krakau das Tagebuch der Schwester Faustyna entdeckte und sie später heiligsprach. Er ist ihr authentischer Interpret.

Robert Spaemann im Interview mit Anian Christoph Wimmer von der CNA: “Ein Bruch mit der Lehrtradition" – Robert Spaemann über Amoris Laetitia

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