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* * *

16. Januar
Zur Analyse des Subjektsbegriffs

Von Bronislaw Wladislaus Switalski

Sunt enim et istae plangendae tenebrae,
in quibus me latet facultas mea, quae in me est,
ut animus meus de viribus suis ipse se interrogans
non facile sibi credendum existimet.
S. Aug. Conf. X 32.

Im Erkenntnisakte wird ein erkennendes Subjekt mit dem zu erkennenden Objekt in eine eindeutige allgemeingiltige Beziehung gesetzt; und zwar wird diese Beziehung dadurch allgemeingiltig, das das Subjekt sich bemüht, allseitig und unter Ausschaltung störender Einflüsse über die Gliederung des Objekts und den gesetzmäßigen Zusammenhang seiner Bestandteile sich zu orientieren. Daß zu diesem Zwecke eine Fixierung der zu erforschenden Objekte, eine Heraushebung des Beharrlichen und Gemeinsamen in ihrer stetig wechselnden Mannigfaltigkeit und endlich eine sorgfaltige Bestimmung der Ordnungen erforderlich ist, in die das betrachtete Objekt seinen verschiedenen Seiten nach hineingehört, ist im modernen Wissenschaftsbetriebe allgemein anerkannt. Auch das ist nicht unbekannt, daß das erkennende Subjekt auf selbstgewählten Wegen und mit eigenen Mitteln — „subjektiv" — dem angedeuteten Erkenntnisziele sich zu nähern sucht. Aber diese Tatsache, deren Feststellung der neuzeitlichen Philosophie ihren spezifischen Charakter aufgeprägt hat, ist noch lange nicht in ihrer vollen Tragweite erkannt und gewürdigt. Daher die Mißverständnisse, die immer von neuem bei dem Gebrauche des Subjektivitätsbegriffs mit unterlaufen: auch heute noch wird der Beitrag des Subjekts zum Zustandekommen der Erkenntnis teils unterschätzt, teils ungebührlich übertrieben. Man reflektiert eben nicht zur Genüge über die Bedeutung des Subjekts als eines wichtigen Erkenntnisfaktors. Meist begnügt man sich mit dem Hinweis auf das selbstverständlich erscheinende Ich-Erlebnis: Während die einen dabei nicht im stande sind, das erlebte „Ich", das sie unbedenklich mit dem Erkenntnis-Subjekt identifizieren, von seiner empirischen Ausgestaltung zu sondern, schälen andere, kritischer gesinnt, im Begriff des Erkenntnis-Subjekts sorgfältig die Subjektbestimmtheit, den Charakter des „Sich-Gegenüberstellens" und „Aufeinanderbeziehens" des zu Erkennenden, heraus; sie kommen so zu einem Subjektbegriff, dem als dem „reinen Ich" nichts Empirisches, nichts Konkretes und Individuelles mehr anhaftet. Jene deuten die Mitarbeit des Erkennenden an der Erkenntnis im unklar subjektivistischen Sinne aus: Die nicht weiter analysierte und deshalb keineswegs eindeutig bestimmte Naturausstattung des empirischen Subjekts wird gleichsam als der Käfig betrachtet, in dem wir bei unserem Erkennen eingeschlossen sind, so daß wir zur Erfassung des Nicht-Subjektiven, also zu dem, was das Erkennen eigentlich bezweckt, nicht vordringen können. Diese, die Vertreter des transzendentalen Idealismus, stempeln das „Ich" zum eigentlichen Quell und sozusagen zum schöpferischen Bestimmungsgrund alles Wissens: Das „reine Ich” ist autonom, auf sich selbst gestellt. Alles Andere ist nur „sein" Gegenstand, insofern die konstitutiven Merkmale dieses „Anderen" aus Setzungen des „reinen Ichs" abzuleiten sind. Das Erkenntnisganze, die „Wissenschaft" in idealer Bedeutung, ist das bis ins Einzelne hinein durchsichtige System von Vernunftsetzungen des „Ichs" zum Behufe der einsichtigen Vergegenwärtigung der Erfahrungswirklichkeit als eines vernunftgemäß notwendigen Zusammenhanges.

Man sieht, das „reine Ich" hat mit dem „Ich" der Subjektivisten nichts mehr als den Namen gemein; und doch wird es nur allzuhäufig mit dem empirischen Subjekt zusammengeworfen! Aus dieser Vermengung der Autonomie mit der subjektivistischen Relativität entsteht geradezu ein „gordischer Knoten" erkenntniskritischer Schwierigkeiten: Wie soll sich denn auch die Absolutheit des postulierten „reinen Ichs" und die logische Durchsichtigkeit seiner Setzungen mit der offenkundigen Bedingtheit des empirischen Subjekts und mit dem problematischen Charakter seiner Betätigungen in eins setzen lassen! Sollte es da nicht näher liegen, mit bewußter Ablehnung des auf solche Irrpfade uns führenden Subjektivismus dem extremen Objektivismus zu huldigen und den Beitrag des Subjekts zum Erkenntnisaufbau konsequent zu ignorieren? Der Positivismus ist eine der radikalsten Formen dieser naiv realistischen Interpretation des Erkennens. So verständlich es nun auch ist, daß eine derartige Leugnung aller Subjektivität als Gegengewicht gegen die Irrungen und Wirrungen eines kritiklosen Subjektivismus sich Geltung zu verschaffen sucht, so wenig begründet und berechtigt ist auch dieses Extrem. Um eine allseits befriedigende Lösung des Problems der Subjektivität anzubahnen, muß eben möglichst unbefangen, also ohne jedes polemische Interesse, der Subjektbegriff selbst durch Analyse der in ihm enthaltenen, für die Erkenntnisgewinnung wichtigen Momente geklärt werden. Einen Beitrag zu dieser Klärung soll die vorliegende Studie liefern, indem sie die Begriffspaare: Erkenntnissubjekt und Ichbewußtsein, Bewußtseins-Subjekt und Wirklichkeit, empirisches und absolutes Subjekt vom logischen Gesichtspunkte aus unter Zuhilfenahme psychologischer Erfahrungen genauer zu bestimmen unternimmt.

Wird fortgesetzt


15. Januar
Mein Podcast 2018

Von den 25 Folgen meines Podcasts wurde im Jahr 2018 am seltensten die Episode Fata Morgana angehört, nämlich nur 63 mal. An der zweiter Stelle mit 67 Anhörungen folgt Das Gewissen zwischen Vision und Illusion.


15. Januar
Nicht konservativ, sondern kritisch

Die Philosophie “darf aber auch nicht - wie zum Beispiel in einer bürgerlich orientierten Philosophie - den gerade geltenden Vorstellungen, Vorlieben, Gesetzen oder Ordnungen untergeordnet werden, sondern hat diese kritisch zu prüfen. Insofern ist Spaemann viel radikaler und weit weniger konservativ als Habermas. Wer ihn einfach nur ‘konservativ’ nennt (wie in diesen Tagen oft zu lesen ist), tut ihm Unrecht. Denn er ruft die Möglichkeit eines Denkens in Erinnerung, das jenseits des modernen Gegensatzes von links oder rechts, progressiv oder konservativ liegt.”

Aus: Holger Zaborowski, Ein zeitgenössischer Sokrates. Von der Unbürgerlichkeit der Philosophie. Zum Tod von Robert Spaemann, in: Vatican-Magazin, Januar 2019, S. 14 f.


14. Januar
Das antiutilitaristische Fest

Meine Predigt über die philosophische Botschaft des Festes der Heiligen Familie.


14. Januar
Walter Hoeres

Vor drei Jahren, am 14. Januar 2016, starb im Alter von 87 Jahren der Philosoph Walter Hoeres. Hoeres gab viele Jahre Vorlesungen im Priesterseminar der Petrusbruderschaft in Wigratzbad. Neben seiner umfangreichen philosophischen Publikationstätigkeit engagierte er sich auch leidenschaftlich im kirchlichen Bereich, z.B. durch die Gründung der Bewegung für Papst und Kirche im Jahre 1969. Auf kath-info ist von ihm sein Text über Adorno oder der zweideutige Fortschritt erschienen. Bei Theodor Adorno wurde er 1951 mit einer Arbeit über Husserls Phänomenologie promoviert.


13. Januar
Zwischen Evolutionskritik und Atheismus

Ein Blick auf die Philosophie Thomas Nagels

Von P. Engelbert Recktenwald

“What has gotten into Thomas Nagel? Two philosophers expose the shoddy reasoning of a once-great thinker”, twitterte der Kognitionswissenschaftler Steven Pinker 2012 nach der Veröffentlichung von Nagels Buch Mind and Cosmos [1] und dessem Verriss durch Michael Weisberg und Brian Leiter in The Nation (Ausgabe vom 3. Oktober 2012).

Die Überraschung Pinkers verwundert und offenbart Ignoranz. Denn das Buch des “einst großen Denkers” bringt gegenüber den vorangegangenen Veröffentlichungen weder etwas substantiell Neues noch markiert es eine denkerische Kehrtwendung, sondern zieht das Resumee jahrzehntelangen Denkens, jetzt lediglich die Fragwürdigkeit der schon immer kritisierten, im Untertitel genannten Weltanschauung fokussierend.

Trotz seiner Kritik am Naturalismus und Darwinismus ist Nagel Atheist. Warum? Und was ist von seinen Gründen zu halten? Da Nagel ein Philosoph ist, den man auch dort, wo man ihm nicht folgen kann, mit Gewinn und Genuss liest, halte ich es für lohnenswert, diesen Fragen nachzugehen.

Nagels Kritik des Reduktionismus und des Darwinismus

Thomas Nagels Lebensthema ist das Problem der Vermittlung von subjektiver Innen- und objektiver Außenperspektive. In subjektiver Perspektive sind mir Erfahrungen wie Bewusstsein, Gefühle, Denken, logische und mathematische Gesetze, Freiheit, Verantwortung, Normen, Werte und vieles mehr gegeben, die in der objektiven Perspektive wissenschaftlicher Vernunft verschwinden oder zu verschwinden drohen. In der Außenperspektive ist der Mensch ein Lebewesen, ein Organismus und damit ein Stück Natur, das wie jeder andere Teil der Natur den Naturgesetzen unterworfen ist. Was z.B. in subjektiver Perspektive als (freie, verantwortliche) Handlung erscheint, wird in der objektivierenden Außenperspektive zu einem (determinierten) Naturvorgang, dem man es nicht ansieht, dass er etwas anderes sein soll als jedes andere durch Naturgesetze und die Konstellation der Ausgangsbedingungen unzweideutig festgelegte Ereignis. Schon in seinem berühmt gewordenen Aufsatz What Is It Like to Be a Bat? [2] verteidigt Nagel das Recht der subjektiven Perspektive gegen jeden Ausschließlichkeitsanspruch der Außenperspektive. Keine noch so gründliche und fortgeschrittene wissenschaftliche Analyse der organischen und neurologischen Vorgänge, die etwa mit der Funktion des Fledermaus-Echolots verbunden sind, wird mir jemals die fehlende Erfahrung dieser Art von Orientierung ersetzen können, die allein mir zeigen könnte, wie es ist, eine Fledermaus zu sein. Ich kann diese Erfahrung nicht in die Sprache der Naturwissenschaft übersetzen. Das bedeutet umgekehrt, dass jede naturwissenschaftliche Beschreibung der Welt notwendigerweise unvollständig bleibt. “Es ist sinnlos, die Verteidigung des Materialismus auf eine Analyse geistiger Phänomene zu gründen, die es versäumt, sich explizit mit deren subjektivem Charakter zu befassen” (S. 376) Dieses Verdikt Nagels ist auf den weitverbreiteten Reduktionismus in der Geistphilosophie gemünzt, der glaubt, Bewußtseinsinhalte auf Gehirnvorgänge reduzieren zu können, und damit die subjektive Erfahrung als Erfahrung außen vor sein lässt - und damit auch alles, was mir nur in solcher Erfahrung zugänglich ist, wie etwa das Kantische Faktum der Vernunft.

Die Reduktion der Gesamtwirklichkeit auf Naturtatsachen ist das Projekt des Naturalismus. Der Naturalismus als philosophisches Programm ist die Kapitulation der Philosophie vor den Naturwissenschaften. Er macht aus der Not eine Tugend. Die Not ist die methodische Selbstbeschränkung der Naturwissenschaften. Die den Naturwissenschaften eigenen Methoden bedeuten eo ipso eine Einschränkung ihres Radius auf den zu ihnen passenden Teil der Wirklichkeit. Aus dieser Selbstbeschränkung macht der Naturalismus eine Allherrschaft, indem er die Existenz jeder Wirklichkeit jenseits jenes Radius’ leugnet. Aus dem Kapitulanten wird ein Steigbügelhalter für den Aufstieg der Naturwissenschaft zur universalen Erkenntnis- und Deutungsinstanz allen realen Seins. Den Geisteswissenschaften bleibt dann folglich etwa in der Auffassung des Biologen Ulrich Kutschera nur noch die Rolle von Verbalwissenschaften, die es mit Worten, aber nicht mit der Realität zu tun haben. Eine Schlüsselrolle kommt der Evolutionstheorie zu. Die Naturwissenschaften erklären das Sosein aller Dinge, mit Hilfe der Evolutionstheorie erklären sie ihr Gewordensein. Jede konkurrierende Erklärung wird entweder ihrerseits evolutionstheoretisch vereinnahmt oder als irrational zur Seite geschoben. So ist es nicht verwunderlich, dass Nagel von einem darwinistischen Imperialismus spricht [3].

Wie sehr die Philosophie Nagels von dem Bestreben durchzogen ist, diesen Imperialismus in die Schranken zu weisen, zeigt ein Blick in seine Werke, von denen wir hier nur zwei herausgreifen wollen: The Last Word [3] und The View from Nowhere [4], das als sein Hauptwerk gelten kann. In diesem widmet er ein eigenes Kapitel den evolutionären Epistemologien. Er nähert sich ihnen aus der Perspektive der Fragestellung nach den Möglichkeiten der Bedingung nicht nur der Erfahrung, sondern der Vernunft überhaupt als Fähigkeit zur Objektivität, also zur Einnahme der objektivierenden Außenperspektive (genauer: zum nie abzuschließenden Fortschritt solchen Einnahmeprozesses). “Im Grunde ist unsere Fähigkeit zur Objektivität ein großes Geheimnis” (S. 137), dessen Erklärung wir noch nicht gefunden haben; und solange dies der Fall ist, können wir nicht einmal entscheiden, wie weit wir den Skeptizismus jemals überwinden können. In diesem Zusammenhang weist er darwinistische Erklärungen als haltlose Spekulationen zurück: “Gehaltloses Herumfuchteln mit evolutionären Thesen ist ein weiteres Beispiel für die Tendenz, eine Theorie, die anderswo erfolgreich war, heranzuziehen, um sie auf etwas anzuwenden, das man gerade nicht versteht - oder vielmehr wendet man diese Theorie nicht eigentlich an, sondern stellt sich ihre Anwendung bloß vage vor. Auch dieser Versuch ist ein Beleg für den allgegenwärtigen reduktionistischen Naturalismus unserer Kultur” (S. 137). Die darwinistische Erklärung der Vernunft mithilfe des Selektionsvorteils, den Erkenntnis bietet, setzt nicht nur das faktische Gewordensein bereits voraus, sondern berührt nicht einmal die grundsätzliche Frage, wie Erkenntnis überhaupt möglich ist und deshalb auch nicht die, wie sie möglich geworden ist. “Die Möglichkeit von erkennenden Wesen, die sich stufenweise immer objektivere Realitätsbeschreibungen bilden, gehört also nicht zu dem hinzu, was die Theorie der natürlichen Selektion zu erklären suchen kann, da eine solche Theorie nicht Möglichkeiten als solche erklärt, sondern immer nur die Selektion aus einem vorgegebenen Bereich von Möglichkeiten” (S. 138).

Anmerkungen

[1] Mind and Cosmos. Why the Materialist Neo-Darwinian Conception of Nature Is Almost Certainly False, Oxford University Press 2012 (deutsch: Geist und Kosmos. Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist, Berlin: Suhrkamp 2013).

[2] What Is It Like to Be a Bat?, in: Philosophical Review 1974, dt.: Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? in: Douglas R. Hofstadter/Daniel C. Dennett, Einsicht ins Ich, Stuttgart 1981, S. 375-388.

[3] Das letzte Wort, Stuttgart: Reclam, 1999, S. 194; engl. Original: The Last Word, New York/Oxford: Oxford University Press, 1997.

[4] The View from Nowhere, New York / Oxford: Oxford University Press, 1986; dt.: Der Blick von nirgendwo, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992.

Dieser Text erschien zuerst in AEMAET

wird fortgesetzt


12. Januar
Gut oder böse?

Eine Predigt von mir zum morgigen Fest der heiligen Familie.


12. Januar
Die Identität der Kirche

Jesus hat die katholische Kirche begründet, es ist seine Kirche. Und die ist zurzeit in großer Unordnung. Die Kirche hatte immer Probleme, von Anfang an. Aber wie Stevie Wonder bei der Beerdigung von Aretha Franklin gesagt hat: „Only Love will save us.“ (engl. „Nur die Liebe wird uns retten“, Anm. d. Red.) Nur die Liebe macht die Kirche zu dem, was sie eigentlich sein soll. Denn sie gießt Liebe aus. Das ist ihre Mission, ihre Identität, ihre Realität. Jesus hat die Kirche gegründet und Jesus ist Gott und Gott ist Liebe.

Der Franziskaner Stan Fortuna im Interview mit der Tagespost, Ausgabe vom 10. Januar 2019.


11. Januar
Mein Podcast 2018

Von den 25 Folgen meines Podcasts wurde im Jahr 2018 am häufigsten angehört die Episode Facetten der Liebe, nämlich 2743 mal. An der zweiter Stelle mit 2288 Anhörungen folgt Die geschändete Barmherzigkeit.


11. Januar
Franz Xaver Seelos

Vor 200 Jahren, am 11. Januar 1819, wurde in Füssen der selige Franz Xaver Seelos geboren. Er trat in die Kongregation der Redemptoristen ein und wurde 1844 in den USA zum Priester geweiht. Er wirkte u.a. als Kaplan des hl. Johannes Neumann und später vor allem als ungemein erfolgreicher Prediger von Volksmissionen. Am 5. Oktober 1867 starb er in New Orleans, am 9. April 2000 wurde er seliggesprochen.


10. Januar
Das Argumentationspotenzial der Langeweile

Von P. Engelbert Recktenwald

Manchmal hört man die Meinung, eine Welt mit lauter guten Menschen müsste, wenn es sie gäbe, eine langweilige Welt sein. Das Gute wird als langweilig, das Böse als spannend und interessant hingestellt. So hörte ich es beispielsweise wieder kürzlich in der an sich sympathischen Sendereihe “Das philosophische Radio” des WDR5: Auf die entsprechende Frage meinte der als Studiogast eingeladene Philosoph, dass wir uns doch einig seien, nicht in einer solchen Welt leben zu wollen, nämlich in einer Welt, in der alle Menschen die Gebote Gottes halten, in einem “Reich der Tugend”, das Kant als Ideal vorschwebte, in dem die Menschen autonom, aus innerer Überzeugung, das Gute tun. Das ist, wie der Interviewpartner in seiner Frage formulierte, eine Welt “ohne Brüche, ohne die moralischen Risse.” Mit anderen Worten: Erst durch “die moralischen Risse” wird eine Welt interessant und lebenswert.

Davon mag man überzeugt sein, solange man selber von diesen Rissen nicht betroffen ist, also nicht selber Opfer von Betrug, Vergewaltigung oder anderen Verbrechen wird, in denen Menschen das Gute eben nicht tun, sondern das Böse wählen. Angesichts der Opfer des Unrechts läuft es auf Zynismus hinaus, eine Welt des Guten als langweilig hinzustellen, weil in ihr das Unrecht fehlt.

Dennoch verdient jene Äußerung eine tiefere Erwägung, denn sie stammt ja nicht von Menschen, die das Böse verherrlichen wollen. Würde man dieselben mit der eben gezogenen Konsequenz konfrontieren, wiesen sie sie weit von sich: So hätten sie das nicht gemeint. Die Opfer von Unrecht zu verhöhnen, davon seien sie weit entfernt.

Gibt es also ein Körnchen Wahrheit, einen legitimen Sinn hinter dieser Tendenz, eine Welt des Guten, ein Reich der Tugend als langweilig zu empfinden?

Der hl. Thomas von Aquin schreibt, dass es gewisse Güter nur geben kann, wenn es auch gewisse Übel gibt. Und er hat Recht. Heldenhafte Standhaftigkeit kann es nur geben, wenn es auch Verfolgung gibt. Vergebung und Versöhnung kann es nur geben, wenn es auch Streit, Verletzung und Ungerechtigkeiten gibt. Sofort erkennen wir nun den wahren Kern, das legitime Anliegen hinter jener Tendenz: Jeder Mensch, der großherzig nach dem Guten strebt, liebt die sittliche Bewährung. Freundschaft zeigt sich in der Not, Liebe im Opfer und im Verzeihen, Treue in der Versuchung. Das Heldentum des Martyriums kann es nur geben, wenn es auch grausame Verfolgung gibt. Erst im geistlichen Kampf wird die Tugend kostbar. Das Gute, das uns in den Schoß fällt, das uns nichts kostet, entbehrt dieser besonderen Kostbarkeit. Der großherzig nach dem Guten Strebende will als Sieger aus Kämpfen und Versuchungen hervorgehen. Er will seine Liebe zu Gott oder zum geliebten Menschen unter Beweis stellen, indem er Widerstände überwindet. Diese Widerstände gegen das Gute, an denen das Gute wächst, sind jene moralischen Risse, die legitimerweise auf eine bestimmte Weise befürwortet werden können: nicht in sich, denn das Böse darf niemals in sich gewollt werden, sondern in ihrer Rolle und Funktion zur Ermöglichung einer Art von moralischer Güte, die sonst nicht verwirklicht werden könnte. Kurz: Es gibt moralische Güter, die nur in der sittlichen Bewährung angesichts des Bösen möglich sind.

Unversehens haben wir aber damit die Wahrheit einer bestimmten Strategie der Theodizee anerkannt. Thomas von Aquin bringt den geschilderten Gedanken im Rahmen seiner Frage, warum Gott das Böse zulässt. Die Antwort haben wir gerade gehört. Damit wendet sich das Argument der Langeweile gegen die Gottesankläger. Um den Ansprüchen derer, die die Eingangsmeinung teilen, zu genügen, ist Gott geradezu verpflichtet, das Böse zuzulassen: damit es ihnen in der Welt nicht langweilig wird. Muss sich zum Schluss Gott gar noch dafür rechtfertigen, dass es den Himmel gibt, in dem alle moralischen Risse fehlen?

Dieser Artikel erschien im Juni 2017 in der Tagespost.

Sie können ihn auch hören.


9. Januar
Gelungenes Debüt

Eine Rezension von Uwe Postl

Andreas Wollbold, Felapton oder Das letzte Glück, Freiburg/München: Verlag Karl Alber 2018

Logic is not necessarily an instrument for finding truth;
on the contrary, truth is necessarily an instrument for using logic —
for using it, that is, for the discovery of further truth...
Briefly, you can only find truth with logic
if you have already found truth without it.
G. K. Chesterton

Fünf leblos aufgefundene Jünglinge. „Das Lächeln ruhte auf ihnen, unvergänglich gemacht durch den Tod“. Eine Photographie bannt den Nachhall ihres allerletzten Glückes im zeitlichen Wortsinne. Unfall, Mord oder gar ritueller Freitod - was führte zum plötzlichen Ableben der jungen Männer? Robert Schönherr, Gründer und Spiritus Rektor der kleinen klösterlichen Gemeinschaft, der die fünf mysteriös Verstorbenen angehörten, ist spurlos verschwunden. Hat er mit dem Unglück zu tun? Diese Fragen entfachen Jagdfieber. Stilles Faszinosum letzter Dinge und geschäftige, mitunter rastlose Betriebsamkeit, sind von Anfang an Antipoden in Andreas Wollbolds Debütroman.

Reporter der Yellow Press erheischen schrille Schlagzeilen um finsteres Treiben im Dunstkreis der Kirche; unengagiert routiniert der Kommissar; er ermittelt kontrastierend in Grauzonen der Sachverhalte, fragt anfangs jedoch vergebens gegen ordensschwesterliche Schweigegelübde an; Jens Deschwitz, Photograph des rätselhaft anrührenden Leichenbildes schnüffelt nach Hintergründen im akademischen Milieu und wird dort der Studentin Julia Obersieder ansichtig; das kann nicht folgenlos bleiben, denn marmorne Treppen dulden selbst in einem Institut für logische Grundlagenforschung nichts Flüchtiges; sogleich finden die beiden zusammen, sich wie beiläufig auserkoren wähnend, fortan die Guten im Plot zu sein. Ein Hauch von Abenteuer und Detektivfilm beflügelt die eher melancholisch beschwerte junge Frau sowie den ernüchtert vierschrötigen Jens. Gelegentlich gelingt es den beiden beinahe, im anderen erotisches Knistern zu entfachen. Ihre Recherchen dagegen werden konkret und kommen anderen in die Quere, das odd couple gerät selbst in Visiere. Nicht nur den akademischen Karrieristen Frederik Brescher stört die Wahrheit, verdankt er doch seinen Ruhm einem zwar echten aber verschwiegenen alten Schotten; unter anderem dem kam der nun allseits gesuchte ehemalige Exzellenzlogiker Schönherr auf die Schliche; der setzt sich nun ins Ausland ab, man bleibt ihm auf den Fersen, wenige in guten, andere in sehr schlechten Absichten. Weitere klandestine Player gesellen sich auf das Spielfeld. Viele Rechnungen scheinen offen, zügig entwickelt sich ein weitverzweigter Plot; wer ihm ganz folgen möchte, dem sei kontinuierliche Lektüre empfohlen. Doch weglegen wird man „Felapton“ ohnehin kaum lange, weiß der Autor doch den Spannungsbogen der Handlung über die 400 Seiten hoch zu halten auf einen dramatischen Showdown hin. Das Genre mäandert dabei bitte recht frei zwischen Krimi, Thriller und Roadmovie.

Die einzelnen Kapitel indes lassen dem Detail Raum und der Betrachtung Muße. Die Grundperspektive führt den Leser nahe an die je agierenden Personen heran, weist ihm aber einen Platz ein paar Tische im Café oder Sitzreihen in Bus oder Kino oder Kirchenbänke und Wegbiegungen weiter an, gebührender Abstand wird gewährt. In etlichen der Episoden, eingehegt von moritatenhaften Überschriften, erweist sich Wollbold als Könner des Atmosphärischen, visuelle Stringenz läßt im Auge des Betrachters Filmszenen entstehen. Und plastisch konkret werden...
weiterlesen


8. Januar
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Das Zitat aus dem Plädoyer des ehemaligen Naturalisten Holm Tetens für Eine Chance für die Metaphysik findet sich bei Peter Wusts Rückkehr der Philosophie zum Objekt. Meine Osterpredigt Brannte nicht unser Herz? ist auf der Emmaus-Seite, mein Podcast über das Verhältnis von biblischem Kindesideal und Kritik auf der entsprechenden Textseite eingebettet.


8. Januar
Richard John Neuhaus

Vor zehn Jahren, am 8. Januar 2009, starb in New York im Alter von 72 Jahren der amerikanische Priester, Konvertit und Publizist Richard John Neuhaus. Er war Gründer der Zeitschrift First Things.


7. Januar
Meine Predigten 2018

2018 war von 85 Predigten, die ich auf Soundcloud veröffentlicht habe, die Predigt zum Fest der heiligen Familie Ist der Mensch gut oder böse? die meistgehörte: 526 mal wurde sie angehört. An zweiter Stelle folgt mit 230 Anhörungen die Predigt zum 19. Sonntag nach Pfingsten Gebt dem Teufel nicht Raum! Die meisten Likes, nämlich neun, bekam die Predigt zum 20. Sonntag nach Pfingsten Maria: nicht Vorzimmerdame, sondern unser Coach.


7. Januar
Katharina von Cardona

Vor 500 Jahren wurde in Neapel Katharina von Cardona geboren. Sie stammte aus dem königlichen Geschlecht von Aragón, übte aber am spanischen Hof strengste Buße. 1562 zog sie sich in die Einsamkeit zurück, zunächst in Andalusien, dann in Guadalajara. Sie besaß die Charismen der Krankenheilung und der Prophezeiung. Von der hl. Theresa von Avila wurde sie sehr geschätzt. Am 11. Mai 1577 starb sie in Pastrana.


6. Januar
Das Zitat

Wenn sich das Christentum in unserer Zeit vor allem durch die 'Kunst des Gebetes' auszeichnen soll, wie könnte man dann nicht ein erneuertes Verlangen spüren, lange im geistlichen Zwiegespräch, in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus zu verweilen, der im Allerheiligsten gegenwärtig ist? Wie oft, meine lieben Brüder und Schwestern, habe ich diese Erfahrung gemacht, und daraus Kraft, Trost und Stärkung geschöpft!

Hl. Johannes-Paul II., Enzyklika "Ecclesia de Eucharistia" vom 17. April 2003, Nr. 25.


6. Januar
Georges Salleron

Vor einem Jahr, am 7. Januar 2018, starb im Alter von 75 Jahren P. Georges Salleron FSSP, ein Sohn des Schriftstellers und Mitbegründers der Zeitschrift Itinéraires Louis Salleron (1905-1992). 1965 trat Georges Salleron in den Karmel ein, schloss sich aber 1970, im Gründungsjahr, der Priesterbruderschaft St. Pius X. an. 1972 empfing er von Erzbischof Marcel Lefebvre die Priesterweihe und wurde in der Diözese La Réunion inkardiniert. Damals war die Piusbruderschaft noch anerkannt, hatte aber kein Inkardinationsrecht. 1976, nach der Suspension des Erzbischofs und nach dessen öffentlicher hl. Messe und Predigt in Lille am 4. August 1976, die viel Aufmerksamkeit erregte wegen des entschlossenen Widerstands des Erzbischofs gegen die ihn verhängten Maßnahmen, verließ Salleron die Piusbruderschaft und wirkte als Priester in der Nähe von Le Mans. 1989 schloss er sich der im Jahr zuvor gegründeten Priesterpruderschaft St. Petrus an. Im Internationalen Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad gab er regelmäßig Vorlesungen in Theologie und Philosophie.


5. Januar
Brandmüller: Leidenschaft für die Wahrheit

Kardinal Walter Brandmüller wird heute 90 Jahre alt. Dr. Thorsten Paprotny würdigt ihn auf CNA u.a. als Intellektuellen und wortmächtigen Zeugen, der sich auch mit Jürgen Habermas auseinandergesetzt habe: “Mit Ingo Langner führte Kardinal Walter Brandmüller 2010 ein Gespräch über den Atheismus, in dem er auf den Frankfurter Philosophen zu sprechen kommt: ‘Denkende Ungläubige wie Jürgen Habermas haben inzwischen erkannt, dass Religion eine menschliche Grundkonstante ist und absolut nichts mit mangelnder Aufklärung zu tun hat.’ Ebenso anerkennt er dessen ‘gewisse Skepsis gegenüber einer allzu selbstsicheren – also unaufgeklärten – Aufklärung’. Brandmüller aber kritisiert Habermas’ Ausweichen vor der Wahrheitsfrage. Interessanterweise korrespondiert dies mit dem jüngst vorgelegten Beitrag Recktenwalds, der präzise ‘Das Dilemma der nachmetaphysischen Vernunft’ vorstellt”, nämlich in der Zeitschrift "Theologie und Philosophie" (3/2018).


4. Januar
Monatsranking Dezember 2018

Platz Monatsranking Dezember 2018
Ausschnitt aus der Platzbelegung
von über 650 Seiten
Verän-derung ggü. dem Vormonat
1

Das Bild von Guadalupe: Der wissenschaftliche Befund

+ 5
2

Spaemann: Wer hat wofür Verantwortung?

- 1
3

Die Haltung der Kirche zur Homosexualität

+/- 0
10

Recktenwald: Tolkiens christliche Botschaft

+ 1
20

Kamenicky: Die auf dich warten

+ 3
30

Hl. Alfons: Gebete für eine gute Todesstunde

- 13
40

Spaemann: Wiederverheiratete Geschiedene

+ 148
50

Bernward Deneke: Verblendungszusammenhänge

+ 593
60

Papst Franziskus und die Frage: Sind alle Menschen Kinder Gottes?

+ 3
100

Die Vision der Juliana von Norwich: “Alles wird gut"

- 39

Zum Ranking der Vormonate


2. Januar
Die Liebe auf Englisch

Meinen Artikel über die Liebe als Schlüssel zur Erkenntnis gibt es jetzt auch in englischer Übersetzung:

Amongst those who take their convictions seriously, a person’s picture of God inevitably forms his picture of man and his own spirituality. For the ancient Greeks, wisdom was the highest ideal. According to Aristotle, God was the “thinking of thinking” and the perfection of man consisted in the “theoria”, the vision of truth. In Islam it is power which takes... weiterlesen


2. Januar
Totalausfall

Paul VI. versuchte mit seiner Enzyklika "Humanae Vitae", veröffentlicht im schicksalshaften Jahr 1968, noch einen Pflock einzuschlagen, um das Schiff der Kirche daran festzubinden. Nach ihm setzte Johannes Paul II. alles daran, mit einer Fülle von Lehrschreiben und der tiefschürfenden Theologie des Leibes die Schönheit von Sexualität, Ehe und Familie im Plan Gottes aufleuchten zu lassen – aber vergeblich. Der Glanz der Wahrheit hatte keine Macht mehr, die Strukturen der Sünde in der Kirche aufzubrechen. Sie hatten sich bereits so festgesetzt, dass sie die Transmission der päpstlichen Lehre bis hinein in die theologischen Fakultäten, Priesterseminare, Religionsunterricht und Gemeinden systematisch verhindern konnten. Verkündigung der kirchlichen Lehre über Sexualität – ein Totalausfall seit den siebziger Jahren.

Aus einem Auszug aus dem Buch von Gabriele Kuby Missbrauch - Euer Herz lasse sich nicht verwirren, veröffentlicht in der Tagespost vom 6. Dezember 2018. Das Buch erschien mit einem Vorwort von Kardinal Gerhard Ludwig Müller im fe-medien-Verlag.


1. Januar
Facetten der Liebe

Von P. Engelbert Recktenwald

Zweiter Teil

“Es gibt auch eine Liebe zu Gott, die so weit geht, dass sie sich wünscht, von Ihm nicht nur bedürfnislos, sondern sehnsuchtsvoll geliebt zu werden. Der Gottliebende möchte hören, dass er dem Geliebten teuer ist, und genau darauf antwortet Gott: “Weil du teuer bist in meinen Augen” (Is 43,4). Er möchte, so wie er sich selber nach Gott sehnt, Gegenstand göttlicher Sehnsucht sein, nicht bloß Ziel interesseloser Wohltätigkeit. Gerade diese Symmetrie der sehnsuchtsvollen Liebe ist es, was die Besonderheit des biblischen Bildes der göttlichen Brautschaft ausmacht.

In jedem menschlichen Herzen gibt es einen Leerraum, den nur Gott ausfüllen kann. S. Eldredge stellt unter Verwendung dieses Wortes von George MacDonald die Symmetrie her, indem sie meint, “dass es auch in Gottes Herz einen Raum gibt, den nur wir ausfüllen können” (in Weißt du nicht, wie schön du bist?) Eng mit diesem Gedanken ist die Idee der Individualität dieser Liebe verbunden. Wenn ich es bin, den Gott mit dieser Liebe liebt, dann kann die Liebe, die er von mir erwartet, durch keine andere ersetzt werden. So wenig, wie Gottes Liebe eine abstrakte Menschheitsliebe ist, genau so wenig erwartet er bloß ein bestimmtes Quantum an gesammelter Menschheitsliebe, so wie sich ein Star über die Menge der Fanpost freut. Vielmehr liebt Gott jeden Menschen mit einer Liebe, mit der wir jeweils nur einen Menschen lieben können. Er liebt jeden Einzelnen so individuell, dass ihn über das Ausbleiben der Gegenliebe dieses einen Menschen keine andere Liebe, die er empfängt, vollständig hinwegtrösten kann. Mit anderen Worten: Jeder Mensch spielt in den Augen Gottes eine unersetzbare Rolle.

In ihrem Tagebuch Er und ich lässt die Mystikerin Gabriele Bossis Jesus sprechen: “Jede Seele liebt auf ihre Art. Beraube mich nicht der deinen. Ich verwechsle nichts. Ich koste eure besonderen Eigenarten. Seit Anfang der Welt gleicht keine Seele der anderen.” Spaemann drückt es so aus: “Der Einzigartigkeit jeder einzelnen Person kann niemand gerecht werden außer Gott. ‘Nur für Gott ist jeder von uns unersetzlich’, schreibt wiederum Dávila. Nur für Gott verschwindet der Einzelne nicht in der großen Menge”.

Wenn Gott meine Liebe kostet, dann ist dies die Erfüllung meiner Sehnsucht, dass meine Liebe etwas zu seiner Freude beiträgt. Umgekehrt kann Gott der Liebe beraubt werden. Die Mystikerin Mechthild von Hackeborn vernahm von Gott die Worte: “Kein Ding freut mich so sehr als des Menschen Herz, das ich doch selten zu Dienst gewinne. An allen Gütern bin ich überreich, ausgenommen am Herz des Menschen, das mir so oft entgleitet” (Das Buch vom strömenden Lob).

Natürlich bleibt die Wahrheit, dass Gott bedürfnislos ist, bestehen. Dennoch muss es in seiner Liebe ein Äquivalent jener der Liebe eigenen Bedürftigkeit geben, das unser beschriebenes Verlangen nach solcher Liebe erfüllt. Wir können uns von der Liebe Gottes wegen ihrer Unendlichkeit keine adäquate Vorstellung machen. Aber wir können davon ausgehen, dass die Vorstellung einer bedürftigen Liebe der Wahrheit näherkommt als die alternative Vorstellung einer von unserer Liebe unberührbaren Liebe in Gott.

Von der Kirche scheint diese Auffassung nun bestätigt zu sein: Spaemann weist darauf hin, dass Papst Benedikt in seiner Enzyklika Deus caritas est Gott den amor concupiscentiae zuschreibt: “Gott erscheint bei den Propheten als eifersüchtiger Liebhaber seiner Braut, des Volkes Israel. Und in der Inkarnation begibt sich Gott sogar in die Lage dessen, der der Liebe andere bedürftig und auf sie angewiesen ist.”

Benedikt verwendet die Begriffe Eros und Agape. Wenn er Gottes Liebe als Eros bezeichnet, dann stellt er sie dem aristotelischen Gottesbild entgegen, demgemäß die göttliche Macht “zwar für alles Seiende Gegenstand des Begehrens und der Liebe” ist, “aber sie selbst ist unbedürftig und liebt nicht.” Gleichzeitig ist in Gott der Eros ganz und gar Agape, weil er grundlos schenkende und sogar verzeihende Liebe ist.

Man könnte sagen: Eros ist Gottes Liebe, insofern sie in unserer Liebe ihr Glück findet. Agape ist sie, insofern sie von sich aus ganz und gar auf unser Glück, nicht auf das eigene, aus ist. Diese Einheit von Eros und Agape findet in der geschöpflichen Liebe ihr Gegenstück. Spaemann führt die Definition von Leibniz für die Liebe an: delectatio in felicitate alterius, Freude am Glück des anderen. Auf den ersten Blick scheint uns der Mensch so wenig zu dieser reinen Agape fähig zu sein wie Gott zum amor concupiscentiae. Kann der Mensch jemals von seiner Bedürftigkeit und dem Verlangen nach seinem eigenen Glück absehen? Der sel. Charles de Foucauld konnte es. In seinen Aufzeichnungen kehrt der Gedanke immer wieder, dass das Glück Jesu es ist, was ihn am meisten glücklich macht und über alles andere hinwegtröstet. “Wenn Du leidest” schreibt er an seine Schwester, “dann denke an Sein Glück; sage Dir, dass Du Sein Glück willst und nicht das Deine, dass Du Ihn liebst, nicht Dich selbst. Und im Innersten Deiner Trübsal (...) freue Dich über Sein unendliches und unwandelbares Glück ...”

Die wohlwollende Liebe will das Glück des Geliebten, aber sie will es nicht bedingungslos. Das Einzige, was sie bedingungslos will, ist seine Glückswürdigkeit. Nur unter dieser Bedingung wird auch sein Glück gewollt. Mit anderen Worten: Gott will die Heiligung des Menschen. Wollte er dessen Glück bedingungslos, gäbe es keine Verdammnis. Erst indem der Mensch gut wird, wird er glückswürdig. Der Zusammenhang zwischen sittlicher Gutheit und Glück ist ein wesensnotwendiger und kein solcher, der erst durch den positiven Willen Gottes gestiftet wäre. Mit anderen Worten: Gott kann das Glück eines bösen Menschen nicht anders wollen als unter der Bedingung seiner Bekehrung. So ist also Jesu Aufruf zu unserer Bekehrung ein Ausdruck seiner Liebe, unsere Akzeptanz durch ihn die Folge davon, dass seine Liebe erfolgreich war.

Zum ersten Teil

Diesen Text kann man auch auf meinem Podcast hören.


31. Dezember
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Meine Predigt über die berühmte kleine Weile vom 3. Sonntag nach Ostern habe ich auf der Heiligkeitsseite eingebettet, den Podcast über die Liebesethik auf der Seite mit seinem Text. Die Katholikentagskritik von Regina Einig Nur nicht ängstlich sein finden Sie auf der Seite zu den gesammelten Katholikentagsbeobachtungen.


31. Dezember
Nicolas-Sylvestre Bergier

Vor 300 Jahren, am 31. Dezember 1718, wurde in Darney (zwischen Straßburg und Dijon) der Theologe Nicolas-Sylvestre Bergier geboren. Er war einer der bedeutendsten Apologeten des 18. Jahrhunderts. Er verteidigte den Glauben gegen Voltaire, Holbach u.a. “Obschon an wissenschaftlicher Kraft und Bedeutung seinen Gegnern überlegen, vermochte er doch deren zerstörendem Einfluß wegen der damaligen revolutionären Zeitströmung nicht ausgiebig entgegenzuwirken” (LThK, 1. Auflage). Sein Hauptwerk, das auch ins Deutsche übersetzt wurde, ist der zwölfbändige Traité historique et dogmatique de la vraie religion. Bergier starb am 9. April 1790 in Verailles.


30. Dezember
Du bist der Mittelpunkt seiner Liebe

Meine Predigt von heute


30. Dezember
Michel Menot

Vor 500 Jahren, am 30. Dezember 1518, starb in Chartres im Alter von etwa 78 Jahren der Prediger Michel Menot OFMConv. Seine Predigten waren “volkstümlich packend, derb, anschaulich mit vielen treffenden französischen und lateinischen Sprichwörtern durchsetzt im damaligen Zeitgeschmack; sie wurden später einseitig und überstreng kritisiert, während seine Zeitgenossen ihn ‘os aureum’ nannten” (LThK, 1. Auflage).


29. Dezember
Tiefstes Schweigen hielt alles umfangen

Eine Predigt zum Sonntag in der Weihnachtsoktav.


29. Dezember
Das Zitat

Gottes Liebe ist wie ein Schiff, das seit Jahrtausenden durch die Welt fuhr, bis es an der Krippe von Bethlehem Anker warf.

Johannes Tauler


27. Dezember
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Meine Predigt über die doppelte Auferstehung ist auf der Emmaus-Seite, jene über die göttliche Logik der Liebe auf der Schlüssel-Seite eingebettet, der Podcast über Maria im Heilsplan Gottes auf der einschlägigen Seite.


27. Dezember
Gegen totalitäre Zumutungen

Das Absolute, so war er [Spaemann] überzeugt, biete den einzigen zuverlässigen Schutz gegen die Zumutungen totalitärer Herrschaft. Unter Linksliberalen machte sich Spaemann zudem wenig Freunde, indem er das permanente Hinterfragenmüssen geißelte: „In einem Zeitalter, das im Wesentlichen bestimmt ist durch Kritik und in dem Affirmation fast ein Schimpfwort geworden ist, wendet sich meine kritische Mentalität gegen die Kritik als herrschende Daseinsform.“

Aus dem Nachruf Die Taube in der Hand von Gregor Dotzauer im Tagesspiegel vom 11. Dezember.


26. Dezember
Max Thürkauf

Vor 25 Jahren, am 26. Dezember 1993, starb in Weil am Rhein im Alter von 68 Jahren der Naturwissenschaftler Max Thürkauf. Katholisch getauft, verlor er bald den Glauben an Gott, hielt die naturwissenschaftliche Erkenntnis für die einzig mögliche und trat aus der Kirche aus. Sein Damaskuserlebnis war die Zündung der französischen Plutoniumbombe in der Sahara, deren Entwicklung durch die Gewinnung von schwerem Wasser möglich wurde. Thürkauf aber war der Miterfinder einer Anlage zur Gewinnung von schwerem Wasser. Ihm wurde klar, dass es keine wertfreie Wissenschaft gibt. Konsequentes Nachdenken führte ihn dann 1981 in die katholische Kirche zurück. Darüber schrieb er einmal: “In meinem 56. Lebensjahr empfing ich aus der Hand dieses Priesters nach dreieinhalb Jahrzehnten zum ersten mal wieder das eucharistische Sakrament. Der Geschmack der Hostie versetzte mich in die Welt meiner Kindheit zurück, und die Sekunden standen still: Der Tag meiner Erstkommunion wurde Gegenwart, die Zeit versank im Meer der Ewigkeit. Ich dankte meinen verstorbenen Eltern für meine Erziehung und bat sie um Verzeihung für den Hochmut meiner Jugend und die Schmerzen, die ich ihnen durch diese Sünde bereitet hatte. Das Geheimnis der Gnade ist unergründlich, aber sie wird allen gewährt, die sich um Gott bemühen.”


26. Dezember
Frédéric Janssoone

Vor 150 Jahren, am 26. Dezember 1868, legte der Franziskaner Frédéric Janssoone (1838-1916) seine ewige Profess ab. Er stammte aus Ghyvelde bei Lille, wurde 1870 zum Priester geweiht, kam 1878 nach Palästina und 1888 nach Kanada, wo er unter anderem das Marienheiligtum Notre-Dame du Cap betreute. Er war befreundet mit dem hl. André Bessette CSC (1845-1937). Am 25. September 1988 wurde er seliggesprochen.


25. Dezember
Die DNA des Christentums

Meine Predigt von heute zum Geheimnis der Menschwerdung.


25. Dezember
Das eucharistische Wunder von Liegnitz

Vor fünf Jahren, am 25. Dezember 2013, ereignete sich das eucharistische Wunder von Liegnitz (Legnica), das vom Heiligen Stuhl anerkannt wurde.


25. Dezember
Der Gammablitz von Bethlehem

Eine Weihnachtspredigt von mir.


24. Dezember
Stille Nacht, heilige Nacht

Vor 200 Jahren, am 24. Dezember 1818, wurde das kurz zuvor komponierte Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht zum ersten Mal aufgeführt, und zwar in der Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg.


23. Dezember
Das Zitat

Geht der dunklen Zukunft ruhig entgegen! Ihr wandelt in dieser finstern Nacht an der Hand eines liebenden Gottes.

Hl. Arnold Janssen


23. Dezember
Robert Spaemann

Mein Nachruf auf Robert Spaemann, den ich für die CNA verfasst habe, ist nun von der Monatszeitschrift Kirche heute übernommen und in der Januarausgabe veröffentlicht worden.


23. Dezember
Konrad I.

Vor 1100 Jahren, am 23. Dezember 918, starb in Weilburg König Konrad I., den Petra Kehl auf kath-info als einen zu Unrecht vergessenen Herrscher vorgestellt hat.


22. Dezember
Ist das noch die Kirche Christi?

Mein Artikel in der Tagespost ist zur Zeit der meistgeklickte in der Onlineausgabe.


22. Dezember
Das Gute in Person

Glaube an den Schöpfergeist ist ein wesentlicher Inhalt des christlichen Credo. Dass die Materie mathematische Struktur in sich trägt, geisterfüllt ist, ist die Grundlage, auf der die moderne Naturwissenschaft beruht. Nur weil Materie geistig strukturiert ist, kann unser Geist sie nachdenken und selbst gestalten. Dass diese geistige Struktur von dem gleichen Schöpfergeist kommt, der auch uns Geist geschenkt hat, bedeutet Auftrag und Verantwortung zugleich. Im Schöpfungsglauben liegt der letzte Grund unserer Verantwortung für die Erde. Sie ist nicht einfach unser Eigentum, das wir ausnützen können nach unseren Interessen und Wünschen. Sie ist Gabe des Schöpfers, der ihre inneren Ordnungen vorgezeichnet und uns damit Wegweisungen als Treuhänder seiner Schöpfung gegeben hat. Dass die Erde, der Kosmos, den Schöpfergeist spiegeln, bedeutet auch, dass ihre geistigen Strukturen, die über die mathematische Ordnung hinaus im Experiment gleichsam greifbar werden, auch sittliche Weisung in sich tragen. Der Geist, der sie geformt hat, ist mehr als Mathematik – er ist das Gute in Person, das uns durch die Sprache der Schöpfung den Weg des rechten Lebens zeigt.

Papst Benedikt XVI. heute vor 10 Jahren in seiner Ansprache an das Kardinalskollegium und die Mitglieder der Römischen Kurie.

Weitere Zitate Papst Benedikts über Vernunft und Glaube


22. Dezember
Konrad von Parzham

Heute vor 200 Jahren, am 22. Dezember 1818, wurde in Parzham bei Bad Griesbach im Rottal der heilige Konrad von Parzham geboren.
Als er 1934 heiliggesprochen wurde, sagte der damalige Nuntius Eugen Kardinal Pacelli, der spätere Papst Pius XII.: “Glücklich das Bayerland, glücklich das Deutschland, dem in schwerer, von düsteren Wolken überschatteter Zeit ein neuer Fürbitter an Gottes Thron ersteht. Ein neues Vorbild christlichen Lebens in einer Zeit, wo laute und aufdringliche Diesseitspropheten versuchen, den Völkern die trügerische Fata Morgana einer Zukunft zu zeigen, die ihr Glück und ihre Größe nicht in Christus, sondern fern von ihm und gegen ihn suchen und finden soll …”


21. Dezember
Sündige Kirche?

Zum gestern verlinkten Tagespost-Artikel möchte ich noch Folgendes anmerken: Der Vorspann, der aus folgendem Satz besteht: “Wie die Lichtspur der Liebe der Heiligen über die Schatten einer sündigen Kirche hinwegtröstet”, stammt nicht von mir. Man wird es nicht erleben, dass ich die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche eine sündige Kirche nenne. Die Aussage des Artikels besteht gerade darin, dass Sünde das ist, was wir der Kirche antun, und Heiligkeit, das, was wir von der Kirche empfangen. Außerdem geht es nicht ums Hinwegtrösten. Sich über etwas hinwegtrösten kann man auch mit Drogen und Alkohol. Vielmehr geht es um Erkenntnis, nämlich um eine Erkenntnis, die die Psyche gegen Glaubensanfechtungen immunisiert.


21. Dezember
Der Wahrheit ohne Abstriche gedient

Vorgestern wurde in Stuttgart-Botnang der Philosoph Robert Spaemann beerdigt. Die Predigt von P. Bernhard Gerstle hat die Tagespost online veröffentlicht.


21. Dezember
Peter Geach

Vor fünf Jahren, am 21. Dezember 2013, starb in Cambridge im Alter von 97 Jahren der Philosoph Peter Geach. Er war befreundet mit Robert Spaemann, in dessen Haus ich ihn einst kennen lernen durfte.


20. Dezember
Ist das noch die Kirche Christi?

Eine Antwort auf diese Frage angesichts der Krise versuche ich in diesem Artikel der Tagespost.


20. Dezember
Einfühlsamer Freund

Robert Spaemann war ein großer Philosoph, ein konsequenter Verteidiger des Lebensrechts und ein einfühlsamer und hilfreicher Freund. Nicht erst im Streit um den Schein in der Schwangerschaftskonfliktberatung Ende der 90er Jahre war er mir eine große Stütze. Schon in den 80er Jahren halfen mir seine 1982 veröffentlichten "Moralischen Grundbegriffe", Studenten der katholischen Theologie und der Wirtschaftswissenschaften die Grundlagen der Ethik zu vermitteln. Am Anfang dieser Grundlagen steht, wie schon in der aristotelischen Ethik, die Frage nach dem Guten. Vor dieser Frage drücken sich viele mit einem Verweis auf die vielen gegensätzlichen Antworten, weshalb man besser von Interessen als von dem Guten und der Wahrheit sprechen solle. Spaemann hielt dem entgegen, dass unterschiedliche Interessen, ja Gegensätze dem antiken Denken nicht unbekannt waren, vielmehr erst den Anstoß gegeben hätten, nach dem Guten zu fragen.

Aus: Prof. Dr. Manfred Spieker, Den Stimmlosen eine Stimme geben. Ad memoriam Robert Spaemann, CNA vom 19. Dezember 2018


18. Dezember
Die Art und Weise, vertraulich mit Gott umzugehen

Vom hl. Alfons Maria von Liguori

5. Folge

10. Weil Gott unermeßlich ist, so ist Er allenthalben gegenwärtig; aber Er befindet sich an zwei Orten auf eine ganz besondere Weise, nämlich im Himmel, wo Er in Seiner Glorie, die Er den Heiligen mitteilt, thront - und auf Erden, in einer demütigen Seele, die Ihn liebt: “Denn er wohnt bei denen, die zerknirscht und demütigen Geistes sind” (Is 57,15). Obschon Gott in Seiner Herrlichkeit im Himmel wohnt, so verschmäht Er es dennoch nicht, Tag und Nacht Sich mit Seinen treuen Dienern in Einöden und stillen Kammern zu unterhalten, um ihnen daselbst jene göttlichen Tröstungen zukommen zu lassen, deren einzige alle Freuden der Welt weit übertrifft, und die man nur deshalb nicht wünscht, weil man sie nicht kennt: “Verkostet und seht, denn der Herr ist süß” (Ps 33,9).

11. Freunde kommen an festgesetzten Stunden zusammen, um sich miteinander zu unterhalten, müssen sich aber wieder trennen; allein wenn du willst, brauchst du dich nie von Gott zu trennen: “Du wirst ruhen, und dein Schlaf wird süß sein, denn der Herr ist zu deiner Rechten” (Spr 4). Gott wacht an deiner Seite, wenn du schläfst, Er verläßt dich nicht, Er denkt unausgesetzt an dich, damit wenn du in der Nacht erwachst, Er durch Seine Einsprechungen mit dir reden, von dir einige Akte der Liebe, der Hingabe in Seinen Willen und der Danksagung empfangen könne, und damit Er auf solche Weise Seine süße und liebevolle Unterhaltung mit dir nie unterbreche. Ja, manchmal läßt dich Gott sogar, während du schläfst, Seine Stimme vernehmen, damit, nachdem du erwacht bist, du sogleich Seinen Willen erfüllen könnest: “Im Traum will ich zu ihm reden” (Nm 12,6).

12. Früh Morgens, wenn du erwachst, erwartet dich der Herr, um einige Worte der Liebe und des Vertrauens von dir zu vernehmen, Er wartet, um deine ersten Gedanken und alle Handlungen, die du den Tag über aus Liebe zu Ihm verrichten, um alle Leiden, die du, um Ihn zu verherrlichen, erdulden willst, in Empfang zu nehmen. Aber gleichwie Er alsdann nie ermangelt, Sich einzustellen und dich zu wecken, so darfst auch du nie unterlassen, Ihn sogleich liebevoll anzublicken und dich zu freuen über die fröhliche Nachricht, daß dein Gott nicht mehr, gleich wie zu jener Zeit, da die Sünde dich von Ihm trennte, fern ist, du mußt dich alsbald freudig daran erinnern, daß Er dich liebt, daß Er deine Liebe begehrt, daß Er Selbst dir zuruft: “Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, aus deinem ganzen Herzen” (Nm 6,5).

wird fortgesetzt

Zum bisher Erschienenen


17. Dezember
Kritiker der Utopie

Spaemann wendet sich auch gegen den von der Kritischen Theorie unter dem Stichwort der Herrschaftsfreiheit favorisierten Gedanken der radikalen Vernunftherrschaft, da sie «doch meistens nur die eigene Herrschaft meint». In einem der «10 Kapitel politischer Philosophie» im Buch «Zur Kritik der politischen Utopie» lehnt Spaemann die Emanzipation als Bildungsziel ab. Ihr Modell sei nämlich die «Psychoanalyse Kranker». «Nicht sehen will sie lehren, sondern durchschauen, nicht fragen, sondern ‹hinterfragen›, nicht wissen, sondern besser wissen.»

Aus dem Nachruf des Philosophen Otfried Höffe Wahre Freiheit liegt im Denken – der Philosoph Robert Spaemann ist gestorben in der NZZ.


16. Dezember
Freuen wir uns wirklich auf den Herrn?

Meine Predigt zum heutigen Sonntag Gaudete


16. Dezember
Das Zitat

Die Freude fängt genau in dem Augenblick an, in dem du die Suche nach dem eigenen Glück aufgibst und versuchst, es dem anderen zu schenken.

Fulton Sheen


15. Dezember
Sonntag Gaudete

Morgen feiern wir den Sonntag Gaudete. Dazu kann ich zwei Predigten anbieten: Mach hell die Finsternisse unseres Geistes und Lasst alle Menschen eure Güte erfahren.


15. Dezember
Joseph Ludwig Colmar

Vor 200 Jahren, am 15. Dezember 1818, starb in Mainz im Alter von 58 Jahren der aus Straßburg stammende Bischof Joseph Ludwig Colmar. 1802, als Mainz von Frankreich annektiert war, wurde er auf Betreiben des französischen Kultusministers Bischof von Mainz. Über sein Wirken heißt es im Lexikon für Theologie und Kirche (1. Auflage) unter anderem: “In 8 Monaten stellte Colmar die äußere Ordnung her, eröffnete 13.1.1804 das Klerikalseminar und ein bischöfliches Gymnasium, beide unter seinem elsässischen Freund Bruno Liebermann. Auf der Kanzel und auf Visitationsreisen erneuerte er das religiöse Leben von Klerus und Volk, regelte die Liturgie im Geiste der Kirche, stellte den Mainzer Dom wieder her und bewahrte auch den Speyerer Dom vor dem Untergang. Sein apostolischer Eifer und seine Nächstenliebe glänzten besonders im Seuchenjahr 1813/14; auf halbvermodertem Stroh hörte er sterbenden Typhuskranken Beicht...”


14. Dezember
Spaemann und Franziskus: Die fehlende Antwort

In diesem ausführlichen Gespräch mit Silke Arning (45 Minuten Länge) aus dem Jahr 2016 erwähnt Robert Spaemann einen langen Brief, den er an Papst Franziskus geschrieben hatte: Der Papst habe durch seine unklare Ausdrucksweise z.B. in Bezug auf die wiederverheirateten Geschiedenen große Verwirrung und Ratlosigkeit erzeugt. Papst Franziskus antwortete ihm mit einem noch längeren Brief. Darin entfaltete der Papst einige seiner Gesichtspunkte, aber zum größten Teil ging er wie die Katze um den heißen Brei herum. Auf die entscheidenden Punkte ging er nicht ein.
Ansonsten bringt das Interview viele Stationen des Spaemann-Lebens zur Sprache, z.B. seine Kindheit unter der Nazi-Diktatur, sein Studium bei Joachim Ritter, wo es kein philosophisches Tabuthema gab außer Fichte, seine Lehrtätigkeit in Stuttgart, Heidelberg und München u.v.m.

Zum Thema: Spaemann über die wiederverheirateten Geschiedenen


13. Dezember
Unschätzbares geleistet

Wer diese komplizierten Zusammenhänge mit der Hilfe dieses großen Denkers einmal durchdacht hat, der wird das innere Band der gesamten Breite seiner Stellungnahmen zu ethischen und politischen Brennpunkten der neueren Zeit und die innere Logik und Konsequenz seines Einsatzes für die Verteidigung der Unteilbarkeit der Menschenwürde ganz von selbst, mit rein vernünftigen Argumenten und ohne „weltanschauliche“ Dezisionen, nachvollziehen können. Darin hat Spaemann Unschätzbares zur Verteidigung von Humanität und Rationalität in einer der geistigen Orientierung immer mehr entbehrenden Zeit und in einer zutiefst den Quellen ihrer Legitimität entfremdeten politischen und gesellschaftlichen Ordnung geleistet.

Dieses Zitat entstammt der großartigen Würdigung Spaemanns aus der Hand von dessem Schüler Walter Schweidler. Tatsächlich ist es so: So verständlich und klar Spaemann in seinen Aufsätzen zu argumentieren wusste: Die ganze Tiefe vieler Argumente kann man nur ermessen, wenn man sich in die “komplizierten Zusammenhänge” hineingedacht hat, die er in seinen systematischen Werken entfaltete. Da ist außer dem von Schweidler erwähnten Werk “Personen” noch “Glück und Wohlwollen” zu erwähnen. Für jemanden, der sich der Philosophie Spaemanns nähern will, empfehle ich als Einstieg “Moralische Grundbegriffe” und dann “Glück und Wohlwollen”.


12. Dezember
Mensch der Wahrheitsliebe

Mein Nachruf auf Robert Spaemann in der Tagespost.


12. Dezember
Adventszeit ist Wüstenzeit

Meine Predigt vom letzten Sonntag


12. Dezember
Warnung vor dem naturalistischen Fehlschluss

Eine der praktischen Lektionen [von Spaemanns Buch Moralische Grundbegriffe]: eine Warnung vor Surrogaten. Wo „gut“ durch ein anderes Eigenschaftswort bestimmt und dann ersetzt wird, verliert das Gute seine Qualität eines Maßstabs, der von außen herangetragen wird. Beispiele für solche trügerischen, zeitgemäß erscheinenden Definitionen von „gut“ waren „fortschrittlich“ und „emanzipatorisch“.

Patrick Bahners in seiner Spaemann-Würdigung Individualist aus dem Unterholz, FAZ von heute.


11. Dezember
Robert Spaemann

Gestern ist in Stuttgart im Alter von 91 Jahren der Philosoph Robert Spaemann verstorben. Für CNA habe ich einen Nachruf verfasst.


11. Dezember
Alexander Solschenizyn

Vor 100 Jahren, am 11. Dezember 1918, wurde in Kislovodsk der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn geboren. Unter Stalin verbrachte er elf Jahre in Haft, Spezialgefängnissen und Verbannung. Berühmt wurde er durch sein dreibändiges Werk Der Archipel Gulag, in dem er seine Erfahrungen verarbeitete und das den kommunistischen Illusionen im Westen einen vernichtenden Schlag versetzte. 1970 wurde Solschenizyn der Literatur-Nobelpreis verliehen. Er starb am 3. August 2008 in Moskau.


11. Dezember
Remigius Bäumer

Vor 100 Jahren, am 11. Dezember 1918, wurde in Grevelsberg der Kirchenhistoriker Remigius Bäumer geboren. Ab 1968 lehrte er in Paderborn, von 1974 bis 1986 in Freiburg im Breisgau. 1989 wurde er Rektor der Gustav-Siewerth-Akademie. Der Spezialist für Reformationsgeschichte starb am 26. Dezember 1998 in Freiburg.


10. Dezember
Die unentdeckten Seiten von kath-info (27)

An 27. Stelle der im Jahr 2017 am seltensten aufgerufenen Seiten (von 629) stehen gleich sieben Seiten:

1. Jakob Knab, Der nichts von Bitterkeit wusste;

2. Bernward Deneke, Franziskus interreligiös;

3. Pierre-Marie Bataillon;

4. die Biographien über Franz Joseph Rudigier, Ignatius Choukrallah Maloyan und José Sanchez del Rio;

5. die Biographien über Niklaus Wolf von Rippertschwand, Johannes Ertlin, Felix Ridel und Josef Cai-Tà;

6. die Biographien über Caesar Baronius, Guerricus von Igny, Pietro Sforza Pallavicino und Franz Stadlin;

7. der Bericht von Marlene Frölich über die Kundgebung 1000 Kreuze für das Leben in Münster.


10. Dezember
Die Rolle der Progressisten

Wo liegt die Ursache der Glaubwürdigkeitskrise der Kirche?
Im Glaubensmangel der sich selbst so titulierenden Progressisten der 1970er Jahre und in der sträflichen Naivität der Verantwortlichen, die aus einem falschen Barmherzigkeitsverständnis und in unmännlicher Konfliktscheu über Missstände hinweggesehen haben – ohne die Konsequenzen zu bedenken. Ich habe als Präfekt der Glaubenskongregation mit den Mitarbeitern weit über tausend dokumentierte Fälle studiert, die die Dramen missbrauchter Personen dokumentierten: lebenslange Traumata, oft mit den Folgen Alkohol, Drogen, Eheunfähigkeit – bis zum Suizid. Nicht die Sexualethik der Kirche oder gar die zölibatäre Lebensform ist verantwortlich für dieses Elend, sondern gerade ihre sträfliche Missachtung.

Aus dem Interview mit Kardinal Gerhard Müller in der Tagespost vom 6. Dezember 2018


9. Dezember
Das Zitat

Jeden Morgen beim Aufwachen und jeden Abend vor dem Schlafengehen soll der Verehrer Mariens drei Ave Maria zu Ehren ihrer unbefleckten Reinheit beten, ihr seine Sinne und alle Gaben seiner Seele darbringen, damit sie sie als einen ihr geweihten Besitz behüte, und sie um die Gnade bitten, an diesem Tag (bzw. in dieser Nacht) nicht der Sünde zu verfallen.

Hl. Leonhard von Porto Maurizio


9. Dezember
Bratislawa

Vor fünf Jahren, am 9. Dezember 2013, haben die slowakischen Bischöfe unter Leitung von Erzbischof Stanislav Zvolensky Bratislawa, die Hauptstadt der Slowakischen Republik, der Muttergottes geweiht.


8. Dezember
Der zweifelnde Johannes

Meine Predigt zum Zweiten Adventssonntag


8. Dezember
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Meine Predigt Zu wem machst du dich selbst? ist auf der Seite Jesus, unser Gott eingebettet, der Podcast Der mündige Christ und die Kirche auf der Seite Göttliches und Menschliches in der Kirche. Die Rezension Wird der Albtraum jemals enden? findet sich bei der Rezension Einmal Kreuzigung und zurück.


7. Dezember
Luise Hensel

Heute vor 200 Jahren, am 7. Dezember 1818, konvertierte die Dichterin Luise Hensel (1798-1876) bei Propst Johannes Ambrosius Taube vom Luthertum zur katholischen Kirche. Die Begegnung mit ihr zwei Jahre zuvor hatte bei Clemens Brentano zu einer inneren Hinwendung zu Gott geführt.


7. Dezember
Kirchliche Selbstzerstörung

Heute vor 50 Jahren, am 7. Dezember 1968, machte Papst Paul VI. in einer Ansprache folgende Aussage: “Die Kirche macht eine Stunde der Unruhe durch. Manche üben sich in Selbstkritik, die man fast Selbstzerstörung nennen könnte. Es ist wie ein innerer Umbruch, den sich niemand nach dem Konzil erwartet hätte.”

Im italienischen Original: “La Chiesa attraversa, oggi, un momento di inquietudine. Taluni si esercitano nell’autocritica, si direbbe perfino nell’autodemolizione. È come un rivolgimento interiore acuto e complesso, che nessuno si sarebbe atteso dopo il Concilio. Si pensava a una fioritura, a un’espansione serena dei concetti maturati nella grande assise conciliare.”

Bis heute hält diese Selbstzerstörung an.


6. Dezember
Die Nebel von Avalon in der Theologie

Vor einigen Jahren hatte ich die Geisteswissenschaftler vor dem Vorwurf des Biologen Ulrich Kutschera in Schutz genommen. Dieser bezeichnete sie abwertend als Verbalwissenschaftler, die sich bloß mit dem beschäftigen, was andere gedacht und geäußert haben. Der Naturwissenschaftler dagegen sei Realwissenschaftler, der es mit der harten Wirklichkeit zu tun habe. Was Kutschera von beiden hält, wird aus seiner Aussage klar: “Das Experiment ist dem Realwissenschaftler der Halt im geistigen Chaos, der Verbalwissenschaftler dagegen rudert in den Nebeln von Avalon, ohne je ein Ufer zu erreichen.”

Damals bedachte ich nicht, dass es Geisteswissenschaftler gibt, die sich in Kutscheras Beschreibung müssten wiedererkennen können. Zu ihnen gehören der katholische Theologe David Tracy und der evangelische Exeget Ulrich Luz. Nach ihnen bezieht sich die Sprache auf keine außersprachliche Wirklichkeit. Theologische Aussagen seien sprachliche Konstruktionen von Wirklichkeit, ihr Gegenstand seien immer andere Sätze, nie die außersprachliche Geschichte. “Es gibt keinen direkten Weg von den bezeichnenden Zeichen und vom Zeichensystem eines Textes zu einer bezeichneten außersprachlichen Wirklichkeit”, so Luz, zitiert von Karl-Heinz Menke in seiner bemerkenswerten Streitschrift Macht die Wahrheit frei oder die Freiheit wahr? Hinter diesem Konstruktivismus steht der linguistic turn in der Philosophie, den Luz & Co. in die Theologie einschleusen. Er reduziert Philosophie und Theologie auf Sprachanalyse. Luz macht sich Sorgen, dass “unsere deutschsprachige Exegese die Tragweite dieser Wende” nicht erkannt habe.

Von dieser Sorge kann ihn der katholische Exeget Alois Stimpfle ein Stück weit befreien. Er rühmt sich, mit seinem “konstruktionsgeschichtlichen Ansatz” ein Novum in der Bibelwissenschaft zu vertreten. Sein Konstruktivismus hebt weniger auf die Sprache als vielmehr auf ein Phänomen ab, das er mit dem Bild der Brille erklärt: Was wir sehen, ist immer auch das Produkt der Brillen, die wir tragen, so dass gilt: “Ich sehe, was ich glaube.” Er erläutert das am Beispiel der biblischen Erzählung des Gangs Jesu auf dem Wasser (Joh 6, 16-21). Die “frühjüdischen Jesusanhänger sahen, was sie im Rahmen ihrer Konstruktionsbrille glaubten”, und dazu gehörte u.a. der Glaube an den Schöpfergott, dessen Macht durch seinen apokalyptischen Gesandten offenbar wird. Mit anderen Worten: Die Jünger glaubten nicht an Jesus, weil sie seine Wunder sahen, sondern sie “sahen” sie, weil sie glaubten. Was sie sahen, war “ihre Wirklichkeitskonstruktion” auf der Basis ihrer Überzeugungen. “Wir modernen BrillenträgerInnen sehen hingegen blankes Wasser oder das Oster-Kerygma aufstrahlen.”

Vielleicht war es doch gut, dass die Jünger Jesu keine Geisteswissenschaftler waren, die aufgrund ihrer ideologischen Brille in den Nebeln von Avalon auf Wasser gehende Gespenster sahen. Sie waren Realisten genug, um zu wissen, dass ein konstruierter Gottessohn sie nicht retten kann. Im Gegensatz zu den Schriftgelehrten, den Ideologen ihrer Zeit, legten sie die Brille ihrer Voreingenommenheit ab und ließen das nicht antizipierbare Licht des Logos (Joh 1, 9) in sich herein, um mit realistischer Aufrichtigkeit bekennen zu können: “Und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit” (Joh 1, 14).

Dieser Beitrag erschien vor zwei Monaten auf dem MeinungsMacherBlog der Tagespost.


4. Dezember
Neu im Personenregister:
Benigna Consolata Ferrero, Jean-Paul Sartre


4. Dezember
Wer unterminiert?

Der Primat des Papstes wird von den Schmeichlern und Karrieristen am päpstlichen Hof unterminiert - so sagte es schon der berühmte Theologie Melchior Cano im 16. Jahrhundert

Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Interview mit LifeSiteNews am 21. November.


3. Dezember
Es wird gut sowieso

Warum Mark Forster in einem Falle recht hat: Meine Predigt von gestern.


3. Dezember
Irmgard Schmidt-Sommer

Vor fünf Jahren, am 3. Dezember 2013, starb im Alter von 86 Jahren die aus Dresden stammende Schriftstellerin Dr. Irmgard Schmidt-Sommer. Sie hatte von 1966 bis 1969 bei Ratzinger in Tübingen studiert, war Oblatin der Erzabtei der Missionsbenediktiner von St. Ottilien und hat viel über kirchliche und hagiographische Themen publiziert. Mit der Priesterbruderschaft St. Petrus war sie freundschaftlich verbunden. Einen Tag vor ihrem Tod erschien in den Stuttgarter Nachrichten ein Artikel, in dem die Krebskranke zitiert wird: “Ich weiß, dass ich sterben werde. Trotzdem muss ich nicht immer traurig sein. Hier [im Stuttgarter Marienhospital] wird auch mal gelacht.“


2. Dezember
Kruips abenteuerliche Theologie

Auf CNA habe ich ein prüfendes Auge auf die Argumentation von Gerhard Kruip in seiner Polemik gegen Kardinal Müller geworfen und dabei Abenteuerliches entdeckt.


2. Dezember
Die unentdeckten Seiten von kath-info (25)

An 25. Stelle der im Jahr 2017 am seltensten aufgerufenen Seiten (von 629) stehen zwei Seiten: die Biographien über Ezechiel Moreno, Julian Maunoir und Melchior Garcia Sampedro OP und die Biographien über Candidus Sierro, Petrus Claver und Peter Donders.


1. Dezember
Das Zitat

Immer wieder schärfe ich euch ein, Vertrauen zu haben, denn nichts braucht eine Seele zu fürchten, die auf ihren Herrn vertraut und in Ihn all ihre Hoffnung setzt. Aber auch der Feind unseres Heils streicht immer um uns herum, um unserem Herzen den Anker zu entreißen, der uns zur Rettung führen soll, ich meine das Vertrauen in Gott, unseren Vater. Wir müssen diesen Anker ganz, ganz fest halten und dürfen niemals zulassen, dass er uns auch nur einen Augenblick lang verlässt, sonst wäre alles verloren.

Hl. Pater Pio von Pietrelcina


1. Dezember
Thietmar von Merseburg

Vor 1000 Jahren, am 1. Dezember 1018, starb im Alter von 43 Jahren der Geschichtsschreiber Thietmar von Merseburg. 1004 zum Priester geweiht, wurde er 1009 Bischof von Merseburg. Seine Chronik umfasst acht Bände und gilt als eine der wichtigsten Quellen für die Ottonenzeit.


30. November
Zwischen Heuchelei und Marketing

Mein neuester Podcast widmet sich dieses Mal keinem spektakulären Thema. Dennoch hoffe ich, dass er interessant ist, zumindest für jene, die Lust an der Erkenntnis haben. Er zeigt übrigens auch, wie nützlich die Wertethik sein kann, die Dietrich von Hildebrand gelehrt hat.


30. November
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Auf einer eigenen Seite wurde der hervorragende Artikel von Ulrich Filler Die Geisterdebatte untergebracht. Der Kurzbeitrag Interkommunion als Rückschritt findet sich auf der Ökumeneseite. Die Predigt über die Frage, welche Freiheit uns Christus geschenkt hat, ist auf der Rezensionsseite zu Pinckaes Buch Christus und das Glück eingebettet.


29. November
Anthony Sumich

Vor zehn Jahren, am 29. November 2008, wurde Anthony Sumich in Auckland von John Meeking, dem emeritierten Bischof von Christchurch, zum Priester geweiht. Der Neuseeländer kroatischer Abstammung gehört zur Petrusbruderschaft und wirkte einige Jahre in Nigeria.


29. November
Heinrich Frauenlob

Vor 700 Jahren, am 29. November 1318 starb in Mainz Heinrich Frauenlob, einer der bedeutendsten Dichter des 14. Jahrhunderts. Sein Vorbild war Konrad von Würzburg, sein Gönner der Erzbischof von Mainz Peter von Aspelt.


29. November
Balduin Schwarz

Vor 25 Jahren, am 25. November 1993, starb in Ainring bei Salzburg im Alter von 91 Jahren der Philosoph Balduin Schwarz. Er war ein Schüler Dietrichs von Hildebrand. Habilitiert hatte er sich bei Peter Wust.


28. November
Vorbereitung auf die Todesstunde

Der November ist die Zeit, in der wir des Todes gedenken sollen. Wie wir uns jetzt schon auf unseren eigenen Tod vorbereiten sollen, lehrt uns der hl. Alfons Maria von Liguori in zwei Gebeten.


28. November
Colin Lindsay

Vor 150 Jahren, am 28. November 1868, wurde der Anglikaner Colin Lindsay (1819-1892), der Gründer der Manchester Church Society, vom seligen John Henry Newman in die katholische Kirche aufgenommen.


27. November
Gespür für die Herausforderungen

“Je länger ich mich mit dem Werk befasse, desto aktueller empfinde ich die Grundaussage von Joseph Ratzinger, der schon vor 50 Jahren mit seiner “Einführung in das Christentum” ein ganz feines Gespür für die Herausforderungen von Glaube in unserer Gegenwart hatte. Deswegen denke ich auch, dass die Studenten Recht haben, die zu mir kommen und sagen, sie möchten gerne eine Arbeit über einen Aspekt im Denken von Joseph Ratzinger schreiben. Wohlgemerkt, es handelt sich um Studenten aus ganz unterschiedlichen Kulturen. Ich hatte im vergangenen Jahr jemanden aus Polen, es gab auch schon jemanden aus Indien.”

Die in Wien lehrende Theologin Marianne Schlosser im Interview mit Mario Galgano, in der Neuen Bildpost vom 24./25. November 2018. Sie wurde dieses Jahr von der Stiftung “Joseph Ratzinger - Benedikt XVI.” mit dem Ratzinger-Preis ausgezeichnet.


26. November
Unfehlbares Konklave?

In diesem Artikel versuche ich, ein paar katholische, hoffentlich hilfreiche Prinzipien für einen nüchternen Umgang mit der derzeitigen kirchlichen Situation an die Hand zu geben.


26. November
Willkommenskultur

Intuitiv mag es schwer fallen, zu erfassen, dass unser aller Leben mit der Vereinigung von Samen- und Eizelle beginnt. Aber wir alle haben nun einmal unser Leben als Embryo begonnen und wurden von unseren Eltern schon vor der Geburt willkommen geheißen. Nur so konnten wir das Licht der Welt erblicken. Daher sollte es in einer solidarischen Gesellschaft eigentlich selbstverständlich sein, dass auch wir unsere Mitmenschen schon als Embryo, vom ersten Tag ihres Lebens an, mit einem herzlichen „One of Us“ begrüßen.

Aus: Professor Christoph von Ritter, Plädoyer für eine solidarische Willkommenskultur, in: Tagespost vom 22. November

Zum Thema: Der Hör-Erleben des ungeborenen Kindes


25. November
Die Frankfurter Schule und das jüngste Gericht

Meine Predigt von heute.


25. November
Was ist die bischöfliche Aufgabe?

Und vielleicht auch davon [wird der Papst überrascht sein], dass Diözesanbischöfe selbst nach jahrzehntelanger Vorlaufzeit nicht in der Lage sind, sie aus eigener Kompetenz theologisch trittsicher zu beantworten. Genau das wäre bischöfliche Aufgabe: ebenso geduldig wie verstehbar zu erklären, warum die Kirche für ihre Priester an der Lebensform Jesu festhält, warum sie sich nicht in der Lage sieht, Frauen die sakramentale Weihe zu spenden, warum der berechtigte Wunsch nach der Eucharistie als Quelle, Mitte und Höhepunkt kirchlichen Lebens beantwortet werden könnte durch einen Gebetssturm um Priesterberufungen, durch eine Intensivierung der Anbetung und der eucharistischen Frömmigkeit.

Aus: Stephan Baier, Ein “Schwarzer Peter” für den Papst, in: Tagepost vom 22. November 2018. Es geht in diesem Artikel um die Entscheidung des Bischofs von Linz, die umstrittenen Wünsche seiner Diözesanen an den Papst weiterzuleiten, statt sie als Bischof im Sinne der Kirche zu beantworten.

Kardinal Ratzinger über die Aufgabe der Bischöfe


24. November
Apokalyptischer Sonntag

Morgen feiern wir den letzten Sonntag nach Pfingsten. Dazu kann ich zwei Predigten anbieten: Trotz Apokalypse ein Gott des Friedens? und Der Macht der Finsternis entrissen.


24. November
Japanische Märtyrer

Vor zehn Jahren, am 24. November 2008, wurden in Nagasaki 188 japanische Märtyrer seliggesprochen. Sie wurden zwischen 1603 und 1639 wegen ihres Glaubens ermordet, viele von ihnen nach grausamer Folterung. Unter ihnen waren auch Frauen und Kinder, 18 von ihnen waren jünger als fünf Jahre.


23. November
Resonanz

Mein doch sehr spezieller Aufsatz über den philosophischen Missbrauch, den Striet mit Kant verübt, ist auf überraschend große und positive Resonanz gestoßen, sowohl von philosophischer wie auch nichtphilosophischer Seite. Das freut mich sehr!
Ein Wermutstropfen, der auch öffentlich kritisiert wurde, ist die mangelhafte Darstellung der Umlaute auf vielen (nicht allen) Bildschirmen. Wie mir CNA versicherte, arbeitet man an einer Lösung dieses technischen Problems.


23. November
Gender Mainstreaming (50)

Die Fachgesellschaft Geschlechterstudien – der akademische Zusammenschluss aller, die an deutschen Hochschulen in den Gender Studies arbeiten – versteht das eigene Tun beispielsweise als wissenschaftlichen Ausdruck einer dem „Nichtanerkannten und Prekären verpflichteten Gesellschaft“. Die geistige Offenheit und kritische Distanz, die mit dieser Formel suggeriert werden, sind eine Farce: im Gender-Clan herrscht kein Dialog zwischen widerstreitenden Standpunkten, sondern einzig ein Judith-Butler-Monolog. Und der verhält sich – wie die Vordenkerin – bemerkenswert still, wenn es um die Entwürdigung, Misshandlung und Entrechtung von Frauen weltweit geht.

Aus: Vojin Saša Vukadinović, Butler erhebt "Rassismus"-Vorwurf, in: EMMA. Der Artikel stammt zwar vom 28. Juni 2017, hat aber bleibende Bedeutung, weil er aufzeigt, wie durch Judith Butlers Gendertheorien das eigentliche Anliegen der Frauenbewegung verraten wird. Sehr lesenswert!

Weitere Infos zum Thema


22. November
Das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit

Von Matthias Joseph Scheeben

65. Folge

So ist der Heilige Geist in sich selbst, nicht bloß in seinen Gaben, obgleich unter Voraussetzung und mit Einschluß derselben - denn nur durch solche kann er mit uns verbunden werden, nur durch solche können wir ihn besitzen und genießen -, in vollster Wahrheit ein "donum increatum et hypostaticum"; so ist diese Eigenschaft für ihn eine wahre Eigentümlichkeit, durch die er sich von den andern Personen unterscheidet, obgleich seine Schenkbarkeit darin wurzelt, daß er eben das Pfand und die Gabe in der ewigen Liebe zwischen Vater und Sohn ist.

Ebenso ist er in dieser Eigenschaft in Wahrheit und in besonderer Weise der Paraklet, als welchen ihn der Sohn Gottes verheißen, als welchen die Kirche ihn so zärtlich verehrt. Alles, was Gott uns gegeben, gibt er uns zum Troste, damit wir uns daran freuen, erquicken und in unserem Elende trösten. Was tröstet uns aber mehr als das Bewußtsein, daß wir von Gott mit väterlicher Liebe im Heiligen Geiste geliebt werden, und als der Besitz derjenigen Gaben, in denen sich diese väterliche Liebe uns mitteilt? Sie teilt sich uns mit, erstens, indem sie den Heiligen Geist als die Quelle der kindlichen Liebe zum Vater in uns ausgießt, zweitens aber, und noch mehr, indem sie uns den eigenen Geist des Vaters zum Besitze schenkt. Folglich ist der Heilige Geist in seiner Person kraft seines Ursprungs ebenso wahrhaft und eigentümlich Paraklet, wie er kraft desselben das Pfand der Liebe zwischen Vater und Sohn und das "donum hypostaticum" ist.

Nicht minder wird der Sohn unserer Seele gegenwärtig als das, was er in seiner Person ist, als der Abglanz und das Ebenbild der Herrlichkeit des Vaters, von dem er ausgeht. Kraft seines Ausganges ist er der vollkommene, adäquate Abdruck seines Vaters; als solcher wird er der begnadeten Seele im innersten Grunde ihres Wesens dargeboten und dargestellt zum Besitze und Genusse, damit wir in ihm und durch ihn die Herrlichkeit des Vaters erkennen und genießen. Das Wesen des Vaters und die in ihm liegende Herrlichkeit brauchen wir nicht erst durch den Sohn zu erfassen. Aber der Vater als Vater und die Herrlichkeit, die er als solcher hat, tritt uns nur nahe im Sohne und durch den Sohn. Daher sagen die Theologen nicht nur mit Appropriation, sondern auch mit vollkommener Proprietät, daß wir Gott auf eine ganz vorzügliche Weise "in Verbo", in dem Ausdruck seiner eigenen Erkenntnis, erkennen, wie wir ihn in dem Ausflusse seiner eigenen Liebe, im Heiligen Geiste, liebend umfangen. Und ist das nicht in der großartigsten Weise ausgesprochen in den Worten des Apostels (2 Kor 4, 6): “Gott, der durch sein Wort aus den Finsternissen Licht hervorglänzen ließ, er selbst ist in unsern Herzen aufgeleuchtet zur hellen Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesichte Christi Jesu.” [60]

Anmerkungen:

[60] Zunächst spricht hier der Apostel vom Sohne, wie er uns in der Inkarnation entgegentritt. Aber durch den Menschensohn strahlt die Herrlichkeit Gottes doch eigentlich nur insofern in unser Herz, als wir ihn durch den Glauben als Sohn Gottes und so in ihm den Vater erkennen und besitzen.

Wird fortgesetzt


21. November
Noch nie so wichtig!

Zu behaupten, der Zölibat sei im Mittelalter ausschließlich aus ökonomischen Gründen eingeführt worden, entbehrt jeder historischen Vernunft. Grundlage, ich wiederhole es, ist die Lebensform Jesu und der Apostel; ein Charisma, das auf die anbrechende Gottesherrschaft verweist. Und jeder Priesteramtskandidat weiß, dass die Kirche die freiwillige Annahme dieser Lebensform als Berufung zur Christusnachfolge zum Kriterium der Berufung in den geistlichen Dienst gemacht hat. Und jeder Weihekandidat bekundet ausdrücklich diese Freiwilligkeit. Dass diese Lebensform in einer übersexualisierten Gesellschaft ein Skandalon darstellt und deshalb angefochten, verlacht und bespuckt wird, ist noch lange kein Grund, von dieser biblisch begründeten Tradition abzugehen. Vielleicht war sie noch nie so wichtig wie heute!

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in seiner Predigt am 31. Oktober 2018 zum Wolfgangsfest in der Basilika St. Emmeram zu Regensburg.

Weitere Infos zum Thema


21. November
Die unentdeckten Seiten von kath-info (24)

An 24. Stelle der im Jahr 2017 am seltensten aufgerufenen Seiten (von 629) steht die Seite mit den Biographien über Hermann Döring, Prosper Delpech und Joseph Tieffentaller.


20. November
Der missbrauchte Kant

In einem Aufsatz für CNA setze ich mich mit dem Freiburger Theologieprofessor Magnus Striet auseinander, der Ratzinger unter Berufung auf Kant vorwirft, die Moderne nicht zu verstehen, sich dabei aber selber eine mehr als fragwürdige Kantinterpretation leistet.


20. November
Kirche als Wunscherfüller

Die katholische Kirche ist kein Supermarkt. Sie wird und darf nie die “Wünsche der Kunden” erfüllen. Unsere katholische Kirche fordert den Respekt vor allen Menschen - und zugleich den Respekt vor unserem Herrn und dem, der uns erschaffen hat! Wer danach trachtet, die Wünsche der “Kunden” zu erfüllen, läuft in die Irre! Die heilige Kirche verlangt von den Gläubigen etwas: Armut, Gehorsam unter dem Willen Gottes, Ausrichtung auf sein Reich, Bereitschaft, die Armen und Nicht-Gläubigen zu ihm zu führen.

Aus: Msgr. Joachim Schroedel, Kirche und Kirchen..., in: Vatican-Magazin Juni/Juli 2018, S. 64


19. November
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Diese zwei Artikel wurden auf einer je eigenen Seite untergebracht: Freiheit und Unterwerfung von Jacques Philippe und Was ist geistliche Stärke? Eine Relecture von Hildegard von Bingen, von Barbara Stühlmeyer. Meine Predigt über der Tröstung Überfülle finden Sie nun eingebettet bei dem wunderschönen Text Urs Keuschs über “eine Jungfrau namens Barmherzigkeit”.


19. November
Die Zukunft der Kirche

Ein Tweet von Weihbischof Richard Umbers von Sydney.


18. November
Das Senfkorn des hl. Josef Cottolengo

Meine Predigt von heute


18. November
Zacharias Werner

Vor 250 Jahren, am 18. November 1768, wurde in Königsberg der Dramatiker Zacharias Werner geboren. 1810 konvertierte er zum katholischen Glauben und empfing 1814 die Priesterweihe.


17. November
Die Vögel des Himmels

Morgen feiern wir nach dem alten Kalender den 6. nachgeholten Sonntag nach Erscheinung. In meiner Predigt erkläre ich, wie wir zu einem Baum werden können, in dem die Vögel des Himmels wohnen.


17. November
Thomas Specht

Vor 100 Jahren, am 17. November 1918, starb in München im Alter von 71 Jahren der aus Türkheim stammende Theologe Thomas Specht. Von 1887 bis 1915 war er Professor für Dogmatik und Apologetik in Dillingen. Er “stellte in Vortrag und Schrift die katholische Lehre am Anschluss an das scholastisch-thomistische Gedankengut in vorbildlicher Klarheit und Ruhe des Urteils, in scharfer Formulierung und sorgfältiger Begründung dar” (LThK, 1. Auflage).


16. November
Warum Häretiker exkommuniziert sind

Mein neuester Podcast über die Kostbarkeit des Glaubens und seine Rolle in der Kirchenkrise.


16. November
Vigano und das Päpstliche Geheimnis

"Die Übel, die er angeprangert hat, sind von schwerwiegendster Natur", antwortete er, und wenn sie wahr sind, "war er im Gewissen verpflichtet", so zu handeln, wie er es tat. "Das Gesetz Gottes in diesen Angelegenheiten ist höher als zum Beispiel das päpstliche Geheimnis."
"Wir sollten alles, was er gesagt hat, sehr ernst nehmen", da Vigano bekräftigt , dass er Beweise hat. "Anders zu handeln heißt fahrlässig zu sein." "Ich glaube nicht, dass es Zweifel gibt", dass er dies zum Wohl der Kirche getan hat. Kardinal Burke bezeichnete den umkämpften ehemaligen Nuntius als "eine Person der größten Integrität" und verwies auf die Anzahl der US-Bischöfe, die für Vigano Erklärungen abgegeben haben.

Aus einem Interview, das Peggy Moen von The Wanderer mit Raymund Kardinal Burke geführt hat. Kardinal Burke war früher Präfekt der Apostolischen Signatur, also des Obersten Gerichtshofes des Heiligen Stuhles.


15. November
Ein Geschenk des Himmels

Bald beginnt die Adventszeit: ein Anlass, an das schöne, bebilderte Büchlein von P. Martin Ramm Ein Geschenk des Himmels zu erinnern, durch welches Kinder in das Geheimnis der Advents- und Weihnachtszeit eingeführt werden.
Bestellen Sie es bei der Petrusbruderschaft: für sich selbst, für Ihre Kinder, Großkinder, Nichten, Neffen, für die Kinderarbeit in der Pfarrei, in der Schule, in Kindergruppen, zum Weiterverschenken. Ein Beitrag zur Neuevangelisierung, die bei den Kindern beginnt.


15. November
Eduard Müller

Vor 200 Jahren, am 15. November 1818, wurde im schlesischen Quilitz der Priester und Politker Eduard Müller geboren. Von 1852 bis 1891 war er Missionsvikar in Berlin, von 1873 bis 1891 Zentrumsabgeordneter. Er war “sehr erfolgreich für die katholische Diaspora in Brandenburg und Pommern und besonders für das katholische Vereins- und Krankenwesen in Berlin tätig” (LThK, 1. Auflage). Am 6. Januar 1895 starb er in Neisse.


14. November
Gefährliche Parallelgesellschaft?

Von P. Engelbert Recktenwald

Kürzlich hörte ich im Radio eine Dokumentation über das Wachsen der evangelikalen Freikirchen in Frankreich. Als Kritiker kam ein französischer Theologieprofessor zu Wort. Er warnte vor diesen Freikirchen: Sie könnten sich zu Parallelgesellschaften entwickeln, die eine größere Gefahr darstellten als der Islamismus! Nach all den islamistischen Terroranschlägen, von denen Frankreich in letzter Zeit erschüttert wurde, fragt man sich verwundert, welche Gefahr er wohl meint. Aber als einzige Kritikpunkte erwähnte er die “erzkonservativen Ansichten” dieser Freikirchen in Sachen Familie und Sexualität: Sie hielten Scheidung und homosexuelle Handlungen für Sünde.

Eigentlich bin ich beleidigt, dass dieser Kritiker die katholische Kirche übergangen hat. Wenn solche Ansichten genügen, um vor einer gefährlichen Parallelgesellschaft zu warnen, dann hat auch die katholische Kirche solche Kritik verdient. Und darauf sollte sie stolz sein! Voller Selbstbewusstsein sollte sie eine Gegenkultur verkörpern, die sich an den Geboten Gottes orientiert und den Kontrast zur permissiven Mainstreamkultur nicht nur nicht leugnet oder bloß schmerzhaft erträgt, sondern ihn geradezu genießt und sich seiner rühmt nach dem Vorbild der Urchristen, die sich verstanden als “Gotteskinder ohne Makel mitten in einem verdrehten und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr leuchtet wie Sterne im Weltall” (Phil. 2, 15).

Genau dieses Programm der Entwicklung einer bewussten Gegenkultur ist der Weg, der als Überlebensstrategie des christlichen Glaubens in einem Buch vorgeschlagen wird, das in Amerika für große Aufregung gesorgt hat und jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt. Rod Dreher, der Autor, nennt diese Strategie die “Benedikt-Option”. Sein Vorbild ist der hl. Benedikt, der es uns vorgemacht hat, wie man kreative Wege geht, den christlichen Glauben selbstbewusst und gegenkulturell zu leben.

Natürlich wurde dieses Buch kritisiert, besonders von Theologen; kein Wunder, sind es doch gerade Theologen, die uns seit fünf Jahrzehnten mit der gegenteiligen Strategie einer möglichst großen Anpassung an die Welt beglücken. Das Ergebnis können wir heute sehen: eine Kirche, die, weil sie selber ihre Lehre nicht mehr ernst nimmt, auch von der Welt nicht mehr ernst genommen wird, nicht einmal mehr als gefährliche Parallelgesellschaft.

Dieser Text erschien zuerst auf dem MeinungsMacherBlog der Tagespost.
Ein Kapitel aus dem erwähnten Buch finden Sie hier auf kath-info.


13. November
Crispinus von Viterbo

Vor 350 Jahren, am 13. November 1668, wurde in Viterbo der Kapuzinerbruder Crispinus von Viterbo geboren. In verschiedenen Klöstern arbeitete er Koch, Gärtner oder Krankenwärter. In Rom, wo er seine beiden letzten Lebensjahre verbrachte, wurde der einfache Bruder zur “Zuflucht der Hilfsbedürftigen und Berater höchster Persönlichkeiten” (LThK, 1. Auflage). Er starb am 19. Mai 1750. 1806 wurde er selig-, 1982 heiliggesprochen.


12. November
Theologische Orientierungshilfe

Prof. Dr. Georg Mays Verdienst ist es jetzt, eine klare Trennlinie gezogen zu haben. Er bietet uns eine umfangreiche, verlässliche und wesentliche Orientierungshilfe nicht nur dann, wenn wir uns spezifischen Glaubensfragen ausgesetzt sehen, sondern er schärft damit unser Gewissen, in dem wir der Kirche gegenüber verpflichtet sind. In einem Vorsatz zu „300 Jahre gläubige und ungläubige Theologie“ wird aus einem Brief Papst Benedikts XVI. an den Verfasser zitiert: „Ich möchte Dir … herzlich danken für die Klarheit, mit der Du immer zur katholischen Glaubenslehre gestanden bist und Dich öffentlich eingesetzt hast (7. März 2014).“

Aus: Hannes Kirmse, Georg May zieht klare Trennlinien zwischen Wahrheit und Unwahrheit, in: FELS, November 2018. Es handelt sich um eine Besprechung des empfehlenswerten Buchs von Georg May 300 Jahre gläubige und ungläubige Theologie: Abriss und Aufbau, Sarto-Verlag 2017, 1118 Seiten.

Weitere Infos über Georg May

Das Vorstellungsvideo von Martin Lohmann zum Buch


11. November
Das Zitat

Der Tod, den die Menschen fürchten, ist die Trennung der Seele vom Körper. Den Tod aber, den die Menschen nicht fürchten, ist die Trennung von Gott.

Hl. Augustinus


11. November
Die unentdeckten Seiten von kath-info (20)

An zwanzigster Stelle der im Jahr 2017 am seltensten aufgerufenen Seiten (von 629) stehen wieder vier Beiträge:

1. die Biographien über Arnold Janssen und Franz Pfanner;

2. der Beitrag über das neue Missionsverständnis etwa der Steyler, aufgrund dessen das Taufen der Indianer als Ausdruck des europäischen Kulturimperialismus gedeutet wird;

3. die Rezension des Jugendromans “Erwachen”, der so lesenswert ist, dass er eine größere Aufmerksamkeit verdient;

4. die fünfte Seite des großen Werks Spillmanns über die Titus-Oates-Verschwörung, des letzten Kapitels aus der traurigen Geschichte der anglikanischen Katholikenverfolgung.


10. November
Das Unkraut wachsen lassen!

Morgen ist nach dem alten Kalender der fünfte nachgeholte Sonntag nach Erscheinung. Hier meine Predigt dazu.


10. November
François Couperin

Vor 350 Jahren, am 10. November 1668, wurde in Paris der Komponist Francois Couperin geboren. Er komponierte geistliche und weltliche Vokalmusik, Kammermusik und Cembalowerke. “Sein Verdienst liegt besonders in der Verschmelzung des italienischen und französischen Stils seiner Zeit” (LThK, 3. Auflage). Er starb am 11. September 1733 in Paris.


9. November
UNO gegen das Leben

Von einem “Schlag gegen das Recht auf Leben”, der in der Öffentlichkeit fast unbemerkt blieb, berichtet Andreas Thonhauser in der Tagespost: Am 30. Oktober verabschiedete der UN-Menschenrechtsausschuss den “General Comment 36", der bestimmt, dass das Recht der Frau auf Selbstbestimmung nicht durch das Recht des Ungeborenen auf Leben beschränkt werden dürfe. Das Recht von Ärzten und Krankenschwestern, sich nicht an Abtreibungen zu beteiligen, wird als “Hürde” klassifiziert.

Weitere Infos zum Thema Abtreibung


8. November
Nach der Missbrauchskatastrophe: Vision und Wirklichkeit

"Man stelle sich vor, die in den Missbrauchsskandal verwickelten Bischöfe und Kardinäle würden umkehren, eine Bußbewegung anführen und dem gläubigen Volk mit Beten und Fasten vorausgehen. Man stelle sich vor, Bischöfe würden ihre Macht benützen, um die Kirche zu reinigen, wohlwissend, dass sie sich damit auf einen Kreuzweg begeben. In Ninive wurde vom König bis zum Vieh Buße getan, und Gott verschonte die Stadt. Welch ein Zeugnis wäre das für die Welt! Nur so könnte die Kirche wieder moralische Autorität gewinnen. Mea culpa, mea culpa, mea culpa! Wahrscheinlicher als Umkehr und Buße ist, dass die Reinigung der Kirche durch Verfolgung stattfinden wird.”

Aus: Gabriele Kuby, Zeit zur Umkehr, in: PUR-Magazin, November 2018, S.7. Eine etwas andere Perspektive nimmt Bischof Franz-Josef Overbeck von Essen ein. Er fordert als Reaktion auf die Missbrauchsstudie deutliche Veränderungen in der Kirche in Richtung Machtkontrolle und Machtteilhabe und bringt als Beispiel für den Mut, den die Bischöfe bewiesen hätten, die Ermöglichung von “Gemeindereferentinnen mit Koordinierungsaufgaben” (Achtung: Der Link funktioniert nicht, weil sich das "ü" (in "bistümer") in der URL automatisch umwandelt. Wenn Sie es manuell zurückverwandeln, kommten Sie zum Interview vom Domradio mit dem Bischof).


8. November
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Das Zitat Leben und Lehre aus der Amoris-Laetitia-Analyse von Weihbischof Marian Eleganti habe ich beim Spaemann-Aufsatz über wiederverheiratete Geschiedene unterbracht. Meine Predigt “Demut vertreibt den Teufel” habe ich auf der Exorzistenseite, die Predigt über die “Austreibung des stummen Teufels” auf der Schöpfungsseite eingebettet.


7. November
Aktion für Asia Bibi

Das katholische Hilfswerk missio hat eine Briefaktion für die vom Tode bedrohte pakistanische Christin Asia Bibi gestartet.

Bitte schließen Sie sich der Aktion an und schreiben Sie eine Mail an die Kanzlerin und jeweils einen Brief an den Botschafter Pakistans und an die Außenbeauftrage der Europäischen Union.

Die Briefvorlagen können Sie bei missio herunterladen.


7. November
Petrusbruderschaft: Beginn in Tschechien

Bischof Vlastimil Kročil von Budweis hat die Priesterbruderschaft St. Petrus in seine Diözese eingeladen, um die Seelsorge all jener in Südböhmen zu übernehmen, die sich dem alten Ritus nahe fühlen. Die Petrusbruderschaft ernannte für diese Aufgabe P. Jakub Zentner FSSP. Dieser wird in Římov wohnen. Římov (Řimau) liegt 15 km südlich von Budweis und ist ein barockes Nationalkulturdenkmal und ein eindrucksvoller Wallfahrtsort mit einem sechs Kilometer langen Passionsweg, auf dem in 25 Kapellen das Leiden des Herrn vom Letzten Abendmahl bis zur Grablegung nachgestellt ist. P. Zentner wird die Sonntagsmesse um 10:30 Uhr in der gotischen Kirche Maria Opferung im historischen Stadtkern von Budweis feiern.


5. November
George Weigel über die Jugendsynode

"Und noch einen zweiten Punkt hat bisher nur Weigel so prominent hervorgehoben: Die faktische damnatio memoriae von Papst Johannes Paul II. durch die völlige Nicht-Erwähnung von dessen Person und Lehre. Kein Papst der Neuzeit habe so sehr die Jugendlichen angesprochen wie der Pole, keiner habe sich auch so umfassen für eine moderne katholische „Theologie des Leibes“ eingesetzt wie Karol Wojtyła – doch im Schlußdokument der doch eigentlich diesem Thema gewidmeten Synode komme Johannes Paul II. überhaupt nicht vor. Ebenso wenig wie in anderen Dokumenten dieses Pontifikats, das anscheinend davon ausgehe, die Kirche unter dem Einfluß eines neuartigen Geistes der Unterscheidung und der Offenheit völlig neu schaffen zu können – losgelöst nicht nur von der Tradition, sondern auch von der Heiligen Schrift, wie Weigel unter Verweis auf die unsäglichen Thesen des Papstanbeters Rosica befürchtet."

Aus dem Bericht von Summorum Pontificum über die kritischen Analysen der Jugendsynode durch Erzbischof Anthony Fisher von Sydney und George Weigel.


5. November
Clemenskirche

Vor 300 Jahren, am 5. November 1718, wurde in Hannover die Kirche St. Clemens eingeweiht. Sie ist die erste Kirche, die nach der Reformation in Hannover erbaut wurde.
1532/33 war in Hannover die Reformation eingeführt worden. Die katholische Religionsausübung wurde vollständig verboten. 1588 wurde den Katholiken sogar das Wohnrecht in der Altstadt entzogen. Das änderte sich erst, als 1665 Herzog Johann Friedrich von Calenberg (1625-1679) an die Regierung kam. Er war nämlich 1651 in Assisi zur katholischen Kirche konvertiert. An Weihnachten 1665 wurde in Hannover zum ersten Mal wieder seit der Reformation eine hl. Messe gefeiert, und zwar in der Schlosskirche. Johann Friedrich holte 1668 Kapuziner nach Hannover, später auch den seligen Niels Stensen (1638-1686), der 1667 konvertierte. Doch alle mussten 1680 nach dem Tod des Herzogs Hannover wieder verlassen. Herzog Ernst August (1679-1698), der jüngere Bruder Johann Friedrichs, verbot wieder die hl. Messe in der Schlosskirche, erlaubte allerdings aus politischen Gründen, nämlich um vom Kaiser die Kurwürde zu erlangen, die katholische Seelsorge durch Hildesheimer Jesuiten und sagte den Bau einer katholischen Kirche zu. Der wurde aber immer wieder hinausgezögert. Unter seiner Regentschaft kam es 1690 lediglich zur Errichtung einer katholischen Kapelle.
Es ist Agostino Steffani (1654-1728), schon unter Ernst August Hofkapellmeister, seit 1709 Apostolischer Vikar für Ober- und Niedersachsen, der den Kirchenbau gegen den Widerstand vieler Protestanten einschließlich des Kurfürsten energisch vorantrieb und 1711 Tommasio Gusti, seit 1693 Hofmaler des Kurfürsten, damit beauftragte. Der Nachfolger Ernst Augusts, Kurfürst Georg Ludwig (1698-1727), betrieb eine katholikenfeindliche Politik und vertrieb nach dem Tod Steffanis den Apostolischen Vikar aus Hannover.
Die Kirche wurde dem hl. Clemens geweiht, weil Papst Clemens XI. (1700-1721) sich sehr für den Bau eingesetzt und seine Finanzierung durch Bettelbriefe ermöglicht hatte.
Leo XIII. erhob 1894 St. Clemens zur Propsteikirche, Johannes Paul II. 1998 zur Basilika Minor.
Gestern wurde das 300-Jahres-Gedächtnis feierlich mit einem Hochamt begangen, das Bischof Heiner Wilmer zelebrierte.
Die St. Clemens-Basilika ist auch die Kirche, in der die Petrusbruderschaft jeden Sonntag um 15.30 Uhr ihr Hochamt feiern darf.


4. November
Jesus rettet

Egal ob im Boot oder ob außerhalb des Bootes: Wo Jesus ist, da ist Halt und Rettung. Meine Predigt von heute zu Mt. 8, 23-27.


4. November
Das Zitat

Prediger 12, 1: “Gedenke deines Schöpfers in den Tagen deiner Jugend, bevor die Zeit der Drangsal kommt und die Jahre nahen, von denen du sagen mußt: Sie gefallen mir nicht.”
Dazu die Auslegung der hl. Hildegard von Bingen. Es spricht Gott:
“Was heißt das? Erinnere dich in verständiger Gesinnung dessen, der dich geschaffen hat, wenn du nämlich in den Tagen falschen Selbstvertrauens gleichsam glaubst, es sei dir möglich, hinzugehen, wohin du wünschst, dich in die Höhe zu erheben und dich in die Tiefe zu stürzen, im Glück zu stehen und in der Drangsal zu fallen.....
Deshalb, o Mensch, umarme Gott so im Licht deiner Lebenskraft, bevor die Stunde der Läuterung deiner Werke kommt, da alles offenbar und nichts übersehen wird. Dann eilt die Zeit herbei, die nicht abgekürzt wird, von der du nach deinem menschlichen Empfinden insgeheim stammelst und sagst: "Dieser Lebenswandel, von dem ich nicht weiß, ob er zum Glück oder Unglück führt, gefällt mir nicht." Denn das menschliche Herz ist immer im Zweifel, weil es, während es Gutes tut, Not hat, ob es Gott gefällt oder nicht; und während es Böses begeht, fürchtet es für das Heil der Vergebung...”

Heilige Hildegard von Bingen


4. November
René Girard

Vor drei Jahren, am 4. November 2015, starb im kalifornischen Stanford im Alter von 91 Jahren der aus Avignon stammende Religionsphilosoph René Girard.


3. November
Der Sturm auf dem See

Morgen feiern wir im alten Kalender den vierten nachgeholten Sonntag nach Erscheinung. Dazu gibt es von mir eine Predigt auf soundcloud.


3. November
Weltlichkeit oder Heiligkeit als Konsequenz?

Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Missbrauchsskandalen für die Priesterausbildung?
Die einen fordern eine Lockerung der kirchlichen Sexuallehre, zu deutsch: bitte weniger Keuschheit! P. Vincent Ribeton FSSP dagegen, der Regens des Wigratzbader Priesterseminars, fordert eine Rückkehr “zu einer radikalen Heiligkeit”, und zwar nach jenem Modell, das schon einmal zu einer wahren Glaubenserneuerung in der Kirche beigetragen hat, nämlich dem tridentinischen. Das schreibt er im Editorial der neuesten Ausgabe des Informationsblatts. Die Idee dabei ist, sich in die Schule Christi zu begeben: “Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir” (Mt 16,24).
Möge jeder selber beurteilen, welche Konsequenz logischer ist, um das Ziel zu erreichen, dass die Kirche die “heilige Kirche” ist, wie wir sie im Credo bekennen, und nicht die Brutstätte von Verbrechern im klerikalen Gewand.


2. November
Magnus Striets Katholizismus

Er [Magnus Striet] bleibt seinen aus anderen Büchern bekannten Aussagen treu: in Anlehnung an Kants Freiheitsbegriff wird das Beharren auf objektiver oder gar geoffenbarter Wahrheit als prämodern gekennzeichnet. Was genau Wahrheit sei, ob es wirklich eine Offenbarung und ob es überhaupt einen Gott gebe, all das ist dem Fundamentaltheologen zwar nicht zweifelsfrei aussagbar, doch bei einem ist er sich ganz sicher: in einer modernen Gesellschaft muss Pluralismuskompetenz bedeuten, sich selbst nicht ganz sicher zu sein. Oder etwas platter formuliert: nur glaubhaft in den Diskurs der Moderne lässt der sich ein, der seinen Wahrheitsanspruch aufgibt. Nun, mit Katholizismus im landläufigen Sinne hat das zwar nicht mehr all zu viel zu tun, doch dass man sich dann auch nicht so recht für „Mission Manifest“ begeistern kann, verwundert weiter nicht.

Aus der Rezension von Johannes Hartl über das Buch “Einfach nur Jesus? Eine Kritik am Mission Manifest”. Ich erinnere an die Aussage des Theologen Karl-Heinz Menke in seinem Buch Macht die Wahrheit frei oder die Freiheit wahr?, in dem er sich mit Magnus Striet und Stephan Goertz auseinandersetzt: “Wo Theologie in dem Sinne ‘unabhängig’ sein will, dass sie selbst bestimmt, was wahr ist, bastelt sie sich ihren eigenen Gott.”

Beim Lehrer in diesem Video handelt es sich NICHT um Magnus Striet.


1. November
Petrusbruderschaft: Die aktuelle Statistik

Die Priesterbruderschaft St. Petrus hat ihre jährliche Statistik veröffentlicht. Hier einige Zahlen:

Derzeit gehören ihr weltweit 304 Priester an.

Sie ist in 133 Diözesen tätig. Von diesen befinden sich 41 in den USA, 36 in Frankreich und 14 in Deutschland.

An 239 Orten feiert sie regelmäßig die hl. Messe.

Sie hat 129 Niederlassungen, von denen 92 kanonisch errichtet sind.

Weltweit sind ihr 43 Personalpfarreien anvertraut, die sich auf folgende Länder verteilen: USA 33, Kanada 3 und jeweils eine in Großbritannien, Mexiko, Australien, Italien, Nigeria, den Niederlanden und der Schweiz.

Der Konfraternität St. Petrus gehören 6446 Personen an: 4525 im englischen, 990 im französischen und 931 im deutschen Sprachraum.


1. November
Die unentdeckten Seiten von kath-info (16)

An sechzehnter Stelle der im Jahr 2017 am seltensten aufgerufenen Seiten (von 629) stehen vier Beiträge:
1. die Biographien über Rupert Kornmann, Paul Capelloni und Magnus Jocham;
2. die Biographien über Alfonso de Castro SJ, Alfonso de Castro OFM, Francesco Caracciolo und Johannes Baptist Berthier;
3. die Beiträge über die Wächter (Les veilleurs);
4. die Beiträge über den Weltjugendtag in Madrid.


31. Oktober
Die Rettung der Vernunft

Was C. S. Lewis und Max Horkheimer dazu zu sagen haben: mein neuester philosophischer Podcast. Der Text wurde bereits im Mai in der Tagespost veröffentlicht.


31. Oktober
Marianna von Jesus de Paredes

Vor 400 Jahren, am 31. Oktober 1618, wurde in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, Marianna von Jesus de Paredes geboren. Sie führte ein äußerst hartes Büßerleben und starb am 26. Mai 1645 an einer unerklärlichen Krankheit, nachdem sie sich Gott zum Opfer angeboten hatte zur Rettung Quitos vor der Pest, die ausgebrochen war. 1853 wurde sie selig-, 1950 heiliggesprochen. Sie wird die “Lilie von Quito” genannt.


30. Oktober
Gesucht: Kritischer Verstand!

Auf dem MeinungsMacherBlog der Tagespost ist ein neuer Beitrag von mir erschienen:
“In den jüngsten innerkirchlichen Kontroversen, z.B um das Mission Manifest oder in der Causa Wucherpfennig, lässt sich ein bestimmtes Argumentationsmuster erkennen, das immer wiederkehrt: Demjenigen, der die kirchliche Lehre hinterfragt, wird der Gebrauch der Vernunft unterstellt, dem Gläubigen dagegen ein Mangel an Vernunftgebrauch...”
Weiterlesen.


30. Oktober
Institut Papst Benedikt XVI.

Vor zehn Jahren, am 30. Oktober 2008, wurde in Regensburg das Institut Papst Benedikt XVI. feierlich eröffnet mit der Bestimmung, zu einem zentralen Ort der Forschung über das Werk Joseph Ratzingers zu werden.


29. Oktober
Das Zitat

Es gibt eine enge Verwandtschaft zwischen der Freude und der Güte; beide machen die Seele weit. Eine geweitete Seele strömt leicht über; eine überströmende und mitteilsame Seele ist notwendigerweise wohltuend.

Charles-Louis Gay, Unterhaltungen über die Geheimnisse des Rosenkranzes


29. Oktober
Nachgiebigkeit statt Barmherzigkeit

Selbst auf den Seiten des konservativ-libertären Amerikanischen Politmagazins "National Review" staunte man über die Tatsache, dass unter der Leitung des Papstes aus "Sünde" nun "das objektive Ideal nicht gänzlich leben" geworden sei und dabei gesellschaftliche Konventionen die Christliche Lehre als Maßstab ersetzten. Das mag vorhersehbar "konservativ" klingen, doch der Autor Michael Brendan Dougherty interessiert sich vor allem für die Logik dieser Transformation. Wenn aus normativen Geboten Ideale würden, die nur bis zu einem gewissen Grad realisiert werden müssen, dann gebe es keine Sünden mehr, sondern nur noch "Halbtugenden". Dougherty sieht darin einen B-Klasse Katholizismus.
In dieser vom Papst propagierten Version des Glaubens sei Gott nicht wirklich barmherzig, sondern eher nachgiebig und indifferent. Ein Gott, der dem Stereotyp des Baby-Boomer-Papis zum Verwechseln ähnlich sieht: er erwarte sich weniger von seinen Kindern, die können sich aber umgekehrt auch weniger von ihm erwarten. So ein Gott wäre freilich nicht in der Position zu richten - und Erlösung wäre er uns geradezu schuldig, wenn er denn ein lieber Gott sein soll. Erst recht, wenn er die Kirche bis vor Kurzem mit den Qualen einer nicht lebbaren Moral in die Irre hat laufen lassen.

Aus: Raphaela Schmid, Wer ist wie Gott? Die Kirche und ihre Hirten vor dem Letzten Gericht, in: VATICAN-Magazin 11/2018.

Zum Thema Barmherzigkeit


28. Oktober
Kathinfo-Orientierungsservice

Wo sind die Beiträge von der Startseite hingekommen?
Die Predigt über die Reinigung des Herzens wurde auf der Seite Mut zur Gottesbegegnung, die über die missverstandene Verklärung auf der Seite Wie Gott uns wuchs eingebettet. Beide Predigten gehen über das Evangelium zur Verklärung Christi. Das Zitat Martin Mosebachs über den Fehler westlicher Liturgiewissenschaftler und jenes von Michael Fiedrowicz über die komplette Abrüstung findet sich beim Zusammenbruchs-Interview mit Klaus Gamber.


28. Oktober
Harmonie zwischen Glaube und Vernunft

“Deshalb ist es Unser Wunsch, den Geist der Gelehrten und aller Gläubigen und Nichtgläubigen auf den Weg und die Methode hin zu lenken, der Scotus gefolgt ist, indem er zwischen Glauben und Vernunft eine Harmonie hergestellt hat und das Wesen der Theologie auf eine Weise bestimmte, daß sie jenseits bloßer Spekulation auf wirksame Weise Handeln und Tat, Praxis und Liebe hervorbringt. In der Ausführung dieses Werkes war er vom Lehramt der Kirche und einem gesunden kritischen Geist geleitet, der ihn die Wahrheit tiefer erkennen ließ und zu der Überzeugung führte, daß das Wissen nur so viel Wert hat, als es zur Praxis führt.
Im katholischen Glauben fest verwurzelt unternahm er es, die Wahrheiten des Glaubens mit dem Licht der natürlichen Vernunft zu erkennen, zu erläutern und zu verteidigen. Nichts ließ er unversucht, um alle Wahrheiten in Einklang zu bringen, die natürlichen und die übernatürlichen, die ja in ein und derselben göttlichen Quelle ihren Ursprung haben.”

Heute vor zehn Jahren, am 28. Oktober 2008, schrieb Papst Benedikt XVI. diese Zeilen in seinem Apostolischen Schreiben anlässlich des 700. Todestages des seligen Johannes Duns Scotus.


27. Oktober
König der Herzen

Zum morgigen Christkönigssonntag gibt es auf soundcloud zwei Predigten von mir: König meines Herzens und Ein Königtum der Liebe.


27. Oktober
Jean Leclercq

Vor 25 Jahren, am 27. Oktober 1993, starb in Clerf, Luxemburg, im Alter von 82 Jahren der Mediävist und Ordenshistoriker Jean Leclercq OSB. Er war ein Schüler Étienne Gilsons und ein führender Experte für den hl. Bernhard von Clairvaux.


26. Oktober
Auszeichnung

Vor zehn Jahren, am 26. Oktober 2008, wurde Manfred M. Müller, der Autor unseres Beitrags über das Post Abortion Syndrom, in Heidelberg mit dem internationalen Literaturpreis "Preis des Lebens” ausgezeichnet, und zwar für seine Arbeit Fünf Schritte. Die Heilung der Abtreibungswunden.


26. Oktober
Alexandre Clerval

Vor 100 Jahren, am 26. Oktober 1918, starb im Alter von 59 Jahren der Theologe Alexandre Clerval. Er dozierte am Institut Catholique in Paris und war ein Spezialist für die Schule von Chartres.


25. Oktober
Genaue Auflistung

“Vor einigen Tagen hat Vigano ‘aus dem Untergrund’ seine dritte Botschaft lanciert. Darin listet er genau auf, dass Ouellet in seiner Antwort die von ihm erhobenen Vorwürfe nicht widerlegt, sondern eher bestätigt habe.”

Aus: Guido Horst, Sex, Geld und Macht, in der Tagespost von heute. Man kann diese Auflistung in der dritten Botschaft Viganos, datiert vom 19. Oktober 2018, nachlesen.


24. Oktober
Aktive Mentoren

Das Phänomen, dass Vorgesetzte in Priesterseminaren und Diözesankurien den Nachwuchs rekrutieren und fördern, der ihre sexuellen Präferenzen teilt, ist in den Vereinigten Staaten gut dokumentiert und wird nun im Zusammenhang mit McCarrick und Wuerl offen diskutiert. Beide Kardinäle waren die Protegés homosexuell aktiver Mentoren, McCarrick wurde selbst zum Täter, Wuerl war immerhin in Missbrauchsvertuschung involviert.

Aus: Raphaela Schmid, Christus kam nur bis Pennsylvania; in: VaticanMagazin Oktober 2018, S. 9-14.


24. Oktober
Die unentdeckten Seiten von kath-info (15)

An fünfzehnter Stelle der im Jahr 2017 am seltensten aufgerufenen Seiten (von 629) steht der Beitrag über den Philosophen Joseph Geyser.


23. Oktober
Wenn der Inhalt stört

Von P. Engelbert Recktenwald

Seit Jahrzehnten hören wir, dass die Kirche eine neue Sprache finden müsse, um Gehör für ihre Botschaft zu finden. Hartl hat sie gefunden. Seine Vorträge sind beliebt und erreichen z.B. über seinen youtube-Kanal eine Reichweite, von der die meisten Theologen nur träumen können. Aber gerade das passt einer bestimmten Richtung innerhalb der Theologenschaft nicht.

Dabei könnte ich eine bestimmte Kritik gut verstehen. Auch ich habe kritische Anfragen, z.B. ob laute Musik und Discofeeling bei der MEHR-Konferenz die angemessene Form und “Sprache” für den Inhalt sind, den Hartl vermitteln will. Aber Inhalt und Ziel dessen, was er vermittelt, kann ich nur befürworten: Er verkündigt den katholischen Glauben, um die Menschen zu einer lebendigen, persönlichen Beziehung zum Herrn, ihrem Erlöser, zu führen.

Aber genau das ist Gegenstand einer Kritik, für die ich als Beispiel die beißenden Ausführungen von Franca Spies, einer jungen Theologin und Redakteurin beim Theologie-Blog y-nachten, herausgreifen will.

Immerhin schreibt sie noch: “Es soll niemandem das Recht abgesprochen werden, seine Beziehung zum Erlöser zu pflegen.” Für so viel Toleranz sind wir echt schon dankbar. Ansonsten hat sie für Hartls Anliegen viel Spott und karikierendes Unverständnis übrig: “autoreferentiellen Himmel-Hölle-Sex-Brei” nennt sie es. Dabei sind die von Hartl behandelten Themen so vielfältig, dass ein Interviewpartner von IdeaSpektrum zu ihm meinte: “Sie reden über alles und jedes.” Natürlich zählen zu diesen Themen auch Sünde, Sex und Jesus. Und was tut Spies? Genau, wir können es uns denken: Sie greift diese Punkte heraus, um eine thematische Engführung bei Hartl zu suggerieren.

Spies vermisst bei Hartl die Politik. Ihre Autoritäten, an denen sie Hartl misst, sind die Vertreter der politischen Theologie. Paulus konnte noch so herrlich unpolitisch sein: “Der Sohn Gottes hat mich geliebt und sich für mich dahingegeben” (Gal 2, 20). Auf diesen Nenner bringt Paulus die Quintessenz des christlichen Glaubens. Dasselbe tut Hartl, und genau das stößt Spies sauer auf. Nicht Lehramt, Schrift und Paulus, sondern Rahner, Metz und Sölle sind ihre Referenzgrößen, um über Hartl abzuurteilen.

Dem promovierten Theologen, der stets biblisch argumentiert, wirft sie ein unkritisches Bibelverständnis vor. Von ihrem eigenen Umgang mit der Bibel gibt sie eine Kostprobe, wenn sie Gal 3,28 “Da ist nichts Männliches und Weibliches. Ihr alle seid einer in Christus Jesus” heranzieht, um allen Ernstes die Idee der Geschlechtervielfalt zu promoten, im ausdrücklichen Anschluss an Judith Butler, die die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen nicht etwa als Teil von Gottes Schöpfungsordnung, sondern als diskursives Konstrukt ansieht.

Eigentlicher Stein des Anstoßes ist für Spies also nicht die Form, sondern der Inhalt. Für sie sind es “traditionalistische Positionen”, die Hartl vertritt. In Wirklichkeit sind es schlicht und einfach katholische Positionen.

Das passt zu einer Beobachtung, die ich schon seit Jahrzehnten mache, und das ist der Punkt, auf den es mir ankommt: Modernistische Theologie fordert zwar eine neue Sprache, aber in Wirklichkeit praktiziert sie das genaue Gegenteil: Sie verpackt in der alten Sprache neue Inhalte. Sie sagt z.B. weiterhin “Jesus ist auferstanden”, meint aber: “Die Sache Jesu geht weiter.” So etwa schon Marxsen in den 70er Jahren.

Eine Theologie, die die kirchliche Lehre nicht auslegt, sondern durch eine andere ersetzt, hat ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt. Solange die Bischöfe über die ausbleibende Weitergabe des Glaubens nur klagen, aber der Blockade dieser Weitergabe an den theologischen Fakultäten tatenlos zuschauen, ist an ein Ende der Krise nicht zu denken.

Dieser Beitrag erschien am 11. Juli auf dem MeinungsMacherBlog der Tagespost.

Vgl. meine Stellungnahme Demagogische Mission zur Kritik von Ursula Nothelle-Wildfeuer am Mission Manifest.

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Freiheit u. Gnade
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Genderideologie
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