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* * * 27. Juli Von P. Franz Prosinger Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Bischof Bernard Fellay, hielt am 7. Juli dieses Jahres einen Vortrag in Bahia/Brasilien in spanischer Sprache. Zunächst wird das Zweite Vatikanische Konzil in der üblichen Schwarz-weiß-Malerei „entlarvt“. Die Theologen, die unter dem Pontifikat Pius´ XII. zensuriert worden sind bei Fellay undifferenziert „verurteilt“ -, wurden während des Konzils rehabilitiert und gar zu Konzilstheologen. Also, so lautet die Folgerung, stelle das Konzil einen Bruch mit der Tradition dar. Was ist dazu zu sagen? Zunächst gilt es, die unterschiedliche Gewichtung der Äußerungen kirchlicher Dikasterien zu unterscheiden. De Lubac zum Beispiel wurde von seinem Orden, der Societas Jesu, ein Lehrverbot auferlegt, weil man ihn der nouvelle theólogie zurechnete (was Lubac immer von sich gewiesen hat). John Courtney Murray S.J. wurde von Kardinal Ottaviani im Jahr 1954 gemaßregelt, er solle nicht mehr über das Thema der Religionsfreiheit publizieren. Auch die Veröffentlichungen von Karl Rahner S.J. wurden besonders beargwöhnt von „Verurteilungen“ kann keine Rede sein. Yves-Marie-Joseph Congar O.P. wurde von 1954 bis 1956 ein Lehr- und Schreibverbot auferlegt, weil man im Vatikan seine Positionen, mit denen er sich in der Bewegung der Arbeiterpriester engagierte, als extrem ansah. Auch hier wurden keine Bücher zensiert oder theologische Thesen verurteilt. Aber selbst wenn ein Buch auf den Index gekommen wäre, so wäre dies kein unfehlbarer Akt des kirchlichen Lehramtes. Die Feinde Fénelons drängten mit politischem und finanziellem Einfluß in Rom auf eine Verurteilung seiner Werke, erreichten aber „nur“ eine eingeschränkte Zensur. Die ersten wirklich noch harmlosen Werke Joseph Wittigs kamen auf den Index durch den Neid seiner Kollegen an der theologischen Fakultät in Breslau. Die Maßregelungen der genannten Theologen durch das damalige Heilige Offizium unter Kardinal Ottaviani können nicht ausgespielt werden gegen die Äußerungen des Kirchlichen Lehramtes, wie sie etwa in den Dogmatischen Konstitutionen des Zweiten Vatikanums durch die Unterschrift des Papstes, die überwältigende Mehrheit der Bischöfe (einschließlich Mons. Lefébvres) und die feierliche Verkündigung stattfanden. Daß die genannten Theologen schon vor und während des Konzils zu besonderer Anerkennung gelangten, muß nicht als Bruch interpretiert werden, ist aber doch Zeichen einer Entwicklung, die man zunächst als neuen Aufbruch ansehen kann. Der dann schon während und vor allem nach dem Konzil einsetzende Abbruch an Lehre, Liturgie und Spiritualität muß wiederum gesondert betrachtet werden. Natürlich waren im neuen Aufbruch bereits Ansätze für den Abbruch, aber es gab in der Trennung der Konzilstheologen in die beiden Lager um die Zeitschriften Concilium und Communio auch große Unterschiede, die es zu beachten gilt. Wer nur die beiden Kategorien „Modernisten“ und „Traditionalisten“ kennt, versteht die Situation nicht. Worum ging es? Zunächst um einen Aufbruch aus der alten Handbuchtheologie, der schon Jahrzehnte vor dem letzten Konzil einsetzte. In den 50-Jahren betonte Joseph Pieper in seinen Büchern und Vorträgen, daß es eine „Fälschung (sei), eine von der Theologie abgetrennte `aristotlisch-thomistische Philosophie´ für die philosophische Weltansicht des Thomas von Aquin auszugeben“ (Noch nicht aller Tage Abend, München 1979, S. 296). Insbesondere ließ die alte Handbuchtheologie eine Klärung der Beziehung von Natur und Übernatur vermissen. Der Versuch Lubacs in seinem Buch Surnaturel im Jahr 1946 wurde von Professor Scheffczyk bei seinen Vorlesungen in unserem Seminar in Wigratzbad zunächst als positiver Ansatz gewertet, dann aber auch kritisiert und durch einen meines Erachtens besseren Versuch ergänzt. Selbstverständlich bewegen sich all diese theologischen Reflexionen innerhalb des vom kirchlichen Lehramt vorgegebenen Rahmens, vor allem der Gnadenlehre des Konzils von Trient an der nachkonziliären Revolution haben weder Lubac noch Scheffczyk irgendeinen Anteil. Ebenso deutlich ist auch der Aufbruch in der katholischen Bibelwissenschaft während der 50er und 60er Jahre. Voraus ging der peinliche Modernismus-Verdacht und eine vorübergehende Abberufung aus Jerusalem (ohne förmliche Lehrverurteilung) gegen den großen Exegeten Marie-Joseph Lagrange, dessen Seligsprechungsprozeß läuft. Kürzlich hat Maurice Gilbert S.J. aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens des Päpstlichen Bibelinstituts in Rom dessen Geschichte publiziert. Als ersten Rektor ernannte der hl. Pius X. mit P. Fonck S.J. einen verbissenen Gegner von P. Marie-Jospeh Lagrange O.P., dem Gründer der École Biblique in Jerusalem. Gedacht war das Bibelinstitut als defensives Bollwerk gegen die neueren Forschungen, d.h. das, was wir heute als wissenschaftliche Exegese ansehen. Aber schon unter dem Rektorat von P. Agostino Bea war vielen Bischöfen das Biblicum suspekt und sie kritisierten Pius XI. wegen seiner öffentlichen Unterstützung desselben. Zur Krise kam es, als Don Franceso Spadafora, Mons Antonino Romeo und Kardinal Ernesto Ruffini die beiden Professoren Stanislas Lyonnet und Max Zerwick öffentlich angriffen und diesen durch das hl. Offizium von 1962 bis 1964 ein Lehrverbot auferlegt wurde. Kardinal Ruffini gehörte zur selben Zeit zusammen mit Erzbischof Lefébvre zu den wichtigsten Männern im internationalen Coetus Patrum, der Gruppe der Konservativen während des Konzils. Wer etwa die Lehre des Konzils von Trient über den Sühnopfercharakter exegetisch begründen will, wird bei Lyonnet (De peccato et redemptione) die allerbesten Argumente finden. Freilich wird seinen Gegnern die kleine Schrift über Gesetz und Freiheit bei Paulus weniger gefallen haben, da sie selbst von einer legalistischen Religionsauffassung betroffen waren. Spadafora lebte noch bis 2007 und schrieb in der mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. verbundenen Zeitschrift sìsì nono, die noch kürzlich vom Kampf von Mons. Romeo und Spadaforas gegen den „Verrat des Päpstlichen Bibelinstituts“ schrieb, da Lyonnet angeblich mit der korrekten Übersetzung von Röm 5,12 aus dem Griechischen dem Konzil von Trient widersprochen hatte (Lyonnet zeigte ganz klar, daß auch ohne den Vulgatatext die Lehre der Erbsünde aus Adam in Röm 5,12 folgt). Kurzum: für einen konservativen, aber wissenschaftlich arbeitenden Exegeten kann inzwischen gar kein Zweifel bestehen, daß Lyonnet und nicht Spadafora im Recht war. Aber auch wenn jemand die alte Handbuchtheologie und den Vulgatatext als beste Grundlage der Exegese verteidigt, so müßte er immer noch nachweisen, daß durch die Neuorientierung und den theologischen Aufbruch tatsächlich auch in den endgültig promulgierten Text des Konzils ein Widerspruch zum verbindlichen Lehramt der Kirche gelangt wäre. Mit Texten hat sich Fellay in seinem zweistündigen Vortrag überhaupt nicht auseinandergesetzt. Im Stil Mons. Lefébvres zitierte er einige Male Kardinal Ratzinger bzw. Papst Benedikt aus dem Gedächtnis, aber nicht in dessen, sondern in seiner eigenen Terminologie. Was dabei herauskam, sind sicher nicht die Gedanken des Papstes (z. B. zu „alter“ und „neuer Messe“, oder der Erlaubnis der Messe durch das Motu Proprio). Die ganze Schwarz-weiß-Malerei gipfelt in dem Satz, daß „wir erst anerkannt werden, wenn wir alles akzeptieren, was modern bzw. modernistisch ist“. Bischof Williamson schrieb kürzlich, daß ein Dialog gar nicht stattfinde, sondern nur zwei Monologe, da man mit den Theologen der Kommission des Vatikans gar nicht sprechen könne. Da ich zumindest drei dieser Theologen kenne, weiß ich, daß die Dialogunfähigkeit sicher nicht auf deren Seite liegt. Außerdem sind sie bekannt für ihre Treue zur überlieferten Lehre der Kirche. Nach Fellay ist Benedikt XVI. ein wandelnder Widerspruch: konservativ im Herzen, aber modernistisch im Kopf. In einer Mischung von Empörung und Mitleid werden Positionen beurteilt, die zuvor einseitig und primitiv dargestellt worden sind. Es ist rührend zu sehen, wie man uns Bayern noch ein Herz zutraut, das an der Tradition hängt, aber nicht genügend Verstand, um den Modernismus abzuwehren. Dabei täte es den Anhängern der alten Handbuchtheologie, die einen Rationalismus im Bereich der Natur und einen Irrationalismus im Bereich der Übernatur vertreten ganz extrem bei Richard Williamson -, den Regensburger Vortrag über die Beziehung von Vernunft und Glauben gut zu studieren. Geradezu populistisch wurde Fellay, als er sich darüber amüsierte, daß die Exkommunikation aufgehoben, aber die volle Kommunion nicht vorhanden sein soll. Dabei könnte ihn jeder Kirchenrechtler aufklären, daß die Aufhebung der äußeren Strafe noch keine Regulierung der kirchlichen Eingliederung eines Bischofs bedeutet (ähnlich wie bei der Aufhebung der Exkommunikation des Patriarchen von Konstantinopel). Vor allem aber sollte das Dogma des Konzils von Trient geglaubt werden, daß es keine Bischöfe geben kann bzw. darf, die nicht rechtmäßig geweiht und in legitimer Weise gesandt sind (DS 1777) der Kontext spricht von der Autorität des Pontifex Romanus (DS 1778). Ein Eventueller Sendungsauftrag zur erlaubten Sakramentenspendung könnte ja erst als Ergebnis des stattfindenden Dialogs über die Differenzen in der Glaubensauffassung erfolgen. Die Aufhebung der Exkommunikation sollte ein Entgegenkommen sein, um die geplanten Gespräche zu erleichtern aber die Polemik Fellays schlägt daraus nur Kapital, um sich vor den eigenen Anhängern zu bestätigen. Die Aussage Bischof Galaretas, man wünsche für die nächsten 10 Jahre kein Übereinkommen mit Rom, wird durch den Vortrag Fellays bestätigt. Man sieht in der „Kirche“ seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht mehr die wahre Kirche Christi und hält die Päpste seit Paul VI. für Gefangene modernistischer Ideen. Wenn man bei youtube die Stichworte „Fellay“ und „Freimaurer“ eingibt, dann kann man eine Aufnahme sehen, in der Bischof Fellay in zwar ruhiger und sympathischer Weise, aber doch auf dem Niveau alter Betschwestern über die Besetzung des Vatikans durch die Freimaurer spekuliert: „Man kann es zwar nicht beweisen, aber ich glaube schon...“ Der nächste Beitrag ist für den 31. Juli geplant. 26. Juli 26. Juli Vor 250 Jahren, am 29. Juli 1860, wurde in der Pfarrkirche zu Glatz der am 30. Dezember 1757 auf Befehl von Friedrich II. hingerichtete Andreas Faulhaber bestattet, nachdem die Österreicher den Ort erobert hatten. Faulhaber, am 27. Mai 1713 in Glatz geboren und 1750 zum Priester geweiht, wurde ein Märtyrer des Beichtgeheimnisses, weil er jede Auskunft über die Beichte eines Deserteurs, der ihn der Anstiftung zur Fahnenflucht beschuldigt hatte, verweigerte. 26. Juli Vor 150 Jahren, am 29. Juli 1860, wurde der selige Michael Rua, der unmittelbare Nachfolger des hl. Don Bosco in der Leitung der Salesianer, zum Priester geweiht. 20. Juli Vor 150 Jahren, am 25. Juli 1860, brach der Missionar Felix Ridel (1830 - 1884) nach Korea auf. 20. Juli Vor 100 Jahren, am 25. Juli 1910, wurde in München der Pastoraltheologe Josef Goldbrunner geboren. Er lehrte in Berlin, Saarbrücken und Regensburg und starb am 8. September 2003. 20. Juli Vor 150 Jahren, am 25. Juli 1860, wurde im rheinländischen Rittershausen der Publizist und Gelehrte Paul Maria Baumgarten geboren. Er machte sich unter anderem um die Begründung der kirchlichen Statistik verdient und starb am 29. Dezember 1948 in Neuötting. 20. Juli Vor 50 Jahren, am 25. Juli 1960, vereinfachte Papst Johannes XXIII. die Rubriken für Brevier und Missale durch das Motu proprio Rubricarum Instructum. Außerdem ordnete er an, dass das Fest des hl. Papstes Pius X. auf der ganzen Welt am 3. September gefeiert wird. 20. Juli Wohlwollende Kritiker der "Design-Theorie" geben ihren Vertretern zu bedenken, dass sich Gläubige mit ihr in eine unkomfortable Lage begeben. Sie siedeln ihre Überzeugung in den Nischen des einstweilen noch nicht Erklärten an, aus denen sie immer wieder von Neuem vertrieben werden. Mehr taktisch und pastoral als an Wahrheitsfragen orientierte Theologen versuchen es denn auch seit Langem mit einer Immunisierungsstrategie: Um sich keinesfalls mit der Wissenschaft anzulegen, vermeiden sie es, überhaupt irgendetwas zu behaupten, was in den Bereich des Empirischen und deshalb im Prinzip Falsifizierbaren fällt. Der Preis, den sie dafür bezahlen, ist allerdings die Trivialisierung ihrer Botschaft. Jeder kann ihr zustimmen, weil sie keine belangvolle Information enthält. Und diesen Preis wollte Kardinal Schönborn offenbar nicht zahlen. Robert Spaemann am 22. Juli 2005 im Standard zur Diskussion über Kardinal Schönborns NYT-Artikel Finding design in nature. Zum Thema Design und Evolution 20. Juli Vor 10 Jahren, am 23. Juli 2000, starb Erzbischof Johannes Dyba von Fulda. 20. Juli Vor 100 Jahren, am 22. Juli 1910, starb in Chantilly der Historiker Leopold-Victor Delisle. Am 24. Oktober 1826 in Valognes (Manche) geboren, leistete er Bahnbrechendes unter anderem in der Sakramentarforschung. 19. Juli Noch lange nachdem David [David Reimer, der mit knapp zwei Jahren von Dr. John Money einer Geschlechtsumwandlung unterworfen worden war] wieder zu seiner männlichen Identität zurückgekehrt war, behauptete Dr. Money, sein Experiment mit den Zwillingen sei gelungen. Er wollte seine Theorie nicht von der Realität korrigieren lassen. Erst 1997 erfuhr die Fachöffentlichkeit durch eine Veröffentlichung in einer medizinischen Fachzeitschrift, daß sich David von Anfang an gegen die aufgezwungene Identität zur Wehr gesetzt hatte. Einer der Autoren des Aufsatzes war Milton Diamond, der Moneys Thesen immer wieder widerlegt hatte. Er und sein Mitautor Keith Sigmundson machten deutlich, daß Davids Fall das Gegenteil dessen belegt, was von Money behauptet worden war. Sie schlossen daraus, daß Geschlechtsidentität weitgehend angeboren und ein Ergebnis pränataler Hormonaussschüttungen und anderer genetischer Einflüsse auf Gehirn und Nervensystem sei. Sie warnten vor einer Geschlechtsneuzuweisung auch bei intersexuellen Kindern. Wegen ihrer Brisanz fand die Studie lange keinen Herausgeber denn Moneys Theorien waren im medizinischen Establishment anerkannt. Auch eine Langzeitstudie des Kinderurologen Bill Reiner fand wenig Gehör: Reiner hatte lange selbst Gentitaloperationen an intersexuellen Kindern vorgenommen und war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen wie Diamond/Sigmundson. Die auf Moneys Arbeit gegründete klinische Praxis wurde erst erschüttert, als David dem Schriftsteller John Colapinto erlaubte, seine Geschichte an die Öffentlichkeit zu bringen. Auszug aus Benitas hochinteressanter Schilderung der gespenstischen Anfänge der Gender-Theorie: über das verbrecherische Experiment Moneys, den ideologischen Widerstand gegen die Wahrheit und das Versagen der Medien. Weitere Infos über Gender-Mainstreaming 19. Juli Alles spricht von der Vertrauenskrise, in welche die Kirche geraten sei. Aber niemand spricht von der Krise des Journalismus. Dabei brachte die Frühjahrsumfrage der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zutage, dass Kleriker das Vertrauen von 55 % der Deutschen genießen, Journalisten aber nur das von 42 %. Bei Politikern liegt der Wert sogar nur bei 14 %. Nun ist zwar der Rückgang des Vertrauens gegenüber Klerikern im Vergleich zur Vorjahreserhebung der GfK größer als bei den Journalisten. Doch das relativiert sich wieder, wenn man die Umfrage von Reader’s Digest von September/Oktober 2009 dagegenhält: Da lagen die Werte für Priester/Pfarrer bei 51 %, für Journalisten bei 26 %! 18. Juli Von Prof. Dr. Dr. Julius Beßmer SJ Siebter Teil Bis weit ins verflossene Jahrhundert hinein war es das Vorrecht der Rationalisten, gegen die Beweise für die Offenbarungstatsache Front zu machen und auf diese Weise den Glauben zu untergraben. Ihnen hat sich aber um die Jahrhundertwende Abbé Loisy zugesellt. Er schrieb in einem Aufsatz, betitelt Les preuves et l`économie de la révélation (Revue du Clergé français XXII (1900) 126 ff), folgende Sätze, welche die Lehre des Vatikanischen Konzils vollständig umdeuten und entwerten, zu denen wir eine Reihe von Bemerkungen nicht unterlassen dürfen. "Das Vatikanum hat Wunder und Weissagungen nicht wissenschaftlich definiert, aber es hat ihren wesentlichen Charakter angegeben; sie sind göttliche Tatsachen, und gerade die göttliche Tatsache ist es, die als Beweis für die Religion dient. Eine göttliche Tatsache ist eine solche, durch die Gott sich einer Seele mit gutem Willen erkennbar macht [2]. Die große, göttliche Tatsache ist die Religion selbst in ihrem beständigen Fortschritt seit ihren geringen und weit entlegenen Anfängen bis zum Heiland Jesus und seit Jesus in der Kirche. Diese große übernatürliche Tatsache ist gleichsam ein Gewebe aus sehr verschiedenen göttlichen Offenbarungen, von denen jede für sich als eine göttliche Tatsache betrachtet werden kann, unerklärlich für die Vernunft und gerade dadurch vom Standpunkt des Glaubens aus eine wahre Offenbarung [3]. Es wird uns nicht wundern, dass wir bei Loisy plötzlich wieder vor einem Satze stehen, der im „neuen Syllabus“ verurteilt ist. Satz 25: Die Glaubenszustimmung gründet sich endlich und letztlich nur auf eine Summe von Wahrscheinlichkeiten. “Die Anhäufung außerordentlicher Tatsachen, welche die Geschichte der Religion darstellt, ist vor der Vernunft nur eine Anhäufung von Wahrscheinlichkeiten, die für ihre Göttlichkeit und, wenn man so sagen darf, für Gott selbst sprechen. Die Vernünftigkeit des Glaubens ergibt sich aus dieser Anhäufung, die das vernünftige Fundament der Gewissheit in der moralischen Ordnung ist; aber die absolute Gewissheit der göttlichen Tatsache ergibt sich nicht aus ihren Beweisen und kann sich nicht daraus ergeben; sie entspringt aus einem höheren Lichte, welches die Beweise und die Tatsachen selbst beleuchtet; das ist das Licht des Glaubens.” Im Hintergrunde aller Ausführungen Loisys steht, wie bei allen Modernisten überhaupt, eine grundfalsche Auffassung vom “Glaubensakte”. Christian Pesch fasst in seiner Schrift „Glaube, Dogmen und geschichtliche Tatsachen“ (Theologische Zeitfragen IV 147) die modernistischen Anschauungen über den Glauben unter Angabe der Belegstellen in folgenden Sätzen zusammen: „Loisy belehrt uns, dass die Offenbarung ein psychologischer Vorgang ist, bei dem Gott auf die Seele einwirkt, und dass der Glaube die entsprechende Rückwirkung ist, durch welche die Seele Gott entgegenstrebt, keine Aussage theoretischer Sätze, sondern eine vitale Vereinigung der ganzen Seele mit Gott. Ähnlich redet Tyrell: Gegenstand des Glaubens ist der göttliche Liebeswille, dem wir unseren Willen anpassen. Der Glaube ist eine Tätigkeit des 'religiösen Sinnes', d. h. 'des Bewusstseins gewisser Wirklichkeiten, denen wir unser Benehmen anpassen müssen, und gewisser Gefühle und Strebungen zu denselben.' 'Glaube an Gott bedeutet Glaube an das Gewissen, die Aufrichtigkeit, die Wahrheit, blinden Glauben an etwas, was weder Schlussfolgerung noch Erfahrung rechtfertigen kann, was aber den Herzen zugeflüstert und geoffenbart wird, dass nämlich Wahrheit und Recht schließlich siegen müssen.' Die Seele erfasst die Wirklichkeit Gottes und seines Einflusses und entspricht diesem Einfluss durch eine Tätigkeit, die zugleich Schauen, Fühlen und Wollen ist. Nach Laberthonnière ist der Glaube eine tiefinnere Tätigkeit, durch die man sich dem Absoluten erschließt und hingibt, und die Wahrheit des Glaubens 'besteht nicht in definierten Ideen, sondern in jener lebendigen und vielfältigen Wirklichkeit, die das Sein Gottes und das Sein der anderen heißt'.“ Anmerkungen: [2] Diese Definition hat Loisy selbst erfunden. Sie macht von vorneherein jede Beweisführung zu Gunsten der Offenbarungstatsache zum Kreisschluß. [3] D. h. für den, der schon glaubt, ist die Offenbarung für sich selbst Zeugnis. Daß die Einzeltatsache für die Vernunft unerklärbar sei, stimmt absolut nicht zu den sonstigen Aufstellungen Loisys und wird von diesem sogleich geradezu geleugnet. [4] Hier hätte Loisy notwendig beifügen müssen, was er an anderer Stelle deutlich sagt: Es gibt keine Wunder im Sinne von übernatürlichen Tatsachen. „Das Wunder, richtig aufgefasst, ist der Lauf der Welt und des Lebens nach der Anschauung des Glaubens, der allein das Rätsel durchdringt. Derselbe Lauf der Welt und des Lebens, von außen her, durch die Vernunft betrachtet, ist die Naturordnung, das Gebiet des Wissens und der Philosophie“. Das gibt den sich anschließenden Erörterungen ein ganz anderes Licht. [5] Kein Mensch vermag die "ganze religiöse Entwicklung in ihrer Gesamtheit und ihren Einzelheiten" zu überblicken. So ist denn auch die letzte Ausflucht Loisys eine Sackgasse. Auf dem Standpunkt Loisys ist ein vernünftiges Glauben unmöglich. [6] Bestimmte Tatsachen, wie z. B. die plötzliche Genesung von einer schweren Krankheit, die Auferstehung vom leiblichen Tode, tragen die Evidenz ihres göttlichen Ursprungs zur Schau. Diese Evidenz gründet sich nicht auf geschichtliche Kenntnis, nicht auf bloße Beobachtung, sondern sie ist metaphysischer Art, sie stützt sich auf das Gesetz vom hinreichenden Grund. [7] Es ist vollkommen unwahr, wenn Loisy behauptet, bei “der Erkenntnis der metaphysischen Bedingungen der beobachteten Tatsache stehe nur das Feld der Hypothesen offen; im Gegenteil haben wir wenigstens reduktiv metaphysische Sicherheit über die Ursachen der beobachteten Tatsache. Diese setzt in unserem Fall weder eine komprehensive Erkenntnis der Dinge noch eine wesenhafte Erkenntnis Gottes voraus, sondern bloß die sichere Überzeugung von der Beschränktheit der irdischen Kräfte. wird fortgesetzt 17. Juli Die ersten drei Plätze sind unverändert geblieben. Es gibt zwei Aufsteiger des Monats: Die Studie von P. Sven Conrad über Theodor Schnitzler und - aufgrund des Videos - die Chesterton-Seite, die um 30 Plätze auf Platz 13 gestiegen ist und die Top 12 knapp verpasst hat. 17. Juli Vor 50 Jahren, am 17. Juli 1960, starb in Leopoldov, Slowakei, der Märtyrer Pavel Peter Gojdic OSBM. 16. Juli Von Dietrich von Hildebrand 4. Folge Notwendigkeit und Intelligibilität der Bedeutsamkeitskategorien Ein Studium der Bedeutsamkeitskategorien, die unseren Willen oder unsere affektiven Antworten motivieren können, d. h. eine Untersuchung der Gesichtspunkte, nach denen etwas den Charakter des Bedeutsamen annimmt, ist von größtem philosophischem Interesse. Wir werden uns später darüber hinaus fragen müssen: Welche Arten der Bedeutsamkeit erweisen sich als Proprietäten des Seienden selbst, unabhängig von dem Gesichtspunkt, nach dem wir uns ihnen zuwenden können? Dies ist offenbar eine neue, andersartige Frage. Nichtsdestoweniger ist die Analyse der möglichen Gesichtspunkte, nach denen Etwas als ein Gut betrachtet werden kann, keineswegs ein Problem aus dem Bereich der empirischen Psychologie. Diese beschäftigt sich mit Phänomenen wie der Verdrängung, dem Prozeß des Erlernens, den Assoziationsgesetzen usw. Dagegen befaßt sich eine Untersuchung der verschiedenen Gesichtspunkte, nach denen einem Gegenstand Bedeutsamkeit zukommt, mit notwendigen, im höchsten Maß intelligiblen data, analog den aristotelischen Kategorien der Prädikation. Selbst als Gesichtspunkte der Erkenntnislehre überschreiten die Kategorien auf Grund ihrer Intelligibilität und ihrer letztlichen Sinnträchtigkeit den Rahmen rein empirischer Psychologie. Das gilt auch für die Bedeutsamkeitskategorien. Sogar als mögliche Gesichtspunkte einer Motivation betrachtet, erweisen sie sich als ebenso klar umrissene und intelligible Begriffe wie die der logischen Sphäre. Ihre Einsichtigkeit und ihr dichter Sinngehalt verleihen ihnen eine hohe philosophische Bedeutung. Hier stehen wir nicht psychologischen Phänomenen gegenüber, die nur empirischer Beobachtung zugänglich sind. Es ist nicht unsere Absicht, das Vorhandensein gewisser Bedeutsamkeitstypen in unserer Motivation nur als nacktes empirisches Faktum festzustellen. Wir wollen vielmehr die apriorische [6] Einsicht gewinnen, daß bestimmte Typen von Bedeutsamkeit wirklich existieren. Diese Einsicht kann als Analogon zu jener Erkenntnis betrachtet werden, in der wir ein Urteil als kategorisch, hypothetisch oder alternativ bezeichnen oder in der wir sagen, ein Urteil könne entweder positiv oder negativ sein. Doch ihre innere Notwendigkeit und Intelligibilität, die sie prägt, schließt sie nur von dem Gebiet der empirischen Psychologie aus, und nicht unbedingt von dem der rationalen Psychologie, die Wesensforschung ist. Denn diese, d. h. die philosophische Anthropologie, befaßt sich gleichfalls mit notwendigen, intelligiblen Seinsgebilden und zielt auf apriorische Einsichten. Gleichwohl können die Bedeutsamkeitskategorien aus einem anderen Grund nicht als Gegenstand der Philosophie vom Menschen angesehen werden. Diese beschäftigt sich ausschließlich mit Seinsgebilden, die ein realer Bestandteil der menschlichen Person sind. Offenbar sind die Kategorien der Prädikation, obwohl sie eine denkende Person voraussetzen, nicht selbst ein realer Teil des menschlichen Geistes. Darum sind sie nicht Gegenstand der philosophischen Anthropologie, sondern der Logik. Analog dazu sind die Bedeutsamkeitskategorien, d. h. die Gesichtspunkte, nach denen etwas den Charakter der Bedeutsamkeit annimmt, kein realer Teil der menschlichen Seele; darum können sie nicht als Gegenstand der rationalen Psychologie gelten. Auf der anderen Seite bestreiten wir nicht, daß sich aus diesen Phänomenen auch für die Philosophie vom Menschen viele interessante Probleme ergeben. Nach der Erörterung der Bedeutsamkeitskategorien als grundlegender Gesichtspunkte der Motivation werden wir jetzt nach den Arten der Bedeutsamkeit fragen, die das Seiende selbst, unabhängig von jeder Zuwendung zu ihm besitzen kann. Wir müssen hier betonen: Eine Analyse der verschiedenen Bedeutsamkeitstypen ist nicht nur unerläßlich für die Erforschung des metaphysischen Problems, welche Art der Bedeutsamkeit das Sein und das Seiende in sich besitzen; sie ist auch von höchstem Interesse für das Subjekt der Ethik. Nicht nur das Wesen des Objektes unseres Willens ist in der Ethik von überragender Wichtigkeit, sondern auch der Gesichtspunkt, unter dem sich eine Person diesem Objekt zuwendet. Denn der Gesichtspunkt, nach dem wir etwas wählen, ist durchaus nicht mit der objektiven Bedeutsamkeit des Gegenstandes selbst identisch, wie das klassische Beispiel einer sittlich bösen Haltung zeigt. 3. Kapitel: Die Kategorien der Bedeutsamkeit Das in sich Bedeutsame und das bloß subjektiv Befriedigende Wir wollen unsere Analyse der verschiedenen Kategorien von Bedeutsamkeit, die unseren Willen und unsere affektiven Antworten motivieren können, mit einem Vergleich der beiden folgenden Erlebnisse beginnen: Nehmen wir erstens an, jemand mache uns ein Kompliment. Wir merken vielleicht, daß wir es nicht ganz verdienen, aber es ist uns dennoch angenehm, es gefällt uns. Es ist nichts Neutrales und Indifferentes für uns, wie wenn uns jemand erklärt, sein Name beginne mit einem T. Vielleicht werden uns viele andere Dinge vor diesem Kompliment gesagt, Dinge von neutralem und indifferentem Charakter, aber jetzt tritt das Kompliment gegenüber allen anderen Feststellungen in den Vordergrund. Es stellt sich uns als angenehm dar, ausgestattet mit den Merkmalen eines bonum, kurz als etwas Bedeutsames. Nehmen wir ferner an, wir seien Zeugen einer großmütigen Tat geworden, jemand habe ein schweres Unrecht verziehen. Auch hier fällt uns ein Unterschied zu neutralen Tätigkeiten auf, z. B. zum Sichankleiden oder Eine-Zigarette-Anzünden. Der Akt des großmütigen Verzeihens leuchtet in der Tat als etwas Edles und Kostbares auf; er trägt das Merkmal des Bedeutungsvollen. Er bewegt uns und erweckt unsere Bewunderung. Wir erkennen nicht nur, daß diese Tat sich ereignet, sondern daß es besser ist, daß sie sich ereignet, besser, dieser Mann handelt so und nicht anders. Wir sind uns bewußt, dieser Akt ist bedeutsam, er ist etwas, was sein soll. Anmerkungen: [6] Der Terminus „a priori“ muß hier im Sinne einer Erkenntnis von veritates aeternae verstanden werden, und nicht im Sinne Kants. Vgl. ‚Prolegomena‘ S. 13 Anm. 1. Wird fortgesetzt 15. Juli Vor einem Jahr, am 15. Juli 2009, starb im Herz-Jesu-Kloster in Bonn-Pützchen Schwester Isa Vermehren RSCJ. Isa Vermehren wurde am 21. April 1918 als Tochter liberaler protestantischer Eltern geboren. 1933 flog sie vom Gymnasium Ernestinenschule, weil sie aus Solidarität mit einer jüdischen Schulkameradin den Gruß der Hakenkreuzfahne verweigerte. Sie ging nach Berlin, wo sie in der Katakombe, dem politischen Kabarett Werner Fincks, unter dem Künstlernamen Hanna Dose auftrat, das Nazi-Regime auf die Schippe nahm und schnell bekannt wurde. Zwei Jahre später ließ Josef Goebbels die Katakombe schließen. Vermehren spielte in mehreren Filmen, so in Knockout (1935, mit Max Schmeling) oder In jenen Tagen (1947). Isa Vermehren holte ihr Abitur auf einer Abendschule nach. 1938 konvertierte sie zum katholischen Glauben. Über Motiv und Bedeutung dieses Schritts gibt sie selbst Auskunft: “Ich suchte schon damals nach einer Sinnmitte, etwas, wofür man leben und sterben kann. Das habe ich im katholischen Glauben gefunden. Gott erkennen, ihn lieben - und dienen, mehr will ich nicht” (zitiert in: Gabriele Gräfin Plettenberg, Mutter Isa Vermehren ist gestorben, in: Komma 63-64/2009, S. 8 f). Geholfen hatten ihr dabei die Lektüre Otto Karrers und die Gespräche mit Elisabeth Gräfin Plettenberg, die drei Jahre später ihren um fast zwei Jahren jüngeren Bruder Erich Vermehren (de Saventhem) heiratete. Im Januar 2008 bekannte sie in einem Interview mit Michael Ragg von Kirche in Not zu den Gründen ihrer Konversion: “Ich hatte das Glück, in Berlin in eine Gruppe überzeugter Katholiken zu geraten. Diese Leute waren so beeindruckend.” Ragg: “Was konkret hat Sie an diesen Katholiken beeindruckt?” Vermehren: “Sie hatten die Enzyklika "Mit brennender Sorge" vervielfältigt und weitergegeben, obwohl es verboten war. Mehrere von ihnen wurden deswegen sogar eingesperrt. Diesen Umgang mit einer anderen Meinung fanden wir in unserem liberalen Zuhause unmöglich. Die Katholiken konnten auch alle Auskunft geben über ihren Glauben, was und wie sie glaubten, und wie der Glaube sich bewährt in der Bedrängnis. So eröffnete sich mir eine völlig neue Welt, zu der ich bislang noch keinen Zugang gehabt hatte.” Erich Vermehren war Mitglied der Abwehr unter Admiral Wilhelm Canaris (der später zusammen mit Bonhoeffer gehängt wurde). Als er sich im Januar 1944 zusammen mit seiner Frau von seinem Einsatzort Istanbul nach London absetzte, griff Goebbels zum Mittel der Sippenhaft und ließ Isa Vermehren verhaften. Sie kam nacheinander in die Konzentrationslager Ravensbrück, Buchenwald und Dachau. Am 4. Mai 1945 wurde sie in Südtirol, wohin sie als Mitglied des Geiseltransports verschleppt worden war, befreit. In ihrem Buch Reise durch den letzten Akt (1946) verarbeitete sie ihre Erlebnisse aus dieser schweren Zeit, die für sie zu einer “Schule des Glaubens” geworden war. “Diese tiefen Erfahrungen haben ihr vor dem Hintergrund des neu gewonnenen katholischen Glaubens immer einen Freiraum für ihr kritisches Denken und ihr sicheres Urteil bewahrt” (Plettenberg, S. 8). In einem Spiegel-Interview antwortete sie auf die Frage, wie Gott solches Leid zulassen könne: “Auschwitz ist die Welt, die die Menschen sich bauen, die von Gott nichts mehr wissen oder wissen wollen.” Sie studierte in Bonn Theologie, Deutsch, Englisch, Geschichte und Philosophie. Am 15. September 1951 trat sie in Bonn-Pützchen bei den Sacré-Coeur-Schwestern ein, also in die von der hl. Sophie Barat gegründete Gesellschaft vom Heiligsten Herzen Jesu. Sie wurde als Lehrerin in den ordenseigenen Gymnasien eingesetzt. Ab 1962 war sie Oberstudiendirektorin des Sankt-Adelheid-Gymnasiums in Bonn-Pützchen, von 1969 bis 1983 der Sophie-Barat-Schule in Hamburg. Zur selben Zeit gehörte sie dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken an. Von 1986 bis 1998 sprach sie regelmäßig in der ARD das “Wort zum Sonntag”. Seit 1983 lebte sie wieder bis zu ihrem Tod in Bonn-Pützchen. Schwester Isa Vermehren RSCJ wurde mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Deutschen Predigtpreis (2003) und dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (2005) ausgezeichnet. Über ihre Haltung angesichts der Glaubenskrise, die auch ihre eigene Ordensgemeinschaft nicht verschonte, schreibt Plettenberg: “In der tiefen Existenzkrise ihres Ordens nach dem II. Vatikanischen Konzil - das strenge schwarze Habit und die Klausur wurden abgeschafft und es gab wesentliche Änderungen in der Liturgie und im Klosteralltag - hat sie sich dem neuen Trend widersetzt, trotz oder gerade wegen ihres Gehorsamsgelübdes. Es ging ihr um die Bewahrung guter, nicht sinnentleerter Traditionen. Nur noch unauffällige Kleidung, unter Verzicht auf leuchtende Farben, mit dem Brustkreuz und dem Ring, als einziges Symbol der Ordenszugehörigkeit? Das war ihr zu wenig. Sie blieb bis zu ihrem Tod in Tracht: ‘In dieser Kleidung kann ich ins Gefängnis gehen - ebenso wie zur Königin von England’, erklärte sie oft” (Komma, S. 9). Den Kampf ihres Bruders Erich de Saventhem, des Günders der internationalen UNA VOCE, für den Erhalt bzw. die Rehabilitation der überlieferten Liturgie unterstützte sie. Während meiner Kölner Zeit (1997 - 2003) durfte ich sie persönlich kennenlernen. Am 22. November 1998 sprach sie auf Einladung des Kölner Initiativkreises in der Kirche Heilig Kreuz über die Herz-Jesu-Verehrung unter dem Titel “Das Reich Gottes ist inwendig in euch.” Der Vortrag erschien als Broschüre und kann über die Seite des Schriftenapostolats bestellt werden, ebenso die Broschüre “Der Christ heute auf der Suche nach seiner Identität.” 14. Juli Vor 400 Jahren, am 14. Juli 1610, starb in Lima der hl. Franziskus Solanus. Aus diesem Grund veröffentlichen wir seine Biographie, frei bearbeitet nach Ida Hellinghaus, Der heilige Franziskus Solanus, Apostel von Peru und Tucuman, Trier 1912, erschienen als achtes Bändchen in der Reihe Aus allen Zonen. Bilder aus den Missionen der Franziskaner in Vergangenheit und Gegenwart, hg. von P. Gutbert Groeteken O.F.M. Der hl. Franziskus Solanus wurde am 10. März 1549 in Montilla geboren. Montilla war damals die Hauptstadt der Markgrafschaft Priègo, im Gebiet Cordobas, im spanischen Andalusien, in der Nähe des Flusses Jenil (Genil). Es hatte etwa 13000 Einwohnern. Sein Vater Matthias Sanchez Solano war zweimal Gouverneur von Montilla gewesen, seine Mutter Anna Ximénes wurde in der ganzen Stadt “die Edle” genannt. Bereits am Tage der Geburt empfing der kleine Solano die heilige Taufe. Auf Wunsch der Mutter, die eine besondere Verehrung zum großen Armen von Assisi hegte, wurde ihm der Name Franziskus beigelegt. Er wurde fromm erzogen und bemühte sich frühzeitig, seinen lebhaften Geist und sein feuriges Temperament durch Selbstbeherrschung und Selbstverleugnung in den Griff zu bekommen. Dadurch erlangte er eine für sein Alter bewundernswerte Charakterfestigkeit, die ihm bei seinen Altersgenossen großes Ansehen und hervorragenden Einfluß verlieh. Zur Ausbildung wurde er dem Jesuitenkolleg von Montilla anvertraut, das 1558 von Antonio de Córdoba y Figueroa SJ gegründet worden war. Er lernte unter anderem Violine, ging oft zur hl. Kommunion und las begeistert die Biographien der Heiligen. Nach seiner Studienzeit trat er in das Franziskanerkloster seiner Vaterstadt ein. Im April 1569 empfing er das Ordenskleid. Sein Novizenmeister wurde Petrus de Ojeda. Im Kloster zu Montilla herrschte eine strenge Zucht, die vom hl. Petrus von Alcantara (1499 - 1562) noch eine wesentliche Verschärfung erfahren hatte. Doch Solanus war sie nicht streng genug. Unter seinem Gewand trug er einen rauhen, mit Spitzen versehenen Gürtel. Ein paar zusammengefügte rauhe Bretter oder ein ausgehöhlter Lindenstamm dienten ihm zum Lager, ein Holzblock als Ruhekissen. Bei allen Strengheiten und Entsagungen war er stets heiter und guter Laune. In den Rekreationen zeigte er sich als einen der fröhlichsten. Am 25. April 1570 wurde er zur hl. Profess zugelassen. Drei Jahre später wurde er ins Kloster Maria de Loreto versetzt, wo ein Gnadenbild der Muttergottes verehrt wurde. Hier studierte er Theologie. 1576 empfing er die Priesterweihe. Zunächst wurde er mit der Leitung des Kirchenchors beauftragt. Als sein Vater starb, erlaubten ihm seine Oberen, seine erblindete und kranke Mutter zu besuchen, um sie zu trösten und aufzurichten. Zugleich wurde ihm mitgeteilt, dass ihm statt Loreto das Kloster zu Arrizafa, nahe bei Cordoba, als künftiger Wirkungskreis angewiesen sei. Franziskus hatte die weite Reise von Loreto nach Montilla zu Fuß gemacht, wie es damals Brauch war. Als er sein väterliches Haus betrat, wurde er von den Dienern nicht erkannt; aber gewohnt, die Franziskaner mit aller Höflichkeit zu empfangen, führten sie ihn gleich erfurchtsvoll zur alten Dame, die sich gerade im Garten befand. Die tiefgebeugte Blinde konnte ihren Sohn nicht mehr sehen, erkannte ihn aber sofort an der Stimme, schloss ihn tiefbewegt in die Arme und weinte Tränen der Rührung und Freude. Solanus durfte einige Zeit im Kloster zu Montilla bleiben und besuchte von hier aus öfter seine Mutter, die dann jedesmal einen Festtag verlebte. Gleich in den ersten Tagen holte sich unser Heiliger vom Obern des Klosters die Erlaubnis, wie ehemals der seraphische Vater, betteln zu dürfen. Es wurde ihm gewährt, und nun zog der Sohn des ehemaligen Gouverneurs von Haus zu Haus, um als freiwilliger Bettler milde Spenden für das Kloster in Empfang zu nehmen. Die Bewohner von Montilla reichten dem berühmten Sohne ihrer Stadt gern ihre Gaben, erbauten sich an seiner Demut und Frömmigkeit und priesen die edle Mutter glücklich, ein solches Kind zu haben. Es konnte nicht ausbleiben, dass der Heilige wegen seiner außergewöhnlichen Tugenden große Verehrung genoss. Das widerstrebte aber seiner Demut und Bescheidenheit, und so freute er sich aufrichtig, als der Ruf seines Oberen an ihn erging, seine Vaterstadt zu verlassen, um im Kloster St. Franziskus von Arrizafa seine fernere Wirksamkeit auszuüben. Dieses Kloster war im Jahre 1416 von Ferdinand von Rota gegründet worden und war berühmt wegen der dort befindlichen Reliquien von der Geißelsäule, der Krippe, dem Grab der Gottesmutter sowie der heiligen Märtyrer von Marokko aus dem Franziskanerorden. Trotz seines Widerstrebens wurde Solanus hier mit dem verantwortungsvollen Amt eines Novizenmeisters betraut. Er behandelte alle seine Anbefohlenen mit väterlicher Liebe und engelhafter Milde. Beging einer einen Fehler, so geschah es nicht selten, dass der Novizenmeister selbst die Strafe dafür auf sich nahm, dadurch aber bei dem Schuldigen mehr erreichte als durch die härtesten Vorwürfe. Er genoß die uneingeschränkte Hochschätzung, das vollkommene Vertrauen und die aufrichtige Liebe seiner Novizen. Als er einmal gefragt wurde, was die gottgefälligste Buße sei, antwortete er: “Der sicherste Weg, um sich einen Schatz von Verdiensten zu erwerben, ist die Geduld, womit man sich allen Mühen und Widerwärtigkeiten unterwirft, besonders solchen, die uns von unseren Nächsten, unseren Verwandten, den Ordensgliedern, mit denen wir leben, bereitet werden.” Wegen seines Geschicks und Erfolgs in der Leitung der Novizen wurde er von seinen Oberen mehrmals im Amt bestätigt. Als das Noviziat 1581 in das Kloster Franzisko de Monte verlegt wurde, mußte auch Solanus mitziehen, um auch hier die jungen Zöglinge zur Tugend und Vollkommenheit anzuleiten. Das Kloster liegt auf einer Felsenhöhe der Sierra Morena, mehrere Stunden von jeder menschlichen Wohnung entfernt. Nach einiger Zeit wurde Solanus - zu seinem eigenen Schrecken - zum Guardian ernannt. Als Vorgesetzter machte er sich zum Diener der Diener Christi und suchte allen alles zu werden. Er verband weise Strenge mit väterlicher Milde und übte einen solch segensreichen Einfluß aus, dass das Kloster sich bald eines ausgezeichneten Rufs erfreute. Bei all seinen Obliegenheiten als Ordensoberer fand Solanus immer noch Zeit, mit dem Bettelstab die benachbarten Orte Aldamuz, Villa Franca, Montoro und andere zu durchziehen, um Liebesgaben für sein armes Kloster und Nahrung für seine Brüder zu sammeln. Die kranken Ordensbrüder pflegte er mit eigener Hand und leistete ihnen jeglichen Dienst. Nicht nur mit Worten, sondern auch mit seiner Geige suchte er sie zu trösten und aufzurichten. Dennoch hielt sich Solanus für ungeeignet und bat seine Oberen so lange, bis sie ihn tatsächlich wieder von seinem Amt abberiefen und auf dem nächsten Provinzialkapitel einen anderen wählten. Wird fortgesetzt. 13. Juli Das Konservative und das Revolutionäre im Wirken von Theodor Schnitzler (19101982) von P. Lic. Sven Conrad FSSP Fünfter Teil Schnitzler schaut nicht auf die Struktur, die das Hochamt vorgibt, sondern erklärt das Staffelgebet als ein Wechselgebet zwischen Priester und Gemeinde (vgl. z.B. Schnitzler, Die Messe II, 39). Damit ist er geprägt von der volksliturgischen Ausrichtung der Liturgischen Bewegung, die zuweilen den Charakter des Stufengebetes in ein solches Wechselgebet veränderte (vgl. den Hinweis von Berger zu dieser Praxis; vgl. auch Schnitzler, Die Messe II, 32). Wenn er in seiner nachkonziliaren Erklärung der Liturgie den neuen Bußakt erklärt, kommt er merkwürdigerweise plötzlich auf die alte Prostratio der päpstlichen Messe als sein „Urahn“ zu sprechen, die er beim Stufengebet unerwähnt ließ, eine Feststellung, die aber gerade hier sehr fraglich ist, denn die frühe römische Liturgie kannte nicht das, was heute der gemeinschaftliche Bußakt ist (Schnitzler, Was die Messe bedeutet, 64). Bei der ganzen Behandlung der Einzugsriten, Stufengebet (alter Form), Bußakt (neuer Form), Einzugsprozession und Introitus, unterläßt es Schnitzler, nach den eigentlich von der Struktur her vorgegebenen Handlungsträgern des jeweiligen rituellen Vollzugs zu fragen. Dies ist der Kern des Problems. Schnitzler schreibt in seiner inhaltlichen Erschließung fast alles univok allen zu (vgl. Schnitzler, Die Messe II, 34f). Um es nochmals deutlich zu sagen: So beginnt für ihn bereits in der alten Form die Messe mit dem Kreuzzeichen und dem Bekenntnis zur Trinität, was er allen Mitfeiernden inhaltlich erschließt. Er sieht nicht, daß hier vom Prinzip eigentlich nur der Zelebrant und seine Assistenz Träger der Handlung sind und die Gläubigen währenddessen den Introitus hören oder ihn (oder ein Lied) singen, also gar nicht auf dieses „In nomine Patris...“ hin, sondern auf den Gesang orientiert sind, der sie in die Meßfeier einstimmen soll. Unverständlich bleibt, wie Schnitzler dann noch den Introitus als zu den großen Einzugsakten gehörig beurteilen kann (Schnitzler, Die Messe II,6). Und tatsächlich, statt zu einem lebendigen Verständnis, einem mitvollzogenen Verständnis des Introitus vorbehaltlos (!) hinzuführen, hat er Probleme, diesen uralten Einzugsritus der römischen Liturgie einzuordnen (auch wenn er schöne Gedanken dazu findet): „Immerhin bleibt der Introitus auch jetzt noch ein Chorlied, bei dem das Volk zum Schweigen verurteilt ist. Es wäre des ,Schweißes der Edlen wert‘, nach Formen zu sinnen, die es gestatteten, das Volk mit einzubeziehen. Könnte man nicht einen sehr schlichten Vers sehr einfach vertonen, den das Volk als seinen Ruf in den Introitusgesang einstreuen würde, etwa ein Zu dir erheb‘ ich meine Seele oder ein Introibo ad Altare Dei, wie man es für die deutsche Gemeinschaftsmesse beim Katholikentag 1956 so erfolgreich getan hat?“ (Schnitzler, Die Messe II,6. Diese Lösung war beim Katholikentag aber nicht als liturgisches Prinzip gedacht, sondern aufgrund der akustischen Gegebenheiten des Stadions erforderlich.) Solche Überlegungen der Hinführung zur Liturgie bringen ihn selbst dann zur Forderung nach Umgestaltung, nach Änderung der traditionellen Gestalt in Teilbereichen. So schreibt er: „Die vielen kleinen Texte zwischen Confiteor und Introitus werden im Hochamt völlig überlagert von Gesängen des Chores. Sie werden dort abgewertet zu einem oft kaum noch verständlichen Gemurmel. In der Privatmesse des Priesters wird ihr Vollzug erschwert durch Hast und Eile, die nicht nur die geistige Sinnerfülltheit, sondern sogar die sinnvolle äußere Form der Worte gefährden. Dagegen werden in der sogenannten erweiterten Gemeinschafsmesse diese laut und feierlich gemeinsam rezitierten oder vorgebeteten Texte mit einem so großen Gewicht bedacht, daß sie sogar den Introitus an Feierlichkeit übertreffen. Eine etwaige künftige Meßreform wird sicherlich bei diesen Texten Hand anlegen dürfen. Dennoch dürfen wir auch bei diesen Texten besinnlich innehalten; auch sie sind ja Ausdruck dessen, was die Kirche beim Hinschreiten zum Altare empfindet und was sie unseren Gedanken und Empfindungen nahelegt. Mögen die vorliegenden Texte auch im Zusammenhang des Ganzen einen geringeren Wert haben, für sich genommen enthalten sie manch köstliche Schönheit. Ein Vergleich kommt uns in den Sinn: Da hat ein Künstler der Spätgotik in einer alten Basilika einen aufwendigen Altaraufsatz komponiert; der verständige Restaurator wird vielleicht gezwungen sein, dieses Retabel wegzunehmen, doch die Kostbarkeit der einzelnen Figuren muß ihn bestimmen, sie an anderer Stelle liebevoll zu erhalten und vielleicht noch besser zur Geltung zu bringen.“ (Schnitzler, Die Messe II,44) Dem Leser mit einem gewissen Abstand zur Liturgiereform kommt ein Zitat eines anderen Autors in den Sinn. Joseph Kardinal Ratzinger hat seinerzeit auch einen Vergleich zur Kunst gezogen: Er vergleicht dabei die Liturgie mit einem Fresko. Dieses Fresko war vor der liturgischen Bewegung „zwar unversehrt bewahrt, aber von einer späteren Übertünchung fast verdeckt. ... Im Meßbuch, nach dem der Priester sie feierte, war ihre von den Ursprüngen her gewachsene Gestalt ganz gegenwärtig, aber für die Gläubigen war sie weithin unter privaten Gebetsanleitungen und -formen verborgen. Durch die Liturgische Bewegung und definitiv durch das II. Vatikanische Konzil wurde das Fresko freigelegt, und einen Augenblick waren wir fasziniert von der Schönheit seiner Farben und Figuren. Inzwischen ist es durch klimatische Bedingungen wie auch durch mancherlei Restaurationen oder Rekonstruktionen gefährdet und droht zerstört zu werden, wenn nicht schnell das Nötige getan wird, um diesen schädlichen Einflüssen Einhalt zu gebieten. Natürlich darf es nicht wieder übertüncht werden, aber eine neue Ehrfurcht im Umgang damit, ein neues Verstehen seiner Aussage und seiner Wirklichkeit ist geboten, damit nicht die Wiederentdeckung zur ersten Stufe des definitiven Verlustes wird.“ (Joseph Kardinal Ratzinger, Der Geist der Liturgie. Eine Einführung, Freiburg Basel Wien 2000, 7f.). wird fortgesetzt. 12. Juli Von Alphons Bellesheim 8. Teil Die Versicherungen des Lord Deputy und des Präsidenten des Unterhauses bezüglich der Nichtausführung der Kirchengesetze von 1560 waren selbstverständlich auf Täuschung der Katholiken berechnet. Der Ernennung kirchlicher Kommissionen zur Anwendung derselben wurde schon gedacht. Aus einem Berichte, den zwei Präsidenten dieser Kommissionen 1564 der Regierung einreichten, entnimmt man, dass die Reformation nur ganz unmerkliche Fortschritte gemacht, dass das Volk dem alten Glauben derart zugetan sei, dass es die neuen Lehren kaum hören wolle, bei alledem dürfe man nicht den Mut verlieren, da die Leute durch ihre natürliche Stimmung zur Beobachtung der Gesetze hinneigten, deren Anwendung Richter und Advokaten sich zum Ziele setzten. “Dennoch” schliesst der Bericht “hielten wir es gegenwärtig nicht für angezeigt, dass sie die Menge angreifen, sondern höchstens einen, oder zwei freche Messmänner (Priester) in jeder Grafschaft”. Nicht besser stand es um den Fortgang der Reformation im Jahre 1566. Der Vizekönig, der abtrünnige Erzbischof Curwin und die übrigen Mitglieder des irischen Geheimen Rates mussten notgedrungen in einem 1566 Königin Elisabeth eingereichten Berichte das Bekenntnis ablegen, dass die neue Lehre in den drei Sprengeln Armagh, Meath und Dublin Fortschritte gemacht habe, im übrigen Irland aber ganz unbekannt sei. Ungeachtet aller Bemühungen der Bischöfe “geht die Reform nur langsam fort in diesen drei Sprengeln, weil das Papsttum im Herzen des Volkes seit Alters Platz ergriffen hat und es durchsäuert hat, dann aber auch ein Mangel an Pfründen zum standesmäßigen Unterhalt gelehrter Prediger sich geltend macht. Allgemein liegen die Kirchen in Trümmern, einige sind gänzlich eingefallen. Außerhalb der genannten Diözesen, nämlich in den entfernteren Gegenden von Munster und Connaught und anderen haben die Kommissäre für Kirchensachen mit einigen Bischöfen und anderen Dienern am Wort aus den benachbarten zivilisierten Distrikten zwar die Rundreise gemacht, aber in diesen Gegenden lässt sich keine Ordnung herstellen, bevor die anderen nicht unterworfen sind”. Nicht einmal in den drei Sprengeln von Dublin, Armagh und Meath, in welchen englischer Einfluss ungehemmt sich geltend machen konnte, war von einem irgendwie nennenswerten Fortschritte der Reformation die Rede. Dr. Curwin, der abgefallene Erzbischof von Dublin, so klagt Erzbischof Loftus von Armagh, hat nur selten die neue Lehre gepredigt, die Geistlichkeit in Dublin steht dem neuen Glauben feindlich gegenüber und die Domherrn in St. Patrick sind gleichsam alte Schläuche, ungeeignet den neuen Wein des Protestantismus in sich aufzunehmen. Leicht erklärlich ist daher der von der Kirchenkommission dem englischen Geheimen Rat 1562 unterbreitete Vorschlag, er möchte auf Mittel sinnen, wie man die widerspenstigen Elemente mit Gewalt zur Reformation bekehren könne. Die Bitte um Bestellung einer Kommission zur Untersuchung der beiden Dubliner Domkirchen wurde indes von der Regierung damals abgelehnt, denn noch 1565 musste Cecil Klage darüber führen, dass St. Patrick von lauernden Papisten bedient werde. In Armagh bot Erzbischof Loftus, der geistliche Vater der etablierten Kirche, alles auf, um der Reformation Eingang zu verschaffen. Doch vergebens. Shane O’Neill, der kühne Häuptling des Nordens, der Elisabeths Regierung ein volles Jahrzehnt im Schach hielt und auch nach seinem Erscheinen am englischen Hofe 1562 der Reformation sich feindlich gegenüberstellte, machte hier jedem Staatsbischof das Leben sauer. Für Loftus gestaltete sich das erzbischöfliche Amt in Armagh zu einer unerträglichen Bürde “denn” klagt er, “es ist mir nichts mehr wert, noch vermag ich unter den Iren etwas Gutes zu tun. Nicht günstiger war die Lage der etablierten Kirche in dem Sprengel von Meath. Hier lebte und wirkte der treffliche katholische Bischof Walsh, welchem die Anhänglichkeit an die Kirche Absetzung und langjährigen Kerker eintrug. Ihm bezeugte 1565 der protestantische Primas, dass er gegen den Eid der Suprematie einen tiefen Hass hege, „aber bei seinen Glaubensgenossen”, fährt er fort, „besitzt er großes Ansehen und in Sachen der Religion sind sie vollkommen von ihm abhängig”. Unter dem 14. März 1564 musste selbst der protestantische Bischof von Meath den gänzlichen Misserfolg all seines Wirkens eingestehen: „In welchen Ozean von Mühen bin ich gelangt”, schreibt er, “Stürme erheben sich allerwärts. Die unheilvollen Juristen sind nicht bloß Feinde der Wahrheit, sondern auch beim Mangel in der Ausführung der Gesetze die Zerstörer des Landes. Eigensinnig und unwissend bis zur Blindheit ist die zerlumpte Geistlichkeit, für Besserung der Zustände ist wenig Hoffnung vorhanden, zufolge tiefer Unwissenheit lässt sich die einfältige Menge nur schwer gewinnen, ich muss gestehen: Angustiae undique”. Von seinen fortgesetzten Bemühungen verspricht er sich schließlich doch noch Erfolge für das Evangelium. Aber nach Ablauf eines Jahres sieht er sich zu dem Geständnis gezwungen, nur dadurch sei es ihm möglich, sich in seinem Sprengel zu behaupten, dass er offenes Haus für alle Besucher und freie Tafel für alle Gäste halte. “Gegenwärtig bin ich sehr arm, mit einem sehr großen Hause belastet, zu erheblichen Auslagen gezwungen, oder aber der Schande und Verleumdung ausgesetzt. Denn das Volk trifft keine andere Wahl, es will entweder meine Speise und meinen Trank, oder mich selber zu haben. Ohne mich selber zu rühmen, darf ich behaupten, dass ich ebenso viel Menschen speise, als irgend ein Bischof in England, ohne doch hinlängliche Mittel dafür zu besitzen. Würde ich anders handeln, so müsste ich mich selbst und meine Lehre mit Schmach bedecken. Das macht mir das Herz schwer, und den Beutel leicht. Mein Kummer vertieft sich, da ich jetzt das Gebiet des Grafen Desmond besuchen und meine Amtspflichten vernachlässigen muss. Nur noch ein Wort: Alles wird hier schlimmer als man erwartete. Ich fürchte, der ganze Organismus wird unheilbarem Siechtum verfallen, so übel gesinnt sind die Menschen hier.” wird fortgesetzt. 11. Juli 97. Folge Den vierten Tag des Prozesses füllten die Advokaten des Unterhauses mit dem Versuche aus, die Schutzzeugen Staffords als unglaubwürdig hinzustellen. Am fünften Tage rief der Angeklagte noch eine Reihe von Schutzzeugen auf und faßte dann, “sofern sein schwaches Gedächtnis und hohes Alter erlaubt”, die Verteidigung mit großer Klarheit und Überzeugung zusammen. “Er enttäuschte sie (seine Gegner),” sagt Sir John Reresby am bereits angeführten Orte “indem er seine Sache wunderbar verteidigte. Die drei Hauptzeugen waren Oates, Dugdale und Turberville; der erste schwor, er habe ihm eine Anstellung des Papstes als Zahlmeister der Armee, welche gegen den König geworben werden sollte, überbracht; der zweite, er (Stafford) habe ihm 500 Pfd. St. für die Ermordung des Königs geboten, und der dritte, er (Stafford) habe ihm zu einer anderen Zeit für dieselbe Freveltat einen Lohn versprochen. Und sie waren in diesen und ähnlichen Aussagen so bestimmt, daß ich, der ich da saß und fast den ganzen Prozeß anhörte, nicht gewußt hätte, was ich denken sollte, wären die Zeugen nur Männer von irgend welcher Glaubwürdigkeit gewesen. Ihre Aussagen waren aber so unzusammenhängend, und gegen Ende stellten sich solche Widersprüche heraus, daß ich angesichts derselben und in Erwägung des schlechten Rufes der Leute, welche gegen den Lord schworen, völlig von der Unwahrheit ihrer Aussagen überzeugt war.... Er hörte seine Ankläger und verteidigte sich mit großer Festigkeit und Entschlossenheit.” Von Oates sagte Stafford unter anderem: “Nach seinem eigenen Geständnisse heuchelte er jahrelang, ein Papist gewesen zu sein, d. h. nach seiner Meinung einem abgöttischen Kulte anzugehören, und rühmt sich dessen sogar: ein solcher Mann ist kein zuverlässiger Zeuge. Wenn ich Richter wäre, würde ich auf das Zeugnis eines solchen Menschen keinen Hund hängen.” Auch die Rechtsfragen behandelte er mit großer Schärfe; namentlich machte er geltend, daß kein Kriminalfall gegen ein Mitglied eines Parlamentes von einem Parlamente auf ein anderes verschoben werden dürfe, und daß für keinen einzelnen Punkt der Anklage zwei übereinstimmende Zeugen vorhanden seien. Es folgten zwei lange Reden von Sir William Jones und Mr. Powle, beide Mitglieder des Komitees des Unterhauses zur Verfolgung der Papistenverschwörung. Die beiden Herren überboten sich in gehässigen Ausfällen gegen die römische Kirche und suchten alle bösen Leidenschaften aufzustacheln. Namentlich pochte Powle darauf, daß ja Stafford notorisch ein Papist sei, als ob damit Grund genug zur Verurteilung gegeben wäre. Dann sprachen die beiden Advokaten im gleichen Sinne. Stafford hatte gesagt, seine Belastungszeugen seien mit Gold bezahlt. Der Lord High Steward gestand, daß ihnen Geld gegeben werde; es sei aber nicht für ihr Zeugnis, sondern für ihren Unterhalt. Stafford entgegnete darauf, es sei notorisch, daß ihnen außer den 10 Pfd St. wöchentlich, die jeder bekomme, sonst noch große Summen gegeben wurden. Über die Auslegung des Gesetzes, welches zwei Zeugen verlangt, wurden die Richter befragt. Richter Askins antwortete: Wenn man zugeben wollte, daß zwei Zeugen für die zur Last gelegten Anklagen nötig wären, so müßte man auch zugeben, daß die bereits Hingerichteten unrechtmäßig verurteilt wären(!). “Ein solcher Ausspruch,” entgegnete Stafford, “treibt mir trotz meiner Schwäche das Blut zum Kopfe!” Am sechsten Tage (Montag, 6. Dezember) war Stafford so schwach und elend, daß er nur mit Mühe sich verständlich machen konnte. Er wollte durch den Gerichtsschreiber eine Bittschrift verlesen lassen, daß man ihn vor der Wut des Pöbels schütze, der ihn auf dem Wege vom Tower nach Westminster mit Schreien und Brüllen verfolge. Der Lord High Steward wollte es erlauben; aber die Advokaten der Gemeinen bestanden darauf, er müsse selbst lesen. An diesem Tage kamen die Verhandlungen zu Ende. In einer längeren Rede faßte Stafford noch einmal den Beweis seiner Unschuld zusammen, sprach in rührenden Worten von seiner Familie, von seinem treuen Weibe, seinem edeln Namen, seinem Sohne, dem er mehr Glück wünschte, als ihm zu teil wurde, und den er aufforderte, wie auch an ihm gehandelt würde, seinem Vaterlande treu zu dienen. Hätte die Abstimmung des Oberhauses unter dem unmittelbaren Eindrucke dieser herrlichen Verteidigung stattgefunden, sie hätte am Ende doch eine Freisprechung gegeben. So aber verschob man dieselbe auf den folgenden Tag, wohl nicht ohne Absicht. Um 11 Uhr den 7. Dezember zogen die Peers wiederum in feierlicher Prozession nach der Westminster Hall und gaben unter Namensaufruf einzeln ihr: “Auf meine Ehre - schuldig oder nichtschuldig”, ab. Die Stimmen wurden gezählt: es waren 31 (32) nichtschuldig und 55 (54) schuldig. Dann ließ der Lord Großhofmeister den Gefangenen vorführen: “Mylord Stafford” redete er ihn an, “ ich habe eine traurige Nachricht für Euch. Ihre Lordschaften finden Euch des Hochverrates schuldig.” Der Verurteilte antwortete: “Gottes heiliger Name sei dafür gepriesen, Mylords!” Wir denken, diese Worte voll des erhabenen Seelenadels mögen doch manchen Peer, welcher sein “Schuldig” gesprochen hatte, verwirrt haben. Der Lord High Steward fragte Stafford , ob er sonst noch etwas zu bemerken habe. Der Verurteilte sagte: “Ich gestehe, daß ich betroffen bin; denn ich hatte es nicht erwartet. Aber Gottes heiliger Wille geschehe .... ich will nicht murren. Gott verzeihe denen, welche falsch gegen mich schwuren.” Dann begaben sich die Peers in das Herrenhaus, an dessen Schranken sofort die Gemeinen mit ihrem Sprecher erschienen und den Urteilsspruch im Namen der Gemeinen von ganz England forderten. Nach kurzer Beratung wurde das gewöhnliche barbarische Urteil des Hochverrates beschlossen. Dann zogen beide Häuser wieder in die Westminster Hall; Stafford wurde vorgeführt, und der Lord High Steward, der während der Verhandlung die Schranken des richterlichen Anstandes nicht verletzt hatte, ließ sich jetzt in seiner Rede zu Sätzen hinreißen, wie den folgenden: “Zweifelt nun noch jemand, wer den großen Brand von London anlegte? durch wen der Richter Godfrey ermordet wurde?” u.s.w. Selbst Burnet nennt diesen Ausfall “eine große Taktlosigkeit”. Nach dem Urteile erklärte Stafford nochmals in Gegenwart Gottes, er verzeihe allen von Herzen, und bat um die Gnade, daß sein Weib und seine Kinder ihn im Tower besuchen dürften. Der König begnadigte den Schuldlosen zur Enthauptung, stellte das Urteil unter dem großen Siegel aus und befahl, es am 29. Dezember zwischen 9 und 11 Uhr dem Lieutenant des Towers zur Vollstreckung zu übergeben. Ob er wohl daran dachte, daß es der Tag des hl. Thomas von Canterbury sei, der auch einem seiner Vorfahren auf dem Throne Englands die Palme des Martyriums verdankte? Wird fortgesetzt. 10. Juli 2. Wenn von Gottesbeweisen gesprochen wird, müssen wir unterstreichen, dass es sich dabei nicht um naturwissenschaftlich-experimentelle Beweise handelt. Die naturwissenschaftlichen Beweise im modernen Verständnis des Wortes gelten nur für die sinnlich wahrnehmbaren Dinge, denn nur auf diese lassen sich die Untersuchungs- und Prüfungsverfahren anwenden, deren sich die Wissenschaft bedient. Einen naturwissenschaftlichen Gottesbeweis zu verlangen, würde bedeuten, Gott auf die Ebene des Wesens unserer Welt herabzusetzen und sich somit bereits methodisch hinsichtlich dessen, was Gott ist, zu irren. Die Wissenschaft muss ihre Grenzen und ihr Unvermögen anerkennen, zur Existenz Gottes zu gelangen, sie kann diese Existenz weder behaupten noch leugnen. 4. Die Notwendigkeit, auf eine höchste Ursache zurückzugehen, drängt sich noch mehr auf, wenn man die vollendete Organisation betrachtet, die die Wissenschaft unaufhörlich in der Struktur der Materie entdeckt. Wenn der menschliche Verstand soviel Mühe darauf verwendet, die Zusammensetzung und die Wirkweisen der Materieteilchen zu bestimmen, sieht er sich dann nicht etwa veranlaßt, deren Ursprung in einer höheren Intelligenz zu suchen, die alles entworfen hat? Angesichts der Wunder der unendlich kleinen Welt des Atoms und der unendlich großen Welt des Kosmos fühlt sich der Geist des Menschen in seinen schöpferischen und selbst in seinen Vorstellungsmöglichkeiten ganz und gar überfordert und begreift, dass ein Werk von solcher Qualität und solchen Ausmaßes einen Schöpfer erfordert, dessen Wahrehit jedes Maß übersteigt, dessen Macht unendlich ist. 5. Alle Beobachtungen zur Entwicklung des Lebens führen zu einer analogen Schlußfolgerung. Die Entwicklung der Lebewesen, deren Stufen die Wissenschaft zu bestimmen und deren Mechanismus sie zu erkennen sucht, weist eine innere Sinn- und Zielrichtung auf, die Bewunderung erregt. Diese Zielbestimmung, die den Lebewesen eine Richtung gibt, bei der sie weder Herr sind noch Verantwortung tragen, nötigt uns, einen Geist vorauszusetzen, der sie erdacht und geschaffen hat. (...) 7. All diesen Hinweisen auf die Existenz Gottes, des Schöpfers, setzen manche das Wirken des Zufalls oder der Materie eigene Wirkmechanismen entgegen. Angesichts eines Universums, das in seinen Elementen eine so komplexe Organisation und im Leben eine so wunderbare Zielrichtung aufweist, von Zufall zu sprechen, bedeutet, auf die Suche nach einer Erklärung der Welt, so wie sie sich uns darbietet, zu verzichten. Dies läuft in der Tat darauf hinaus, Wirkungen ohne Ursache annehmen zu wollen. Es handelt sich um eine Abdankung des menschlichen Verstandes, der hier darauf verzichten würde, zu denken und nach einer Lösung für seine Probleme zu suchen. Papst Johannes Paul II. heute vor 25 Jahren in seiner Ansprache bei der Generalaudienz. Weiteres zum Thema: Der Philosoph Swinburne über den kosmologischen Gottesbeweis 10. Juli Vor 100 Jahren, am 10. Juli 1910, wurde in Mozdzanów, Diözese Posen, die selige Maria Sanctia Johanna Szymkowiak geboren. Sie wurde auf den Namen Janina (Johanna) getauft. 1929 begann sie an der Universität von Posen das Studium der Sprachen und ausländischer Literatur. “Ihre Art gewann die Herzen ihrer Mitstudenten; sie war fröhlich, hilfsbereit und zielstrebig. Als Mitglied der ‘Marianischen Kongregation’ und der ‘Vereinigung der Barmherzigkeit vom hl. Vinzenz’ leistete sie im Stillen ein erfolgreiches Apostolat unter den Bedürftigen der Stadt” (Stefan Wirth, Die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Band 6, Stein am Rhein 2009, S. 199). 1934 weihte sie sich während einer Pilgerfahrt nach Lourdes der Muttergottes und entschloss sich, ihrer schon länger verspürten Berufung zum Ordensstand nachzukommen. 1936 trat sie in Posen bei den “Seraphischen Schwestern” ein. Es handelt sich dabei um die Kongregation der “Töchter der Schmerzhaften Jungfrau Maria”, die von der Dienerin Gottes Lucia Szewczyk (1828 - 1905) gegründet worden war. Sie bekam den Namen Schwester Maria Sanctia. Ihre Maxime lautete: “Gottes Wille ist mein Wille. Was immer er auch will, das will ich auch.” In ihrem Tagebuch findet sich der Eintrag: “Ich will eine Heilige werden, koste es, was es wolle.” Nach ihrer Profeß am 30. Juli 1938 lernte sie Pharmakologie und arbeitete in der Krankenpflegeschule zu Posen-Naramowice. Als durch den Einmarsch deutscher Soldaten die Lage für die Schwestern immer gefährlicher wurde, erhielt sie im Februar 1940 die Erlaubnis, nach Hause zu fliehen. Doch Schwester Maria Sanctia blieb. “Wie eine Mutter sorgte sie sich um die Gefangenen und Kranken, um die Soldaten und ihre Mitschwestern. Ihre Fürsorge war so groß, dass die englischen und französischen Gefangenen M. Sanctia als ‘Engel der Barmherzigkeit’ und ‘Heilige Sanctia’ bezeichneten” (Wirth, S. 200). Sie erkrankte schließlich an Tuberkulose, konnte noch am 6. Juli 1942 ihre ewige Profess ablegen und starb am 29. August 1942. Papst Johannes Paul II. sprach sie am 18. August 2002 in Krakau vor zweieinhalb Millionen Menschen zusammen mit Sigismund Felix Felinski, Johannes Adalbert Balicki und Johannes Beyzym selig. 10. Juli Vor 200 Jahren, am 10. Juli 1810, wurde in Gerbéville, Lothringen, Vincent-Alexandre Jandel OP geboren. Jandel war ein Gefährte von Henri Lacordaire, der 1850 den Dominikanerorden wieder in Frankreich einführte. Im selben Jahr setzte Papst Pius IX. die Rechte des allzusehr der Dekadenz verfallenen Ordens aus und ernannte zum Leidwesen der italienischen Dominikaner kraft eigener Autorität Jandel zum Generalvikar, 1855 zum Generalmeister (dem 73.) und beauftragte ihn, den Orden zu reorganisieren. Jandel blieb bis zu seinem Tod am 11. Dezember 1872 im Amt und machte sich um die Erneuerung des Ordens verdient. 10. Juli Vor 100 Jahren, am 10. Juli 1910, wurde der selige Metodio Domenico Trcka in Prag von Léon Kardinal Skrbenský Hríste zum Priester geweiht. 10. Juli Vor 100 Jahren, am 10. Juli 1910, wurde Ernesto Ruffini (1888 - 1967) zum Priester geweiht. 1945 wurde er zum Erzbischof von Palermo und 1946 zum Kardinal ernannt. Er war “einer der Protagonisten des Vaticanum II, bei dem er die Positionen der traditionellen ‘römischen Theologie’ vertrat” (Giuseppe Alberigo, LThK 3. Auflage, Band 8). Er war Mitglied des Coetus Internationalis Patrum, dem auch Kardinal Ottaviani, Erzbischof Lefèbvre und ca. 250 weitere Bischöfe angehörten. 10. Juli Vor 100 Jahren, am 10. Juli 1910, wurde das 1629 gegründete persische Bistum Isfahan wird zum Erzbistum erhoben. 9. Juli Der Beitrag über pornografische Phantasien einiger Atheisten im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal ist nun auch in englischer Sprache erschienen. 9. Juli “Die Zeitschrift ‘Psychologie heute’ berichtete schon im Juni 1997, der Glaube an einen gütigen Gott gehe mit einem höheren Grad an seelischer Gesundheit einher, erleichtere die Bewältigung von Stress, Kummer, Verlust und Lebenskrisen und beschleunige Genesungsprozesse. ‘Die Gläubigen konsumierten weitaus weniger Drogen und Alkohol als die Nicht-Gläubigen, begingen weniger Selbstmorde, hätten niedrigere Scheidungsraten und besseren Sex.” Auch Jörns’ Studie [eine Studie von Klaus-Peter Jörns von 1997] zeigte, dass ‘Gottgläubige’ das ‘Ende einer Liebe’ seltener als die anderen Typgruppen zu ihren prägendsten Lebenserfahrungen zählen. Wie Jon Worth von der atheistischen Buskampagne angesichts all dieser Befunde auf die Idee kommen konnte, seinen Aufruf: ‘Stop worrying and enjoy your life’ an eine Abkehr von Gott zu koppeln, ist schwer nachzuvollziehen. Er hat wohl nicht gründlich genug recherchiert und seine Klischees von Christentum mit der Wirklichkeit verwechselt.” 9. Juli Vor 150 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli, wurden die elf Märtyrer von Damaskus, die Pius XI. 1926 seligsprach (acht Franziskaner, darunter Engelbert Kolland, und drei Maroniten), von Drusen ermordet. 9. Juli Vor 450 Jahren, am 9. Juli 1560, starb in Köln Johannes Slotanus (van der Slooten) OP. In Geffen bei ‘s-Hertogenbosch geboren, trat er in den Dominikanerorden ein und wurde 1553 Prior in Köln und Inquisitor für die Diözesen Mainz, Köln und Trier. Gegen die protestantischen Neuerer verteidigte er in Schriften den katholischen Glauben, besonders die Lehre über den Primat, das Messopfer und die Sakramente. 8. Juli Von Erzbischof Luis Maria Martínez Zweiter Teil Aber Jesus nahm nicht nur die arme Menschheit hinauf, sondern er nahm auch bestimmte Früchte unserer Abstammung mit hinauf, von denen wir niemals gedacht hätten, daß sie zum Himmel aufsteigen könnten: in gewisser Weise nahm er unser Leid hinauf. Sehen wir nicht an der auferstandenen Menschheit unseres Herrn Jesus Christus die heiligsten Wundmale seiner Hände, seiner Füße, seiner Seite, die Spuren des Leids? Es ist das verewigte Leid, geheiligt, gewissermaßen vergöttlicht, das da in den Himmel aufsteigt. Dort gab es Blumen der ewigen Liebe, Blumen immerwährender Freude; aber das Leid war noch nie aufgetaucht. Bei seinem Abstieg zur Erde nahm es Jesus mit sich und wollte, daß es ewig im Himmel sei, kristallisiert und verewigt in seinen heiligsten Wundmalen. Und für mich gilt, daß er mit seinem eigenen Leid auch all unsere Leiden mit hinaufgenommen hat, daß in jenen heiligsten Wundmalen auf irgendeine Weise alle unsere Mühen, alle unsere Schmerzen geheiligt sind. Und wenn wir in den Himmel kommen, am Tag der Auferstehung, wenn unsere sterblichen Leiber auf den allmächtigen Ruf des Herrn hin auferstehen, dann werden auch wir eintreten, indem wir an unseren armseligen Leibern die Spur unserer Leiden tragen. Der Himmel wird eine Art von Garten sein mit allen Blumen der Liebe, des Leides und der Reinheit. Wie ein Reisender, der in ein entferntes und geheimnisvolles Land kommt und der aus ihm zur Bewunderung für all seine Angehörigen exotische Blumen mitbringt, die er sorgsam gepflückt und aufbewahrt hat, so nahm Jesus bei seiner Auffahrt in den Himmel die Blumen der Erde mit sich, die erlesenen Blumen des Leids. Aber es drängt mich sofort hinzuzufügen, daß es nicht nur eine Erinnerung war, die Jesus in seinen heiligsten Wundmalen bei seinem Eintritt in den Himmel nehmen wollte: seine Wundmale haben eine priesterliche Bedeutung, sie sind in gewisser Weise die Krönung und die Vollendung des Kreuzesopfers. Der hl. Paulus erklärt mit Sorgfalt dieses Geheimnis: der Apostel sagt, daß so wie im Alten Bund der Hohepriester an einem Tag im Jahr das besondere Opfer dargebracht hat und mit dem Blut des Schlachtopfers in den Händen in das Allerheiligste eintrat, so trat Jesus nicht mit dem Blut der üblichen Schlachtopfer, sondern mit seinem eigenen Blut eines Tages in das Allerheiligste ein (nicht von Menschenhand gemacht, sondern in den Schoß des himmlischen Vaters selbst), indem er an seinen Händen, an seiner Seite, an seinen Füßen sein kostbares Blut trug, das er beim Opfer auf Kalvaria vergossen hatte, damit es von dort aus herabsteige, umgewandelt in herrliche Gaben. Die Himmelfahrt des Herrn ist der Eintritt Jesu in das Allerheiligste. Entsprechend dem alten Gesetz mußte Jesus an seinem heiligsten Leib die Spuren seines Blutes tragen. Und solange er dieses kostbare Blut nicht seinem himmlischen Vater bei seinem Eintritt in den Himmel vorwies, war sein Opfer nicht vollendet; und erst als sein Opfer vollendet war, konnte der Heilige Geist gesandt werden. Am Abend vor seinem Leiden sagte Jesus seinen Jüngern: „Weil ich euch gesagt habe, daß ich weggehe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt. Aber ich sage euch die Wahrheit: wenn ich nicht weggehe, wird der Heilige Geist nicht zu Euch kommen.“ (Joh 16, 6f) Das Kommen des Heiligen Geistes ist die kostbare Frucht des Kreuzesopfers. Und damit diese Frucht Reife und Würze erlange, mußte eben jenes Opfer vollständig erfüllt werden, so daß Jesus in das Allerheiligste des Himmels eintreten könnte. Deshalb nahm er bei seiner Himmelfahrt nicht nur die Gefangenschaft mit sich gefangen, sondern er sandte aus jener Höhe seine Gaben den Menschen oder um es besser zu sagen: die Gabe Gottes, die Gabe schlechthin, den Heiligen Geist. II. Diese kleinen Andeutungen genügen schon, um zu verstehen, daß die ganze Heilsordnung der Gnade und der Erlösung in diesen göttlichen Pilgerfahrten enthalten ist: im Wort Gottes, das vom Himmel herabsteigt, und in dem Wort Gottes, das zum Himmel aufsteigt, wobei es die ganze Menschheit mit sich hinaufnimmt. Aber Jesus hinterließ, da er zum Himmel auffuhr, auf Erden das Geheimnis dieser zwei Pilgerfahrten: er lehrte den Priestern den Weg, um vom Himmel herabzusteigen und zu ihm aufzufahren. Und der Priester ist als eine neue Verwirklichung des Lebens Jesu nichts anderes als eben diese beiden Pilgerfahrten: der Priester steigt zum Himmel auf und der Priester steigt vom Himmel herab. Er steigt zum Himmel auf, wobei er ebenso die Gefangenschaft gefangen nimmt; er ist ein kleiner Adler, ähnlich dem göttlichen Adler, der herabsteigt und die Beute raubt und sie in seinem Herzen hinaufträgt und der dann von dort herabsteigt mit seinen vom Heiligen Geist gefüllten Händen. Das Geheimnis des Priesters ist nichts anderes als dieser Aufstieg und dieses Herabkommen. Einstens, als die Hände des Bischofs noch nicht auf das Haupt des Priesters gelegt waren, da kannte er die Wege des Lebens, die Pfade der Wissenschaft und der Kunst, die Pfade der Freude und des Leids, und vielleicht ging er auch den Weg des Frevels. Nun hat er kein Recht, einen anderen Weg zu kennen als den einen, der von der Erde zum Himmel führt. Im Grunde hat der Priester nur noch diese beiden Aufgaben: aufsteigen und herabsteigen, zum Himmel aufsteigen und zur Erde herabsteigen. Zum Himmel aufsteigen, indem er Seelen hinaufträgt, indem er das Leid hinaufträgt, indem er Schmach hinaufträgt, indem er an seinem Leib und in seiner Seele die Spuren des Opfers hinaufträgt; aufsteigen, um mit sich alle Seelen und alle Herzen zu Jesus zu tragen. Die zweite Aufgabe des Priesters ist es, vom Himmel herabzusteigen, wobei er den Heiligen Geist mit sich bringt, um ihn auszugießen in die Herzen. Die eigentliche Aufgabe des Priesters ist es, Jesus zu schenken, Gott zu schenken: der Priester kennt keine andere Aufgabe und darf keine andere kennen, Gott allein weiß er zu geben. Die einen geben ihn unter dem herrlichen Gewand der Redekunst, andere unter der groben Hülle der Einfältigkeit bis hin zur Vulgärsprache. Was bedeutet schon die Hülle, wenn diese Hülle Gott in sich einschließt! In wenigen Augenblicken wird dieser Neupriester die Stufen zum Altar hinaufsteigen. Ist es nicht so: zum Altar hinaufsteigen bedeutet so viel wie zum Himmel hinaufsteigen? Ist der Himmel nicht Gott selbst, der Schoß des Vaters, das heiligste Herz Jesu, die Salbung des Heiligen Geistes? Bei Jesus sein bedeutet im Paradies sein, sagte der Autor der Nachfolge Christi, und er sagte es aus einer ganz innigen, einer ganz liebreichen Erfahrung. Am Altar wird das Wort des Priesters das göttliche Wort vom Himmel herabsteigen lassen, so wie es vor zwanzig Jahrhunderten herabstieg in den unbefleckten Schoß Mariens, damit es wiederum emporsteige zum Himmel, beladen mit Herzen und Seelen. Auf diesen Altar wird Jesus herabsteigen, und mit ihm der Vater und der Heilige Geist, auf diesem Altar wird der Himmel sein, verhüllt, aber doch der Himmel. wird fortgesetzt 7. Juli Henri Adam de Villiers hat auf seinem Blog 20 Bilder zu den Priesterweihen in Wigratzbad (siehe unten den Eintrag unter dem 5. Juli) und in Facebook 200 Bilder veröffentlicht. 7. Juli Vor 100 Jahren, im Juli 1910, starb in Paris im Alter von fast 80 Jahren der Priester Henri Huvelin, der den seligen Charles de Foucauld am 30. Oktober 1886 in der Kirche St. Augustin für den Glauben und die Kirche zurückgewann. Am 13. Juli wurde er auf dem Pariser Nord-Friedhof beigesetzt. 7. Juli Vor 100 Jahren, am 8. Juli 1910, wurde P. Josef Kentenich (1885 - 1968) in Limburg in der Hauskapelle des Missionshauses der Pallottiner von Bischof Heinrich Vieter SAC, dem ersten Apostolischen Vikar von Kamerun (1904 - 1914; davor seit 1890 Apostolischer Präfekt), mit sieben weiteren Diakonen zum Priester geweiht. 7. Juli Vor 150 Jahren, am 7. Juli 1860, wurde in Paddington der englische Exeget und Patristiker Cuthbert Hamilton Turner geboren. Er lehrte in Oxford und starb dort am 10. Oktober 1930. 7. Juli 7. Juli Vor 100 Jahren, am 7. Juli 1910, wurde in Stockheim, Oberfranken, der Exeget Josef Blinzler geboren. Er studierte u.a. bei Joseph Sickenberger und Friedrich Wilhelm Maier und lehrte seit 1949 in Passau. Sein Werk Der Prozess Jesu wurde von Theologen wie Franz Mußner, Paul Gaechter, Joseph Kürzinger und Joachim Jeremias als Standardwerk zum Thema anerkannt. In seinem Werk Die Brüder und Schwestern Jesu zeigte Blinzler, auf welch schwachen Füßen die Meinung steht, Jesus habe leibliche Geschwister gehabt (vgl. unseren Beitrag). Er starb am 13. September 1970 in Passau. 6. Juli Von Msgr. Nicolas Brouwet Zweiter Teil Christus in unser Leben eintreten lassen „Wenn ich lebe, lebe nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir.“ Man kann die Liebe Christi nur in sich wohnen lassen, wenn man in seinem persönlichen Leben, im inneren Leben, in den Tiefen der eigenen Existenz Christus einen Platz einräumt. Das ist das ganze Problem unserer Umkehr: wie öffne ich mich ganz Christus, ohne private Zonen zu lassen, Zonen, die Christus nicht berühren, erhellen, evangelisieren kann. Beispiel: man will seine «Karriere» meistern, den Verlauf der eigenen priesterlichen Existenz; die Beziehungen zu seinen eigenen Eltern, unser Verhältnis zum Geld, zu den Ferien. Oft genug deuten diese reservierten Zonen niemals in die spirituelle Richtung; man will von ihnen nicht sprechen; man will sie dem Urteil unseres geistlichen Vaters nicht unterwerfen. Man will sich in diesen Bereichen nicht dem Gehorsam unterwerfen, ein Zeichen, daß wir dort nicht «Fiat voluntas tua» gesagt haben. Die Öffnung des Herzens ist eines der Prinzipien des geistlichen Lebens, des Lebens nach dem Heiligen Geist. Denn, genauer gesagt, der Geist kann nur dann in das Herz eindringen und sein Werk der Heiligung vollbringen. Der stumme Ungeist treibt uns dazu, davon nichts zu sagen, zu denken, wir würden nicht verstanden werden. Damit Christus eintreten kann, muß unser Ego das Zentrum räumen, um Platz zu schaffen. Und es muß akzeptieren, daß es nicht mehr allein im Mittelpunkt steht. Die Aufnahme der Liebe Christi beginnt dort: wenn sich meine Freiheit der Freiheit Christi öffnet. Wenn Christus in mein Leben eintreten kann und das verwirklichen kann, wofür er uns geschaffen hat; wenn er durch uns und in uns seine Heilsmission vollenden kann. Dort findet sich ein Verzicht auf den eigenen Willen, das heißt auf Vorhaben, die nicht von Gott kommen. «Ich bin ja nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat» (Joh 6, 38). Es geht nicht darum, auf jegliche persönliche Willensäußerung zu verzichten, wenn sie auf das Gute gerichtet ist. Es geht darum, wie man dieses Gute erkennt. «Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!» Mt 16, 24. Der Verzicht auf sich selbst ist keineswegs der Verzicht auf seine Persönlchkeit, auf das was unseren Reichtum ausmacht, auf unsere Charismen, auf unsere Originalität. Es ist der Verzicht auf ein ‘Ich’, das allen Platz beansprucht, das behauptet, das Maß aller Dinge zu sein, und das sich weigert, sich dem Licht Gottes zu öffnen. Beispiel: der schreckliche Absatz des Endes der Bergpredigt: Man kann durchaus die Dinge oberflächlich ‘gut‘ machen, ohne daß sie wirklich dem Willen Gottes entsprächen. Presbyterorum ordinis, 14: In der heutigen Welt muß man sich vielen Aufgaben stellen, man wird von vielerlei Problemen verfolgt die oft eine sofortige Lösung verlangen so daß man mehr als einmal Gefahr läuft, den Überblick zu verlieren. Die Priester, sie sind gebunden durch eine Vielzahl von Verpflichtungen ihres Standes, sie werden hin und hergerissen, und sie können sich fragen, nicht ohne Beklemmung, wie sie die Einheit zwischen ihrem spirituellen Leben und den Forderungen der äußerlichen Aktion herstellen sollen. Diese Einheit des Lebens kann weder durch eine rein äußerliche Organisation der priesterlichen Aufgaben, noch durch die alleinige Verrichtung von Frömmigkeitsübungen erreicht werden, die sicherlich einen gewichtigen Beitrag leisten. Was den Priestern erlaubt, hier aufzubauen, ist es, in der Ausübung ihrer Seelsorge dem Beispiel des Herrn Jesus Christus zu folgen, dessen Speise es war, den Willen dessen zu erfüllen, der ihn gesandt hat, um dessen Werk zu tun (Presbyterorum ordinis, 21). Denn Christus bedient sich, um in der Welt auch weiterhin, durch die Kirche, den Willen des Vaters zu erfüllen, seiner Diener. Er ist es somit, der stets die Quelle und das Grundprinzip der Einheit ihres Lebens bleibt. Die Priester werden die Einheit des Lebens verwirklichen, wenn sie sich mit Christus in der Entdeckung des Willens des Vaters verbinden, und in ihrer eigenen Hingabe an die Herde, die ihnen anvertraut ist (Presbyterorum ordinis, 22). Indem sie so das Leben des Guten Hirten selbst führen, werden sie in der Übung der pastoralen Nächstenliebe das Band der priesterlichen Vervollkommnung finden, das ihr Leben und ihre Tätigkeit zur Einheit zurückführen wird. Denn diese pastorale Nächstenliebe (Presbyterorum ordinis, 23) rührt vor allem vom eucharistischen Opfer her; dieses ist schließlich das Zentrum und die Wurzel des gesamten priesterlichen Lebens, dessen priesterlicher Geist sich bemüht, das zu verinnerlichen, was auf dem Opferaltar geschieht. Das ist nur möglich, wenn die Priester, durch das Gebet, immer tiefer in das Geheimnis Christi eindringen. 5. Juli Am Samstag, den 3. Juli, spendete in Wigratzbad Antonio Kardinal Cañizares Llovera, der Präfekt der Gottesdienstkongregation, fünf Diakonen der Priesterbruderschaft St. Petrus die Priesterweihe. Zwei der fünf Neupriester, Jérôme Bücker und Gerald Gesch, stammen aus Berlin, drei aus Frankreich: Jehan Aldric Rondot, Pierre Marie Després und Arnaud Renard. 114 Priester legten den Weihekandidaten die Hände auf. In seiner Predigt, deren deutsche Übersetzung von Regens P. Franz Karl Banauch vorgetragen wurde, beschrieb der Kardinal die Heiligkeit, zu der der Priester berufen sei. Am Vortag feierte Msgr. Guido Pozzo, der Sekretär der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, im Rahmen eines europäischen Priestertreffens der Petrusbruderschaft ein feierliches Amt in der außerordentlichen Form des römischen Ritus. Vor den Priestern hielt er einen Vortrag, in dem er unter anderem auf die Diskrepanz zwischen den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzil und der nachkonziliaren Theologie einging.
Auf diesem Bild: rechts Msgr. Pozzo, Sekretär der Kommission Ecclesia Dei; links P. Almir de Andrade FSSP, Mitarbeiter der Kommission. Das Bild wurde am 2. Juli nach dem Hochamt aufgenommen, das Msgr. Pozzo in Maria Thann feierte.
Kardinal Cañizares und die Neupriester nach der Priesterweihe.
Kardinal Cañizares (rechts) und Msgr. Pozzo während des Mittagessens nach den Priesterweihen. 5. Juli Vor 100 Jahren, am 5. Juli 1910, bestätigte der Heilige Stuhl die Konstitutionen der brasilianischen Kongregation der Benediktiner. Sie wurden von Abtbischof Gerard van Caloen (1853 - 1915) im engsten Anschluss an die Beuroner Konstitutionen geschaffen. Abtprimas Hildebrand de Hemptinne beriet ihn dabei. Gerard van Caloen, der 1872 in Beuron eingetreten war, war mit der Erneuerung der Benediktiner in Brasilien beauftragt worden. Er wurde am 20. Mai 1896 zum Abt von Olinda im Nordosten Brasiliens ernannt und wurde 1899 Generalvikar der brasilianischen Benediktinerkongregation. 4. Juli Von Dietrich von Hildebrand 3. Folge Vom metaphysischen Standpunkt aus ist es von höchster Wichtigkeit, uns von jeglicher Denkweise frei zu machen, in der das apersonale Seiende, apersonale Relationen und Prinzipien als Urbild (causa exemplaris) der höheren Sphäre fungieren. Wenn wir diese Betrachtungsweise nicht überwinden, sind wir in Gefahr, das spezifische Wesen dieser Akte zu ... 3. Juli “Es ist schon paradox: Während in einer ,,langen Nacht der Kirchen" das Haus Gottes zu Tango geöffnet wird sitzt die liturgische Form vieler Jahrhunderte wie ein Bettler vor dem Portal. Dabei haben sich Befürchtungen weitgehend als unbegründet herausgestellt. Wie vom Heiligen Vater vorhergesehen, ist es fast nirgendwo ,,zu Unruhen oder gar zu Spaltungen in den Gemeinden" gekommen. Widerstände gibt es interessanterweise am ehesten von Hauptamtlichen oder von Laiengremien, oft jedoch mit Hilfe von Unterstellungen und Vorverurteilungen.” Aus: Prof. Dr. Andreas Wollbold, Eine Sternstunde der katholischen Kirche. Drei Jahre “Summorum Pontificum” - ein weiterer differenzierter Blick auf die Wiederzulassung der alten Liturgie, erschienen in Academia 3/2010. 1. Juli Vor einem Jahr, am 2. Juli 2009, starb der evangelische Theologe und Historiker Prof. Dr. Martin Hengel, “einer der bedeutendsten Erforscher des Frühjudentums und des Urchristentums” (Prof. Dr. Rainer Riesner in Idea-Spektrum 28/2009), Ehrendoktor der Universitäten Uppsala, Durham, Straßburg, Cambridge und Dublin, Mitglied der Britischen Akademie, der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Königlich-Niederländischen Akademie der Wissenschaften, Günder der Philipp-Melanchton-Stiftung und Leiter des Tübinger “Instituts für antikes Judentum und hellenistische Religionsgeschichte”. Von 1968 bis 1972 lehrte er in Erlangen, von 1972 bis 1992 in Tübingen. Martin Hengel, der “eine schier unglaubliche Kenntnis der antiken Quellen” (Riesner) besaß, stutzte abenteuerliche Hypothesen über den Ursprung des Christentums zurecht, auch wenn sie von Leuten wie Rudolf Bultmann stammten. “Wenn man wieder begründet die Glaubwürdigkeit der neutestamentlischen Schriften ins internationale wissenschaftliche Gespräch einbringen kann, so ist das auch besonders Martin Hengel zu verdanken” (Riesner). Mit seinem Werk Die johanneische Frage (1993) trug er entscheidend dazu bei, Bultmanns Abwertung des Johannes-Evangeliums als historischer Quelle zu überwinden. Der Papst zitiert ihn mehrmals in seinem Jesus-Buch, etwa wo es darum geht, die “außerordentlich genauen Orts- und Zeitkenntnisse” (Ratzinger, Jesus von Nazareth, S. 262) des Johannesevangeliums herauszustellen und seine Verwurzelung im Judentum, die sich auch in der Sprache zeigt: “Das Werk ist in schlichtem, von der Sprache jüdischer Frömmigkeit gesättigtem, nichtliterarischem Koinegriechisch geschrieben, wie es auch von der Mittel- und Oberschicht etwa in Jerusalem gesprochen wurde” (Martin Hengel, Die johanneische Frage, S. 286; zitiert in Ratzinger, S. 263). Damit bricht eine der Säulen der Argumentation Bultmanns zusammen, der die Sprache des Johannes-Evangeliums als gnostisch ansah. Gleichzeitig beklagt aber Ratzinger, dass Hengel immer noch in der Gegenüberstellung zwischen “banaler Erinnung an Vergangenes” und dessen theologischer Deutung befangen ist und damit die von ihm selber herausgearbeitete Historizität des Johannes-Evangeliums wieder in Frage stellt. Zurecht fragt Ratzinger zurück: “Was macht historische Erinnerung banal? Kommt es auf die Wahrheit des Erinnerten an oder nicht?” (S. 270) Zu Hengels Verdiensten gehört auch die Widerlegung der seit E. Schwartz weit verbreiteten These, “erst Irenäus habe mit der Abfassung seines Werkes Adv. haer. die Tradition zugunsten des Apostels Johannes [als des Verfassers des 4. Evangeliums] begründet” (Hans-Joachim Schulz, Die apostolische Herkunft der Evangelien. Mit einem Vorwort von Rudolf Schnackenburg, Reihe Questiones disputatae 145, Freiburg i. Br. 1993, S. 297). Hengel “erweist diese Zuweisung als bereits existent in kirchenoffiziellen und gnostisierenden Kreisen Kleinasiens, Alexandriens und Roms 130-135" (ebd.). Eine Säule der Katholizismuskritik Rudolf Bultmanns wie auch Adolf von Harnacks brachte Hengel zum Einsturz, nämlich die These der Verfälschung des Christentums durch seine Hellenisierung. In seinem Werk Judentum und Hellenismus: Studien zu ihrer Begegnung unter besonderer Berücksichtigung Palästinas bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts vor Christus zeigte er, dass schon das Judentum zur Zeit Jesu griechisches Denken rezipiert hatte. Manche Kritik am Theologen Joseph Ratzinger, der der Forderung nach einer Enthellenisierung des Christentums immer wieder eine Absage erteilt hat, erweist sich auf diesem Hintergrund als nicht auf dem Stand der Wissenschaft stehend. Hengel kritisierte Zeitgeisterscheinungen wie die “Bibel in gerechter Sprache” und die in seiner Landeskirche grassierende Verharmlosung homosexueller Sünden. Über ein Zeugnis seiner Frömmigkeit berichtet Riesner: “Als im Evangelischen Stift in Tübingen das Tischgebet durch Mehrheitsbeschluss abgeschafft war, hat er sich bei Tagungen demonstrativ darüber hinweggesetzt.” 1. Juli Vor 200 Jahren, am 2. Juli 1810, wurde in Wien der Maler Eduard Jakob von Steinle geboren. Er gehörte dem Kreis der katholischen Nazarener um Johann Friedrich Overbeck und Philipp Veit an, der seinerseits mit dem hl. Klemens Maria Hofbauer bekannt war. Er starb am 18. Juni 1866 in Frankfurt. 1. Juli Vor 50 Jahren, am 1. Juli 1960, starb in Mainz der Jesuit Otto Pies. Am 26. April 1901 in Arenberg bei Koblenz geboren, trat er in die Gesellschaft Jesu ein und wurde 1933 Novizenmeister. 1941 wurde Pies von den Nazis ins KZ Dachau geworfen. Dort lernte er den seligen Karl Leisner kennen. Er wurde dessen Freund und Berater. Leisner machte bei ihm die Exerzitien zur Vorbereitung auf den heimlichen Empfang der Priesterweihe im Konzentrationslager. Nach der Befreiung des KZ durch amerikanische Soldaten am 29. April 1945 gelang es Pies, seinen Freund trotz der Qurantäne, unter der das Lager stand, herauszubringen und ins Lungensanatorium nach Planegg zu verlegen. Als Leisner dort am 12. August starb, war auf seinen Wunsch hin nur Otto Pies bei ihm, der mit ihm die Sterbegebete sprach und ihm das Kreuz zum Kusse reichte. Otto Pies war auch der Novizenmeister von P. Andreas Hönisch gewesen, der tief von dessen jesuitischer Spiritualität geprägt wurde. Weil Hönisch derselben in den nachkonziliaren Wirren treu blieb, gab es für ihn und seine Jugendarbeit im Orden keinen Platz mehr. So setzte er sein Wirken in der neugegründeten Kongregation der Servi Jesu et Mariae fort, die bald von Rom anerkannt wurde und sich der Pfadfinderarbeit in der KPE widmet. Die Anleitung zum monatlichen Empfang des Bußsakramentes und zur vorehelichen Keuschheit waren jedoch modernistischen Kreisen in Deutschlands Kirche ein Dorn im Auge. Während Kinderschänder mit Nachsicht rechnen konnten, wurde Hönischs Jugendarbeit auf dem Boden der katholischen Glaubens- und Morallehre vielfach behindert oder gar zerschlagen. 30. Juni Heute vor 50 Jahren, am 30. Juni 1960, erließ Papst Johannes XXIII. das Apostolische Schreiben Inde a primis über die Verehrung des Kostbaren Blutes, in dem er die Litanei vom Kostbaren Blut approbierte. 30. Juni Aufmerksame Leser haben uns im Blick auf den Beitrag P. Denekes über die geistliche Kleidung darauf aufmerksam gemacht, dass es Ausführungsbestimmungen der Deutschen Bischofskonferenz zu den einschlägigen Bestimmungen des Kirchenrechts gibt. P. Deneke hat dementsprechend den Beitrag geändert. 30. Juni Eine Rezension von Maria Kienzle „Auf den Spuren des Grabtuches von Turin - Eine Entdeckungsreise zu einem der größten Rätsel der Christenheit“ von Michael Hesemann ist 2010 im Petra Kehl Verlag erschienen. Das Buch handelt vom Turiner Grabtuch und seiner Verifizierung als des Tuches, in welches Jesus nach seiner Kreuzigung gewickelt wurde. Es widerlegt die weit verbreitete Annahme, dass es eine Fälschung des Mittelalters sei. Hesemann schildert zunächst die Geschichte des Grabtuches, welches 1355 zum ersten Mal in Europa auftauchte, und die Entdeckung seiner Besonderheit: Negativbilder des Grabtuches zeigen einen kompletten menschlichen Körperabdruck. Anschließend erläutert Hesemann die Methoden der Wissenschaftler. Beispielsweise wird mit der Präzision der Anatomie, der Herkunft der Pollen auf dem Tuch, der Webart des Tuches usw. argumentiert. Außerdem zeigt er, dass die Geschichte des Tuches vor 1355 bis nach Edessa in Vorderasien hinabreicht und die These, das Tuch sei eine Fälschung des Mittelalters, unmöglich macht. Zum Schluss widmet er sich der Frage nach dem Ursprung des Negativabdrucks auf dem Grabtuch. Neueste Forschungen deuten auf eine Strahlung hin, die bei der Auferstehung Jesu frei geworden sei, womit die Historizität der Auferstehung untermauert wird. Mit seinem Buch spricht der Historiker und Journalist Hesemann junge Leser von 8 bis 16 Jahren an und auch ältere Leser, die einen ersten Eindruck in die Thematik bekommen möchten. Auf nur 50 Seiten umreißt er knapp und klar verständlich die Thematik des Grabtuches. Er fasst ebenso präzise und überzeugend wie auch leicht nachvollziehbar die Erkenntnisse der Wissenschaften zur Verifizierung des Grabtuches zusammen. Hierzu tragen auch die zahlreichen farbigen Bilder bei, die insbesondere jüngeren Lesern helfen, den theoretischen Ansätzen der Wissenschaften zu folgen. Zudem erklärt Hesemann unbekanntere Begriffe, wie zum Beispiel Kreuzzug, Templer-Orden, die Geschichte der Fotografie usw. in rot unterlegten Kästen. Diese befinden sich neben dem eigentlichen Text und erleichtern das Verständnis, ohne die Seite unübersichtlich erscheinen zu lassen. Schlussfolgernd kann man sagen, dass das Buch ideal für wissbegierige Kinder und Jugendliche ist. Es ist sowohl als Geschenk als auch für die Erweiterung der Allgemeinbildung geeignet. 29. Juni “Der jüdische Dichter und Essayist Jon Juaristi schreibt in der großen spanischen Tageszeitung ABC: Es sei nicht notwendig, Katholik zu sein, um klar sehen zu können, wo dieses Medien-Kesseltreiben gegen Papst und Kirche hinführt, nämlich die Katholiken aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. Dabei seien es nur der Papst und die Kirche, die den Missbrauch wirklich ernst genommen hätten.” Aus: Michael Schneider-Flagmeyer, Durch die Krise zur Erneuerung, in: Der FELS, Mai 2010 29. Juni Heute vor 100 Jahren, am 29. Juni 1910, empfing Ingbert Naab im Dom zu Eichstätt von Bischof Leo von Mergel OSB die Priesterweihe. Der Kapuzinerpater Ingbert Naab war mit Fritz Gerlich befreundet und bekämpfte wie dieser Adolf Hitler mit allen publizistischen Mitteln. Sein offener Brief an ihn vom 20. März 1932 wurde in 20 Millionen Exemplaren verbreitet. Naab starb am 28. März 1935 in Straßburg. Die stigmatisierte Therese Neumann von Konnersreuth hatte ihm sein Schicksal vorausgesagt. 29. Juni “Die Kirche ist nicht von sich aus heilig; sie besteht in der Tat aus Sündern das wissen wir, und das sehen wir alle. Sie wird vielmehr immer aufs neue vom Heiligen Gottes, von der reinigenden Liebe Christi geheiligt. Gott hat nicht nur gesprochen: Er hat uns sehr realistisch geliebt, geliebt bis hin zum Tod des eigenen Sohnes. Von daher zeigt sich uns die ganze Größe der Offenbarung, die alle Wunden gleichsam in das Herz Gottes eingeschrieben hat. Nun kann jeder von uns persönlich mit dem hl. Paulus sagen: »Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat« (Gal 2,20). Bitten wir den Herrn, daß sich die Wahrheit dieses Wortes mit ihrer Freude und ihrer Verantwortung tief in unser Herz einprägt; bitten wir, daß sie, ausstrahlend von der Eucharistiefeier, immer mehr zu der Kraft wird, die unser Leben gestaltet.” Papst Benedikt XVI. heute vor fünf Jahren in seiner Predigt zum Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus. 29. Juni “Entsetzen muss neben aller Schlammschlacht in der ‘Causa Mixa’ aber noch etwas: Die zunehmende Politisierung kirchlichen Handelns, die hier zutage trat. Über Wochen haben kirchliche Kreise Medien bedient. Am Ende wurde ein vertrauliches Dossier Medienvertretern gezielt zugespielt, dessen Inhalt (Alkoholsucht und sexuelle Übergriffe) am Tag nach der Veröffentlichung von Seiten der Bischofskonferenz offiziell bestätigt wurde. Von solch ‘klassisch-politischen’ Vorgehensweisen kann man sich nur mit Grauen abwenden.” 28. Juni 5. Teil Den Aussagen Mgr. Rizzolatis beim Seligsprechungsprozess entnehmen wir, dass der Wunsch des Heiligen, die Heiden zu bekehren, ihn bewog, Hupé zu verlassen. Ein Jahr hatte sich die Provinz seines Wirkens erfreut. Er trat nun mit einem Chinesen, Limalon, in Verbindung, welcher Christ war und ihn für das Apostolat in seinem Lande zu gewinnen suchte. P. Johannes ging darauf ein, wurde jedoch zunächst zwei Jahre lang durch einen Auftrag seines Bischofs in der rovinz Hunan, die damals zur Diözese Peking gehörte, zurückgehalten. Während dieser Zeit hatte er einen chinesischen Priester zum Gefährten und besuchte mit ihm von Ort zu Ort die Christengemeinden.Im Jahre 1803 fand die für die Missionen Chinas wichtige Synode zu Su-tchuen (Szetschwan) statt, und P. Johannes richtete nun seine Schritte dorthin. Auf dieser Versammlung wurden nützliche Regeln hinsichtlich der Leitung durch die Missionare aufgestellt. Das Jahr 1804 verbrachte P. Johannes in Schen-si. Ihm wurde der Distrikt Han-zou-fou mit sechs bis siebentausend Gläubigen zugewiesen. Die Reise dorthin machte er bis Si-ngan-fou zu Wasser. Shen-si wird vom Gelben Fluss begrenzt, der, nachdem er nördlich in die Mongolei fließt, wieder den Lau nach China richtet und die natürliche Grenze der beiden Provinzen Schen-si und Schan-si bildet. Si-ngan-fou, der Hauptort der Provinz Schen-si, liegt in einer herrlichen, wegen ihrer Fruchtbarkeit im ganzen Reiche berühmten Ebene. Hier hielt sich unser Heiliger auf, ohne einen festen Wohnsitz zu haben. Er bekehrte die Gemeinden Si-ngan-fou und Han-zou-fou. Seine Gastgeber in Si-ngan-fou waren Lien und Cin, in Han-zou-fou der Kaufmann Cin. Von Chen-si begab sich der Missionar nach Kan-sou, wo er einen gewissen Lisinzon kannte. Während seines dortigen Aufenthalts im Jahr 1805 brach die Verfolgung los. Auslöser dieser Verfolgung waren Briefe der Missionare von Peking, die bei einem chinesischen Christen, der nach Kiang-Si reiste, gefunden wurde. Die Mandarine sahen zunächst nichts Verdächtiges in dieser Korrespondenz, als sie plötzlich eine Karte von Kiang-Nan entdeckten, auf der gena der Weg vom Meer bis zu den Grenzen der Provinz Peking eingezeichnet war. P. Adeodat, Prokurator der Mission der Propaganda, sandte sie der hl. Kongregation nach Europa, damit sie das Terrain der italienischen und portugiesischen Missionen abgrenze. Die Mandarine glaubten, es handle sich um eine Sache gegen die Interessen des Reiches. Man ließ die Schreiber der Briefe ergreifen. Auch P. Adeodat mußte erscheinen. Niemand von ihnen wollte der chinesischen Regierung über diese Jurisdiktionsfrage Aufklärung geben. Die Mandarinen benutzten ihre Zurückhaltung, um den Kaiser gegen die Fremden und ihre Religion aufzureizen. Sie erlangten ein Dekret, in dem es unter anderem hieß: “Wir wollen, dass überall Edikte erlassen werden, welche der Sekte der Christen den Eingang verbieten; alle Einwohner des Reiches sollen wissen, dass sie, falls sie eine Verbindung und Korrespondenz mit den Europäern unterhalten, welche die Verbreitung oder Ausübung ihrer Religion bezweckt, als Übertreter unseres Gesetzes streng bestraft werden, ohne alle Hoffnung auf Begnadigung.” Gleichzeitig mit dem Edikt wurden jedoch Gegenbefehle erlassen, die eine Fortsetzung der Missionsarbeit ermöglichten. Dieselbe war jedoch so schwierig und anscheinend vergeblich, dass P. von Tiora im Jahr 1810 folgenden Brief an seinen Generaloberen richtete: Einen großen Trost bedeutete für P. Johannes die Begegnung mit seinem Ordensbruder P. Joachim Salvetti. Dieser war mit achtzehn Jahren in den Orden der Franziskaner eingetreten, hatte in Florenz Philosophie gelehrt und in Siena das Noviziat geleitet und war 1804 nach China gesandt worden. Am 16. September war er in Macao gelandet. Seine ersten Versuche, in das himmlische Reich einzudringen, blieben erfolglos. Er wurde ergriffen und gefangen genommen. P. Salvetti war es, dem unser Heiliger indirekt die Palme des Martyriums verdankte. Denn er wurde später apostolischer Vikar und hielt P. von Triora kraft seiner Autorität in Hunan zurück, obwohl menschliche Klugheit seine Rückkehr nach Macao empfohlen hätte. Wird fortgesetzt. 27. Juni Am 16. Juni hatten Präsident und Geistlicher Leiter der Assoziation Notre-Dame de Chrétienté, Hervé Rolland und P. Guilhem Le Coq FSSP, eine Begegnung mit Papst Benedikt XVI. (siehe Bild). Es stellte sich heraus, dass dem Papst die Wallfahrt vertraut ist. Er lobte sie mit den Worten: "C'est une belle chose!" (“Das ist eine gute Sache”). Die Assoziation Notre-Dame de Chrétienté organisiert seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit der Priesterbruderschaft St. Petrus die dreitägige Fußwallfahrt von Paris nach Chartres, die jedes Jahr über Pfingsten stattfindet. An ihr nehmen ca. 10.000 zumeist junge Menschen teil. Deutsche Medien berichten nicht darüber. Sie ziehen es vor zu schreiben, wenn vier Personen in Rom gegen den Papst demonstrieren (wie im März geschehen). Dieses Jahr nahm an der Wallfahrt, der achtundzwanzigsten, Kardinal André Vingt-Trois, der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz, teil. Er leitete die eucharistische Segensandacht und die Weihe an die Muttergottes und hielt eine Ansprache an die Pilger. Auf der Internetpräsenz der französischen Bischofskonferenz war die Wallfahrt angekündigt worden. Solchen Verhältnissen hängt die Entwicklung in Deutschland noch etwas hinterher. 27. Juni Sein [des hl. Augustinus] Durst nach Wahrheit war radikal und hat ihn schließlich dazu veranlaßt, sich vom katholischen Glauben abzuwenden. Aber seine Radikalität war so geartet, daß er sich nicht mit Philosophien zufrieden geben konnte, die nicht zur Wahrheit selbst gelangten, die nicht bis zu Gott gelangten. Und zu einem Gott, der nicht nur eine letzte kosmologische Hypothese wäre, sondern der wahre Gott, der Gott, der uns das Leben gibt und in dieses unser Leben selbst eintritt. So stellt der gesamte intellektuelle und geistliche Weg des hl. Augustinus auch heute ein gültiges Modell für das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft dar, ein Thema nicht nur für gläubige Menschen, sondern für jeden Menschen, der die Wahrheit sucht, ein zentrales Thema für die innere Ausgewogenheit und das Schicksal jedes Menschen. Diese beiden Dimensionen, Glaube und Vernunft, sind weder voneinander zu trennen noch einander entgegenzusetzen, sondern sie müssen vielmehr stets zusammengehen. Wie Augustinus selbst nach seiner Bekehrung geschrieben hat, sind Glaube und Vernunft »die zwei Kräfte, die uns zum Erkennen bringen« (Contra Academicos III,20,43). Zu Recht berühmt sind in diesem Zusammenhang die zwei augustinischen Formeln (Sermones, 43,9), die diese kohärente Synthese von Glaube und Vernunft zum Ausdruck bringen: »crede ut intelligas« (»glaube, um zu verstehen«) der Glaube öffnet den Weg, um die Tür zur Wahrheit zu durchschreiten , aber auch und davon nicht zu trennen: »intellige ut credas« (»verstehe, um zu glauben«), erforsche die Wahrheit, um Gott zu finden und zu glauben. Diese beiden Aussagen des Augustinus bringen mit eindringlicher Unmittelbarkeit und ebensolcher Tiefe die Synthese dieses Problems zum Ausdruck, in der die katholische Kirche ihren Weg formuliert findet. Historisch nimmt diese Synthese noch vor dem Kommen Christi in der Begegnung zwischen jüdischem Glauben und griechischem Denken im hellenistischen Judentum Gestalt an. In der Folge ist diese Synthese von vielen christlichen Denkern aufgenommen und weiterentwickelt worden. Papst Benedikt XVI. in der Generalaudienz vom 30. Januar 2008. 26. Juni Von Dr. Johannes Gamperl Der Überlieferung nach leiteten zwei heilige Bischöfe die Erziehung des jungen Benno, nämlich der heilige Bernward und der heilige Gotthard von Hildesheim. Benno wurde 1010 in Hildesheim geboren, stammte aus der Grafenfamilie Woldenberg und war mit Bischof Bernward verwandt. Der Knabe wurde streng erzogen. Er besuchte die Hildesheimer Domschule, in der die Söhne der sächsischen Adelsgeschlechter in benediktinischer Zucht und Gelehrsamkeit aufwuchsen. Schon mit fünf Jahren übernahm ihn sein Vetter Bernward zur Erziehung. Immer mehr fand sich Benno im Geiste der benediktinischen Ordensregeln heimisch, so dass er bereits mit achtzehn Jahren im Kloster St. Michael selbst das Ordenskleid des heiligen Benedikt anlegte. Seiner glänzenden Begabung wegen schickten ihn seine Ordensoberen nach Paris, wo er sich an der Universität alle Würden erwerben konnte. Dreißigjährig kehrte er als Doktor der Theologie aus Paris zurück. Nun wurde er auch zum Priester geweiht. Zwei Jahre später schon erwählte man ihn zum Abt des Klosters. Aber bereits nach drei Monaten legte er sein Amt zurück, weil er sich in seiner Bescheidenheit nicht tauglich genug fühlte. Er ging in die Stille, um sich ganz dem Gebet und dem Studium zu widmen. Nur kurze Zeit dauerte diese Zeit der Ruhe, denn man hatte Heinrich III. (+1056) berichtet, welch ausgezeichneter Mann Benno sei. Er berief ihn daraufhin sehr schnell zum Kanonikus des neugegründeten Stiftes Goslar. Nur schweren Herzens und mit Widerstand nahm er die Wahl an. Siebzehn Jahre leitete Benno diese Stiftsschule. Mit dem späteren Erzbischof von Köln, dem heiligen Anno (+ 1075), der zu dieser Zeit noch Propst an seinem Stift war, war der heilige Benno eng befreundet. Dieser setzte sich auch sehr dafür ein, dass Benno im Jahre 1066 zum Bischof von Meißen ernannt wurde. Obwohl er nach damaligen Verhältnissen schon sehr alt war (56 Jahre), konnte er noch vierzig Jahre sein Bistum leiten. Er tat dies umsichtig, klug, gerecht und barmherzig. Es waren segensreiche Jahre für diese Diözese. Denn Benno verband mit dem Eifer des guten Hirten die vorbildlichen Tugenden des monastischen Lebens. Seine Gegenwart und sein ehrfurchtgebietendes Wesen allein genügten oft schon, um Vertrauen und echte Gefolgschaft zu gewinnen. Sogar die jenseits der Reichsgrenzen wohnhaften Wenden ließen sich zum Christentum bekehren und in Scharen empfingen sie die heilige Taufe. Seine Güte und Liebe erreichte mehr als die Verkündigung des Glaubens. Nach den früheren vielen vergeblichen Mühen war er es, der den heidnischen Völkern des Ostens einen Weg zum Christentum bahnte. In einer Zeit, in der viele Bischöfe sich mehr als Reichsfürsten benahmen, war er Priester und Hirte. Seine ganze Kraft wandte er in Demut und Liebe dem Religiösen und Geistlichen zu, so dass sein Ansehen so groß war, dass er noch zu Lebzeiten als heilig und verehrungswürdig galt. Jedes Jahr bereiste er sein Bistum und gab fast alle seine Einkünfte den Armen. Vor allem achtete er auch auf die würdige und ehrfürchtige Messfeier. Doch die segensreiche Tätigkeit des heiligen Bischofs Benno wurde durch das Machtstreben König Heinrichs IV. (+1106) empfindlich gestört. Er unterjochte die Sachsen so grausam, dass sie sich gegen ihn erhoben. Benno verhielt sich neutral, um seine Missionstätigkeit nicht zu gefährden. König Heinrich IV. ließ daraufhin Meißen erobern und das Land verwüsten. Benno selbst wurde vorübergehend gefangen genommen. In dieser Zeit begann auch der schlimme Investiturstreit zwischen dem Kaiser und Papst Gregor VII. (+ 1085). König Heinrich versuchte in der Synode zu Worms, den Papst abzusetzen. Zu dieser Synode war auch Benno geladen. Benno verweigerte dem König nicht die Treue, wo es um das Wohl des Reiches ging, aber von den heimlichen und offenen Umtrieben des Königs gegen Gregor hielt er sich fern. Der Einladung zum Reichstag nach Worms leistete er keine Folge, weil er nicht wie andere Bischöfe seinen Namen zur Absetzung des Papstes hergeben wollte. Benno floh über die Alpen nach Rom, wo er seinen Platz als Diener Gottes und der Kirche wusste. Der Bischof berichtete dem heiligen Kollegium in Rom von den Ereignissen in Deutschland und man beschloss, König Heinrich mit dem Bann zu belegen. Heinrich rächte sich damit, dass er Benno als Bischof von Meißen absetzte und einen willfährigen Nachfolger bestimmte. Aber in der Folge wurde Heinrich IV. tatsächlich von den Fürsten verlassen und das Volk lehnte ihn ab. Beim “Gang nach Canossa“ unterwarf sich Heinrich 1077 widerwillig dem Papst. Er empfing aus der Hand des Papstes sogar den Leib des Herrn. Erst nach Jahren schloss König Heinrich IV. wieder Frieden mit Bischof Benno. So konnte der heilige Benno nach der Aussöhnung mit dem König im Jahre 1088 wieder in sein geliebtes Bistum Meißen zurückkehren. Mit großem Jubel begrüßten ihn die Gläubigen aus seiner Diözese. Unverzüglich und mit Freude nahm er seine wichtige Arbeit wieder auf, heilte die Wunden des Krieges und verkündete die Liebe Gottes durch das Christentum. Nun war Benno bereits sechsundneunzig Jahre alt geworden, und so sehnte er sich natürlicher Weise nach Ruhe. Er zog sich nach Naumburg zurück, um sich auf seinen Tod vorzubereiten. Er starb am 16. Juni 1106. Seinen Leichnam bestattete man im prachtvollen Dom zu Meißen. Durch die reformatorischen Wirren im 16. Jahrhundert wurden seine Reliquien nach langer Irrfahrt durch Herzog Albrecht von Bayem nach München gebracht und in der Frauenkirche beigesetzt. Bischof Benno wird in der Kunst meist im Bischofsornat dargestellt; in der Hand hält er einen Fisch, der im Maul zwei Kirchenschlüssel trägt. Diese Darstellung mit Fisch und Kirchenschlüsseln geht auf eine Legende zurück, die ich hier wiedergeben möchte. Legenden weisen zumeist auf wundervolle Ereignisse hin, die Gottes Wirken veranschaulichen können. Bevor Bischof Benno von Meißen nach Rom reiste, um dem Papst zu berichten, was sich in Deutschland abspielte, übergab er zwei Domherren die Schlüssel des Domes mit dem Auftrag, dieselben in die Elbe zu werfen, sobald sie erfahren sollten, dass der Kaiser und seine Anhänger vom Papst gebannt seien, damit ihnen der Eingang in den Dom verwehrt würde. Nachdem die Versöhnung von König und Bischof gelang, kehrte Bischof Benno zu seiner geliebten “Herde” zurück. Unerkannt stieg er in einem Gasthaus in Meißen ab. Bei diesem Mahl wurde auch ein Fisch aufgetragen. Als man diesen aufschnitt und teilte, fanden sich in seinem Rachen wunderbarerweise die Schlüssel des Domes. Man erkannte nun in dem unbekannten Reisenden den Bischof. Die Kunde verbreitete sich sehr bald unter den Geistlichen und Laien, die herbeieilten und den Bischof unter Jubel in den Dom geleiteten, wo dieser sofort die Kanzel bestieg und eine zu Herzen gehende Predigt hielt. Viele Leute waren lau geworden, aber jetzt eilten sie herbei, um sich neu zu bekehren. Diese Legende zeigt, wie sehr die Gnade die Menschen zu Gott führen kann. Heiliger Bischof Benno, erbitte uns einen tiefen Glauben, eine lebendige Hoffnung und eine große Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen! Dieser Text erschien zuerst in Oase des Friedens 06/21010. 25. Juni Von Alexander Baumgartner SJ Vierter und letzter Teil Da ihm die Pressegesetze eine direkte Kritik desselben [des napoleonischen Regiments] verwehrten, benutzte er die indische Debatte des englischen Parlaments, um durch das Lob englischer Verhältnisse indirekt die französischen zu tadeln (Un débat sur l’Inde au parlement anglais, Aufsatz im Correspondant, 25 Oct. 1858; vgl. Hist.-pol. Bl. LXIII, 137-163). Er wurde dafür gerichtlich belangt und verurteilt, aber die Strafe ward ihm vom Kaiser teilweise erlassen. Bald darauf verwickelte ihn ein Artikel über die römische Politik des Kaisers in einen neuen Prozeß. Von der Rednerbühne ausgeschlossen, fuhr er überhaupt fort, als Publizist zu allen bedeutenderen Fragen Stellung zu nehmen und insbesondere für die Freiheit der Kirche und der katholischen Völker weiterzukämpfen. Sein entschieden katholischer Standpunkt, sein weiter politischer Blick und die vollendete Meisterschaft der Form erhoben diese Schriften weit über das Niveau gewöhnlicher Gelegenheitsschriften und verschafften ihnen in der ganzen Welt Gehör, wenn auch nicht immer Zustimmung und Beifall. Hierher gehören: De l’Avenir politique de l’Angleterre (1856); Pie IX et Lord Palmerston (1856); Une nation en deuil, la Pologne en 1861 (1861); Le Père Lacordaire (1862); Le Pape et la Pologne (1864). Großes Aufsehen, aber auch mannigfachen Widerspruch erregten die zwei Reden, die er am 20. und 21. August 1863 auf dem Katholikenkongreß zu Mecheln hielt, und worin er begeistert die belgische Verfassung mit ihren vier Freiheiten erhob: Les quatre grandes libertés que votre Constitution a données à la Belgique pour patrimoine et au monde pour exemple: la liberté d’enseignement, la liberté d’association, la liberté de la presse, la liberté des cultes: il n’y a pas une seule de ces libertés qui, aujourd’hui, comme en 1830, ne nous soient indispensables, à nous, à vous, à tous les catholiques des deux mondes. Tatsächlich waren es diese „vier Freiheiten“, auf deren Grundlage die katholische Kirche in England, Nordamerika und Holland freie Bahn zu ihrer Entwicklung erhalten hatte, und es gab kaum ein Land, wo die Katholiken dieselben nicht als Notbehelf und minus malus, unter Vorbehalt der korrekten Prinzipien, anrufen mußten, um für ihre Kirche jene Rechte zu erkämpfen, die sie ganz unabhängig von diesen „vier Freiheiten“ kraft göttlichen und historischen Rechtes besaß. Etwas anderes jedoch war es, diese „vier Freiheiten“, wie sie die Revolution von 1789 zum Prinzip erhoben, nicht als Auskunftsmittel in vorübergehendem Notstand, sondern als Idealprinzip und Grundlage aller weiteren politischen Entwicklungen zu bezeichnen. Soweit zu gehen, davon hätte den großen Vorkämpfer der Kirche schon die Verurteilung Lammennais‘ abmahnen müssen, sowie andere Entscheidungen der Päpste, welche bald der Syllabus vom 8. Dezember 1864 vereinigte. Es war klar genug, daß es sich hier nicht bloß um die Ansicht der „Jesuiten“ oder um eine „ultramontane“ Richtung, sondern um einen gewichtigen Schiedsspruch der Kirche selber handelte. Bei aller Ehrfurcht und Anhänglichkeit an die Kirche vermochte sich jedoch Montalembert von seiner schiefen Auffassung der Freiheit nicht loszumachen, um so weniger, als manche Bischöfe und hochangesehene Laien derselben beistimmten oder zuneigten mit der mehr oder minder ausgesprochenen Hoffnung, die katholische Kirche mit den sog. liberalen Anschauungen der modernen Welt auszusöhnen. Im Einverständnis mit Montalembert, Falloux, Albert de Broglie, Cochin u. a. reicht der belgische Staatsminister A. Dechamps sogar Pius IX. eine Denkschrift ein, um ihn von der, wie sie glaubten, inopportunen, d. h. für die augenblicklichen politischen Interessen bedenklichen Veröffentlichung des Syllabus und der ihn begleitenden Enzyklika abzuhalten. Als das vatikanische Konzil eröffnet wurde, glaubte Montalembert seine Lieblingsidee noch ernstlicher bedroht, stellte sich auf Seite derjenigen, welche die Erklärung der päpstlichen Unfehlbarkeit um jeden Preis als inopportun verhindern wollten, und korrespondierte darüber namentlich mit dem liberalen Abbé Loyson. Er war über Sinn und Tragweite, Geschichte und praktische Bedeutung der Infallibilität in solchen Vorurteilen befangen, daß er noch am 28. Februar 1870 einen offenen Brief diktierte, der die Infallibilitätslehre, Papst und Konzil in der heftigsten, feindseligsten Weise angriff (abgedr. in den Acta und decreta ss. conc. recent., Collectio Lac. VII, Friburgi Brisg. 1890, 1385 sqq., deutsch in der Allgem. Zeitung Beil. Nr. 69 vom 10. März 1870). Aus dem Schreiben selbst geht hervor, daß persönliche Angriffe auf seine Freunde Dupanloup, Gratry u. A. ihn am meisten verbittert hatten; er wollte sie verteidigen gegen diesen „armen Klerus, der sich selbst eine so traurige Zeit bereitet, und den ich dereinst geliebt, verteidigt und geehrt habe, wie es noch niemand im modernen Frankreich getan hat“. Schon seit vier Jahren hatte eine schmerzliche, unheilbare Krankheit an ihm gezehrt, als er diesen Brief schrieb. In kirchenfeindlichen Kreisen wurde derselbe laut bejubelt. Als indes nach wenigen Tagen der Tod herannahte und die Gräfin Merode ihn fragte: „Was würden Sie tun, wenn das Konzil in Vereinigung mit dem Papste die Unfehlbarkeit definiert?“ da gab er in festem, überzeugungsvollem Tone die Antwort: „Nun denn, ich würde einfach glauben“ (Brief des Staatsministers Dechamps an P. Gratry vom 24. April 1871, nach dem Genter Journal Le Comte Public deutsch im Mainzer „Katholik“, 55. Jahrg., Mainz 1875, II, 286; Mme Craven, Le Comte de Montalembert, Paris 1873, 147). Im Frieden mit Gott und der Kirche entschlief der unerschrockene, opfermutige Vorkämpfer der katholischen Sache am 13. März 1870. Pius IX. ließ in der Kirche S. Maria del Transpontino ein feierliches Requiem für ihn halten und wohnte persönlich demselben bei. Montalemberts Schriften Seine Hauptwerke sind: Die übrigen gesammelten Werke Montalemberts (Oeuvres, Par. 1861-1868, 9 vols.) umfassen: Literatur 24. Juni “Die Schule des evangelischen Theologen Rudolf Bultmann, (der für die ‘Entmythologisierung’ des Neuen Testaments eintrat) und die historisch-kritische Exegese sind zwar kritisch, aber überhaupt nicht historisch, weil die Archäologie als historische Hilfswissenschaft komplett ignoriert wird. Bultmann hat sich im übrigen sein Leben lang geweigert, ins Heilige Land zu fahren. Er wusste doch, dass mit jedem Spatenstich sein Modell in tausend Stücke zerschlagen wird. Wenn wir die Berichte des Neuen Testaments lesen, dann stellen wir fest, dass es keine unkonkreten, toten, legendären Geschichten sind. Es werden Plätze beschrieben, es werden den Plätzen Namen gegeben. Es wird da sogar in einem Fall zwischen dem Siloach-Teich und der Siloam-Quelle unterschieden. Lange hat man die beiden für Synonyme gehalten. Dann grub man vor ein paar Jahren die Überreste eines großen künstlichen Beckens aus, des Teiches eben, der zwar neben der Quelle lag, aber doch von ihr deutlich getrennt ist. So viele kleinste Details sind archäologisch bestätigt worden, so dass man sagen kann, die Evangelien atmen Lokalkolorit.” So der Historiker Michael Hesemann in einem Interview mit dem PUR-Magazin, Juni 2010. Ausführlich hat Hesemann über das Thema in seinem Buch Jesus von Nazareth. Archäologen auf den Spuren des Erlösers geschrieben, das letztes Jahr erschienen ist. Zum Thema: Scheffczyk über Entmythologisierung 24. Juni 7. „Kraft ihrer göttlichen Sendung (muß) die Kirche“, die das „allgemeine Hilfsmittel des Heils“ ist, und in der allein sich „die ganze Fülle der Heilsmittel“ findet (Unitatis Redintegratio, 3), „ihrem Wesen nach Jesus Christus der Welt verkünden“ (Richtlinien und Hinweise, I.). In der Tat glauben wir, daß wir gerade durch Ihn zum Vater gelangen (vgl. Joh 14,6) und daß „das ewige Leben darin besteht, daß sie dich kennen, dich, den einzigen wahren Gott, und seinen Gesandten, Jesus Christus“ (Joh 17,3). Jesus bekräftigt (Joh 10,16), daß „es nur eine Herde, nur einen Hirten geben wird“. Kirche und Judentum können also nicht als zwei parallele Heilswege dargestellt werden, und die Kirche muß Christus als Erlöser vor allen Menschen bezeugen, und dies im „konsequent durchgehaltenen Respekt gegenüber der religiösen Freiheit des anderen, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil lehrt (in der Erklärung Dignitatis Humanae)“ (Richtlinien und Hinweise, I.). Aus dem Schreiben "Hinweise für eine richtige Darstellung von Juden und Judentum in der Predigt und in der Katechese der katholischen Kirche", welches die Vatikanische Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum im Sekretariat für die Einheit der Christen (Präsident: Johannes Kardinal Willebrands) heute vor 25 Jahren, also unter Papst Johannes Paul II., veröffentlichte. Zum Thema: Kardinal Lehmann und die Taufe der Juden 24. Juni Das Vatican-Magazin hat in seiner Juni/Juli-Ausgabe 2010 ein Interview mit dem Historiker Rudolf Morsey über Fritz Gerlich veröffentlicht. Gerlich bekämpfte in seiner Zeitschrift Der Gerade Weg Hitler so heftig und kompromisslos, dass er bereits am Tag nach der Machtübernahme der NSDAP in Bayern, am 9. März 1933, verhaftet und am 30. Juni 1934 in Dachau ermordet wurde. Entscheidendes Motiv seines Widerstands war der Gedanke des Naturrechts, wie Morsey ausführt: “Gerlichs Widerstand gegen den Totalitarismus, den braunen wie den roten - gegen den Kommunismus bereits seit 1919 - gründete auf vorstaatlichem Naturrecht. Die darin verankerten Menschenrechte sah er durch seine Konversion im Sinne der katholischen Soziallehre gestärkt. So berief sich Gerlich immer wieder auf die Sozialenzyklika Pius’ XI. ‘Quadragesimo anno’ von 1931. Der Verlag in München, in dem seit Januar 1932 sein ‘gerader Weg’ erschien, hieß ‘Naturrechtsverlag’.” Zu seinen Stützen gehörten der Bischof von Eichstätt Konrad Graf von Preysing und der Erzbischof von München und Freising, Kardinal von Faulhaber. Auch in der Familie Ratzinger wurde der Gerade Weg gelesen und geschätzt. Natürlich wurden diese Fakten von Michael Meier in seinem Pamphlet über die “braunen Lehrer des Papstes” geflissentlich verschwiegen. 23. Juni Vor 850 Jahren, am 23. Juni 1160, wurde in Faucon in der Provence der hl. Johannes von Matha geboren, der zusammen mit dem hl. Felix von Valois den Trinitarierorden zur Befreiung christlicher Sklaven gründete. 23. Juni Vor 150 Jahren, am 23. Juni 1860, starb in Turin der hl. Josef Cafasso. Er wurde am 15. Januar 1811 in Castelnuova d’Asti geboren und wurde 1835 Beichtvater, Seelenführer und Freund des hl. Don Bosco. Dieser gab über ihn folgendes Zeugnis: 23. Juni Vor 400 Jahren, am 22. Juni 1610, unterstützte Papst Paul V. (1605 - 1621) durch ein lobendes Breve die Mission in Persien und sandte neue Mitarbeiter dorthin. Die Mission lag in den Händen der Karmeliten. Papst Klemens VIII. (1592 - 1605) hatte im Sommer 1604 vier Mitglieder der Unbeschuhten Karmeliten nach Persien gesandt, und zwar die Priester Paul von Jesus Maria aus Genua, Johannes vom hl. Elisäus (Juan Tadeo de San Eliseo) aus dem spanischen Calahorra, Vinzenz vom hl. Franziskus aus Valencia und den Laienbruder Giovanni dell’Assunzione aus Umbrien. Schah Abbas I. der Große (1587 - 1629), der sich den europäischen Mächten wegen der gemeinsamen Bedrohung durch die Türken angenähert hatte, erlaubte den Missionaren, das Evangelium in Isfahan (Ispahan, Esfahan) frei zu verkünden. Isfahan, das ca. 340 km südlich von Teheran und 700 km östlich von Bagdad liegt, war 1598 vom Schah zur Hauptstadt gemacht worden. “Zur Unterstützung und Festigung der Missionstätigkeit der Unbeschuhten Karmeliten gründete Paul V. 1608 in ihrem Kloster zu Rom bei S. Susanna ein Seminar, wozu 1612 unter dem Patronat des Apostels der Heiden, des hl. Paulus, eine besondere Missionshochschule kam. In ihr sollte eine auserlesene Kerntruppe der Kriegsschar Christi unter dem Banner der hl. Teresa herangebildet werden. Sie weihten sich ihrem Dienst durch einen besonderen Eid, den sie in die Hände des Generals ablegten. Der Studienbetrieb umfaßte zwei Hauptfächer: Sprachkunde und Kontroverse oder Missionsmethode. Am Ausbau der Anstalt arbeitete vor allem Thomas a Jesu, der geistsprühendste Missionseiferer seines Ordens. Er gründete schon 1621 in Löwen ein weitere Seminar für Glaubensboten. Die Männer, die aus der Schule der Karmeliten hervorgingen, besaßen den echten Missionsgeist. Sie stifteten unter Paul V. nicht bloß in Persien, sondern auch in anderen Gebieten reichen Segen” (Ludwig Pastor, Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters, Zwölfter Band: Geschichte der Päpste im Zeitalter der katholischen Restauration und des Dreißigjährigen Krieges. Leo XI. und Paul V. (1605 - 1621), Freiburg im Breisgau 1927, S. 260). Die Karmeliten gründeten in Ispahan ein Kloster. Das Haus hatte ihnen der Schah geschenkt. Es entstanden christliche Gemeinden, die für das Christentum eine neue Blütezeit anzukündigen schienen. Die Unbeschuhten Karmeliten konnten in den nächsten Jahren in Persien drei weitere Niederlassungen gründen, und zwar in Ormuz (1612-1622), Basra und Shiras (1623), außerdem 1625 in Aleppo. Ihnen folgten weitere Orden: 1628 die Kapuziner (in Bagdad und Ispahan), 1653 die Jesuiten, außerdem Dominikaner, Franziskaner und Augustiner. 1629 wurde die Diözese von Isfahan errichtet. Johannes vom hl. Elisäus wurde von Paul V. zum Bischof ernannt. Er empfing in Rom die Bischofsweihe, starb aber auf der Rückreise nach Persien. Mit der Thronbesteigung des Nadir Schah (1736 - 1747) fand diese Phase des Missionsaufschwungs ihr Ende und machte einer grausamen Christenverfolgung Platz. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Mission durch die Lazaristen wiederbelebt. 22. Juni Von Prof. Dr. Dr. Julius Beßmer SJ Sechster Teil Wer wird sich je um bloße Formeln kümmern, deren Interpretation sich stetig ändern muß, um sich dem jeweiligen Stand des Wissens anzupassen? Wenn ihnen keine absolute Wahrheit entspricht, dann dürfen auch die Dogmen nicht mehr als Kriterium angesprochen werden. Dann bildet im Gegenteil auch auf religiösem Gebiete die Wissenschaft das ... 21. Juni Laut einer zwischen 1985 und 2005 an der Univerität Heidelberg durchgeführten Langzeit-Studie ist natürliche Familienplanung ebenso sicher wie die Einnahme der Pille. Nach Angaben der beteiligten Mediziner führt die korrekte und konsequente Anwendung der sogenannten sympothermalen Verhütungsmethode, die auf Temperaturmessungen und der Beobachtung des Zervixschleims basiert, dazu, dass pro Jahr nur eine von 250 Frauen unerwartet schwanger wird. Natürliche Familienplanung bedeutet ein Sexualleben ohne negative Folgewirkungen, ohne Brustkrebsrisiko und vor allem ohne Frühabtreibungen. Und sie bedeutet, dass beide Partner in ihrer Würde ernst genommen werden und aufeinander Rücksicht nehmen, also ein wirklich partnerschaftliches Konzept. Das hierzu notwendige Maß an Selbstbeherrschung wäre ein positiver Nebeneffekt auf dem Weg zur Kultivierung einer menschenwürdig gelebten Sexualität. Aus: Alexandra Maria Linder, Risiken und Nebenwirkungen meist kein Thema, in: Tagespost vom 22. Mai 2010 21. Juni Vor 250 Jahren, am 22. Juni 1760, wurde in Straßburg Joseph Ludwig Colmar geboren, der 1802 Bischof von Mainz wurde und als solcher die Dome von Mainz und Speyer vor dem Abbruch rettete. Er starb am 15. Dezember 1818 in Mainz. 21. Juni Vor 50 Jahren, am 21. Juni 1960, starb in Freiburg i. Br. im Alter von 77 Jahren der Exeget Alfred Wikenhauser. 20. Juni Von Dietrich von Hildebrand 2. Folge Das Wissen um diese Tatsachen zeigt sich uns auch als Grundlage fürdie große Freudsche Entdeckung des Phänomens der Verdrängung. Ob wohl sein theoretischer Ausgangspunkt sicherlich keine philosophische Einsicht in diese Tatsache einschließt, baut er nichtsdestoweniger ...Zum Beitrag 19. Juni Wir glauben wirklich, dass es Gott gibt, dass Gott in mein Leben eintritt, dass ich mein Leben auf Christus gründen kann, auf das künftige Leben. Und wir kennen jetzt die Kritiken der Welt, von denen Sie gesprochen haben. Es ist wahr, dass der Zölibat für die agnostische Welt, für die Welt, die mit Gott nichts zu tun hat, ein großer Skandal ist, da er gerade zeigt, dass Gott als Wirklichkeit betrachtet und gelebt wird. Mit dem eschatologischen Leben des Zölibats betritt die künftige Welt Gottes die Wirklichkeit unserer Zeit. Und das sollte verschwinden! Zölibat ist Askese, und Askese ist etwas, das für unsere Gesellschaft unerträglich ist, das absolut Nicht-Säkularisierbare. Es gibt zwar alle möglichen Formen von Konsum und Befriedigung, aber Askese, also der freiwillige Verzicht auf Möglichkeiten, ist für die offizielle Selbstbeschreibung einer säkularen bürgerlichen Gesellschaft ein Skandal. Die Leute wittern, dass hinter der Askese Macht steckt, und das reizt sie bis aufs Blut. 19. Juni Vor 450 Jahren, am 20. Juni 1560, kamen die ersten Jesuiten nach Trier. Im September konnten die Jesuiten ihre Niederlassung eröffnen. Sechs Jesuiten aus Rom kamen hinzu. 1561 übernahmen die Jesuiten die Leitung der Philosophischen und Theologischen Fakultät der Trierer Universität. Außerdem gründeten sie im selben Jahr das Dreifaltigkeitskolleg, das heutige Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. “1581 gab es bereits 73 Jesuiten in Trier: 20 Priester, zehn Adjutores und 43 Novizen” (Gunther Franz in der TRE, Band 34, S. 81). 200 Jahre lang bestimmten die Jesuiten laut Franz das Geistesleben im Erzbistum. |
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